Übersicht / Inhalt  Vollbild (URL)  Le Sacre du Printemps, Teil 1 2 3 4 5 (vorläufige Einteilung)




Le Sacre du Printemps                                          Seite ???
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                                     Well, I can smile, once in a while.
                                             - Prez (Lester Young), 1959


                          Le Sacre du Printemps

     Dokumentarisches zum 100. Geburtstag 1913-2013 und darüber hinaus

    Dirigierpartituren, Taschenpartituren, Klavierauszüge, Leihmaterial:

                   Silhouetten und seltsame Metamorphosen

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                             ARBEIT ONLINE

                       Mit der Bitte um Beachtung:

           Wegen jüngst erworbener Boosey & Hawkes-Partituren,
              6 Taschenpartituren und 2 Dirigierpartituren,
                       ist Etliches in Überarbeitung.
         Neu ist auch eine RMV-Taschenpartitur 1929, 1. Auflage
                              (2.11.2016).
    Mit Spannung erwartet wurde die Anlieferung der Boosey & Hawkes-
                Taschenpartitur November 1951 (6.10.2018).
             Eingetroffen ist die Erstausgabe der Masterworks
           Library-Ausgabe 1997, sie enthält eine Überraschung
                              (11.10.2018).
          Eingetroffen ist ein sehr früher, wenn nicht der erste
                      RMV-Klavierauszug (1.6.2019).
    Eingetroffen: Boosey & Hawkes-"Petroushka"-Taschenpartitur 574 (!),
                   Prä-1947er Edition: Fassung 1911 (!)
                              (31.7.2019).
      Eine chronologisch aufschlußreiche prä-1967er Boosey & Hawkes-
              Taschenpartitur ist hier wohlbehalten eingetroffen
                              (16.8.2019).
         Eingetroffen sind mehrere ausgesuchte frühe Ausgaben der
          Hawkes Pocket Scores diverser anderer Strawinsky-Werke
                              (26.10.2019).
     Im Briefkasten steckte eine unbekannte Auflage der Boosey & Hawkes-
         Taschenpartitur aus der Anfangszeit der 1967er Edition, sie
                sorgt für eine dicke Überraschung (11.10.2019).

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The Rite of Spring / Le Sacre du Printemps
Pictures from pagan Russia in two parts
Full score [2012], Verlag: Boosey & Hawkes, Deckblatt
Zum Zeitpunkt Anfang 2013 die höchstwahrscheinlich
neueste Leihdirigierpartitur (Großformat ≈ DIN A3, Blattmaße: 29,6 x 41,7 cm)
Beachte: Deckblattgestaltung als Grundstruktur auch auf
der Titelseite (Näheres siehe Ausführungen).

Kapitelüberschriften (vorläufige Fassungen)

Hinweis: Mit Copy and Paste und der Browser-Suchfunktion
gelingt der Sprung zum jeweiligen Kapitel sofort.

Leihpartitur [2012], Einführung
Dirigierpartitur 1967: Grundsätzliche Klärungen, Handelsexemplar, Erst-
ausgabenlinie
Leihpartituren: Bereitstellung, Bestand
Zum Einband, Le Sacre du Printemps in hellem Himmelblau
Leihdirigierpartituren der hellblauen Serie
Liste der in dieser Arbeit genannten Leihmaterialien
1967er Dirigierpartitur versus Studienpartitur, Einführung
a) Taschenpartitur
b) Dirigierpartitur: Handelsexemplar 1.-3. Auflage, Exemplar A, B, C
Titelseite der Leihpartitur [2012], Seite [I]
Adreßseite der Leihpartitur [2012], Seite [II]
Postcodes für den Boosey & Hawkes-Sitz, Liste/Zusammenfassung
Adreßblock, weitere Details
Leihpartitur [2012], Vorschaltseiten [III] und [IV]
a) Leihpartitur [2012], Vorschaltseite [III]
Teilebetitelung im "Avatar [...] Reconsidered" 2013
b) Leihpartitur [2012], Vorschaltseite [IV]
Gestaltung der Vorspannseiten in den Jahren 1967 bis etwa 1980
Vorschaltseiten: Änderungen in den 1980er Jahren
Guero - guiro - güiro
Zur alten Seite [2]: Vertiefung des Stoffs und etwas Mystik
RMV-Partituren: Vorspannseiten, zwei Beilagen (zum Teil Rekapitulation)
Masterworks-Ausgabe 1997, zwei Leihpartituren Auslieferung 2009, eine
Leihpartitur Auslieferung 2017
a) Masterworks-Ausgabe 1997
Identifikationstabelle: Studienpartitur "The Masterworks Library"
b) Zwei Leihpartituren Auslieferung 2009, eine Leihpartitur Aus-
lieferung 2017
1) Leihdirigierpartitur mit dem Stempel "13 DEC 1999" (ET135)
2) Leihdirigierpartitur der frühen hellblauen Serie, zwischen
   ca. 2000 und 2009 (B101)
3) Leihdirigierpartitur, Vorläuferin der hellblauen Serie, zwischen
   ca. 2000 und 2010 (SET55)
Die erste Notenseite (Seite 1 bzw. [1]), Schäden, Ausbesserungen
Dirigierpartitur 1967, Handelsexemplare 4., 5. Auflage?, 1983?, 1988?
Leihdirigierpartitur ca. 1992 - Auslaufmodell
Identifikationstabelle: Dirigierpartitur 1967, Erstausgabenlinie
                        (Handelsexemplar)
Erste Notenseite, Besonderheiten: Kasten "IMPORTANT NOTICE", Titel-
kopf, Fassungshinweis, Copyright
Liste zum Auf- und Vorkommen des Kastens "IMPORTANT NOTICE"
New edition 1967 - Re-engraved edition 1967
Boosey & Hawkes-Leihstimmen: Herkunft, Datierungen, Mystisches
RMV-Piccolo I-Stimme: Druckkennzeichnung, Boosey & Hawkes-Retusche
Titelgebung auf Leihstimmen, Druck, Bedruckung, Bestempelung
RMV-Leihstimmen: Druckplattenunterschiede
Materialsatz-Lieferung Anfang 2015
Erläuterungen zur Plattennummernaufstellung
Stimmen, Ausleihe Anfang 2015: Einige musikalische Details
Bernstein-Material - aktuelles Leihmaterial: zur Verwandtschaftsfrage
Materialsatz-Lieferungen 2017, zwei Hefte des Erstdrucks von 1967
Zur Chronologie der ersten Boosey & Hawkes-Sacre-Partituren
Nachkriegszeit: Suche nach frühen öffentlichen Zeichen
a) Dirigierpartitur in frühen Anzeigen
b) Taschenpartitur in frühen Anzeigen
Einschub: Frühe Hawkes Pocket Scores, Serie 1 f., 500er Serie
Exkurs: Boosey & Hawkes-Gesamtverzeichnis der Nachkriegszeit
Anzeige No. 582: Hilfreich, aber kapriziös
582er Nachfolgerinnen N0. [sic] 782, No. 787
Erstausgabe der alten Boosey & Hawkes-Sacre-Taschenpartitur, Typ A und B
Tabelle Taschenpartitur 1948: Typ, Bestand, Zustand
Typ-A, Typ-B: Paginierung, Seitenzahlenastrologie Kurs I
Kurs II: alte Dirigierpartitur, von der Astrologie zur Astronomie
Typ A und B, Druck 1951: Papierqualität, Notenxtext, Seite [2]
Typ A2-Partitur im Ferdinand Leitner-Nachlaß
Typ A2-Partitur aus dem Hilmar Schatz-Nachlaß
Typ A-Partitur im Internationalen Musikinstitut Darmstadt (IMD)
Einband-Annonce No. 520, "1. V" versus 1.49
Frühe Anzeige LB 291/43: die Vorläuferin
Frühe Bernstein-Partituren, reichlich Editionsmystik
Bernstein-Partituren: Massive Datierungsprobleme
Dirigierpartitur mit Druckvermerk April 1948, "Handelsexemplar"
Identifikationstabelle: Ortsangaben, ab der Nachkriegszeit, in
                        Taschen-, Studien- und Dirigierpartituren
"Weisman-Taschenpartitur": 1965 oder 1956?
Anzeige No. 453
Music Catalogue 1947/1948: Eingeschobene Strawinsky-Liste
Dr. Ernest Roth, Boosey & Hawkes Music Catalogue, Vorausauflistung
Anzeige No. 692, Sacre in Boosey & Hawkes-Strawinsky-Katalogen
Deae ex Machina: Unbekannte frühe Nachkriegs-Dirigierpartituren
1965er Dirigierpartitur: Reprinted with corrections 1965
Partitur "Reprinted with corrections 1965": Leitner-Exemplar
Partitur "Reprinted with corrections 1965": Unbekannter Herkunft
Musikalische Identifikaton der frühen Boosey & Hawkes-Partituren, die
7seitige Errata-Liste
Errata-Liste "um 1950": Von wann aber wirklich?
Dirigierpartitur 1948 Victor Feldbrill, 7seitige Errata-Beilage
Frühe Boosey & Hawkes-Editionslinie: Partiturenvergleich, Vorlagenfrage
Boosey & Hawkes-Sacre-Partituren der Frühzeit im Vergleich
   Liste, Hinweise und Hilfestellungen, Vermutungen
   I.  Frühe Boosey & Hawkes-Sacre-Partituren (Seite [2] bis 139)
   Tatsächliche Existenzen und vermutete Existenzen
   II. Errata-Liste um 1950: daraus einige Einträge
  III. Beobachtungshilfen für den Vergleich mit der "Bernstein-Parti-
       tur" Nr. 2341
RMV-Taschenpartitur 1921, Adorno-Exemplar
RMV-Taschenpartitur 1921, Exemplar "Van Baerlestraat 57"
RMV-Taschenpartitur 1929 1. und 2. Auflage: Einleitung/Überblick
RMV-Taschenpartitur 1929 1. Auflage: Threlfall-Exemplar
a) RMV-Taschenpartitur 1929: Mängeldruck, unvollständiges Mängelexemplar
b) Zum Threlfall-Exemplar - zur Beschäftigung damit
RMV-Taschenpartitur 1929 2. Auflage: Identifikation, Zimmermann-Exemplar
Seitendrucke 1929: Übernahmen - Neustiche
Boosey & Hawkes-Taschen-, Studienpartitur: 1948, 1965, 1967, 1997
Identifikationstabelle: Druck-, Druckervermerke in Taschenpartituren,
                        Hilfsdatierungen, Bestand (Zustand, Verfüg-
                        barkeit)
Identifikationstabelle: Maße (Abmessungen) von Taschen- und Studien-
                        partituren (Formate, Größenvergleich)
Annoncen, Überblick
Identifikationstabelle: Annoncen auf/in Taschen- und Studienparti-
                        turen
Annoncen-Umrandungen: ein Überblick
Identifikationstabelle: Rückenbeschriftungen bei Taschen- und Stu-
                        dienpartiturausgaben
Frontseite der Taschenpartituren: Entwicklung, Identifikation
Identifikationstabelle: Gestaltung des Frontdeckblatts von Taschen-
                        und Studienpartituren 
Identifikationsübungen: Deutung von Antiquariatsangeboten
Technische Druckmängel
Stichworte für weitere Arbeiten

Leihpartitur [2012], Einführung

   Die oben abgebildete Boosey & Hawkes-Leihdirigierpartitur war Ende
2012 vom deutschen Verleihstandort für eine im Februar 2013 anberaumte
Produktion ausgeliefert worden. Sie war unbenutzt, offenbar so etwas wie
druckfrisch, mehr noch: Sie hinterließ den Eindruck, ein Exemplar einer
brandneuen Ausgabe zu sein. Die äußere Gestaltung jedenfalls deutet in
diese Richtung, denn gegenüber früheren Leihpartituren weist sie einige
charakteristische Änderungen zeitgenössischer Art auf, so sind u.a.
Deckblatt, Titelseite, Adressenangabe und Copyright-Hinweis sowie das
Logo neu. Die Spiralbindung hingegen existiert schon seit Ende der
1990er Jahre. Auch am Notentext selbst hat sich - jedenfalls so der
gegenwärtige Kenntnisstand - nichts geändert.
   Es könnte sein, daß diese Neuausgabe [2012], als eine solche soll sie
hier nun umstandslos angesehen und bezeichnet werden, mit dem Jahrhun-
dertjubiläum des Werks zusammenhängt: 1913 - 2013. Ein Hinweis aller-
dings auf die Uraufführung (29. Mai 1913, Paris, Théâtre des Champs-
Élysées) ist nicht vorhanden, wie das in mindestens einer vorangegange-
nen Ausgabe der Leihpartitur der Fall ist, und wie es auch, dies sei
nicht vergessen zu erwähnen, schon Anfang der 1980er Jahre (genauer
gesagt: um 1981) in der Studienpartitur (Hawkes Pocket Scores, HPS 638)
im Rahmen der Umgestaltung ihrer äußeren Anlage eingeführt worden war;
einen Hinweis auf die Uraufführung hat übrigens auch schon die 1997 in
der Reihe "The Masterworks Library" erschienene mittelgroße "Full or-
chestral score", doch nicht als gesonderte Angabe, sondern lediglich im
nur in dieser Ausgabe existierenden, einer Werkeinführung ähnelnden Vor-
wort (Details siehe weiter unten).
   Nach der Neuedition der Sacre-Dirigierpartitur im Jahr 1967, für die
der Notentext nicht nur einer (wiederum) zusammenfassenden Durchsicht
unterzogen, sondern auch neu gesetzt worden war, entstanden gegen Ende
der 1990er Jahre von Zeit zu Zeit für den Leihverkehr speziell herge-
richtete Partituren - und zwar nicht nur als regelrecht gedruckte Pro-
dukte, sondern auch und vor allem als vereinfachte, per Reprographie
gewonnene "Editionen" (zu "regulären" Ausgaben siehe nächstes Kapitel),
wobei sich offenbar die Aufeinanderfolge der Drucke, Ausgaben bzw. Auf-
lagen (oder wie immer man das nennen soll) zunehmend verdichtete. Not-
wendig machte diese erneuernde Vorgehensweise allein schon die erhebli-
che Abnutzung, der eine Leihmaterialie eines solchen relativ häufig ge-
spielten Bestsellers in der Praxis ausgesetzt ist. Die größte Belastung
stellen dabei neben dem allmählichen Zerfleddern Eintragungen, Über-
schreibungen und Ausradierungen aller und gröbster Art dar.

Dirigierpartitur 1967: Grundsätzliche Klärungen, Handelsexemplar, Erst-
ausgabenlinie

   Von der neuen revidierten Dirigierpartitur von 1967 gab es, wie ange-
deutet, bis weit in die 1990er Jahre hinein keinen gesonderten Leihaus-
gabendruck, es existierte vielmehr zunächst nur die "normale" allgemeine
Verlagsedition, die sowohl für den Leihverkehr wie auch für den Verkauf
gedacht war; im Leihverkehr versah man sie allerdings aus Stabilitäts-
gründen unter Umständen (d.h., je nach Verlagsstandort und stardirigen-
tenbezogener Nutzungsform) nachträglich mit einem speziellen Kartonein-
band (Weiteres, auch zur Erstausgabe der revidierten Partitur von 1967,
siehe nachfolgende Ausführungen und im Schlußteil auch die Abbildungen).

   Beachte: Da die Dirigierpartitur (vor allem auch in ihrer Funktion
   als Leihmaterial) - im Gegensatz zum Beispiel zur Taschenpartitur -
   im Aufführungs- und Notenmaterialverleihgeschäft eine nahezu uneinge-
   schränkt vorherrschende Rolle spielt, wird ihr hier in diesen Aus-
   führungen sehr viel Aufmerksamkeit zuteil (eigentlich kann nie genug
   Augenmerk auf sie gerichtet sein), und somit bildet sie auch - ganz
   gleich in welcher äußeren Aufmachung - immer wieder den Rückbezug;
   sie ist die (natürliche) Basis für die vorliegende Darstellung der
   Partitur- und Notenmaterialentwicklung und es ist deshalb auch kein
   Wunder, daß die 2013 sicherlich neueste Leihpartitur als Einstieg in
   die Editionswelt der gedruckten Sacre-Partitur gewählt wurde.

   Zum Verkauf der Sacre-Dirigierpartitur (Handelsexemplar, Preise):
Der Verkauf der Dirigierpartitur steht nicht im Vordergrund, allein
schon nicht wegen der, vor allen in neuerer Zeit, hohen Anschaffungs-
kosten. Die Kaufadressaten sind vor allem Dirigenten, Spitzenorchester
mit ausgeprägtem Archivwesen, Bibliotheken von Musikhochschulen und
dergleichen. So scheinen denn auch Verkaufsannoncen für die Sacre-Diri-
gierpartitur ausgesprochene Raritäten zu sein. Eine, die Vorgängerpar-
titur der 1967er Fassung betreffende, ist 1949 im Sommerheft der Boosey
& Hawkes-Hauszeitschrift Tempo abgedruckt (Nr. 12 der neuen Serie, S.
[36]; Näheres mit Abbildung der Annonce siehe unter "Die alten Boosey &
Hawkes-Partituren"). Nach dieser Annonce zu urteilen, war damals der
Verkauf von Dirigierpartituren eine noch nicht ganz so außergewöhnliche
Angelegenheit. Das scheint auch die Preisangabe auszudrücken: 37/6 (37
shillings and six pence) für die Sacre-Dirigierpartitur, teuer ist das
nicht.
   Glücklicherweise kann auch zum Ladenpreis der revidierten Partitur
von 1967 in Form der "normalen" Verlagsausgabe aus der Frühzeit (hierzu
siehe oben) eine ungefähre Größenordnung vermittelt werden, allerdings
nur bezogen auf Deutschland (West) und auf die Zeit Anfang der 1980er
Jahre. Der Preis betrug bei einem damals führenden deutschen Musikalien-
händler, Noten Fuchs, Frankfurt am Main, 189.- DM (die Partitur liegt
mit Preisetikett vor; die Kaufkraft von 200.- DM damals dürfte um 2014
oder so wahrscheinlich einer Kaufkraft von etwa 300.- Euro entsprechen).
   Man beachte bei dem (hohen) Preis, daß die damalige Wirtschaftslage
des prosperierenden Westdeutschland mitbedacht werden muß und daß je
nach Staat wahrscheinlich erhebliche Unterschiede (nach unten) bestan-
den. Einzelheiten zur gegenwärtigen Verkaufssituation bezüglich der re-
vidierten Dirigierpartitur sind dem Verfasser nicht bekannt. Überhaupt
dürfte für ein forschendes Vorhaben der freie Zugang zu einer Boosey &
Hawkes-Dirigierpartitur des Sacre - ob älterer oder auch neuerer Art -
einen außerordentlichen Glücksfall darstellen, denn im Großen und Ganzen
deckt den Partiturverkauf über den Handel seit eh und je bis in die
zweite Hälfte der 1990er Jahre die Taschenpartitur ab, und dann trat
ja die 1997 in der Reihe "The Masterworks Library" auf den Markt ge-
brachte mittelgroße Partitur mit der ungewöhnlichen Einstufung als
"Full orchestral score" in den Vordergrund des Verkaufs (zu dieser
Edition siehe weiter unten).
   Kurze editorische Anmerkung zur Erstausgabe der revidierten Dirigier-
partitur von 1967 und zur sogenannten 1967er Erstausgabenlinie: Die
Erstausgabe trägt auf ihrer letzten Notenseite einen auf Mai 1967 da-
tierten Druckvermerk (zu Druckvermerken siehe später). Eingesehen wur-
de diese Partitur um 1980, doch wäre zweifellos dringlich, sie erneut
überprüfen zu können, was aber derzeit nicht geschehen kann, weil ihr
Standort nicht mehr bekannt ist. Nun steht aber glücklicherweise ein
Quasi-Ersatz zur Verfügung: die oben genannte Partitur, die durch zwei
weitere Exemplare gestützt wird, zum einen durch eine 1983 eingesehene
Leihpartitur (mit leider ersetztem Einband) und zum andern durch ein
aus England antiquarisch bezogenes Handelsexemplar, das vollständig ist
und eine auf 1977 lautende handschriftliche Datierung aufweist. Ein
Druckdatum haben diese drei Partituren nicht, doch sind sie, wie später
erörtert wird, eng miteinander verwandt, zwei dürften sogar dem gleichen
Druck angehören (sie kennzeichnet ein Zufallsdruckfehler). Wie auch
immer, die drei Partituren werden als direkte Nachdrucke angesehen
(übrigens, hergestellt wie der Erstdruck und alle von ihr produktions-
technisch abgeleiteten Partituren mit solider Fadenbindung, also nicht
wie die neueren Leihpartituren ausgestattet mit Ringbindungen).
   Es wird derzeit davon ausgegangen, daß die drei Exemplare kurz nach
der Erstausgabe, spätestens aber in den 1970er Jahren gedruckt wurden.
Änderungen scheinen diese Partituren allem Anschein nach, abgesehen von
der weggelassenen Datierungsangabe, nicht erfahren zu haben. Deshalb
wird im Folgenden oft gesprochen von einer Ersteditionsebene, damit sind
die ersten Druckausgaben gemeint. Doch kommt auch der Begriff Erstaus-
gabenlinie vor, darunter fallen alle Ausgaben, die mit der Erstausgabe
editorisch eng verwandt sind, wobei diese Verwandtschaft nach bisheriger
Kenntnnis bis mindestens in die 1990er Jahre reicht. Beide Begriffe,
Ersteditionsebene und Erstausgabenlinie, sind keine brottrockene Theo-
rie, sie sind vielmehr, da die bisher angetroffenen neueren Leihpartitu-
ren ein so unterschiedliches Äußere aufwiesen und aufweisen, nötig und
praktisch.
   Daß die tatsächliche Erstausgabe nicht zur Verfügung steht, ist aber
dennoch ein Manko, das abzuändern selbstverständlich ständig im Sinn
ist, damit die, wenn auch noch so geringe, vorhandene Unsicherheit be-
züglich etwaiger Detailänderungen so bald wie möglich beseitigt werden
kann - was jedoch angesichts der Seltenheit eines Exemplars des Erst-
drucks so einfach nicht ist (die früheste der bisher vorgefundenen Ta-
schenpartituren der neuen Edition stammt übrigens von 1968, und das ist
bei diesem Format höchstwahrscheinlich auch das Jahr der ersten Ausgabe,
doch editorisch gesehen, bieten Dirigierpartitur und Taschenpartitur,
wie auch die spezifischen Leihpartituren, ein wirklich sehr unterschied-
liches Bild, Details siehe jeweils andernorts).

Leihpartituren: Bereitstellung, Bestand

   Nun war es aber offensichtlich bislang nicht so, daß als Folge-
schritt bei der Einsetzung einer neuen Sacre-Leihpartiturausgabe der
1967er Fassung die jeweils älteren (1967er) Partituren systematisch
ausgemustert wurden, entfernt wurden scheinbar nur jene Exemplare, die
nicht mehr benutzbar waren, so daß die allgemeine Situation ein eher
verwirrendes Bild abgibt, insofern nämlich, als im Leihgeschäft, sozu-
sagen kumulativ, diverse Drucke (oder zumindest doch diverse, wie auch
immer gefertigte Ausgaben, Kopien bzw. Reproduktionen) nebeneinander her
existieren, unter Umständen sogar miteinander ausgeliefert werden. Des-
halb wird weiter unten ein Überblick über mit der Zeit eingesehene deut-
lich abgrenzbare Ausgaben der 1967er Neuedition versuchen, eine erste
Orientierung zu bieten, und soweit nötig, werden bei diesem mühsam Daten
einsammelnden Tun und Treiben auch die Vorgängerfassungen, die Ausgaben
vor 1967, einbezogen. Allerdings kann bei alldem meistens nur vom gege-
benen deutschen und wahrscheinlich eingeschränkten Beobachtungspunkt
ausgegangen werden, das heißt im Klartext, es ist damit zu rechnen, daß
die Sachlage weltweit womöglich etwas unterschiedlich aussieht. Merke:
Das Leihmaterialgeschäft ist eine typisch globale Vermarktung - und eine
kapitalbringend ungemein raffinierte dazu.

Zum Einband, Le Sacre du Printemps in hellem Himmelblau

   1967 erschien die Erstausgabe der grundlegend neuen Partitur als
Verkaufs- und Leihpartitur {*1}, deren äußere Erscheinung zumindest bis
in die 1990er Jahre hinein ein grauer Einband war, ein Grau, das häufig
einen mehr oder weniger deutlichen grünlichen Einschlag aufweist (eine
Art nahezu unbeschreibbarer heller Khaki-Farbtönung) {*2}. Man verband
oder verbindet mit diesem Einband (aus relativ dünnem, papierähnlichem
Karton) unzweifelhaft die Herkunft: Boosey & Hawkes. Denn nicht nur
Dirigierpartituren hatten dieses Sack-und-Asche-Gewand (oft mit knall-
roter Aufschrift versehen), auch nur für den Handel bestimmte Noten,
wie Klavierauszüge (oft ebenfalls knallrot beschriftet) und Partituren
mittleren und kleineren Formats, "zierte" vielfach diese Form von be-
scheidener wie seltsam wirkender Packpapieraufmachung, deren Farbgebung
von Zeit zu Zeit (und bei bestimmten Werktypen unterschiedlich) als ein
mehr oder minder deutliches, aber eben auch als ein wechselhaftes Ge-
misch aus Grau-Braun-Oliv-Khaki ausfiel. Später stellte sich dann, z.B.
in den 1980er Jahren bei der Sacre-Taschenpartitur, auch ein (fast) rei-
nes Hellbraun ein, wobei aber die bei Taschenpartituren gewohnte Gestal-
tung, grüne Beschriftung und grüne Etikettfläche (für die Betitelung mit
inversiver Beschriftung), bestehen blieb (Abbildungen und Weiteres zum
äußeren Erscheinungsbild, auch zur neueren Entwicklung hin zu bunt-
farbigen und motivischen Gestaltungen, siehe weiter unten {*3}).

   {*1} Zu den Begriffen, zur Funktion und Unterscheidung siehe oben.

   {*2} Abbildung der Titelseite siehe unten (Abbildung des Einbands in
   Vorbereitung)

   {*3} Es sollte bereits hier erwähnt werden, daß schon mindestens seit
   der Nachkriegszeit nicht nur Sack-und-Asche-Einbände verwendet wur-
   den, sondern daß bei Ausgaben wie instrumentale Solostimme und Kla-
   vier auch bunte Unifarbgebungen eine Rolle spielten, z.B. hellgrau-
   blauer Umschlag mit mittelblauer Beschriftung, beige-gelblicher Um-
   schlag mit brauner Beschriftung.

Leihdirigierpartituren der hellblauen Serie

   Für die Leihpartituren kam spätestens Ende der 1990er Jahre eine
Wende: Ihr bislang buchbinderisch verhältnismäßig aufwendiger Einband
- beruhend auf einer dauerhaften Fadenbindung - wurde durch eine Spiral-
bindung ersetzt. Hierbei können hinsichtlich des Einbanddeckblatts für
Sacre-Leihpartituren bis jetzt drei Varianten als gesichert existent
angegeben werden. Zum einen dünner mittel- bis dunkelblauer Karton, un-
bedruckt, die Frontseite mit einem Londoner Boosey & Hawkes-Aufklebe-
etikett versehen, zum anderen ebenso dünner hellblauer Karton mit auf-
gedruckter Beschriftung in zwei sehr verschiedenen Ausführungen, wobei
mittlerweile diese um 2000 allgemein für Leihpartituren eingeführte
hellblaue Einbandversion offenbar als ein neues (für Leihpartituren)
charakteristisch erkennbares Layout gedacht ist. Demnach dürfte es auch
nicht verkehrt sein, solcherlei eingebundene Leihpartituren als "Parti-
turen der hellblauen Serie" zu bezeichnen, dies um so berechtigter, als
im "Inneren" sehr oft mehr oder minder bedeutsame Änderungen zu ver-
zeichnen sind, und zu dieser hellblauen Serie zählt eben auch die im
Zeitraum 2012/Anfang 2013 sicherlich neueste Ausgabe der Sacre-Leih-
partitur (siehe das oben abgebildete Deckblatt), als ein weiteres Bei-
spiel wurde bereits die 2002 gedruckte Ausgabe der Pulcinella-Suite vor-
gestellt (siehe unter Pulcinella, beachte dort die Abbildung) {*1} {*2}.

   {*1} Im Ausleihgeschäft nimmt die Verbreitung der Spiralbindung zu.
   Der Grund dafür ist einfach: Gegenüber der festen Einbindung ist sie
   die erheblich kostengünstigere Variante. Doch nimmt gleichzeitig auf
   der Interpretenseite die Kritik an dieser Bindungsart stetig zu. Denn
   sie ist im professionellen Einsatz, vor allem beim Umblättern, nicht
   robust und störungsfrei genug. Der wichtigste Kritikpunkt aber ist
   die hohe Geräuschbildung, das heißt, es entsteht beim Blättern ein
   deutlich vernehmbares, mit einem Zirpton verbundenes Kratzen, Rat-
   schen. Hiervon sind Dirigierpartituren ebenso betroffen wie Auflage-
   stimmen. Sacre-Stimmenmaterial allerdings ist bislang nur in Heft-
   bindung angetroffen worden (zum Stimmenmaterial siehe gesonderte
   Kapitel).
 
                        ===========================
                        Gesamte Fußnote 2 in Arbeit
                        ===========================

   {*2} Von der hellblauen Sacre-Edition [2012] wurde inzwischen (2015)
   ein weiteres Exemplar angetroffen, es gehörte bei Einsichtnahme zum
   Materialsatz SET 74 (rote Stempel, auch lesbar: SET 7 4, hier: SET74)
   und so war auch die Partitur (ebenfalls in rot) bestempelt {*a}. Zu-
   dem lag dieser Ausleihe {*b} als Zweitexemplar noch die Partitur A179
   bei; das ist diejenige, die schon 2012 eingesehen wurde und von der
   oben die Abbildung stammt (die Bestempelung A179, ebenfalls in rot,
   wurde für den Scan wegretuschiert).
   Außerdem war drittens beigefügt eine neuere Auflage der mittelgroßen
   The Masterworks Library-Studienpartitur (roter Stempel: A176, Details
   siehe später). Irgendwelche Unterschiede zwischen den Notentexten der
   beiden Leihdirigierpartituren der hellblauen Serie schienen nicht zu
   bestehen, keine Unterschiede bestanden mit Sicherheit auf den Ele-
   mentebenen Layout und Editionsmerkmale (Stand 20.5.2015).
   Ein weiterer Ausleihvorgang mit ebenfalls aufschlußreichen Befunden
   betraf eine für Mai und Juni 2017 anberaumte Konzertproduktion {*c}.
   Hierfür wurde zunächst im August 2016 eine "Vorauspartitur" älterer
   Layout-Stufe, nämlich der Erstausgabenlinie, geliefert (Näheres siehe
   die Ausführungen unter "Handelsexemplar" mit dem daran anschließen-
   den Kapitel "Auslaufmodell", dieses "Auslaufmodell" wird auf ca. 1992
   datiert). Anfang März 2017 folgte das Leihstimmenmaterial, SET 55
   (hier: SET55) (rote Bestempelung), mit dazugehöriger Partitur (Be-
   stempelung: SET55, rot). Beigefügt war dem noch eine weitere, eine
   "freie" Partitur, A181 (ebenfalls rote Bestempelung). Beide Partitu-
   ren gehören vom Einband her der hellblauen Serie an, haben beide die
   gleichen Maße, beinhalten aber editorisch unterschiedliche Inhalts-
   bzw. Druckstufen {*d}.
   Zunächst zur Partitur A181: Diese beigelegte, also als selbständige
   Leihpartitur gelieferte Dirigierpartitur stimmt hinsichtlich aller
   editorischen Elemente mit den Exemplaren A179 und SET74 überein (zum
   Deckblatt siehe oben die Abbildung, die aber, wie gesagt, von der
   A179 stammt).
   Zum Leihstimmenmaterial SET55: Dieser Leihstimmensatz stimmt nahezu
   vollständig mit dem hier später vorgestellten Satz SET74 überein, er
   enthielt aber bei Einsichtnahme zwei Erstdruckstimmhefte von 1967
   (Violino II, Tromba III), und deshalb ist im Zusammenhang mit den
   Ausführungen zum Stimmensatz SET74 dort eine kurze Beschreibung zu
   finden (siehe unter "Materialsatz-Lieferungen 2017, zwei Hefte des
   Erstdrucks von 1967").
   Zur Leihdirigierpartitur SET55: Auch sie gehört als Fertigung edi-
   torisch in die neuere Zeit (etwa 2000 bis 2010 oder vielleicht noch
   jünger). In Vielem gleicht sie einer später gesondert zu besprechen-
   den Leihpartitur (Partitur "13 DEC 1999"), das heißt, es sind, wie
   man sehen wird, editorische Druckinhalte älterer Art vorhanden, je-
   doch das eine oder andere neuere Detail auch, so hat sie beispiels-
   weise, und das ist sehr erstaunlich, eine eigene Retusche der von
   Boosey & Hawkes anscheinend schon Anfang der 1990er Jahren eingeführ-
   ten "neuzeitlichen" einzeiligen Copyright-Zeile (Ausführungen dazu
   siehe später u.a. unter The Masterworks Library). Somit liegt offen-
   sichtlich eine eigene, eine selbständige Leihpartiturauflage vor und
   deshalb ist es zwingend angebracht, später im Rahmen ähnlicher Misch-
   oder Anpassungsformen auf dieses Exemplar näher einzugehen (siehe
   unter "Leihpartituren Auslieferung 2009")

   {*a} Es wird in dieser Arbeit auf etliche Leihmaterialien Bezug ge-
   nommen, manchmal werden sie bloß genannt, manchmal aber auch näher
   vorgestellt, gelegentlich sogar eingehend beschrieben.
   Gekennzeichnet sind solche Materialien im Regelfall mittels einer
   aufgestempelten Lagernummer, die üblicherweise alphanumerisch zusam-
   mengesetzt ist. Leider fallen jedoch die Stempelbilder keineswegs
   einheitlich aus, und teils stößt man dabei auch auf Unlogik, das
   heißt, manchmal enthalten sie Leerzeichen, manchmal nicht, auch gro-
   tesk, dem Zufall unterworfen, kann die Art und Weise sein. Ja, selbst
   innerhalb eines Stimmensatzes können Uneinheitlichkeiten auftreten,
   so zum Beispiel, wenn Ersatzhefte aus anderen (aufgelösten) Sätzen
   eingegfügt wurden, versehen unter Umständen mit zwei oder mehr Nume-
   rierungen.
   Um nun hier in den Texten die Suchfunktion möglichst effektiv ein-
   setzen zu können, muß, das Problem der Leerstellen betreffend, eine
   gewisse Systematik eingeführt werden. Das bedeutet:
   Bei der Erstnennung im Text (die untenstehende Tabelle zählt hierbei
   als Erststelle nur bedingt mit, die Fußnoten zu dieser Einführung
   gehören aber in jedem Fall sehr wohl dazu) wird die vorgefundene
   Schreibweise nach einem Schema wiedergegeben (siehe nachfolgend).
   Im weiteren Textverlauf dagegen werden dann eventuell vorkommende
   Leerstellen gestrichen, was die Schreibweise vereinfacht auf z.B.
   B201, SET55.
   Beachte: Diese Entscheidung, Wiedergabe ohne Leerstelle(n), hebt im
   Prinzip auch ein beabsichtigtes, betontes Zitat einer Nummer nicht
   auf, doch wird einem solchen Fall in der Regel mit einer Bemerkung
   weitergeholfen.
   Bei der Erstnennung sieht die Lösung bei Nummern a) mit Leerstellen
   z.B. wie folgt aus: B 101 (hier: B101), B 20 1 (hier: B201), SET 74
   (auch lesbar als SET 7 4, hier: SET74), bei Nummern b) ohne Leerstel-
   le(n) ändert sich dagegen nichts, wie z.B. bei ET135. Einen vollstän-
   digen Überblick über angetroffene Lagernumerierungen bietet unten die
   tabellarische Auflistung.
   Mit Hilfe dieser Vereinfachung werden Suchvorgänge erheblich erleich-
   tert, denn Schreibweisen mit Leerstellen haben sich als unpraktisch
   erwiesen, man denke etwa an Zeilenbrüche mit der möglichen Trennung
   des Präfix von der Zahl, z.B. B [/] 101. Ein Vorteil bei der Suche
   mit dem Präfix (ohne Leerstelle) ist zudem, daß die Suchfunktion
   keine unzutreffenden Zahlen findet bzw. markiert (z.B. Seiten- und
   Partiturziffern). Gesucht werden kann aber natürlich immer noch nach
   der Zahl, z.B. 179, 505, oder auch nach z.B. B 101, ob das jedoch zu
   einem positiven Treffer führt, ist dann allerdings die Frage.

   Liste der in dieser Arbeit genannten Leihmaterialien

   Einzelheiten zu Leihmaterialien, gelegentlich ausführliche, siehe in
   diversen Kapiteln.

      Abkürzungen:

      DiPa     = Dirigierpartitur
      HPS      = HAWKES POCKET SCORES
      D(V)     = Datierung(sversuch), Hilfsdatierung, siehe betreffende
                 Kapitel
      J(E)     = Jahr der Einsichtnahme 
      StudPa   = Studienpartitur
      MaS      = Material-, Stimmensatz
      spät.    = spätestens
      TaPa     = Taschenpartitur
      TML      = The Masterworks Library

      Beachte: Die Auflistung versucht eine "sachdienliche", nach Grup-
      pen, Lieferungen und Datierungen "gemischtsortierte" Anordnung an-
      zustreben, was zunächst einen etwas verwirrenden Eindruck abgibt -
      man kann sich aber einlesen; eine andere Auflistung, etwa streng
      nach einem einzigen Kriterium, z.B. nach dem primären Detail La-
      gernummer, fiele demgegenüber noch verwirrender aus, es entstünde
      ein zusammenhangsloses, ein zu zerstreutes Bild.
      Hilfestellung: Zielpunkt des Sichzurechtfindens sollte vor allem
      ein MaS-Eintrag sein (MaS = Material[stimmen]satz). Dort sind, so-
      weit möglich, dazu gehörende Einzelheiten (Stimmen, Dirigier-, Ta-
      schen- und Studienpartituren) versammelt. Eine weitere Hilfe,
      einen roten Faden zu finden, Einträge zu gruppieren, bietet das
      Ordnen nach der Rubrik J(E) (= Jahr der Einsichtnahme, Anliefe-
      rung).


      Lagernummer              Materialart                D(V)      J(E)

      A) Le Sacre du Printemps / The Rite of Spring

      Keine                    MaS mit DiPa 1967                    1983
                               und TaPa HPS (siehe
                               nachfolgend) {*a1}

      Keine                    DiPa 1967              spät. 1980    1983
                               dunkelblauer Kar-
                               toneinband nach
                               "Bonner Art" {*a2}

      Keine                    TaPa HPS              August 1966    1983
                               (alte Druckfassung)

      ET135                    DiPa 1967              spät. 1999    2009
                               (Handelsexemplar-
                               abkömmling, ur-
                               sprünglicher Stand-
                               ort: London) {*a3}

      B 101    (hier: B101)    DiPa 1967           ca. 2000-2009    2009
                               (TaPa-, HPS-Abkömm-
                               ling, frühe hell-
                               blaue Serie, vgl.
                               DiPa SET55) {*a3}

      B 114    (hier: B114)    DiPa 1967                ca. 1992    2016
                               Handelsexemplar
                               (siehe MaS SET55,
                               gehörte einst zu MaS
                               SET [/] 20, siehe
                               unten)

      B 20 1   (hier: B201)    siehe TaPa HPS A505
      (= A505)

      SET [/] (hier: SET20)    MaS (keine Einsicht-
       20                       nahme, siehe DiPa
                               B114)
                               Stimmheft Tromba II                  2017
                               (sehr früher Druck,
                               Auffüllheft in
                               MaS SET74, siehe dort)

      A179                     DiPa 1967                   [2012]   2012
                               (hellblaue Serie,                    2015
                               siehe MaS SET74)

      A181                     DiPa 1967                   [2012]   2017
                               (hellblaue Serie,
                               siehe MaS SET55)
      
      SET 74  (hier: SET74)    MaS mit DiPa SET74,                  2015
                               DiPa A179 und StudPa                 2017
                               TML A176,
                               mit Auffüllheft                      2017
                               Tromba II (sehr früher
                               Druck, vorher SET20,
                               siehe dort)

      SET 74  (hier: SET74)    DiPa 1967                   [2012]   2015
                               (hellblaue Serie,
                               siehe MaS SET74)

      SET46                    MaS (keine Einsicht-
                               nahme)
                               Stimmheft Violino II,        1967    2017
                               Erstdruck,
                               Auffüllheft im
                               MaS SET55

      SET 55  (hier: SET55)    MaS mit DiPa SET55,                  2017
                               DiPa B114 und DiPa
                               A181
                               Satz enthielt zwei           1967
                               Erstdruckstimmhefte
                               = Auffüllhefte:
                               Violino II (vorher
                               SET46, siehe dort)
                               und Tromba III (Erst-
                               einsatz, keine Um-
                               numerierung)

      SET55                    DiPa 1967           ca. 2000-2010    2017
                               (Vorläuferin zur
                               hellblauen Serie,
                               siehe MaS SET55,
                               vgl. DiPa B101)

      SET 80  (hier: SET80)    MaS mit DiPa SET80,                  2018
                               TaPa HPS B201/A505
                               und StudPa TML A168

      SET 8 0 (hier: SET80)    DiPa 1967                   [2012]   2018
                               (hellblaue Serie,
                               siehe MaS SET80)

      A168                     StudPa TML                   2004?   2018
                               (siehe MaS SET80)

      A176                     StudPa TML                   2008?   2015
                               (siehe MaS SET74)

      A505                     TaPa HPS               April 1956    2018
      (= B201)                 (alte Druckfassung,
                               ursprünglicher Stand-
                               ort: London, siehe
                               MaS SET80)

      B) Andere Werke (soweit hier erwähnt)

      6                        Concerto en Ré pour    spät. 1975    2011
      (= B 101                 orchestre à cordes
      = A502)                  DiPa, Revised version 1961 {*a4}


   {*a1} Das einst (1983) ausgelieferte Material bestand aus einer der
   1967er Edition angehörenden Dirigierpartitur und einem Stimmenmateri-
   al mit unterschiedlichen Datierungen; die Stimmhefte wiesen ein Num-
   merngemisch auf, nachzuvollziehen sind davon heute noch (2018): 2, 7
   und 9 (siehe die Ausführungen andernorts). Eine übergeordnete, ver-
   einheitlichende Benummerung war nicht vorhanden.
   Zur Taschenpartitur der alten Druckfassung (Druck August 1966): Es
   kommt doch wohl hoffentlich nicht häufig vor, daß einer reviderten
   1967er Dirigierpartitur und einem dazu (sicherlich) "passenden" Ma-
   terial eine (Taschen-)Partitur der alten Druckfassung beigefügt wird.
   Doch, o Wunder, zu einem weiteren Fall siehe den 2018 verschickten
   Satz SET 80 (hier: SET80) bzw. unten die Fußnote {*d}.

   {*a2} Die von Boosey & Hawkes, Bonn, bis mindestens in die 1980er
   Jahre hinein verschickten Leihpartituren größerer Werke steckten in
   gediegenen, stabilen, auf dem Pult gut handhabbaren Einbänden aus
   dickem dunkelblauem Karton. Als Bindung wurde die aufwendige Faden-
   bindung eingesetzt. Heute ist von dieser Teilnahme an der Sache nicht
   viel übrig geblieben (Erörterung andernorts, siehe auch unter Pulci-
   nella).

   {*a3} Einem 2009 angelieferten Materialsatz beigelegte Dirigierparti-
   turen waren ET135 und B101, Einzelheiten zum Stimmensatz wurden
   leider nicht vermerkt.

   {*a4} Partitur (Maße: ca. 23,5 x 30,8) liegt in vollständiger DIN A4-
   Kopie vor (Umschlag farbig). Datierung: zwischen 1961 und 1975 (auf-
   klebtes Boosey & Hawkes-"Leihmaterial"-Etikett mit der Adresse "Kron-
   prinzenstraße" galt bis Herbst 1975).

   {*b} Anlaß der Materialausleihe: 3 Konzerte, hr-Sinfonieorchester,
   Leitung: Andrés Orozco-Estrada. Gastkonzert 10.6.2015, Köln: Phil-
   harmonie, 2 hr-Sinfoniekonzerte, 11./12.6.2015, Frankfurt: Alte Oper,
   Großer Saal

   {*c} Anlaß der Materialausleihe: 5 Konzerte, hr-Sinfonieorchester,
   Leitung: Andrés Orozco-Estrada. Spanien-Tournee 24.–27. Mai 2017,
   Barcelona: Auditori de Barcelona, Madrid: Auditorio Nacional de
   Música, Alicante: Auditorio de la Diputación de Alicante, Girona:
   Auditorio di Girona; Gastkonzert 4. Juni 2017, Dresden: Kulturpalast;
   Tournee-Abschluß 7.6.2017, Frankfurt am Main, Alte Oper, Großer Saal:
   "Spotlight", Andrés Orozco-Estrada beleuchtet und präsentiert "Le
   Sacre du Printemps (Gesprächskonzert mit Erläuterungen und  Beispie-
   len).
   Beachte: Das für die Aufführung angelieferte Material SET55 war, weil
   zu überzeichnet und als undienlich angesehen, gegen das bereits 2015
   verwendete (und für diese Dokumentation damals eingesehene) Material
   SET74 ausgewechselt worden.

   {*d} Im Juni 2018 wurde erneut Leihmaterial angeliefert: SET80. Zur
   Ausstattung gehörten drei Partituren: 1. Taschenpartitur der ur-
   sprünglichen (veralteten) Ausgabenlinie, Druckvermerk 4·56, Bestem-
   pelung rot B 201 (hier: B201) und violett A505 (siehe die Ausführun-
   gen nachfolgend und Detail-Tabellen andernorts), 2. Studienpartitur
   der Reihe "The Masterworks Library", Ausgabe von mutmaßlich 2004,
   roter Stempel A168 (siehe unter "The Masterworks Library") und 3.
   Dirigierpartitur SET 8 0 (hier: SET80).
   Die Partitur SET80 (roter Stempel) gehört der neuen "hellblauen Se-
   rie" an und stimmt in allen editorischen Details mit den bisher ein-
   gesehenen Exemplaren der Serie, die die Nummern A179, A181 und SET74
   trugen (siehe weiter oben), überein. Eintragungen enthielt diese
   Leihpartitur keine, sie schien unbenutzt zu sein.
   Zur Leihtaschenpartitur B201 / A505: Wer in den Leihverkehr Einblicke
   hat, selbst nur bescheidene, weiß, daß Pannen zu diesem Massenge-
   schäft dazugehören. Doch gänzlich überholte Partiturendrucke zu ver-
   schicken, das ist schon bedenklich. Einem solchen Fall war übrigens
   1983 schon einmal begegnet worden; auch damals wurde der revidierten
   Partitur eine veraltete Taschenpartitur beigefügt, doch handelte es
   sich immerhin um den Druck von 1966, also um die letzte Auflage der
   alten Editionslinie (zu ihr siehe andernorts).
   Gleichwohl, über das Mißgeschick beim Verleih hinweg kann diese Leih-
   taschenpartitur B201 / A505 doch noch eine positive Geschichte erzäh-
   len und zwar ihre eigene, nicht minder seltsame:
   Sie gehörte zunächst dem englischen Leihverkehr an, dies zeigt der
   ovale, violette Stempel der "HIRE LIBRARY", aufgestempelt dreimal:
   auf der Fronteinbandseite, auf der Titel- und der ersten Notenseite;
   es ist noch der "altehrwürdige" Stempel "BOOSEY & HAWKES, LTD. [/]
   HIRE LIBRARY [/] 295, REGENT ST. LONDON, W. 1.". Doch jetzt geschieht
   etwas ganz Merkwürdiges: Die Leihpartitur kommt nach Deutschland in
   die Bonner Vertretung, was noch einigermaßen nachzuvollziehen ist;
   doch da wandert sie offenbar nicht in den Leihverkehr (dafür gibt es
   jedenfalls keinen Hinweis), sondern wird scheinbar Teil des Lekto-
   rats, und dort ist sie noch Jahre nach der Einführung der revidierten
   1967er Edition, nämlich mindestens noch im Herbst 1975, wie der fol-
   gende Stempel zeigt: BOOSEY & HAWKES GMBH [/] - Lektorat - [/] Prinz-
   Albert-Straße 26 [/] 5300 Bonn 1 (Herbst 1975 wurde die Kronprinzen-
   straße in Prinz-Albert-Straße umbenannt, zu dieser Datierung und zur
   Boosey & Hawkes-Adressendatierung allgemein siehe insbesondere die
   Arbeit zu Pulcinella).
      Im noblen Lektorat bleibt sie aber nicht, sie wird abgeschoben,
   wechselt kurioserweise jetzt doch ins Mietmaterial, wovon der ge-
   druckte "MIETMATERIAL"-Aufkleber kündet, der über den "Lektorat"-
   Stempel geklebt wurde, die Adresse darauf lautet: "BOOSEY & HAWKES
   GMBH, Justus-von-Liebig-Straße 22 · 5300 Bonn 1". Und das bedeutet,
   diese Aufklebung kann nicht vor 1992 passiert sein. Nun muß man sich
   aber doch allen Ernstes fragen, wieso kommt diese veraltete Partitur
   vom Bonner Lektorat, wo sie vielleicht eine Weile lang eine Art Refe-
   renzrolle abgab, wieder ins Mietmaterial? Dort ist sie weiterhin, wie
   der Stempel "BOOSEY & HAWKES [/] Musikverlag [/] Leihbibliothek [/]
   Postfach 1264 [/] 53002 BONN" klar macht, wobei der postalische Teil
   dieses Stempels, "53002 BONN", zeigt, diese Aufstempelung kann vor
   September 1993 nicht geschehen sein.
   1997 ging Boosey & Hawkes nach Berlin. Es wundert nicht, die Partitur
   ging mit, zwei Stempel belegen das; der eine weist sie ausdrücklich
   als Leihmaterial aus, es ist ein kaum entzifferbarer Stempel, anhand
   einer einwandfreien Vorlage ergänzt, lautet er "[BOOSEY & HAW]KES [/]
   [BOTE & B]OCK [/] [Leihbibliothek · Hire Li]brary [/] [Lützowufer 26
   · 10787] Berl[in]", der andere, der wahrscheinlich jüngere, ebenfalls
   nur fragmentarisch wahrnehmbar, enthält augenscheinlich nicht (mehr)
   die Zeile "Leihbibliothek · Hire Library", bietet dafür aber, diesmal
   deutlich lesbar, die (bekannte) Adresse: "Lützowufer 26 · 10787 Ber-
   lin" (Adressenstempel violett, in diversen Tönungen, Farbe des ersten
   Bonner Stempels, weil überklebt, nicht bestimmbar).
   Ausgeliefert wurde diese eigentlich antiquarische Partitur nun jedoch
   nicht aus Berlin, sondern von Schott, Mainz, denn von dort wird seit
   einiger Zeit der Leihverkehr "körperlich" abgewickelt. Irgendwelche
   bedeutenden, weiterführenden Einträge wies die Partitur im Notentext
   nicht auf.

