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================================================= Beachte: Gesamter Beitrag (Teile 1 bis 9) in Überarbeitung =================================================
Kann nicht aus dem Bunker sein (2) Anmerkung 2: Der Spiegel-Artikel im Welt-Link-Spiegel Wie oben geschrieben, hat der Spiegel-Artikel ein offenbar weltweites Echo hervorgerufen. Erste Google-Recherchen ließen das sofort vermuten, von bloßen Hinweisen bis zu ausführlicheren Berichten war sofort alles vertreten. Anfang Oktober 2007 begann ich, mich dann etwas genauer mit der Materie zu befassen. Ich stieß nun auch auf sehr frühe Kritik, auf Identifikationsversuche, insbesondere auf diejenigen, die auf der Grund- lage des TimesOnline-Berichtes im www.78online.com/forum stattgefunden hatten (siehe unten), und zudem fand ich auch eine spanische und eine französische Übersetzung des Artikels (siehe weiter oben). Wer weiß, was es noch alles gibt. In der folgenden Liste werden interessante Hin- weise und Links gesammelt. Man beachte auch die Links in den angelink- ten Seiten. Da eröffnen sich gelegentlich interessante Ausblicke. Es ist von mir noch nicht genau genug recherchiert worden, doch etliche Artikel scheint auch die lateinamerikanische "Web-Welt" zu bieten. Das wäre keine Überraschung, denn daß es, besonders in den süd- lichen Staaten, ein erstaunlich großes Interesse an der Thematik "Drittes Reich" gibt (aus sehr unterschiedlichen Gründen, das sei betont), ist bekannt. Dazu nebenbei: Vor allem aus Argentinien und Uruquay werden seit langer Zeit auf antiquarischem Weg kontinuierlich "Klassik"-Schellacks angeboten, die musik- und aufnahmengeschichtlich immer wieder einen im WEITESTEN Sinn "deutschen Bezug" aufweisen, z.B. rare Aufnahmen mit Künstlern wie Lotte Lehmann, und hierbei ist oft Deutschland in der Tat auch das Produktionsland, so z.B. bei Odeon- oder Parlophon-Aufnahmen. Zweifellos, diese Angebote, deren Reservoirs ergiebig zu sein scheinen, springen ins Sammlerauge: Die Aufnahmen bzw. Pressungen sind sehr oft sehr selten, bestechen ebenso häufig qualitativ (künstlerisch wie zustandsbezogen) durch ein erstaunliches, ausgesucht hohes Niveau. Man kann sagen, abgeleitet von den den Offer- ten und Auktionen beiläufig mitgelieferten Einzelheiten ergibt sich insgesamt der Eindruck, daß derlei Platten wohl weniger aus neueren Sammlungen herrühren, sondern auf die eine oder andere Weise Uralt- Privatbeständen angehörten. Bestände, deren einstige Entstehung aller- dings wohl nicht so sehr in Deutschland als vielmehr im Ausland von- statten ging, mit "Ausland" ist das europäische gemeint. Entschei- dend war hierbei offenbar die Möglichkeit des Direktkaufs vor Ort, begünstigt wohl durch ein gut sortiertes Radio- und Plattenfachge- schäft, einem Phonohaus oder "Spezialhaus" als Orientierungshilfe an der Hand. "Spezialhäuser" waren spezielle Phono- und Plattengeschäf- te, in Deutschland hießen sie z. B. auch "autorisierte Electrola- Verkaufsstelle", "Odeon-Musikhaus", "Columbia-Musikhaus" und der- gleichen, ähnliches gab es auch in Frankreich, Italien, Österreich, Ungarn usw., wohl in ganz Europa. Die Frage ist nun, wie derartige Sammlungen auf die südliche Globushälfte gelangt sind, mit was dieser stupende Sachverhalt wohl zusammenhängen mag. Vermutlich mit dem diffizilen Themenbereich Immigration - Ende einer Flucht. Flucht zum einen vor nationalsozialistischer Verfolgung (Emigration), aber zum andern auch: Flucht nationalsozialistischer Kollaborateure und Täter vor "Schwierigkeiten" und Strafverfolgung. Beispiel für einen argentinischen Bericht; der Bezug auf den Spie- gel-Artikel ist angegeben: 08.08.2007 (www.pagina12.com.ar) Die Beiträge einer Auseinandersetzung zu unterziehen, ist hier nicht geplant. Das würde zu weit führen. Es muß aber unbedingt angedeutet sein, daß die Qualität sehr unterschiedlich ist. Es kommt viel dummes Zeug vor. Auch kuriose Versehen. Auf der Seite www.buzzle.com beispiels- weise widersprechen sich die über einen Artikel von Pamela Mortimer gesetzten Titel und Untertitel: Hitler’s Secret Stash Shows Up in Dead Soldier's Attic / A secret stash of music belonging to Hitler has been discovered in a former Nazi officer's attic. Glücklicherweise entspricht der Inhalt des Artikels dem Titel. Der Aufsatz hat am Schluß den Hinweis "By Buzzle Staff and Agencies / Published: 8/7/2007 [= 7. August 2007]". Hinweis zur nachfolgenden Aufstellung: Angaben wie "Gegenüber 'Spiegel' neu: 'Beethoven's rousing Ninth Symphony', 'Mendelssohn', 'Offenbach'" beziehen sich auf Aussagen, in der Nikolina Gora-Fund- sache seien die "Ninth Symphony" oder die jeweils einzeln angeführten Komponisten vertreten, wobei das allerdings Aussagen sind, für die im Spiegel-Artikel keine Anhaltspunkte zu finden sind. 06.08.2007 Deutsche Welle (www.dw-world.de) th ("Article based on news reports"): Hitler's Unearthed Music Collection Yields Surprising Finds Direkte Reaktion auf den Spiegel-Artikel (gleicher Tag) Zum Trichtergrammophon-Foto: Romantisch-nostalgische Verunklarung der Wirklichkeit, ebenso (Die Welt, 10.8.2007, Manfred Quiring, Moskau-Korrespon- dent: Adolf Hitlers Plattensammlung gefunden; der Bericht beruht offensichtlich auf dem "Spiegel"-Artikel), ebenso (ORF, Link 1, August 2007, Hitlers Plattensammlung, Schellack-Scheiben wiederentdeckt), ebenso (ORF, Link 2, Dezember 2007, Titelgebung wie oben) (Kommentar siehe "Video zur Nikolina Gora-Fundsache (2), D) Ver- schiedenes"), ebenso (www.1tv.ru, 19.10.2007, Info zu einer Video-Dokumentation, Foto 4, siehe auch unten unter 19.10.2007) ebenso, doch mehrfach verdreht:
Hitler und Trichtergrammophon, Quelle: www.utro.ru
Eine Anspielung auf das Logo von His Master's Voice (Doch dessen Hauptdarsteller ist kein Pitbull!) Quelle: www.utro.ru/articles/2007/08/07/669514.shtml 07.08.2007 Любовь Гитлера не поддавалась регламенту (Hitlers Liebe paßte sich den Dienstvorschriften nicht an.) Beachte die Manipulation zum heimlichen Seitenblick. (Montage nachbearbeitet gegen zahllose JPG-Schlieren)
La Voix de son Maître, FBLP 1024
Nipper Quelle für die obige verdrehte Anspielung His Master's Voice / La Voix de son Maître / La Voce del Padrone / La Voz de su Amo / Die Stimme seines Herrn usw. (Abbildung: 25-cm-LP, 1952) Beachte: Vom "originalen" HMV-Logo "Nipper in bunt" existieren diverse Fassungen (vgl. hier diese mit einer von 1926).
06.08.2007 MailOnline (Daily Mail) (offenbar aus Moskau, "updated": 7.8.2007, Datierung 6. August nach der ersten Leserzuschrift: "6/8/2007 23:48") Hitler's lost music collection reveals 'forbidden' Jewish and Russian composers Gegenüber "Spiegel" neu: "Beethoven's rousing Ninth Symphony" (Bezug auf Platten nur eine vage Andeutung), "Mendelssohn", "Offenbach" Beachte: Auf der Seite eines bekannten englischen Rechtsextremisten ist offensichtlich - unter dem Logo "Daily Mail / 24 HOURS A DAY" - die mit "Monday, August 6, 2007" datierte Erstfassung wiedergegeben. Dieser "Abdruck" enthält keine Fotos, also auch nicht den nur in einer Bildunterschrift existierenden Hinweis "Beethoven's rousing Ninth Symphony". Ansonsten entspricht der Wortlaut des Textes, abge- sehen von einer Umstellung (erster Satz vor dem Titel), demjenigen der "aktualisierten" Fassung vom 7. August. Die Seite des Rechts- extremisten ist über www.google.de nicht erreichbar, für Forschungs- zwecke nehme man z.B. www.google.com, www.google.ru, www.yandex.ru (Sucheingabe: Titel, Sachstand: 6.9.2009). 06.08.2007 Telegraph.co.uk (The Daily Telegraph) Petra Krischok, Berlin: Hitler's record collection from his Berlin bunker Siehe unten unter 08.08.2007 07.08.2007 International Harald Tribune (The Global Edition of The New York Times) Michael Schwirtz (The New York Times), Moskau: Music Found in Moscow May Be Hitler’s Der Artikel (Variante 1) ist seit dem 1. April 2009 nicht mehr über www.iht.com (International Harald Tribune) erreichbar. Er wechselte ins New York Times-Archiv (Abteilung "World") und erfuhr dabei zwei Detailänderungen (Artikelvariante 3). Im IHT-Original war als Veröf- fentlichungsdatierung "Published: August 7, 2007" angegeben, der Text begann mit "MOSCOW: Hitler's outward hatred...". In der Archivfassung lauten dagegen die Veröffentlichungsdaten so: "Published: August 8, 2007" / "MOSCOW, Aug. 7"; der Text beginnt nun ohne die einleitende Ortsangabe unmittelbar mit "Hitler's outward hatred...". Erreicht wird die archivierte Fassung u.a. über die folgende NYT-Suche (Such- begriffe: Schwirtz Music Moscow Hitler). Der Artikel erschien ursprünglich außer im IHT auch in der New York Times, Abteilung "Europe" (Variante 2): 08.08.2007. Die Veröffent- lichungsdaten lauten wie bei der Variante 3: "Published: August 8, 2007" / "MOSCOW, Aug. 7". Allerdings ist die Anordnung etwas unter- schiedlich: "MOSCOW, Aug. 7" steht nicht über, sondern vor dem Text. Seit spätestens dem 16. Mai 2009 ist die alte International Harald Tribune-Adresse wieder in Funktion, sie ruft per Weiterleitung eine Seite aus dem NYT-Archiv auf (Abteilung "Europe"): 07.08.2007 (Vari- ante 4). Diese enthält die Ortsangabe und Datierung der IHT-Version, allerdings in einer leicht abgewandelten Form: "Published: Tuesday, August 7, 2007" // "MOSCOW —" ("MOSCOW —" leitet den Text ein). Drei Varianten stecken also im NYT-Archiv (der eigentliche Text ist aber unverändert geblieben ist): Varianten 2 und 4 in der Abteilung "Europe", Variante 3 in der Abteilung "World". Das International Harald Tribune-Original hat die New York Times offenbar nicht mehr, es ist aber auf meiner Festplatte. Gegenüber dem "Spiegel" keine neuen Werk- oder Komponistennennungen. 07.08.2007 Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.8.2007, Feuilleton, S. 33 kho, Moskau: Führermusik / Plattenkiste: Hitler hörte auch jüdische und russische Musik (Internet: kostenpflichtig! Suche im "F.A.Z.