1967er Dirigierpartitur versus Studienpartitur, Einführung

   Der Notentext der Dirigier-, Leih- und Taschenpartitur der Sacre-Fas-
sung von 1967 umfaßt 153 Seiten. Diesem Notentextkörper sind noch unpa-
ginierte Seiten vorgeschaltet (man beachte hierbei: je nach Format ist
im Verlauf der Ausgabenentwicklung auch die erste Notenseite nicht oder
nicht immer paginiert, sie weist also unter Umständen keine "1" auf).
   Die Anzahl der Vorausseiten schwankt. Anfangs existierten zwei Vor-
schaltseiten (Titelseite, Inhalts- und Besetzungsseite), in den Ausga-
benaufmachungen des Taschenpartiturformats der 1980er und der ersten
Hälfte der 1990er Jahre wurden es dann sechs Seiten (Titelseite, In-
haltsverzeichnis, Besetzungsseite, zwei unbedruckte Versoseiten), im
üblichen Handelsexemplar der Dirigierpartitur blieb es jedoch bei dem
einen ursprünglichen Vorspannblatt. Unregelmäßig wurde die Sachlage da-
gegen Ende der 1990er Jahre in den Leihpartituren, je nach Vorlage wei-
sen sie zwei oder sechs Vorschaltseiten auf. Acht Vorausseiten enthält
die 1997 in der Reihe "The Masterworks Library" erschienene mittelgroße
Studienpartitur, "Full orchestral score" genannt. In der neuesten Leih-
partitur [2012] schrumfte dann die Anzahl wieder auf vier Seiten (Wei-
teres zu allen diesen Formaten und Erscheinungen, auch zur Studienpar-
titur von 1997, findet man im Folgenden in gesonderten Kapiteln, aber
auch, wenn nötig, in einzelnen Ausführungen, verstreut im ganzen Text).

a) Taschenpartitur

   Die "klassische" Studienpartitur der 1967er Edition (Numerierung der
Standardtaschenpartitur bis Ende der 1970er Jahre: No. 638, aber minde-
stens Druck 2/1977: No 638, seit den 1980er Jahren HPS 638, HPS = Hawkes
Pocket Scores) ist im Prinzip, wie auch die 1997er Ausgabe, eine ver-
kleinerte Ausgabe der Dirigierpartitur, doch ist jeweils der Einband
komplett anders gestaltet und es darf auch nicht übersehen werden, daß
hinsichtlich der Vorschaltseiten Gleichheiten wie auch Unterschiede vor-
handen sind. Die Edition der 1997er Partituredition weicht in ihrer
äußeren Anlage allerdings ganz erheblich von der bisherigen Linie (die
eine lange Tradition hat) ab. Dennoch stimmt auch bei dieser Ausgabe von
1997 die Seitenzählung des Notentexts mit derjenigen der Dirigier-,
Leih- und Taschenpartituren überein: 153 Seiten, Vorausseiten NICHT ein-
gerechnet. Das wichtige Erkennungsmerkmal jedoch, die auf allen Noten-
seiten (unter den Systemen) abgedruckte Plattennummer, ist bei allen
Partiturarten gleich: B.& H. 19441, mit der Variante B. & H. 19441 auf
manchen Seiten (zum Vergleich die Grunddaten der ersten Boosey & Hawkes-
edition, der Einfachheit halber hier oft als "prä-1967er" Partitur ge-
kennzeichnet: Plattennummer B. & H. 16333, Umfang: 139 Seiten, davon
zwei MITgezählte, aber unpaginierte Vorausseiten, Notentextseiten somit:
3 bis 139). 
   Das äußere Bild, der Einband also, der "klassischen" Studienpartitur,
die Taschenpartitur genannt wird, was sie wegen ihrer reichlich bemesse-
nen Ausmaße eigentlich nicht ist (sie hat eher ein AKTENtaschenformat),
änderte sich Anfang der 1980er Jahre, wie oben angedeutet, beträchtlich.
So wird u.a. auf dem traditionellen, aufgedruckten grünen Etikett mit
inversiver Schrift der Werktitel nicht mehr wie zuvor zweisprachig, eng-
lisch und französisch, wiedergegeben, wobei hierbei der französische
Originaltitel kleiner und in Klammern unter dem THE RITE OF SPRING wie
ein Nebentitel, wie eine gerade eben noch beigefügte Übersetzung wirkte,
sondern es verblieb nun nur noch der englische Titel; eine Entwicklung,
die, hat man die gesamte Sacre-Notenproduktion des Verlags Boosey & Haw-
kes im Blick, kaum anders als konsequent und unverhohlen geschäftsorien-
tiert angesehen werden kann (Stichworte: Internationalismus, Globalis-
mus). Auch die Farbe des Einbands unterlag Änderungen, kontinuierlichen,
wegstrebend von einem Sack-und-Asche-Gräulich hin zu einer kaum benenn-
baren Khaki-Färbung, bis sich schließlich Anfang der 1990er Jahre ein
hellbräunlicher, bräunlich-rötlicher Einschlag einstellte.
   Die Anglisierung geschah in den Sacre-Partituren in der Tat nicht
abrupt, sie verlief vielmehr stufig, teils auch merkwürdig, so daß die-
sem Geschehen später, nachdem immer mal wieder darauf hingedeutet wird,
im Zusammenhang mit der Besprechung der alten Partituren eine komplette
Übersicht gewidmet ist. Hier nur soviel dazu: Die Ablösung der Vorherr-
schaft des französischen Originaltitels begann schon spätestens Anfang
der 1950er Jahren und als ein Hauptmedium dienten (neben dem Klavieraus-
zug, siehe andernorts) Einband und Titelseite der Taschenpartitur; so
ist auf dem Deckblatt seit spätestens November 1951 bis zur entscheiden-
den Änderung der 1980er Jahre zu lesen: "THE RITE OF SPRING" in großen
Lettern und darunter in kleineren Lettern und in Klammern "(LE SACRE DU
PRINTEMPS)" (beachte zu "spätestens November 1951": die bis jetzt älte-
sten eingesehenen Exemplare der 1950er Jahre stammen von November 1951,
Januar 1953 und April 1956 (Druckvermerke "11·51 L.& B.", "1·53 L.& B."
und "4·56 L & B" (die ersten beiden sind vollständig, bei der drit-
ten fehlt vom Einband der Rücken, siehe gesonderte Tabelle).
   Ebenfalls zweisprachig sind bis einschließlich 1966 die Titelwieder-
gaben auf den Titelseiten, die Reihenfolge ist auch hier zunächst eng-
lisch, dann französisch, wobei jeweils der Untertitel dazugesetzt ist.
Auch hier ist wieder die englische Version groß gesetzt, die französi-
sche kleiner. Die 1965er Dirigierpartitur "Reprinted with corrections
1965" wirkt demgegenüber auf dem Einband etwas zurücknehmend, aber nur
scheinbar: Der französische Titel steht zwar nicht in Klammern, ist
dafür aber sehr klein gedruckt. Auf dem Titelblatt legt die Partitur
hingegen ordentlich vor: Die Titelgebung lautet zwar wie auf dem Deck-
blatt, doch von den beiden Untertitelfassungen ist nur die englische
übrig geblieben. 1965 wird zudem noch - in der Dirigier- wie in der
Taschenpartitur - eine unscheinbare, aber symptomatische Kleinigkeit
eingeführt: Es wird das "W" in "IGOR STRAWINSKY" gegen ein "V" ausge-
tauscht. Das ist eine Änderung, die wegen der Aussprache des "straw"
(und dessen Sinn) aber durchaus nachvollziehbar ist (und in den USA
beispielsweise seit langem schon praktiziert wurde).
   Beachte: Die 1965er Stufe der Anglisierung der Titelgebung taucht
in der Taschenausgabe nicht schon 1965, sondern erst in der neuen
Fassung von 1967 (Druck 1968) auf, wobei hier zwar auf dem Deckblatt
noch ein paar Jahre lang der Originaltitel wie einst in Klammern ge-
führt wird, doch auf den Titelseiten beim (auch hier dem englischen
Titel nachgestellten) französischen Titel jetzt auch die 1965er Ver-
hältnisse angewendet werden, das heißt schlicht und einfach: Der Unter-
titel ist gestrichen. Und schließlich ist dann, wie gesagt, auf den
Deckblättern der 1980er Ausgaben sogar der Originaltitel verschwunden.
   Diese radikale (= anglisierende) Abänderung geschah allerdings schon
früher an ganz unscheinbarer Stelle - auf dem Rücken. Denn spätestens
1951 lautet da die Beschriftung (beachte: die ersten greifbaren Nach-
weise von Drucken mit Rücken nach 1948 sind: 11·51, 1·53, 11·60, 5·63
und 3·64):

           No. 638  STRAWINSKY  ·  THE RITE OF SPRING

   Doch im Zusammenhang mit dem oben erwähnten "W gegen V"-Austausch än-
derte sich wohl schon im Jahr 1965 auch diese Beschriftung etwas, indem
nämlich auch hier "W" gegen "V" ausgewechselt wurde. Jedenfalls weist
die 1966er Ausgabe der noch zur alten Edition gehörenden Taschenpartitur
"SRAVINSKY" auf (Druck 8·66; Druck 10·65 liegt leider nur ohne Rücken
in Kopie vor, Druck 3·64 hat noch "W"):

           No. 638  STRAVINSKY  ·  THE RITE OF SPRING

   (Weitere Einzelheiten zur Layout-Entwicklung siehe später, so auch
zur Rückenbedruckung, diese war bis mindestens 1971 in Blickrichtung
nach links von unten nach oben gedruckt, ab spätestens 1973 in Blick-
richtung nach rechts von oben nach unten, hierbei gibt es mindestens
eine Ausnahmen, zu einer Übersicht siehe später)

b) Dirigierpartitur: Handelsexemplar 1.-3. Auflage, Exemplar A, B, C

   Natürlich ist auch die Erstausgabenlinie der 1967er Dirigierpartitur
in diese anglisierende Entwicklung einbezogen worden. Wie die Abschrift
der Titelpartie des Frontblatts (siehe nachfolgend) und die Abbildung
der Titelseite (siehe diese im Schlußteil) zeigen, hat der Originaltitel
auch hier dem englischen den Vortritt lassen müssen, wobei auf der Ti-
telseite der französische Untertitel - einst ein wichtiges Detail dieser
Seite - wie bei der 1965er Dirigierpartiturausgabe gänzlich unter den
Tisch gefallen ist (und wie das, wie oben schon beschrieben, auch bei
der Taschenpartituredition der neuen Fassung auffällig ist, allerdings
bestehen ohnehin im gesamten Text-Design zwischen der Dirigierpartitur
der traditionellen Linie und den diversen Ausgaben der Taschenpartitur
erhebliche Unterschiede, hierzu siehe später).
   Es folgt unten eine - Zeilenabstände vernachlässigende, angenäherte,
sozusagen "collagierte" - Wiedergabe der Titelpartie des Deckblatts der
Erstausgabenlinie der neuen Dirigierpartitur (Wahl der Farbgebung des
Rots nach der Erst- und Zweitdruckebene, also nicht dunkelrot wie in den
1990er Jahren, sondern ein helles Rot, zu den Farbtönungen siehe auch
unten die kleine Aufstellung und später die Tabelle zu den Dirigierpar-
turen, Ausgabe Handelsformat):


                           IGOR STRAVINSKY

                  THE RITE OF SPRING
                        LE SACRE DU PRINTEMPS

                              Full Score

                           BOOSEY & HAWKES


   Auf Details der Erstausgabe kann, wie gesagt, derzeit nur durch Nach-
drucke geschlossen werden, aber immerhin sind das solche, die der Ebene
der direkt nachfolgenden Ausgaben angehören. Diese Ebene, hier Zweit-
druckebene genannt, wird gegenwärtig repräsentiert durch drei Partitu-
ren, wobei zwei davon (hier mit "B" und "C" gekennzeichnet) zwar höchst-
wahrscheinlich einem gleichen Druck entstammen, sich aber bezüglich La-
gerungsort (Standort), Verwendungszweck und Erhaltenheitsgrad beträcht-
lich unterscheiden. Wichtig ist: Beide Exemplare enthalten ein Detail,
es ist ein Zufallsdetail, das die dritte Partitur (A) nicht aufweist.
   Alle drei Partituren haben auf der ersten Notenseite (S. 1) ein für
Datierungsversuche wichtiges Detail noch NICHT, gemeint ist der in den
Taschenpartituren gegen Ende der 1970er Jahre bzw. um 1980 eingeführte
Kasten "IMPORTANT NOTICE" (siehe andernorts). Ein anderes, zwar unauf-
fälliges, aber bedeutendes, oben schon angesprochenes, Kriterium ist
die Einbandbedruckung. Hier besteht bei den Exemplaren A und B deutlich
eine Gemeinsamkeit: Die Bedruckung dieser Partituren auf der Front- und
Endseite des Einbands ist hellrot ausgeführt, und nicht, wie später, in
einem dunkleren oder gar dunklen Rot (eine Aussage zu Partitur C ist
nicht möglich, weil der originale Einband gegen einen speziellen ausge-
tauscht worden war).

   Tönungen des Rots der Bedruckungen der Erstausgabenlinie (vorläufiger
   Einteilungsversuch) {*1}:

   Bis etwa Anfang der 1980er Jahre (1. bis zur wahrscheinlich 3. Auf-
   lage): hellrot
   Anfang der 1980er Jahre (wahrscheinlich 4. Auflage): ?
   Zweite Hälfte der 1980er Jahre (wahrscheinlich 5. Auflage): mittleres
   Rot
   Anfang der 1990 Jahre (wahrscheinlich 6. Auflage): dunkelrot

   {*1} Einzelheiten siehe obigen Artikel und später die Fortsetzungs-
   artikel samt einer Übersichtstabelle.

   Es gibt, bezogen auf das Layout, wichtige Identifikationsseiten; auf
dieser Editionsstufe sind das vier, und diese sind, abgesehen von einer
winzigen Ausnahme, identisch. Zu diesen vier Seiten gehören die beiden
Vorschaltseiten (Titel- und Orchesterseite = Seite [I] und [II]), die
Seiten 1 und 153 (= erste und letzte Notenseite), wobei, nachfolgend ge-
sondert angeführt, vier wichtige Details gleich sind: Die Zusammenstel-
lung der Ortsangabenzeile auf der Titelseite

   London · Paris · Bonn · Johannesburg · Sydney · Toronto · New York

wurde noch nicht geändert (was allerdings nicht vor 1990 geschehen
wird); die Orchesterseite besteht nur aus einer Seite (eine Erweite-
rung erfahren nach gegenwärtiger Kenntnis später nur die Taschenpar-
titur, die Edition der Masterworks Library und Ausgaben der Leihpar-
tituren); die erste Notenseite enthält noch nicht den oben genannten
Kasten und die letzte Notenseite weist im Gegensatz zum Erstdruck
keinen Druckvermerk auf (weiter soll bei diesen Punkten nicht vorge-
griffen werden, siehe andernorts Anmerkungen, Ausführungen und Auf-
listungen dazu).
   Das überraschende Zufallsdetail, das, wie oben gesagt, die beiden
Exemplare B und C augenscheinlich miteinander verbindet, ist der auf
der Titelseite in "Koussevitzky" über dem "y" vage angedeutete Accent
aigu. Es ist ein Druckfehler im engeren Sinn, den das Exemplar A nicht
hat. Daß dieser Druckfehler als Zufallsdetail dennoch unbestreitbar
eine reale Existenz ist, zeigt sein mehrfaches Vorkommen, in Partituren
im Übrigen, die in doch recht entfernten Funktionszwecken befindlich
angetroffen wurden.
   Exemplar B ist das oben angesprochene Bibliotheksexemplar (1984 in-
ventarisiert, bibliothekarisch geschätztes Erscheinungsjahr hierbei "um
1980"). C war 1983 als eine von Boosey & Hawkes, Bonn, für ein Konzert
gelieferte Leihpartitur eingesehen worden. Diese Leihpartitur hatte den
originalen Einband nicht mehr, sie steckte in einem gesonderten Schutz-
einband (siehe andernorts). Exemplar B hingegen liegt bis auf den Rücken
vollständig vor, allerdings weisen die bisher eingesehenen vollständigen
Partituren der Erstdrucklinie auf dem Rücken keine Bedruckung auf, so
daß davon ausgegangen wird, daß es nie eine gegeben hat.
   Die Einbände der Partituren A und B sind farblich nicht ganz gleich,
die Tönung von A erscheint etwas grauer zu sein, die von B etwas grün-
licher, und man erinnere sich: A hat den "Accent" nicht. Insofern be-
kommt die Vermutung eine Grundlage, es liegen doch wohl unterschiedliche
Drucke vor: A ungleich B/C. Eine zeitliche Aufeinanderfolge zu bestimmen
ist allerdings nicht möglich, doch trägt der Frontdeckel des Exemplars A
eine zwar ausradierte, aber zweifelsfrei lesbare Datierung: 1/9/[19]77
(ausradiert: "THIS COPY MUST BE [/] RETURNED TO [nicht entzifferbar] [/]
1/9/77").
   Die Reihenfolge der "sekundären", allerdings vorläufigen, zunächst
unmaßgeblichen Jahresdatierungen wäre demnach: 1977 = A, um 1980 = B,
1983 = C. Und um es angesichts dieser vagen Jahreszahlen zu wiederholen:
Immerhin scheint ja zwischen A auf der einen Seite und B bzw. C auf der
anderen sachlich eine Trennung tatsächlich möglich zu sein: A hat zum
einen den verräterischen "Accent" nicht, außerdem zum andern einen farb-
lich etwas anderen Einband als B. Da nun davon ausgegangen wird, daß
diese drei Exemplare zur direkten Nachdruckebene gehören, kann man nun
genauso gut noch weiter gehen und wirklich von zwei unterschiedlichen
Drucken sprechen, nur welcher von beiden der frühere sein könnte, dafür
gibt es direkt natürlich überhaupt keine Anhaltspunkte. Aber indirekt
führen Beobachtungen an der wahrscheinlich vierten Auflage doch zu dem
(vorläufigen) Schluß, "A" sei gegenüber "B/C" eine frühere Auflage (zur
"4. Auflage" des Handelsexemplars siehe weiter unten).
    Es sollte noch hinzugefügt werden, daß die Partitur A unbeschnitten
ist, so daß also ein verläßliches Format ermittelt werden kann, während
das bei den Exemplaren B und C nicht möglich ist, weil sie beschnitten
sind (B aber möglicherweise nicht in der Höhe, denn hier liegt die
gleiche Länge wie bei A vor). Die Maße von A (Messungen sind bei aller
Genauigkeit immer als Circa-Angaben anzusehen): 26,7 x 34,9 cm.
   1997 erschien dann im Rahmen der allmählichen Einführung bildorien-
tierter Einbände, oder auch mehrfarbiger, modern-abstrakt gestalteter
(z.B. bei Klavierauszügen), die mittelgroße Sacre-Partitur, "Full or-
chestral score" genannt, was, wie bei der angeblichen "Hawkes Pocket
Score" des Sacre, im hergebrachten Sinn der Bezeichnung "Full score"
ebenfalls nicht zutrifft, denn dafür ist sie zu klein und zu unpraktisch
geraten (zu dieser Partitur siehe das gesonderte Kapitel). 
   Wichtig ist zu sehen, daß bei der Taschenpartitur schon vor der Ein-
führung des bräunlichen Einbands Ende der 1980er Jahre etliche andere
gestalterische Änderungen vorgenommen worden waren, und daß dabei nicht
nur die Reihenzählung der Partitur betroffen ist - sie lautet, wie oben
angegeben, auf der Einbandfrontseite statt unten links "No. 638" (min-
destens eine Variante, Druck 2/1977: No 638) nun oben "HPS 638", wobei
hierfür die Reihenangabe "HAWKES POCKET SCORES" gestrichen wurde, son-
dern daß etwas ganz anderes besonders auffällt, nämlich das neue Firmen-
logo-Design seit etwa 1980: eine schalenartige, perspektivisch gestalte-
te Kurvung des "BOOSEY & HAWKES" mit einem stilisierten kaufmännischen
"et", das auch in der späteren Gestaltung des Firmenlogos noch mit dabei
sein wird, wie oben die Abbildung der Frontseite der Leihpartitur [2012]
zeigt.
   So ganz neu ist das "schalenartige" Logo allerdings auch wieder
nicht, denn es tauchte im Rahmen eines Boosey & Hawkes-Rund-um-die-Welt-
Motivs schon nach dem Krieg kurzzeitig in Zeitschriftenannoncen auf, so
wohl zum ersten Mal in einer Annonce in The Musical Times vom Juni 1947
(S. 208, Abbildung siehe unten). Wiedergegeben ist in dieser Anzeige
eine Liste mit Dirigierpartituren (Full Scores), die "now available"
seien: 23 Komponisten sind genannt, an neueren u.a. Bela Bartók, Ben-
jamin Britten, Gustav Holst, Arthur Honegger, Zoltan Kodály und Richard
Strauss; Strawinsky ist noch nicht mit dabei (zu weiteren Details der
seit etwa 1980 einsetzenen Änderungen in der Taschenpartituredition,
auch zur "bräunlichen" Einfärbung des Einbands, siehe die Kapitel zur
Entwicklung der Vorschaltseiten seit 1967 und auch spätere Ausführungen
mit Tabellen, zu Wiedergaben von Verlagsreklamen und ihrer Funktion als
Datierungshilfen siehe ebenfalls später gesonderte Ausführungen samt
Tabellen).


              Abbildung des "Welt-Logos" in Vorbereitung


Titelseite der Leihpartitur [2012], Seite [I]

   Das Layout des Deckblatts und der Titelseite ist in der Grundstruktur
der gleiche Druck. Nur daß auf der Titelseite unter der Titelgebung,
nach einer Leerzeile, ebenfalls rechtsbündig, ein Hinweis auf die Fas-
sung angegeben ist (zu diesen Angaben siehe weiter unten):

                                  Revised 1947
                      Re-engraved edition 1967

   Desweiteren ist unter dem Firmenlogo BOOSEY & HAWKES eine Ergänzung
hinzugekommen, wobei allein schon die Angabe der Internet-Adresse signa-
lisiert, es muß sich um einen verhältnismäßig neuen Druck handeln:

                 Boosey & Hawkes Music Publishers Ltd
                            www.boosey.com

   Auch wenn in englisch-sprachigen Ländern der Werktitel "The Rite of
Spring" Usus geworden ist und sich diese fragwürdige Gewohnheit, geför-
dert allein schon durch den Besitzer des wesentlichen Teils der Rechte,
ganz offenkundig immer weiter ausbreitet, sollte man, wo immer sich eine
Gelegenheit bietet, darauf hinweisen, daß das nicht der wirkliche, der
originale Titel ist, und auch, daß zwischen den Versionen nicht unerheb-
liche Bedeutungsunterschiede bestehen (Details siehe weiter unten). Doch
wird immerhin in der Ausgabe [2012] der Originaltitel, wenn auch unter-
geordnet und an zweiter Stelle, gerade so wie nebenbei, erwähnt. Wieso
allerdings der usprüngliche Untertitel "Tableaux de la Russie païenne en
deux parties d'Igor Strawinsky et Nicolas Roerich" gleich ganz wegge-
lassen wurde (in einer Dirigierpartitur!), ist eine nicht nachvollzieh-
bare Entscheidung. Und wie zu sehen, ist die englische Version noch
nicht einmal vollständig - es fehlt hier nachverlegerisch der Bezug zur
kompositorischen Aufrichtigkeit.

Adreßseite der Leihpartitur [2012], Seite [II]

   Keine der bisher eingesehenen Sacre-Partituren hatte je eine solche
Seite; ihr einziger Aufdruck, ein "Adreßblock" - unten stark vergrößert
wiedergegeben - ist im Verhältnis zum Seitenformat winzig, aber die
Information wurde offenbar für so wichtig gehalten, daß man die üblichen
Seiten mit Inhalten wie Satztitelauflistung und Besetzung um eine Seite
verschob. Mit der Einführung dieser Seite erreichte man quasi den im
Buchgeschäft weitverbreiteten Aufbau: Der sogenannte Titel (= Titel-
seite) liefert auf seiner Umseite mehr oder minder spezifische Verlags-
und Eigentümerangaben.

Leihdirigierpartitur [2012], Seite [II]:
Adreßblock mit Rechtsangaben wie Verlag, Eigentümer und Copyright

   Die Aussage, daß noch in keiner Sacre-Partitur die Boosey & Hawkes-
Adresse auf den Vorschaltseiten als fester gedruckter, editorischer
Bestandteil vorkam, schließt natürlich auch den Kreis der speziellen
Leihdirigierpartituren mit ein. Üblich waren hier allenfalls dementspre-
chende Stempel oder Aufkleber.
   Taschenpartituren allerdings weisen mitunter eine Verlagsadresse
auf, jedoch lediglich im Zusammenhang mit Repertoirelisten lieferbarer
Noten. Bei den Studienpartituren der Reihe "The Masterworks Library" ist
bislang nur die Erstauflage mit einer solchen Repertoireliste angetrof-
fen worden, die jüngeren weisen www.boosey.com auf.
  Die oben angezeigte Adresse (nachfolgend kopiert von der Boosey &
Hawkes-Homepage am 21.5.2013)

   Boosey & Hawkes Music Publishers Limited
   Aldwych House
   71-91 Aldwych
   London
   WC2B 4HN
   UK

gilt seit 2005. Die vorherige Adresse lautete: 295 Regent Street, Lon-
don, W1B 2JH (Boosey, noch sehr lange ohne Hawkes, hatte sich dort 1874
niedergelassen) {*1}.

   {*1} Der Postcode (Postal Area Code {*a}) "W1B 2JH" galt von Juni
   2000 bis November 2006, bis 2005 war er der Code für den Boosey &
   Hawkes-Sitz. Er hatte nach einer Reform (recoding) den Code "W1R
   8JH" abgelöst, der seinerseits erst im Januar 1980 eingeführt worden
   war {*b}. Und dieser wiederum hatte "W1A 1BR" ersetzt, das war im
   neuen alphanumerischen Codesystem (siehe unten) die erste Fassung
   für die Adresse "295 Regent Street".
   Der Postcode "WC2B 4HN" für den neuen Boosey & Hawkes-Sitz, 71-91
   Aldwych, bestand (nach www.doogal.co.uk) schon seit Januar 1993.
   Zu Sacre-Partituren mit "W1A 1BR" (Taschenpartitur), "W1R 8JH" (Ta-
   schenpartitur, aufgeklebtes Etikett, Stempel) siehe weiter unten und
   zu einem Etikett mit "W1B 2JH" siehe in den Pulcinella-Ausführungen
   Pulcinella-Suite, eine Partitur von um 2001 (das ist eine neuere
   Partitur, bereits mit Spiralbindung).

   {*a} In England begann nach ersten Experimenten die Einführung eines
        allumfassenden wie auch sehr differenzierenden alphanumerischen
        Postcode-Systems im Oktober 1966 (Quelle: The British Postal
        Museum & Archive, eingesehen 18.5.2019). Bisher war der Code für
        einen Postal District einfacher gestaltet, er lautete z.B. für
        den Sitz des Verlagshauses Boosey & Hawkes in der Regent Street:
        W1 (W1 steht für London Central, das "W" für Mehreres, z.B. West
        End, Westminster-Bereich, Western District).
        In den USA war ein solcher Postcode, der "ZIP Code" des United
        States Postal Service, schon am 1. Juli 1963 eingeführt worden
        (Wikipedia, eingesehen 18.5.2019).

   {*b} Quellen: Wikipedia "W postcode area" und "Royal Mail major
        recode historical information – 2000 to September 2011"
        (beide eingesehen 21.5.2013, "W postcode area" existierte
        am 18.5.2019 noch, "Royal Mail [...]" hingegen existierte
        offenbar am 18.5.2019 nicht mehr).
        Nach www.doogal.co.uk und www.postcode.co.uk (eingesehen am
        6.8.2016) fand der Wechsel zum Code "W1B 2JH" nicht im Juni,
        sondern im Juli oder August statt, indem da nämlich angegeben
        ist, sein Vorgänger-Code "W1R 8JH" habe von Januar 1980 bis
        Juli 2000  bestanden. Allerdings geben diese Seiten gleichzei-
        tig für "W1B 2JH" dessen Einführung mit Oktober 2000 an, was
        nun nicht gerade zu "Juli 2000" paßt. Somit empfiehlt sich,
        solchen Postcode-Datenbanken mit etwas Vorsicht zu begegnen.
        Ein weiteres - eklatantes - Beispiel dafür ist, daß für den von
        Boosey & Hawkes verwendeten ersten Code der neuen komplexeren
        Art, "W1A 1BR", als Gültigkeitszeitspanne April bis November
        2012 angegeben wird (so einst auf www.doogal.co.uk und am
        18.5.2019 immer noch: "Last updated March 2019" sowie am 18.5.
        2019 auch auf aboutmypostcode.uk), wobei aber demgegenüber doch
        genau dieser Code von Boosey & Hawkes schon weit vor 1980 und
        zwar seit Ende der 1960er Jahre anstelle von "W.1" verwendet
        wurde, wobei der Code "W1A 1BR" dann sicherlich mit dem u.a. auf
        www.doogal.co.uk mitgeteilten Wechsel Januar 1980 Ende Dezember
        1979 auslief.
        Das früheste bislang vorgefundene Dokument für die Boosey &
        Hawkes-Adresse mit "W1A 1BR" ist jedenfalls eine Annonce im Heft
        "Summer 1968" der hauseigenen Zeitschrift "Tempo". So ganz reimt
        sich das aber nicht auf die Information des Wikipedia-Artikels
        "Postcodes in the United Kingdom", wenn in ihm da Folgendes mit-
        geteilt wird:

        "In 1970, codes were introduced to the London W and North
        Western postal districts. In December 1970 much Christmas mail
        was postmarked with the message "Remember to use the Postal
        Code", although codes were used to sort mail in only a handful
        of sorting offices." (Eingesehen 18.5.2019)

        Ein Vorläufer zu diesem neuen Code taucht in der "Tempo" im Heft
        "Spring 1967" auf, in einem links des Impressum-Kastens einge-
        stellten Annoncenkasten, der auf das kommende Strawinsky-Heft
        "Stravinsky's 85th Birthday" hinweist. Die dort verküzte, wie
        noch hilflos wirkende Angabe lautet:

        P.O. Box 1 BR
        London W 1

        Im Impressum aber steht nach wie vor die folgende herkömmliche
        Adressenform:

        Boosey & Hawkes
        Music Publishers Ltd.,
        295 Regent Street, London, W.1.

        Das Strawinsky-Sonderheft "Stravinsky 85" (Summer 1967) enthält
        dann die Adressenneuerung noch nicht, auch nicht die zaghaft an-
        gedeutete, und selbst nachfolgend ist die Angelegenheit noch
        nicht einheitlich, es kommt zu Mischformen, wie

        P.O. Box 1BR,
        295 Regent Street, London, W.1.,

        bis dann schließlich im Heft "Summer 1968" die volle neue Code-
        form erscheint, zunächst aber erst noch in verdoppelnder Misch-
        form: 

        Boosey & Hawkes
        Music Publishers Ltd.,
        P.O. Box 1BR,
        295 Regent Street, London, W1A 1BR

   Postcodes für den Boosey & Hawkes-Sitz, Liste/Zusammenfassung
   (Stand: 7.6.2019):

   W1 (= W. 1.)  ohne 1BR: vor Frühjahr 1967 {*x}
   W1 [/] 1BR    Mischform: ab Frühjahr 1967 {*x}
   W1A 1BR       ab Sommer 1968 bis Dezember 1979
   W1R 8JH       Januar 1980 bis Juni 2000
   W1B 2JH       ab Juli 2000 (Code gültig bis November 2006)
   WC2B 4HN      ab 2005 (Jahr des Umzugs)

   {*x} Zu unterschiedlichen Schreibweisen siehe oben.

   Man berücksichtige gutmütig, daß dieser Kurztrip in die Welt der
abertausend Postcodes keine datenverliebte Dokumentarenspielerei ist,
im Gegenteil: zum Datieren von Notenmaterial kann ein Rückgriff auf
diese eingesammelten Hilfsmittel noch dankbar sehr vonnöten sein.

Adreßblock, weitere Details

   Durch den Angabenblock (Adreßblock) auf Seite [II] sollen auch Be-
sitzverhältnisse deutlich werden. Denn Boosey & Hawkes gehört seit 2008
dem holländischen Musikvermarktungsmagnaten IMAGEM, dessen Logo gezeigt
wird.
   Das abgesetzte "HL 07652" deutet vermutlich auf eine Numerierung der
"Hire Library" hin. Das ist das erste Fall, daß eine solche Nummer be-
merkt wurde.
   Eine höchst problematische Angabe ist "© Copyright 1912, 1921 by
Hawkes & Son (London) Ltd". In genau derselben Schreibweise erscheint
diese auch auf der ersten Notenseite links unter dem Notentext. Hier
ersetzte sie, wie Restspuren zeigen, per Einkopieren den einstigen
Copyright-Block (siehe die Abbildung). Es ist völlig unklar, wie man
sich angesichts des ursprünglichen Copyright-Inhabers, des Russischen
Musikverlags, bei Boosey & Hawkes den rechtlichen Zusammenhang der bei-
den Jahreszahlen mit "Hawkes & Son (London) Ltd" zusammenreimt, ganz
abgesehen von der Tatsache, daß das Werk 1912 noch nicht bestand, eine
Partitur zwar 1921 gedruckt wurde (die größtenteils ein Nachdruck war),
1929 aber wesentliche Änderungen erfuhr, und eben diese 1929er Fassung
genauso zu nennen wäre, als Revisionsstufe etwa, wie man das seit der
Nachkriegszeit bei Boosey & Hawkes Jahrzehnte lang im Prinzip ordnungs-
gemäß und vielfach handhabte (z.B. mit Hinweisen wie "Revision [...]"
oder "revised [...]").
   Oder sollte jemand bei Boosey & Hawkes Überlegungen gehegt haben,
neuerliche Datierungsanstrengungen zu versuchen und irgendwie den
Klavierauszug als vermeintliches Argument ins Spiel bringen zu wollen?
Dem widerspricht aber sogleich, daß die frühen im Russischen Musikverlag
erschienenen Drucke auf der letzten Notenseite (Seite 89) unter dem
letzten Takt die Abschlußdatierung "Clarens 1913." tragen. Allerdings
muß nun um der Gerechtigkeit willen auch auf die erste Notenseite des
RMV-Klavierauszugs hingewiesen werden, dort ist als Entstehungszeit
"1912-1913" angegeben. Diesem aber steht wiederum entgegen, daß, wie der
von Boosey & Hawkes selbst herausgegebenen Sacre-Skizzensammlung zu ent-
nehmen ist, Strawinsky, als er diese Sammlung verschenkte, die Entste-
hungszeit 1911-1913 hinzugefügt hatte, dem schließlich wohl zu ergänzen
ist, daß die ersten Skizzen offenbar schon 1910 in Ustilug entstanden
(siehe V. Stravinsky/R. Craft, Stravinsky in pictures and documents,
1978, S. 77 ff.; zur früheren Verwendung dieser neuen Copyright-Zeile
siehe hier u.a. unter Leihdirigierpartitur von ca. 1992 und Masterworks-
Ausgabe von 1997).
   Im Übrigen ist die unverständliche Abänderung des ehemaligen Copy-
right-Blocks in der Sacre-Leihpartitur kein Einzelfall, vielmehr scheint
eine urheberrechtsorientierte Strategie am Werke zu sein, die jedoch
eher den Anschein hat, im Haus Boosey & Hawkes eine Herumgeisterei zu
betreiben und dabei, bei ihrem Hantieren, fragwürdige Metamorphosen
generiert (weitere Details siehe unter Pulcinella: 4n).


Leihdirigierpartitur [2012], erste Notenseite, Copyright-Angabe
links unterhalb des Notentexts
Deutlich erkennbar: Spuren der Retusche bzw. des ehemaligen
Copyright-Blocks
Plattennummer ohne Retuschespuren, so auch rechts davon (hier
nicht zu sehen): Printed in England. Beide Details sind Übernahmen.

Leihpartitur [2012], Vorschaltseiten [III] und [IV]

   Der Partiturdruck des Sacre du Printemps hat einige Wandlungen erfah-
ren, betroffen ist nicht nur der Notentext, betroffen ist auch die äuße-
re Gestaltung der Partitur, und gerade um die Änderungen der letztge-
nannten Art geht es hier ja zunächst, dabei insbesondere um diejenigen,
die an Leihdirigierpartituren, wie der von [2012] und ihren Vorgängerin-
nen, auffallen.
   Die Ursachen für die Änderungen sind mutmaßlich simple Oberflächlich-
keit, aber auch kommerzielle Absichten spielen sichtlich eine entschei-
dende Rolle. So ist ein sehr unangenehm berührender Kritikpunkt die all-
mähliche Reduktion der sprachlichen Ausstattung. Unter das Stichwort
"seltsame Metamorphosen" fällt auch das. Beispielsweise hat die hier als
Einstieg besprochene Partitur [2012] noch zwei weitere Vorschaltseiten:
das Inhaltsverzeichnis ("CONTENTS") auf Seite [III], zusammengestellt
anhand der Teile- und Szenenbetitelungen, und die Besetzungsangabe ("IN-
STRUMENTATION") auf Seite [IV]. Beide Einheiten sind nur in englischer
Sprache wiedergegeben. Das aber ist eine Verengung, wenn nicht sogar
eine Verfälschung, wie aus dem Folgenden nicht unberechtigt abgeleitet
werden kann.

a) Leihpartitur [2012], Vorschaltseite [III]

   Zunächst zu den Teile- und Szenenbetitelungen: In den Vorgängerpar-
tituren der neugestochenen Partitur sind sie seit 1967 (also von Anfang
an) sowohl im Notentext wie auch im Inhaltsverzeichnis in englischer
und französischer Sprache abgedruckt, die französische allerdings nur
an zweiter Stelle, was schlankweg so aussieht, als wäre die französi-
sche Version eine Übersetzung der englischen. Das aber ist keineswegs
so. Denn, und darauf sei schon hier hingewiesen, in den Druckpartituren
ist die ursprüngliche Sachlage so, daß die Teile- und Szenenbetitelung
von Anbeginn bis 1966 - allerdings nur im Notentext, denn ein Inhalts-
verzeichnis existierte bis vor 1967 nie! - russisch-französisch gehalten
ist. Man beachte: Es gab im Partiturdruck eine originale russische Tei-
letitelgebung, und diese bestand bis 1966. 1967 dreht sich dann aller-
dings der Wind, das Ergebnis ist eine englisch-französische Paarung,
wie gesagt: diesmal sowohl im Notentext wie auch im Vorspann. (Die Ver-
hältnisse in der Entwickung des Klavierauszugs sind dem ähnlich, ihnen
gilt später das Augenmerk.)
   Die folgende Aufstellung gibt die Betitelung auf der Seite [III] der
Partitur [2012] wieder (allerdings ohne Seitenzahlen, stattdessen aus
praktischen Gründen mit hinzugefügten Ziffern). Der Druck ist ein Neu-
satz. Im Notentext stehen alle diese Betitelungen in Großbuchstaben,
ausgenommen "First Part" und "Second Part"; das ist schon von Anfang
(= 1967) an so, da es sich beim Notentextdruck um eine stete Übernahme-
wiedergabe handelt (seit einiger Zeit per reprographischer Kopie, mal
vergrößernd, mal verkleinernd). 
   Damit nun wenigstens in dieser Darstellung die französische Version
in einer Auflistung zu ihrem Recht kommt, wird auch sie hier wiederge-
geben, und zwar in der Schreibweise wie auf der Seite [II] der ersten
Dirigierpartitur von 1967 abgedruckt (wieder mit hinzugefügten Ziffern,
Seitenzahlen waren damals nicht angegeben, auch eine Überschrift war
1967 nicht vorhanden; Schreibweise im Notentext: Première Partie und
Seconde Partie wie hier wiedergegeben, sonst sind dort alle Teile- und
Szenentitel in Großbuchstaben abgedruckt, außer "INTRODUCTION" alle
kursiv).

   [/] = Im Inhaltsverzeichnis und im Notentext: Neue Zeile 

   CONTENTS {*1}

   First Part
   Adoration of the Earth

     1 Introduction
    13 The Augurs of Spring: [/] Dances of the Young Girls {*2}
    37 Ritual of Abduction
    48 Spring Rounds
    57 Ritual of the Rival Tribes
    67 Procession of the Sage
    71 The Sage {*3}
    72 Dance of the Earth

   Second Part
   The Sacrifice

    79 Introduction
    91 Mystic Circles of the Young Girls
   104 Glorification of the Chosen One
   121 Evocation of the Ancestors
   129 Ritual Action of the Ancestors
   142 Sacrificial Dance (The Chosen One) {*4}

   {*1} Dirigierpartitur Erstausgabe 1967, alle eingesehenen folgenden
   Ausgaben bis vor Edition [2012], alle eingesehenen Standard-Taschen-
   ausgaben, auch der 1980er Jahre: keine Überschrift. Masterworks-
   Ausgabe 1997 (siehe unten): mit Überschrift ("Contents").
 
   {*2} Der Doppelpunkt stammt offenbar aus dem Inhaltsverzeichnis der
   1997 in der Boosey & Hawkes-Reihe "The Masterworks Library" erschie-
   nenen käuflichen Partitur mittelgroßen Formats (diese Ausgabe ist mit
   einem dreisprachigen Vorwort von Malcolm MacDonald (1948-2014) ver-
   sehen: englisch, französisch, deutsch; Malcolm scheint also eine
   Herausgeberfunktion inne gehabt zu haben, als "Editor" genannt ist
   er nicht; zu dieser Ausgabe siehe weiter unten und frühere Angaben
   an anderem Ort).
   Beachte: Der Doppelpunkt ist bisher in keinem Notentext einer RMV-
   oder Boosey & Hawkes-Partitur aufgetaucht und über die beiden hier
   angeführten Fälle hinaus auch in keinem anderen Inhaltsverzeichnis
   der 1967er Neuedition.

   {*3} Die originale Titelgebung "ADORATION DE LA TERRE. [/] [Le
   Sage.]" hat in der englischen Übertragung von 1967 keine Entspre-
   chung, für sie steht nur "The Sage".

   {*4} So in der Auflistung, im Notentext untereinander.
   
   [SOMMAIRE]

   Première Partie
   L'ADORATION DE LA TERRE

     1 Introduction
    13 Les augures printaniers [/] Danses des adolescentes
    37 Jeu du rapt
    48 Rondes printanières
    57 Jeux des cités rivales
    67 Cortège du sage
    71 Le sage {*1}
    72 Danse de la terre
 
   Seconde Partie
   LE SACRIFICE

    79 Introduction
    91 Cercles mystérieux des adolescentes {*2}
   104 Glorification de l'élue
   121 Evocation des ancêtres
   129 Action rituelle des ancêtres
   142 Danse sacrale (L'élue) {*3}

   {*1} Sie die entsprechende Fußnote oben in der englischen Liste.

   {*2} In der Auflistung: mysterieux, im Notentext mit accent aigu. In
   der Taschenpartitur der 1980er Jahre auch in der Auflistung richtig
   (Neusatz).

   {*3} So in der Auflistung, im Notentext Titel untereinander.

   Bevor nun auf die den Bereich Besetzung betreffende Vorschaltseite
[IV] der Leihpartitur [2012] eingegangen wird, erscheint es günstig,
einen Einschub zu wagen. Das Thema, das darin zur Sprache kommt, be-
rührt das weite Gebiet der Eigenmächtigkeiten und fehlerhaften Dar-
stellungen, denen man bei Auflistungen von Teilebetitelungen des Sacre
immer wieder begegnet. Ganz besondere Fundgruben sind in dieser Hinsicht
Konzerthefte und Begleitinformationen von Tonträgern (Schallplatten,
Internet-Wiedergaben usw.). Hierbei spielen eine gewichtige Rolle kom-
merzorientierte Oberflächlichkeit, grassierende blinde Autoritätshuberei
aber auch mangelnder Wille zum Fleiß, sich um eine prüfende Quellenar-
beit zu bemühen.
   In etwa sichtbar wird das schon am nachfolgenden Beispiel. Es zeigt,
wie problematisch sich selbst in gehobener Referenzliteratur der Umgang
mit Titelgebungen gestalten kann. Dazu eine Vorbemerkung: Es ist leider
nicht zu umgehen, daß in der Darstellung auf teils kaum oder nur mit
großer Mühe erreichbare Ausgaben der 1967er und Prä-1967er Partituren,
sozusagen vorausgreifend, Bezug genommen wird. Zudem haben, wie oben
schon mitgeteilt, die Partituren ab 1967 nicht immer die gleiche Anzahl
an Vorschaltseiten, auch änderte sich mit der Zeit deren Gestaltung. Auf
alles das und Ähnliches kann, damit der Einschub nicht zu lang wird,
hier nicht näher eingegangen werden. Später allerdings werden dann Ein-
zelheiten dazu nachgeliefert. Auf jeden Fall wird aber in den Ausführun-
gen versucht, bei den Seiten- und Editionsangaben keine Verwirrung ent-
stehen zu lassen.

Teilebetitelung im "Avatar [...] Reconsidered" 2013

   In dem mit großem Anspruch herausgegebenen, ziemlich teuren Buch

   Hermann Danuser, Heidy Zimmermann (Hg.), Avatar of Modernity, The
   Rite of Spring Reconsidered, Basel, London 2013 (Paul Sacher
   Stiftung, Boosey & Hawkes), 501 S.

ist auf der Innenseite des hinteren Einbanddeckels, mit Ziffernangaben
versehen, eine "Synopsis of Section Titels" abgedruckt, ein Überblick
also über die Teile- und Szenentitelgebung. Er soll stetig notwendigem
Nachschlagen dienlich sein. Doch wenn man schon so etwas Sinnvolles
beizufügen gedenkt, dann sollte es auch dokumentarisch "wasserdicht"
verläßlich sein. Das aber ist leider nicht der Fall.
   Aufgelistet sind die Titel in russischer, französischer und engli-
scher Sprache, die russische Version ist allerdings nur transliteriert
wiedergegeben, und da stellt sich natürlich sofort die Frage ein: Wem
soll eine vom Original losgelöste Transliteration nützen, zumal eine
derartige Übertragung immer eine variantenreiche und vor allem ziel-
sprachenabhängige Angelegeheit darstellt? Womit schon eine weitere Un-
sicherheit beim Namen genannt ist: Welche Zielsprache war hier denn vor
Augen gewesen? Wahrscheinlich Englisch, aber so klar ist das keineswegs.
   Für die Auflistungen sind Quellen angegegeben, im Fall der engli-
schen, "The Rite of Spring" betitelt, lautet die Angabe:

   "The Rite of Spring / Le Sacre du printemps (London: Boosey
   & Hawkes, 1947, new ed. [edition] 1967; B & H 19441" (Wie bei R.M.V.
   197, siehe unten die zweite Quellenangabe, wäre "B. & H. 19441" an-
   gemessener gewesen.)

   Zunächst: Welche Ausgabe der Neuedition benutzt wurde (Dirigier- oder
Taschenpartitur, Druckauflage), ist leider nicht spezifiziert (im zwei-
ten Fall, siehe unten, gibt es dazu Angaben; ob sie jedoch zutreffen,
ist eine andere Frage - was aber da schon fast wieder ohne Bedeutung
ist).
   Als Untertitel ist "Pictures from Pagan Russia in Two Parts" angege-
ben. Er steht in der Erstausgabelinie und in allen (die äußere Gestal-
tung betreffend) eng verwandten Ausgaben auf der Titelseite (S. [I]),
dort hat er die folgende (vollständige) Version: "Pictures from pagan
Russia in two parts by Igor Stravinsky and Nicholas Roerich". Warum 
fehlt in der "Avatar-Liste" der Urheberteil? (Beachte: Bei Taschen-
partituren herrscht durchweg durchgehende Großschrift vor, in Dirigier-
partituren hingegen trifft man auf beide Schreibweisen: wie zitiert und
durchgehende Großschreibung; Schreibweise hier zitiert nach der Erstaus-
gabelinie der Dirigierpartitur, also nicht: "Pagan" bzw. "Two Parts".)
   Die im Notentext stehenden englischen Teile- und Szenentitelgebungen
(alle, außer "First Part"  und "Second Part", durchweg in Großbuchsta-
ben) sind auf Seite [II] der 1967er Ersteditionlinie und ihrer relevan-
ten Nachfolgeausgaben zu einer Liste zusammengefaßt abgedruckt. Diese
Auflistung mit gemischter Groß- und Kleinschreibung bildete offensicht-
lich die Vorlage für den Abdruck im "Avatar-Buch", wobei die beiden
Titel der Hauptteile des Werks in Großbuchstaben (in frühen Ausgaben
Titelanfang bzw. Substantive mit vergrößerten Lettern) dem gewählten
"gemischten" Wiedergabemodus angepaßt wurden. Doch warum eine strenge
Vereinheitlichung? Außerdem hätte man Kursiv- oder Fettschriftdifferen-
zierungen übernehmen können. 
   Nach "First Part" und "Second Part" wurde jeweils ein Doppelpunkt,
nach "The Augurs of Spring" ein Punkt angefügt. Warum diese Zutaten?
Bei "Sacrifial Dance" und "(The Chosen One)" wählte man diesmal, nicht
der originalen Auflistung, sondern dem Notentext zu folgen und trennte
die beiden Titel durch Zeilenumbruch, in den originalen Auflistungen
stehen die Titel jedoch auf einer Zeile. (Hinweis: Zur Vergegenwärtigung
der originalen 1967er Auflistungen kann als Orientierungshilfe in etwa
die oben wiedergegebene Aufstellung aus der Partitur [2012] dienen, man
beachte dabei die Fußnoten.)
   Für die russische und französische Aufstellung gilt die folgende
Quellenangabe:

   "Le Sacre du printemps, first edition of the full score (Berlin:
   Édition Russe de Musique, 1921; R.M.V. 197)"

   Zunächst zur französischen "Avatar-Auflistung", betitelt ist sie
mit "Le Sacre du printemps". Auch hier fehlt dem Untertitel der zweite
Teil, der auf der Titelseite (S. [1]) der angegebenen Partitur abge-
druckt ist: "TABLEUX DE LA RUSSIE PAÏENNE EN DEUX PARTIES D'IGOR
STRAWINSKY et NICOLAS ROERICH". Warum übrigens ist in "printemps" das
"p" nicht großgeschrieben, wie auch in "Spring" (siehe oben)? Selbst
Strawinsky schreibt in seinem Manuskript der Orchesterpartitur "Prin-
temps".
   Die RMV-Partituren (und die davon abgeleiteten B & H-Partituren bis
vor 1967) enthalten keine Auflistungen von Teile- und Szenentitel, diese
existieren nur im Notentext (sie alle bis auf die beiden "Introduc-
tion.", "[Le Sage.]" und  "L'élue.", in durchgehender Großschrift,
außerdem alle bis auf den ersten Hauptteiltitel, "L'ADORATION DE LA
TERRE", mit dem damals weitverbreiteten Abschlußpunkt).
   Da man sich für die Auflistung offenbar gegen die Übernahme der
durchgehenden Großschrift entschied, wählte man die Kleinschrift, die
Titel jeweils mit einem Großbuchstaben einleitend. Man lehnte sich also
quasi an die französische Auflistung der 1967er Neuedition an, aller-
dings in insofern inkonsequenter Weise als die Abweichung eingeführt
wurde, den Buchstaben nach einem Artikel groß zu schreiben: "L'Adora-
tion de la terre", "Les Augures printaniers", "Le Sacrifice", "Le Sage"
und "L'Élue". Das haben die französischen Auflistungen der frühen
1967er Partiturdrucke so nicht (Beachte: Sonderfälle sind "L'ADORATION
DE LA TERRE" und "THE SACRIFICE", in den frühen 1967er Drucken haben sie
vergrößerte Anfangslettern, vgl. dazu oben die Äußerungen zur englischen
Version).
   Uneinheitlichkeiten weist im Notentext aber auch die 1921er RMV-Par-
titur auf. Es gibt, wie oben schon wiedergegeben: "[Le Sage.]" und
"L'élue." (in der 1929er RMV-Partitur und den davon abgeleiten B & H-
Partituren heißt es übrigens "L'elue"). 
   Weitere Differenzen: In der Großschreibung z.B. "Premières partie:",
aber "Seconde Partie:". In der Behandlung des accent aigu "L'Élue",
aber "Evocation des ancêtres". Ansonsten sind die accents gesetzt, die 
in der 1921er Partitur wegen der Großschreibung oft fehlen. Dieses
Vorgehen ist zweifellos korrekt. Nicht korrekt hingegen sind die schon
oben erwähnten Anfügungen der Doppelpunkte und auch des Punkts nach
"Les Augures printaniers." Da sonst keiner der Schlußpunkte übernommen
wurde, wieso hier? Auch steht "L'Élue." 1921 nicht wie in der "Avatar-
Liste" in einer Klammer. "Le Sage" allerdings steht im Original in einer
Klammer, und zwar in einer eckigen: "[LE SAGE.]", diese fehlt in der
"Avatar-Auflistung" ebenso wie der vorangesetzte Titel "ADORATION DE LA
TERRE.", was wahrscheinlich als eine Angleichung an die 1967er Partitur
gedacht ist.
   Zur transliterierten russischen Aufstellung: Die Quellenangabe be-
zieht, wie bei den anderen beiden Auflistungen, auch den Werktitel mit
ein. Doch keine veröffentlichte RMV-Orchesterpartitur weist den russi-
schen Werktitel auf, dementsprechend auch nicht den russischen Unter-
titel, für den in der transliterierten "Avatar-Liste" daher auch kein
Eintrag angegeben wurde. Wieso wurde dann aber, logisch gesehen, ein
transliterierter Werktitel angegeben? Dabei hätte man sich hier durch
einen Rückgriff auf eine andere Quelle problemlos weiterhelfen können.
Denn da nun eine russische Untertitelversion in gedruckter Form nicht
vorliegt, hätte man, mit angemessener Quellengabe versteht sich, das
zusammen mit dem "Avatar-Band" als Faksimile veröffentlichte Manuskript
der Klavierfassung zu vier Händen in Betracht ziehen sollen, dort näm-
lich hat Strawinskys den nachfolgend wiedergegebenen Titel samt Unter-
titel auf das Titelblatt geschrieben:

              ------ Titelwiedergabe in Vorbereitung ------

   Das Partitur-Manuskript würde im übrigen nur bedingt weiterhelfen,
denn es trägt - in der Handschrift des Komponisten - nur den Werktitel,
diesen allerdings und das sollte man nicht übersehen, in russischer und
in französischer Ausführung, ein Untertitel fehlt. Der fehlt auch im
RMV-Klavierauszug, der auf der russisch-französisch gehaltenen Seite mit
den Urauführungsdaten (S. [6]) außer dem "LE SCARE DU PRINTEMPS" immer-
hin, wenn auch nachgeordnet, auch den russischen Werkttitel aufweist.
Der unten wiedergegebene Titel in Großbuchstaben stammt aus dem KlA,
und zwar aus einem 1926 von der Frankfurter Volksbücherei katalogisier-
ten Exemplar (das seit spätestens der 1980er Jahre nicht mehr vorhanden
ist, wahrscheinlich handelte es sich hierbei, nach 1913 und 1914, um die
dritte Auflage). Jedenfalls ist der RMV-Klavierauszug der einzige Noten-
druck der maßgeblichen Ausgabenlinie (RMV, B & H) mit dem russischen
Werktitel (Wiedergabe wie im Original, d.h. keine vergrößerten Anfangs-
großbuchstaben):

                           ВЕСНА СВЯЩЕННАЯ

   Auch hier in der "russischen" Liste sind die beiden Doppelpunkte und
der einsame Punkt nach dem Muster der beiden anderen Aufstellungen ge-
setzt. Ebenso weist sie wie in der französischen Fassung die beiden
Klammerungenauigkeiten auf, und was sehr überrascht: NICHT gestrichen
ist in dieser Version das russische Pendent zu dem vor "[Le Sage.]"
stehende "ADORATION DE LA TERRE.", das in die französischen Auflistung
offenbar in Anlehung an die 1967er Partitur nicht übernommen worden
war.
   Welche Beurteilung soll nun für diese "Synopsis of Section Titles"
vergeben werden? Klar ist jedenfalls, die Herausgeber hätten besser
aufpassen müssen, denn die Quellenangaben genügen nicht philologisch-
dokumentarischen Ansprüchen, ebenso nicht die Auflistungen. Hierzu ist
noch zu sagen, entweder geht man eine selbstgestaltete Darstellung an
(wofür viele gute Gründe angeführt werden können), dann sollte der Weg
aber auch konsequent beibehalten werden, oder man hält sich an die
Quellen, dann sollte das ebenfalls konsequent gemacht werden, und wenn
man schon zum Mittel der Fußnoten greift, wie im Fall der beiden Parti-
turangaben, dann läßt sich damit noch mehr bewerkstelligen, auch und
gerade bei einem solchen Referenzteil wie der "Synopsis of Section
Titles", also trotz des notgedrungen kurzgefaßten Konzepts.

b) Leihpartitur [2012], Vorschaltseite [IV]

   Die Vorschaltseite [IV] enthält nur die Besetzungsangabe ("INSTRU-
MENTATION"). Der gesamte Text ist auf englisch abgefaßt; zwei Fußnoten,
bezogen auf "Timpani (2)" bzw. "Percussion", beide ebenfalls auf eng-
lisch, ergänzen die Aufstellung. Das alles ist ein Neusatz - mit Formu-
lierungsabänderungen! (Einzelheiten, auch zu den englischen Fußnoten,
siehe weiter unten.)
   Im Vergleich dazu: In der Erstausgabelinie der 1967er Dirigierpar-
titur ist - hier auf Seite [II] - die Besetzungsangabe ("ORCHESTRA") in
italienischer Sprache abgefaßt, es gibt nur eine einzige Fußnote (be-
zogen auf die Timpani), diese allerdings in zwei Sprachen: englisch
und französisch, was zur oben drüber in diesen beiden Sprachen - zwei-
spaltig voneinander getrennt - wiedergegebenen Teile- und Szenenauf-
stellung paßt.
   Diese englische, die Timpani betreffende Fußnote ist in allen einge-
sehenen Ausgaben der Dirigier- und Studienpartituren von 1967 bis 2012
vorhanden und ihr Wortlaut ist auch immer exakt gleich, obwohl der Text
gelegentlich neugesetzt ist, was man hinreichend leicht an anderen
Typen (Lettern) oder am geänderten Umbruch erkennen kann. Diese Aussage
gilt auch für die der englischen Fußnote nachfolgende französische Ver-
sion, mit der Einschränkung bzw. der Folge, daß sich im Laufe der Zeit
ein unbedeutender Druckfehler einschlich. In jüngeren Editionen aller-
dings - Leihpartituren eingeschlossen - ist die französische Version
nicht immer vorhanden {*1}.
   Hier, mit Blick auf beide sprachlichen Versionen, sollte nicht uner-
wähnt bleiben, daß es einen doppelten Vorgängertext gibt, der ebenfalls
als eine doppelte Fußnote gestaltet ist, gemeint ist der in den vor-
1967er Boosey & Hawkes-Partituren abgedruckte entsprechende, jedoch er-
heblich längere französische Ausführungshinweis mit nachfolgender engli-
scher Übersetzung (also angesichts der späteren Anordnung: nicht zuerst
englisch und dann französisch, sondern eben umgekehrt!), wobei zu bei-
den, obwohl die 1967er zweisprachige Fußnote wesentlich kürzer ausfiel,
dennoch eine erwandtschaft besteht, denn die beiden "neuen" kurzgefaßten
Texte sind nichts anderes als wortwörtliche Entnahmen aus den beiden ur-
sprünglichen "langen" Fußnoten.

   {*1} Unter den bislang überprüften 1967er Partituren hatten zwei Aus-
   gaben die französische Fassung der Fußnote nicht: Die 1997 in der
   Reihe "The Masterworks Library" erschienene Edition und die Leihdiri-
   gierpartitur [2012]. Der Grund der Auslassung scheint klar zu sein:
   Die einst italienische Besetzungsliste ist in diesen Ausgaben nur auf
   englisch wiedergegeben. Allerdings kommt die englische Besetzungsauf-
   stellung auch mit der doppelten Fußnote auf englisch und französisch
   vor, und zwar in Partituren der 1980er Editionslinie (Weiteres siehe
   später).

Gestaltung der Vorspannseiten in den Jahren 1967 bis etwa 1980

   Ingesamt gesehen schwankt die Zahl der vorgeschalteten Seiten je
nach Partiturformat (Standarddirigierpartitur, Leihpartitur oder Stu-
dienpartitur), so wurde die Dirigierpartipur als Leihmaterial mit zwei,
vier und sechs Vorschaltseiten angetroffen, die "normale" Studienpar-
titur hingegen in nur zwei Ausführungen: zwei und sechs Seiten, wobei
bei sechs Seiten (eine Paginierung haben diese Vorschaltseiten nie)
in jedem Fall die Seiten [IV] und [VI] unbedruckt sind. Anders ist die
Sachlage in der Partitur, die 1997 in der Reihe "The Masterworks
Library" erschien, sie enthält acht bedruckte Vorausseiten, ab Seite V
mit Zählung (zu dieser Partitur siehe das gesonderte Kapitel).
   Die 1967er Erstausgabe der Dirigierpartitur weist, wie oben schon
angesprochen, nur ein einziges Blatt als Vorspann auf: Seite [I] ist
die Titelseite, Seite [II] enthält in zwei Kolumnen unbetitelt die Auf-
listung der Teile- und Szenentitel, ihnen folgt unter der Überschrift
"ORCHESTRA" die Besetzungsaufstellung.
   Zur Titelseite, also Seite [I]: Ihr kommt in mehrfacher Hinsicht eine
besondere Bedeutung zu. Neben der Einbandfrontseite und der ersten
Notentextseite (Seite 1 oder [1], hierzu siehe später) hat sie zum einen
eine Art Schaufensterfunktion, sie bietet ersten Blicken Anhaltspunkte,
zum andern liefert sie aber auch diverse Grundinformationen, sei es zum
Werk, sei es zum Verlag, wobei die Titelseite der Erstausgabe der Sacre-
Dirigierpartitur von 1967 darüber hinaus noch eine Angabe aufweist, die
in den Bereich verantwortlicher Umgang eines Musikverlags mit künstleri-
schem Eigentum fällt. Denn wie schon in den Boosey & Hawkes-Dirigier-
partituren der Vorgängerfassung vorhanden, so hat auch sie den Nachweis,
daß die ursprüngliche Veröffentlichung des Werks Le Sacre du Printemps
eine unternehmerische Arbeit und Leistung war, mit der weder Boosey,
noch Hawkes, schon gar nicht Boosey & Hawkes verlegerisch irgendetwas
zu tun hatten: Es wird Bezug genommen auf die Édition Russe de Musique,
den Russischen Musikverlag also, dessen Inhaber Sergej und Natalja
Koussewitzky waren (Abbildung der Seite siehe unten). An diesem in der
1967er Erstausgabe prononziert hervorgehobenen Detail (gerade so als
gäbe es den Verlag noch), wird ehrerbietiger Rückbezug manifest, auch
Vertrautheit. Man merkt, der Komponist lebte beim Zeitpunkt der Heraus-
gabe noch, seine Aura und Autorität waren noch nicht verflogen und die
zum Haus bestehenden persönlichen und künstlerischen Verbindungen sind
noch da. Doch nach Strawinskys Tod wird sich sehr bald so manches än-
dern. Personalwechsel kommen, allein schon durch Verrentung, die Ver-
blassungen beginnen, der Selbstläufer Geschäft beginnt unaufhaltsam zu
marschieren.
   Zu beachten ist hierbei: Im Gegensatz zur Dirigierpartitur wies die
Studien- bzw. Taschenpartitur der neuen Ausgabe auf der Titelseite nie
einen Bezug zum Russischen Musikverlag auf (Abbildung siehe unten), und
dies war, merkwürdigerweise, schon bei der Vorgängerausgabe so, und zwar
seit 1948, also von Anfang an. Es bestand einzig, wiederum von Anfang
an, nur die auch in der großen Partitur angegebene Nennung im Copyright-
Feld auf der ersten Notenseite. Aber auch dieser Rückbezug verschwand
dann 1997 mit der Herausgabe der mittelgroßen Masterworks-Ausgabe, in
der Handelsausgabe der Dirigierpartitur schon ein paar Jahre vorher. 
   Im revidierten Klavierauszug von 1968 wurde übrigens auch in Nach-
drucken (mit dem originalen Einband = Einband mit der roten "Klein-
schriftgestaltung") bis wahrscheinlich in die 1990er Jahre hinein nicht
nur auf der Titelseite und der ersten Notenseite auf den RMV hingewie-
sen, sondern auch schon auf dem Einbandfrontblatt, da heißt es: "édition
russe de musique · boosey & hawkes" (zur eingeschränkten Unterla-
gensituation bei dieser Edition: die nach Druckmerkmalen und Bibli-
othekserfassungen geurteilt bislang jüngsten Nachweise stammen aus dem
Zeitraum 1980 bis etwa 1984). Ja, sogar die offenbar 2000 erschienene
Neuauflage des Klavierauszugs hat auf dem Frontdeckblatt des nun neu-
zeitlich und farbig gestalteten Einbands immer noch die Nennung: "EDIT-
ION RUSSE DE MUSIQUE" (Details zum Sacre-KlA, alte und neue Fassung,
alte und neue Edition in Vorbereitung; zur Umgestaltung des Copyright-
blocks, auch in anderen Werken, siehe Pulcinella: 4n), zur Kleinschrift-
gestaltung siehe ebenfalls dort bzw. unter Pulcinella-Suite diverse
Textstellen).
   Es sollte hier gezeigt werden, wie bedeutsam es ist, Struktur und
Entwicklung der Titelseite der 1967er Fassung anzusprechen, daß sie in
Partiturausgaben und -formaten trotz etlicher Änderungen bis heute die
Seite [I] geblieben ist, also nie eine gedruckte Zahl erhielt und auch
nie in die Zählung des Notentexts einbezogen wurde. Etwas anders in der
Vorgängeredition. Hier gibt es ein Vorausblatt, das zwar auch unpagi-
niert ist, aber zur  Zählung des Notentexts gehört, das heißt, die
Titelseite ist die Seite [1] und der Notentext beginnt mit Seite 3.
   Zweitens gilt aber auch festzuhalten - und das läßt sich den Abbil-
dungen gut entnehmen-, daß und inwiefern sich, zumindest schon mal in
der ersten bis ungefähr 1980 reichenden Zeitspanne des Layout der Ta-
schenpartitur, die Titelseite der Dirigierpartitur von der der Taschen-
partitur unterscheidet. Hier in diesem Punkt werden sich in den Nach-
folgejahren Überraschungen und Rätsel einstellen.
   Ein bedeutsames, von Anfang an existierendes Unterscheidungselement
ist der Hinweis zur Fassung bzw. zum Druck, der sowohl auf der Titel-
seite der Dirigierpartitur als auch auf derjenigen der Taschenpartitur
abgedruckt ist, aber es ist nicht der gleiche. Ein Sachverhalt, der mit
ein paar Sätzen nicht dargestellt ist, deshalb siehe dazu das gesonderte
Kapitel "New edition 1967 - Re-engraved edition 1967" (zu "Re-engraved
edition 1967" auf der Titelseite der Leih-Dirigierpartitur [2012] siehe
oben).
   Zur Seite [II]: Dirigier- und Studienpartitur haben die identische
Seitengestaltung. Sie weist in der oberen Hälfte in zwei Kolumnen unbe-
titelt die Auflistung der Teile- und Szenentitel auf, links die engli-
schen, rechts die französischen Versionen. An dieser Art der Aufteilung,
oder wenn man so will, (Ab-)Folge, wird schon sachte die im Notentext
gewählte (neue) Reihenfolge (Rangfolge) verdeutlicht: zuerst die engli-
sche Betitelung, dann die französische.
   Rein äußerlich scheinen somit die englischen Versionen den Platz der
einstigen russischen eingenommen haben, denn die Betitelungsreihenfolge
im Notentextdruck des RMV und der Boosey & Hawkes-Nachfolgeeditionen bis
einschließlich 1967 war russisch - französisch, und zwar nicht unterein-
andergeschrieben wie in der 1967er Partitur (englisch: groß, franzö-
sisch: kursiv und kleiner), sondern wie gleichberechtigt nebeneinander:
links russisch, rechts französisch. Das Wort "gleichberechtigt" ist hier
deshalb sehr angebracht, weil die französische Titelgebungsversion in-
haltlich - und inbesondere bezogen auf den Komponisten - einen erheblich
bedeutsameren Stellenwert hat als die englische Übersetzung, was sie ja
auch tatsächlich ist. Beachte: Diese Thematik bleibt im Kern als Problem
auch dann bestehen, allenfalls verschiebt sie sich nur leicht, wenn man
die 1967er Partitur als "Fassung letzter Hand" auffassen möchte, was sie
wiederum trotz aller existierenden und noch entstehenden Authoritäts-
thematiken logischerweise unabänderlich auch ist und bleiben wird.
   Unter den Titelauflistungen folgt, mit der Überschrift "ORCHESTRA"
versehen, die Besetzungsangabe in italienischer Sprache mit einer Fuß-
note auf englisch und französisch, wobei diese Fußnote eigentlich eine
"Doppelfußnote" ist. Offenbar blieb diese Seite [II] (exakt) druckiden-
tisch bis Ende der 1970er Jahre bestehen, eine Annahme, die durch etli-
che zwischen 1968 und etwa 1979 erschienene Drucke der Studienpartitur,
Hawkes Pocket Scores No. 638, gestützt wird (zu "No. 638": es existiert
mindestens eine Variante, Druck 2/77: No 638, das Numerierungskürzel
"HPS 638" taucht augenscheinlich erst in den 1980er Jahren auf; Druck-
vermerke der eingesehenen, bis gegen 1979 erschienenen Studienpartitu-
ren, vereinfachte Darstellung der Druckkürzel: M.P. 7.68, M.P. 12.69,
M.P 2.71, M.P. 4.72, M.P. 7.73, BHMP 2/77 und BHMP 7/78 sowie eine Par-
titur ohne Druckkürzel, aber mutmaßlich mit einer auf 1978 datierten
Verlagsanzeige wie 5/78 oder 7/78; zu Druckvermerken und Datierungs-
möglichkeiten siehe später spezielle Kapitel und Tabellen). Zu Beginn
der 1980er Jahren setzte dann eine Entwicklung ein, deren Verlauf im
nächsten Kapitel skizziert wird.

Vorschaltseiten: Änderungen in den 1980er Jahren

   In den 1980er Jahren erfuhren die Vorschaltseiten Änderungen und Neu-
erungen sowohl im Layout als auch im Textbereich. Äußerlich besonders
auffällig ist die Dehnung der Anzahl der Seiten von zwei auf sechs,
wobei, wie schon angedeutet, die Seiten [IV] und [VI] Leerseiten sind.
Als Anschauungsbelege liegen vor: 1. Von der Taschenpartitur ein Exemp-
lar mit Verlagsannonce 7/78, gedruckt 1980 oder kurz danach (weist den
im Januar 1980 eingeführten Postcode W1R 8JH auf); zwei exakt gleiche
Exemplare, das eine wurde 1985, das andere 1988 bibliothekarisch erfaßt,
Verlagsreklame 5/83; ein Exemplar mit der seit spätestens der 1960er
Jahre verwendeten Ortezeile "LONDON PARIS BONN JOHANNESBURG [...]", An-
nonce 4/87 (siehe unten); zwei Exemplare der letztgenannten Art (Annonce
4/87), aber etwas jünger, weisen die Ortezeile "LONDON NEW YORK BONN
GOTHENBURG [...]" auf (siehe unten), eines der beiden Exemplare wurde
1991 inventarisiert. Alle diese Partituren gehören naturgemäß der Kate-
gorie Handelsware an. 2. Weiterhin liegt vor von der Dirigierpartitur
ein Leihexemplar, das erst spät in den Ausleihverkehr kam, und zwar im
Kleid des um 2000 eingeführten hellblauen Spiraleinbands. Ausgeliehen
wurde diese Partitur zusammen mit dem Stimmenmaterial für eine Produk-
tion im Jahr 2009 {*1} (Besprechung der Leihpartitur zusammen mit einer
weiteren 2009 ausgeliehenen siehe später in einem gesonderten Kapitel,
zu Leihstimmen siehe ebenfalls später eine gesonderte Diskussion).

    {*1} Abonnementkonzerte des Hessischen Rundfunks, 18. und 19. Juni
    2009, hr-Sinfonieorchester, Paavo Järvi. Frankfurt am Main: Alte
    Oper, Großer Saal.

   Zunächst zu den Studienpartiturexemplaren: Auf der Titelseite ist
manches neu, manches läßt die Vorgängerin noch ahnen (zum Vergleichen
diene der folgenden Beschreibung unten die Abbildung der Vorgängersei-
te). "HAWKES POCKET SCORES" wurde durch "HPS 638" ersetzt und diee An-
gabe steht jetzt, wie bereits beschrieben, auch oben auf der Frontseite
des Einbands, davor war die Seriennummer als "No. 638" auf dem Einband
unten links angegeben (mindestens ein Variantenfall, Druck 2/77: No
638).
   Die Firmenbezeichnung BOOSEY & HAWKES entspricht der auf dem Einband,
d.h., dies ist der oben als "gekurvtes" Firmenlogo bezeichnete Schrift-
zug, auch "schalenartig" böte sich als Bild an. Insgesamt sieht die
neue Firmenangabe auf der Titelseite der Editionen bzw. Drucke mit den
bis jetzt vorgefundenen Verlagsreklamen "7/78", "5/83" und "4/87" text-
lich wie nachfolgend wiedergegeben aus. Danach, nach dem Abstandstern-
chen, folgt dann die um einiges abgewandelte Angabe bei einer jüngeren
Edition, die ebenfalls die Reklameseite "4/87" aufweist, aber schon, im
Gegensatz zur vorgenannten, den Einband mit rötlich-bräunlichem Ein-
schlag hat. Dieser Druck wird als etwa 1990/1991 erschienen einge-
schätzt, der frühere als "um 1988" (siehe hierzu spätere Tabellen):

                         BOOSEY & HAWKES
            BOOSEY & HAWKES MUSIC PUBLISHERS LIMITED
      LONDON PARIS BONN JOHANNESBURG SYDNEY TORONTO NEW YORK

                                 *

                         BOOSEY & HAWKES
            BOOSEY & HAWKES MUSIC PUBLISHERS LIMITED
       LONDON NEW YORK BONN GOTHENBURG SYDNEY TOKYO TORONTO

   Die erste Version (gedruckt nicht vor Januar 1980) stimmt im Wesent-
lichen mit der bisherigen Fassung überein (siehe unten die Abbildung).
Doch, wie schon angemerkt, kam es bei den Standortangaben in den gegen
Ende der 1980er bzw. Anfang der 1990er Jahre erschienenen Taschenparti-
turen bei gleicher Reklame auf dem hinteren Einbandblatt, Annonce "NO.
121 [-] 4/87", vom bibliographischen Ergebnis her gesehen, zu einer
(klassischen) Variantenbildung.
   Wiedergegeben sind hier die beiden Firmenangaben - und zwar jeweils
mit der vollständigen Standortzeile -, weil schon hier angedeutet werden
soll, daß ein Vergleich insbesondere der Standortangaben für die Datie-
rung der oben unter Punkt "2" genannten Leihpartitur von Wichtigkeit
sein wird (Weiteres siehe in einem späteren Kapitel). Entfallen sind
in den neuen Drucken "MADE IN ENGLAND", das in der Wendung "Printed in
England" auf der ersten Notenseite ja in etwa vertreten ist, und auch
"NET PRICE", das für eine seit eh und je international verkaufte Parti-
tur sicherlich als nicht mehr so recht passend erschien.
   Der gesamte Autoren- und Werkblock wurde wortgleich übernommen. Mehr
noch: Bis auf das nun nicht mehr kursiv gedrucke "Re-engraved edition
1967" wurden für die Darstellung der Schrifttyp wiederverwendet und die
Größenverhältnisse beibehalten; "IGOR STRAVINSKY", "THE RITE OF SPRING"
und "Le SACRE DU PRINTEMPS" stehen jetzt allerdings jeweils auf einer
Zeile, außerdem wurde die Schrittweite entweder mal verengt oder mal ge-
weitet, ingesamt aber ist bei der jüngeren Titelseite der Schriftzug
etwas größer. Das Absatzsternchen entfiel. Ansonsten sind sich, wenn man
nur flüchtig hinsieht, das alte und neue Layout des Mittelblocks zwar
sehr ähnlich, zum Verwechseln sind sie aber nicht (man vergleiche hier-
mit die abgebildete, gänzlich anders gestaltete Titelseite der Erstaus-
gabe der Dirigierpartitur, zur Diskussion der Hinweise "New edition
1967" und "Re-engraved edition 1967" siehe weiter unten).
   Aus der ehemaligen Vorspannseite [II] entstanden nun drei Seiten:
Seite [II], [III] und [V]. Alle diese Seiten sind wie auch die Seite [I]
neu gesetzt. Seite [II] enthält die englischen Teile- und Szenenbetite-
lungen, Seite [III] die französischen, die also auch hier, analog zur
Werkbetitelung, nachgeordnet aufgelistet sind. An Wortlaut und Schreib-
weise wurde nicht das Geringste geändert, doch "First part" und "Second
part" und ihre französischen Pendants sind jetzt nicht mehr kursiv,
sondern fett gedruckt. Als Schrifttypus wurde ingesamt eine schlichte,
schnörkellose Antiqua gewählt. Überschriften wie "Contents" oder "Som-
maire" haben die Auflistungen nach wie vor nicht. Die einzige auffällige
Neuerung ist zweifellos, daß den Satz- und Szenentiteln nun Seitenzahlen
zugeordnet sind. Doch mit Blick auf paralleles Arbeiten mit dem Klavier-
auszug wären Studierziffern praktischer gewesen (vgl. oben die Listen
oder die Auflistungen im "Avatar-Buch").
   Erheblich mehr tat sich auf Seite [V]: So werden gleich zu Beginn
dieser ganz in englischer Sprache gehaltenen Seite Informationen zur
Uraufführung des Werks vermittelt, ähnlich wie in den frühen RMV- und
B & H-Klavierauszugsausgaben, allerdings ist das hier nur eine kleine,
eine ungenügende Auswahl. Bislang wurde ein solcher Hinweis nur in einer
Leihpartitur angetroffen, ansonsten weder in einer Vorgängerpartituraus-
gabe, noch in den alten und uralten Partituren (B & H bzw. RMV), und
selbst die offenbar jüngste Leihdirigierpartitur von [2012] hat ihn
nicht (mehr). Im Übrigen hat diese mit dem Hinweis versehene Leihparti-
tur exakt das gleiche Seiten-Layout, wie es die oben unter Punkt "1"
genannten Taschenpartituren aufweisen, allerdings mit ein paar Beson-
derheiten. Jedenfalls dürften vom allgemeinen Layout-Typus her die
Taschenpartituren wie auch die Leihpartitur einer gemeinsamen "Her-
stellungsgeneration" angehören, wobei der Druck der Taschenpartituren
in die 1980er zu datieren ist, die der Leihpartitur in die Anfangs-
jahre des nächsten Jahrzehnts (später mehr darüber).
   Unterhalb dieser Einführung steht eine Instrumentenaufstellung, die
seit 1967 "ORCHESTRA" hieß, und jetzt in "Instrumentation" umgetauft
wurde, eine Umbenennung, die vielleicht, da die Auflistung nun auf
englisch abgefaßt ist, aus einem (unnötigen) "Erneuerungszwang" heraus
entstand. Als immanenten eingebundenen Teil hatte es eine Besetzungs-
liste dem gegenwärtigen Kenntnisstand nach in den RMV-(Leih-)Partituren
von 1921 und 1929 nicht gegeben, es existierte vielmehr nur eine Einlage
(siehe unten die Abbildung, mehr hierzu an anderem Ort).
   In den unter Boosey & Hawkes seit 1948 herausgegebenen Dirigier- und
Studienpartituren lautete die Überschrift "Orchestre". Französisch also,
und zwar sicherlich deswegen, weil die Besetzungsauflistung in dieser
Sprache abgefaßt ist, wie auch schon in der angesprochenen RMV-Einlage
der 1920er Jahre {*1}. 1967 entschied man sich dann für italienisch,
wohl weil die Instrumentationsangaben vor den Systemen von alters her
(und heute noch) auf italienisch abgefaßt sind.

   {*1} Französisch zwar, aber mit folgender Anpassung: In den Boosey &
   Hawkes-Partituren wurden Tonhöhenbezeichnungen, wie ré oder mib, mit
   in Klammern gesetzten, vom englischen Sprachgebrauch abgeleiteten,
   Übertragungen, wie D und Eb, ergänzt. Der Art nach gab es das schon
   in der wahrscheinlich nach einer Vorlage Strawinskys verfaßten hand-
   schriftlichen RMV-Einlage. Dort stehen in Klammern - der Russische
   Musikverlag war ja, das sollte man hierbei nicht vergessen, ein in
   Deutschland verwurzelter Verlag - deutsch-orientierte Bezeichnungen,
   z.B. "(in D et Es)".

   HTML-Exkurs (Stand 20.10.2014):

   Browser setzen das wenig bekannte HTML-Notenzeichen "♭" unterschied-
   lich um. So ändert der Chrome bei der Schreibmaschinenschrift die für
   diese Schriftart übliche Schrittweite nicht; dagegen hat der Internet
   Explorer 8.0 bis 11.0 unverständlicherweise um das Zeichen einen zu
   großen Hof (= Rundumabstand) und der Firefox 33.0 staucht das Zeichen
   sogar etwas zusammen. Da der Internet Explorer hier der Referenz-
   Browser ist, wird daher hier im Text (wie oben in der Fußnote zu
   sehen) angestrebt, das "♭" mit dem Buchstaben "b", je nach Vorgabe
   oder Zweckmäßigkeit in kursiver oder nichtkursiver Form, zu simulie-
   ren, das gilt auch bei Verkleinerungen. Man beachte zudem, daß sich
   je nach Browser und Einsatz (kursiv, Hochstellung) der Zeilenabstand
   ändern kann, der Firefox reagiert z.B. erweiternd bei "♭", der
   Chrome tut dies bei kursiv. Auch behandeln die genannten Browser
   die Darstellung von Hochstellungen sehr unterschiedlich, teilweise
   ausgesprochen häßlich.
   
   Beispiele zur Überprüfung der jeweiligen Browser-Umsetzung:

   Schrittweite des "♭" im Vergleich prüfen: XXXXX♭YYYYY
   Schrittweite des "b"  im Vergleich prüfen: XXXXXbYYYYY
   Notenname "si" mit dem HTML-Notenzeichen: si♭
   Notenname "si" mit dem "b" kursiv:        sib

   HTML-Exkurs Ende

   Jetzt, in den 1980er Jahren, ist man also auf der Besetzungsseite
ganz in der Welthandelssprache Englisch angekommen. Und von hier führt
zu Ausgaben wie der Masterworks-Edition von 1997 oder der Leihpartitur
[2012] ein direkter Weg, deshalb sei um des besseren Verständnisses
willen einiges kurz besprochen.
   Zunächst: Die neue englische Abfassung ist zwar sachlich vollständig,
aber sie ist nicht das, was man eine direkte Übersetzung nennen könnte.
Eigenartigerweise klirrt einem sogar der bürokratische Schimmer eines
gesucht-exquisiten Tons entgegen, z.B. "Double Bassoon" anstelle von
Contra-bassoon oder statt eines einfachen "also" (deutsch: auch) ein
"doubling": "3 Flutes (3rd doubling Piccolo 2)". Das soll wohl nach
Kenntnis aussehen. Kein Wunder aber, daß so auch sehr schnell nebenbei
Komik entsteht (siehe dazu später mehr):

   4 Bassoons (4th doubling Double Basson 2) [/] Double Bassoon

   Vergleiche damit die weiter unten abgebildete Besetzungsangabe aus
der kurz und bündigen RMV-Ergänzungsbeilage.
   Die Überschrift lautet nun, wie gesagt, "Instrumentation". Beseitigt
wurde ein Jahrzehnte lang mitgeschleppter Fehler (hier auf deutsch): 3
Klarinetten in B und A (2. auch 2. Baßklarinette); angegeben ist viel-
mehr, und das ist richtig:

   3 Clarinets in Bb and A (3rd doubling Bass Clarinet 2)

   Zur Verdeutlichung der Richtigkeit diene die Ziffer 1 der Einleitung:
Klarinette 1 und Baßklarinette 2 (laut Korrektur gespielt von Klarinette
3) führen parallel eine Abwärtsmelodie aus, die von Klarinette 2 und
Baßklarinette 1 ÜBERLAPPEND übernommen wird. Wie zu sehen, hat also die
Klarinette 3 zur Baßklarinette zu wechseln und nicht die Klarinette 2,
wie bis zur Korrektur in den Übersichten aller eingesehenen Boosey &
Hawkes-Partituren angegeben ist, demnach nicht nur in der französischen
Auflistung ("Orchestre") von 1948 bis 1966, sondern auch in der itali-
enischen Nachfolgefassung von 1967 ("ORCHESTRA"). Dazu eine Aufstellung
bis zur Zeit bevor die Partituren der 1980er Jahre mit der Korrektur er-
schienen:

   [/] = Zeilenumbruch

   abcd = Schriftverkleinerung nach der Vorlage

   A) Studienpartitur 1948, Erstdruck und 2. Auflage (beide Datierungs-
      vermerk 448 = April 1948) {*1}:

      3 Clarinettes (2e aussi 2e Clarinette basse) en sib et la (Bb
      and A)

   B) Dirigierpartitur 1948 ff. (Datierungsvermerke 448 und 448/8. 65 =
      April 1948 bzw. April 1948/August 1965):

      3 Clarinettes (2e aussi 2e Clarinette [/] basse) en sib et la (Bb
      and A)

   C) Studienpartiturausgaben 1951 bis 1966 (Datierungsvermerke
      11·51 bis 8·66 = November 1951 bis August 1966):

      Wie Dirigierpartitur 1948 ff. (siehe B)

   D) Dirigierpartitur, New edition 1967 (Erstdruck: Datierungsvermerk
      5.67 = Mai 1967, außerdem weiterer Druck OHNE Druckvermerk = viel-
      leicht Nachdruck, vielleicht aber auch parallel erschienen):

      3 Clarinetti in Sib e La [/] (2o anche 2o Cl. basso)

   E) Studienpartitur, New edition 1967 / ab 1972: Re-engraved edition
      1967 (Datierungsvermerke 7.68 = Juli 1968 bis 7.73 = Juli 1973,
      2/77 = Februar 1977, Exemplar ohne Vermerk, aber mit Verlagsan-
      zeige 5/78):

      Wie Dirigierpartitur 1967 (siehe D)

      {*1} Die zweite Auflage ist ein im Wesentlichen unveränderter
      Nachdruck, Details siehe die Kapitel "Zur alten Seite [2]: Ver-
      tiefung des Stoffs und etwas Mystik" (zu Druck- bzw. Datierungs-
      vermerken siehe gesondertes Kapitel).

    Die oben in der Zwischennote erwähnte handschriftliche RMV-Einlage
enthält den Zuweisungsfehler nicht. Als Kürzel für "auch" oder "wechselt
zu" ist dort lapidar ein Gleichheitszeichen ("=") verwendet worden, das
in keiner Besetzungsliste der gedruckten Partituren vorkommt, man begeg-
net nur dem französischen "aussi", dem italienischen "anche" oder eben -
dem ominösen "doubling". Als eine Beispiel aus der Einlage diene die 
folgende Wiedergabe (Abbildung der gesamten Besetzungsliste siehe
unten):

   3 Clarinettes (3o = clarinette basse 2o)

   Keine fehlerbehaftete, aber eine doch, wie oben schon angedeutet, be-
merkenswerte Entwicklung machte die Bezeichnung des Kontrafagotts durch.
In der RMV-Einlage der 1920er Jahre und in den Besetzungslisten der Boo-
sey & Hawkes-Partituren von 1948 bis 1966 steht "Contrebasson" (bzw.
"contrebasson"). Die italienische Übersicht von 1967 enthält dementspre-
chend folgerichtig "Contrafagotto". Daraus wird in der englischen Vari-
ante der 1980er Jahre: Double Bassoon. Zusammen mit "doubling" erscheint
nun in der Besetzungsaufstellung "double" neunmal, was der Liste fast
Gedichtcharakter verleiht, "doubling Double Bassoon" ist beispielsweise
so ein Reim (Stabreim, siehe dazu auch das Beispiel oben). Das scheint
jedoch jemandem mißfallen zu haben, so daß in der Partitur [2012] bei
der Übernahme der Besetzungsliste in die neugesetzte "INSTRUMENTATION"
statt des "Double Bassoon" mit "Contrabassoon" wieder die "alte" Version
zu neutralisierenden Ehren kam (nebenbei: "double-bassoon" und "contra-
bassoon" sind oder waren nach Apel, Harvard Dictionary of Music, 1944,
eigentlich Synonyme; doch in der heutigen Praxis, zumal auf internatio-
naler Ebene, ist die "Kontra-Form" die gängige).
   Die schon erwähnte, für die Timpani-Ausführung bestimmte Fußnote -
sie zerfällt eigentlich in eine "Zweifachnote", bestehend aus einer
englischen Fußnote und ihrem französischen Pendant - ist in die neue
englische Besetzungsseite der 1980er Jahre von der Vorgängerausgabe
wortgetreu {*1}, jedoch neu gesetzt, übernommen worden.

   {*1} Die französische Version hat allerdings jetzt einen Druck-
   fehler: "expressèment" statt "expressément".

   So weit so gut, nun ist aber noch etwas passiert: Es kam zu diesem
"Fußnotenpaar" eine weitere Fußnote hinzu, und diese läßt doch einige
Verwunderung entstehen, zunächst betrifft die Verwunderung aber vor
allem die Einträge der "Instrumentation", auf die sich diese Fußnoten
beziehen, sie lauten:

   Timpani (2)**
   *Percussion

   Eine merkwürdige Anordung und Reihenfolge - und was auf der ebenfalls
neu gesetzten Seite der Leihpartitur [2012] in der "INSTRUMENTATION"
dann zu

   Timpani (2)**
   Percussion*

wird, aber nicht viel vernünftiger aussieht. Kaum selbstverständlich
ist auch die trockene Angabe "(2)", doch die Fußnote macht klar, daß
nicht an die Binsenweisheit erinnert werden soll, ein Paukensatz
bestünde im allgemeinen aus zwei Pauken, sondern daß für die korrekte
Ausführung der Partitur zwei fünf Pauken umfassende Paukensätze vorge-
schrieben sind und eben zwei Spieler zur Ausführung gebraucht werden.
   Zudem erstaunt die Aufteilung in Timpani und Perkussion, gerade so
als wären Pauken keine Perkussionsinstrumente. So ganz neu ist diese
Trennung in der Übersicht nicht, sie tauchte zuerst 1967 auf, als diese
eine italienische Übersetzung erfuhr. Hier wurde in "Timpani" und
"Batteria" aufgeteilt (siehe unten in der Auflistung unter "D"). Vorher
gab es in den Partituren eine solche Unterteilung nicht. Auch ist den
Auflistungen vor den 1980er Jahren zu entnehmen, daß nicht einfach nur
so etwas wie "Timpani (2)" angegeben war, sondern unmißverständlich "2
exécutants" bzw. "2 esecutori".
   Wie gesagt, die Unterteilung in Pauken und Schlagwerk kam 1967, die
Fußnote zum Schlagwerk aber erst in der englischen Übersetzung der
1980er Jahren. Doch man verpaßt in dieser Hinsicht nichts, wenn man vor
den 1980er Jahren erschienene Ausgaben der neuen Partitur konsultiert,
denn neu ist der Inhalt der später hinzugekommenen Fußnote nicht. Neu
ist überhaupt nichts: Die einstige Einsternchenfußnote für die Timpani
wurde zur Zweisternchenfußnote, und die neue Fußnote (mit nur einem
Sternchen) für die Perkussion ihr vorangestellt, was dann in der Be-
setzungsübersicht mit der unveränderten Reihenfolge "Timpani (2) [/]
Percussion" zu der verqueren Sternchenfolge ** [/] * führte. Der Inhalt
der der neuen Einsternchenfußnote ist sachlich nichts anderes als das,
was in der "Batteria"-Gruppe von 1967 stand, und das in eine Fußnote
umzubiegen, ein beosnders kluger Kopf sich veranlaßt sah.
   Das wiederum wurde in der Leihpartitur von [2012] noch überboten,
indem die Reihenfolge der Instrumente geändert wurde. Nach welchen Ge-
sichtspunkten man hierbei vorging, liegt völlig im Dunkel. Jedenfalls
sind die Anordnungen in der Partitur - sie wechseln zudem - damit nicht
in eine Übereinstimmung zu bringen (und das gilt nebenbei auch für die
vorherigen Partiturfassungen). Die Einführung der Einteilung in "Tim-
pani" und "Batteria", und darüber hinaus auch die neue Fußnote und deren
Änderung in der Partitur von [2012] schärft womöglich den Blick für
einen vielleicht bedeutsamen Punkt: 
   Anfangs waren nämlich in den Besetzungeübersichten die Perkussions-
instrumente nicht unterteilt, jedenfalls nicht in einem gruppenmäßig de-
finierten Sinn, sie sind vielmehr unausgesprochen nach einem instrumen-
talen-klanglichen und vielleicht auch nach einem "optischen", die Auf-
stellung im Orchester betreffenden Sinn, geordnet (siehe die Einträge
unter "A" bis "C"): Pauken (Perkussionsinstrumente stimmbarer Tonhöhe),
Schlagwerk mehr oder minder unbestimmter Höhe {*1} und cymbales antiques
(kleine Becken bestimmter Tonhöhe) {*2}.