-Archiv" mit den Stich- worten: Moskau Führermusik) Gegenüber "Spiegel" neu: "Beethovens Neunte", "Mozart", "Schumann". Neben den deutlichen "Spiegel-Spuren" gibt es Berichtelemente, die auch der Daily Mail-Artikel hat. Beachte: Es gibt einige Anzeichen anzunehmen, daß in Moskau zum Erscheinungstermin der Nummer 32/2007 des Spiegels (6. August) eine Pressekonferenz oder etwas ähnliches stattgefunden hat. Gedruckt war die Nummer jedenfalls schon späte- stens am 4. August (siehe PDF-Adresse des Artikels, oder klicke im Adobe Reader rechte Maustaste: Dokumenteneigenschaften..., Register- karte: Beschreibung). Gegen eine vermeintliche Pressekonferenz sprechen alle bis jetzt (31.1.2010) aufgefundenen russischen Seiten, früheste Datierung: 7. August 2007; auch tauchen Quellennennungen auf, neben dem "Spiegel": DW-World (siehe oben), The Times und www.playbillarts.com (beide siehe unten), Beispiel: 07.08.2007, www.lenta.ru, Гитлер оказался тайным поклонником русской классики (Hitler war ein heimlicher Liebhaber russischer Klassik); weitere Recherchen von Zeit zu Zeit. 07.08.2007 Times Online ("From The Times") Roger Boyes: Hitler's 'Desert Island Discs' turn up in a dead Russian soldier's attic Korrespondenten-Bericht aus Berlin (ursprünglich mit zwei Ab- bildungen versehen, siehe unten) Gegenüber dem "Spiegel" neu: "Mozart Piano Sonata No 8 in A minor with Artur Schnabel" (siehe auch unten www.78online.com). Link zu Geoff Brown, Musikkritiker der "Times": 07.08.2007 Neugestaltung der Präsenz Mitte Juni 2010, neuer Name: THE TIMES / THE SUNDAY TIMES, der Text des Artikels und dessen Struktur erfuh- ren keine Änderungen. Gestrichen worden war aber der zwischen Überschrift und Autorennennung plazierte "Switch- Kasten" für zwei anwählbare Abbildungen, die somit ebenfalls entfielen. Das waren: a) Ein Ausschnitt aus einem sehr bekannten Farbfoto Hitlers, mit SA-Sakko und Hakenkreuzarmbinde, auf der Terrassenmauer seines am Obersalzberg gelegenen Berghofs sitzend, im Hintergrund das Unters- bergmassiv. Die Wiedergabe wies eine Farbverunklarung auf, die typi- sche SA-Ockerfarbe war hier ein helles Braun, ein Beige. b) Das "Spiegel-Dachboden-Foto" mit dem fehl eingeschätzten RCA Victor- Brahmsalbum von 1948 hell leuchtend im Vordergrund (im Artikel, S. 113). Diese Wiedergabe war allerdings wiederum nur ein Ausschnitt; hierfür hatte aber als Grundlage auf keinen Fall das Foto des Spiegel-Artikels gedient (denn beide Abbildungen sind ihrerseits - unterschiedliche - Ausschnitte), sondern entweder die Abbildung der ersten Online-Wiedergabe des Spiegel-Artikels (HTML-Fassung 1, siehe weiter oben die Aufstellung) oder, und viele unterschiedliche Details (das Vorhandensein von bestimmten Deutlichkeiten, JPG- Schlieren usw.) sprechen für diese Variante, die Wiedergabe des Fotos auf der einstigen Bildergalerie des Fotografen Justin Jin von 2007 "Hitler's Music". Es ist durchaus möglich, daß für die Ent- fernung dieser Abbildung die Fehleinschätzung eine Rolle gespielt haben mag. Der Times Online-Artikel ist eine der Quellen u.a. für: 07.08.2007, www.podrobnosti.com.ua (Ukraine), Гитлер был поклонником русской музыки? (War Hitler ein Liebhaber russischer Musik?), Wiedergabe der Fünf-Punkte-Liste "Fu[e]hrer's favourites" in eigenen Worten. Dieser Aufstellung (in welcher Form auch immer) begegnet man auf russischen Seiten oft, z.B. auf "Top News" (www.topnews.ru) vom 07.08.2007 (Adresse bis April 2010: http://ns1.life.ru/news_id_13753.html), Гитлер оказался фанатом еврейских музыкантов (Hitler war ein Fan jüdischer Musiker). Beachte: Etwa Anfang April 2009 wurde bei diesem Artikel zwischen Titel und Text der Hinweis "Обновлено" (= Aktuali- siert) eingeschoben, dem eine sich täglich erneuernde Datierung folgte. Spätestens Ende Mai 2009 wurde dann "Обновлено" gegen "Опубликовано" (= Veröffentlicht) ausgetauscht und die originale Datierung wieder eingefügt. Der Aktualisierungshinweis muß wohl ein Konzept- oder Programmierfehler gewesen sein, denn irgendwelche Text- änderungen lagen offenbar nicht vor; etliche überprüfte ältere Arti- kel hatten übrigens diesen Hinweis ebenso. Gleichwie, die Original- fassung mit der Originaldatierung ist in meiner Sammlung (Überprüfung der Sachlage: 31. Mai 2009). Seit Mitte Juni ist diese Seite nicht mehr erreichbar. Doch das ist kein Verlust, denn sie war eine leicht gekürzte Fassung des nachfol- genden, aufrufbaren Originalbeitrags: www.NEWSru.com: 07.08.2007 (12:36, zuletzt aktualisiert: 12:45), Nebenwiedergabe: big.NEWSru.com: 07.08.2007 (12:45), Гитлер любил слушать арии Шаляпина и музыку в исполнении основателя Израильского филармонического оркестра (Hitler hörte gern Schaljapins Arien und die Musikinterpretation des Gründers des Israel Philharmonic Orchestra; "Gründer": gemeint ist Bronislaw Huberman, er gründete 1936 das Palestine Orchestra, erstes Konzert: 26. Dezember 1936 in Tel Aviv). Der Times Online-Artikel hat bei der Verbreitung der Spiegel-Nach- richt eine große Rolle gespielt, nicht nur in der westlichen Welt, sondern besonders im russischsprachigen Raum. NEWSru.com nennt ihn neben dem "Spiegel" als Quelle und von dort stammt auch die "Brahms-Album-Abbildung". Auch dieser NEWSru.com-Beitrag war ein eminenter "Verbreiter". Er wurde sehr oft zitiert, auch komplett übernommen sowie in Foren einkopiert. Beispiele: www.factnews.ru und www.uralweb.ru. Auch www.russianamerica.com gehört hierher, und es ist in diesem Fall auch die Quelle "NEWSru.com" angegeben. factnews.ru: 07.08.2007 (mit der "Brahms-Album-Abbildung"), Russian America 07.08.2007 (Vorspann), 07.08.2007 (Artikel, 5:26 a.m.) Die WWW-Nachweise zu diesem russischen Beitragskomplex sind überaus zahlreich. Eine der wichtigsten Nachrichtenschienen lief von www.timesonline.co.uk über www.inopressa.ru - Inopressa sammelt Nach- richten der ausländische Presse über Rußland - zu www.NEWSru.com, wobei der frühe Beitrag von Inopressa.ru nur noch indirekt erreich- bar ist, denn Inopressa.ru hält offenbar nur die Artikel der ver- gangenen zwei Jahre parat. Der früheste im Juni 2010 noch erreichbare Nachweis war der von www.NEWSru.co.il: 07.08.2007, The Times: На чердаке у русского солдата найдена коллекция любимых пластинок Гитлера (Auf dem Dachboden wurde bei einem russischen Soldaten die Sammlung der Lieblingsplatten Hitlers gefunden). Datum der Veröffent- lichung: 07.08.2007, 10:40, letzte Aktualisierung: 08.08.2007, 06:51. Als Quelle ist Inopressa.ru genannt, außerdem auch der Autor: Роджер Бойс = Roger Boyes. Es handelt sich offenbar um eine Übersetzung des englischen Originaltextes (.co.il = Commercial Israel). Der oben angeführte Artikel auf www.NEWSru.co.il ist auch auf obzor.westsib.ru wiedergegeben, unter dem gleichen Titel (Datierung: 7. August, 15:40). Auch diese Wiedergabe hat einen Quellenhinweis, er lautet: http://www.inopressa.ru/times/2007/08/07/11:05:58/hitler Beachte: Die geographisch bedingten Zeitverschiebungen habe ich noch nicht untersucht, es scheint aber einiges darauf hinzudeuten, daß der Times-Artikel nicht erst am 7. August, sondern schon am 6. oder in der Nacht vom 6. auf den 7. August ins Internet geladen worden war. Wenn das so wäre, würde auch er zu den ganz frühen Artikeln zählen, die auf den 6. August datiert sind (siehe oben), und somit nähre auch das wieder die Frage, ob neben dem Spiegel-Artikel vielleicht eine weitere Quelle eine Rolle spielte. Immerhin gäbe das vielleicht für die Mozart-Erwähnung (und für andere "Sondererwähnungen") eine Erklä- rung ab. 07.08.2007 www.zabolel.ru 5 пластинок, которые Гитлер взял бы на необитаемый остров (5 Platten, die Hitler auf eine einsame Insel mitgenommen hätte) Der Artikel beruht auf dem Times Online-Beitrag (siehe oben). Die Aufstellung der fünf Einsame-Insel-Platten ist auf Web-Seiten der ehemaligen Sowjet-Staaten weitverbreitet (in sehr unterschiedli- chen Formulierungen allerdings). Mit dem im Spiegel veröffentlich- ten Dachboden-Foto, stammt offensichtlich auch von Times Online. 07.08.2007 The Independent (Independent.co.uk) Allan Hall, Berlin: Jewish works found in Hitler's personal record collection Gegenüber "Spiegel" neu: "Mozart", "Schumann" (siehe oben FAZ), "Beethoven's rousing Ninth Symphony" (siehe oben "Daily Mail", FAZ). 07.08.2007 Independent.ie Allan Hall: 'Forbidden' music found in Hitler's secret record collection Andere Fassung des vorhergenannten Allan Hall-Berichts, ohne Ort- sangabe. Gegenüber "Spiegel" neu: "Schumann" (siehe oben FAZ), "Beethoven's 'Ninth Symphony'" (vgl. hiermit die obigen Versionen). Hier kein "Mozart"! 07.08.2007 www.78online.com/forum, 7./8. August 2007 (als Links nicht mehr ======================================================================== Und außerdem Seite E? ======================================================================== verfügbar, Inhalte leider nicht kopiert). Identifikationsdiskussion, erste Ergebnisse. Johannes Brahms: Das "A German Requiem"-Album sei die RCA Victor-Einspielung unter Robert Shaw, Album DM-1236, es sei ein Nachkriegsprodukt (ausführliche Iden- tifikationsdarstellung siehe oben); Wolfgang Amadeus Mozart: Eine Aufnahme der "Piano Sonata No. 8" von Artur Schnabel sei auf His Master's Voice erschienen (weiteres zur Indentifation siehe unten "Anmerkung 4: 'Disc' five"). Der Auslöser für die Diskussion war der Bericht auf www.timesonline.co.uk (siehe oben). Beachte: Vom Albumdeckel her, und nur er ist zu sehen, läßt sich nicht ableiten, es handele sich um die DM-Ausgabe (zu den Ausgaben siehe weiter oben). 07.08.2007 guardian.co.uk (The Guardian) Lee Glendinning: Hitler's secret musical collection - of Russian and Jewish artists (Der Artikel ist offenbar ein Update, denn es exi- stiert eine Fassung vom 6. August, siehe unten. Demnach dürfte die Angabe in der "Article history" "... was first published [...] Tues- day 7 August 2007" falsch sein.) Gibt den Spiegel-Artikel an, nennt "Bruckner", hängt also wohl von der deutschen Ausgabe ab, denn die englische nennt Bruckner nicht. Gleicher Wortlaut auch im Sunday Observer (Sri Lanka): 12.08.2007 Übersetzung ins Russische, www.inosmi.ru: 07.08.2007 Тайная фонотека Гитлера с пластинками русских и еврейских музыкантов (Geheimphonothek Hitlers mit Platten russischer und jüdischer Musiker), Quelle genannt: guardian.co.uk (The Guardian, UK) Ursprüngliche Fassung: 06.08.2008 (Wiedergabe in www.buzzle.com, Titel gleicher Wortlaut, Herkunfts-, aber keine Autorenangabe). Hat schon den Hinweis auf "Bruckner". 07.08.2007 guardian.co.uk (bis 2007 oder Anfang 2008 "Guardian Unlimited", Erstveröffentlichung des Artikels noch unter "Guardian Unlimited", Schreibfehler in der Adresse: "...hilters...") Stephen Moss: Hitler's 'record collection' explodes a few myths 07.08.2007 Alex Ross: The Rest Is Noise Alex Ross (Musikkritiker der Zeitschrift "The New Yorker"): Hitler's record collection (expanded) Offenbar eine der frühen Reaktionen ("expanded"), Hinweis auf amerikanische Bestände aus Hitlers "Berghof" (siehe auch den Beitrag unten). 07.08.2007 ABCNews (abcnews.go.com) Christel Kucharz, Passau (D): Hitler's Record Collection Included Jewish Artists 07.08.2007 Gramophone (gramophone.co.uk) Rob Cowan: Possible record collection of Adolf Hitler found Allgemeine Gedanken, bekanntes Foto, 24. Juli 1938: Hitler besucht die Bayreuther Festspiele, zu sehen sind u.a. Hitler, Winifred, Wieland und Wolfgang Wagner. Beachte: Die Gramophone-Homepage hat eine Neufassung erfahren, die seit Anfang August 2009 online ist. Hierbei wurden offenbar alle die Beiträge gelöscht, die nur für das Web verfaßt worden waren. Cowans Artikel, seit spätestens Anfang Juli 2009 nicht mehr aufrufbar, gehört wohl zu dieser Kategorie. Doch gibt es von diesem Artikel auch eine gedrucke Version, das ist allerdings eine nicht ganz so lesens- werte Kurzfassung (Oktober 2007, S. 19); sie ist über das Gramophone- Archiv erreichbar, als PDF-Datei, aber auch als OCR-Textversion (beachte hierbei die OCR-Poblematik: fehleranfällige Texterkennung); Suchbegriffe: Rob Cowan Hitler, Titel: What the Hitler discs tell us - and why it's not so very surprising). Es ist geplant, den origina- len Web-Artikel hier als Großzitat oder in Auszügen wiederzugeben. 08.08.2007 Telegraph.co.uk (The Daily Telegraph) Petra Krischok, Berlin: Russian composers were music to Hitler's ears Zunächst erschienen am 6. August unter dem Titel "Hitler's record collection from his Berlin bunker" (siehe oben), mehrmals "updated", Beispiel: 07.08.2007. Nennt nur in den ersten Versionen den Spiegel als Quelle. Zunächst ist "Bruckner" nicht angeführt, am 8. August dann mit "Bruckner". Aufstellung am Schluß schon in der Erstfassung. Bericht wird häufig als Quelle angegeben, gemeint ist vermutlich die Erstfassung; diese liegt dann wohl auch vornehmlich Erwähnungen, Einlassungen zugrunde, die man gelegentlich in Foren, Blogs usw. antrifft. 08.08.2007 News.com.au Roger Boyes, Berlin: Hitler relaxed to the music of Jews Auch in The Australian: 08.08.2007 Vergleiche dazu den Bericht des Autors vom 7.8.2007 auf Times Online. Hier ohne die Aufstellung "Fu[e]hrer's favourites"! 08.08.2007 www.78online.com/forum Hinweis auf 23 Platten aus Hitlers "Berghof", wurden 2000 über Ebay versteigert (Link zu dem Hinweis, dem auch der Informationstext der Versteigerung beigefügt war, ist nicht mehr verfügbar, kopiert, Abbildungen zu den Platten sind ebenfalls vorhanden, Identifikations- versuch in Vorbereitung) 08.08.2007 netzeitung.de: Hitler stand auf jüdische Musik Gegenüber "Spiegel" neu: "Mozart", "Beethovens Neunte", "Schumann" (alles schon in früheren Berichten genannt, siehe oben) Beachte: Die Netzzeitung, hierzlande eine der ersten Online-Tages- Zeitungen, wenn nicht die erste überhaupt, wurde zum 31.12.2009 als redaktionell geführtes Web-Blatt aufgelöst und zu einer automatischen Link-Zeitung umfunktioniert. Für lesende Internet-Benutzer ein völlig überflüssiges Produkt. Warten wir ab, wie es mit diesem nun neu ent- standenen Intelligenz-Bolzen weitergeht. Das Layout des hier ange- linkten Artikels änderte sich im Januar 2010 etwas, zunächst wurde der Hinweis zum Foto "Adolf Hitler / Foto: dpa" gestrichen, schließ- lich das Foto selbst. Mitte Februar 2010 kam das Foto wieder hinzu, mit abgeänderter Bildunterschrift: "Adolf Hitler / Quelle: Deutsche / Presse-Agentur GmbH". Außerdem wurde unter dem Titel "Herausgeber: netzeitung.de" eingeschoben. Der Text selbst hat keine Änderung er- fahren. 08.08.2007 Playbill Arts (www.playbillarts.com) Kevin Shihoten: Record Collection, Apparently Hitler's, Discovered in Moscow Nennt den "Spiegel" als Quelle, gegenüber "Spiegel" neu: "Mozart", "Schumann", "Liszt" ("Liszt" dürfte eine Textmißdeutung sein). U.a. eine Quelle für: 13.08.2007, www.specialradio.ru, На даче Льва Безыменского найдена коллекция пластинок Гитлера (In Lew Bezymenskis Datscha ist eine Plattensammlung Hitlers gefunden worden), Kompo- nistennennungen wie zuvor, Foto: Bezymenski im Nachkriegsberlin, siehe "Spiegel" (zeigt davon einen Ausschnitt, stammt aber nicht von der "Spiegel"-Wiedergabe ab, da es links eine Bilderweiterung aufweist); Ersatz, ohne Bezymenski-Foto: 13.08.2007, www.vsesmi.ru 09.08.2007 naviny.by (Belarus, Weißrußland) Гитлер оказался поклонником еврейских музыкантов (Hitler war ein Bewunderer jüdischer Musiker) Den Bericht begleiten zwei Fotos aus dem Spiegel-Artikel: das Dach- boden-Foto mit dem Brahms-Album im Vordergrund und das Etikett-Foto mit dem Aufkleber "Führer- / hauptquartier / 727". Beide Abbildungen sind aber keine Scans der gedruckten Fotos, sie sind vielmehr ein- deutig Verkleinerungen der Dateien, die dem ersten Online-Artikel beigegeben worden waren (HTML-Fassung 1, siehe Zwischennote {*2}, Verkleinerung von 420 x 280 auf 300 x 200 Pixel). Dementsprechend ist denn auch als Quelle "Spiegel-Online" genannt. Als weitere Quelle ist der Times-Artikel angegeben (siehe oben). Diesem ist die im russischsprachigen Raum weitverbreitete Fünf-Punkte-Aufstellung entnommen. 09.08.2007 www.cbc.ca, Radio 2 Blog Blog-Beitrag, unbekannter Absender (Zitat aus Ross, siehe oben 07.08.2007; Beispiel für das Interesse, weltweit) Da wohl kein Permalink, hier die Kopie: Hitler's Record Collection: Debunking The Debunking Posted by on Aug-9-07 at 02:28 PM Over at The Rest Is Noise, Alex Ross takes issue with those who believe recent reportage that Hitler was not the Wagner nut we've long believed him to be. Says Ross: "A three-volume index to Hitler's main record library can be found in the Rare Book and Special Collections division of the Library of Congress. A few Russian records are listed there — including Chaliapin singing Boris Godunov — but they are far outnumbered by the Wagner records, of which I counted around four hundred. Furthermore, the fact that Hitler owned such records does not mean that he enjoyed them; many of these items were sent to him as gifts." [Quelle des Zitats unbekannt] "... The Rest Is Noise...": Link zu Ross, siehe oben 07.08.2007 "... recent reportage that Hitler was not the Wagner nut...": Link zu Hall, siehe oben 07.08.2007 12.08.2007 Sean's Russia Blog (seansrussiablog.org) Hitler's Vines Enthält Informationen zur Vorgeschichte der Nikolina Gora-Fundsache. Beachte: Ende Dezember 2009 bis Anfang Januar 2010 erfuhr der Blog eine Umgestaltung, hierbei änderte sich auch die Adresse der hier verlinkten Seite. Der Text des Artikels und dessen allgemeine Struk- tur sind aber offenbar unverändert geblieben (die originale Seite ist in meinem Archiv, 9.1.2010). 12.08.2007 (direkter Link) Spiegel TV Video über die Nikolina Gora-Fundsache, im Internet erschienen am 12.10.2007 (Kommentar siehe weiter unten: Video zur Nikolina Gora-Fundsache) 16.08.2007 The Jewish Chronicle (TheJC.com), 17. August 2007, Seite 21, Leserbrief (Abteilung: Comment & Analysis). Per Suchabfrage erstellter HTML-Link (Search, Headline, Stichwortkombination: Hitler, Music). Da solche Links wenig beständig sind, nach- folgend der vollständige Text. Früherer Kommentar in The Jerusalem Post: 12.08.2007. Anfang Februar 2009 änderte diese Zeitung ihre Online-Präsenz zu einer kostenpflichtigen Ausgabe ab, so daß man über die Suchfunktion nur an ein einführendes, unverständliches Exzerpt kommt. Siehe deshalb unten die Wieder- gabe des Originaltexts. Zunächst zu TheJC.com: Not Hitler’s music 16/08/2007 [? Datum der Ausgabe: 17. August, siehe oben] One of the photos of the alleged collection of records owned by Hitler (JC, August 10) portrays the album for a set of records — Brahms’s German Requiem — not issued until the end of 1947. Many of the records do not bear any stamp indicating that they were from Hitler’s HQ and there is no conclusive evidence that any of the records were from a personal collection. The attempt in some newspapers to establish Hitler’s desert island selection would seem to be total fantasy [Henig kannte wohl den Times Online-Artikel, siehe oben]. Professor Stanley Henig, Managing Director, Historic Masters Records[,] Lancaster LA1 Der Leserbrief bezieht sich auf eine kurze Nachricht (15 schmale Kolumnenzeilen): JC, 10. August 2007, S. 12 (Abteilung: World News), Titel: Hitler's Jewish Vinyl ["Vinyl" ist Unsinn]. Ein weiterer Hinweis war tags zuvor erschienen (Abteilung: News in brief). Beide Kurznachrichten enthalten keine weiterführenden Details. Der Kommentar in The Jerusalem Post, Online Edition, lautet (Text- version): Aug. 12, 2007, Hitler's music Sir, Re the widespread story about Hitler's "record collection": An illustration carried in some newspapers showed an album of records which were not recorded until 1947! This immediately aroused my suspicions about the entire story. I suspect that its promotion was helped by the claim that Hitler listened to Jewish musicians. There is in fact absolutely no evidence that Hitler himself either owned or played records by any Jewish musicians - least of all Huberman. I have been interviewed about this on BBC Radio 4 ("Hitler listened to Jewish composers", August 8[, 2007]). Stanley Henig Historic Masters Records North Thoresby, UK 23.08.2007 Trud7, No. 650 (Trud7 bzw. Trud-7 ist eine Zeitschrift, www.trud.ru) Michail Zaitsew: Гитлер - поклонник Шаляпина и Рахманинова (Hitler - Ein Anhänger Schaljapins und Rachmaninoffs) Interview mit Alexandra Bezymenskaya (Bezymenski, Александра Безыменская), gegenüber "Spiegel" neu: [Leopold] "Stokowski" ("Стаковского"), siehe auch 19.10.2007. (Beachte: Der Artikel erfuhr Mitte Juli 2009 eine Layout-Umgestal- tung. Der Text scheint unverändert zu sein. Zur Druckausgabe der Trud7 vom 23. August 2007, Nummer 150 des Jahres 2007, gehörte der Artikel offenbar nicht, er war wohl nur eine begleitende Web-Publi- kation zum 23. August 2007. Er trug ursprünglich die Numerierung "No. 150", später "No. 650". Beide Numerierungen sind jetzt entfal- len. Was "No. 650" bedeutet, ist mir unbekannt. "650" steckt im übri- gen zusammen mit dem Datum in der zuletzt angelinkten Web-Adresse: http://www.trud.ru/issue/article.php?id=200708236501401). 25.09.2007 Alex Ross: The Rest Is Noise Alex Ross: Hitler's record collection (update) Zusammenfassung des Diskussionsstands im englischsprachigen Bereich (siehe oben) 19.10.2007 www.sibnovosti.ru (Siberian News Agency) В коллекции пластинок Гитлера оказалось много русской классики (In Hitlers Plattensammlung befanden sich viele russische Klassiker). Bericht über einen Fernsehbeitrag im "Ersten Kanal". Gegenüber "Spiegel" neu: "Stokowski" ("Стаковский"), siehe auch 23.08.2007. Ähnlicher Bericht auf www.votpusk.ru: 19.10.2007, gleicher Titel, enthält auch "Стаковский". Erstquelle: www.1tv.ru (Erster Kanal) 19.10.2007, Info zu einer Video-Dokumentation von Ludmila Moiseenko (Людмилы Моисеенко): Тайный поклонник. В коллекции пластинок Гитлера оказалось много русской классики (Heimlicher Verehrer. In Hitlers Plattensammlung befanden sich viele russische Klassiker), auch in diesem Beitrag ist "Стаковский" genannt. 