   {*1} Ein hellerer oder dunklerer Klang zumindest ist aber meist mög-
   lich, Klanghelligkeiten also, gelegentlich erheblicher Art sogar.
   Wer mit solchen Instrumenten je gearbeitet hat, wird das nur zu gut
   wissen. Das kann zudem in Parks und großen Einkaufsmeilen jeden Tag
   in allen Varianten bestaunt werden. Und auch Strawinsky, DER Schlag-
   zeugsammler, wußte das nur zu gut (wie u.a. die Histoire du Soldat
   sehr plastisch zeigt; eine Arbeit darüber ist in Vorbereitung).
   Beachte: Auf Anraten und ausführlicher Niederschriften anerkannter
   ("klassischer"!) Perkussionisten hin (bei Gelegenheit mehr hierzu)
   wurden in der neuen Ausgabe von 1967 die Schlagwerkinstrumente "un-
   bestimmter Höhe" auf spezielle Hilfslinien notiert. Doch ist disku-
   tierbar, ob dieses Vorgehen unzweifelhaft richtig war.
   Man vergleiche nämlich damit die Notierungen in den Boosey & Hawkes-
   Vorgängerpartituren (die folgenden Taschenpartituren sind meist
   irgendwie erreichbar: Druck 3·64, 10·65). Hierbei zeigt sich - man-
   cher wird überrascht sein -, daß es vor 1967 unterschiedliche Ton-
   höhennotierungen gab: Grosse Caisse ist notiert auf c (überwiegend),
   d und e, Tam-Tam auf c (überwiegend) und d, Guero auf c und d, Tam-
   bourin auf c und A! Das muß nicht um der besseren Lesbarkeit wegen so
   notiert sein, denn Platz wäre, da meist pro Instrument ein System
   vergeben ist, genug da.
   Überraschend ist auch: "Piatti" kommen auf c und g vor. Vielleicht
   sind damit größere Cymbals für größere Lautstärke gemeint, doch in
   einer Besetzungsaufstellung tauchen sie nirgends auf. Die demgegen-
   über gelisteten "cymbales antiques in Ab and Bb" (siehe unten die
   Auflistung, hier zitiert nach den Aufstellungen in den Partituren
   "E" bis "G") sind übrigens mit den Tonhöhen as'' und b'' notiert.
   Ausführende, Dirigenten, die sich für die sensible Thematik "Schlag-
   werk unbestimmter Höhe im Sacre" interessieren, einem zu mechani-
   stisch-technizistischen Sacre schon mit Hilfe des Schlagwerks etwas
   mehr Farbe verleihen wollen, sollten die alten Studienpartituren
   einsehen, z.B. die oben genannten Drucke 3·64 oder 10·65 (beachte
   jedoch: in dem einen oder anderen Fall der alten Tonhöhennotierun-
   gen wird vielleicht auch von vornherein die Rolle des Druckfehler-
   teufels miteinzukalkulieren sein). Die beiden genannten Taschenpar-
   tituren dürften in historisch orientierten Bibliotheken erreichbar
   sein. Die letzte Taschenpartitur der alten Boosey & Hawkes-Edition
   hingegen, Druck 8·66, kam zwar in den Handel, war aber schon 1967
   nicht mehr aktuell, so daß sie heute eine absolute Rarität darstellt.
   Existiert hat sie aber definitiv, denn es konnten (immerhin!) drei
   Exemplare konnten bisher eingesehen werden. Eines davon war unver-
   ständlicherweise 1983 ausliefertem Leihmaterial beigegeben, das dem-
   gegenüber völlig richtig die revidierte Dirigierpartitur von 1967
   enthielt (Details zu Anlaß und Material siehe andernorts). Die bei-
   den anderen Partituren sind in Privatbesitz, ihr Einband ist voll-
   ständig vorhanden, allerdings ist eines der beiden der Exemplare
   ein Mängeldruck, bei dem die Seiten 97, 100, 101, 104, 105, 108,
   109 und 112 deart blaß gedruckt sind, daß über weite Strecken der
   Notentext nur erschwert leserlich, wenn nicht sogar unleserlich ist
   (weitere editorische Details in Spezialtabellen andernorts).

   {*2} Cymbales antiques (= Piatti antichi, antique cymbals, siehe
   unten) werden auch Crotales genannt.

   Perkussionsangaben in den Besetzungsaufstellungen

   Erläuterungen siehe oben und in den dieser Auflistung nachfolgenden
   Kapiteln. Das jeweilige originale Satzbild (Abstände, Verkleinerungen
   usw.) wurde, soweit sinnvoll und möglich, nachempfunden.
   Zu Datierungen (Duckvermerken) bis einschlißelich der 1970er Jahre
   siehe weiter oben die Aufstellung.

   A) RMV-Einlage für die Partitur 1921 (ebenso für die Partitur 1929):

      [...]
      Timbales ( 2 exécutants)*)
      Grosse caisse, Tam-tam, Triangle, Tambour de
      basque, guero (rape) [richtig: râpe]
      Cymbales antiques (en la b et si b)
      Cordes  

      *) [Französische Fußnote, lange Version]

   B) Boosey & Hawkes Studienpartitur 1948 (1. und 2. Auflage):

      [...]
      * Timbales (2 exécutants)
      Grosse Caisse, Tam-Tam, Triangle, Tambour de basque, Guero (rape)
      [richtig: râpe]
      Cymbales antiques en lab et sib (Ab and Bb)
      Cordes

      *[Französische Fußnote, lange Version]
      *[Englische Fußnote, lange Version (Übersetzung)]

   C) Boosey & Hawkes Dirigierpartitur 1948-1965, Studienpartitur
      1951 bis 1966:

      [...]
      * Timbales (2 exécutants)
      Grosse Caisse, Tam-Tam, Triangle,
         Tambour de basque, Guero
         (rape) [richtig: râpe]
      Cymbales antiques en lab et sib
         (Ab and Bb)
      Cordes

      *[Französische Fußnote, lange Version (Neusatz)]
      *[Englische Fußnote, lange Version (Neusatz)]

   D) Dirigierpartitur, New edition 1967 (Erstausgabe), Taschenpartitur
      bis vor 1980, Leihdirigierpartitur "13 DEC 1999":

      [...]

      Timpani
        (2 esecutori*)

      Batteria:
         Gran cassa, Tam-tam, Triangolo,
         Tamburo di Basque, Guero,
         Piatti antichi in La b e Si b

       Archi

      *[Englische Fußnote, kurze Version (Entnahme)]
      *[Französische Fußnote, kurze Version (Entnahme)]

   E) Taschenpartitur 1980er Jahre, Leihdirigierpartitur von vor 2009
      (nach Layout und B & H-Adresse Partitur aus dem Anfang der 1990er
      Jahre, siehe Text):

      [...]
      Timpani (2)**
      *Percussion
      Strings

      *bass drum, tam-tam, triangle, tambourine, guiro, antique
      cymbals in Ab and Bb [alles auf einer Zeile]

      **[Englische Fußnote, kurze Version (Neusatz)]
      **[Französische Fußnote, kurze Version (Neusatz)]

   F) Masterworks-Partitur 1997:

      [...]
      Timpani (2)**
      *Percussion
      Strings

      *bass drum, tam-tam, triangle, tambourine, guiro, antique
      cymbals in Ab and Bb [alles auf einer Zeile]

      **[Englische Fußnote, kurze Version (erneut Neusatz)]

   G) Leihdirigierpartitur [2012]:

      [...]
      Timpani (2)**
      Percussion*
      Strings

      *antique cymbals in Ab and Bb, triangle, tambourine, guiro,
      bass drum, tam-tam [alles auf einer Zeile]

      **[Englische Fußnote, kurze Version (erneut Neusatz, Umstellung!)]

Guero - guiro - güiro

   Gedanken über die Vorschaltseite mit der Besetzungsauflistung sind
damit noch keineswegs an ein Ende angelangt. So zeigt beispielsweise die
obige Aufstellung, daß in der englischen Fassung der Instrumentenüber-
sicht "guiro" und nicht "guero" angegeben ist. Im Notentext aber der New
Edition von 1967 steht an der in dieser Neufassung einzigen Einsatz-
stelle des Instruments vor der Schlagwerk-Hilfslinie "Guero". Nun mag
zwar sein, daß in unserer nördlichen Welt "guiro" (derzeit) die gängige
Schreibweise ist, fraglich bleibt aber dennoch, ob ihre Verwendung mit
dem Komponistenwillen übereinstimmt. Vielleicht hilft hier schon ein
erster Blick in den New Grove Dictionary of Musical Instruments (Vol. 2,
1984) weiter. Danach ist guero die französische und quiro die englische
Schreibweise, wobei die letztere dort güiro geschrieben wird (ebenso im
New Grove Dictionary of Music and Musicians, Second Edition, Vol. 10,
2001).
   In den Boosey & Hawkes-Partituren taucht die Schreibweise "guiro"
offenbar erst in den 1980er Jahre auf. Der früheste Nachweis in den ge-
sammelten Unterlagen des Verfassers befindet sich in einer 1985 gekauf-
ten Taschenpartitur mit der Verlagsreklame "5/83" (siehe dazu die be-
reits vermittelten Daten oder auch das gesonderte Kapitel zu Verlags-
reklameseiten).
   Der Guero kommt in der 1921er RMV-Partitur nicht wie heute nur ein-
mal, sondern zweimal vor, zum einen in den Takten 1 bis 8 der Ziffer 70,
zum andern am Schluß: Ziffer 201 Takte 3 und 4. Bei Z 70 ist "Une rape
[/] Guero" und "Guero", am Schluß dagegen nur "Guero" vorgeschrieben.
Beachte: In der RMV-Partitur von 1929 wurde der Guero aus dem Schluß
gestrichen, seitdem gibt es nur noch die Stelle Ziffer 70.
   In der Besetzungsübersicht der RMV-Einlage aus den 1920er Jahren lau-
tet die Angabe "guero (rape)"; "Guero (rape)" steht auch in den (franzö-
sischen) Übersichten der mit den RMV-Materialien direkt verwandten Boo-
sey & Hawkes-Partituren bis 1966. Bei Ziffer 70 sind die Vorschriften,
wie nicht anders zu erwarten, unverändert geblieben: "Une rape [/]
Guero" und "Guero". In der Erstausgabelinie der neuen Edition von 1967
(Taschenpartitur bis etwa 1980) hat die Übersicht auf S. [II] nur noch
"Guero", und so lautet auch die Vorschrift bei Ziffer 70.
   Aus dem "Une rape [/] Guero" ist nichts anderes abzuleiten, als daß
"rape" "râpe" lauten muß (vgl. zu alldem oben die Aufstellung). La râpe
ist zunächst eine Raspel, Reibe, ein Reibeisen usw. Damit wird ziemlich
genau angesprochen, was in der lateinamerikanischen Tanzmusik hierzu-
lande der deutsche Ausdruck "ratschen" umgangssprachlich, lautmalerisch
vermittelt (englisch: scrape). Denn der Guero gilt vor allem als eine
Rumba-Ratsche, zuständig für die Rhythmusmarkierung: Viertel Achtelpause
Dreiachtelsynkope Viertel ("zrr ' zraaah zrr | zrr ' zrraaah zrr"). Da
es dieses wunderbare und deutlich hörbare Ding in zahlreichen höchst
unterschiedlichen Formen gibt - die Hauptformen des Guero sind röhren-
ähnliche (mit oder ohne Tonlöcher) und schalen-, reibenartige Gebilde -,
müßte eigentlich einmal geklärt werden, was Strawinsky kannte, was ihm
als Klänge so vorschwebte, vorgeschwebt haben könnte.
   Wer also exquisite Färbungen in den Sacre (wieder) einbringen oder
diese betonen will, sollte sich sehr ernsthaft mit den Inhalten und vor
allem mit der Geschichte des Werks beschäftigen. Die Schlagzeuginstru-
mente und ihre Spielweisen dürften mit Sicherheit zu diesen Bewußtma-
chungen gehören. Und das führt dann auch automatisch zu alten Noten-
materialien (Partituren, Stimmen); zudem sollte als Informationsquelle
nie das überaus bedeutende Medium Tonträger aus der Wahrnehmung heraus-
fallen (siehe dazu die verhältnismäßig ausführliche Diskussion an an-
derem Ort).

1921: Der Guero und sein Vorschlagsolo
Schlagwerk-Instrumentierung ab 1929: Guero und Piatti gestrichen,
unterstes System nur Gran Cassa, alle 7 Noten auf c (bis 1966).
Ab 1967: Ebenfalls nur Gran Cassa, nun aber auf einer durch-
gezogenen Schlagzeug-Hilfslinie (wie 1921 der Guero)
Abbildung: Le Sacre du Printemps, Russischer Musikverlag,
Partitur 1921, Seite 139 (Schluß), Perkussion (gekürzt).

   Im Zusammenhang mit der Schlagzeug-Notierung und dem anschaulichen
Beispiel "Guero" ist das immer wieder neue Thema "Varianten" in den
Blickwinkel gerückt worden, und damit eng verknüpft auch das Problem-
gebiet "Fassung" (siehe dazu später einen kleinen Exkurs; eine weit-
gehend ausführliche Diskussion des Guero-Vorschlags findet man an
anderem Ort in der Abteilung Schallplatten und Einspielungsvarianten).

Zur alten Seite [2]: Vertiefung des Stoffs und etwas Mystik

   Wer sich in der Angelegenheit Sacre-Partitur auf den Weg editions-
kundlicher Überprüfung begibt, erspart sich sicherlich Suchmühen, wenn
er beachtet, was in diesen Ausführungen an vielen Einzelheiten zum Thema
verdeutlicht wird. Da ist zum Beispiel die Sachlage, daß in allen einge-
sehenen von 1948 bis 1966 erschienenen Drucken der Boosey & Hawkes-Par-
titur (Dirigier- und Taschenpartitur) für die Vorspannseite [2], die
"Orchestre"-Seite also, abgesehen von einer Ausnahme, immer der gleiche
Drucksatz verwendet wurde ([2]-Druck2). Die Ausnahme ([2]-Druck1) befin-
det sich in der Erstausgabe der Taschenpartitur und ebenso in ihrem
direkten Nachfolgedruck; in diesen beiden Ausgaben ist die Seite [2] ein
eigenständiger Drucksatz, der allerdings bis auf nicht gravierende Dar-
stellungsunterschiede sowie einige unbedeutende Änderungen und Druckfeh-
ler (inklusive einem möglichen Fall einer Druckfehlerverbesserung, siehe
hierzu nachfolgend) mit dem Drucksatz der anderen Ausgaben wortwörtlich
übereinstimmt.
   Zum Aufbau der alten Seite [2] von oben nach unten: Besetzungsauf-
stellung "Orchestre" (in der Erstausgabenlinie der Taschenpartitur ein-
spaltig, sonst immer zweispaltig), Spieldauerangabe "Durée: 33 minutes",
"Paukenfußnote" (lange = ausführliche Version, siehe oben), Anmerkung zu
Ziffer 39 (die Takteinteilung sei nach dem Vorbild der Ziffer 41 abzu-
ändern; beachte: in der New Edition 1967 ist diese Änderung in den
Notentext eingearbeitet). Wie schon angesprochen, sind diese Textteile
der Seite [2] in französischer Sprache wiedergegeben (im Wesentlichen
jedenfalls), wobei dem Fußnotenteil samt der Anmerkung deren Übersetzung
ins Englische nachfolgt.
   Eines ist klar und eindeutig: Für die hauptsächlichen Textteile der
alten Seite [2] - Besetzungsauflistung, Fußnote und Anmerkung - hatte
die RMV-Beilage der 1920er Jahre als Vorlage gedient. Fußnote und An-
merkung (beide ausschließlich auf französisch abgefaßt) wurden im
Wortlaut unverändert übernommen, was sachlich im Grunde auch für die
ebenso in französischer Sprache, aber mit italienischen und deutschen
Einsprengseln durchsetzte Besetzungsaufstellung gilt; sie wurde nun
durchgehend "französisiert", zudem erfuhr sie geringfügige Anpassungen
und auch Hinzufügungen, wie Tonhöhenbezeichnungen, wobei man sogar Ton-
höhenbezeichnungen auf englisch ergänzte und gleichzeitig die wenigen
deutschen in englische umwandelte (zu einem nicht gravierenden, die
Klarinette III betreffenden Abschriftfehler, siehe oben und nachfol-
gend).
   Überhaupt nicht klar ist, wie die beiden getrennt erstellten Druck-
sätze der Seite [2] entstanden. Doch sind eigentlich nur zwei Möglich-
keiten denkbar: Entweder hatte einer der beiden die Vorlage für den
anderen gebildet oder, was wahrscheinlicher ist, beide stammen von einer
gemeinsamen französisch-englischen Quelle ab. Hierfür gibt es Indizien,
aber treffend klärende Anhaltspunkte, geschweige denn verläßliche, sind
leider nicht zu ermitteln, doch kann eine enge Quellenverwandtschaft als
erwiesen angenommen werden. Starke Anzeichen dafür sind die oben zitier-
te, in beiden Druckfassungen vorhandene Vertauschung der 2. und 3. Kla-
rinette, und - ganz besonders aufschlußreich - spezifisch ausformulierte
Wendungen intrumental-technischer Angaben, wie sie in der englischen
Übersetzung der das Paukenspiel betreffenden Fußnote vorkommen und über-
raschenderweise in beiden Druckfassungen den gleichen Wortlaut haben,
Beispiele: "(for the high B)", "(3rd in Bb, the 4th in G)". Sicherlich
sehr einleuchtend wirkt gerade in der letzten Anweisung das nicht not-
wendige "the". Demgegenüber sind nämlich die französischen Angaben
trocken kurz, für die beiden genannten Fälle lauten sie: "(Si aigu)"
und "(3. Sib, 4. Sol)" (Hochstellungen in allen Fällen nach der frühen
Taschenpartiturfassung). Wie zu sehen, besteht editorisch eine enge Ver-
wandtschaft, doch zu einer vielleicht anstehenden Prioritätsfrage wird
wohl keines dieser Details etwas beitragen können. Das kann leider auch
nicht die Originalquelle, die RMV-Partiturbeilage, auch sie weist keine
irgendwie brauchbar auswertbaren Details auf. 
   Darüber hinaus gibt es in den Drucksätzen (natürlich) auch Druckfeh-
ler, neben kleinen unscheinbaren auch solche gröberer Art. Hierbei gilt
zunächst festzuhalten: Unscheinbare Flüchtigkeitsfehler, die vielleicht
eher verräterischen der beiden Arten, kommen bis auf einen Fall (siehe
unten) nicht parallel vor. Auffallende Druckfehler, die in beiden Fas-
sungen vorkommen, sind in der Besetzungsliste die genannte Klarinetten-
vertauschung, dann "rape" statt "râpe" (dieser Fehler steht schon so
in der RMV-Beilage) und ein falsches "are" in dem Satz "In orchestras
where a greater number of instruments are available [...]" (zu "avail-
able" siehe unten), wobei der Fehler "are" nicht zu streng als Fehler
gewertet werden sollte. Dergleichen kommt in der englischen Sprache,
zumindest im Alltagsenglisch, öfter vor als man denkt - in der deut-
schen Sprache übrigens auch.
    Andere, "einseitige" Druckfehler, z.B. Kommaauslassungen oder die
folgende Akzentauslassung "2e petite Flute" (in den Dirigier- und
späteren Taschenpartiturenausgaben) statt "2e petite Flûte" (in den
beiden Erstdrucken der Taschenpartitur), tragen ebenfalls nicht zu einer
dienlichen Aussage zur Lösung der Frage bei, ob etwa die eine Textfas-
sung der anderen als Vorlage gedient haben könnte. Denn es kann, um es
noch einmal zu sagen, eben leider nicht entschieden werden, ob ein Feh-
ler im Drucksatz A als Abschriftfehler oder dessen Nichtvorhandensein im
Satz B als Abschriftverbesserung zu werten sei.
   Ein vielleicht anschauliches Beispiel für eine Spur von Indizienhaf-
tigkeit, bezogen zumindest auf einen Teilaspekt, scheint es aber doch zu
geben, man vergleiche dazu unten die Paarung aus den frühen Taschenpar-
tituren, zuerst das Zitat aus dem französischen Text, darunter dasjenige
aus der englischen Übersetzung:

   [...] 2 petits timbales (1. Mib  2. Ré)
   [...] two small timpani (1st in Eb  the 2nd in D)

   Es fehlt BEIDE Male zwischen den Zuweisungen das Komma, das aber die
RMV-Beilage hat und das auch in der anderen Druckfassung (z.B in der
Dirigierpartitur) vorhanden ist. Außerdem beachte man den in BEIDEN
Zitaten gleich breiten Leerraum zwischen den Aussagen, gerade so als
müßte da noch ein Komma ergänzt werden. Wie auch immer, alles in allem
sieht es danach aus, als sei die englische Version DIESEM französischen
Text gefolgt, und vor allem: es sei hier für die Übersetzung eher nicht
der andere Druck als Vorlage verwendet worden. Träfe dies zu, wäre ein
weiteres Indiz gewonnen für die in dieser Sacre-Dokumentation mehrfach
vertretene These, daß in der frühen Zeit (gegen 1948 bis etwa 1950)
zunächst nur die Taschenpartitur als ein Boosey & Hawkes-Erzeugnis vor-
lag und im Gegensatz dazu in der ersten Zeit für den Leihverkehr noch
RMV-Exemplare bereitgehalten wurden (möglichweise durchgesehene und
korrigierte).
   Die Singularität des Leerraums und der Kommauslassung tritt übrigens
umso deutlicher hervor, wenn man das oben genannte Paar mit dem gerade
eben erwähnten vergleicht, in dem erstgenannten nämlich gibt es weder
einen Leerraum noch eine Kommaauslassung:
 
   [...] 2 grandes timbales (3. Sib, 4. Sol)
   [...] two large timpani (3rd in Bb, the 4th in G)

   Insgesamt also unbeantwortete Fragen, auch ist eine plausible Erklä-
rung der erstaunlichen Tatsache, daß im Jahr 1948 oder in den Jahren
1948 bis etwa 1950 - oder auch: daß überhaupt - vom gleichen Text zwei
Drucksätze erstellt wurden, derzeit nicht zu liefern. Ein Spuk? Aber
ein realer!

RMV-Partituren: Vorspannseiten, zwei Beilagen (zum Teil Rekapitulation)

   Ist es ein Zufall? Jedenfalls sind unter den gesammelten Unterlagen
zu den drei ersten veröffentlichten RMV-Partituren, den Dirigierparti-
turen von 1921 und 1929 sowie der Taschenpartitur von 1921, keine Nach-
weise dazu vorhanden, daß es außer der Titelseite weitere gedruckte Vor-
spannseiten im engeren Sinn gab. Es sei angefügt: Bei allen Nachweisen
ist die Rückseite der Titelseite unbedruckt. Und so liegt nun nahe, da
jeweils mit Seite "3" die Zählung der Notentextseiten beginnt, anzuneh-
men, daß die Titelseite die Seite [1] ist und ihre Rückseite die Seite
[2]. Vollständig, zumindest der Zählung nach, wären somit die Partitu-
ren.
   Aber mit dieser Annahme ist noch nicht alles gewonnen, denn es feh-
len ja immerhin mindestens die Besetzungsangaben, und somit kann nicht
auszuschlossen werden, daß zwischen dem ersten Blatt mit der Titelseite
und der Seite 3, der ersten Notenseite, doch noch ein Blatt existierte.
In diesem Fall wäre die Titelseite etwa mit [I] zu numerieren. Auf die-
se Gedanken kommt man u.a. durch die Tatsache, daß die 1921er Taschen-
partitur vom eigentlichen Zweck her Handelsware war, und die ungenutzte
leere Seite [2] eine erstaunliche Sachlage darstellt.
   Dasselbe gilt für die 1929er Taschenpartitur, allerdings liegen zu
ihr dem Verfasser keine direkten Unterlagen vor; sie soll aber, analog
zur Taschenpartitur von 1921, ebenfalls eine Verkleinerung der Dirigier-
partitur sein, und das hieße, daß auch sie wie ihre 1921er Vorgängerin
auf der Rückseite der Titelseite keine Bedruckung aufweist.
   Nun existiert aber jene schon mehrfach erwähnte zweiseitige RMV-Ein-
lage (zum Titelkopf siehe unten die Abbildung), die einer 1929er Leih-
dirigierpartitur beilag. Diese Partitur war um 1980 im Londoner Boosey
& Hawkes-Archiv angetroffen worden und wies einige interessante Infor-
mationen auf. Zunächst trug sie die handschriftliche Kennzeichnung "Neue
Fassung 1929", geschrieben von derselben Person, die auch eine im ein-
stigen Bonner Boosey & Hawkes-Archiv vorgefundene 1929er Partitur ge-
kennzeichnet hatte. Das Londoner Exemplar hatte zudem den folgenden, zum
Ausfüllen gedachten Formularstempel der Hire-Abteilung, der zeigt, daß
sie einst (oder irgendwann) zum Material 2 gehörte, was, bezogen auf den
europäischen Raum, nicht dazu verleiten sollte, vorschnell auf Igor
Strawinsky oder gar auf den Uraufführungskomponisten Pierre Monteux zu
schließen (Wiedergabe des Stempels nach einer damaligen Abschrift):

   Material No: 2 ["2" = gesonderte Aufstempelung, sicherlich der Leih-
                         abteilung]
   Library  No:   [keine Angabe]
   Boosey & Hawkes LTD.
   295 Regent Street
   London, W. 1.

   Desweiteren enthielt die Partitur Hinweise auf Dirigate:

   [Wilhelm] Furtwängler, Berlin [19]24
   R. [Roger] Désormière
   [Hans] Schmidt-Isserstedt
   1948, Sept 16 København
         Statsradiofonien
         Nicolai Malko

   Die Ausleihe im Jahr 1948 ist insofern von besonderem Interesse, weil
es Anzeichen dafür gibt, daß in diesem Jahr noch keine Boosey & Hawkes-
eigene Leihpartitur gedruckt war, sondern nur die oben erwähnte Taschen-
partitur von 1948. Das würde Einiges bedeuten: Zum einen wäre das aufge-
fundene, auf 1948 hindeutende Druckdatum in frühen Boosey & Hawkes-Diri-
gierpartituren eventuell anzuzweifeln, zum zweiten wäre die oben geführ-
te Diskussion um die Erstellung der alten Seite [2] in die Richtung zu
lenken, daß der Text auf dieser Seite der frühen Taschenpartitur mögli-
cherweise die Vorlage für den Text in der Dirigierpartitur gebildet
hätte.
   Es ist übrigens auch eine alte "PICCOLO I"-Stimme des RMV bekannt,
die von Boosey & Hawkes, Bonn, als zum (oder zu einem einstigen) Materi-
al "2" gehörig 1983 ausgeliehen bzw. überzählig beigelegt wurde {*1} und
die via Schablonenschrift den nachträglich hinzufügten Hinweis "revised
1948" trägt (zu dieser Thematik vergleiche Bemerkungen zu Beginn dieser
Arbeit und in Vorbereitung bzw. Arbeit befindliche eingehende Ausführun-
gen an anderer Stelle).

   {*1} Für eine Produktion des Hessischen Rundfunks vom März bis Mai
   1983 mit dem Radio-Sinfonieorchester, Leitung: Eliahu Inbal.
   24./25. März 1983, Abonnementkonzerte, Frankfurt/Main: Alte Oper,
   Großer Saal, anschließend Tournee (siehe auch Verzeichis "Werk 027").

   Zurück zum Thema "Vorspannseiten": Die komplett handschriftliche
RMV-Einlage oder -Beilage besteht zum einen aus einem Blatt (Seitenzäh-
lung 1 und 2) mit 5 Nummern:

   "No 1)" ist die Besetzungsübersicht,
   "No 2)" stellt die oben erwähnte Anmerkung dar.

   Die Nummern 3 bis 5 sind im Großen und Ganzen Dirigierhilfen, Anwei-
sungen, der metrischen Kompliziertheit begegnen zu können. Zum andern
besteht die Beilage aus einer erheblich langen Korrekturliste, betitelt
"Errata", mit eigener Seitenzählung von 1 bis 3. Somit umfaßt die
Beilage also insgesamt fünf paginierten Seiten. Und es scheint tatsäch-
lich so zu sein, daß das vorliegende Exemplar eine größenkorrekte Kopie
ist. Die Blätter sind ordentlich zu einer Einheit zusammengeklebt, der
handschriftliche Seitenspiegel ist etwas höher und breiter als DIN A4.
Geschrieben wurden die fünf Seiten sehr aufmerksam und kalligraphisch
einwandfrei von ein und derselben Hand. Vom ganzen Typ und Format her
ganz offensichtlich gedacht als eine Verlagsbeilage für eine große Par-
titur, vielleicht aber in getrennter Form, möglicherweise sogar für eine
getrennte Verwendung, worauf jedenfalls die Paginierung hindeuten könn-
te: 1 Blatt die eine Einheit, 2 Blätter die andere. Schon eine gar nicht
mal allzu eingehende Beschäftigung mit dem Inhalt zeigt auch, daß beide
Einheiten als Nachträge für die 1921er Partitur angefertigt wurden, sie
zeigt aber zudem deutlich, warum der Inhalt trotz einiger Überholtheiten
immer noch für die 1929er Partitur für wichtig erachtet werden konnte
und mußte. Kein Wunder also, daß die beiden Einheiten einer 1929er Par-
titur beigelegt vorgefunden wurden.
   Aber auch Taschenpartituren erhielten Beilagen, ob alle fünf Seiten
ist ungewiß, die drei Errata-Seiten jedenfalls sind nachgewiesen. Und
zwar möglicherweise in zwei Größen. Zum einen in einem Format größer als
als DIN A4, dreifach zusammengefaltet eine Größe wesentlich kleiner als
die der Taschenpartitur ergebend (siehe späteres Kapitel) und offenbar
im Format DIN A4, das in der Mitte gefaltet ziemlich genau in die kleine
Partitur (ca. 15 x 21 cm) ohne überzustehen paßt. So wurde Mitte 2014
eine solche Partitur mit der Einlage "Errata", deren Format mit DIN A4
angegeben wurde, von einem Online-Antiquariat angeboten. Leider vermit-
telte die weitere Beschreibung des Angebots weder zur Fassung noch zur
Sachlage der Vorspannseiten brauchbare Informationen (eine Nachfrage war
leider nicht möglich, da das Angebot zu spät entdeckt worden war). Wie
der Namenszug auf der Titelseite, "K Sikorski", vermuten läßt, stammte
die Partitur höchstwahrscheinlich aus dem Nachlaß des polnischen Kompo-
nisten Kazimierz Sikorski (gest. 1986 in Warschau) {*1}.

   {*1} Dem Angebot waren zwei Fotos beigefügt, das eine zeigte die
   Titelseite, das andere den antiquierten Privateinband der Partitur:
   marmorierter Karton mit Stoßeckenverstärkung.

   Nun gilt als ziemlich wahrscheinlich, daß die zweiseitige Liste ent-
weder als Vorlage für Vorspannseiten gedacht war, oder anstelle dieser
als Beilage verwendet wurde, ob so allerdings auch in der im Handel
angebotenen Taschenpartituren ist kaum vorstellbar. Und wie im übri-
gen hierbei mit den Errata-Seiten vorgegangen worden war, ist ebenso
völlig unklar.
   Interessant ist das französisch-italienisch-deutsche Sprachgemisch in
der Besetzungsübersicht; das sieht ganz nach Strawinsky aus, zwei Bei-
spiele (Zeichenabstände wurden übernommen):

   8 Cors en fa (7o et 8o = Tube tenori in sib )
   4 Trompettes en ut (4o = trompette basse en mib(Es))
 
   Wie schon gesagt wurde, hängen alle bis 1966 erschienenen Boosey &
Hawkes-Partituren von der 1929er RMV-Partitur ab (indirekt natürlich
auch von der 1921er) und insofern haben sie selbstverständlich auch
deren mit "3" beginnende Seitenzählung und darüber hinaus eben nur zwei
Vorspannseiten, beide im übrigen unpaginiert, wobei der französische
Teil die Seite [2], wie oben dargestellt, der RMV-Einlage bis auf wenige
Ausnahmen buchstabengetreu entnommen wurde.

Russischer Musikverlag (Édition Russe de Musique):
Leihdirigierpartitur 1921 und 1929, zweiseitige
Beilage, Seite 1 {*1}, Titelpartie
(Aufschrift: Le Sacre du Printemps [/] Igor Strawinsky
[/] Avertissement pour le chef d'orchestre [/]
Composition de l'orchestre)

{*1} Gezählte Seiten (1 und 2). Daneben gibt es auch
eine dreiseitige Beilage (die Zählung beginnt ebenfalls
bei 1), Titelpartie (Gestaltung wie oben auf der Abbil-
dung): Le Sacre du Printemps [/] Igor Strawinsky [/]
Errata

Beide Beilagen (= fünf Seiten) stammen von ein und
demselben Schreiber; sie wurden in einer 1929er RMV-
Partitur vorgefunden, müssen aber schon vor 1929 (für
die 1921er Partitur) verfaßt worden sein. Irgendeine
Datierung weisen sie nicht auf.


Russischer Musikverlag (Édition Russe de
Musique): Leihdirigierpartitur 1921 und
1929, zweiseitige Beilage, Seite 1, daraus:
Besetzungsaufstellung (Einzelheiten zur
Beilage siehe Text und oben die Abbildung
der Titelpartie)
Beachte das für Strawinsky typische Sprach-
gemisch aus Französisch, Italienisch und
Deutsch.

Masterworks-Ausgabe 1997, zwei Leihpartituren Auslieferung 2009, eine
Leihpartitur Auslieferung 2017

   Die wesentlichen Merkmale des Äußeren der Boosey & Hawkes-Partituren
und der jeweils darin vorliegenden Vorspannseiten liegen nun im Über-
blick vor. Ebenso überblickartig wurde die diesbezügliche Sachlage ge-
streift, wie sie sich nach dem jetzigen Kenntnisstand in den Partitur-
ausgaben des Russischen Musikverlags darstellt. Bevor nun daran an-
schließend die Besprechung von weiteren Einzelteilen und besonderen Pro-
blemen fortgeführt wird, sollen Hinweise auf einige präsente bzw. ange-
troffene neuere Ausgaben eingeschoben werden.

a) Masterworks-Ausgabe 1997

   Zur 1997 in der Boosey & Hawkes-Reihe "The Masterworks Library" er-
schienenen Ausgabe {*1}: Auf diese Veröffentlichung wird hier in den
Ausführungen immer wieder Bezug genommen, was sich von selbst versteht,
denn sie ist seit 1997 DIE im Handel offerierte Partitur, oder genauer
gesagt, zunächst war es eher so, daß sie seit diesem Jahr die vielleicht
nur vorherrschend angebotene Partitur gewesen war, unklar ist nämlich,
ob sie die einstige Hawkes Pocket Scores-Ausgabe HPS 638 abrupt abgelöst
hatte, oder ob diese nicht doch eine zeitlang noch dem Sortiment ange-
hörte. Denn so wie es aussieht, konnte offenbar noch 2014, jedenfalls
auf Anfrage, die herkömmliche Taschenpartitur vom Verlag erworben wer-
den, inwieweit dies allerdings lediglich Restexemplare der nun doch
endgültig erloschenen alten Boosey & Hawkes-Sacre-Edition waren, ist
nicht bekannt (Stand: Juni 2018).
   Wenn eben die Formulierung "erloschene alte Boosey & Hawkes-Sacre-
Edition" gewählt wurde, so muß aber dringend ergänzt werden, daß sich
diese Aussage auf das editorische Äußere bezieht, der Notentext hingegen
ist übernommen worden, es ist nach wie vor der "alte" Notentext der
1967er Edition, es liegt also kein NEUsatz vor.

   {*1} Veröffentlichungsdatierung laut amazon.co.uk: 1. Februar 1997,
   amazon.de: 28. Februar 1997 (eingesehen 2014 und am 10.9.2016).

   Die Masterworks-Ausgabe hat ein mittelgroßes Format (ca. 23 x 30,5
cm), wobei die Bestimmung des Zwecks schwer fällt. Als eine Dirigier-
partitur kann sie eigentlich nicht angesehen werden, obwohl sie über-
raschenderweise als eine solche auf der Titelseite bezeichnet wird:
"Full orchestral score" (genauso auf dem Einband, aber in Großbuchsta-
ben). Sie eine Taschenpartitur zu nennen, wäre grotesk. Eine Studien-
partitur, das ist sie schon eher. (Im Grunde waren aber auch schon die
Hawkes Pocket Scores-Ausgaben No. 638 bzw. HPS 638 von der Größe her
ebensowenig "Taschen"-Ausgaben, allenfalls waren sie Ausgaben, die in
eine Akten-"Tasche" paßten; Diskussion siehe andernorts.)
   In diesem Bereich Sacre-Taschen- bzw. Studienformat enthält der Ma-
sterworks-Druck editionskundlich ein neues Detail, man sollte es sogar
ein grundlegend gravierendes Detail nennen, ganz neu ist es allerdings
nicht, denn es tauchte in der Dirigierpartitur schon ein paar Jahre frü-
her auf, die Rede ist von der zweifellos seltsam wie auch wunderlich an-
mutenden Umformung des Copyright-Blocks zu der Zeile:

   © Copyright 1912, 1921 by Hawkes & Son (London) Ltd

   (Zu dieser merkwürdigen, erstaunlichen Angabe siehe zum einen die
bereits dargestellte gesonderte Diskussion, zum anderen später die Aus-
führungen zur Dirigierpartitur bzw. Dirigierleihpartitur von ca. 1992,
und außerdem unter Pulcinella den allgemeinen Überblick zum Copyright-
Thema, das sich in neueren von Boosey & Hawkes angefertigten Strawinsky-
Drucken wie von selbst stellt; zu Ausgabenelementen wie Einband, Titel-
seite, New edition 1967 bzw. Re-engraved edition 1967, erste Notenseite
und letzte Notenseite siehe die Ausführungen in gesonderten Kapiteln.)
   Diese 1997 erschienene Masterworks-Ausgabe mit dem Nachruck des No-
tentexts in gewohnter Paginierung von 1 bis 153 hat acht Vorspannseiten
(römisch pagniert von Seite V an). Alle Seiten des Vorspanns sind als
Druck entweder neu oder neu gesetzt (siehe die nachfolgende Aufstel-
lung).

   Neusatz:

   Seite   [I]: Titelseite

   Neu:

   Seite  [II]: Quellen-, Copyright- und Druckangaben

   Neu bzw. Neusatz:

   Seite [III]: "Contents", mit Seitenangaben
                a) Verweise auf den Inhalt des Vorspanns (neu)
                b) Teile- und Szenentitel (Neusatz)

   Neu:

   Seite  [IV]: Pablo Picasso - Portrait of Stravinsky, 1920
   Seite     V: Preface [by]  Malcolm MacDonald [1948-2014], englisch
   Seite    VI: Préface [de]     "        "                , französisch
   Seite   VII: Vorwort [von]    "        "                , deutsch

   Neusatz:

   Seite  VIII: "Instrumentation"

    Der seit Jahrzehnten bei Boosey & Hawkes übliche Usus den Titel The
Rite of Spring bevorzugt zu behandeln und Le Sacre du Printemps an die
zweite Stelle zu rücken - vom Layout her untergeordnet dazu - trifft
man natürlich auch bei dieser wohl als repräsentativ gedachten Ausgabe
an, und so fehlt selbstverständlich auch hier der seit 1967 unterdrückte
französische Untertitel. Und in der Tat wirkt es für einen in geschicht-
lichen Zusammenhängen denkende Menschen etwas geisterhaft, wenn Mac-
Donald in seinem englischen Vorwort im Zusammenhang mit der Uraufführung
von "The Rite of Spring" spricht. In der französischen Fassung erscheint
dann zwar "Le Sacre du Printemps", das wundert niemand, aber - überra-
schenderweise - wird es auch richtig gemacht in der deutschen Fassung,
"Frühlingsweihe" oder ähnlichen Unsinn trifft man dort nicht an. Es sei
noch einmal hervorgehoben: Die Seitenangaben im Werk selbst entsprechen
selbstverständlich (oder glücklicherweise) den für die New Edition 1967
geläufigen.
   Buchstabengetreue Übernahmen, aber neu gesetzt, sind zum einen die
Auflistung der Teile- und Szenentitel {*1} und zum andern auf Seite VIII
die Auflistung der "Instrumentation", wobei von den Fußnoten die fran-
zösische entfiel. Im Rahmen der für die 1980er Drucke durchgezogenen
"Anglifizierung" der Besetzungsauflistung war sie noch nicht gestrichen
(auch hierzu siehe die bereits erfolgte separate Darstellung). Es
schließt sich dieser Aufstellung der Hinweis "Duration: 33 minutes" an,
er kannte seit seiner Einführung 1948 nie ein "circa" und hier fehlt
der nötige Zusatz natürlich auch. Im Grunde fragt man sich, wer diese
dilettantische, unmusikalische Angabe in die Partitur einbrachte. Zu
guter Letzt: Die Angaben zur Uraufführung, die in den Ausgaben der
1980er Jahre auftauchten, wurden hier gestrichen, sicherlich deswegen,
weil einiges davon in MacDonalds Einführung erwähnt wird.

   {*1} Daß ein Neusatz vorliegt, dafür ist schon die kuriose Winzigkeit
   des neu eingeführten ominösen Doppelpunkts ein erstes äußeres Indiz
   (siehe die bereits geführte gesonderte Diskussion zu Titelwieder-
   gaben)

   Noch eine Bemerkung zu Malcolm MacDonald: Vom ihm stammt zwar das
(im Verhältnis zum Möglichen uninformative) "Preface", ob er aber auch
im engen Sinn des Worts als Herausgeber dieser Ausgabe fungierte, dazu
wird nirgends irgendetwas gesagt. Auf Seite [II] heißt es im Zusammen-
hang mit Copyright- und Editionsinformationen nur: "Preface © Copyright
1997 by Malcolm MacDonald".
   Es sind bislang (Stand: August 2018) vier unterschiedliche Auflagen
nachgewiesen. Die Unterschiede sind klar beschreibbar. Ob es darüber
hinaus in der Zeit bis 2018 noch weitere Drucke mit erkennbaren Detail-
änderungen gegeben hat, muß die Erfahrung zeigen. Zu bedenken ist auch:
Selbstverständlich ist immer damit zu rechnen, daß Nachdrucke bzw. Auf-
lagen keinerlei Detailunterschiede aufweisen, dann aber ist in solchen
Fällen eine Bestimmbarkeit genauso selbstverständlich von vornherein
ausgeschlossen (siehe hierzu eine allgemeine Erörterung andernorts).
   Auf der vorliegenden eingesammelten Materialbasis ist die Datierung
der drei Auflagen nach der Erstausgabe keineswegs als gesichert anzuse-
hen, es kann nur von einem vorläufigen Versuch gesprochen werden. Aller-
dings wohnt dem Versuch eine mutmaßlich große Wahrscheinlichkeit inne,
denn es werden hierfür Daten herangezogen, die tatsächlich vorhanden
sind. Irgendein spekulatives, mehr oder minder vages Zusammenreimen
liegt also nicht vor.
   Die (vermuteten) Datierungen nach 1997 lauten: 2000, 2004 und 2008.
Für eine Darlegung dürfte es wohl am sinnvollsten sein, mit der mutmaß-
lich jüngsten Datierung zu beginnen (zur Diskussion der Datierungen und
Quellen siehe die Ausführungen im Anschluß an die Ausgabenliste):
   Im März 2015 wurde per Materialleihverkehr ein Exemplar angetroffen,
das die Ausleihnummer A176 trug, es lag dem Leihmaterial SET74 bei. Aus
der allem Anschein nach schon verlagsseitig auf das Deckblatt aufgekleb-
ten Datierung unbekannter Hand geht hervor, daß diese Partitur offenbar
schon spätestens im Dezember 2008 existierte {*1}. Sie weist gegenüber
der mutmaßlichen Ausgabe von 2004 (als A168 beigelegt einem im Juni
2018 gelieferten Stimmenmaterial SET80) auf der Seite [156] und auf der
hinteren Einbandseite andere Annoncen auf. Diese "2004er" Ausgabe wie-
derum unterscheidet sich von der mutmaßlichen Ausgabe von 2000 auf den
Seiten [I] (Titelseite) und [156] (Annoncen-Seite) durch Änderungen (die
Einbandseite 4 = hintere Einbandseite ist bei dem eingesehenen Exemplar
dieser "2000er" Ausgabe nicht vorhanden, Bibliotheksexemplar). Die Erst-
ausgabe von 1997 hingegen weist auf der hinteren Einbandseite eine kurze
dreisprachige Einführung in die Masterworks Library-Serie auf, eine An-
noncen-Seite hat sie nicht. Einzelheiten werden durch die folgende Auf-
stellung sicherlich deutlicher:

   Identifikationstabelle: Studienpartitur "The Masterworks Library"

   Abkürzungen:

     [I] = Seite [I], Titelseite
       1 = Seite 1, erste Notenseite 
   [154] = Seite [154], letzte Noteneite verso
   [155] = Seite [155]
   [156] = Seite [156] 
      E1 = Einbandseite 1 (= vorderes Einbandblatt: Frontseite)
      E4 = Einbandseite 4 (= hinteres Einbandblatt, außen)

   1997

     E1: Farbiges Bilddesign (grün/braun, mit einem Gemälde von André
         Dérain: La Danse, 1906)
    [I]: Verlagsorte: London · New York · Berlin · Sydney
      1: Kasten "IMPORTANT NOTICE" links vom Titel
  [154]: unbedruckt
  [155]: unbedruckt
  [156]: unbedruckt
     E4: Dreisprachiger Einführungstext in die Serie The Masterworks
         Library (englisch {*2}, französisch, deutsch)
         Editorischer Bereich:
         Boosey & Hawkes Music Publishers Limited
         Boosey & Hawkes-Adresse mit dem bis Juni 2000 gültigen
         Postcode W1R 8JH (zu Postcodes siehe andernorts)
         Publikationsnummer: 10538
         ISBN- und ISMN-Barcodes mit numerischen Angaben {*3}

   2000

     E1: wie oben
    [I]: wie oben
      1: wie oben
  [154]: wie oben
  [155]: wie oben
  [156]: Annonce: "The Boosey & Hawkes Masterworks Library includes:"
         3 Strawinsky-Ausgaben: Oedipus Rex, Symphony of Psalms;
         Pétrouchka; The Rite of Spring
         www.boosey.com (keine Anschrift)
     E4: Aufdruck unbekannt (Bibliothekseinband, Blatt entfernt, Auf-
         druck sehr wahrscheinlich wie Exemplar 2004)

   2004

     E1: wie oben
    [I]: Verlagsorte: keine, stattdessen: www.boosey.com
      1: wie oben
  [154]: wie oben
  [155]: wie oben
  [156]: wie 2000 (mit www.boosey.com)
     E4: Annonce: "The Boosey & Hawkes Masterworks Library includes:"
         5 Strawinsky-Ausgaben: Ballet Music (Pulcinella Suite, Apollon
         Musagète, Le Baiser de la Fée; Oedipus Rex, Symphony of Psalms;
         Pétrouchka; The Rite of Spring; Symphony of Wind Instruments
         Editorischer Bereich:
         Boosey & Hawkes Music Publishers Limited
         Keine Adresse, stattdessen: www.boosey.com
         Keine gesonderte Angabe der Publikationsnummer
         ISBN- und ISMN-Barcodes wie 1997

   2008 {*4}

     E1: wie oben
    [I]: wie 2004
      1: wie oben
  [154]: wie oben
  [155]: wie oben
  [156]: Annonce ("Ad. 275"): "Igor Stravinsky: Selected Works"
     E4: Annonce: "The Boosey & Hawkes Masterworks Library"
         5 Strawinsky-Ausgaben: Ballet Music (Pulcinella Suite, Apollon
         Musagète, Le Baiser de la Fée; Oedipus Rex, Symphony of Psalms;
         Pétrouchka (1947 version) {*5}; The Rite of Spring; Symphony
         of Wind Instruments
         Editorischer Bereich:
         Boosey & Hawkes Music Publishers Ltd [sic, vgl. oben]
         Keine Adresse, stattdessen: www.boosey.com
         Keine gesonderte Angabe der Publikationsnummer
         ISBN- und ISMN-Barcodes wie 1997 {*6} {*7}

   {*1} Die Beschriftung auf dem Aufkleber sieht wie folgt aus (schwar-
        zer Filzstift, beachte die englische "1" und die ungewöhnliche
        - vertikale - Aufschrift der Partiturnummer, die übrigens nur
        noch aus der ISMN-Angabe hervorgeht):

        |2.08

        |
        0
        5
        3
        8

   {*2} Zeichen- und zeilengetreue Textwiedergabe (im Original jedoch
        proportionale Lettern):

        SOME OF THE best-loved works of the Boosey & Hawkes         [in
        catalogue are now available in large format for the first time
        the Masterworks Library. These definitive editions, with newly-
        published introductory notes, commentaries and illustrations are
        ideal for the performer, student and music lover alike.

        (Beachte: "These definitive editions" ist mit "Diese endgülti-
        gen [?!] Ausgaben" bzw. "Ces éditions faisant autorité" über-
        setzt worden.)

   {*3} Ein Exemplar dieser Erstausgabe wurde bei einem Internet-Angebot
        mit überklebten Barcodes angetroffen. Offenbar eine händlersei-
        tige Maßnahme. Als Überklebungematerial dienten weiße Etikette,
        die Bestellnummer war frei geblieben. Irgendein Sinn für die
        Überklebungen war den das Angebot begleitenden Fotos nicht zu
        entnehmen.

   {*4} Inzwischen (2016) wurde im Bestand einer Musikhochschule auch
        eine mit dem über den Leihverkehr eingesehenen Exemplar "2008"
        völlig identische Partitur angetroffen. Sie war ca. 2010 ange-
        schafft worden.

   {*5} In dieser Ausgabe der Petruschka-Titel nun mit ergänzter Fas-
        sungsangabe (Hervorhebung nicht in der Annonce), weil 2008 bei
        Boosey & Hawkes die 1911er Fassung erschienen war (korrigierte
        Fassung, 2. Druck: 2009).

   {*6} Es liegt exakt diese Ausgabe auch in einem Exemplar vor, deren
        Seiten aus einem "ungewohnten" Papier bestehen; es ist nicht
        nur rauher, sondern auch deutlich dicker. Hierbei könnte es sich
        durchaus um eine andere Fertigung (Auflage?) handeln (Diskussion
        zur Unterscheidbarkeit bzw. zu "Scheinauflagen" siehe andern-
        orts).

   {*7} März 2019 tauchte bei einem Internethändler die Jahresangabe
        2014 auf, ohne daß irgendwelche weiterführenden Einzelheiten
        beigegeben waren. Es könnte sich um einen Tippfehler handeln
        ("2014" statt "2004").

   Da die Datierungen der vorliegenden bzw. eingesehenen Nachdrucke der
1997er Edition nicht exakt bestimmbar sind, dürfte eine vertiefende Er-
klärung zu Problematiken und Widersprüchen hilfreich sein:
   Auf der Web-Seite von Boosey & Hawkes (boosey.com) wird als "Year of
Publication" merkwürdigerweise 2000 angegeben (Stand: 2014, zuletzt ein-
gesehen Juli 2018). Sollte sich diese Angabe auf die Erstausgabe der
1997er Edition beziehen, dann wäre sie falsch. Vielleicht gilt aber die
Datierung einem Nachdruck, vielleicht dem, der hier als der erste Nach-
druck vermutet wird.
    Eine weitere Datierung liefert amazon.com mit 1. Juni 2004. Diese
dürfte sich ebenfalls auf einen Nachdruck beziehen, wahrscheinlich ist
es sogar die Datierung für die Auflage, der das oben genannte Leihver-
kehrexemplar A168 angehört. Zu dieser Angabe paßt, daß rund ein Dutzend
Abebooks-Händler ebenfalls 2004 als Erscheinungsjahr für das von ihnen
angebotene Exemplar angegeben (manche geben sogar "1. Juni 2004" an).
Auch 2008 taucht auf, aber nur selten (Recherchen: 2017, Anfang 2018).
   Die Jahresangaben 2000, 2004 und 2008 sind also durchaus da, aber mit
der Zuordnung hapert's. Denn sowohl amazon.de ("28. Februar 1997", siehe
weiter oben) wie auch amazon.com ("1. Juni 2004") zeigen als hintere Um-
schlagseite diejenige an, die auch das Leihmaterialexemplar mit der mut-
maßlich verlagsseitig aufgeklebten Datierung Dezember 2008 aufweist.
Krasser können editorische Unstimmigkeiten kaum sein. Nun ist bei Händ-
lerangaben der weit verbreitete Mangel an Zuverlässigkeit ja bekannt. So
konnte man in Frankreich 2016 bei einem Händler folgende Seltsamkeiten
einsammeln: "Date de réédition: 01/06/2004", "Date de parution: 01/01/
2009". Manches klingt da nachvollziehbar, manches eher mystisch.
   Doch gibt es, wie die obige Liste zeigt, durchaus einige Hilfen, die
zumindest die Abfolge der vier bislang bekannten Auflagen hinreichend
ordnen können. Zunächst sind da die Elemente Einführungstext und Post-
code, die die Bestimmung der Erstausgabe als geklärt ansehen lassen. Ein
wichtiger Gesichtspunkt ist auch die Zeile mit den Verlagsorten. Sie
knüpft an die alte Tradition an, ihr Ersatz "www.boosey.com" dagegen ist
eine Anpassung an die jüngere Entwicklung. 1997 ist davon noch nirgends
etwas zu sehen. Deshalb muß nun sofort betont darauf hingewiesen werden,
daß die Annonce auf Seite [156] in den Ausgaben "2000" und "2004" "www.
boosey.com" aufweist, aber die Titelseite der Ausgabe "2000" die Inter-
net-Adresse eben NOCH nicht, und genau das deutet auf eine Übergangszeit
hin. Daher ist doch wohl anzunehmen, daß die hier mit "2000" titulierte
Ausgabe ein eng mit der Erstauflage verwandter Nachdruck ist und zu ihm
mit großer Wahrscheinlichkeit die undefinierbare Boosey & Hawkes-Angabe
"2000" gehört (zur Herkunft der Angabe "2000" siehe oben).
   Die Ausgaben "2000" und "2004" haben auf Seite [156] die gleiche An-
nonce mit drei Strawinsky-Posten. Darunter "Pétrouchka" ohne eine Versi-
onsbestimmung. Anders Druck "2008": Er hat zum einen eine völlig neue
Anzeige auf dieser Seite, die "Ad. 275" (= "Igor Stravinsky: Selected
Works"), und zum andern gegenüber "2004" auf der hinteren Einbandseite
die in der Grundstruktur zwar gleiche Annonce, aber in ERWEITERTER Form,
aus der deutlich hervorgeht, daß sie eine Aktualisierung erfuhr, wobei
sich diese auch auf die fünf Strawinsky-Posten auswirkte: "Pétrouchka"
wurde nun die Spezifizierung "(1947 version)" beigegeben, denn, wie oben
schon gesagt, war vor 2008 bei Boosey & Hawkes ein so betontes Auseinan-
derhalten der Pétrouchka-Fassungen eigentlich noch nicht nötig, und
schon gar nicht auf solch einer lang vor 2008 erschienenen einfachen
Überblickannonce, von der Art her eine Lieferbarkeitsanzeige. Fazit: Die
Ausgaben "1997", "2000", "2004" und "2008" auf diese Weise zeitlich zu
reihen, dürfte in Ordnung gehen.
   Auch bei den Seitenzahlen trifft man auf teils seltsame Angaben (be-
achte: die letzte gedruckte Seitenzahl ist 153 = letzte Notenseite).
Boosey & Hawkes und amazon.de: 154 (= Seite 153 verso, unbedruckt),
amazon.com: 156 (= Seite [155] verso, mit Annonce), Schott Web-Seite:
164 (= 8 Vorausseiten + 156 Seiten, Seite [156] mit Annonce), amazon.co.
uk: 168 Seiten. Die seltame Angabe "168" entstand möglicherweise durch
(die "digitale") Hinzuzählung der beiden Einbandblätter: VIII + 153 +
1 [leer] + 1 [= 155, leer] + 1 [= 156, Anzeige] + 4 (Einband). Alle
diese Seitenzahlen finden sich kunterbunt (sicherlich oft abgekupfert)
in Internet-Angeboten wie auf Antiquariat-Portalen usw.
   Zum Rücken: Bei Boosey & Hawkes-Taschenausgaben des Sacre bis minde-
stens 1971 war der Rücken in Blickrichtung nach links von unten nach
oben beschriftet. Spätestens mit dem Druck 7.73 (Juli 1973)) ändert sich
dieser Bedruckungsmodus, er verläuft nun in Blickrichtung nach rechts
von oben nach unten. Und so ist das auch bei den The Masterworks Libra-
ry-Ausgaben. Da der Einband des Vorgängerdrucks in einem mittleren Braun
mit grünem Aufdruck gehalten war, ist dem Anschluß an die gesamte Tradi-
tion insofern Rechnung getragen, daß für den Einband nun eine Halbierung
in grün und in braun gewählt wurde. Die Grundfarbe des Rückens ist dabei
grün, dessen Beschriftung nun weiß und zwar in verschiedenen Schrift-
stärken, als Schriftart wurde diejenige der Frontseitentitelgebung ge-
wählt (eine Auflistung der Rückenbeschriftungen seit 1948 findet sich
in einem späteren Kapitel):

        STRAVINSKY  THE RITE OF SPRING · FULL ORCHESTRAL SCORE

b) Zwei Leihpartituren Auslieferung 2009, eine Leihpartitur Aus-
lieferung 2017

   Zwei 2009 für eine Konzertproduktion (siehe weiter oben) ausgeliehene
Dirigierpartituren bedürfen der besonderen Beschreibung, da ihre editi-
onskundlichen Inhalte zwar teils dem Stand der neueren Entwicklung ent-
sprechen, teils aber auch mit Elementen älterer Art, mit früheren Sta-
dien verhaftet sind und genau dieser Sachverhalt trifft auch auf eine
2017 ausgeliehene Partitur:

   1) Leihdirigierpartitur mit dem Stempel "13 DEC 1999" (ET135)
   2) Leihdirigierpartitur der frühen hellblauen Serie, zwischen
      ca. 2000 und 2009 (B101)
   3) Leihdirigierpartitur, Vorläuferin der hellblauen Serie, zwischen
      ca. 2000 und 2010 (SET55)

   1) Die erstgenannte dieser beiden Leihpartituren (Lagernummer ET135),
wie üblich großformatig (Blattgröße ca. 29,0 x 41,4 cm) {*1}, mittel-
blaues Deckblatt aus Glanzpappe, auf der ersten Notenseite mit einem
schwarzen Stempel auf den "13 DEC 1999" datiert, war vorgefunden worden
mit einer sehr angegriffenen Spiralbindung. Daß somit das Abschlußdeck-
blatt fehlte, wundert nicht.

   {*1} Also etwa DIN A3, aber eine Spur kleiner als Exemplare der nach-
   folgenden sogenannten hellblauen Fertigung (siehe später).

   Diese Partitur markiert möglicherweise im Leihmaterialgeschäft den
Übergang vom festen fadengebundenen Einband zur Spiralbindung, die hier
übrigens schwarz ist und nicht wie später bei den Partituren der hell-
blauen Serie weiß.
   Mit der Datierung "13 Dec 1999" dürfte diese Ausgabe chronologisch
schon recht gut fixiert sein, wenn auch zum eigentlichen Zweck der Auf-
stempelung nicht das Geringste gesagt werden kann. Weitere zeitliche An-
haltspunkte ergeben sich aus dem aufgeklebten, für allgemeine Verwen-
dungszwecke gedachten Boosey & Hawkes-Etikett, d.h., es hat vorgedruckte
Aufschriften, nämlich die Adresse und das Firmen-Logo der Zeit, wobei
die Adresse ein besonders wichtiges Merkmal enthält, den Postcode. Und
diesen Postcode weist auch der hellrote, rechteckig eingerahmte Firmen-
stempel auf, der sich nicht nur auf diesem Etikett befindet, sondern
ebenso auf der Titelseite und sogar noch ein drittes Mal: auf der ersten
Notenseite (Seite 1): HIRE LIBRARY [/] BOOSEY AND HAWKES [/] 295 REGENT
STREET, LONDON [/] ENGLAND W1R 8JH". Somit hat man mit diesem Postcode,
der bis zum Juni 2000 gültig war, ein weiteres Datierungswerkzeug an der
Hand, zumindest für die ungefähre zeitliche Begrenzung der Verwendung
des Stempels (zum Wechsel des Postal Code siehe frühere Ausführungen).
   Doch auf dem Etikett ist auch noch das &-orientierte, gradlinig-sym-
metrische BOOSEY & HAWKES-Firmenlogo (mit stilisiertem, hervorgehobenem
"&") aufgedruckt, das schon in der Masterworks-Ausgabe von 1997 verwen-
det worden war und offenbar in den frühen 1990er Jahren das perspekti-
visch, schalenartig gestaltete Logo des Jahrzehnts davor abgelöst hatte.
   Wie also aus diesen Beobachtungen hervorgeht, dürfte es gangbar sein,
die Partitur schon jetzt, also auf diesem Beschreibungsstand - zumindest
vorläufig - in die zweite Hälfte der 1990er Jahre zu datieren (eine ge-
wisse Betonung läge dabei auf 1999). Und dies kann sogar getan werden,
ungeachtet der Tatsache, daß die Partitur auf der ersten Notenseite die
schon Anfang der 1990er Jahre - noch vor Erscheinen der 1997er Master-
works-Ausgabe - aufgetauchte, unerfindliche Copyright-Angabe hat: ©
Copyright 1912, 1921 by Hawkes & Son (London) Ltd (siehe hierzu Ausfüh-
rungen an anderen Orten).
   Diese merkwürdige Auswechslung des Copyright-Blocks ist kaum anders
anzusehen als eine Anpasssung an neuere geschäftsinterne Vorstellungen.
Doch genau diesen Weg der Anpassung ging man bei der Wahl bzw. Erstel-
lung der Vorspannseiten nicht, man griff auf die Erstausgabe der Diri-
gierpartitur von 1967 zurück. Denn wie damals enthält auch die "neue" 
(Leih-)Dirigierpartitur nur ein einziges Vorspannblatt, und zwar wie
gewohnt beidseitig bedruckt und unpaginiert mit der Titelseite (= Seite
[I]) und der Inhalts- und Besetzungsseite (= Seite [II]).
   Zur Herkunft der Partitur: Es ist klar, daß die Verschickung der
Leihpartitur vom deutschen Verleihlager aus erfolgte, doch ursprünglich
gehörte die Partitur dem englischen Leihverkehr an. Sie wurde hierfür
auch in England hergerichtet. Nicht nur weisen in diese Richtung der
"HIRE LIBRARY"-Stempel und auf dem Deckblatt das englisch bedruckte Eti-
kett, sondern doch wohl auch das "DEC" im Datumstempel (hierzu siehe
oben). Zudem ist die (nachträglich schwarz aufgedruckte) Etikettbetite-
lung komplett englisch formuliert: "Stravinsky [/] THE RITE OF SPRING
[/] FULL SCORE", und es trägt das Etikett eine aufgestempelte Numerie-
rung (im Hellrot des "HIRE LIBRARY-Stempels), ET135, die ihrerseits die
englische Herkunft insofern deutlich unterstreicht, als ein solches Prä-
fix im deutschen Leihverkehr ganz aus dem Rahmen fällt.
   Zur Titelseite (Seite [I]): Sie stammt, wie gesagt, aus der Erstaus-
gabe, aber nur in dem Sinn, daß sie gleichzeitig eine typische Musik-
verlegerretusche darstellt, für deren Zustandekommen drei Wege als mög-
liche Erklärungen angeboten werden können, wobei anschaulich klar wird,
daß im Endeffekt trotz aller emsiger Bemühung ein seltsames, unvollstän-
diges Ergebnis entstand.
   Weg 1: Als Quelle habe das Deckblatt der Erstausgabe gedient. In
diesem Fall liegt - angesichts der Schriftgleichheit der Partie Kompo-
nistenname und Titel auf Deckblatt und Titelseite - die Vermutung nahe,
daß doch wohl für das Deckblatt seinerseits bereits eine Titelseitenvor-
lage als Urvorlage gedient haben könnte, wobei der Untertitel "Pictures
from pagan Russia in two parts [/] by Igor Stravinsky and Nicholas Roe-
rich", die Angaben zum Fassungsstand und auch der Firmenteil wegretu-
schiert worden waren, und daß anschließend dann für den Firmentextteil
am unteren Rand das schlichte (vergrößerte) "BOOSEY & HAWKES" einge-
setzt worden sei.
   Doch bei einer solchen Vorlage - des Deckblatts der Erstausgabe (im
Original übrigens in roter Beschriftung) - für die "1999er" Titelseite
(mit schwarzer Beschriftung) hätte der Untertitel wieder hinzugefügt
werden müssen. Man beachte hierbei: Ein derart umständliches) Vorgehen
sollte man nicht vorschnell als unwahrscheinlich oder unmöglich abtun.
Irgendwie muß die neue Titelseite ja zustande gekommen sein.
   Gesehen werden muß auch, daß die "1999er" Titelseite, abgesehen vom
Vorhandensein des Untertitels, in ihrer Gesamtheit eher der Gestaltung
des originalen Deckblatts ähnlich sieht als derjenigen der damaligen
Titelseite. Zwar ist die jetzige Beschriftung leicht vergrößert, doch
blieb die Textgestaltung des einstigen Deckblatts erhalten, und das,
obwohl die Abstände zu "Full Score" und "BOOSEY & HAWKES" erheblich
erweitert wurden. Bei dieser Einschätzung spielt übrigens keine Rolle,
daß das Format der "1999er" Leihdirigierpartitur erheblich größer ist
als das der zunächst als Handelsexemplar zur Verfügung gestandenen Erst-
ausgabe der 1967er Fassung.
   Weg 2: Die Beschriftung von der ersten Zeile "IGOR STRAVINSKY" bis
zur Zeile "Full Score" sei (leicht vergrößert) von der Titelseite
der Erstausgabe übernommen worden, die dort vorhandenen Hinweise zum
Korrekturstand "Revised 1947 [/] New Edition 1967" hätte man in diesem
Fall seltsamerweise entfernt. Außerdem wäre der die Originaltitelseite
abschließende Firmenblock gegen das großgedruckte, schlichte "BOOSEY &
HAWKES" des ursprünglichen Deckblatts ausgetauscht worden. Die letztge-
nannte Abänderung ließe sich übrigens in etwa damit zu klären, daß eini-
ge Firmenorte zwingend zu streichen waren, z.B. Bonn, das schon in der
Masterworks-Ausgabe von 1997 wegen des in diesem Jahr erfolgten Stand-
ortwechsels der deutschen Boosey & Hawkes-Filiale nach Berlin nicht mehr
mit dabei war.
   Weg 3: Alle Einzelteile wurden nach Art einer Collage zu einem Ganzen
zusammengesetzt. Diese Arbeitsgangannahme macht allerdings eine Tatsache
sehr fraglich: Die Proportionen der Einzelteile, vor allem in der Ver-
tikalen, zeigen keinerlei Varianten, keinerlei Verschiebung. Daher ist
eher an ganzheitlichere Vorlagen zu denken.  
   Die drei möglichen Wege der Retusche- bzw. Collage-Arbeit sind des-
halb derart bis zur Groteske detailliert ausgemalt worden, weil so das
stumpfe "Bemühen" deutlicher wahrgenommen werden kann, denn es ist ja
wirklich nicht nachvollziehbar, wieso auf der "neuen" Titelseite die
wichtigen Hinweise "Revised 1947 [/] New Edition 1967" oder "Re-
engraved edition 1967" nicht übernommen bzw. ergänzt worden sind.
   Wie man sieht, stellt sich die erstaunte Frage nach dem Grund des
Fehlens ausgerechnet der Angaben zum Korrekturstand nicht nur bei jedem
der ersten beiden "Wege der Retusche", sondern gerade auch bei dem prin-
zipiell möglichen Weg 3 der bloßen Zusammenstellung (Abbildungen zur
Erstausgabe der 1967er Dirigierpartitur, Deckblatt und Titelseite siehe
unter Abbildungen; zur Diskussion der Auslassung des Bezugs auf den
Russischen Musikverlag, die Édition Russe de Musique, siehe weiter
oben).
   Zur Seite [II]: Sie ist eine unveränderte Wiedergabe der Seite [II]
der Erstausgabe, d.h., es blieb die doppelspaltige englisch-französische
Auflistung der Teile- und Szenentitel ebenso unangetast wie die italie-
nische Besetzungsaufstellung ("ORCHESTRA") samt ihrer Doppelfußnote in
englischer und französischer Sprache. Nicht übernommen wurde somit die
sprachliche Entwicklung in den Taschenpartituren der 1980er Jahre und
der Masterworks Library-Ausgabe von 1997 - und damit zusammenhängend
auch nicht die zunehmende Verdeutlichung der Hinwendung zur Vorherr-
schaft der englischen Sprache (Stichwort: fortschreitende Anglisierung).
   Es sollte noch ergänzt werden, daß, abgesehen vom ausgewechselten
Copyright-Block, auch die erste Notenseite mit derjenigen des Erstdrucks
identisch ist, daß also auch die Seitenzählung mit "1" beginnt, denn es
"fehlt" der z.B. in den Taschenpartituren der 1980er Jahre die Zahl ver-
drängende Kasten "IMPORTANT NOTICE" (mit dem Hinweis auf Beachtung des
Copyright). Doch die Verwendung des Kastens scheint sowieso keine allzu
starre, drucktechnisch komplett festverbundene Vorlagenänderung zu sein,
wie Dirigierpartiturausgaben aus der Zeit um 1990 und auch die seit 1997
erschienenen Masterworks Library-Auflagen zeigen, denn in ihnen ist der
Kasten nicht wie in Taschenpartituren rechts, sondern links vom Titel
einmontiert worden (zum Kasten siehe später nähere Ausführungen und eine
Übersicht zum Vorkommen).
   Schließlich vernachlässige man auch folgendes Detail nicht: Auf der
letzten Notenseite unten ist - anders als in der Erstausgabe - kein
Druckvermerk vorhanden, was bedeutet, daß davon auszugehen ist, daß
hier bei dieser Ausgabe von der Seite [II] bis zur Seite 153 wahrschein-
lich die gleiche oder eine ähnliche Druckssachlage gegeben ist wie etwa
in dem direkt auf die Erstausgabe folgenden Nachruck (siehe die Diskus-
sion an anderem Ort).

   2) Zur zweiten 2009 angelieferten Leihdirigierpartitur: Ist schon
manches an der Partitur "13 DEC 1999" (ET135) seltsam, so kann man bei
der nachfolgend dargestellten "Fertigung", Lagernummer B101, nur ins
Sich-Wundern geraten angesichts der Widersprüche, die sich bei der Prü-
fung des äußeren Layouts dieser Leihpartitur auftun, deren Herstellung
oder Ausgabe nach bisheriger Kenntnis in die Zeit zwischen ca. 2000 und
2009 einzuordnen ist. Zweifellos ein großer Datierungsspielraum, aber
dessen Vagheit dürfte noch nicht einmal einen Bruchteil der ganzen
Nebelartigkeit dieser Partiturexistenz andeuten.
   Zunächst ist festzuhalten, daß die Sacre-Partitur von der äußeren Ge-
staltung her eigentlich zur spiralgebundenen hellblauen Serie gehört,
die, von den gesammelten Unterlagen her geurteilt, um 2000 auftaucht. Ob
allerdings diese Partitur wirklich schon in dieser Zeit bestanden haben
könnte, dazu gibt es leider überhaupt keine Anhaltspunkte, dokumentiert
ist, wie gesagt, nur, daß sie für das oben genannte, im Juni 2009 ver-
anstaltete Konzert ausgeliehen worden war (zusammen mit der zuvor be-
sprochenen Dirigierpartitur).
   Zu den grundlegenden Tatsachen gehört auch, daß die Spiralbindung
weiß ist. Dies gibt der Datierungsschätzung den gerade erwähnten Finger-
zeig in Richtung Herstellung sicherlich nicht vor 2000. Ganz aus dem
Rahmen fällt im Vergleich zu neueren Leihdirigierpartituren allerdings
ihre relative Kleinheit: ca. 25,3 x 34 cm. Dafür sind im Sacre-Leihma-
terialbereich derzeit keine Vergleichsmöglichkeiten zur Hand. Doch
stimmt die Größe in etwa mit derjenigen der Handelsexemplare überein,
allerdings fehlen in Höhe und Breite noch rund 1,5 cm. (Beachte: Unter
drei hellblauen Petruschka-Leihpartituren mit weißer Spiralbindung, an-
geliefert im Juni 2017, hatte eine davon allerdings auch in etwa die
(kleine) Größe der hier besprochenen Sacre-Partitur, Näheres bei Ge-
legenheit.)
   Die Bedruckung der Titelseite und des hellblauen Deckblatts aus dün-
nem Karton ist identisch. Aber eigentlich läßt sich die Sachlage etwas
genauer fassen: Das Vorhandesein auf dem Deckblatt u.a. des Untertitels
und der vollständigen Firmenpartie (mit Logo, Ortezeile usw.) zeigt auf
Grund der Erfahrung in diesen Dingen unmißverständlich, daß die gesamte
Titelseite die Vorlage für die Bedruckung des Deckblatts abgab. Und das
ist nun im Bereich der (Sacre-)Dirigierpartituren eigentlich eine Neue-
rung, der man im Übrigen später in ähnlicher Form wiederbegegnen wird
(siehe oben Leihdirigierpartitur [2012]).
   Das Deckblatt weist den "MIETMATERIAL"-Aufkleber und den hellroten
Stempel B101 auf. Irgendeine Annonce, z.B. auf Seite [154], hat die
Partitur nicht; derlei wird man allerdings bei speziell für den Leih-
verkehr erstellten Dirigierpartituren der neueren Zeit auch nur sehr
selten antreffen (wenn überhaupt).
   Da nun Leihpartituren in der Regel sehr zeitig angeliefert werden,
liegt nahe, davon ausgehen, daß die hier zur Debatte stehende Sacre-
Partitur schon spätestens Ende 2008 existiert haben muß. Besser ist
aber, damit Unbestimmtheiten nicht Überhand nehmen, als jüngste effek-
tive Begrenzung 2009 stehen zu lassen. Zudem wird auch gleich gewahr
werden, daß bei Versuchen Anhaltspunkte für eine Datierung zu finden,
die Vorspannseiten, insbesondere die Titelseite und auch die erste so-
wie die letzte Notenseite ein gewichtiges Wörtchen mitreden werden; da-
nach nämlich scheint die Partitur erheblich älter zu sein - oder kon-
kret formuliert: Es scheint einen ursprüngliche Druck zu geben. Das ist
zu erörtern, und dabei wird zusätzlich in heikles Problem auftauchen,
man wird es mit der berühmt-berüchtigten Frage zu tun bekommen: Was war
zuerst da, Henne oder Ei? 
   Mit anderen Worten: Nicht nur die Datierung der Partitur schillert -
man wird sehen: Auch die Erstellung an sich gibt Rätsel auf, und das
heißt schließlich, die "Identität" dieser Leihpartitur wird nicht leicht
zu erschließen sein, jedenfalls kaum auf den ersten Blick, und außerdem
sollte man sich, soweit das "Innere" zwischen den Deckblättern betroffen
ist, von der scheinbaren Gleichheit dieser Dirigierpartitur mit frühen
Taschenpartituren (der 1980er Jahre) nicht täuschen lassen: Auch wenn es
zunächst einen anderen Anschein haben mag, diese Dirigierpartitur mit
ihren drei Vorspannblättern bildete eher NICHT die Vorlage für die be-
treffenden kleinen Partituren, deren Vorspann damals auf drei Blätter
ausgedehnt worden war (Einzelheiten zu den Taschenpartiturgenerationen
und zur Ersteditionslinie der Dirigierpartitur siehe sowohl zuvor wie
auch später).
   Drei ganz unscheinbare, leicht übersehbare Details machen aber doch
eine Spur von der "wahren Identität" dieser Leihpartitur deutlich, die
zunächst durchaus den Eindruck einer gewissen Eigenständigkeit erweckt
und deren "Inneres", das wird sich zeigen, trotz ihres hellblauen Ge-
wands in die erste Hälfte der 1990er Jahre gehört. Beachte hierbei:
Diese chronologische Einordnung betrifft, wie gesagt, nur das "Innere"
der Partitur, auch ist die getroffene Einschätzung mangels eines
datierenden Druckvermerks nur als vorläufig anzusehen.
   Zu den Einzelheiten: Bis auf eine geringfügige Änderung am Boosey &
Hawkes-Logo auf der Titelseite (siehe unten) sind der gesamte Vorspann
und die erste Notenseite mit den entsprechenden Seiten der 1980 oder
kurz darauf erschienenen neuen Ausgabe der Taschenpartitur druckiden-
tisch. Im Vorspann betrifft diese Aussage also die Titelseite (= Seite
[I]), die Inhaltsseiten [II] (englisch), [III] (französisch) und die
Orchesterseite [V] ("Instrumentation", darüber erstmals wiedergegeben,
als Seitenkopf, die Uraufführungsdaten); die Verso-Seiten [IV] und [VI]
sind unbedruckt. Die Bedruckungen für die Taschenpartitur waren ein Neu-
satz und die Titelseite erhielt dabei als Boosey & Hawkes-Logo das ge-
kurvte, in dieser Arbeit als "Schalenlogo" bezeichnete; in Gebrauch war
es offenbar bis Mitte der 1990er Jahre (Näheres zur Datierung der Ta-
schenpartiturentwickung findet man in den späteren Tabellen; dort wird
auch deutlich, die bislang erste Ausgabe der neuen Layout-Konzeption war
offenbar die Partitur, die in den Tabellen unter dem Datierungssigel
"1981/n (7/78)" verzeichnet ist).
   Auch hat die erste Notenseite der B101 - dem gerade angesprochenen
neuen Taschenpartiturentyp gemäß - nicht die Seitenzahl "1", weil an
deren Stelle der Kasten der Copyright-Warnung "IMPORTANT NOTICE" steht.
Diese Einmontage ist übrigens in der Taschenpartiturlinie noch eine Spur
älter, sie taucht nämlich, wie schon angedeutet, zum ersten Mal Ende der
1970er Jahre auf, und zwar im wohl letzten Druck der ersten Layout-Gene-
ration (dieser Druck hat eine mit "5/78" oder "7/78" datierte Verlags-
annonce, vgl. dazu später die Informationen in den Tabellen).
   Ein überaus wichtiges, herkunft- bzw. verwandtschaftklärendes Detail
ist der Copyright-Block auf der Seite [1]. Die Form in der Leihpartitur
ist aber nicht schon die zu erwartende neue Zeile, die in den Sacre-Par-
tituren seit 1997 existiert, sondern es ist der alte Rechtsblock, den
schon die 1967er Erstausgabe der Dirigierpartitur hat und der in den
Partituren offenbar bis vor 1997 galt - übrigens, geschichtlich rück-
wärts gesehen, wortwörtlich identisch schon in Partiturdrucken davor,
nämlich seit 1965, sowohl in der Taschenpartitur als auch in der 1965er
Dirigierpartitur ("Reprinted with corrections 1965"), verwendet worden
war, wenn auch in einem anderen Drucksatz (Einzelheiten zur Taschenpar-
titur der 1980er Jahre und der Jahre davor sowie zur 1965er Dirigier-
partitur entnehme man speziellen Beschreibungen an anderen Orten).
   Zu Firmenlogo und Ortsangaben auf Deckblatt und Titelseite: Der Fir-
menangabenteil, bestehend aus Logo und Auflistung der Firmensitze, ist
in der Taschenpartitur der 1980er Jahre offenbar immer ganz gleich, wo-
bei die Ortezusammenstellung schon mindestens seit Anfang der 1960er
Jahre keine Änderung erfuhr.
   Um 1990 allerdings kommt es zu einer Änderung, die aber vielleicht
nur bei genauerem Hinsehen auffällt. Denn es ändert sich zwar nicht das
Logo selbst, es ändert sich Einiges in der Ortsangabenzeile. Diese Sach-
lage nun ist für Arbeiten an dem chronologischen Einordnungversuch be-
züglich der hier zur Debatte stehenden Dirigierpartitur sehr von Bedeu-
tung, und deshalb soll dazu nachfolgend eine kurze Ausführung angeboten
werden:
   Wie unten die Abbbildung des Logos der Dirigierpartitur zeigt, stehen
unter dem eigentlichen Logo, dem perspektivisch dargestellten Namenszug
BOOSEY & HAWKES (mit stilisiertem "e[t]"), zwei Zeilen, wobei sich die
zweite von der in den vergleichbaren Taschenausgaben - also jenen mit
diesem Logo - leicht unterscheidet, das heißt konkret, die Aufzählung
der Firmensitze ist, wie nachfolgend die Aufstellung zeigt, nicht
gleich. So ist in der Dirigierpartitur Paris und Johannesburg entfallen,
ergänzt wurde Tokyo, zudem unterscheidet sich auch die Reihenfolge der
Sitze. Für all das mußte neu gesetzt werden, wobei man jeweils die erste
der beiden Zeilen gleich miteinbezog (= engere Leerstellen). Nun ist für
den Versuch der Einsammlung von Datierungsannäherungen besonders mar-
kant, daß Bonn in der Filialenaufzählung noch enthalten ist. Da aber
Boosey & Hawkes Deutschland 1997 nach Berlin zog und in der im Februar
1997 herausgegebenen Masterworks-Ausgabe der Sacre-Partitur bei der
Firmenangabe unter dem neuen, &-betonten (heute noch verwendeten)
BOOSEY & HAWKES-Logo Berlin statt Bonn angegeben ist, ergibt sich somit
eine ungefähre Enddatierungsgrenze, nämlich 1997, allerdings bezogen
auf den Druck der Masterworks-Ausgabe eher 1996 (siehe hierzu oben unter
Masterworks-Ausgabe).
   Die betreffenden Firmensitzangaben im Überblick (siehe hierzu auch
eine frühere Aufstellung):

   Taschenpartituren mit Annonce 5/83 (1983/n) {*1}:

      LONDON PARIS BONN JOHANNESBURG SYDNEY TORONTO NEW YORK

   Taschenpartituren mit Annonce 4/87 (Druck A, Druck B) {*1}:

      A) LONDON PARIS BONN JOHANNESBURG SYDNEY TORONTO NEW YORK

      B) LONDON NEW YORK BONN GOTHENBURG SYDNEY TOKYO TORONTO {*2}

   Leihpartitur "ca. 1992" (der Erstausgabenlinie, "Auslaufmodell"):

      London · New York · Bonn · Sydney · Tokyo

   Leihpartitur "ca. 2000/2009":

      LONDON NEW YORK BONN SYDNEY TOKYO TORONTO

   Masterworks-Partitur 1997 {*3}:

      London · New York · Berlin · Sydney

   {*1} Einzelheiten zu 1983/n und Druck A = 1987/n, Druck B = 1987/n+
   siehe in der Tabellenabteilung.

   {*2} Auch hier ist die erste der beiden Zeilen unter dem Logo
   ein Neusatz (= engere Leerstellen) und dieser entspricht auch
   dem der Zeile in der Leihdirigierpartitur.

   {*3} Nur ganz frühe Drucke, vielleicht sogar nur der Erst- und der
   Zweitdruck, haben diese Zeile mit Verlagsorten, spätere Nachdrucke
   weisen stattdessen www.boosey.com auf (siehe gesondertes Kapitel).

             =====================================
             Abbildungen zum Logo, in Vorbereitung
             =====================================

   Ein weiteres Indiz, das die Datierung der Partitur mit der ersten
Hälfte der 1990er Jahre in Verbindung bringt, ist der Druckvermerk
"Printed by [/] Halstan & Co. Ltd., Amersham, Bucks., England" auf der
letzten Notenseite. Bis in die 1970er Jahre hinein waren Druck- und
Datierungsvermerke, auch wenn sie nicht in jedem Einzelfall vorhanden
waren, für Boosey & Hawkes charkakteristische Identifikationsdetails.
Sie zeugen für verlegerisch verantwortungsvolle Informationsbereit-
schaft. Doch nach und nach schlief diese Praxis ein. Der letztbekannte
Druckvermerk in einer Sacre-Partitur ist BHMP 7/78 (siehe später die
Tabelle). Und somit fällt in diesem Fall der zitierte Druckernachweis
durchaus als eine Besonderheit auf, zumal solche bloßen (= undatierten)
Druckernachweise ohnehin selten anzutreffen sind. Bis jetzt (Stand Juni
1917) ist jedenfalls ein solcher Druckernachweis, wie der hier zitierte
der Firma Halstan & Co, in einer Sacre-Partitur erst in der 1997 ver-
öffentlichten Masterworks-Ausgabe aufgetaucht ("Printed and bound in
England by Halstan & Co. Ltd., Amersham, Bucks."), und zwar steht er
dort auf der Vorspannseite [II] (die Angabe "and bound" ist ein in
dieser Ausgabe neues Detail, jedenfalls ist es bislang in keiner
anderen Sacre-Partitur angetroffen worden).
   Es sei an dieser Stelle noch auf ein anderes unscheinbares Detail
hingewiesen. Wie berichtet, war für das Frontblatt (das vordere Deck-
blatt) und die Titelseite dieser rätselhaften Leihpartitur die gleiche
Vorlage verwendet worden, im Fall des Deckblatts gedruckt auf leichtem
hellblauem Karton. Diese "Urvorlage" aber ist eigentlich die Titelseite
der Taschenpartitur-Serie der 1980er Jahre, wobei selbstverständlich
darauf geachtet worden war, weder auf Deckblatt noch Titelseite den Hin-
weis "HPS 638" stehen zu lassen (HPS = Hawkes Pocket Scores).
   Allerdings stellt sich die Frage, wenn schon hierbei retuschiert wur-
de, warum hat man sich nicht die Mühe gemacht, im gleichen Arbeitsgang
die Korrekturstandsangaben, wie sie auf der Ttitelseite älterer Diri-
gierpartituren - der Erstausgabenline - einzusetzen bzw. zu ergänzen.
Denn das in musikalischer Hinsicht nichtssagende "Re-engraved edition
1967" der Taschenpartitur {*1} hätte durchaus eine Erläuterung vertragen
können, wie sie übrigens, allerdings klein gedruckt und fast versteckt,
die erste Notenseite ja durchaus hat (sachlich ausreichend ist diese
Erläuterung jedoch auch nicht).

   {*1} Hinweis in der Leihpartitur in gerader, nicht kursiver Schrift.
   Position und Satz wie in den Taschenpartituren der 1980er Jahre.
   Wechsel des Schriftsatzes im Zusammenhang mit dem Neusatz der Ta-
   schenpartiturtitelseite um 1980 (siehe gesonderte Kapitel), wobei
   "um 1980" für die Datierung der Erstellung der Leihpartititur leider
   keinen weiterführenden Beitrag leistet.

   Aufgrund der auffälligen Verwandtschaft des Layouts der Partitur mit
dem der Taschenpartitur der 1980er Jahre kommt fast wie von selbst auch
die Frage auf, ob es nicht in den 1980er Jahren eine neue Ausgabe der
Dirigierpartitur gegeben haben könnte. Natürlich ist das nicht nur mög-
lich, es ist sogar sehr wahrscheinlich, wie im Kapitel zum vorläufig auf
ca. 1988 datierten Handelsexemplar hervorgeht (siehe später). Nur: Die-
ser Druck gehört der sogenannten Erstausgabenlinie an, hat also nicht
die äußere Gestaltung der Taschenpartituren der 1980er Jahre ("Schalen-
logo", sechs Vorspannseiten usw.). Die Frage müßte sich also wohl eher
auf die frühen 1990er Jahre beziehen, denn aller Wahrscheinlichkeit nach
gab es auch hier, wie von der Leihpartitur B 114 (hier: B114) abgeleitet
wurde (siehe andernorts), eine Dirigierpartiturendruck, doch auch dieser
gehört der Erstausgabenlinie an, mit kleinen Änderungen allerdings.
   Dirigierpartitur und Taschenpartitur der 1967er Fassung sind also
nicht kongruent. Dazu eine Bemerkung, die die angesprochene Frage be-
trifft, was war zuerst da, Henne oder Ei: In der Regel wird die Taschen-
partitur als eine Verkleinerung der Dirigierpartitur darstellt, denn im
allgemeinen Verständnis wird ja die große Partitur sozusagen als die
"Master-Ausgabe" erstellt und als solche auch angesehen. Doch Anzeichen,
die hier in diese Richtung deuten könnten, die eine solche Verwandt-
schaft uneingeschränkt bewiesen, fehlen bislang. Somit scheint bei der
1967er Partitur eine ähnliche Situation zu herrschen wie bei der Vor-
gängeredition, der 1948er Partitur: Dirigierpartitur und Taschenpartitur
folgen, zumnidest soweit editorische Elemnet betroffen sind, einer ge-
wissen Eingenständigkeit.
   Es wurde in den 1980er Jahren leider nur eine einzige Leihdirigier-
partitur angetroffen, das war 1983. Und diese Partitur war ein Exemplar,
das der Erstausgabenlinie von 1967 angehörte. Natürlich waren seit die-
ser Zeit neue Leihexemplare nötig, aber bis in die 1990er Jahre hinein
wurde offenbar immer auf diese Erstausgabenlinie zurückgegriffen. Erst
später, Ende der 1990er Jahre, tauchte dann das Layout einer Taschenpar-
titur auf, warum überhaupt, das ist die Frage, das ist schon einiger-
maßen erstaunlich, eigentlich ist es verwirrend.
   Wie auch immer, festzuhalten gilt: Es scheint eine Taschenpartitur-
vorlage (der Art vor 1997) für die Erstellung einer (mutmaßlich jünge-
ren) Leihpartiturausgabe verwendet worden zu sein - und das dürfte eine
der sonderbaren Erkenntnisse sein, die sich aus den Beobachtungen ab-
leiten lassen. Ob es noch ähnliche solcher Fälle gibt, bleibt abzuwar-
ten.
   Ein besonderes Problem bei diesen Verfahren sollte immer mit bedacht
werden, inwieweit nämlich zwischen Notentext und äußerem Layout zu un-
terscheiden ist. Man unterschätze diese Beurteilung der Lage nicht. Ist
der Notentext mit dem Format eng gekoppelt, wie das bei der alten Aus-
gabe von 1948 zunächst der Fall war, dann wäre nämlich im Grunde in der
Sachlage der 1967er Fassung zumindest die Aussage versteckt, daß bei
Boosey & Hawkes im Verlagsgeschehen bezüglich der neuen, der 1967er
Sacre-Partitur angesichts des bisher angetroffenen Mischmaschs an Vor-
lagen für Leihpartituren offenbar nicht mit der Möglichkeit gerechnet
wird, es könnten Notentextkorrekturen vorgekommen sein (oder überhaupt
vorkommen).
   Von diesen Gedanken kann auch eine weitere Vermutung abgeleitet wer-
den: Daß nämlich zur Erstellung dieser zur Debatte stehenden Leihparti-
tur nicht nur eine leicht angepaßte Taschenpartiturvorlage diente, son-
dern daß es in der ersten Hälfte der 1990er Jahre faktisch und real
einen solchen Taschenpartiturdruck gegeben haben könnte, der die direkte
Vorlage für diese Leihdirigierpartitur abgegeben habe. Genau das aber
würde auch bedeuten, daß es noch einen neueren Taschenpartiturdruck
gäbe, der bislang noch nicht angetroffen wurde. In der Tabellenabteilung
weiter unten ist jedenfalls diese Möglichkeit berücksichtigt worden.
   Gerade angesichts des Auftauchens von Layout-Elementen, die eindeutig
aus dem Taschenpartiturbereich herrühren, stellt sich natürlich immer
wieder die Frage nach dem Grund. Vermutlich hängt das mit dem Ansteigen
des massenhaften Konsums des Sacre zusammenen. Es scheint die Nachfrage
nach Partituren gewachsen zu sein, so daß an Leihpartituren hergestellt
bzw. gedruckt wird, was das Zeug hält. Man könnte meinen, man hätte wie
blind in die Regale greifen zu müssen, und was immer man dabei heraus-
fischte, wurde zur Vorlage für Leihpartiturenauflagen. So der Eindruck,
doch ganz so wird es doch hoffentlich nicht abgelaufen sein. 
   Le Sacre du Printemps hat in den letzten Jahren eine unglaubliche
Erfolgsgeschichte erlebt. In der Tat, bis in die 1980er hinein war es
noch nicht ein solches Boom-Werk. Doch dürfte es heute kaum ein Sinfo-
nieorchester geben, das vor den vermeintlichen Schwierigkeiten des Sacre
zutiefst erschauert. Wären die eminenten Kosten nicht, würde das Schlag-
werk- und Eins-abhängige Werk in unserer rhythmus-, aber auch staccato-
verhexten Epoche wahrscheinlich überall zum üblichen Standardprogramm
gehören. Insbesondere an Hochschulen, die übrigens sehr oft in ihren
Bibliotheken gekaufte Partituren anbieten können.
   Eigentlich wundert das rasante Anwachsen der Menge an Leihpartituren:
Denn es ist seit Jahrzehnten immer mehr Usus geworden, daß sich Dirigen-
ten eigene Partituren zulegen, was bedeutet, daß die im Leihmaterial
mitgelieferten Partituren nicht nur geschont werden, sondern demnach
auch der Ersatzbedarf geringer werden müßte.
   Zur Schonung aus ehemaliger deutscher Sicht noch eine Bemerkung: So-
weit die einstige Ausleihzentrale Bonn betroffen war, legte man dort
einst auf strapazierfähige Einbindearbeiten Wert, was den Verschleiß und
wohl schon damals die Nachfrage nach neuen Auflagen eindämmte. Die er-
wähnte, 1983 angetroffene Leihpartitur gehörte zum Beispiel dieser Kate-
gorie an. Sie hatte wie die schon dargestellte Partitur der Pulcinella-
Suite einen blauen, soliden Kartoneinband (Abbildung zur blauen Karton-
serie siehe Pulcinella-Suite, zur Beschreibung der 1967er Erstausgabe
siehe u.a. oben unter Vorspannseiten, unten unter der Besprechung der
ersten Notenseite).
   Eines sollte hier noch nebenbei, aber doch betont, erwähnt werden.
Es gehört zur hier vielfach erhobenen Kritik an der oft laxen Titelver-
gabe, das heißt, an der seltsamen Vorstellung, der Werktitel des Sacre
hätte einen Beliebigkeitscharakter: Diese eben angesprochene, für eine
Produktion in den Monaten April und Mai 1983 zusammen mit Stimmenmateri-
al ausgelieferte Leihpartitur eines Erstausgabennachdruckts hatte ein
auf dem Ersatzeinband aufgeklebtes Etikett, dessen "deutsche" Aufschrift
(per Schreibmaschine) entgegen der dicken Überschrift der Titelseite
nicht den Titel The Rite of Spring aufwies, sondern einzig und ALLEIN
Le Sacre du Printemps (Weiteres siehe Kapitel "Einbände", in Vorberei-
tung).

   3) Editorische Belange betreffend, tauchen staunende Fragen auch auf
bei der bereits genannten, für eine Rundfunkkonzertproduktion im Mai/
Juni 2017 angelieferten Leihpartitur SET55 (Einzelheiten zur Produktion
siehe weiter oben).
   Die Partitur ist eng mit der Leihpartitur "13 DEC 1999" verwandt.
Konkret heißt das, abgesehen von den Deckblättern sind die Seiten mit
editorisch kritischen Inhalten, also die Seiten [I] und [II] sowie die
ersten und letzten Notenseiten bis auf eine minimale, aber bemerkens-
werte Ausnahme identisch. Zur Ausnahme: In der Partitur "13 DEC 1999"
ist der auf der ersten Notenseite befindliche, ursprünglich dreizeilige
Copyright-Block gegen nur eine Zeile, die neugesetzte Zeile "© Copyright
1912, 1921 by Hawkes & Son (London) Ltd" ausgetauscht worden. Nun hat
zwar auch die Partitur SET55 nur diese eine Zeile, doch sind von der
retuschierenden Abdeckung des urspünglichen Blocks Reste stehen geblie-
ben, ja, man kann sogar noch von dem Teil der einstigen zweiten Zeile
"[...] for all countries" das "for" entziffern. Dagegen ist die Zeile
in der Partitur "13 DEC 1999" eine fehlerfreie Retusche, ein sauberer
Druck.
   Die obigen Ausführungen zur möglichen Entstehung der Titelseite der
Partitur "13 DEC 1999" gelten natürlich auch hier für die Partitur
SET55, und nebenbei sei noch vermerkt, daß auf der erste Notenseite der
Partitur SET55 wie eben auch auf derjenigen der Partitur "13 DEC 1999"
der Kasten "IMPORTANT NOTICE" nicht vorhanden ist, und den im übrigen
auch der jüngste Leihpartiturdruck von spätestens 2012 nicht aufweist
(alles ganz im Gegensatz zur Taschenpartitur, wo er etwa um 1980 herum
eingeführt worden war, außerdem auch im Gegensatz zur Ausgabe der 1997
eröffneten Reihe "The Masterworks Library", die den Hinweiskasten eben-
falls hat, allerdings nicht rechts, sondern links, siehe andernorts).
   Beachte: Auch die eben genannte Edition von spätestens 2012 hat nur
eine einzige Copyright-Zeile, wobei bei deren Erstellung ebenfalls Reste
der Retusche stehen geblieben waren (siehe andernorts, auch die Abbil-
dung dort). Doch sind diese Reste von anderer Art als diejenigen in der
Partitur SET55. Hier liegen also eindeutig unterschiedliche Zuberei-
tungsvorgänge vor. Weitere Aussagen dazu sind derzeit nicht möglich,
aber daß dieser Befund zumindest eine Merkwürdigkeit darstellt, sollte
nicht in Vergessenheit geraten.
   Die 2017 ausgeliehene Partitur SET55 scheint also eine Vorläuferin
der hellblauen Serie zu sein, aber schon dem neueren Trend entsprechend,
mit weißer Ringbindung. Das hintere Deckblatt ist, wie bei der jüngeren
Art der Leihpartituren üblich, unbedruckt. Die Maße stimmen mit der mit-
gelieferten, rundum "modernen" Ausgabe A181 überein (ca. 29,6 x 41,6
cm). Doch hat das vordere Deckblatt keine Bedruckung, sondern ein aufge-
klebtes, bedrucktes Etikett mit dem seit den 1990er Jahren verwendeten
Boosey & Hawkes-Schriftzug bzw. -Logo. Die Bedruckung ist nicht ganz
korrekt, es fehlt vor "RITE OF SPRING" das "THE". Auch wurde "New
edition 1967" nicht berücksichtigt, dafür aber "(revised 1947)", und
angegeben ist auch, daß es sich um eine "Full Score" handelt (um was
sonst?). "SET55" (ohne Leerstelle) ist auf dem Etikett rot aufgestem-
pelt.
   Zur Datierungsfrage kann nichts Stichhaltiges beigetragen werden: Die
Partitur macht teils den Eindruck eines neueren Produkts (2000 bis 2010
oder jünger), teils trüben aber ältere Details dieses Bild.

Dirigierpartitur 1967, Handelsexemplare 4., 5. Auflage?, 1983?, 1988?