13.12.2007 (Sendedatum) www.inforadio.de ("Nachrichten mit Hintergrund.", www.rrb-online.de) Sendung: Erfahrungen mit der Geschichtsaufarbeitung (Sendereihe: Vis à vis) Interview mit Albrecht Dümling (Interviewer: Jürgen Buch) anläßlich der Ausstellung "Das verdächtige Saxophon" (eine Überarbeitung der 1988er Ausstellung "Entartete Kunst", Erstausstellung in Düsseldorf), gezeigt in der Berliner Philharmonie vom 3. November bis 31. Dezember 2007, Nachfolgeausstellungen 2008 in Düsseldorf und Mainz, Katalog (mit CD), 368 S. Online-Darstellung der Sendung unter dem obigen Datum und Titel ("Erfahrungen mit...") auf einer Seite der inforadio.de-Abteilung "Radio zum Lesen", darin "Das Interview im Wortlaut" samt Audio-Link (MP3). Der Zugang zur Seite wurde Anfang Februar 2009, spätestens am 16. Februar, gelöscht. Das folgende Zitat stammt aus der Audio-Quelle (die Transkription ist eigentlich unredigiert, d.h. es wurde alles außer Sprecheigenarten, wie Versprecher, Wortfetzen und dergleichen, berücksichtigt). Dümling: "... Es ist ja noch beispielsweise im August dieses Jahres [2007], sind ja beispielsweise die [besser ohne "die", DP] Schallplatten aus dem Führerbunker Hitlers aufgetaucht in Moskau. Und da geht hervor, daraus geht hervor, daß Hitler auch noch zuletzt in der Wolfsschanze, auch noch Schallplatten gehört hat, ausgerechnet mit jüdischen Interpreten. Er hat Schallplattenaufnahmen gehabt von Arthur Schnabel, das hätte er gar nicht dürfen. Nach seiner Auffassung konnten Juden sich für Beethoven gar nicht begeistern, sie konnten das gar nicht verstehen. Also es gab die Widersprüche..." Im Spiegel-Artikel fällt der Begriff "Wolfsschanze" nicht, es taucht auch keine nähere Aussage dazu auf. Eine Verbindung zwischen "Beet- hoven" und "Schnabel", wie sie hier unterschwellig angedeutet ist, fehlt ebenso. Es ist unkar, wo diese Informationen herstammen. Beachte: "Das Interview im Wortlaut" stimmt mit dem Audio-Original sehr oft nicht überein. Auslassungen, Wort- und Satzänderungen auf Schritt und Tritt, daneben enthält die Übertragung auch krasse, stümperhafte Fehler. Ein mangelhaftes Produkt. Teile des Interviews wurden auch am 15. Februar 2007 gesendet, Titel der Sendung "Ausstellung: Das verdächtige Saxophon" (Sendereihe: Umgeschichtet), schriftlicher Bezug dazu wieder in der Abteilung "Radio zum Lesen", wieder mit "Das Interview im Wortlaut" (unge- kürzt), der Audio-Link dazu führte allerdings nur zu dem Interview- Ausschnitt (der den oben zitierten Teil nicht enthielt). Auch diese Seite wurde Anfang Februar 2009, spätestens am 16. Februar, aus dem Netz genommen. Wortlaut der "Führerbunker-Stelle" in der gedruckten Fassung, also im mit "Das Interview im Wortlaut" betitelten Text: Dümling: "... Beispielsweise sind im August dieses Jahres die Schallplatten aus dem Führerbunker Hitlers aufgetaucht in Moskau. Daraus geht hervor, dass Hitler zuletzt noch in der Wolfsschanze auch Schallplatten gehört hat mit jüdischen Interpreten. Er hat Schallplatten gehabt von Arthur Schnabel, das hätte er gar nicht gedurft. Nach seiner Auffassung konnten sich Juden gar nicht für Beethoven begeistern, das konnten sie gar nicht verstehen. Also es gab die Widersprüche..." ======================================================================== Und außerdem Seite E? ======================================================================== Carlo Zecchi www.arbiterrecords.com Allan Evans: Carlo Zecchi (1903-1984), 1996 Auszüge aus einem Interview vom 10. August 1981 Zecchi: "...I also played Petrushka for [...] this Devil..." Sonder-Links (ferne Länder, schöne Zeichen): 13.08.2007 Sàigòn Giài Phóng Online (Sài Gòn Giài Phóng [= Liberated Saigon], www.sggp.org.vn), Zeitung in Ho-Chi-Minh-Stadt (Sài Gòn), Vietnam (Im Titel kommt "Hitler" vor. Eine angemessene Titelfassung kann vorläufig nicht geliefert werden.) Foto: Aufkleber "Führer- / hauptquartier / 727" (Ausschnitt aus dem Spiegel-Foto Electrola-Etikett, Foto: Justin Jin, Moskau) Gegenüber dem "Spiegel" offenbar keine neuen Werk- oder Komponisten- nennungen. Ein weiterer Artikel in vietnamesischer Sprache: 07.08.2007 www.vnchannel.net (Vietnam-Fernsehen, Logo: vnchanel.net [sic]) Beachte das Hitler-Gemälde: Seine Eminenz des großdeutschen Reiches Oberster Gerichts- und Feldherr. Wer hat das für wen und für was angefertigt? Als (Primär-)Quelle ist der Times-Beitrag angegeben (siehe oben: 07.08.2007). Er liegt in fernen Ländern vielen Beiträgen zugrunde. Der folgende spanische aber auch, man begegnet ihm zudem, sogar vollständig rüberkopiert, in Foren und Blogs: 07.08.2007, BBC MUNDO.com (news.bbc.co.uk), Redacción BBC Mundo: La música del Führer Ein Bild Hitlers in Sigmund Freuds Wiener "Studio Medico": 15.02.2010 www.gzt.ru, Natalia Pyhova (Наталья Пыхова): Фрейд сохранил свидетельство нищеты Гитлера (Freud verwahrte einen Nachweis über Hitlers Elend). www.dailymail.co.uk, 13.02.2010, Did Sigmund Freud own a Hitler? 1910 watercolour by Nazi dictator may have hung in Jewish psychoanalyst's office DP, 8.10.2007 (Datierung der Erstfassung dieses Teils), Stand: 27.9.2010 Moskauer Fotos, Einschätzung, diskographische Arbeit (1) ================ In Überarbeitung ================ Einschub: Beibehaltung Es besteht wohl kein Zweifel: Meine kritische, diskographische Haltung, mit der ich den Spiegel-Artikel vom 6. August 2007 "Souvenir aus dem Bunker" und die damit indirekt zusammenhängende Fotogalerie "Hitler's Albums" (siehe unten) gemustert habe, führte offensichtlich dazu, daß von der besagten Fotogalerie am 24. September 2007 eine neue, eine revidierte Fassung ins Web gestellt wurde; man kann sie eine sehr "zurückgefahrene" Version nennen. Übrig geblieben ist nur noch ein bescheidener Teil: Von den Fotos mit Schallplatten ganze drei. Man beachte peinlichst genau: Meine Darstellung unten bezieht sich auf den Stand der Moskauer Fotogalerie vom 7. August bis 24. Septem- ber 2007. Nach reiflicher Überlegung werde ich diese meine Ausführun- gen der neuen Situation nicht anpassen. Grundsätzlich etwas zu än- dern, dafür gibt es nicht den geringsten Grund, ganz im Gegenteil. Meine Beschreibungen und Darlegungen sprechen für sich, sie beziehen sich ja zudem rein sachorientiert auf den Fund in Nikolina Gora, auf die dortige Sammlung, besser: Ansammlung. Und genau diese ist es, die im Mittelpunkt meiner "Fernanalyse" steht. Im übrigen gilt: Man soll- te nicht die Gesamtsicht aus den Augen verlieren. Es geht nicht nur um die Platten aus dem "Führerbunker", sondern auch um die gesell- schaftliche, politische Situation der Nachkriegszeit, ganz besonders sogar. Für manch einen sind natürlich die "Hitler-Braunplatten" die spektakulären. (Um den Wortdrall "Braunplatte" zu erklären: "Schwarz- platte" war in der Uralt-Plattenindustrie einer der Fachausdrücke für die Schellackplatte.) Es wird also so sein, daß sich meine Analyse der ursprünglichen Fassung der Moskauer Ninolina Gora-Fotogalerie sozusagen auf eine nun virtuelle Fassung bezieht. Für diejenigen Forscher, die sich die einstige Fassung heruntergeladen haben, in welcher Form auch immer, kann meine Entscheidung, vom Original nicht abzurücken, hinsichtlich der Orientierung nur von Vorteil sein. Im übrigen war die alte Fas- sung der Galerie nicht über die Homepage des Fotografen zu erreichen, und die neue ist es auch nicht. Wer den Link kennt/kannte, hat Glück gehabt. Der Spiegel-Artikel, der in diversen Ausgaben bzw. Formaten er- schienen ist (siehe oben), hatte großes Aufsehen erregt, offenbar weltweit. Das kann man u.a. im Internet nachverfolgen (Stichworte für Google: Hitler, Hitlers, Schallplatten, Plattensammlung, Schallplat- tensammlung, record collection usw., siehe unten auch den Beitrag auf TimesOnline). Somit ist deutlich, es ist dringend Aufklärung vonnö- ten. Vermutungen oder gar Spekulationen sollten kenntlich gemacht werden. Es ist Vorsicht geboten bei der Einschätzung solcher Funde! Und zu dieser Einstellung wollten und sollen meine Darlegungen bei- tragen. Mit Erfolg, wie man sieht. Inwieweit die handschriftlichen Aufzeichnungen des einstigen Besitzers in der ganzen Sache eine Rolle spielen, wird zu prüfen sein. Das aber kann leider nur anhand der einst im Web verfügbaren Fotos geschehen, die nicht gerade sehr leserlichen sind. Es wird daran gearbeitet. Zu Hoffen ist natürlich, daß die Nikolina Gora-Platten ordnungsgemäß und vollständig in ir- gendein öffentliches WISSENSCHAFTLICHES Archiv kommen, jeder andere Weg ist falsch. ======================================================================== Und außerdem Seite E? ======================================================================== Fotos, die in der jetzt kleinmütigen, abgespeckten Version der Fotogalerie fehlen, sollen, soweit das für ein wissenschaftliches Verständnis vonnöten ist, in irgendeiner Form dennoch angeboten oder eben ersetzt werden. Außerdem ist geplant, weitere Fotos einzufügen. An Dokumenten herrscht kein Mangel. Mit all dem wird versucht, einer- seits die Verständlichkeit und auch Anschaulichkeit wieder herzustel- len, andrerseits aber auch eine vertiefende Erweiterung zu erreichen. Selbstverständlich braucht das alles seine Zeit. Hier bitte ich um Geduld. ==================================================================== Achtung: Die Web-Darstellung "Hitler's Albums" (gekürzte Fassung = 6 Fotos) erfuhr am 14. und 18. November 2008 entscheidende Änderun- gen, wurde aber dann am 6. Dezember 2008 gestrichen, siehe weiter unten den Hinweis. ==================================================================== Foto-Konkordanz: Jetziger Zustand - ehemaliger Zustand Schallplatten betreffend: Jetziges Foto 1 = ehemaliges Foto 7 (siehe unten) Jetziges Foto 2 = ehemaliges Foto 6 (siehe unten) Jetziges Foto 3 = ehemaliges Foto 8 (siehe unten) Den einstigen Besitzer Lew Bezymenski (Besymenski) betreffend: Jetziges Foto 4 = ehemaliges Foto 9 (siehe unten) Jetziges Foto 5 = ehemaliges Foto 10 (siehe unten) Jetziges Foto 6 = ehemaliges Foto 11 (siehe unten) Einschub Ende DP, 24.9.2007 (Datierung der Erstfassung dieses Teils) Mittlerweile [das war Mitte August 2007] entdeckte ich, daß der Fotograf der oben beschriebenen "Schallplatten-Fotos", Justin Jin (Rußland), eine Homepage hat, und daß dort unter der Überschrift oder Leitwendung
"Hitler's Albums" (Link entfernt, Galerie ist seit langem gesperrt, das gesamte Kapitel ist in Überarbeitung, 20.4.2009)
eine Reihe Fotos als Verkaufsanreize abgebildet sind. =================================================================== Achtung: Die gekürzte Fassung der Galerie hat Anfang November 2008 eine andere Form bekommen. Identifizierbar wurde jetzt das Foto auf Platz 3 (Erstgalerie 2007: Foto 6): Franz Schubert, Quintett C-dur op. 163, Pro Arte Quartett. Details dazu in Kürze. Zu Foto 6 (auf "Hitler's Albums", gekürzte Galerie, Neufassung 2008: Platz 3, einst: 2) und dem bisherigen Stand der Identifikation siehe weiter unten. Seit dem 6. Dezember 2008 ist diese gekürzte Galerie nicht mehr zugänglich. Abgesehen davon, sind jedoch wieder zwölf Fotos der ersten Galerie- fassung im Web. Ausgespart wurden nur die drei Fotos der hand- schriftlichen Notizen. Um die Anzeige der zwölf Fotos zu erhalten, geben Sie auf der aufgerufenen Seite über den Weg "Search" z.B. "Bezymenski" ein. Die Fotos der 12er Galerie werden per Klick nun erheblich größer angezeigt: Ein paar Tage lang waren es 850 x rund 570 Pixel, seit dem 18. November 2008 sind es nur noch 750 x rund 500. Der Vergleich zeigt hierbei, daß bei Foto 6 (in den gekürzten Galerien auf Platz 2 bzw. 3) das kleinere der beiden Großformate bezüglich Lesbarkeit entscheidend schlechter ist. Es bleibt abzuwarten, ob die Verfügbarkeit der 12er Galerie von Dauer ist. Sollte das der Fall sein, werde ich entsprechend reagieren. Sehr gut ist, daß die originale Numerierung der Fotos beibehalten wurde. 14./21. November 2008/6. Dezember 2008 (Weiteres in Arbeit) Beachte: Seit dem 16. Dezember 2008 ist auch die 12er Galerie nicht mehr erreichbar. 16. Dezember 2008 =================================================================== Eine sogenannte Galerie ist das, 15 Fotos umfassend, wobei die Fotos 1 bis 13 ein kurzer englischer Text begleitet; die Abbildungen 13 bis 15 geben einen handgeschriebenen russischen Bericht des ehemaligen Besit- zers der Sammlung wieder. Für meine Begriffe haben die Begleittexte eine Revision erfahren, denn im Zusammenhang mit der Nennung der 78er Sammlung bzw. Ansammlung taucht unablässig das Wort "purported" auf, was soviel wie "scheinbar" "dem Anschein nach", "dem Eindruck nach" bedeutet, dazu zwei Beispiele: "Purported music albums belonging to Adolf Hitler", "purportedly one of the albums Adolf Hitler took to his bunker". Zudem wird der jeweils angegebene einstige Besitzer der Sammlung ständig mit einer Betonung versehen wie: "who claimed to have taken them from Hitler's bunker after Germany's defeat". Demgegenüber scheinen Überschriften und Hinweise einem älteren, einem noch nicht fortentwickelten Stand anzugehören: "Group: Hitler's Albums", "Hitler's Music Albums", "From group: Hitler's Albums". Und fährt man mit der Maus über eine der Vergrößerungen der Fotos 1 bis 13 taucht ebenfalls eine der uneingeschränkten Formulierun- gen auf: "Hitler's Music Albums". Für eine Revision spricht auch die folgende Angabe, die der Gruppen- darstellung (Galerie) der Fotos vorangestellt ist (Stand: 29.8.2007): Details Name: Hitler's Albums Modified: 8/7/2007 Created: 7/31/2007 By: Justin Jin Das Brahms-Album steht nun schon als Nachkriegs-Hinzukömmling fest, treffender formuliert: als Nachkriegsdokument. Ich hatte aber, abge- leitet vom "Dachboden-Foto", gegenüber einer uneingeschränkten Aussage wie "Sammlung aus dem Führerbunker" weitergehende Bedenken geäußert und man überlese nicht, daß der eine Co-Autor des Spiegel-Artikels schreibt, "viele andere Platten" trügen den entsprechenden Hauptquartier-Aufkle- ber, d.h. nach Adam Riese: Es gibt auch welche, die ihn nicht haben. Und dem gehe ich hier, so weit das geht, nach, "nachharken" nennt man das auch. Ich werde also im folgenden die Fotos der Galerie kurz beschreiben und soweit möglich eine (Fern-)Einschätzung liefern, ob die Alben aus dem Führerhauptquartier stammen können, oder ob eventuell oder inwie- weit ein Erwerb während der Nachkriegszeit anzunehmen ist. Fazit vorweg: Die tatsächlich vorliegende oder als möglich anzunehmende Zuordnung Führerhauptquartier hat bei der gezeigten Galerie derzeit die Ober- ======================================================================== Und außerdem Seite E? ======================================================================== hand. Bitte um Beachtung: Alle Beschreibungen, insbesondere die speziell- diskographischen Angaben vorbehaltich, es liegt, wie gesagt, keine Eigenrecherche an den Objekten selbst vor. [24.9.2007: Foto 1 gelöscht] Foto 1: Dunkelblaues Lindström-Künstleralbum mit Goldschmuck-Logo ("L" über Trichter-Grammophon in einem Kreis, aufgedruckte Durchbruch- arbeit, nicht die Plakettenform), vom Äußeren her zu urteilen, eine Parlophon-Ausgabe (siehe dazu jedoch weiter unten). Deckelaufschrift: Bronislaw Huberman / [Pjotr Iljitsch] Tschaikowsky / Op. 35 // Das Album ist auch im Spiegel TV-Beitrag zur Nikolina Gora-Fundsache vom 12. August 2007 zu sehen (Link siehe oben, Besprechung siehe weiter unten "Anmerkung 5: Nikolina Gora-Fundsache (Video, Beobachtungen)"). "Opus 35" ist das Violinkonzert D-dur, die Aufnahme stammt von 1928 (Datierungen wie 1928/1929 oder 1929 sind höchstwahrscheinlich falsch, Diskussion siehe unten), Großes Symphonie-Orchester (Mitglieder der Staatskapelle, Berlin), Dirigent: William Steinberg. Eine Kurzbespre- chung vom Dezember 1929 läßt vermuten, daß die Erstausgabe auf Odeon erschienen ist, und zwar auf O-8737/8740, Seite 1 bis 7: das Konzert, auf Seite 8 ein "Füllstück": Tschaikowsky, Melodie (Nr. 3) aus "Souvenir d'un lieu cher" op. 42 für Violine und Klavier, Ausführende: Huberman und Siegfried Schultze, Klavier. Wie unten erörtert wird, gibt es rund um die Einspielungen einige Unklarheiten. Desungeachtet, ob als Odeon- oder Parlophon-Ausgabe: ein sehr seltenes Album. Diskographisch gesehen, spricht nichts gegen eine mögliche Herkunft aus dem "Führerbunker" bzw. Führerhauptquartier-Bereich. Huberman (geboren in Częestochowa, Polen) war ein selbstbewußter Violinvirtuose jüdischer Herkunft (nicht, wie ich schon gelesen habe, tschechisch-jüdischer Herkunft: "of Jewish Czech origin"). Mit Lob wird in ungebundenen Beurteilungen nicht gespart, es taucht aber hin und wieder auch der Hinweis auf, seine Interpretationen neigten gelegentlich zur Eigenwilligkeit (was immer damit gemeint ist). Die Lindström-Einspielung gab es auch auf LPs und ist derzeit auf mindestens drei CD-Ausgaben erhältlich (Stand: August 2007). Eine wei- tere Aufnahme des Konzerts ist von Huberman nicht überliefert. Lindström, Berlin Carl Lindström (1867-1932) war in der "akustischen Ära" der Schall- plattengeschichte einer der bedeutenden Hersteller (Geräte und Platten). Doch am "elektrischen" Durchbruch (ab 1925) nahm er dann offenbar nicht mehr teil, denn er hatte sich, wenn das stimmt, was hier und da ge- schrieben steht, schon 1920, gerade zu Beginn des Höhenflugs der akusti- schen Epoche also, aus diesem Geschäft zurückgezogen. Seine einstige Firma jedenfalls, das weltweite Unternehmen Carl Lind- ström A.-G., existierte auch weiterhin. Mehr noch, es kam so weit, daß von 1931 bis etwa 1944 auf dem Berliner Lindström-Plattenpresserei- Fabrikgelände {*1} ein ungewöhnlich umfangreiches Markenspektrum tätig war. Hergestellt wurden da u.a. die EMI-Produkte Columbia und (ab 1932, vorher in Nowawes) Electrola {*2} auf der einen Seite und die Lind- ström-Etikette Odeon, Parlophon (das Ur-Lindström-Gewächs, eingestellt 1933, Wiederveröffentlichungen auf Odeon {*3}) sowie die 1930 revitali- sierte und 1942 eingestellte Gloria-Marke auf der anderen Seite. Per Fusion wurde der englische EMI-Konzern 1931 {*2} der Besitzer dieses "Platten-Konglomerats", wobei das eine Standbein der Fusion, die eng- lische Columbia, die Lindström A.-G. schon seit Ende der 1920er Jahre ======================================================================== Und außerdem Seite E? ======================================================================== besaß (Aktienmehrheit). Die Lindström-Gesellschaft selbst war aber weiterhin sehr rührig und übernahm 1937 noch die in Berlin-Reinickendorf (Verlängerte Koloniestr. 1-2) ansässige Kristall-Schallplatten G.m.b.H., die zwei Marken führte: Imperial (1934 vom Markt genommen, 1936 Wieder- aufnahme) und Kristall. Ein Katalog (für beide zusammen) erschien noch 1943. {*1} Berlin SO 36, Schlesische Straße 26 (bis wohl Spätsommer 1927: SO 33, Schlesische Straße 27), dort seit 1919. Lindström begann in Berlin 1892 mit einer Mechanikerwerkstatt, Musik- und Sprechapparate, 1903 (nicht 1904) Einführung der Schutzmarke "Parlophon". 1904 Grün- dung der Carl Lindström G.m.b.H., angeblich 1908 (Sekundärliteratur) Umwandlung zu Carl Lindström A.-G., doch in der 1900 gegründeten Phonographischen Zeitschrift ist mindestens noch im Heft vom 29. Dezember 1910 "G.m.b.H." angegeben, und das in einer Lindström- Annonce!? 1910 begann die Plattenherstellung, frühe Etikettbezeich- nung: Parlophon-Record (zu Odeon siehe unten). Zwischen September und November 1939 (wahrscheinlich zum 1. Dezember) änderte sich die Verwaltungsadresse des Lindström-Electrola-Columbia-Firmen-Konglo- merats: Berlin C 2, Leipziger Straße 76 (Quelle: Kataloge, Nachträge usw.). Eine weiterführende Auskunft dazu ist derzeit noch nicht mög- lich. Meine Vermutung ist aber wohl nicht falsch, daß die Adressen- änderung irgendetwas mit staatlicher Einmischung zu tun hat: Kontrol- lierung, Reglementierung des weitreichenden Wirtschaftsgebildes. {*2} Electric & Musical Industries Ltd. Ein bzw. DER Schallplatten- Großkonzern. Er war 1931 durch den Zusammenschluß der englischen Firmen Gramophone Company Ltd. (weltbekanntes Etikett: His Master's Voice) und Columbia Graphophone Company Ltd. entstanden. Die Gramo- phone Company hatte 1925 die deutsche Tochter Electrola gegründet. {*3} Die 30-cm-Aufnahmentätigkeit ("Klassik") wurde 1933 vollständig eingestellt, in der 25-cm-Reihe ("U-Musik") gab es bis 1941 noch ein paar Nachzügler-Aufnahmen. Die 25-cm-Serie, 1930 begonnen, war die Nachfolgerin der 1903 gegründeten Beka-Marke (Be Ka = Bumb & König, früher Etikettename: Beka-Record, neben ein- auch schon doppel- seitige Platten). Beka wurde 1910 von Lindström, der viele Marken aufkaufte, übernommen, lief bis Anfang 1931 und ging in der ein Jahr zuvor eröffneten 25-cm-Parlophon-Unternehmung auf. Der im europä- ischen Plattengeschäft wohl berühmteste und folgenreichste Aufkauf geschah 1911. Lindström übernahm in diesem Jahr die Gesellschaft Fonotipia Ltd., der wiederum die International Talking Machine Ltd. (in Deutschland: International Talking Machine Co. m.b.H.) gehörte, und diese Firma betrieb das 1904 gegründete Plattenetikett Odeon (frühe Bezeichnung neben Odeon auch Odeon Record, einseitig, aber auch doppelseitig, heftiger Patentkrieg um diese Entwicklung). ======================================================================== Und außerdem Seite E? ========================================================================
Lindström-Parlophon-Album um 1929
Foto: © Diethelm Paulussen
Pound Sterling und Elektro-(Hiero-)Glyphen, oder: von akustisch bis elektrisch Lindström A.-G., ein Platten-Weltreich artikuliert sich Deutsches Parlophon-Sammelalbum (30-cm-Platten), um 1929
Lindström-Parlophon-Album um 1929, Schmuckecke
Foto: © Diethelm Paulussen
Schnitt, Rille, Aufzeichnung (positiv/negativ), Zeugnis (Umlauf) Weimarer Symbolismus im Alltag Lindström-Parlophon-Album um 1929 (siehe oben)