   Wenn sich ein Nachdruck, eine neue Auflage, um nichts, um es zu beto-
nen: um absolut nichts, von einer Vorgängerauflage unterscheidet, ist es
natürlich unmöglich, von außen eine solche Auflage zu bestimmen und so-
mit irgendeine spezifizierende Beschreibung oder Benennung anbieten zu
können. Ja, selbst etwaige Verlagsstatistiken hauchen einer solchen Auf-
lage kein "Eigenwesen" ein. Sie ist und bleibt nicht nur anonym, sie ist
für die dokumentarische Forschung unbestimmbar, ungreifbar, sie ist so
etwas wie inexistent, also so etwas wie schlicht und einfach nicht vor-
handen.
   Solche nüchternen, analytischen Sätze lassen beunruhigende Folgen für
die in dieser Arbeit betriebene Darstellung dokumentarischer Forschung
erahnen. Denn wenn hier Auflagen benannt werden, dann haben sie natür-
lich auch Unterschiede. Und somit ergibt sich dabei automatisch oder zu-
mindest versuchsweise eine Rangfolge, wie 1., 2. und 3. Auflage. Das
heißt aber nicht, daß es zwischendrin nicht zusätzlich weitere, eben un-
bestimmbare Drucke gegeben haben mag. Insofern ist also eine Durchzäh-
lung, wie sie beispielsweise hier bei der Dirigierpartitur als sinnvoll
erachtet wird, ein zwar auf beschreibbaren Tatsachen gegründetes Verfah-
ren, aber den theoretischen (unter Umständen sogar irreführenden) Cha-
rakter wird ein solches Unternehmen dennoch nicht los, und deshalb soll-
te man solch eine Überlegung zur Sachlage - gerade in diesem Kapitel -
auf keinen Fall aus den Augen verlieren.
   Es werden im Folgenden drei Partiturexemplare vorgestellt; sie gehö-
ren ohne jeden Zweifel zur Erstausgabenlinie der 1967er Dirigierpartitur
(siehe andernorts) und sind als solche mit der äußeren Gestaltung der
direkten Nachdruckebene der Erstausgabe, also mit der jeweiligen Vor-
gänger- bzw. Vorvorgängerpartitur dieser drei Exemplare, im einen Fall
womöglich völlig identisch, in den beiden anderen Fällen aber ganz klar
nicht identisch, die Unterschiede allerdings, die die beiden letztge-
nannten Exemplare in der Tat aufweisen, sind ausgesprochen minimale
Details, aber sie existieren nun mal und lassen zeitlich sogar, wenn
auch nur grob, eine Einreihung zu.
   Zwei der in diesem Kapitel behandelten Partituren gehören einer Mu-
sikhochschulbibliothek. Und eines gleich vorweg: Gerade bei einer der
beiden muß die dieses Kapitel einleitende Warnung vor der möglichen Un-
bestimmbarkeit von Drucken ganz besonders im Augenmerk bleiben.
   Von den Inventarnummern her zu urteilen, wurden offenbar diese beiden
zuvor genannten Hochschul-Partituren 1984 zusammen erworben bzw. erfaßt.
Bibliographisch gesehen, sind sie aber leider nicht mehr ganz komplett:
Sie haben spezielle Bibliothekseinbände, und hierfür wurden die origina-
len Einbände entfernt. Aber es ist dennoch klar zu erkennen, sie gehö-
ren, wie schon gesagt, zur Erstausgabenlinie und waren natürlich Han-
delsexemplare. Im jetzigen Zustand unterscheiden sie sich, soweit das
äußere Layout betroffen ist, zumindest durch ein unscheinbares, aber
dennoch prägnantes Detail: Der auf der ersten Notenseite (S. 1) um 1980
in den Taschenpartituren eingeführte Kasten "IMPORTANT NOTICE", ist bei
dem einen Exemplar vorhanden, bei dem andern nicht. Hier liegt also
wahrscheinlich der Umstand vor, daß in einem händlerischen Zwischensta-
dium zur gleichen Zeit zwei Partituren unterschiedlicher Auflage über
den Ladentisch gingen: eine, wie unten zu zeigen versucht wird, der mut-
maßlich zweiten oder dritten und eine der mutmaßlich vierten Auflage.
   Der Kasten, um den es hier geht, ist rechteckig umrandet und lautet:

                          IMPORTANT NOTICE
                      The unauthorised copying
                     of the whole or any part of
                     this publication is illegal[.]

   Wann genau der um 1980 auf der ersten Notenseite der Taschenpartitu-
ren eingeführte Kasten "IMPORTANT NOTICE" in die Dirigierpartitur kam,
ist unklar. Zu beachten ist: hier befindet er sich, wie bei der nachfol-
gend besprochenen Auflage der Dirigierpartitur auch, links des Titels.
In den Taschenpartituren dagegen ist er rechts aufgedruckt, und das min-
destens noch in den Drucken der Zeit zwischen 1988 und Anfang der 1990er
Jahre; das sind Drucke, die beispielsweise mit einer auf April 1987 da-
tierten Verlagsannonce der Hawkes Pocket Scores ausgestattet sind. Links
vom Titel eingebaut ist der Kasten auch in der seit 1997 veröffentlichen
Edition der Masterworks Library-Serie (siehe andernorts). Aber in die
zeitliche Nähe zu dieser Ausgabe paßt, ganz abgesehen von der erwähnten
Inventarisierungsdatierung, die 1967er Ortezeile des hier zur Debatte
stehenden Dirigierpartiturexemplars in keiner Weise. Nebenbei: Ein Vor-
teil des Abdrucks links vom Titel ist übrigens, daß die Seitenzahl "1"
nicht verdrängt ist.
   Ein kleines Detail könnte für den zeitlichen Einordnungsversuch auch
noch von Bedeutung sein: Bei der Partitur mit dem Kasten auf Seite 1 ist
auf dem Bibliothekseinband die Titelpartie des originalen Einbands als
Ausschnitt aufgeklebt. Die Bedruckung des Titels ist auf dem typisch
gräulich-khakifarbenen Karton hellrot ausgeführt, insofern verrät die-
ser Ausschnitt eine zumindest unmittelbare Nähe zu den, wie vermutet
wird, ersten beiden Nachauflagen der Erstausgabe, denn in späteren
Auflagen wechselt die Bedruckung zu einem dunkleren Rot. Von welchem
der beiden entfernten Einbände aber der Ausschnitt letztlich stammt,
ist natürlich nicht bekannt.
   Um den grundlegenden Stand der Dinge noch einmal zusammengefaßt zu
formulieren: Verglichen mit je einem greifbar vorliegenden Exemplar der
mutmaßlich zweiten und dritten Auflage zeigen die beiden Hochschul-Par-
tituren in ihrem vorgefundenen Zustand, abgesehen von dem Kasten in dem
einen Exemplar, bei den äußeren, editorisch üblicherweise in Betracht
zu ziehenden Details keinen Unterschied: Sie haben keine Druckvermerke,
keine Druckerhinweise, keine Änderungen in ihren Ortezeilen oder im
sonstigen Layout der Titelseite, der Besetzungsseite, der ersten sowie
der letzten Notenseite. Auch ergaben Stichproben im Notentext keine
Unterschiede zur bisher gewohnten Sachlage.
   Aber es existiert doch noch ein Unterscheidungsdetail und zwar ist
das der schon angesprochene Druckfehler, das "ý" in "Koussevitzky", und
in der Tat gibt es das "y" ohne und mit dem vage angedeuteten Accent
aigu. Leider fehlt von der Partitur ohne Kasten der Befund zum "y" (die
Überprüfung wurde bei der Einsicht vergessen, doch wird die Angabe bei
Gelegenheit nachgeliefert). In der Partitur aber mit dem Kopierschutz-
kasten "IMPORTANT NOTICE" weist "Koussevitzky" den Accent aigu-Druckfeh-
ler "ý" auf.
   Zur datierenden Eindordnung: Trotz der bei beiden Partituren vorlie-
genden Unvollständigkeit ist eine ungefähre zeitliche Aussage dennoch
möglich. Zunächst ist die Begrenzung "1984" (Erwerbungs- bzw. Bereit-
stellungsjahr) ein wichtiger Endpunkt. Desweiteren zeigt die Partitur
ohne den Kasten "IMPORTANT NOTICE" gerade durch diese Eigenschaft eine
große Nähe zur mutmaßlich zweiten oder dritten Auflage der Dirigierpar-
titur, die sich wiederum wie auch die Hochschul-Partitur von der ersten
Auflage durch das Fehlen eines Druckvermerks unterscheiden. Es scheint
hier also eine vorläufige Einordnung "zweite oder dritte Auflage", er-
schienen in den 1970er Jahren, ganz angebracht (eine eingegrenztere An-
gabe ist derzeit nicht möglich).
   Für das andere Exemplar, mit Kasten und "ý", soll gegenwärtig die
zeitliche Einstufung "vierte Auflage", um 1983 erschienen, gelten.
   Nebenbei: Die Partitur mit dem Kasten wurde von dem Dirigenten und
Komponisten Michael Gielen benutzt, sie weist zahlreiche, sehr minutiöse
Notate in blau und rot auf, aber keine Korrekturen in der musikalischen
Notation als solcher. Für den Grad der Textsicherheit mag das vorgefun-
dene Fehlen von Korrektureinzeichnungen einen bedeutenden Hinweis abge-
ben. Denn das Gehör Gielens muß phänomenal sein. Dafür ein von diesem
Verfasser erlebtes Konzertgeschehen:
   Vor langer Zeit wurde im Sendesaal des Hessischen Rundfunks in Frank-
furt ein überaus komplexes, für diesen Verfasser kakophon wirkendes
Chorwerk Gielens uraufgeführt. Ungefähr 20 bis 30 Choristen, einjede,
einjeder mit einer Stimmgabel versehen, mußten in dem Tönegewirr und
Klangnebel pausenlos mit Hilfe der Stimmgabel Intervalle erhören und die
entsprechenden (vorgegebenen) Töne und Tonreihen singen. Gielen, im Kon-
zert in der ersten Zuhörerreihe anwesend, entschied dann, daß der Mit-
schnitt der Uraufführung nicht gesendet werden dürfe, weil eine Chori-
stin (irgendwo, irgendwie, irgendwann) "falsch" gesungen hätte. Fazit:
Gielens Gehör gilt jeder Respekt. (Bei Gelegenheit soll den Einzeichnun-
gen Gielens in die genannte Sacre-Partititur der Hochschule nachgegangen
werden.)
   Nun zum dritten in diesem Kapitel zu besprechenden Partiturexemplar:
Es liegt in Privatbesitz vor, ist vollständig und berechtigt zu der der-
zeitigen Annahme, es sei ein Exemplar eines Drucks, der zeitlich nach
den zuvor besprochenen Auflagen einzureihen ist; dieser wird somit vor-
läufig als fünfte Auflage angesehen. Der Zustand des vorliegenden
Exemplars weist keinerlei editorische Einschränkungen auf, es hat die
originale Fadenbindung und ist nicht beschnitten (Maße: 26,5 x 35,4 cm).
   Die Vollständigkeit dieser Partitur ohne jede Einbuße beruhigt den
Editionskundler ungemein, denn trotz der Bibliotheksherkunft ist das
Exemplar, wie gesagt, nicht nur bloß "komplett", es hat glücklicherweise
auch keinen gesonderten, zusätzlichen, also beeinträchtigenden Schutz-
einband. Und somit ist auch der originale Rücken vorhanden und dieser
ist unbedruckt. Da nun auch der Rücken der ebenfalls vollständig vorlie-
genden mutmaßlichen zweiten Auflage unbeschriftet ist, dürfte dieser
Sachverhalt höchstwahrscheinlich auch für die ganze Erstausgabenlinie
der 1967er Partitur gelten, sehr im Unterschied zu den Taschenpartituren
der Hawkes Pocket Series: Sie haben eine Rückenbeschriftung und zwar
unterschiedlicher Art (siehe gesonderte Tabelle).
   Am gräulich-khakifarbenen kartonartigen Einband hat sich nichts ge-
ändert, wobei aber der rote Beschriftungsaufdruck auf beiden Einband-
blättern in einem mittleren Rot gehalten ist, er hat eine Tönung, die
zwischen dem hellen Rot der Vorgängerausgaben und dem dunklen Rot der
nachfolgend beschriebenen Ausgabe liegt. Als einzige Annonce ist auf
dem hinteren Einbanddeckblatt die allbekannte, von früheren Ausgaben,
zum Beispiel der Partitur und des Klavierauszugs, herrührende Boosey
& Hawkes-Werkliste "Igor Stravinsky" abgedruckt (Kennung: "No. 40 [-]
7.65", zu Anzeigen siehe später eine Tabelle).
   Zur Datierung: Zunächst ist festzuhalten, daß diese Auflage, gleich
der zuvor beschriebenen Vorgängerinnen, keinen datierenden Druckvermerk
aufweist, welcher Art auch immer er sein könnte. Und dies ist ein hier
schon oft bemängelter editorischer Informationsverlust, der in krassem
Kontrast steht zur früher geübten Verlagspraxis - eine Unterdrückung
übrigens, die auch am Ende der 1970er Jahre die Sacre-Taschenpartituren
ereilte (beachte: die Datierung der von der alten 1965er Partiturausgabe
übernommenen Annonce, abgedruckt auf dem hinteren Einbanddeckblatt der
revidierten Dirigierpartitur, Details siehe den Absatz zuvor, hilft Da-
tierungsversuchen selbstverständlich nicht weiter).
   Es sollte in diesem Zusammenhang sicherlich erwähnt werden, daß das
vorliegende Exemplar auf der Titelseite Stempel trägt, außer dem Stempel
"WITHDRAWN" (übersetzt: ausgeschieden) auch den der Sussex Institute of
Higher Education Library, den der usprünglichen Besitzerin also. Das
Institut, heute die University of Chichester, trug die aufgestempelte
Bezeichnung von 1977 bis 1995.
   Ein Datumstempel auf der Titelseite lautet 22. 01. ??. "??" steht für
etwas, das auch mit einer Lupe unleserlich ist, könnte aber "89" lauten.
   Gleichzeitig muß noch einmal auf die im Großen und Ganzen mit den
vorausgegangenen Drucken vorliegende Druckgleichheit hingewiesen werden,
und dabei ist zu betonen, daß diese Aussage natürlich auch für die
Titelseite gilt und somit ebenso für die Ortezeile, sie lautet:

   London · Paris · Bonn · Johannesburg · Sydney · Toronto · New York

   Diese Zeile erfuhr, geurteilt aufgrund der Taschenpartiturausgaben
des Sacre und ermittelt anhand deren Druckdatierungen, und falls solche
nicht vorhanden, mit Hilfe deren jeweiliger Annoncen-Datierungen, wohl
erst 1987 oder wahrscheinlicher erst um 1990/1991 eine Änderung (siehe
oben).
   Auf der Titelseite weist übrigens diese Partitur den seltsamen Druck-
fehler nicht auf, den nämlich, daß das "y" in "Koussevitzky" einen kaum
bemerkbaren Accent aigu trägt, der, wie weiter oben z.B. bei der Bespre-
chung der Drittauflagenebene angemerkt, bei den Partituren B und C exi-
stiert und der - obwohl unscheinbar - editorisch so unberedt nicht ist:
Er liefert immerhin einen Fingerzeig bei Datierungsversuchen (vgl. wei-
ter unten die Tabelle).
   Wie schon erwähnt, hat die hier vorgestellte Ausgabe auf der ersten
Notenseite den Kasten "IMPORTANT NOTICE", und zwar ebenfalls wieder
links des Titels. Falls in den Taschenpartituren je eine Verlegung von
rechts nach links stattfand, etwa um 1990 und somit auch bei den
Taschenpartituren die Paginierung "1" nach langer Zeit wieder zum Vor-
schein gekommen ist, dann wäre dieser Vorgang vielleicht ein verwendba-
rer Hinweis für ein wie auch immer geartetes - wiedererwecktes - Verhäl-
tnis der Taschenpartitur zur Dirigierpartitur. Wichtig ist nur bei sol-
chen Beobachtungsversuchen, daß zuvorderst die Zusammensetzung der Orte-
zeilen nicht aus dem Blickwinkel geraten, die Ortezeilen der Partituren
ändern sich jedenfalls um 1990/1991.
   Es sei noch das unscheinbare Detail der Zahl "2693" angefügt, die
unterhalb der "Igor Stravinsky"-Annonce aufgedruckt ist. Ihre Funktion
ist noch nicht klar, aber sie steht sicherlich mit der "2694" in Ver-
bindung, die unter den mit 5/83 und 4/87 (Mai 1983 bzw. April 1987)
datierten Taschenpartitur-Annoncen der Hawkes Pocket Scores aufgedruckt
ist. Überrascht stellt man bei "2693" fest, daß der Abstand der Zahl
zum Annoncen-Text gegenüber demjenigen beim gleichen Text auf der nach-
folgend besprochenen Leihpartitur von ca. 1992, B 114, um 0,5 cm größer
ist. Das erstaunt insofern, als man daraus wohl folgern kann, daß eine
solche Unterschiedlichkeit kaum für eine feste Verbindung zwischen Zahl
und Annoncenvorlage spricht (zu Anzeigen und deren Datierungen siehe
spätere Ausführungen mit einer Tabelle).
   Bis auf Weiteres soll also für die in der Erstausgabenlinie erschie-
nene sogenannte fünfte Auflage der 1967er Dirigierpartitur die Hilfs-
datierung "um 1988" gelten.

Leihdirigierpartitur ca. 1992 - Auslaufmodell

   Die Jahresdatierung "ca. 1992" für die in der Kapitelüberschrift an-
gesprochene Sacre-Leihpartitur ist, wie durch "ca." angedeutet, nur eine
Vermutung, vielleicht ist sie, angesichts des Fehlens jedes direkten
Datierungshinweises, sogar eine gewagte Vermutung, doch die nachfolgen-
den Ausführungen hierzu werden zeigen, daß die Angabe so falsch nicht
sein wird, jedenfalls ist sie eine Einschätzung, für die eine ganze
Reihe von Quellen als Datenlieferanten genutzt wurde. Und um das auch
gleich noch vorweg anzufügen: Diese Edition dürfte, wie die neuere Leih-
partitur-Entwicklung zeigt, in diesem Bereich wahrscheinlich eine der
letzten ihrer Art gewesen sein.
   Die Partitur war im August 2016 für eine im Mai/Juni 2017 angesetzte
Produktion des Hessischen Rundfunks ausgeliefert worden, und zwar an das
Notenarchiv dieser Sendeanstalt, das für solche Leihmateriallieferungen
die Adressatin ist. Das Stimmenmaterial dazu war noch nicht mitgeliefert
worden, es folgt einer solchen im Voraus gelieferten Partitur im Allge-
meinen einige Monate später (hierzu siehe unten).
   Das Äußere des eingesehenen Partiturexemplars ließ, rein ausgaben-
kundlich gesehen, sofort ein großes Plus gewahr werden, es war ein
Handelsexemplar der Erstausgabenlinie und, wie die zuvor beschriebene
Partitur, unbeschnitten, und so können auch zu seinem Format genaue
Daten geliefert werden: 26,6 x 35,5 cm (es sollte allerdings bei sol-
chen "genauen" Angaben immer "ca." hinzugedacht werden, zumal hier in
der Breite, da bei der Partitur eine Rückenverstärkung vorgenommen
worden war, vgl. dazu die "genauen" Maße der eigentlich "gleich" großen
Partitur der sogenannten fünften Auflage, siehe oben).
   Mit Blick auf die frühe Anlieferung ist die Partitur sozusagen als
Vorausstudienmaterial anzusehen. Vorausinformationsmaterial bei einem
so allbekannten Weltwerk? Le Sacre du Printemps zum Kennenlernen? Ver-
wundert stellt man sich diese Frage. Mehr noch: Jedes gut geführte Rund-
funknotenarchiv hat von der neuesten Fassung (1967) ohnehin (mindestens)
eine Taschenpartitur im Regal. Aber es mag ja auch tatsächlich vorkom-
men, daß der eine oder andere Beteiligte (Tonmeister, Toningenieur,
Orchestermitglied) schon im Vorhinein einen Blick in die Partitur werfen
will und zur gleichen Zeit tatsächlich reger Ausleihverkehr herrschen
mag. Oder noch anders gedacht: Zum Studieren ein Exemplar für den Diri-
genten? Kaum. Denn wird es einen Sinfonieorchesterdirigenten geben, der
keine Sacre-Partitur zu Hause hat? Wie auch immer, für den Fall der Fäl-
le: Es wird eben aus Sicherheitsgründen eine Partitur vorausgeschickt,
so sind die Dinge im Leihgeschäft nun mal.
   Leihpartituren werden im übrigen immer sehr frühzeitig geliefert,
etwa sechs bis neun Monate vor der Produktion ist nicht ungewöhnlich,
doch fast ein Jahr im Voraus, das ist schon eine Seltenheit. Es ist zu-
dem damit zu rechnen, daß dem schließlich gelieferten Stimmenmaterial
noch weitere Leihpartituren beigepackt werden, erwartet werden noch
zwei. So harrt also der Editions- und Variantenforscher mit Spannung
der Dinge, die da kommen sollen oder werden.
   Dirigenten, das wurde hier schon angesprochen, haben meistens ihre
eigenen Partituren. Somit haben sie dann eben ihre Eintragungen, wie
auch immer ausgeführt, ständig parat. Es gibt aber daneben auch die
Praxis der persönlich bezogenen Leihdirigierpartitur (siehe dazu andern-
orts, z.B. unter "Bernstein-Partituren").
   Die vorliegende Partitur war in aktivem musikalischen Gebrauch {*1},
denn es finden sich darin zahllose Eintragungen, deutlich zu erkennen
sind mindestens zwei Personen, wobei wohl auf eine der beiden zahlrei-
che (noch teils schemenhaft sichtbare) Ausradierungen zurückgehen. An
Notentextänderungen enthält das Exemplar einige, darunter auch die eine
oder andere Verbesserung von Druckfehlern (des Drucks der 1967er Fas-
sung, um die es sich hier ja handelt; zu dieser Fassung und zu ihrer
Dirigierpartiturerstauflage siehe andernorts).

   {*1} Sie trägt auf dem Frontdeckblatt das Berliner "MIETMATERIAL"-
   Etikett BOOSEY & HAWKES / BOTE & BOCK mit der Adressenangabe Lützo-
   werufer 26 · 10787 Berlin. Da keine Spuren eines älteren Etiketts
   auszumachen sind, auch beim Durchleuchten nicht, dürfte die Partitur
   nicht vor 1997 Leihmaterial geworden sein. Sie erhielt die Nummer
   B114 (roter Stempel auf dem Etikett) und gehörte, wie ebenfalls eine
   Aufstempelung auf dem Deckblatt zeigt, zunächst dem Material SET 20
   (hier: SET20) an, scheint aber - jetzt spätestens seit 2016 - "frei"
   (= selbständig, losgelöst von einem Material) verschickt zu werden,
   jedenfalls ist die Aufstempelung "SET [/] 20" (SET: hellviolett, 20:
   rot) durchgestrichen. Das Deckblatt trägt außerdem noch eine, offen-
   bar aktuelle, heutige Standort- bzw. Lagernummer: 16-56-60, geschrie-
   ben mit schwarzem Filzstift, eine frühere Nummer dieses Typs wurde
   mit dem gleichen Stift ausgeschwärzt (weitere editorische Einzelhei-
   ten siehe später).

   Der offenbar letzte Nutzer, sicherlich ein Dirigent, steuerte sehr
hilfreiche Änderungen bzw. Berichtigungen bei, und es ist die seltene
Tatsache nicht zu übersehen, daß er den Notentext - sogar weitgehend
detailliert - wirklich studierte.
   Allerdings bestehen die Einzeichnungen in der Mehrzahl aus Verdeut-
lichungen, Hervorhebungen, Einkreisungen und Unterstreichungen, also vor
allem aus Gedächtnisstützen. Aber auch viele Dynamikdifferenzierungen
(z.B. Abschwächungen, Entwicklungen) sind eingezeichnet. Die sicherlich
größte Rolle bei den Gedächtnis- oder Achtsamkeitsstützen spielen Notate
rund um die Zählerei (hiermit war besonders die "ausradierte Person" be-
schäftigt). "Optische" Zählhilfen können eine große Hilfe sein, um beim
Modellieren freier zu sein. Doch das Fernsehen bringt es an den Tag: Zu
sehen sind verbissen zählende Dirigenten, manche zählen wie Computer,
man sieht es deutlich der Mimik an, da wird oft nur für sich gezählt,
oder gerade so, als wollten man mit dem Orchester mithalten wollen, denn
so die Saga oder Überlieferung: das einst als fast unspielbar geltende
Sacre können heutige routinierte Orchester im Grunde ohne weiteres ohne
Dirigenten spielen. Das liegt vor allem daran, daß das Werk über sehr
weite Strecken eine Eins-orientierte Musik ist, und wer sich um metri-
sche Souveränität bemüht, der steigt auch nicht aus. Es ist im Übrigen
durchaus zu verstehen, wenn geäußert wird, es käme angesichts dieser
Eins-Bezogenheit Langeweile auf, und selbst die Vielmetrischkeit hebe
den Gleichschritt nicht auf, sie betone ihn nur noch. Mag sein, aber es
kann durchaus eine Aufgabe sein, gegen Eintönigkeit vorgehen.
   Zu den Notentextänderungen: Eine der Einzeichnungen betrifft das
Tuckern ab Ziffer 19. Wichtig schien in den Streichern das "psub" und
Zweifel galt offenkundig den "f"-Vorschriften. Zumindest scheint jeden-
falls das Problem der mißverständlichen (unlogischen oder fehlerhaften?)
Dynamikvorzeichnungen erkannt worden zu sein. In Ziffer 61 Takt 5 wurde
in den Violien I das dritte Viertel in den Bindebogen einbezogen, warum
aber dann nicht eine solche Einzeichnung in den zweiten Violinen I und
zweiten Violinen II? In der Stimme der Trompete II wurde in Ziffer 84
Takt 4 das "f" gegen "g" ausgewechselt, allerdings: über diese Änderung
kann man lange diskutieren. Und im vorliegenden Fall insbesondere auch
deswegen, weil in den nachfolgenden Parallelstellen (z.B. Ziffer 86)
keine "Verbesserungen" mehr eingezeichnet sind. Die Fermatenstelle Zif-
fer 101 Takt 5, die in einer 1965er Partitur als diskussionsbedürftig
aufgefallen war (siehe andernorts) erfuhr keine Zweifel, obwohl hier
etliche andere Eintragungen eingezeichnet worden waren. In den Celli und
Kontrabässen fehlt in Ziffer 109 Takt 2 auf der Eins ein "sf", nachge-
tragen ist es nur für die Kontrabässe. In Ziffer 113 Takt 1 für Oboen
und Englischhorn "ff" nachzutragen ist sicherlich angebracht. In der
großen Trommel fehlt in Ziffer 114 Takt 1 auf der Eins das "p", es ist
hier ergänzt worden (denn das "p" in Ziffer 112 Takt 4 ist vielleicht
doch nicht mehr so gegenwärtig). Ausgewechselt wurde im gleichen Takt in
den Violen auf der Drei das "sim." gegen ein "sf". Alles einsichtige
Korrekturen; besonders das Fehlen des "p" für die große Trommel ist ein
unter Umständen verhängnisvolles Manko. Interessant: Vor dem Takt 4 der
Ziffer 112 ist ein durchgezogener Generaltaktstrich eingezeichnet wor-
den. Auch das eine sehr gut nachvollziehbare Hilfe. Wieso es aber Gründe
geben soll, das "ppp" für die Fagotte I und II in Takt 128 Takt 1 gegen
"f" auszutauschen, ist eine nicht einsichtige Überraschung. Und wo ge-
hört in Ziffer 142 Takt 1 (Beginn der Danse Sacrale) die Fermate hin? In
allen eingesehenen gedruckten Partituren seit 1929 und auch im revidier-
ten Klavierauszug von 1968 steht sie NACH dem Nachschlag. Doch im Manu-
skript von 1913, in der Partitur von 1921 und im RMV-Klavierauszug
(= Boosey & Hawkes 1952) steht sie DAVOR, und genau so lautet auch in
der vorliegenden Partitur die "Korrektur" der wohl "zweiten Hand" {*1}.
In Ziffer 174 Takt 1 steht in den Posaunen das "f" VOR dem anschwellen-
den Glissando. Die richtige Plazierung wäre aber doch wohl, wie korri-
giert, NACH dem Crescendo-"Haarnadelzeichen". Sehr aufschlußreich für
musikalisches Mitempfinden wird in Ziffer 186 ff. deutlich. Das ist ein
aufgelockerter Kammermusiksatz. Also wurde in den Fagotten das "fff"
handschriftlich zu "ff" gedämpft, aber viel wichtiger: Von den Strei-
chern wurde "pizz" gefordert, was sich klanglich gut macht, doch ist ab
Ziffer 189 oder 190 das nun nötige (nun fehlende) "arco" nicht "nachge-
tragen" worden. Wirkungsvoll ist auch, daß laut Eintragung ab Ziffer 186
Takt 2 die große Trommel durch Tamtam-Färbungsakzente unterstützt werden
sollte.

  {*1} Welche der beiden Möglichkeiten ist wirkungsvoller? Unregelmäßi-
  ger, überraschender läßt sich nach einem verklingenden Baßklarinetten-
  abgang wahrscheinlich die neue Fassung ausführen (aber nicht Achtel-
  nachschläge, sondern wie in der alten Fassung Sechzehntel-Nachschläge
  - und mit der Beachtung "arco" und "pizz", denn es sei immer wieder
  darauf hingewiesen: seit 1929 steht durchgängig "arco").

   Die Partitur gehört der andernorts eingehend beschriebenen Erstaus-
gabenlinie an. Sie weist den oiginalen gräulich-grünlichen, khakifar-
benen Einband auf, die Beschriftung (Aufdruck) wurde exakt übernommen,
und das gilt auch für die vielfach verwendete Annonce "No. 40 [-] 7.65"
(= "Igor Stravinsky", Boosey & Hawkes-Werkliste) auf der Verso-Seite
des hinteren Einbandblatts. Allerdings ist die Aufdruckfarbe nicht wie
einst hellrot oder wie bei der 5. Auflage mittelrot, sondern dunkelrot
(siehe hierzu, auch zu einer vorläufigen kleinen Einteilungsaufstellung,
weiter oben im Kapitel "1967er Dirigierpartitur versus Studienpartitur,
Einführung").
   Zum Rücken kann leider keine Angabe gemacht werden, weil er durch
eine breite (blaue) Leinenbandverstärkung verdeckt ist. Diese Verstär-
kung verhindert - bei der hier ohnehin schon etwas straffen Fadenbin-
dung - beim Umblättern ein uneingeschränktes glattes Aufliegen der
linken Seite, wobei sehr oft der innere Takt nicht einwandfrei lesbar
ist. Zum unbeschwerten Dirigieren eignet sich also dieses Exemplar nur
bedingt. Doch knarrende oder quietschende Ringbindungen, wie sie seit
etwa 20 Jahren von Boosey & Hawkes bei Leihpartituren verwendet werden,
sind natürlich überhaupt keine Lösung, zumindest nicht für eine Verwen-
dung bei lautstärkekritischen Rundfunk- oder Plattenaufnahmen.
   Die vorliegende Partitur hat also, wie gesagt, wie alle bisher ein-
gesehenen Drucke der Erstausgabenlinie die günstige Fadenbindung; doch
ist diese, wie auch bei dem zuvor besprochenen Exemplar zu sehen, offen-
bar durchweg reichlich stramm angezogen, was ein unproblematisches Um-
blättern nicht gerade fördert. Dennoch sind Fadenbindungen, nicht zu
stramm angezurrt, in etwas gelockerter Form gefertigt, bei großformati-
gen Partituren für phonempfindliche Aufführungen eindeutig - und so von
Alters her eingesetzt - immer noch die beste Lösung.
   Da eben von Vorgängerinnen gesprochen wurde, zur allgemeinen chrono-
logischen Einordnung als Überblick eine kurze wiederholende Anmerkung:
Es besteht die begründete Vermutung, daß diese Dirigierpartitur, soweit
erkennbar (Einzelheiten zur Datierung siehe nachfolgend), die sechste
Auflage, also der sechste Druck ist. Die in etwa bestimmbare Auflagen-
folge wäre somit: Erstausgabe 1967, 2. Auflage spätestens Mitte der
1970er Jahre, 3. Auflage ca. Ende der 1970er Jahre, 4. Auflage ca. 1983,
5. Auflage ca. 1988 und 6. Auflage ca. 1992 (man behalte bei dieser ein-
geschobenen, vorläufigen Übersicht die Einleitung zum vorigen Kapitel
im Blick, angesprochen wurde dort das Problem eines absolut gleichen
Nachrucks, das Problem einer "Scheinauflage").
   Gegenüber den vorherigen Drucken bestehen ein paar Detailänderungen,
diese sind wichtig für die Datierung, sie zeigen aber auch, daß die
Partitur nicht der allgemeinen gestalterischen Entwicklung der Taschen-
bzw. Studienpartitur angepaßt wurde und dies ist eine Beobachtung, die
zu dem Schluß führt, der immer wieder Bestätigung findet, daß nämlich
diese beiden Formate zumindest bezüglich der äußeren Gestaltung zwei
unterschiedlichen Entwicklungssträngen angehören - eine Trennung, die
offensichtlich schon seit Beginn der Übernahme der einstigen RMV-Parti-
tur und deren erneuter Drucklegung im Jahr 1948 besteht.
   Auf der Titelseite (Seite [I]) ist im Vergleich zum Original (hierzu
siehe die Abbildung weiter unten) von oben bis einschließlich der Zeile
"(S. et N. Koussevitzky)" {*1} der gesamte Druck unverändert geblieben.

   {*1} Die Abbildung allerdings mit dem Zufallsdruckfehler "ý": Accent
   aigu auf "y" (zur Sachlage siehe weiter oben und die nachfolgende
   Tabelle).

   Desweiteren haben zwar auch die beiden nachfolgenden Zeilen den un-
veränderten Wortlaut, doch ist der Druck größer, fetter, und zudem sind
auch die Typenabstände erheblich enger. Außerdem übersehe man nicht, daß
der Buchstabe "O" in "BOOSEY" nun nicht mehr kreisförmig, sondern oval
ausgefallen ist ("0"), wobei interessanterweise auf dem Deckblatt in
"BOOSEY" diese Abänderung nicht stattfand (vergleiche dazu, daß in den
1970er Jahren bei den Taschenpartituren eine ähnliche Änderung festzu-
stellen ist, und zwar auf dem Deckblatt im Titelfeld: von kreisförmig zu
oval und zurück).
   Komplett neu ist die unterste Zeile, die sogenannte Ortsangabenzeile
- und gerade diese liefert wegen der Abänderung, die sie erfuhr, einen
grundlegenden Beitrag zum Datierungsversuch:

            London · New York · Bonn · Sydney · Tokyo 

   Wobei in Richtung Datierungsversuch als erstes festzuhalten gilt, daß
Boosey & Hawkes Deutschland im Jahr 1997 nach Berlin zog, und das er-
gibt, da Bonn noch genannt ist, dieses Jahr als die zunächst jüngste Da-
tierungsgrenze. Doch es trifft eher 1996 zu, weil in der Erstausgabe der
im Februar 1997 in der Reihe The Masterworks Library erschienenen neuen
Edition der Sacre-Studienausgabe anstelle von Bonn schon Berlin genannt
ist. Auf der anderen Seite begegnet man bei Drucken noch bis mindestens
1990 Ortezeilen, die z.B. "Toronto" anführen, das jedoch genau in dieser
Zeit aus den Ortezeilen peu à peu eliminiert wird. So hat auch die Zeile
der hier beschriebenen Dirigierpartitur "Toronto" nicht mehr. Dafür
taucht hier das in der Zeile angeführte "Tokyo" nach bisherigen Finder-
gebnissen (inklusive Internet, abgefragt im August 2016) nicht vor 1991
auf, wobei die oben zitierte Ortezusammenstellung u.a. der folgende, mit
dem Copyright 1991 versehene Druck aufweist:

   Chrisopher Norton, Micro Jazz for Tenor Saxophone, Eleven graded
   pieces in popular styles for tenor saxophone and piano
   Boosey & Hawkes, London · New York · Bonn · Sydney · Tokyo
   (c) 1991

   Sehr viel später wird auch die hier zur Debatte stehende Leihpartitur
nicht gedruckt worden sein.
   Es sei auch nicht vergessen anzuführen, daß unten auf der Annonce
"No. 40 [-] 7.65" (siehe letzte Einbandseite) die Kennziffer "2693",
die schon auf der zuvor besprochenen, auf etwa 1988 datierten Partitur
vorgefunden wurde, hier ebenfalls vorhanden ist. Die Bedeutung der Zahl
ist, wie gesagt, zwar noch nicht bekannt, sie scheint aber eine frap-
pierende, unmittelbare Nähe zur Kennziffer "2694" aufzuweisen, die unter
Annoncen wie "No. 104 [-] 5/83" oder "NO. 121 [-] 4/87" aufgedruckt ist
und diese wiederum zu Ausgaben der Sacre-Taschenpartitur gehören, deren
Erscheinungsjahre im ersten Fall um 1984/1985 und im zweiten Fall um
1990 herum liegen dürften (zu einer Annoncen-Tabelle siehe spätere Aus-
führungen; zur Zahl "2693" sei der schon oben gegebene Hinweis auf die
erstaunliche Tatsache der Unterschiedlichkeit der Position wiederholt:
hier bei dieser Partitur ist es so, daß der Abstand zur untersten Zeile
der Annonce erheblich kleiner ist als beim zuvor beschriebenen Partitur-
druck). 
   Die vorliegende Dirigierpartitur, die nun mit der Datierung "ca.
1992" versehen werden soll, besitzt allerdings auch einige Details,
deren Aufkommen vielleicht vorschnell mit der komplett als Neuerschei-
nung gedachte und wirkende 1997er Studienpartitur der Reihe "The
Masterworks Library" ein Verbindung gebracht werden können. So ist auf
der ersten Notenseite der rechteckige Kasten "IMPORTANT NOTICE", wie
auch beim Dirigierpartiturdruck von ca. 1988 (siehe oben), bereits auf
der linken Seite einmontiert und damit die Zählung "1" existent, eine
Sachlage, die in der Dirigierpartitur in Wirklichkeit aber schon spä-
testens seit ca. 1983 existiert.
   Zum anderen aber hat diese Auflage auf der ersten Notenseite schon
die unverständliche Copyright-Zeile "© Copyright 1912, 1921 by Hawkes &
Son (London) Ltd." (allerdings hier mit bzw. - angesichts der offen-
sichtlichen Übernahme im Jahr 1997 - NOCH mit Schlußpunkt; zur Diskus-
sion der befremdenden neuen Copyright-Zeile siehe frühere Ausführun-
gen.)
   Wie schon bei der im Zusammenhang mit der Leihpartitur [2012] per
Abbildung gezeigten Retusche zu sehen, so ist auch bei dieser Partitur
von ca. 1992 die neue Copyright-Zeile einkopiert worden. Daß es ein
selbständiger Vorgang war, zeigt unten die Abbildung, die Restspuren
der Retusche sind deutlich anders.
   Als ein Überbleibsel aus den früheren Ausgaben ist unter dieser Copy-
right-Zeile "All rights of reproduction in any form reserved" stehen
geblieben. Man beachte hierbei, daß der Satz im alten Drucksatz über-
nommen wurde, während die neue Copyright-Zeile natürlich ein Neusatz
ist.

             Abbildung Copyright-Block der Partitur von ca. 1992

   Ebenso stehen geblieben ist rechts "Printed in England". Beide Hin-
weise enthält der 1997er Druck nicht (mehr). Auch weist die letzte
Notenseite (Seite 153) unten rechts wieder einen Druckervermerk auf
(Printed by Halstan & Co Ltd., Amersham, Bucks., England). Ein wie auch
immer lautender Druckervermerk war seit langem nicht mehr üblich gewesen
und auch die 1997er Studienausgabe hat auf der letzten Seite keinen, da-
für aber steht dieser Druckerhinweis dort auf Seite [II] und ist (als
Neusatz) bis auf den Zusatz "England" (nach einem eingefügten Komma)
gleichlautend.
   Es liegt hier, wie zu sehen, bei der sogenannten 6. Auflage der Diri-
gierpartitur eine Edition vor, die als Handelsexemplar alte und neue
bzw. zukünftige Details miteinander vermengt, eine Tatsache, die man
in dieser Arbeit auch bei später aufgelegten Leihpartituren beschrieben
findet. Und um den rückwärts gerichteten Anteil noch einmal deutlich zu
machen: Schon lange haben die Taschenpartituren drei Vorausblätter, die
hier beschriebene Leihpartitur aber hat das alte (= 1967er) Blatt mit
der herkömmlichen (allerdings geringfügig veränderten) Titelseite (S.
[I]) und dem gänzlich unveränderten Druck der Inhalts- und Besetzungs-
übersicht auf der Rückseite (S. [II]).
   Etwa um 2000 folgt man bei der Erstellung von Leihpartituren anderen
Fertigungweisen, teils geht man bei der äußeren Gestaltung den reprogra-
phischen Weg, teils aber auch den Weg einer Neuerstellung, eines Neu-
drucks, wobei aber der Notentextstock beibehalten wird.

   Identifikationstabelle: Dirigierpartitur 1967, Erstausgabenlinie
                           (Handelsexemplar)

                         =========
                         In Arbeit
                         =========

   Die nachfolgende Aufstellung (Tabelle) zum Handelsexemplar der Erst-
editionslinie der Dirigierpartitur 1967 faßt grundlegende editorische
Beschreibungen zusammen, die in den unten angeführten Kapiteln zu finden
sind. Es wurde angestrebt, in der Tabelle sämtliche Kennzeichen, soweit
sie für eine äußere Identifikation von Bedeutung sein können, aufzuneh-
men. Fußnoten bieten, wo nötig, weitere Informationen bzw. Hilfen.
   Der Einstieg in die Lektüre der Beschreibungen kann nach freiem Er-
messen erfolgen, doch ist zu empfehlen, bei der Nummer 1 zu beginnen.
Denn bei den Positionen 3 und 4 befindet man sich schon mitten drin in
der Diskussion, zu deren Bewältigung Nachschlagen oder Vorwissen nötig
sein wird.
   Man beachte, daß diese Liste aufgrund der gegebenen Vagheit und auch
wegen der geringen Menge der bisher vorgefundenen Handelsexemplare wohl
keinesfalls eine abgeschlossene Form erreicht hat. Hier wird sicherlich
noch Vieles zu ergänzen und abzuändern sein.

   Kapitel zu Druckfassungen mit den entsprechenden Beschreibungen:

   1. Dirigierpartitur 1967: Grundsätzliche Klärungen, Handelsexemplar,
      Erstausgabenlinie

   2. 1967er Dirigierpartitur versus Studienpartitur, Einführung
      b) Dirigierpartitur

   3. Dirigierpartitur 1967, Handelsexemplare 4., 5. Auflage?, 1983?,
      1988?

   4. Leihdirigierpartitur ca. 1992 - Auslaufmodel

   Zur Dirigierpartitur ab 1948:

   5. Dirigierpartitur mit Druckvermerk April 1948, "Handelsexemplar"

   Abkürzungen, Zeichen:

   -       = alleinstehend: nicht vorhanden
   5       = Mai (aus Druckvermerk 5.1967)
   1970+   = Erste Hälfte der 1970er Jahre
   1975+   = Zweite Hälfte der 1970er Jahre
   2693    = Angabe unten auf der Einbandseite 4, wahrscheinlich Kenn-
             ziffer der Annonce
   c       = circa
   B+-     = Bibliotheksexemplar, Einband bis auf den höchstwahrschein-
             lich nicht bedruckten Rücken komplett
   B-      = Bibliotheksexemplar, Bibliothekseinband, ohne Originalein-
             band
   D-Jahr  = Druckjahr, vom Verleger angegeben bzw. erschlossen/vermutet
   DF      = Druckfassung, Unterschiede gewiß (ungewiß/keine?: 3a, 3b)
   DM      = Druckvermerk, Monat
   E+      = Eigenbesitz, vollständig
   KIN     = Kasten "IMPORTANT NOTICE" auf der ersten Notenseite
   L+-     = Leihpartitur, Einband bis auf den höchstwahrscheinlich
             nicht bedruckten Rücken komplett
   L--     = Leihpartitur, Bibliothekseinband, ohne Originaleinband, nur
             einige wenige Seitenkopien vorhanden: [I], [II], 1 und 153
   Orte    = Anzahl der angegebenen Verlagsorte
   Rot     = Farbtönung der roten Beschriftung auf den Einbandseiten 1
             und 4
   y       = Titelseite: "y" in Koussevitzky ohne Accent aigu
   ý       = Titelseite: "y" in Koussevitzky mit (vagem) Accent aigu
   Z-Jahr  = letztmögliches Druckjahr (Jahr der Kenntnisnahme, eines
             vorgefundenen Datums, einer bibliothekarischen Erfassung/
             Bereitstellung usw.)
   z xxxx  = letztmögliches Druckjahr (siehe zuvor)

   Beachte:  Wenn in einer Zeile ein Element unausgefüllt blieb, so war
             eine Angabe nicht möglich.


   DF  D-Jahr  Z-Jahr  Rot     Orte  y/ý  KIN  DM  2693  Bestand

   1     1967                                   5                {*1}

   2   c 1970+ z 1977  hell    7     y    -     -   -    E+      {*2}

   3   c 1975+ c 1980  hell    7       ý  -     -   -    B+-     {*3}
               z 1984

   3a  c 1975+ z 1983          7       ý  -     -        L--     {*4}

   3b          z 1984          7          -     -        B-      {*5}

   4   c 1983  z 1984  hell?   7       ý  ja    -        B-      {*6}

   5   c 1988          mittel  7     y    ja    -   ja   E+      {*7}

   6   c 1992          dunkel  5     y    ja    -   ja   L+-     {*8}


   {*1} 1. Auflage. Partitur seit um 1980 nicht wieder vorgefunden.

   {*2} "2. Auflage". In der Beschreibung, siehe oben die Aufstellung
        Nr. 2: Partitur "A". Einband in grauerer Tönung als gewohnt.

   {*3} "3. Auflage". In der Beschreibung, siehe oben die Aufstellung
        Nr. 2: Partitur "B". Bibliotheksexemplar, inventarisiert 1984,
        wobei als Erscheinungsdatierung "um 1980" vergeben wurde, eine
        Vergabe, der einige Verläßlichkeit beizumessen ist. 

   {*4} Möglicherweise "3. Auflage". In der Beschreibung, siehe oben
        die Aufstellung Nr. 2: Partitur "C".

   {*5} Möglicherweise "3. Auflage". Überprüfung des "y" leider ver-
        gessen, wird nachgeholt. Beschreibung siehe oben die Aufstel-
        lung: Nr. 3.

   {*6} "4. Auflage", Beschreibung siehe oben die Aufstellung: Nr. 3.

   {*7} "5. Auflage", Beschreibung siehe oben die Aufstellung: Nr. 3.

   {*8} "6. Auflage". Eingesehen als Leihpartitur, neue Details, zeigt
        editorisch Übergang zu späteren Entwicklungen an. Beschreibung
        siehe oben die Aufstellung: Nr. 4.