Einer der Schwerpunkte der Odeon- und Parlophon-Kataloge, ab 1934 des Odeon-Katalogs allein (mit Parlophon-Wiederveröffentlichungen), galt der Präsentation jüdischer Künstler. Dementsprechend schrumpfte das (im übrigen sehr umfangreiche) Sortiment mit der Zunahme der Durchsetzung der Nazi-Herrschaft krass zusammen. Der meines Wissens letzte "umfassen- de" Katalog des Odeon-Etiketts war die 1936/1937er Ausgabe (sie bein- haltete auch das Gloria-Sortiment {*1}), Titel: Musik aus aller Welt auf Odeon und Gloria Musikplatten. Dieses "Hauptverzeichnis 1936/37" galt trickreich-stillschweigend (plus einem Gesamtnachtrag vom November 1937 mit so gut wie keinen Streichungen) bis mindestens ins Jahr 1938 und ist mit 944 (!) Seiten (Gesamtnachtrag: weitere 193 Seiten) allein schon "körperlich" unter den mir bekannten Katalogen der unvergleichlich dick- ste. Wer in ihm blättert, wird sich wundern, denn angesichts der staat- lichen Situation seit Hitlers Machtergreifung (1933), der Nürnberger Rassengesetze (15. September 1935) und deren Folgen sowie anderer Nazi- Abartigkeiten hat die "Dickfelligkeit" (= Standhaftigkeit!?) der Lind- ström A.-G. durchaus etwas Verwegenes an sich. Allerdings Nazi-Aufnahmen hat der Lindström-Katalog "selbstverständ- lich" auch. "Aufnahmen der Bewegung", "Lieder und Märsche der Erhebung", so oder ähnlich lauteten häufig in Monatsblättern oder Katalogen die Aufmacherzeilen oder Abteilungsüberschriften (siehe die Abbildung unten). Demgegenüber wirken im genannten Odeon-Gloria-Hauptverzeichnis die "einschlägigen" Überschriften weitaus "gemäßigter": "Märsche und Marschpotpourris (einschl. SA- und Soldatenlieder)" (Odeon-Teil), "Märsche, Soldaten- und SA-Lieder" (Gloria-Teil), wobei allerdings die entsprechende Abteilung im Gloria-Katalogteil ziemlich umfangreich ist. "Gloria, die volkstümliche Musikplatte", so lautet im Katalog das Glo- ria-Motto. Vielleicht ist das ein Grund für das weitaus größere Ange- bot? Das Odeon-Motto lautet dagegen: "Odeon, die Musikplatte der Spit- ======================================================================== Und außerdem Seite E? ======================================================================== zenleistungen". Auf eines sollte noch aufmerksam gemacht werden: Von außen her betrachtet, scheint die Lindström A.-G., indem sie nach der 1934 eingetretenen Abwertung der SA {*2} noch den Begriff "SA-Lieder" verwendet, auch in diesem Fall etwas "abwesend", nicht ganz der Nazi- politischen Lage zu entsprechen. {*1} Die nächste Ausgabe ist das Haupt-Verzeichnis 1938-1939 (so Titelblatt, Deckel: Hauptkatalog). Das war wohl der letzte Gesamt- katalog der Odeon- und Gloria-Musikplatten überhaupt. Er umfaßt ins- gesamt 632 Seiten und "enthält alle bis einschließlich September 1938 erschienenen und heute noch lieferbaren" (Musik-)Platten. {*2} Stichwort "Röhm-Putsch". Im Zusammenhang mit einer sich angeb- lich anbrauenden oder auch nur vorgeschützt behaupteten Röhm-(sprich SA-)Revolte, "Röhm-Putsch" genannt, wurde von Hitler per Mord eine "Beseitigungsaktion" durchgeführt, einer der zahlreichen Ermordeten war Röhm, Anführer der SA (Einzelheiten siehe neuere detaillierte Geschichtsbücher). Die SA, die Nazi-"Sturmabteilung" von einst, war danach im Grund zunächst "nur" noch für Darstellungsaufgaben zu- ständig, für Aufmärsche, Festanlässe zum Beispiel (zahllose Fotos zeugen davon), sie hatte sich aber auch für vor- und nachmilitäri- sche Erziehungsarbeit anzubieten, nachmilitärisch vor 1939 heißt: für ausscheidende Wehrmachtsjahrgänge. Sie stand als Glied der NSDAP nun im Schatten dieser und war in der Staatsbedeutung anderen Nazi- Organisationen gegenüber, wie der DAF und HJ, mehr oder weniger nach- geordnet. Ausschließlich zur Verbildlichung des oben Gesagten:
Deutsche Grammophon, Neuheiten Mai 1933
"Und die Fahne flattert uns voran" {*1} Braun-Etikett Schwachsinn für den Plattenteller Deutsche Grammophon, Neuheitenankündigung Mai 1933
{*1} Lokaler Wortlaut, üblich: "Uns're Fahne...". "Braun-Etikett", in der Reklame offensichtlich doppelsinnig genutzt, kennzeichnete eigentlich eine allgemeine DG-Serie im 25-cm-Plattenbereich, Laden- preisklasse C (unterste Kategorie, Billigplatte), 1.50 RM. "N.S.- Aufnahmen", so die entsprechende Kapitelüberschrift z.B. im Haupt- Katalog 1937/1938 (Stand: August 1937), erschienen u.a. auch in der E-Kategorie, Rot-Etikett, 25 cm, 2.- RM. Das Huberman-Album: Probleme (1) ================================= Huberman-Kapitel in Überarbeitung ================================= Bezüglich des Huberman-Albums bestehen, wie oben schon angedeutet, diskographische Probleme, die sich auch durch die verdienstvollen Odeon- und Parlophon-Diskographien von Hansfried Sieben und Horst Wahl (u.a. Odeon 1988 bzw. Parlophon II 1990) nicht befriedigend auflösen. Ob sie jemals ganz gelöst werden? Zweifel sind angebracht. Der "vor- liegende" Huberman-Artikel jedenfalls hat im Laufe der Zeit etliche Änderungen erfahren, zu korrigieren gab es immer etwas, und stetig erweitert wurde er auch. Ursprünglich stand hier ein auf den 22. Sep- tember 2007 datierter Text, "Einschub" genannt, der eine erste Darstel- lung der Unklarheiten zum Thema hatte. Er wurde am 10. Dezember 2007 durch einen neuen Versuch ersetzt, dem langwierige Recherchen voraus- gingen, und es ist, wie gesagt, damit zu rechnen, daß es einen Abschluß nicht geben wird, jedenfalls so schnell nicht (erneute wesentliche ======================================================================== Und außerdem Seite E? ======================================================================== Änderungen und vollständige Überarbeitung: April 2008). Im Grunde geht es hier um den Versuch einer Klärung dreier simpler Sachverhalte: 1) Wer produzierte das Album: Parlophon, Odeon oder Columbia? 2) Wann wurde das Konzert aufgenommen? 3) Wann wurde die Melodie aufgenommen? Das scheinen nur Kleinigkeiten zu sein. Geht man den Fragen aber, soweit das möglich ist, gründlich nach, wird alsbald deutlich: Der Wust an Arbeit scheint immer größer, das Platten-Puzzle immer vertrackter zu werden. Doch läßt sich hieraus ein kleiner Nebeneffekt ableiten. Es dürfte lohnend sein, die Wege, die sich im Verlauf derartiger (Nach-) Forschungen ergeben, zu zeigen, also nachzugestalten. Und das soll im folgenden einmal probiert werden. Einblicke in diskographische Arbeit, exemplarisch dargestellt, das ist es. Doch eines ist klar: Nur wer sich wirklich intensiv darauf einläßt, sich Zeile für Zeile durchzukämpfen, wer sich zudem die diskographischen Tabellen genauer anschaut, wird einen Gewinn haben. Das kostet viel Mühe, bringt vielleicht auch Frust. Aber ohne diskographischen Fleiß kein diskographischer Preis. Ein Hinweis noch: Trotz der Tabellen, die weiter unten wiedergegeben sind, darf nicht der Eindruck entstehen, hier könnten vom diskographi- schen Anspruch her auf Vollständigkeit zielende Angaben zu erwarten sein. Im Gegenteil: Es wird nur insoweit eine Darstellung angestrebt, als sie für die Diskussion der drei genannten Fragen nötig ist. Links zu zwei Huberman-Online-Diskographien (samt einigen Anmerkungen dazu) sind weiter unten zu finden, doch selbst diese Listen sind nur Auswahldar- stellungen, umfassende Diskographien sind auch sie nicht. Nun zunächst zu der oben angesprochenen, zeitgenössischen Besprechung des Albums O-8737/8740, veröffentlicht in: Die Musik, Berlin, Dezember 1929 (XXII. Jahrgang, Heft 3, Abteilung: Neue Schallplatten, S. 195). Außer diesem Nachweis ist bislang kein weiterer aus der damaligen Zeit aufgetaucht, und ausgerechnet er schafft nun Probleme, genauer: er macht sie eigentlich erst plastisch deutlich. Andrerseits sorgt diese Bespre- chung aber auch für eine unumstößliche diskographische Tatsache. Und insofern ist es gut, daß es sie gibt. Sie trägt mit zum Tatsachenfunda- ment bei: [...] Lindström Eine Überraschung in optima forma ist das Violinkonzert von Tschaikowskij, gespielt von Bronislaw Huberman. Die illusionierende Wirkung durch die Platte - es sind im ganzen sieben [Seiten] - geht so weit, daß der Hörer den Künstler vor sich zu sehen glaubt: man sieht seinen großen Strich und die Eleganz seiner Bogenführung. Von der Höhe der technischen Vollendung braucht nicht mehr gesprochen zu werden, nicht von der Wärme seiner Kanti- lene. Als die Krone jedoch sei die Kadenz im ersten, die Verve und rhythmische Schärfe des dritten Satzes hervor- gehoben. Gewissermaßen als Zugabe spendet Huberman die Melodie Tschaikowskijs op. 42 Nr. 3, auch hier durch edelste Tongebung und Sauberkeit glänzend. Die Beglei- tung des Konzerts durch Mitglieder der Berliner Staats- kapelle unter Steinberg ist höchsten Lobes wert. (Odeon 8737 bis 8740). [...] Felix Roeper ======================================================================== Und außerdem Seite E? ======================================================================== Etwas ramponiert, aber erkennbar:
Bronislaw Huberman, Tschaikowsky, Violinkonzert, op. 35, Odeon Album O-8737/8740, von 1929 bis 1938 im Katalog
Odeon Künstleralbum O-8737/8740 (30-cm-Platten) Erstausgabe? Jedenfalls von 1929 bis (mindestens) 1938 im Katalog
In der einleitenden Kurzbeschreibung des Lindström-Albums wird an- genommen, daß es sich um eine Parlophon-Ausgabe handelt, gleichzeitig wird aber oben auch auf die im Dezember 1929 veröffentlichte Rezension der Odeon-Pressung O-8737/8740 verwiesen, und hierbei ist wichtig, nicht zu übersehen, daß sie (wie ebenfalls schon mitgeteilt) in einer Abtei- lung "Neue Schallplatten" erschien. Sehr merkwürdig ist nun, daß in Clough/Cuming, The World's Encyclopæ- dia of Recorded Music (WERM), London 1952 ff., keine Parlophon-Ausgabe verzeichnet ist; angegeben ist die Odeon-Pressung, daneben je eine eng- lische, italienische, US-amerikanische Columbia-Ausgabe und außerdem noch eine US-amerikanische Decca-Pressung. Danach zu urteilen, hätte es also keine Parlophon-Ausgabe gegeben, doch Sieben und Wahl nennen gleich zwei, wobei mir sogar von einer der beiden (der deutschen, siehe unten) ein Standort bekannt ist, was wiederum heißt, daß dieser Nachweis, von dem man vielleicht annehmen könnte, er beruhe im (unwahrscheinlichen) Grenzfall nur auf mehr oder minder vagen Firmenunterlagen, in der Tat unumstößlich abgesichert ist: Es existiert eine Parlophon-Pressung. Darüber hinaus gibt es aber auch einen Hinweis neueren Datums; er tauchte in einem unerwarteten Zusammenhang auf: im diskographischen www.78online.com-Forum, und zwar in einem am 8. August 2007 von dem englischen Musiker und Komödianten Earl Okin eingesandten Beitrag. Okin (zur Person siehe dessen Homepage) ist offenbar auch Plattensammler. Jedenfalls wurde in dem besagten Beitrag (zu einer mittlerweile nicht mehr aufrufbaren Diskussionsfolge {*1}) überraschend Parlophon erwähnt, siehe unten das Zitat. Aus welcher Quelle die Kenntnis allerdings geschöpft wurde, ist nicht angegeben. Sieben und Wahl wohl kaum, denn diese Diskographien hatten nur verschwindend kleine Auflagenhöhen (Liebhabervervielfältigungsdrucke), und so gehe ich davon aus, daß durch die, sogar aus dem Ausland (England) herrührende, weitere Nennung die Angaben von Sieben und Wahl insofern gestärkt werden, daß es zumindest von der deutschen Ausgabe eine reguläre Handelspressung gegeben haben muß. Man beachte nämlich: Die Plattenfabrikation kannte durchaus auch interne Probe-, Muster- und Gefälligkeitspressungen. Zitat aus Okins E-Mail ans www.78online.com-Forum (8. August 2007): ======================================================================== Und außerdem Seite E? ======================================================================== [...] Strangely, I have that Huberman version of the Tchaikowsky Violin concerto. (That would have been readily available, because it was on German Parlophon). The only versions that I prefer are those by Heifetz and Elman. However, they wouldn't have helped Hitler. They were Jewish too! Ironically, Huberman went off to Israel and founded their symphony orchestra! Incidentally, I've