Die erste Notenseite (Seite 1 bzw. [1]), Schäden, Ausbesserungen

   Die erste Notenseite ist für die Identifikation einer Ausgabe ein
unerläßlich wichtiges Element. Was heißt das in Bezug auf die Verläß-
lichkeit in Bibliotheksbeständen? Denn in diesem Bereich muß mit ruppi-
gem Umgang, auch mit Schäden gerechnet werden. Aber die Erfahrung zeigt,
es gibt keinen Grund für übertriebene Beunruhigung: Die Seite wird wohl
immer im Originalzustand vorhanden sein. Denn daß für sie (bzw. für das
erste Notentextblatt) auf Grund eines Schadens oder gar Verlusts eine
auflagenfremde Kopie als Ersatz eingebunden worden sein könnte, ist ein
wenig wahrscheinlicher Fall. Nichtsdestotrotz, derlei Schadensfälle kom-
men vor. So wurde im Bestand einer Landesbibliothek eine Taschenpartitur
der Generation der 1980er Jahre angetroffen, bei der die ersten fünf
Notenblätter fehlen (Seite [1] bis 10)!
   Geht man den Weg der Ausbesserung durch Kopien, so sollte das Augen-
merk darauf gerichtet werden, solche einzusetzen, für die genau der
gleiche Druck als Vorlage diente. Im vorliegenden Fall war leider auch
der möglicherweise Hinweise vermittelnde Einband nicht mehr vorhanden,
doch konnte glücklicherweise erschlossen werden, daß mit großer Sicher-
heit die schadhafte Partitur die auf dem hinteren Einband aufgedruckte
Verlagsreklame "NO. 121" mit der Datierung "4/87" besessen hatte (Ein-
zelheiten zu Annoncen siehe in diversen Kapiteln). Nun ist es allerdings
nicht einfach, die passende Partitur zu finden, im vorliegenden Fall
jedenfalls müßte zumindest eine Partitur der 1980er Editionslinie ge-
sucht werden. In dieser Gruppe hat die erste Notenseite keine Paginie-
rung, stattdessen aber den Kasten "IMPORTANT NOTICE", außerdem weist sie
noch den seit 1967 verwendeten, im Grunde herkömmlichen Copyright-Block
auf. Gerade wegen des letztgenannten Details aber käme z.B. die heute
weitverbreitete und im Handel allgegenwärtige "Masterworks-Edition" von
1997 von vornherein nicht in Betracht (ganz abgesehen davon, daß wegen
ihres großen Formats verkleinert werden müßte; Einzelheiten zu dieser
Ausgabe siehe das gesonderte Kapitel und unten die Aufstellung). Eben-
falls auszuscheiden sind frühe Drucke der Taschenpartituren der 1967er
Sacre-Fassung, deren erste Notenseiten weisen zwar den (eigentlich pas-
senden) herkömmlichen Copyright-Block auf, haben aber die noch nicht
durch den "IMPORTANT NOTICE"-Kasten ersetzte Paginierung mit "1". Be-
achte: Das Vorhandensein der "1" gilt allerdings nur bis zu den Ausga-
ben, dier auf Seite 153 mit den Druckdatierung "2/77" oder "7/78" ver-
sehen sind, denn die sicherlich letzte Ausgabe dieser ersten Layout-
generation (mit einer auf "5/78" oder "7/78" datierten Verlags-Annonce)
hat bereits den "IMPORTANT NOTICE"-Kasten, was unter Umständen (d.h.,
wenn man die Anzahl der Vorspannseiten nicht beachtet) zu einer Ver-
wechslung mit der neuen Ausgabengeneration der 1980er Jahre führen
könnte (zu den Unterscheidungsmerkmalen siehe bereits mitgeteilte
Ausführungen, aber auch das nachfolgende Kapitel).
   Im Notentext der 1967er Fassung wären zweifellos Korrekturen fällig,
doch sind - ganz im Gegensatz zur Erfahrung mit den alten Boosey & Haw-
kes-Partiturausgaben - in den Drucken bislang noch keine Verlagsänderun-
gen aufgefallen, trotzallem sollte aber bei Ergänzungsarbeiten, wie ge-
sagt, schon aus Sicherheitsgründen, bevorzugt nach identischen Druckaus-
gaben Ausschau gehalten werden. Was immer dabei erreicht wird, daß eine
entsprechende Quellenangabe in der ergänzten Partitur zu vermerken ist,
dürfte selbstverständlich sein, wie ebenso klar ist, daß die Vorgehens-
weise die gleiche sein sollte bei der Ausbesserung von Dirigierpartitu-
ren oder im Fall der Ergänzung anderer Seiten, insbesondere der editi-
onskundlich wichtigen letzten Notentextseite.
   In einem Atemzug sollte auch Einbände betreffend angesprochen werden,
daß man in Musikbibliotheken Notenbände, insbesondere umfangreiche, oft
mit neuen, bibliothekseigenen und strapazierfähigen Einbänden versieht.
Leider ist derlei Austausch ein weit verbreiteter - ausgabenkundlich
sehr mißlicher - Usus, mit dem sogar in gut geführten Universitätsbibli-
otheken gerechnet werden muß; natürlich gehen bei einer solchen Praxis
oft wichtige Identifikationsmöglichkeiten verloren. Es sei aber einge-
räumt, daß man auch auf dokumentarisch und historisch weitsichtige
Archivarbeit trifft in dem Sinn, daß die originalen Einbände mit einge-
bunden werden (zu begrüßen wäre, wenn bei Bücherschutzumschlägen grund-
sätzlich und überall ebenso verfahren würde).
   Neueinbindungen kommen natürlich auch bei Leihdirigierpartituren
vor, doch in diesem Bereich ist dann die Austauschung des Originalein-
bands wohl immer der Regelfall (zu einem Beispiel mit Abbildung siehe
unter Pulcinella-Suite).
   Unsicherheiten gibt es auch hinsichtlich der Vorspannseiten (Titel-
seite, Besetzungsseite usw.). Eigentlich müßten vorgeschaltete Seiten
und deren Informationen in Nachfolgeausgaben, gleichgültig, ob für den
Verkauf oder den Leihverkehr bestimmt, einen geschützten Status einneh-
men, so sollte man meinen, dem ist aber nicht so. Nichts davon ist vor
einer Auslassung sicher, selbst die Titelseite nicht (zu einem krassen
Beispiel, eine Leihpartitur ohne irgendeine der ursprünglichen Vor-
spannseiten, siehe wiederum unter Pulcinella-Suite).
   Identifikationsversuche ohne Einbeziehung der ersten Notenseite soll-
te es demnach und auch aus immanenten Gründen nicht geben. Denn in der
Regel unterscheidet sich ihre Struktur von jeder anderen Notenseite, da
sie im Normalfall eine über den Notentext hinausgehende Informations-
funktion hat, die in dieser Form übrigens in Büchern die erste Textseite
so gut wie nie aufweist.
   Zur Struktur der ersten Notenseite, die im Allgemeinen aus drei Tei-
len besteht: 1. Titelkopf, u.a. mit Komponistennennung, Werkdatierung,
2. Notentext und 3. unter diesem die unscheinbare, aber aussagekräftige
Abteilung mit Rechts- und Druckhinweisen. Immer wieder trifft man auf
diesen Aufbau. Das ist bei Boosey & Hawkes so, gilt in der Regel bei
anderen Notenverlegern so, und auch die oben abgebildete 1967er Leih-
dirigierpartitur [2012], die vor dem Hundertjahrjubiläum sicherlich
neueste Ausgabe, bildet hierbei keine Ausnahme.
   Zu ihr gleich vorweg eine mühesparende Klärung: Titelkopf und Noten-
text der ersten Notenseite der 1967er Neuedition sind in allen Ausgaben
ausnahmslos Nachdrucke, genauer: sie sind NIE ein Neusatz. Das gilt für
die Dirigenten- wie auch für die verkleinerten Studienpartituren.
   Allerdings enthält der Titelkopfbereich einige Besonderheiten; diese
wurden zwar schon, teils mehrfach, angesprochen, sollten aber in einem
gesonderten Kapitel zusammengefaßt werden (siehe unten). Zuvor aber noch
eine Bemerkung zum Notentext: Er ist in seiner Gesamtheit in dieser do-
kumentarischen Studie kein besonderes Thema. Ausführliche, in der Lite-
ratur immer wieder zitierte Beiträge dazu verfaßte Louis Cyr, Kanada.
Seine Forschung ist auf diesem Gebiet Grundlagenliteratur. Quellenhin-
weise hierzu findet man an anderem Ort und zwar im Rahmen der Aufstel-
lung von (meist "griffiigen" = leicht erkennbaren) Einspielungsvarian-
ten.

Erste Notenseite, Besonderheiten: Kasten "IMPORTANT NOTICE", Titel-
kopf, Fassungshinweis, Copyright

   Obwohl der Seitenumfang des Notentexts der 1967er Fassung immer
gleich blieb (153 Seiten), enthält, worauf bereits mehrfach hingewiesen
wurde, die Paginierung eine geringfügige Variante. So ist z.B. in der
Erstausgabenlinie der Dirigierpartitur und in den beiden heute wichti-
gen Ausgaben, der "Masterworks Library-Ausgabe" von 1997 und der Leih-
partitur [2012], die erste Notenseite mit "1" numeriert, doch in man-
chen anderen Ausgaben bzw. Drucken, vor allem in der Taschenbuchedition
der 1980er Jahre, wurde diese von einem Rechteck, das den folgenden Ko-
pierverbothinweis enthält, verdrängt:

                        IMPORTANT NOTICE
                    The unauthorised copying
                   of the whole or any part of
                   this publication is illegal[.]

Liste zum Auf- und Vorkommen des Kastens "IMPORTANT NOTICE"

   A) Übersicht über Partituren MIT der Paginierung "1" (= ohne
      IMPORTANT NOTICE) oder aber mit IMPORTANT NOTICE, dann jedoch
      links des Titels (im letzteren Fall siehe auch Fußnoten):

   Dirigierpartitur/Leihdirigierpartitur 1967 (Erstausgabenlinie,
   Handelsexemplar)

      a) mit Druckvermerk 5.67 {*1}
      b) ohne Druckvermerk
         2. Auflage, 1. Hälfte der 1970er Jahre {*2}
         3. Auflage, 2. Hälfte der 1970er Jahre (Handelsexemplar und
         Mietmaterialexemplar, Ausleihe 1983)

   Mit "1" und Kasten "IMPORTANT NOTICE" (links des Titels):

   Dirigierpartitur 1967 (Erstausgabenlinie) ohne Druckvermerk, Handels-
   exemplar 4. Auflage, spätestens 1984 {*3}

   Dirigierpartitur 1967 (Erstausgabenlinie) ohne Druckvermerk, Handels-
   exemplar 5. Auflage, ca. 1988 {*3}

   Dirigierpartitur/Leihdirigierpartitur 1967 (Erstausgabenlinie) ohne
   Druckvermerk, Handelsexemplar 6. Auflage, ca. 1992 {*3}

   Taschenpartitur (No. 638) mit "1", aber noch ohne Kasten, Druckauf-
   lagen {*4}:
   1968 (Druckvermerk M.P. 7.68), 1969 (M.P. 12.69), 1971 (M.P. 2.71)
   und 1972 (M.P. 4.72), desweiteren (letzte vorliegende Drucke davon):
   Taschenpartitur (No. 638) 1973 (Druckvermerk M.P. 7.73: 2 Drucke)
   Taschenpartitur (No 638)  1977 (Druckvermerk BHMP 2/77)
   Taschenpartitur (No. 638) 1978 (Druckvermerk BHMP 7/78)

   Mit "1" und mit Kasten "IMPORTANT NOTICE" (links des Titels): 

   Studienpartitur, The Masterworks Library, 1997 {*5}

   Mit "1", doch (wieder) ohne Kasten:

   Leihdirigierpartitur mit Stempel "13 DEC 1999", kein Druckvermerk,
   Ausleihe 2009 (ET135) {*6}
   Leihdirigierpartitur, Vorläuferin der hellblauen Serie, ca. 2000-
   2010, kein Druckvermerk, Ausleihe 2017 (SET55)
   Leihdirigierpartitur der hellblauen Serie [2012], kein Druckvermerk,
   Ausleihe 2012 ff. {*7}

   B) Übersicht über Partituren OHNE die Paginierung "1" (= IMPORTANT
      NOTICE rechts des Titels, ohne Druckvermerk, zu Annoncen-Datie-
      rungen siehe spezielles Kapitel samt einer Tabelle):

   Taschenpartitur [No. 638] 1979/1980(?), mit Verlags-Annonce 5/78 oder
   7/78 {*8}
   Taschenpartitur (HPS 638) 1980 oder kurz danach, mit Verlags-Annonce
   7/78
   Taschenpartitur (HPS 638) 1981 oder kurz danach, mit Verlags-Annonce
   7/78
   Taschenpartitur (HPS 638) 1983 oder kurz danach, mit Verlags-Annonce
   5/83 (Bibliotheksankäufe: 1985, 1988)
   Taschenpartitur (HPS 638) 1987 oder kurz danach, mit Verlags-Annonce
   4/87
   Taschenpartitur (HPS 638) um 1990, mit Verlags-Annonce 4/87 (Biblio-
   thekserwerbung: 1991)

   Leihdirigierpartitur der frühen hellblauen Serie "ca. 2000-2009"
   (Druckervermerk auf der letzten Notenseite: Halstan & Co Ltd. [...]),
   Ausleihe 2009 (B101)

   {*1} Kürzel der Druckdatierungen hier in der Aufstellung in verein-
        fachter Wiedergabe (zu Einzelheiten und einer Tabelle siehe
        spätere Kapitel).

   {*2} Die Bestimmungen der Auflagen 2 bis 6 sind - begründete - Mut-
        maßungen (siehe gesonderte Ausführungen bzw. die Tabelle dazu).

   {*3} Mit dem Kasten "IMPORTANT NOTICE", allerdings, um die "1" zu
        bewahren, links vom Titel (Näheres zu dieser Partitur siehe ge-
        sondertes Kapitel).

   {*4} Einzelheiten zu diesen Auflagen siehe gesonderte Ausführungen
        und die Tabelle zu den Boosey & HAWKES-Taschenpartiturdrucken.

   {*5} Bisher (Oktober 2018) wurden erst vier verschiedene Drucke ange-
        troffen: der Erstdruck und drei Nachdrucke (mutmaßliche Datie-
        rungen: 2000, 2004 und 2008, siehe oben gesondertes Kapitel),
        alle Drucke mit der Zählung "1", aber auch mit dem dem Kopier-
        verbotkasten (links vom Titel).

   {*6} Einzelheiten zu den hier genannten Leihpartituren siehe die ge-
        sonderten Ausführungen.

   {*7} Einsichtnahme in mehrere Exemplare der gleichen Ausgabe (bzw.
        des gleichen Drucks).

   {*8} Einzelheiten zu den Behelfsdatierungen siehe Ausführungen und
        Tabellen andernorts.

   Die Titelgebung auf der ersten Notenseite ist, wie ebenfalls bereits
angesprochen, in allen Ausgaben der 1967er Fassung druckgleich. Dabei
wundert es nach den bisherigen Ausführungen sicherlich nicht, auch auf
der ersten Notenseite die englische Bezeichnung als vorherrschend zu
sehen (siehe unten die Abbildung).
   Eine Anglisierung, die sich im gesamten Notentext fortsetzt. Bei
"INTRODUCTION" wird das natürlich nicht deutlich, aber ansonsten sind
alle Teile- und Szenenbetitelungen auf englisch und französisch wieder- 
gegeben, wobei die französische Fassung, wie eine Übersetzung zweitran-
gig wirkend, in der nächsten Zeile in KURSIVER UND ZURÜCKGENOMMENER Schrift-
größe nachfolgt.
   "Stravinsky" ist auf der ersten Notenseite wie auf Deckblatt und
Titelseite mit "v" geschrieben. Dazu sei angemerkt: In den Dirigier-
partituren der Vorgängerfassung wurde das "w" in "Igor Strawinsky."
(mit Abschlußpunkt) auf der ersten Notenseite (das ist dort die Seite
3) offenbar erst 1965 geändert, und zwar zu "Igor Stravinsky" (ohne Ab-
schlußpunkt), gemeint ist die Partitur mit dem unten wiedergegebenen
Hinweis auf der Titelseite = Seite [1] (beachte: auf der letzten Noten-
seite = Seite 139 weist diese Partitur nach wie vor den alten, auf 1948
hinweisenden Druckvermerk "H.P. B735. 448" auf, wenn auch gekoppelt mit
"8. 65 E", also mit der erweiterten Druckdatierung August 1965, siehe
oben die Auflistung):

                            Full Score
                       revised 1947 version
                   Reprinted with corrections 1965

   Auch in den (verkleinerten, aber nicht deckungsgleichen) Studienpar-
tituren ändert sich 1965 das "w" zum "v", das heißt, es erscheint jetzt
die Namenszugwiedergabe wie in der Dirigierpartitur, dies zeigen die
Ausgaben mit den Druckvermerken (auf Seite 139): 10·65 L & B und 8·66
L & B; im 1964er Druck mit dem Druckvermerk 3·64 L & B steht jedenfalls
auf der ersten Notenseite noch "Igor Strawinsky." mit "w" und Schluß-
punkt.
   Wie die Titelgebung ist seit der Erstausgabe des 1967er Neudrucks
auch die Fassungsangabe "Revised 1947 [/] New edition 1967" (siehe unten
die Abbildung) unverändert nachgedruckt worden. Allerdings bedarf dieser
Hinweis einer Erläuterung, die hier jedoch kurzgefaßt bleiben muß.
   Die Angabe "Revised 1947" hängt mit der Korrektur per "manueller"
Einfügungen zusammen, die die Druckpartitur 1947 erfuhr, als das Haus
Boosey & Hawkes begann, die nach dem Zweiten Weltkrieg vom Russischen
Musikverlag (Édition Russe de Musique) offenbar mit Auflagen übernommene
Strawinsky-Werksammlung unter seiner Obhut erneut herauszugeben. Die
bisherigen Eigentümer waren Sergej und Natalia Koussewitzky gewesen.
   Es wurde unter Boosey & Hawkes also weiterhin die RMV-Partitur ver-
legt, nur eben - sukzessiv - mit Korrekturen versehen, bis dann 1967 der
Neudruck entstand. Irgendein Hinweis auf Korrekturen fehlte in den Par-
tituren 20 Jahre lang; er erschien erst kurz vor der Entstehung der
neuen Partitur, und zwar in der Dirigierpartitur von 1965, die auf der
Titelseite (Seite [1]) den oben wiedergebenen Hinweis trägt und auf der
ersten Notenseite (Seite 3) unter "Igor Stravinsky" das Kürzel "Revised
1947". In der Taschenpartitur der Reihe "Hawkes Pocket Scores" taucht
die Kennzeichnung "Revised 1947" auch erst 1965 auf und zwar wie in der
1965er Dirigierpartitur auf Seite 3 unter "Igor Stravinsky"; das ist
eine Ausgabe mit dem Druckvermerk "10·65 L & B" auf der letzten Noten-
seite = Seite 139 (auf der Einbandfrontseite ist bei diesen Taschen-
partituren des "alten" Drucks unten links "No. 638" aufgedruckt, minde-
stens eine Variante, Druck 2/77: No 638, ab etwa 1980 oben mittig: HPS
638); die Titelseite der prä-1967er Drucke enthält keinerlei Hinweise
auf Fassung und Korrekturen. Und noch als Ergänzung: Die Taschenpartitur
vom März 1964 mit dem Druckvermerk "3·64 L & B" hat auf Seite 3 die An-
gabe "Revised 1947" noch nicht.
   Es sei noch gesondert erwähnt, daß im Copyright-Block der Sacre-Par-
titur auf der ersten Notenseite (Seite 3: alte Partitur, Seite 1 oder
[1]: neue Partitur) im Gegensatz zu manch anderem von Boosey & Hawkes
verlegten Strawinsky-Werk nie ein Hinweis auf Korrekturen oder eine
Revision enthalten ist, weder in der Dirigier- noch in der Studienpar-
titur. Zunächst lautet der Block:

   Copyright 1921 by Édition Russe de Musique (Russischer Musikverlag)
   for all countries. [Hinweis auf einer Zeile]
   Printed by arrangement, Boosey & Hawkes, Inc., New York, U.S.A.
   All rights of reproduction in any form reserved.

   1965 ändert sich der Block leicht, und zwar mit der Herausgabe der
Dirigierpartitur, die auf der Titelseite den Hinweis "Reprinted with
corrections 1965" und auf der letzten Notenseite (S. 139) den Druckver-
merk 8. 65. E (= August 1965) trägt (beachte: der Wendepunkt "1965" ist
abgeleitet von den bislang eingesehenen Partituren, die Taschenpartitur
jedenfalls des Drucks 3·64 hat noch den alten Block). Ab 1965 lau-
tet der Block dann wie folgt (sowohl in der Dirigier- als auch in der
Taschenpartitur, zu den Ausgaben siehe oben):

   Copyright 1921 by Édition Russe de Musique (Russischer Musikverlag)
   Copyright assigned 1947 to Boosey & Hawkes Inc. for all countries.
   All rights of reproduction in any form reserved.

   Diese Fassung des Coypright-Blocks mit "assigned 1947 to" bleibt bis
vor 1997 bestehen, das heißt, die in der Reihe "The Masterworks Library"
erschienene, auf dem Deckblatt "FULL ORCHESTRAL SCORE" genannte, mittel-
große Partitur hat nun auf der ersten Notenseite die seltsame, obskure
und erklärungsbedürftige Angabe (hierzu siehe frühere und spätere Aus-
führungen):

   © Copyright 1912, 1921 by Hawkes & Son (London) Ltd

   Diese Angabe scheint die Standardauskunft zu werden, allerdings
tauchte auch ein "Ausreißer" auf: Eine Leihdirigierpartitur der hell-
blauen Serie mit Spiralbindung (Ausleihe 2009) hat noch oder wieder
exakt die Copyright-Angaben, die durch die 1997er Masterworks-Ausgabe,
im Nachhinein besehen, als abgelöst schienen. Es handelt sich um die
bereits beschriebene Partitur, die mit "ca. 2000/2009" gekennzeichnet
wurde, deren "Druckinhalt" aber der Zeit Anfang der 1990er Jahre ange-
hört, genauer: sie vermittelt den Anschein, als wäre sie die aller-
letzte Ausgabe der Taschenpartiturlinie der 1980er Jahre - nur eben in
Großformat (vielleicht ist sie auch tatsächlich eine Vergrößerung, doch
macht das Notenbild diesen Eindruck gerade nicht, sie hat ja auch einen
Druckvermerk: "Printed by Halstan & Co. Ltd.", siehe oben).

New edition 1967 - Re-engraved edition 1967

   Die Angabe "New edition 1967" gehört, wie oben angesprochen, zu dem
Hinweispaar "Revised 1947 [/] New edition 1967", das auf der ersten
Notenseite (= Seite 1 bzw. [1]) der Partituren der 1967er Neustichfas-
sung seinen festen Platz hat, es fehlte in noch keiner eingesehenen Aus-
gabe, ob Dirigier- oder Taschenpartitur (siehe unten die Abbildung des
Titelkopfs der Erstausgabenlinie).
   Außer an diesem ständigen Platz taucht das Paar nur einmal noch an
anderer Stelle auf, und zwar auf der Titelseite der Erstausgabenlinie
der Dirigierpartitur, die in dieser Form, allerdings ohne Druckvermerk
auf der letzten Notenseite, noch mindestens 1980 käuflich und zudem
1983 ausgeliefertem Leihmaterial beigegeben war (Einzelheiten siehe
hier an anderen Orten, Abbildung der Titelseite siehe unten). Am Rande:
Zugleich bildet der Erstausgabenverband natürlich auch den einzigen
Fall, daß die Formulierung "New edition 1967" in einer Partitur doppelt
vorkommt.
   Der Hinweis "Re-engraved edition 1967", auf der Titelseite der Leih-
partitur [2012] angegeben (siehe oben), hatte, nach den vorliegenden
Unterlagen geurteilt, anfangs nichts mit der Dirigierpartitur zu tun,
sondern offenbar nur etwas mit der Studienpartitur, Hawkes Pocket
Scores, zunächst No. 638, später in den 1980er Drucken HPS 638. Die Ein-
schränkung "offenbar nur" steht hier, weil eine Ausgabe der Taschen-
partitur aus dem Jahr 1967 bisher nicht angetroffen wurde, nur Drucke
von 1968 bis Ende der 1970er Jahre mit Druckvermerken M.P. 7.68. bis
BHMP 7/78 (hier und nachfolgend vereinfachte Darstellung der Druckver-
merke, zu einer Auflistung siehe oben) und neben diesen eine seltene,
Ende der 1970er Jahre erschienene Ausgabe ohne Druckvermerk, aber mit
einer Verlagsannonce 5/78 oder 7/78, wobei beim Taschenformat hier ei-
gentlich davon ausgegangen wird, daß der Druck von 1968 auch tatsäch-
lich der Erstdruck ist. Hinsichtlich des in der Taschenpartitur einge-
führten Hinweises "Re-engraved edition 1967" gilt nun Folgendes sehr
genau zu beachten. Er taucht offenbar zum ersten Mal 1972 auf (Druck
M.P. 4.72), jedenfalls ist er im Februar 1971 (Druck M.P. 2.71) noch
nicht vorhanden. Damit kommt auf diese Angabe die Diskussion zu, ob
sie eine posthume Angabe ist, ob sie Authentizität beanspruchen darf
oder nicht. Ihr Druckbild in der Taschenausgabe ist bis Ende der 1970er
Jahre übrigens kursiv. Die mit anderem Einband- und Titelseiten-Layout
erschienenen Ausgaben der 1980er Jahre (es liegen etliche Exemplare von
1980/1981 und um 1990 vor) haben den Hinweis "Re-engraved edition 1967"
auf der Titelseite ebenso und auch diesen dort nur allein, aber in Nor-
malsschrift (= nicht kursiv, gerade) {*1}. Und das ist auch so in der
Leihdirigierpartitur "ca. 2000/2009", die, wie oben gezeigt wurde, mit
den Taschenpartituren der 1980er Jahre nicht nur sehr eng verwandt ist,
sondern sicherlich davon abstammt {*2}.

   {*1} Unter den bislang eingesehenen Taschenpartituren trägt der letz-
   te Druck mit kursiver Schrift den Druckvermerk BHMP 7/78, der erste
   Druck hingegen mit gerader Schrift hat keinen Duckvermerk mehr, dafür
   aber die Annonce "NO. 78 [-] 7/78" (Einzelheiten siehe Tabellenabtei-
   lung).

   {*2} Siehe Kapitel "Zwei Leihpartituren Auslieferung 2009"

   Ob mit der 1997 in der Reihe "Masterworks-Edition" herausgebrachten
mittelgroßen Sacre-Partitur die Veröffentlichung der in der Hawkes
Pocket Scores-Reihe erschienenen Partitur eingestellt worden ist, kann
derzeit nicht gesichert beantwortet werden (Stand: 2014). Der bislang
letzte Nachweis jedenfalls eines tatsächlich erworbenen Exemplars des
im Boosey & Hawkes-Verlag seit 1948 existierenden Sacre-Partiturtaschen-
formats stammt von 1991 (siehe die Kapitel über die Taschenpartituren,
dort insbesondere über diejenigen der 1980er Jahre, der zweiten Genera-
tion also).
   Wie die Copyright-Angabe auf der ersten Notenseite so erfuhr in der
"Masterworks-Edition" von 1997 auch der Fassungshinweis auf der Titel-
seite (Seite [I]) eine Änderung und zwar ist er analog zur Erstausgaben-
linie wieder paarig: "Revised 1947 [/] Re-engraved edition 1967". Auch
wird hier genau wie dort darauf hingewiesen, daß diese Ausgabe eine
"full score" sei, offenbar soll sie also als eine Dirigierpartitur ange-
sehen werden (was nicht leicht fällt, siehe gesondertes Kapitel). Der
Hinweisblock auf der Titelseite lautet wie folgt: 

                     Full orchestral score
                            Revised 1947
                      Re-engraved edition 1967

   Von hier wandert "Re-engraved edition 1967" peu à peu in die Leih-
partiturdrucke. Zwar hat die Titelseite der Partitur mit dem Stempel "13
DEC 1999" die Angabe noch nicht, es steht dort nur "Full Score", aber
die hellblaue Partitur (mit Spiralbindung), erstellt zwischen ca. 2000
und 2009, weist, wie schon gesagt, "Re-engraved edition 1967" auf der
Titelseite auf, wenn auch nur, in Anlehnung an die einstige Studienpar-
titurlinie der 1980er Jahre, ohne jeden weiteren Zusatz. Dafür hat die
Partitur [2012] schließlich beide Hinweise wieder als als Paar (siehe
weiter oben die Umschrift).
   So weit so gut, es muß aber eingewendet werden, daß im Grund genommen
weder "New edition 1967" noch "Re-engraved edition 1967" etwas Wesentli-
ches aussagen. Musikalisch gesehen, sind sie so etwas wie Scheinflos-
keln. Denn "new edition" kann sich auf alles Mögliche beziehen und "re-
engraved edition" besagt nur, daß ein Neustich vorliegt, was ebenso
alles Mögliche und Nichts bedeuten kann. Der wirkliche Grund aber für
die Neuausgabe, die Einarbeitung von Korrekturen, ist mit keinem dieser
Hinweise auch nur angedeutet. Und selbst die Jahresangabe 1967 drückt
nicht aus, was genau im Verlauf der langen Korrekturgeschichte dieser
Werkveröffentlichung passierte, wobei "revised 1947" gleich mit in diese
kritische Bewertungen einzubeziehen ist, denn sie überbetont nur eine
der Korrekturstufen und sagt somit ebenfalls zur Fassung so gut wie
nichts - zumindest mit Blick auf den 1921er RMV-Druck, auf die veröffen-
lichte Erstfassung, nichts Wesentliches.
   Zudem ist zu fragen, was "revised" überhaupt aussagen soll. Denn wenn
"revised" nicht nur durchgesehen, überprüft und korrigiert bedeuten
soll, sondern "sehr stark verändert", "revidiert" mit dem Nebensinn, daß
der Begriff "Fassung" in einem tiefer greifenden Sinn ins Spiel gebracht
werden soll, dann wäre es sicherlich angebracht, hierüber eine Diskus-
sion zu eröffnen, ob denn Le Sacre du Printemps in der Tat Fassungen
durchlaufen habe. Denn hieran zu zweifeln, dürfte zumindest bedenkens-
wert sein, derart etwa, zu überlegen, ob es nicht zutreffender wäre, von
einer Entwicklung in Korrekturstufen zu sprechen (teils verschleppten
übrigens, und ob in jedem Fall kompositorisch förderlich, wäre auch noch
so eine - allerdings ziemlich waghalsige - Frage).
   Einmal wurde im Sacre-Bereich von schwammigen Begriffen wie "revisi-
on" und "new edition" abgesehen, und zwar bei der Herausgabe der 1965er
Dirigierpartitur: Reprinted with corrections 1965. Immerhin ist hier
konkret von Verbesserungen die Rede (Weiteres siehe das Kapitel über
diese Partitur).
   Von vornherein völlig abwegig wäre, der 1945 veröffentlichten Danse
Sacrale for Orchestra den Status einer wirklichen Fassung abzusprechen.
Denn das ist eine uminstrumentierte, eine klar und deutlich selbständige
Auskopplung der letzten Szene, sozusagen des letzten "Satzes". Diese
Partitur erschien im Verlag Associated Music Publishers, Inc., New York,
ganz für sich also, mit den Angaben "Copyright, 1945, by Associated
Music Publishers, Inc.", "Printed in U.S.A." sowie, und dies beachte
man peinlichst genau, auf der Titelseite und ersten Notenseite (= Seite
3) mit dem Hinweis "Revised Version - 1943". Hier beinhaltet nämlich
"revised version" ohne Zweifel den Sinn "abgeänderte Fassung"; sie ist
nicht nur "durchgesehen", sondern in der Tat "revidiert", nämlich "an-
ders", "neu" (wenn nicht sogar dem Sinn nach gemeint als "richtig ge-
stellt", was wiederum zu diskutieren wäre, gerade angesichts der Ver-
wendung in der 1960er Schallplattenaufnahme des Sacre unter der Leitung
des Komponisten).
   Wie auch immer, zur Entwicklung der Druckpartitur des Hauptwerks und
zur Verdeutlichung in Umrissen, was eigentlich hinter "Revised 1947",
"New edition 1967" und "Re-engraved edition 1967" steckt, läßt sich
kurzgefaßt Folgendes sagen {*1}:
   1921 ging der Russische Musikverlag erneut und verstärkt die Druck-
legungsarbeit an der Erstausgabe der Sacre-Partitur an (zur Leihparti-
tur siehe oben, zur Abbildung des Deckblatts siehe unten). 1929 kam es
dann zu einer zweiten Ausgabe mit Änderungen (über deren musikalisches
Gewicht oder Erheblichkeit sicherlich unterschiedliche Auffassungen
möglich sind - aber man wird zumindest den NotentextDRUCK als solchen
eine Fassung nennen können).
   In einem Exemplar der 1929er Partitur war samt einem Doppelblatt (u.
a. mit Instrumentenaufstellung und Dirigatanweisungen) eine dreiseitige
Errata-Beilage aufgefunden worden (siehe früheres Kapitel mit Abbildun-
gen), die vom Inhalt her keinen Zweifel entstehen läßt, daß sie für die
1921er Partiturstufe bestimmt war (also für die Dirigierpartitur wie
auch für ihre Verkleinerung, die Studienpartitur). Zu datieren ist diese
Beilage wohl auf Anfang 1923 (nach Cyr, private Sacre-Überblicksgraphik,
1978, unveröffentlicht).
   Wieso es nun allerdings geschehen konnte, bei der 1929er "Revision"
der 1921er Partitur die Existenz der "1923er" Errata zu übersehen, ist
ein Rätsel. Die anstehende, nachgeholte Korrektur geschah dann 1947
unter Boosey & Hawkes, und zwar nach der Methode Einschübe, Auskratzun-
gen, Einfügungen "per Hand" u.ä. (das kann man deutlich sehen).
   Um 1950/51 erhielt diese korrigierte Partitur erneut eine Errata-Bei-
lage {*2}. Doch DAS nach außen {*3} gerichtete Update-Medium wurde die
Taschenpartitur ("Hawkes Pocket Scores", No. 638, nicht "HPS 638", so
erst in den 1980er Jahren): In ihr werden bis 1965 jeweils anfallende
Korrekturen veröffentlicht, wobei in diesem Jahr auch eine erneuernde,
eine kumulative Korrektur beinhaltende Dirigierpartitur mit dem Hin-
weis auf der Titelseite "Reprinted with corrections 1965" angefertigt
wurde (siehe oben, gesondertes Kapitel und collagierte Abbildung zum
Deckblatt siehe später).
   1966 kam die letzte Studienpartitur der alten, auf dem RMV-Druck
basierenden "Fassung" heraus. Sie erreichte, obwohl nur kurzzeitig
aktuell, sowohl den Handels- wie auch den Leihmaterialstatus {*4}. Mit
ihr waren somit seit 1948 wahrscheinlich 16 Ausgaben der ersten Boosey
& Hawkes-Studienpartitur erschienen.
   Da 1966 erneut Korrekturen angefallen waren und Einfügungen in die
alte Partitur nicht mehr möglich schienen, kam der Entschluß zu einem
Neustich; er wurde 1967 erstellt und 1968 veröffentlicht, zu einer Zeit,
da der Komponist ein betagtes Alter erreicht hatte, er starb 1971, zwei
Monate vor seinem 89. Geburtstag.

   {*1} Weitere Informationen über die Entwicklung siehe an diversen
   anderen Orten.
   Beachte: Der skizzierte ausgabenkundliche Überblick beruht auf Arbei-
   ten, in die mich Louis Cyr SJ, Kanada, Ende der 1970er und Anfang der
   1980er Jahre in Frankfurt/Main während unserer Strawinsky-Werkstatt
   einführte. Ich machte zahlreiche Notizen und fertigte auch - von ihm
   größtenteils durchgesehene und korrigierte - Niederschriften an
   ("Protokolle"). Louis Cyr hat später zum Thema Notentext und Ausgaben
   der Le Sacre du Printemps-Partitur eigene Beiträge veröffentlicht
   (Weiteres aus dieser Werkstatt in Planung; zu Louis Cyrs Präsenz in
   dieser online befindlichen Strawinsky-Arbeit nutze man die Google-
   Suche "site:dpmusik.de Cyr").

   {*2} Siehe Ausführungen zu den "Bernstein-Materialien" und zur
   Feldbrill-Dirigierpartitur.

   {*3} "Nach außen gerichtet": Zur vermuteten Existenz einer dies doku-
   mentierenden Dirigierpartitur siehe im Zusammenhang mit den "Bern-
   stein-Materialien" eine spätere Ausführung.

   {*4} Erstaunlicherweise wurde sie sogar noch in einer Leihmaterial-
   lieferung von 1983 angetroffen (siehe andernorts).

Boosey & Hawkes-Leihstimmen: Herkunft, Datierungen, Mystisches

   Was nun die Korrekturkennzeichnung "Revised 1947" angeht, so muß dem
unbedingt hinzugefügt werden, daß offensichtlich bis in die Gegenwart
(Stand: März 2017) das von Boosey & Hawkes im Rahmen des Ausleihver-
kehrs zur Verfügung gestellte Stimmenmaterial aus Kopien des RMV-Stim-
menmaterials besteht, vielfach geändert, abgeändert, durch Kopiervor-
gänge ausgebessert. Vorgenommen wurden diese Korrekturen handschrift-
lich, per Schablonenhilfe, gesetzt per Typendruck und durch mehr oder
minder umfangreiche Auswechslungen. Besonders extreme (frühe) Beispie-
le, u.a. wegen der "Rückmetrisierung" der Danse Sacrale, bieten im
Internet wiedergegebene Stimmen einstigen "Bernstein-Materials"; dort
begegnet man einem derart verwirrend wirkenden Bild an Korrekturen,
Korrekturarten, Überklebungen und Einschüben, daß der Eindruck, dies
sei "Stimmenmaterial in Dauerüberbearbeitung" gewesen, sicherlich nicht
übertrieben ist (zu den Links siehe hier in der Arbeit spätere Kapitel,
eine Durchsicht der überaus komplexen Materialien ist in Planung). 
   Auch sollte hier - vorgreifend auf spätere kurze Bemerkungen oder
allgemeine Ausführungen zum "Bernstein-Material - schon darauf hinge-
wiesen werden, daß nämlich dieses Material und das aktuell von Boosey
& Hawkes ausleihbare Material zwar eine enge Verwandtschaft verbindet,
daß aber dennoch zwischen diesen beiden Materialbereichen erhebliche
Unterschiede bestehen (dazu siehe, wie gesagt, spätere Kapitel).
   Der Zustand des aktuellen Boosey & Hawkes-Material läßt sich also,
wie oben angedeutet, treffend als "vielfach bearbeitetes Stimmenmate-
rial" umschreiben. Wie nun die Lage, auch angesichts der Tatsache, daß
keine kritische Partiturausgabe existiert, in Zukunft aussehen wird, ist
natürlich nicht voraussehbar. Jedenfalls wurde über eine grundsätzliche
Neuausstaffierung des Ausleihmaterials, welcher Art auch immer, bislang
nichts bekannt. Verwunderlich ist allerdings zugegebenermaßen nicht, daß
man trotz der gegenwärtigen Situation einen arbeitsaufwendigen und risi-
koreichen Neudruck scheut, obwohl allein schon das mannigfach auf viel-
fältige Art und Weise ausgebesserte Druckbild eine Vereinheitlichung
durchaus vertragen könnte (ganz abgesehen davon, daß das Material un-
strittige Fehler aufweist - von den strittigen Unklarheiten ganz zu
schweigen).  
   Das lenkt den Blick auf die Urquellen, hier stellvertretend auf die
schon erwähnte "originale" (wenn auch kopierte) Piccolo I-Auflagestimme
des Russischen Musikverlags (RMV), die erstaunlicherweise sogar noch
nach der Erstellung der Partiturneuedition von 1967 in einem 1983 von
Boosey & Hawkes ausgelieferten Mietmaterial vorgefunden wurde (das Ma-
terial war für eine im März bis Mai 1983 anberaumte Rundfunkproduktion
bestimmt gewesen, Details hierzu siehe früheres Kapitel).
   In dieser RMV-Piccolo I-Stimme (wie gesagt, 1983 in dem von Alters
her tradierten, aber stark aufbereiteten Boosey & Hawkes-Leihmaterial
angetroffen!) ist tatsächlich ein Revisionsjahr angegeben, und zwar sage
und schreibe: 1948. Wie paßt das zu "Revised 1947"? Und hier sollen auch
gleich Fragen angefügt werden, die derzeit nicht zu beantworten sind.
Bezieht sich die Revisionsdatierung auf einen ganzen Stimmenmaterialsatz
oder nur auf einzelne Stimmen? Denn wie nachfolgend berichtet, wurde die
Datierung 1948 zwar auch anderswo vorgefunden, wenn so, dann aber nur
auf vereinzelten Stimmen. Und könnte es nicht auch sein, daß mit diesem
Jahr eine Partiturkorrektur verbunden ist, nämlich nach der von 1947 die
nächste, die aufgrund der siebenseitigen Errata-Liste durchgeführt wur-
de, die unter den im Internet verfügbaren "Bernstein-Sacre-Materialien"
einsehbar ist (und im Original samt einer dazu passenden Dirigierparti-
tur diesem Verfasser vorliegt, siehe Kapitel Feldbrill)? Wenn dem so
wäre, käme allerdings mit der überraschenden Angabe "1948" die lang ge-
hegte und hier öfters angegebene Hilfsdatierung der Liste "um 1950"
etwas ins Wanken (Weiteres hierzu später).
   Zunächst Näheres zur RMV-Piccolo I-Stimme: Sie hatte bei Einsicht-
nahme einen ausgesprochen ältlich wirkenden Umschlag mit Überklebungen;
von diesen ist eine mit einem der ovalen Boosey & Hawkes-Stempel der
"HIRE LIBRARY" bestempelt worden, vielleicht eine "Umstempelung" von
RMV zu Boosey & Hawkes. Einen althergebrachten Eindruck machen auch Be-
schriftung und Titelgebung (siehe hierzu später im Kapitel "Titelgebung
auf Leihstimmen"). Außerdem zeigte die Stimme Spuren einer Satzzugehö-
rigkeit, denn sie trug die typische handschriftliche Zählung der ersten
Stimme des sogenannten Harmonie(stimmen)satzes, und zwar gleich zweimal:
1/43 und 1 - 43 (= Stimme 1 von 43). Auch wies sie eine Satznumerierung
auf: eine gestempelte (oder vielleicht auch gedruckte) große "2". Ein
bloß loses Einzelexemplar ist oder war sie also nicht.
   Die Plattennummer der Stimme lautet "R.M.V-198" (nicht R.M.V. 198,
und auch nicht auf allen Seiten vorhanden {*1}). Im Titelkopf der ersten
Notenseite ist unter "IGOR STRAWINSKY" (wie zu Erwarten mit "W") in
Schablonenschrift, also zunächst eigentlich per Hand (aber dann doch ge-
druckt), die so erstaunliche Revisionsdatierung, "revised 1948", ergänzt
worden, die zusätzlich (später?) mit Filzstift sogar noch eine doppelte
Unterstreichung erfuhr.

   {*1} Die "9" in "R.M.V-198" ist tiefgestellt. Die im Zusammenhang mit
   "Bernstein-Partituren" ins Internet gestellten RMV-Harmoniestimmen
   weisen in der Regel ebenfalls diese Plattennummernvariante R.M.V-198
   auf, eine andere dort anzutreffende Variante ist R-M-V-198 (Details
   dazu in einer gesonderten Beschreibung).

   Weitere damals (1983) eingesehene Flötenstimmen (Flauto I, II, III,
c.alto [contralto = alto]) und eine zweite (!) Piccolo I-Stimme (eben-
falls mit der Harmoniesatzzählung 1/43, aber die Satznummer "7" aufwei-
send) waren Boosey & Hawkes-Nachdrucke ohne den 1948er Zusatz, dafür
aber mit "1967" auf Umschlag und erster Notenseite gekennzeichnet, beide
Male gedruckt. Andererseits tauchte für eine Produktion Anfang 2006 auch
eine Violini I-Leihstimme auf {*1} mit den Angaben (ebenfalls gedruckt)
"1965" (!) und "(Revision 1948)", beide auf der ersten Notenseite, wäh-
rend 1983 eine Violini I-Stimme auf der ersten Notenseite den Aufdruck
"1967" aufwies, dafür aber keinen Revisionszusatz {*2}.

   {*1} Mit der aufgestempelten Satznummer "9" (weitere Details siehe
   nachfolgend).

   {*2} Bislang (Stand: März 2017) ist keine Leihstimme angetroffen
   worden mit einer Angabe, die AUSDRÜCKLICH auf die Partiturhinweise
   "New edition 1967" oder "Re-engraved edition 1967" Bezug nähme. Doch
   deutet wahrscheinlich die bloße Jahresangabe "1967" darauf hin, wie
   auch "1965" auf den 1965er Partiturdruck ("Printed with corrections
   1965") hinzuweisen scheint (siehe nachfolgend und später das Kapitel
   zur 1965er Partitur).

   Außer der RMV-Piccolo I-Stimme weisen alle anderen oben angeführten
Auflagestimmen auf der ersten Notenseite einen Copyright-Block auf, er
ist gesetzt (= gedruckt), und abgesehen von Stempeln und Beklebungen auf
dem Deckblatt benennt er das Verlagshaus Boosey & Hawkes unmißverständ-
lich als den Rechteinhaber. Dieser Copyright-Hinweis stimmt im Wesent-
lichen mit der zweiten der bisher angetroffenen Partiturfassungen über-
ein (siehe oben die Umschriften):

   Copyright 1921 by Edition Russe de Musique [nicht: Édition ...]
   Copyright assigned 1947 to Boosey & Hawkes Inc; for all countries

   Dieser zitierte Datenblock erweckt für sich allein vielleicht noch
nicht den irreführenden Eindruck, man habe es mit einem genuinen Boosey
& Hawkes-Notendruckerzeugnis zu tun, es entsteht da doch eher ein gewis-
ser Schwebezustand, denn eine Copyright-Angabe sagt ja noch nichts De-
finitives über den Stich- bzw. Druckhersteller aus. Anders stellt sich
möglicherweise die Sachlage dar (und sofern man die Situation in den
Partituren nicht so genau kennt), wenn die folgenden (angeblich starken)
Merkmale hinzugenommen werden. So hat die genannte 1965er Violini I-
Stimme (mit der Angabe "Revision 1948") natürlich eine PLATTENnummer,
also eine scheinbar echte handwerkliche Numerierung, B.H. 16.603, und
auf der letzten Notenseite (Seite 29) sogar ein Druckdatum, "9.65 · E",
das als reales Stichdatum aufgefaßt werden könnte. Die Violini I-Stimme
von 1967 besitzt hingegen weder eine gesonderte Revisionsangabe noch
einen Druckvermerk, dafür aber als "Plattennummer" sowohl 16603 als auch
B.H. 16.603. "Plattennummern", nämlich 16603 {*1}, haben auch die Flö-
tenstimmen von 1967, eine Bezugnahme auf die "Revision 1948" aber besit-
zen sie nicht, auch eine Druckangabe haben sie nicht. Man beachte hier-
bei: Alle "Plattennummern" bestehen in der Regel aus Drucktypen, doch es
kommen auch handschriftliche vor (siehe gesondertes Kapitel zu einem im
Frühjahr 2015 eingesehenen Materialsatz).
   Desweiteren besitzen alle mit dem Copyright-Hinweis ausgestatteten
Boosey & Hawkes-Stimmen auf der ersten Notenseite auch (bzw. noch zu-
sätzlich) den Vermerk "Printed in England", der allerdings schillert
und etwas mißverständlich ist, nur "Made in England" wäre wohl gänzlich
mißverständlicher, denn der Urerzeuger dieser Stimmen ist ja eigentlich
der Russische Musikverlag (Édition Russe de Musique) {*2}.

   {*1} Hier wird auch deutlich, daß die "Plattennummer", jedenfalls in
   ihrer rein numerischen Grundstruktur, für ALLE Stimmen gilt - und das
   heißt, es müßte eigentlich von so etwas wie einer "SATZplattennummer"
   gesprochen werden.

   {*2} Sämtliche eingesehenen Boosey & Hawkes-Ausgaben der Taschenpar-
   titur der alten Druckfassung (1948 bis 1966) weisen auf der Titel-
   seite "MADE OF ENGLAND" auf, ebenso die Ausgaben dieses Formats der
   neuen, der 1967er Druckfassung bis mindestens 1978. Die Taschenpar-
   titurausgabe der 1980er Jahre enthält diese Angabe nicht mehr. Auf
   Titelseiten von Dirigierpartituren (inklusive Leihdirigierpartitu-
   ren) ist dieser Herstellungsnachweis bisher noch nicht vorgefunden
   worden. Demgegenüber fehlte "Printed in England" (bis 1966: "Printed
   in England.") auf der ersten Notenseite der Partituren mit einer
   Ausnahme nirgends. Zur Ausnahme: Auf der Seite [II] der seit 1997 im
   Verkaufsprogramm befindlichen Masterworks-Ausgabe steht "Printed and
   bound in England by Halstan & Co. Ltd.,Amersham [sic], Bucks.", da-
   für ist "Printed in England" auf der ersten Notenseite entfallen
   (eine weitere Änderung auf der ersten Notenseite ist die Austauschung
   der traditionellen Copyright-Angabe durch eine neue, sehr wunder-
   liche Fassung, siehe frühere Ausführungen).

   Wie diese Ausführungen zeigen, sind die Begriffe "Made" und "Printed"
keineswegs eindeutig, ihre Anwendung schon gar nicht nicht. Und auch an-
dere zur Bestimmung des "wahren Erzeugers" herangezogene Hilfselemente
besitzen nicht die Kraft, die nötig wäre, dem Problem beizukommen, aus
den Angaben den eigentlichen, den ursprünglichen Urheber herauslesen zu
können. Und wenn man Spitzfindigkeit betreibt, sagt selbst das scheinbar
unzweifelhafte "Printed and bound in England" in der Masterworks Libra-
ry-Ausgabe nicht, von wem der Stich, der 1967 entstand, denn nun stammt.
Anders ist das z.B. bei alten Leipziger Röder-Drucken, da wird ausdrück-
lich zwischen "Stich und Druck" unterschieden.