always understood that Goebbels liked listening to Benny Goodman in private! {*1} Die E-Mail-Diskussion beschäftigte sich mit dem ebenfalls im Internet erschienenen Artikel "Hitler's 'Desert Island Discs' turn up in a dead Russian soldier's attic" (www.TimesOnline.co.uk, 7. August 2007), der in Teilen auf dem tags zuvor veröffentlichten Spiegel-Artikel beruht, aber mit mindestens einer (wohl) neuen Information aufwartet. Diese bezieht sich auf eine Plattenausgabe; eine ziemlich nebulöse Angelegenheit - für die diskographische Bestimmung allerdings keine harte Nuß (zum Nußknacker in Aktion siehe weiter unten "Anmerkung 4: 'Disc' five"). Beigegeben waren dem Web-Artikel bis Mitte Juni 2010 zwei Ab- bildungen (Ausschnitte aus Fotos, vgl. weiter oben die Ausführungen zum TimesOnline-Bericht). Abbildung 1 zeigte Hitler, auf der Terrasse seines "Berghofs" am Obersalzberg bei Berchtesgaden. Abbildung 2 war das "Dachboden-Foto" aus dem "Spiegel" (S. 113, siehe zu Anfang dieses Beitrags den Link zur PDF-Datei), das war zwar eine stark beschnittene Wiedergabe, doch das RCA Victor-Brahms-Album, "ein deutsches requiem", die Robert Shaw-Einspielung, war im Vordergrund, farbig hell leuchtend, vollständig zu sehen (vermutlich wird das Album als Hitler-Führerhauptquartier-Führerbunker-Album, für wer weiß wie lange noch, durch die WWW-Landschaften geistern; doch zumindest im Fall von TimesOnline ist das Problem mittlerweile radikal gelöst. In anderen Fällen (z.B. Wiedergaben im russisch-sprachigen Raum betreffend, siehe oben die Link-Liste) wäre dem Problem sehr leicht mit einer Fußnote abzuhelfen: Nachkriegsalbum; glücklicherweise ist von dem Lotte Lehmann-Album, ein weiterer Problemfall, in den Ausschnitten so gut wie nichts zu sehen, siehe hierzu weiter unten die Diskussion). Im folgenden wird nun auf die näheren diskographischen Daten einge- gangen, die Sieben und Wahl insbesondere in ihren beiden Bänden Odeon 1988 und Parlophon II 1990 zusammengetragen haben. Sie sind unten in Tabellen dargestellt, wobei versucht wurde, so genau wie möglich der vorgegebenen Art und Weise zu folgen. Zusätze wurden nach Möglichkeit vermieden. Kleine Anpassungen und Abänderungen gab es aber, eine Ände- rung betrifft zum Beispiel das Parlophon-Präfix. Statt "P-" wurde P. gewählt, denn das ist die Fassung, die in der Regel auf den deutschen Etiketten erscheint. Zudem wurden Abkürzungen aufgelöst oder erklärt. Aus welchem Band die Informationen stammen, ist jeweils nach der Über- schrift vermerkt. Die Unklarheiten, die rund um das Huberman-Album bei genauerem Hin- sehen zu Tage treten, sind zahlreich, und somit ergeben sich natürlich auch etliche Fragen. Uns interessieren aber eigentlich nur drei. Die erste betrifft die Grundorientierung. Wer hat die Aufnahmen produziert: Columbia, Odeon oder Parlophon? Vorläufige Antwort: Es kann jede dieser Marken in Betracht gezogen werden, denn sie alle kommen im Zusammenhang mit den beiden Hubermanschen Einspielungen als etwa gleichermaßen relevant vor. All das verwundert zunächst, doch muß man sich klarmachen, daß die drei Plattenmarken im strengen Sinn keine separaten Firmen waren. Sie hatten vielmehr zum einen gemeinschaftlich auf dem Gelände der Lindström A.-G. ihren Standort und waren zum anderen darüber hinaus ======================================================================== Und außerdem Seite E? ======================================================================== verschwistert und verschwägert (siehe weiter oben die Ausführungen zu Lindström, Columbia, Odeon, Parlophone, und auch zu EMI und Electrola). Zunächst zu Odeon. Hier sollte noch einmal die Grundtatsache in Erin- nerung gerufen werden, daß es im Dezember 1929 der Odeon-Satz O-8737/ 8740 ist, der als Neuerscheinung auftaucht und nicht ein Parlophon-Satz, und das, obwohl in der betreffenden Zeitschrift ständig Parlophon- Platten besprochen werden. Außerdem ist die Aufnahme bzw. Ausgabe in der Diskographie Sieben/Wahl Odeon 1988 mit eigenen Matrizennummern ver- zeichnet, allerdings mit dem Hinweis, es sei eine Übernahme von Columbia (siehe Tabelle 3). Takes sind nicht angegeben (siehe dazu unten unter "Parlophon"). Bestätigt wird die Herkunftsangabe "Columbia" durch eine gesonderte Aufstellung in eben dieser Odeon-Diskographie, betitelt mit "Die Übernahmen von Parlophon und Columbia mit deren Original-Matrizen- Nummern und Aufnahme-Daten" (siehe Tabelle 4) (Anmerkung zur dieser Aufstellung "Die Übernahmen...": Über just der Columbia-Matrizen-Kolon- ne, die Huberman-Einspielungen enthält, ist durch einen Schreibfehler Parlophon statt Columbia angegeben). Demgegenüber spricht für eine Produktions-Federführung unter Parlo- phon weniger die Verzeichnung der Aufnahme in der Diskographie Parlo- phon II 1990, sondern insbesondere die Ausführlichkeit der Take-Angaben und außerdem das Fehlen eines Übernahme-Hinweises, zumindest soweit die Hauptsitzung vom 28. Dezember 1928 betroffen ist (siehe Tabelle 1, und vergleiche außerdem die Matrizennummernangaben der Tabellen 1 bis 4). Für Parlophon spräche, allein für sich genommen, auch die in der Tabelle 1 angegebene Ausgabe P. 9855/9858. Sie gehörte zu den Hochpreis-Aus- gaben, für die, wie in Sieben/Wahl berichtet wird, die Nummernserie 9800 reserviert war; ihre Einführung erfolgte im Sommer 1927. (Der Satz P. 8928/8931, siehe Tabelle 1 und 2, dürfte hier in unseren Überlegungen keine Rolle spielen, er war, wenn er überhaupt existierte, für Italien bestimmt.) Die Frage, wann der deutsche Parlophon-Satz veröffentlicht wurde, ist derzeit nicht definitiv zu beantworten. Nach den Bestellnummern zu urteilen {*1}, käme Ende 1929 in Betracht. Das wiederum bedeutete eine gewisse Gleichzeitigkeit mit dem spätestens im November dieses Jahres veröffentlichten Odeon-Satz. Insofern könnte sich also die Annahme, der Odeon-Satz verkörpere die Erstveröffentlichung, ohne weiteres auch als falsch erweisen. Doch derlei nach Bestellnummern vorgenommene Einschät- zungen sind ein sehr vages Unterfangen, besonders bei Parlophon und Odeon, da bei beiden Marken die Bestellnummernvergabe vorausgreifend, absichtlichen Freiraum gestaltend und auch unregelmäßig gehandhabt wurde. Wobei man wiederum sieht, wie wichtig, nämlich Tatsachen schaf- fend, die Existenz der Rezension der Odeon-Ausgabe ist. {*1} Die hier angewandte Methode ist einfach, setzt aber einige dis- kographische, tonträger-historische Erfahrung voraus: Man geht von einer angemessen großen Menge benachbarter Bestellnummern aus (das wären hier Nummern aus der 9800er Serie) und stellt die dazugehörigen Aufnahmedatierungen fest. Es eignen sich nur hauseigene Aufnahmen mit klaren, präzisen Aufnahmedaten. Übernahmen oder problematische Datie- rungen sind in der Regel wenig geeignet. In einem zweiten Schritt werden nun Veröffentlichungsinformationen eingesammelt. Die Kriterien zu deren Ermittlung sind mannigfaltig und unterschiedlich (weiteres hierzu würde den Rahmen sprengen). Nun müssen Zeitabstände bestimmt werden: Wieviel Zeit zwischen Aufnahme und Veröffentlichung verging oder vergangen sein könnte. Aus diesen Daten gewinnt man dann einen durchschnittlichen Zeitabstand, den wir "durchschnittliche Verarbei- tungszeit" nennen wollen. Wir haben jetzt alles, was nötig ist. Ei- nerseits Veröffentlichungsinfos, andrerseits eine Berechnungsmöglich- ======================================================================== Und außerdem Seite E? ======================================================================== keit: Die umsichtig gebildete Auswahl der Aufnahmedatierungen benach- barter Nummern plus der "durchschnittlichen Verarbeitungszeit" ergibt eine ungefähre, eine angenommene Einschätzung der Veröffentlichungs- datierung der zur Debatte stehenden Bestellnummernhöhe ("Nummern dieser Höhe sind in etwa dann oder dann erschienen"). Hier in dem spezifischen Parlophon-Fall war als "durchschnittliche Verarbeitungs- zeit" etwa ein halbes Jahr das Ergebnis der Bemühungen. Zweifellos eine spekulative Methode, aber fürs erste oft genug hilfreich. Sie ist keineswegs eine spinnete Phantasie, falls das einer meinen soll- te. Sie arbeitet außerdem zweigleisig ("mit Gegenprobe"): 1. Welche Veröffentlichungsdatierungen benachbarter Bestellnummern können ermittelt oder angenommen werden? 2. Welch eine "durchschnittliche Verarbeitungszeit" ergibt sich in der fraglichen Zeit? (Zur Proble- matik siehe auch oben den Haupttext.) Sollte übrigens 1929 als Veröffentlichungsjahr nicht zutreffen, könn- ten nicht mehr sehr viele Jahresangaben in Frage kommen, da für das traditionsreiche Etikett Parlophon die Jahre gezählt waren. Schon 1931 wurde die Produktion stark zurückgefahren, 1932 waren es nur noch einige wenige Aufnahmen, und Februar 1933 wurde schließlich die Aufnahmetätig- keit für 30-cm-Parlophon-Platten ganz eingestellt. Die Weltwirtschafts- krise, die sich auch auf die gesamte Schallplattenindustrie katastrophal auswirkte, hatte zugeschlagen. Parlophon ging im Odeon-Etikett auf (zu Lindström, Parlophon, Odeon usw. siehe oben den Überblick), und das hatte zur Folge, daß im Laufe der Zeit etliche Parlophon-Einspielungen (als Wiederveröffentlichungen) unter dem Musentempel-Logo Odeon auf den Markt kamen, so z.B. Aufnahmen von von Schillings (siehe unten). Den Huberman-Satz brauchte man allerdings für die Odeon-Handelsschiene nicht wiederzubeleben, da er, wie gesagt, schon seit 1929 auf Odeon vertrieben wurde. Und so ist denn auch kein Wunder, daß er im Odeon-Katalog geführt wird, und das noch 1936/37, ja selbst 1937/1938 noch, denn im Gesamt- nachtrag vom November 1937 ist er nicht unter den (nebenbei bemerkt, nur wenigen und zudem unbedeutenden) Streichungen. Zweimal wird in der genannten Odeon-Diskographie (Sieben/Wahl 1988) darauf verwiesen, Hubermans Aufnahme des Tschaikowskyschen Violinkon- zerts sei eine Columbia-Aufzeichnung ("Übernahme von Columbia", siehe oben). Dem wollen wir nun etwas nachgehen. Dazu zunächst folgendes: In Parlophon II 1990 sind VOR dem Violinkon- zert (zum Konzert siehe Tabelle 1 und 2) nur vier Aufnahmen mit Huberman verzeichnet, kleine Duo-Stücke, mit Siegfried Schultze am Klavier (je zwei am 4. Oktober und am 22. November 1928, zur letzteren Sitzung siehe Tabelle 0). Es sind nirgends Bestellnummern angegeben, und dies heißt vieldeutig so manches und nichts, eine der Varianten ist: Die Ein- spielungen seien unveröffentlicht geblieben {*1}. Irgendein Hinweis auf Columbia ist nicht vorhanden. Von daher könnten sie tatsächlich Parlo- phon-Original-Produktionen sein, zumal auch Takes angegeben sind (je Titel zwei, also acht)! NACH dem Violinkonzert (Tabellen 1 und 2) tauchen in den Disographien Sieben/Wahl Parlophon II 1990 (30-cm-Plat- ten) und auch in einer weiteren, Parlophon III 1990 (25-cm-Platten), etliche Hubermansche Einspielungen auf (Tabellen 5, 5a), und sie ALLE sind als Columbia-Übernahmen gekennzeichnet, wobei (außer bei der "Melodie", siehe Tabelle 2) die Hinweise auch Matrizennummern enthalten, aber keine Take-Angaben. Die einzigen Columbia-Take-Angaben in Sieben/ Wahl enthalten die der Tabelle 2 vorangesetzten Hinweise zu den beiden "Ersatz-Takes" des Violinkonzerts (sie stammen aus Parlophon II 1990). Die Matrizennummern sind typische Columbia-Nummern mit dem Präfix [W]AX oder WAX {*2}. ======================================================================== Und außerdem Seite E? ======================================================================== {*1} Die Erklärung zum Fehlen der Angabe lautet wie folgt (S. 22): Steht statt einer Bestellnummer "keine Angabe oder ein Strich [= Bindestrich], so handelt es sich entweder um Aufnahmen 'auf fremde Rechnung' [...], um für das Ausland bestimmte Titel, oder um vom Künstler bzw. vom Werk verworfene Aufnahmen, die nicht wiederholt wurden." {*2} Die Präfices werden bei Columbia zum einen auf den Etiketten angegeben, tauchen zum andern aber auch, und das ist diskographisch die entscheidende Tatsache, im Plattenspiegel auf, als Einstempelung bzw. Gravur. Das W oder ein im Plattenspiegel eingestempeltes w im Kreis bedeuten im übrigen: elektrische Aufzeichnung nach dem Verfah- ren der Western Electric Company. Wir können bis jetzt also sagen: Es deutet so manches darauf hin, mit gutem Grund anzunehmen, Columbia habe die Produktionsleitung innegehabt. Und in der Tat: Huberman galt als "Columbia-Künstler", wie beispiels- weise von Schillings mit Parlophon verbunden wurde, wobei derlei engere Produktionsbeziehungen oft schon an der Art der Annoncen kenntlich sind, in etwa mittels einer Foto-Unterschrift, Beispiele: Max von Schillings (Parlophon), Georg Széll (Parlophon u. Odeon) (Quelle: Odeon-Hauszeit- schrift "Der Ton", Juli 1929, nach Sieben/Wahl Parlophon II 1990, S. 20) Da die Matrizen- und Take-Klärung in der Diskographie zwar unumgäng- lich ist, trotzallem aber eine wenig anschauliche Materie darstellt, dürfte es günstig sein, eine Verschnaufpause einzulegen. Diese wollen wir für einen Zwischenüberblick nutzen: Die Tabellen 5 und 5a zeigen alle veröffentlichten Parlophon-Ausgaben Hubermanscher Einspielungen, sie alle erschienenen auch auf Odeon (auch das zeigen die beiden Tabel- len). Take-Angaben hierzu vermerken die entsprechenden Odeon-Diskogra- phien von Sieben und Wahl (Odeon 1988, Odeon IV 1993) nicht, auch die oben angesprochene Parlophon/Columbia-Übernahmenliste enthält keine. Nachweise über Takes findet man nur im Zusammenhang mit dem Violinkon- zert, und hierbei nur in der Diskographie Parlophon II 1990 (siehe Tabelle 1: Parlophon-Matrizen samt Take-Angaben, Tabelle 2: zwei Columbia-Matrizen samt Take-Angaben). Weiter mit Columbia: Zum Herkunftshinweis "Übernahme von Columbia" paßt auch, daß, wie schon angedeutet wurde, in der traditionellen disko- graphischen Literatur bezüglich des Violinkonzerts keine ausländischen Parlophone-Ausgaben gefunden wurden, stattdessen, bis auf eine Ausnahme, nur solche von Columbia. Das gibt nun allerdings der Überlegung Nahrung, hier könnte, wie in den "Nach-Violinkonzert-Aufnahmen" auch, ein Colum- bia-Auslandsauftrag oder ein Auftrag mit Zielrichtung Auslandsvermark- tung vorgelegen haben (zur Schreibweise "Parlophon" beachte: im nicht- deutschsprachigen Ausland oft nicht "Parlophon", sondern "Parlophone", so z.B. in Frankreich, England und USA, in Italien aber: Parlophon). Nun zu den Columbia-Bezügen, die in der Parlophon-Diskographie im Zusammenhang mit dem Violinkonzert fallen (Tabellen 1 und 2). Ihre Bedeutung ist alles andere als klar. So begleiten die Takes [-1] von 21155 und 21156 die Hinweise "arbeitet unter 21539" bzw. "arbeitet unter 21540" (Tabelle 1). Was genau mag dieses kryptische Deutsch heißen? In der Lindström A.-G. nannte man Preßmatrizen "Werkzeuge". Vielleicht gibt es hier einen Zusammenhang. Möglicherweise ist "arbeitet unter" irgend- eine Übersetzung aus dem Englischen, vielleicht "works under": als "Werkzeuge dienen" die Wiederholungen 21155 bzw. 21156. Vielleicht heißt es auch nur "siehe unter", "läuft unter". Nicht weniger undurchsichtig geht es dann bei 21538 und 21540 zu (Tabelle 2): Was genau heißt denn "Ersatz für 21155, auf Columbia 4509-II" bzw. "Ersatz für 21156, auf Columbia 4510-I". "Ersatz" scheint (scheint!) klar zu sein, aber was ======================================================================== Und außerdem Seite E? ======================================================================== heißt in Bezug auf Columbia das "auf"? Zunächst zu den arabischen Zahlen: Sie sind keine Bestell-, sondern Matrizennummern (siehe Tabelle 4), und das bedeutet auch: "II" bzw. "I" können keine (wie bei Parlo- phon üblich) Seitenkennzeichnungen sein; sie bezeichnen offensichtlich Takes, im übertragenen Sinn hieße das dann wohl, bezogen auf Parlophon- Verhältnisse, "21538-2" und "21540-1". So verstanden, könnte man also "auf" vielleicht mit "befindlich auf", "übernommen von" oder ähnlich übersetzen. Und wenn man nun gar, angesichts der Herumraterei, die Art der Hinweise mit in die Überlegungen einbezieht, die in der Tabelle 5a wiedergegeben sind, zum Beispiel "von Columbia WA 9155, auf O [Odeon] Be 9703", dann möchte man vermuten, "auf Columbia..." ist ein Schreib- fehler: das "auf" hat "von" zu lauten. Derlei Interpretationen laufen aber nun klar darauf hinaus, Columbia als die Produzentin anzusehen. Tabelle 4 würde diese Deutung stützen, sie ist der Übernahmen-Auf- listung in Sieben/Wahl Odeon 1988 entnommen, die etwa 350 von Parlo- phon- bzw. Columbia-Einspielungen herrührende Odeon-Matrizen enthält (siehe hierzu auch weiter oben), wobei es aber im Columbia-Part erheb- lich an Ausführlichkeit mangelt (d.h. Take-Angaben fehlen so gut wie ganz), doch ist der Mangel hierfür wohl auf Zerstörungseinwirkungen zurückzuführen, die der Zweite Weltkrieg mit sich brachte, was die Autoren auch damit andeuten, indem sie sagen, daß im "Gegensatz zu den Parlophon-Aufnahmen" "bei Columbia nicht alle urspünglichen Aufnahme- Daten" ermittelt werden konnten (S. 107). Man vergewissere sich im Vergleich dazu nur der größeren Ausführlichkeit der im Parlophon-Band II 1990 unter dem Datum 28.12.1928 angegebenen Informationen (Tabelle 1). Demgegenüber sind die Angaben zu den Columbia-Matrizen wirklich sehr mager, mehr noch: Es stimmen die Datierungen nicht überein. Man ver- gleiche Tabelle 4 mit den Tabellen 1 und 2. In der Columbia-Matrizen- liste sind alle SIEBEN Matrizen des Konzertes mit der Aufnahmendatierung "12.28" versehen, doch in der Parlophon-Diskographie (II 1990) weist die Hauptauflistung nur FÜNF verwertbare oder verwertete Seiten auf, datiert mit "28.12.28", zwei weitere, die Seiten 1 und 2 (diesmal ohne Parlo- phon-, aber mit Columbia-Take-Angaben), haben die Datierung "16.08.29", wobei sicherlich auch hier der im Odeon-Band geäußerte Hinweis gilt (S. 24 und 106), daß bei Übernahmen (von Columbia- bzw. Parlophon) das ange- gebene Datum ein Übernahmedatum ist (meint: Datum der Übernahmen-Matri- zierung). Da nun aber das im Odeon-Band 1988 für die Übernahme des Konzerts vermerkte Datum "16.08.29" als Übernahmedatierung ausgewiesen ist (Tabelle 3), warum sollte, analog dazu, das (zudem gleiche) Datum in Tabelle 2 nicht auch ein Übernahmedatum sein? Auf einer Langspiel- platte, Electrola 1 C 053-01419 (eine Musterplatte), ist für die Aufnahme des Violinkonzerts ebenfalls das Datum 16.8.1929 angegeben. Als Vorlage könnten somit die Odeon-Daten gedient haben, das hieße vielleicht auch, daß Odeon-Matrizen oder -Platten verwendet worden sind (Angaben nach Archivkartei, Standort der LP ist bekannt, Überprüfung bei Gelegenheit). Wie zu sehen, gibt es hier einiges an Unklarheiten, an Widersprü- chen. Und im Fall der "Melodie" sind sie nicht geringer. Als Aufnahme- jahr wird im Odeon-Band 1988 in der Übernahmenliste "[19]29" angegeben (Tabelle 4), in der eigentlichen Odeon-Matrizenliste, es ist eine aufsteigende Matrizenliste, genauer (?) "16.08.29" mit dem Hinweis "Übern. v. Columbia" (Tabelle 3). Demgegenüber ist die Einspielung im Parlophon-Band II 1990 (auch hier mit dem Hinweis "Übern. v. Columbia" versehen) der Parlophon-Matrizennummer 21552 entsprechend, zwischen "21.08.29" (21551) und "06.09.29" (21553) eingereiht. Demnach fand die Übernahme also nicht zusammen mit all den auf den "16.08.29" datierten Übernahmen statt, die für Odeon und Parlophon angegeben sind. Wann aber ======================================================================== Und außerdem Seite E? ======================================================================== wurde das Stück aufgenommen? Womit das Thema Einspielungsdatierung angesprochen wäre, siehe dazu Tabelle 5; sie versucht, deutlich zu machen, erste Wahl ist für das Violinkonzert die Angabe "1928" und für die Melodie, op. 42, Nr. 3, "Anfang 1929". Die genannte Tabelle 5, aus Daten der Diskographien Sieben/Wahl Odeon 1988 und Sieben/Wahl Parlophon II 1990 zusammengebastelt, ist etwas für engagierte Diskographen. Unproblematisch ist sie nicht: Sie hat posi- tive, aber auch negative Seiten. Eine negative ist die Tendenz zur Oberflächlicheit hin: Einzelheiten, vor allem micht gefügige, werden unter den berüchtigten Flicken-Teppich gekehrt. So wurden beispielsweise die Takes 4509-II und 4510-I (siehe Tabelle 2) optisch nicht berücksich- tigt, bevorzugt wurden hingegen 4509 und 4510 aus der in Sieben/Wahl Odeon 1988 wiedergebenen "Übernahmen-Liste" (Tabelle 4), die leider keine Take-Angaben aufweist. Natürlich kann 4509-II eine Nachaufnahme sein, für die das Datum 16. August 1929 gelten könnte (Tabelle 2), aber für 4510-I, als ein Take 1, ist das nach aller Erfahrung jenseits jeder Wahrscheinlichkeit. Der 16. August 1929 dürfte vielmehr ein Übernahme- datum sein, genau DAS liegt eher auf der Hand, nichts anderes. Und demnach ist nach allem, was hier diskutiert wurde, für das Violinkonzert der Dezember 1928 als Aufnahme-Datum anzunehmen. 1928/1929 oder nur 1929 sind hingegen (dem gegenwärtigen Kenntnisstand gemäß) auszuschließen. Für die "Melodie" legt die (zweifellos lückenhafte, also provisorische) Matrizennummernliste "Anfang 1929" nahe. Wichtig ist zu sehen, daß in Tabelle 5 keinerlei offenkundige Wider- sprüche auszumachen sind. Und man beachte hierbei auch, daß die Parlo- phon/Odeon-Übernahmen-Daten eng miteinander zusammenhängen. Manchnmal sind sie sogar gleich, und in anderen Fällen läßt sich eine Zusammen- gehörigkeit ohne weiteres vermuten. Wie leicht ersichtlich, sind etliche Fragen offen. Nachrecherchen wären nötig, können allerdings derzeit nicht angegangen werden. Sie sind aber wohl möglich, da mir (wenn auch teilweise unleserliche) Kopien der Aufnahmenbücher der Lindström A.-G. zugänglich sind und zudem auch ein Standort der Odeon- und Parlophon-Sätze bekannt ist. Somit hoffe ich, über kurz oder lang weitere Einzelheiten mitteilen zu können. Weiter [aussdm02]

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