RMV-Piccolo I-Stimme: Druckkennzeichnung, Boosey & Hawkes-Retusche

   Alle RMV-Stimmen scheinen gegen 1926 oder kurz danach fertiggestellt
worden zu sein, wenn dies tatsächlich zutrifft, dürfte aber auch klar
sein, daß sie 1929 - im Zusammenhang mit der Neufassung der Partitur -
in Teilen wieder eine erhebliche Korrektur erlebt haben müssen, so vor
allem in der Danse Sacrale (zu zwei offenkundig vorliegenden Druckchar-
gen siehe unten). Es sei denn die Revisionen fanden schon 1926 statt -
zunächst in den Stimmen.
   1913 gab es noch keine gesetzten Drucke, sondern nur Kopistenab-
schriften, für die Streicher in Kopievervielfältigung. 1921 entstand
dann erneut Stimmenmaterial, offenbar vollständig und wiederum per Ko-
pistenabschrift. Für alle diese frühen handschriftlichen Erzeugnisse
wurden schon die späteren Plattennummern vergeben. Daraus kann man
schließen, daß schon sehr früh an eine gesetzte Drucklegung gedacht
worden war, ja, man kann sich sogar vorstellen, daß schon sehr früh
Probedrucke existierten, vielleicht schon 1913. Wie auch immer, alle
RMV-Sacre-Erzeugnisse verbindet ein enger numerischer Zusammenhang,
der ingesamt auf 1913 hinzuweisen scheint, wobei die lückenlose Folge
der Nummern diese Vermutung wohl stützt (und somit kann man auch, sozu-
sagen mit Blick in die Zukunft, der Einfachheit halber die Nummern der
frühen Stimmenabschriften - selbst im strengen Sinn des Wortes - schon
als Plattennummern, quasi als Plattennummern in spe, bezeichnen - muß
man aber nicht {1}):

   Klavierauszug:           R.M.V. 196
   Dirigierpartitur 1921:   R.M.V. 197
   Dirigierpartitur 1929:   R.M.V. 197
   Studienpartitur  1921:   R.M.V. 197b (Verkleinerung, Plattennummer
                            nur auf der ersten Notenseite)
   Studienpartitur  1929 1: R.M.V. 197b (wie 1921, allerdings hat
                            das "b" eine andere Form.) {*2}
   Studienpartitur  1929 2: R.M.V. 197b (wie 1929 1) {*2}
   Auflagestimmen:          R.M.V. 198 (R.M.V-198 u.ä., zur Piccolo I-
                            Stimme siehe oben)

   {*1} Die Handschriften des Klavierauszugs und der Partitur (Vorlage
        jeweils die Faksimile-Ausgabe) weisen in der Tat "Manuskript-
        Numerierungen" auf, das heißt, es wurden ganz offensichtlich die
        jeweils vorliegenden Noten eines Werks passend numeriert, und
        zwar wohl bei Eingang. Im Klavierauszug steht z.B. auf der
        ersten Notenseite mit Bleistift notiert "R. M. V. 196" und die
        erste Notenseite des Partitur-Manuskripts trägt dazu passend den
        Stempel (in rot): MANUSKRIPT [/ zentriert:] R. M. V. 197 (197:
        handschriftlich, rote Tinte). Es sind sogar für die Bestempelung
        der Seite 61 des Klavierauszugs und Seite 69 der Partitur der
        bis auf unbedeutende Details gleiche - jeweils mit "196" bzw.
        "197" ausgefüllte - rote Vorlagenstempel "R. M. V. ......." ver-
        wendet worden (beachte: nur vereinzelt wurden Seiten mit "Plat-
        tennummern" versehen).

   {*2} 1929 1 = 1. Auflage, 1929 2 = 2. Auflage (Details siehe andern-
        orts)

   Bei der Einschätzung des äußeren Bildes der 1983 im Boosey & Hawkes-
Leihmaterial vorgefundenen RMV-Piccolo I-Stimme darf Folgendes nicht
übersehen werden: Es ist zwar unten auf der ersten Notenseite die Plat-
tennummer erhalten geblieben, nicht aber der originale Copyright-Block
des RMV. Er wurde wegretuschiert. Nach der betreffenden Stimme des
"Bernstein-Materials" stand da

   unten links:

   Propriété de l'Éditeur pour tous pays.
   ÉDITION RUSSE de MUSIQUE.
   Russischer Musikverlag G. M. B. H. Berlin.
   Tous droits réservés pour tous pays.

   und unterhalb von R.M.V-198 ("9" tief gesetzt) fast mittig:

   IMPRIMÉ EN FRANCE

   Wie die Retusche zeigt, erfuhr also diese sogenannte originale RMV-
Stimme unter Boosey & Hawkes Änderungen, und wenn schon eine solche
(ziemlich drastige), dann vielleicht auch andere (im Notentext) - was
auch der Fall ist. Zudem behalte man für spätere Erörterungen rund um
die Stich- und Druckherkunft in Erinnerung, daß "IMPRIMÉ EN FRANCE"
nicht gedruckt, sondern aufgestempelt ist und daß, wie im "Bernstein-
material" ebenfalls anzutreffen, "IMPRIMÉ EN FRANCE" als "Imprimé en
France." überraschenderweise auch auf frühen Boosey & Hawkes-Leihstim-
men auftaucht, und zwar in beiden Fällen gedruckt, unten rechts und in
folgender Form:

   Propriété de l'Éditeur
   pour tous pays
   Imprimé en France.

   Das besonders Beachtenswerte daran ist, daß die mit französischem
Punkt versehene Boosey & Hawkes-Plattenummer B.H. 16.603 (siehe oben) in
der Frühzeit, wie die "Bernstein-Stimmen" offenbaren, zusammen mit die-
sem französischen Hinweis auftaucht. Mit anderen Worten: Es besteht der
nahe liegende Verdacht, der Druck (bzw. Nachdruck) der ersten Boosey &
Hawkes-Stimmen sei in Frankreich erfolgt (weitere Detailbeobachtungen
dazu, auch im Hinblick auf die Herausgabe von RMV-Partituren durch Boo-
sey & Hawkes in der unmittelbaren Nachkriegszeit, siehe später an ande-
rem Ort; zu Leihauflagestimmen findet man weitere Ausführungen in dem
späteren Kapitel "Titelgebung auf Leihstimmen") {*1}.

   {*1} Die Leihstimmen wurden noch nicht einer genauen Druckstockunter-
   suchung unterzogen, dies wird wahrscheinlich im Zusammenhang mit der
   Untersuchung der ins Internet eingestellten "Bernstein-Stimmen" ge-
   schehen. Zu Herstellerangaben in frühen RMV-Materialien: Der einzige
   Druckerhinweis findet sich im Klavierauszug; so steht auf der letzten
   Noteseite (S. 89) unter den Systemen rechts:

      Stich und Druck von C.G. Röder G.m.b.H., Leipzig.

   Diesem Bezug auf den deutschen Herstellungshintergrund entspricht der
   Rechtehinweis auf der ersten Notenseite (S. 9):

      Russischer Musikverlag, Berlin,Moskau,St. Petersburg. [-] Eigen-
      tum des Verlags.

      Der RMV-Klavierauszug (alle drei Auflagen) und die RMV-Partituren
   (beide Auflagen, Taschenpartituren inklusive) sind eng miteinander
   verwandt, allein ihre äußere Gestaltung zeigt dies. Anfangs wurde
   im Haus Boosey & Hawkes die Herkunft nicht verschwiegen, ganz im
   Gegenteil, doch in jüngster Zeit sind in dieser Hinsicht Änderungen
   zu vermerken: es kommt eine merkwürdige Verschweigungs- und Vertu-
   schungspolitik auf (Details hierzu an diversen anderen Orten, und
   auch im Rahmen der Besprechungen der Klavierauszüge sowie der Ge-
   staltungs- und Schriftzugarten sind Darstellungen dazu in Planung).

Titelgebung auf Leihstimmen, Druck, Bedruckung, Bestempelung

   Die folgenden Darlegungen zu Leihstimmen benötigen zum Nachvollzug
unbedingt etliche der vorangegangenen Ausführungen (es wird empfohlen
sich vor allem der Kapitel wie "Erste Notenseite, Besonderheiten: Titel-
kopf, Fassungshinweis, Copyright" als Grundlagen zu vergewissern, ebenso
die bisherigen Kapitel zu Leihstimmen, hierbei insbesondere das wichtige
Unterkapitel "Boosey & Hawkes-Leihstimmen: Herkunft, Datierungen, Mysti-
sches").
   Nach gegenwärtiger Kenntnis bestand das RMV-Leihstimmenmaterial aus
zwei offenbar getrennten Druckfertigungen. Das läßt sich bereits oder
immer noch von den von Boosey & Hawkes verlegten Leihstimmen ableiten.
Die beiden "Chargen" (ein Hilfsbegriff, vielleicht wäre "Stichprozeß"
geeigneter) unterscheiden sich im Notenbild durch charakteristische
Details, haben aber ein Ähnlichkeitsprofil wie etwa zweieige Zwillinge,
deshalb ginge auch eine Beschreibung sicherlich zu weit, wenn von zwei
(ganz) unterschiedlichen "PlattenTYPEN" die Rede wäre (die Betonung
liegt bei dieser Aussage auf Typ, als einem je nach Setzerei oder Her-
stellungsmodus und -zeit abhängigen Erscheinungsbild). Daß es aber über-
haupt abweichende und gleichzeitig nach Details sortierbare Stichbilder
gibt, darüber wiederum besteht kein Zweifel. Doch, um es zu wiederholen,
die Gemeinsamkeiten sind sehr stark, die direkten Verwandtschaftsbande
überdeutlich (und man beachte: in den Kreis einer gründlichen Druckbild-
untersuchung und -beurteilung sollten im Prinzip auch die im RMV er-
schienenen Partitur- und Klavierauszugauflagen einbezogen werden).
   Die originalen RMV-Stimmen fallen schon rein äußerlich sehr leicht
ins Auge. Da ist zunächst auf der ersten Notenseite die rein französi-
sche Titelgebung "LE SACRE DU PRINTEMPS", sie besteht aus dornenhaft,
verziert stilisisierten, unheimlich und mysteriös anmutenden Lettern,
wobei die im Internet zugänglichen "Bernstein-Stimmen" zeigen (Bespre-
chung siehe späteres Kapitel), daß auch sehr frühe Boosey & Hawkes-Leih-
stimmen diese Titelgebung (noch) aufweisen. Anders die bislang eingese-
henen, seit mindestens 1965 im Verkehr befindlichen Boosey & Hawkes-
timmen, sie haben eine neu gesetzte englisch-französische Titelfassung,
nüchtern, "modern" im Charakter, "THE RITE OF SPRING [/] (Le Sacre du
Printemps) [/] Ballet for Orchestra", und hierbei besteht die englische
Titelfassung aus sehr großen fetten Lettern. Die französische aber, die
originale also, wurde dagegen in die zweite Zeile verwiesen und zudem in
Klammern sowie nur etwa halb so groß und in einfacher Druckstärke ge-
setzt. Auch die Schreibweise des einstigen Namenszugs "IGOR STRAWINSKY"
wurde abgeändert: "I. STRAVINSKY" ("V" statt "W") lautet die Fassung
jetzt.
   Interessant ist, daß die französischen Teile- und Szenentitel - so-
fern im Einzelfall überhaupt vorhanden - unverändert geblieben sind, auf
eine durchgehende englische Ergänzung (oder "Überbauung") verzichtete
Boosey & Hawkes jedenfalls. Das Notenbild selbst wurde praktisch als
Ganzes, als Grundstruktur übernommen - und zwar in der 1929er RMV-Basis-
verfassung (mehr dazu an diversen Orten).
   Am Beispiel der jeweils ersten Notenseiten sieht die Kopie so aus,
daß der Teil von der direkt über den Noten stehenden Teilbezeichnung
"PREMIÈRE PARTIE" samt der links darüber stehenden Instrumentenbezeich-
nung (z.B. VIOLINI I) bis einschließlich des untersten Systems vom RMV-
Original übernommen wurde. Doch erfuhren natürlich die Stimmen, offen-
sichtlich mehrfach, vielerlei Korrekturen unterschiedlichster Art. Daß
da viel eingegriffen, verändert, verbessert wurde, das alles ist deut-
lich zu erkennen. Die Korrekturen umfassen, wie schon gesagt, von ge-
druckten (u.a. in Schablonenschrift) bis zu tatsächlich handschriftli-
chen alle Arten von Verbesserungen. Herauszufinden, inwieweit es sich
dabei, wann und wie ausgeführt, um "professionelle" (= von Verleger-
seite herrührende), berechtigte (= autorisierte, nachvollziehbare) oder
nur um praxisbezogene handelt, kann im Einzelfall sehr oft zu einer er-
heblich umfangreichen Recherche führen (mit womöglich offenem Ausgang).

                 Abbildungen: Piccolo I-Titelkopf usw.

   Die bisher eingesehenen älteren "1965er" und "1967er" Boosey & Haw-
kes-Leihmaterialstimmen wiesen in aller Regel datierte oder datierbare
Hinweise auf, die auf einen ständigen Gebrauch bzw. mindestens auf stän-
dige Verfügbarkeit schließen lassen. Ein früher Hinweis ist z.B. der
nachfolgend wiedergegebene, frühestens seit etwa Mitte 1962 verwendete,
postalisch bis 1974 geltende "53er Stempel" (1974 wurde die bisherige,
frei wählbare Variante 5300 amtlich als verpflichtend festgeschrieben,
zu Boosey & Hawkes-Stempel siehe schon vorliegende Ausführungen zu Pul-
cinella):

                        BOOSEY & HAWKES GMBH
                         - Leihbibliothek -
                             53 BONN - 1

   Weitere Hinweise liefern Signaturen. So war auf einer den "53er
Stempel" aufweisenden "1967er" VIOLINI I-Stimme "Pagin [19]83" notiert
(Diego Pagin war in dieser Zeit Konzertmeister des Sinfonieorchesters
des Hessischen Rundfunks; zu einem nahezu frischen, Anfang 2015 einge-
sehenen Materialsatz siehe später ein spezielles Kapitel).
   Die oben erwähnte, in einem Boosey & Hawkes-Material 1983 enthaltene
Piccolo I-Stimme des Russischen Musikverlags, hatte keinen deutschen
Stempel, stattdessen einen älteren ovalen Boosey & Hawkes-Stempel auf
Deckblatt und Seite [1] mit der Beschriftung im äußeren Rand: * BOOSEY
& HAWKES * MUSIC PUBLISHERS LTD., im Innenraum: 295 REGENT STREET [/]
HIRE LIBRARY [/] LONDON, W.I.; auf dem Umschlag ist aufgedruckt in
großen, nüchternen, serifenlosen Lettern "Strawinsky" mit "w" (nicht
"v") und "Le Sacre" (nicht "The Rite"). Ein äußeres Bild, das allein
schon eine frühe "Indienststellung" andeutet (siehe dazu oben, zur Kor-
rektursachlage siehe ebenfalls oben den skizzierten Abriß).
   Soweit zu einigen Themen, Leihstimmen betreffend, Ausführungen, sie
bieten natürlich nur einen ersten Überblick; Fragen kommen viele auf.
Doch hier jetzt ausgedehnte Beschreibungen von Beobachtungen zu liefern,
würde zweifellos zu weit führen, zumal zu manchen Sachverhalten noch
nicht einmal ein geordnetes Bild in Umrissen vorliegt. Weiter unten wer-
den aber dennoch einige Beispiele zu den Druckcharakteristiken angebo-
ten, damit wenigstens in etwa eine erste konkrete Vorstellung von den
angesprochenen Plattenunterschieden möglich ist.
   Welches Thema man im Zusammenhang mit den Sacre-Materialien auch an-
faßt, sofort taucht dabei die Frage nach den Varianten auf. Gerade beim
Leihstimmenmaterial ist das in einem sehr verstärkten Maß der Fall. Doch
hier nun allzu detaillierte oder gar umfassende Recherchen anzugehen,
geschweige denn langatmig mitzuteilen, ist im Rahmen der Beschreibung
von Editorischem und Äußerlichkeiten nicht das Ziel. Da aber nun mal
das Variantenthema in der hier dargestellten editorischen Partitur- und
Stimmendiskussionen nahezu allgegenwärtig ist, wird trotzdem auch hier
- allerdings nur gelegentlich - auf notentextliche Einzelheiten einge-
gangen. Vor allem aber, es kann nicht oft genug wiederholt werden, kon-
sultiere man auf diesem Gebiet Louis Cyrs Arbeiten.
   Ein anderes Thema ist, daß im Recherche-Bewußtsein allein schon die
hier mehrfach angesprochene ungewöhnliche Sachlage immer präsent ist,
wie das im Haus Boosey & Hawkes einst eingeführte seltsame Verhältnis
der Korrekturgeschichte der Sacre-Dirigierpartituren zu derjenigen der
Studienpartituren und darüber hinaus zum Stimmenmaterial aufzufassen und
zu bewerten sei. Eine Antwort auf diese Frage zu finden, wird schwierig
sein. Zu Abfolge und Eingruppierung der Partituren finden sich im Übri-
gen einige Anhaltspunkte schon im Rundfunkaufnahmenverzeichnis im Vor-
spann zum "Werk 027" (Le Sacre du Printemps) und in den dazu gehörigen
"Errata/Addenda"-Ergänzungen. Weiteres bietet die Darstellung der Ein-
spielungsvarianten (siehe an anderem Ort), der eine Auflistung der Kor-
rekturstufen insgesamt vorangestellt ist.

RMV-Leihstimmen: Druckplattenunterschiede

   Leihstimmenmaterialien sind ein Verlagserzeugnisbereich für sich. Sie
haben Eigentümlichkeiten, die sonst nirgends anzutreffen sind. So spielt
bei Materialien für Orchester VOLLER Besetzungsstärke allein schon das
"Lebensalter" eine fundamentale Rolle, denn in der Regel spalten sich
solche Sätze unter dem - für Viele sicherlich erstaunlichen - Gesichts-
punkt Nutzung und Abnutzung im Lauf der Zeit in zwei editorische Teile
auf, in einen "jüngeren" und einen "älteren", das ist: in Streicher und
den "Rest", der im Orchesterjargon Harmonie bzw. Harmoniessatz genannt
wird, gemeint sind damit die "Nichtstreicher" (Bläser, Harfe, Klavier,
Perkussion usw.).
   Von diesen beiden Teilen ist der Streicherstimmenteil bei dokumenta-
rischen Bestimmungen (z.B. Datierungen) meistens der problematische,
denn die Streicherstimmen sind es ja vornehmlich, die in der Regel den
je nach Orchester unterschiedlichen Klang- und somit Einrichtungsvor-
stellungen unterliegen, das heißt, es wird für die einzelnen Streicher-
gruppen angestrebt, zumindest die Bogenführung im voraus einheitlich
einzuzeichnen ("einrichten" lautet hierfür im Allgemeinen der Ausdruck).
Was meistens bedeutet, daß eventuell vorhandene vorherige Einzeichnun-
gen eines anderen Orchesters ausradiert werden müssen, und somit sind
Streicherstimmen mindestens schon von daher auf die Dauer erheblichem
Verschleiß ausgesetzt. Daß dies natürlich je nach Häufigkeit der Nutzung
die Wahrscheinlichkeit der Notwendigkeit von Nachauflagen in Form von
Kopien oder sogar regelrechten (Nach-)Drucken nach sich zieht, bedarf
keiner weiteren Detaillierung.
   Die Harmoniesätze gehören, da sie derlei Probleme nicht haben, des-
halb auch meist älteren Auflagen an, wenn sie nicht sogar, als der er-
halten gebliebene Teil eines einstigen Ganzen, unter Umständen den Erst-
druck vertreten.
   Im Fall der oben kurz beschriebenen, von Boosey & Hawkes verlegten
RMV-Stimmensätze gab es, soweit die Streicherstimmen betroffen sind,
etliche Nachdrucke und es gibt sie ständig weiter. Ob auch schon in
RMV-Zeiten Nachdrucke aufgrund von Abnutzung nötig geworden waren, ist
wenig wahrscheinlich, weil Le Sacre du Printemps damals noch nicht der
Hit war, zu dem das "Jahrhundertwerk", wie das Stück landauf landab
(übertrieben) tituliert wird, geworden ist.
   Doch mit dieser Nachdrucksachlage hat die Chargensachlage, die schon
im Kapitel zuvor angesprochen wurde und für die nun noch etwas Aufmerk-
samkeit aufgewendet werden soll, im Prinzip oder zunächst nichts zu tun.
Die "Chargen" entstanden schon in der RMV-Zeit, und zwar bei der per
Stich tatsächlichen Anfertigung, Erstellung der Stimmen, möglicherweise
in direkter zeitlicher Nähe. Dies aber muß nicht so sein, denn es ist
nicht auszuschließen, daß eine größere Zeitspanne zwischen den entdeck-
ten "Chargen" eingeräumt werden muß. Auf jeden Fall aber zeigen sich bei
aller Gemeinsamkeit des Druckbilds aufschlußreiche Unterschiede, was
aber im Folgenden nur angedeutet werden kann. Wichtig ist hierbei, zu-
nächst nicht zu übersehen, daß, wie u.a. im Fall der beiden genannten
Piccolo I-Stimmen sehr anschaulich zu sehen, Boosey & Hawkes-Material-
sätze unter Umständen bis heute (Stand: April 2015) aus verschiedenen
Drucken und Auflagen bestehen können, und dabei kann der Zustand sogar
SEHR vermischt sein, das heißt, in ausgeliefertem Material muß, obwohl
hier scheinbar in jüngerer Zeit eine gewisse Vereinheitlichung stattge-
funden hat, damit gerechnet werden, daß, ganz abgesehen vom äußeren Bild
des Zustands, Stimmen unterschiedlicher editorischer Art und auch unter-
schiedlichen Alters dabei sind, z.B. Boosey & Hawkes-Stimmen ohne geson-
derte Datierung, solche mit Datierungen wie "Revised 1948", "1965" und
"1967" sowie augenscheinlich originale RMV-Stimmen (diese, wie im obigen
Beispiel mitgeteilt, unter Umtänden als mehr oder minder abgeänderte und
reprographische Kopie).
   Das erste, das bei solchen vergleichenden Untersuchungen einem eini-
germaßen erfahrenen Auge sofort auffallen wird, ist die Verschiedenheit
der Schriftstärke der Taktzahlen. So ergaben beispielsweise in den oben
genannten Flötenstimmen (Boosey & Hawkes-Ausgaben und eine RMV-Stimme)
die verwendeten Typen Dünndruck, bei den Violini I-Stimmen hingegen
einen breiteren Fettdruck. Das sieht eigentlich nach großen bzw. wesent-
lichen Typenunterschieden aus, doch sind, von der Gestaltung her geur-
teilt, zwischen den beiden Typenarten qualitativ keine allzu großen
Unterschiede auszumachen, gemeint ist: ob Dünn- oder Fettdruck, es han-
delt sich um "RMV-Typen", welche Firma auch immer in Wirklichkeit den
Stich besorgte (eine, vielleicht zu wagemutige, Spekulation wird hierbei
die sehr frequentierte Druckerei Röder, Leipzig, mit einbeziehen, die ja
immerhin im RMV-Klavierauszug - und sonst in keinem anderen Sacre-Noten-
druck - genannt ist).
   Zu Typenunterschieden oder Druckgestaltungen einen allgemeinen Hin-
weis: Im Rahmen von editorischen Bestimmungen findet man bei der Suche
nach Datierungen, Chronologie oder Entwicklung eine erste grobe Orien-
tierung oft darin bestätigt, daß Aufwand, Ausschmückung, Detailfleiß
und dergleichen bei Nachbildungen, Nachschöpfungen abnehmen. Natürlich
ist darin keine Gesetzmäßgkeit zu suchen. Doch der Unterschied im Design
der Taktzahlen zum Beispiel käme einer solchen Grobeinschätzung eher
NICHT entgegen. Beide Gestaltungen haben ihre je spezifischen "positi-
ven" Merkmale. Anders ist es bei der Gestalt des Violinschlüssels, eines
ganz wichtigen Vergleichmittels übrigens. Unten die Abbildungen zeigen
den aufwendiger gestalteten, den "schöneren" Violinschlüssel (Beispiel:
Flötenstimmen, die "originale" Piccolo I-Stimme des RMV inklusive) und
den demgegenüber einfachen "Allerweltsschlüssel" (Beispiel: Violini I-
Stimmen mit den Boosey & Hawkes-Datierungen "1965" und "1967"). Beach-
te: Hier klingt als Ergebnis der Beobachtungen die Vermutung an (Irrtum
vorbehalten), daß die Harmoniestimmen früher, die Vorlagen der jetzigen
Streicherstimmen in einem anderen, wahrscheinlich späteren, Produktions-
prozeß entstanden seien.

                     Abbildungen: Notenschlüssel

   Seltsam ist, wieso in manchen von Boosey & Hawkes herausgegebenen
Stimmen in teils gravierender Weise Szenentitel fehlen. Dies ist z.B.
auf der ersten Notenseite der Violini I-Stimme der Fall; die Datierun-
gen "1965" oder "1967", spielen in dieser Sache keine Rolle, weil der
Mangel in allen Ausgaben besteht. Ein derartiges Fehlen verwundert, denn
es sei daran erinnert, es liegt den Stimmen ein RMV-Druck zugrunde, na-
türlich in allen Fällen der gleiche. Zudem: Die Boosey & Hawkes-Stimme
wurde vielfach korrigiert. Warum fehlt aber dann beispielsweise (und
eben auch für den Konzertmeister!) schon gleich zu Beginn "L'ADORATION
DE LA TERRE" und wenig später bei Ziffer 13 "DANSES DES ADOLESCENTES"?
Zählen diese Mängel zu den oben angedeuteten, schon in der RMV-Zeit
verschuldeten Nachlässigkeiten? Bei Ziffer 13 ist das vielleicht sogar
tatsächlich der Fall, denn es liegt eindeutig mangelhafte Platzplanung
vor: Zum einen ist zwischen den betreffenden Notensystemen für den Titel
kein Abstand frei geblieben und zum andern beanspruchte zwischen den
Ziffern 13 und 14 die Anweisung "T° giusto" zu viel Platz. Wie zu sehen:
Zumindest dieser Fall ist eindeutig eine Auslassung, die bereits dem im
Auftrag des RMV arbeitenden Stecher (Setzer) unterlief.
   Wirklich erstaunlich ist aber das Fehlen des Szenentitels zu Beginn.
Ob er schon im RMV-Druck fehlte, kann derzeit nicht geklärt werden. Doch
nach den Violine I-Stimmen der beiden in den "Bernstein-Materialien"
vorhandenen kompletten Streichersätze zu urteilen, könnte auch das ein
vom RMV-Vorlagenmaterial übernommener Fehler sein. Auszuschließen ist
aber auch ein Retuschefehler seitens Boosey & Hawkes nicht. Denn es wur-
de auf der ersten Notenseite nicht nur ein neuer Copyright-Block einge-
wechselt, auch im Titelkopf gab es kleine Änderungen. Vom Original
übernommen wurde der Titel, die Instrumentenbezeichnung "VIOLINI I"
und die Autorennennung. Eigenartig ist aber, daß aus nicht ersichtli-
chem Grund die Tempo-Angabe "Lento" von Boosey & Hawkes stammt. Fehlte
auch sie? Wenn ja, geschah dann beim Einsetzen vielleicht ein Retusche-
fehler, indem der Szenentitel eliminert wurde. Unbeantwortete Fragen.
Die Ergänzung des "Lento" erfolgte jedenfalls zusammen mit zahllosen
anderen Ergänzungen von Anweisungen wie "poco accel." und "in tempo"
(sic, englisch) in der Revision von 1948, dies zeigt die schablonenähn-
liche Schrift, aus der der Zusatz "revised 1948" in der "originalen"
RMV-Flötenstimme besteht und deren Schriftzug mit dem der genannten Hin-
weise sehr verwandt ist. Übrigens: Außer in den Violen fehlen in den
anderen drei Streicherstimmen ebenfalls BEIDE Szenentitel, in der Viola
ist zumindest bei Ziffer 13 "DANSES DES ADOLESCENTES" vorhanden. Erwäh-
nenswert ist auch, daß die Celli und Kontrabässe das orginale "RMV-Len-
to" haben und daß im Gegensatz zu allen Streicherstimmen beispielsweise
in der Piccolo I-Stimme (RMV- und Boosey & Hawkes-Ausgabe) - nach der
oben geäußerten Theorie vom "Erststufenfleiß" nicht überraschend - so-
wohl das originale "Lento" als auch die beiden genannten Szenentitel da
sind.
   Die "Revision" der Stimmen im Jahr 1948 scheint deutlich nachweisbar
zu sein, wobei der gedruckte Hinweis "Revision 1948" bzw. "revised 1948"
auch in einigen Stimmen mit der Datierung 1965 bzw. 1967 vorhanden ist,
was bei diesen den Anschein einer rückbezüglichen Angabe macht, aber aus
heutiger Sicht gemäß der von Boosey & Hawkes betriebenen neueren Ausga-
benpflege bzw. -aktualisierung eigentlich ein stehengebliebenes Etwas
ist, das 1983 in Violini I-Stimmen mit der Datierung 1965 bzw. Anfang
2015 in den Stimmen Piccolo-Trompete und Posaune I mit der Datierung
1967 vorgefunden wurde; scheinbar widersprüchlicherweise wiesen aller-
dings im Ausleihmaterial von 1983 Violini I-Stimmen mit der Angabe
"1967" schon einen Hinweis auf die 1948er Revision nicht mehr auf, aber
die (verräterischen) "Schablonenkorrekturen" von 1948 haben sie trotz-
dem.
   Man beachte: Das alles hat noch nicht unbedingt etwas mit dem Begriff
"Charge" zu tun. "Chargen" zeigen sich unter Umständen schon oder ins-
besondere erst an minimalen Druckbildschwankungen. 
   Leider kann hier wegen des Mangels an ausreichender Menge von wirk-
lich signifikanten Vergleichsmöglichkeiten auf Gemeinsamkeiten bzw.
Unterschiede von Druckbildern solcher "Chargen" nicht näher eingegan-
gen werden. Lediglich ein einziges, aber sehr aussagekräftiges Beispiel
soll stellvertretend genügen. So weisen die hier genannten Stimmen (also
auch die "originale" RMV-Piccolo I-Stimme) die CHARAKTERISTISCHE Type
der Studienziffer "1" im Kreis auf, bei der die "1" nicht mittig steht,
sondern im Kreis links, und das Erstaunliche dabei ist, daß die Ziffer
hier und da minimale Unterschiede aufweist, die durch Abzugs- und Ko-
piervorgänge nicht so recht erklärlich scheinen.
   Ein ganz seltsames Beispiel von Druckbildschwankungen liegt auch bei
den Vierer-Ziffern der 40er Seitenzahlen der ersten Boosey & Hawkes Ta-
schenpartituredition vor. Eine verblüffende, mystische Sachlage, hierzu
fehlt bislang jede Erklärungsvorstellung (siehe die gesonderten Ausfüh-
rungen dazu).

Materialsatz-Lieferung Anfang 2015

   Im April 2015 konnte der hier schon mehrfach erwähnte Stimmensatz
SET74 eingesehen werden. Grundlegend andere oder neue Erkenntnisse erga-
ben sich allerdings nicht, aber einige mitteilenswerte Details fielen
dennoch auf. Ein Bericht:
   Materialsatz SET74 war als eine 78 Stimmhefte umfassende Einheit aus-
geliefert worden: 35 Streicherstimmen, 43 Harmoniestimmen (= Bläser plus
Perkussion). Lieferstärke der Streicher: 9 Violinen I, 8 Violinen II, 7
Violen, 6 Violoncelli und 5 Kontrabässe; somit hätte eine sogenannte
18er Besetzung (= 18 erste Violinen an 9 Zweierpulten) realisiert werden
können, doch wurde für die Aufführung nur eine 16er Besetzung gewählt,
und zwar 8, 7, 6, 5, 4. Im Perkussionsbereich des Harmoniesatzes, auf
dessen Heft 1 ("Flute I") mit "1/43" handschriftlich die Anzahl der Hef-
te festgehalten war, mußten zwei Stimmen nachkopiert werden, da die da-
rin zusammengefaßten Instrumente auf je zwei Spieler aufgeteilt wurden.
Dies betraf Heft 41: "Triangle (etc.)" = Triangel, Tambourin, Guero
(Einsatz nur in Ziffer 64, am Schluß, Ziffer 201 Takte 3 und 4, seit
1929 kein Einsatz mehr vorgesehen) und Heft 43: "Bass Drum" = große
Trommel, Becken, Guero (ebenfalls nur ein einziger Einsatz, siehe die
Bemerkung zuvor). Für die beiden Pauken-Gruppen waren zwei Hefte vorhan-
den (39 und 40), hier fielen zwei wichtige Details auf. Eine Besonder-
heit zeigte sich auch in der Tam-Tam-Stimme, Heft 42 (zu den genannten
Perkussionsstimmen siehe später).
   Die Streicherstimmen hatten hellblaue Umschläge, die Harmoniestimmen
hellgrüne. Das Hellblau paßt farblich exakt zu den mitgelieferten großen
Partituren der hellblauen Serie, das waren zwei Partituren, die mit A179
gekennzeichnete und die zum Leihstimmensatz gehörige: SET74 (siehe hier-
zu frühere Kapitel und oben die Abbildung des Deckblatts der A179). Alle
Hefte hatten das gleiche Format: ca. 23,3 x 30,3 cm, ein relativ kleines
Format, das bei schwieriger Musik von Musikern in der Regel als zu klein
empfunden wird; Klagen kommen insbesondere von den Doppelpulten der
Streicher. Aber auch für andere Pulte, z.B. Bässe, ist eine solche Auf-
lagestimmengröße alles andere als komfortabel {*1}.

   {*1} Alle seit 1983 angetroffenen Boosey & Hawkes-Stimmenhefte hatten
   dieses kleine Format (Grundlage der Aussage: Erinnerungen, Kopiefrag-
   mente). Für das im Internet zugängliche alte "Bernstein-Material"
   wird ebenfalls dieses Format angegeben, und zwar einheitlich 9" x 12"
   (= 22,86 x 30,48 cm). Demgegenüber hat das Heft der 1983 mitgeliefer-
   ten "originalen" RMV-Piccolo I-Stimme die folgenden Maße: (ca.) 26 x
   35,5 cm.

   Das gesamte Stimmenmaterial bestand aus Boosey & Hawkes-Drucken, eine
"originale" RMV-Stimme, wie oben beschrieben, war nicht (mehr) darunter.
Für das Material bedeutete diese Ausleihe offenbar der zweite Einsatz,
der erste dürfte, das zeigen Musikerdatierungen, eine Produktion des
Theaters in Ausgburg am 12./13.5.2014 gewesen sein. Trotz der üblichen
und anscheinend noch komplett vorhandenen Einzeichnungen dieses Einsat-
zes kann der vorgefundene Zustand noch als "relativ frisch" bezeichnet
werden, das gilt auch für die im allgemeinen stärker beanspruchte Strei-
cherhälfte.
   Alle Umschlagetikette wiesen die gleiche, englisch ausgerichtete Ge-
staltung auf, wobei dem "RITE OF SPRING" als Fassungskennzeichnung ein
"(revised 1947)" beigegeben ist, gerade so als sei das eine selbst-
verständliche Angabe. Den 1997 eingeführten halsbrecherischen Copyright-
Block (siehe frühere Kapitel) wies keines dieser Hefte auf. Es ist
vielmehr (auf der ersten Notenseite) der gleiche, wie der schon 1983 in
den Stimmen vorgefundene, mit der Zeile "Copyright assigned 1947 to Boo-
sey & Hawkes Inc; for all countries" (siehe früheres Kapitel); nur hie-
rin (also innen in den Heften) taucht diese Jahresangabe "1947". Alle
Stimmen hatten aber auf der ersten Notenseite links oben die (gedruckte)
Jahreszahl "1967" - allerdings in nicht immer gleichen Lettern, was auf
eine zeitlich unterschiedliche Nachbesserung schließen läßt. Von "1965"
war in diesem Material nichts mehr zu sehen. Immerhin verschafft das -
zumindest von außen geurteilt - einen einheitlichen Eindruck, aber zwei
Eintrübungen waren trotzdem nicht zu übersehen. Unter dem "I. STRAVIN-
SKY" auf der ersten Notenseite der Stimmen "Piccolo Trumpet" und "Trom-
bone I" stand in der hier bereits angesprochenen Schablonenschrift (ge-
druckt): "Revised 1948". Trümmerartige Überreste alter Zeiten also? (Zu
Datierungen siehe frühere Kapitel.)
   An der Gestaltung der Titelkopfpartie auf der ersten Notenseite ist
offenbar keine Änderung vorgenommen worden. Es ist nach wie vor die
schon 1983 vorgefundene Collagentechnik aus neuen Boosey & Hawkes-An-
teilen (Werktitel, Komponistenname) und alten RMV-Überbleibseln (Teile-
und Szenentitel) zu sehen. Ob hierbei nun der eine oder andere Titel-
kopf eine geringfügige Änderung erfuhr oder gar eine komplette Neuzusam-
mensetzung darunter war, wurde nicht bis aufs letzte Detail geprüft.
Ungewöhnliches fiel jedenfalls nicht auf.
   In diesem fast druckfrischen Satz wies keine der Stimmen auf der
letzten Notenseite einen Druck- oder Druckervermerk auf. Doch alle
trugen unten auf der ersten Notenseite erwartungsgemäß den Hinweis
"Printed in England". 
   Zu den Plattennummern: Die schon 1983 vorgefundene "bunte Welt" der
Plattennummern, genauer formuliert, der "Satz-Plattennummern", fällt
auch bei dem vorliegenden Stimmenmaterial SET74 nicht weniger bunt aus.
Es herrscht augenscheinlich ein Durcheinander, man gewinnt sogar, zu-
nächst jedenfalls, den Eindruck von einer gewissen Beliebigkeit oder
sogar Wahllosigkeit, dennoch lassen sich im Verlauf der Beschäftigung
mit dem Stoff in die Angelegeheit Konturen hineinzulesen, man kann so-
gar ein einigermaßen geordnetes Bild anbieten, das aber sogleich etliche
Fragen aufwirft.
   Alles dreht sich selbstverständlich um den Grundbestandteil "16603",
doch es kommen vereinzelt auch Seiten - darunter erste Notenseiten -
ohne eine Plattennumerierung vor. Numerierungvarianten sind u.a. 16603
(in kleinerem und größerem Format), B.H. 16.603, B-H. 16603, B.H 16603,
B H 16603. Auch das Aussehen der Numerierung schwankt, es reicht hierbei
die Spannbreite von einer typisch gesetzt wirkenden Gestalt ("normaler"
Drucksatz) bis zu einem eher schablonenartig gewonnenen, fast hand-
schriftlich erscheinenden Bild, ja, es kommen sogar rein handschrift-
liche Ausbesserungen oder Numerierungen vor. Wie nennt man so etwas?
Nummernsalat!
   Und es kommt noch hinzu: Bei den Streichern ist es die Regel, im
Harmoniesatz eine vereinzelte Erscheinung, daß allein schon in einund-
demselben Heft unterschiedliche Nummerntypen auftauchen (oder eben wie
im Streichersatz in drei Fällen die erste Notenseite überhaupt keine
Numerierung aufweist). Demnach reicht im Allgemeinen für eine editorisch
fachkundliche Angabe nicht, nur die erste und/oder letzte Seite, quasi
stellvertretend, heranzuziehen. Und, um das noch hinzuzufügen, es ist
immer damit zu rechnen, daß selbst innerhalb von Instrumentengruppen
(insbesondere bei den Streichern) Varianten auftauchen, wobei darüber
hinaus auch beobachtet werden müßte, ob nicht je nach Materialart und
-alter bei den Streichern sogar Unterschiede bestehen von Pult zu Pult.
   Ein detaillastiges Gebiet also, doch lassen sich im vorliegenden Fall
des SET74, um untenstehenden Beobachtungen vorzugreifen, in Umrissen
folgende Grundaussagen treffen: Im Harmoniesatz beherrscht die Variante
16603 im Kleinformat das Bild, es gibt aber auch Auslassungen und es
kommt sogar 16603 im Großformat vor. Das sieht nach einer gewissen
(zeitlichen) Einheitlichkeit aus. Frappierend ist dagegen die Uneinheit-
lichkeit im Streichersatz (siehe unten). Gesagt werden kann zudem, daß
die bloße Nummernvariante "16603" in beiden Halbsätzen (Streicher - Har-
monie) ein anscheinend durchgängig gleiches Typenbild hat. Somit könnte
hier irgendein ein (zeitlicher) Zusammenhang bestehen. Eines aber ist
besonders auffällig: Die eigentlich zu erwartende "normale" Form der
Plattennummer, nämlich "B. & H. 16603", ist im Stimmensatz SET74 (in
seiner vorliegenden Verfassung jedenfalls) in der "&"-Form noch nicht
einmal annäherungsweise vorhanden, vorhanden ist sie aber sehr wohl auf
der jeweils ersten Notenseite der Streicherstimmen, die im Rahmen des
"Bernstein-Materials" im Internet dokumentiert sind. Zu diesem Material
gehören zwei komplette, in die Jahre 1947/1948 zurückreichende Strei-
chersätze. Die Plattennummer lautet: B. & H. 16.603, eigentlich aber
etwa so: B. & H. 16.603 - und das erinnert zur großen Überraschung an
R.M.V-198 (Weiteres siehe unten).
   Um eine ungefähre Vorstellung von der Beschaffenheit und Unterschied-
lichkeit der Numerierung zu vermitteln, folgt nun eine Aufstellung für
den Streichersatz des Anfang 2015 angetroffenen Materials SET74 (Intru-
mentenbezeichnung jeweils nach der ersten Notenseite, Erklärungen im An-
schluß an die Aufstellung):

   VIOLINI I

   Seite [1]: 16603, gesetzte Schriftart (Typ IV Kleinformat); S. 2 bis
   29 (= letzte Seite): B. H. 16.603, gesetzte Schriftart (Typ II).

   VIOLINI II

   Seite [1]: keine Plattennummer; S. 2 bis 28: B. H. 16.603, wie Vio-
   lini I (Typ II), "B" gelegentlich handschriftlich ausgebessert; S. 29
   (= letzte Seite): B. H . 16.603 [sic], handschriftlich.
 
   VIOLE

   Seite [1]: wie Violini I; S. 2 bis 29 (= letzte Seite): wie Violini
   I (Typ II), aber "B. H." (vor allem "B") gelegentlich handschriftlich
   ausgebessert, nachgezogen, dies insbesondere S. 16 bis 19 (S. 16 mit
   der Variante: B H. 16.603).

   VIOLONCELLI

   Seite [1]: keine Plattennummer; S. 2 bis 17, 19 bis 24: B.H. 16603
   (Varianten: B H. 16603, B.H 16603, B H 16603, B.H.16603), schablonen-
   artige, blockschriftähnliche Lettern (Typ III), gelegentlich, zumin-
   dest teilweise, handschriftlich; S. 18 und 25 (= letzte Seite):
   16603, gesetzte Schriftart (ohne B. H., Typ IV Großformat).

   CONTRABASSI

   Seite [1]: keine Plattennummer; S. 2 bis 17 und 19 (= letzte Seite):
   B.H. 16603, wie Violoncelli, schablonenartige, blockschriftähnliche
   Lettern (Typ III); Seite 18: 16603, gesetzte Schriftart (ohne B. H.,
   wie Violoncelli = Typ IV Großformat)

Erläuterungen zur Plattennummernaufstellung

   Drei der hier genannten Boosey & Hawkes-Plattennummerntypen reichen,
wie gesagt, bis in die Jahre 1947/1948 zurück, das sind: B. & H. 16.603
(= Typ I), B. H. 16.603 (= Typ II) und B.H. 16603 (= Typ III). Zu sehen
sind sie auch in den beiden frühen Streichersätzen des "Bernstein-Mate-
rials", an dem im Übrigen die äußere RMV-Gestalt noch vollständig nach-
vollzogen werden kann, obwohl im Nutzungsverlauf vielfach verbessert,
ausgebessert, überklebt und durch Auswechslungen ganzer Seiten teils er-
heblich in den originalen Notendruck eingegriffen worden ist (z.B. in
der Danse Sacrale). Ein sehr vielgestaltiges Bild, in der Tat, und da-
von, von der gesamten Angelegenheit, eine Beschreibung anzufertigen,
würde wahrscheinlich eine sehr umfangreiche Arbeit werden, wobei anhand
von ersten Beobachtungen, zu vermuten ist, daß sich dabei vielerlei
schwierig zu beantwortende Fragen ergäben.
   Eine der Fragen ist zum Beispiel: In der ersten von Boosey & Hawkes
veranlaßten Korrekturstufe, im Stimmenmaterial offenbar mit "(Révision
1948)" gekennzeichnet, wurde in den Streicherstimmen die RMV-Numerierung
gegen die Boosey & Hawkes-Nummern ausgetauscht. Das geschah aber, wenn
die "Bernstein-Quelle" historische Aussagekraft besitzt, nicht in den
Stimmen des Harmoniesatzes. Danach geurteilt, behielt man dort die RMV-
Plattennummer bei. Warum? Aber vielleicht war es ganz anders: daß näm-
lich zunächst gar keine "eigenen" Drucke angefertigt worden waren, daß
man vielmehr auf französische RMV-Lagerbestände zurückgriff (Erörterung
später).
 
Boosey & Hawkes-Leihstimmen, Plattennummer Typ I:

   Wie oben ausgeführt, ist die Plattennummer B. & H. 16.603 nur in den
"Bernstein-Materialien" zu finden und zwar nur auf den ersten Notensei-
ten der Streicher. Es könnte also so gewesen sein, daß - zumindest kurz-
zeitig - nur diese Seite eine Nummer hatte. Das sollte im Prinzip nicht
zu sehr verwundern, denn es kommt oft vor, daß nur die erste Notenseite
eine Numerierung trägt. Man denke nur an die vom RMV herausgegebenen
Sacre-Partituren. Allerdings weisen demgegenüber, wie die Dokumentation
des "Bernstein-Materials" zeigt, die RMV-Harmoniestimmen, eine durchge-
hende Numerierung auf.
   Wie auch immer, daß aber jedenfalls zumindest auf der ersten Seite
eine Auswechslung vorgenommen wurde, also die originale RMV-Nummer durch
B. & H. 16.603, das kann schlechterdings nicht bezweifelt werden. Wei-
terhin ist davon auszugehen, daß sie im Rahmen der Boosey & Hawkes-Um-
numerierung der Sacre-Stimmmen die erste Nummer gewesen ist. Daher die
Eingruppierung Typ I.
   Diese Numerierung der ersten Notenseite verschwand dann. Wann das
geschah, ist nicht bekannt. Aber es dürfte mit der Umgestaltung der
RMV-Seite zu einer Boosey & Hawkes-Seite zusammenhängen; erreicht wurde
dies, wie schon früher erläutert, mit Hilfe von Retuschen, wobei man
offenbar beim Ersetzen des unter dem Notenspiegel befindlichen Druck-
und Copyright-Felds die Ergänzung der Plattennumer vergaß, so daß heute
in drei Fällen keine Nummer vorhanden ist, während in zwei Fällen das
Manko später doch noch ausgebessert wurde (mit der Nummer Typ IV Klein-
format).

Boosey & Hawkes-Leihstimmen, Plattennummer Typ II:

   Der Typ II, B. H. 16.603, verwendet in den drei hohen Streicherstim-
men, dürfte nur eine Spur jünger sein als Typ I, zumindest zeigt aber
auch dieses Nummernbild den vermutlich französischen Einschlag. Das heu-
tige Nummernbild zeigen schon die drei betreffenden "Bernstein-Stimmen",
wenn auch heute gelegentliche handschriftliche Ausbesserungen zu ver-
zeichnen sind oder sonstige (mehr oder weniger vermeintliche) gering-
fügige Unterschiede zu existieren scheinen.

Boosey & Hawkes-Leihstimmen, Plattennummer Typ III:

   Auch der Typ III, B.H. 16603, verwendet auf den beiden tiefen Strei-
cherstimmen, ist schon auf den entsprechenden Stimmen des "Bernstein-
Materials" vorhanden. Vermutlich ist er genauso alt wie Typ II, doch muß
natürlich darauf hingewiesen werden, daß das Bild kaum datierende Rück-
schlüsse zuläßt. Eine auffällige Besonderheit ist die Anzahl der Varian-
ten (hier steht ein sehr genauer Vergleich mit dem "Bernstein-Material"
noch aus, wobei diese Aussage im Übrigen für das Material insgesamt
gilt).
 
Boosey & Hawkes-Leihstimmen, Plattennummer Typ IV:

   Im "Bernstein-Material" kommt dieser Typ nicht vor. Dagegen sind die
Harmoniestimmen des Anfang 2015 ausgelieferten Satzes SET74 mit ihm
komplett ausgestattet und zwar in der Regel von der kleinen Größe. Das
große Format kömmt nur höchst vereinzelt vor (in den Aufzeichnungen des
Verfassers findet sich nur ein einziger Fall, Heft CORNO VII/TUBA TENOR
I, S. 9).
   Es scheint so, als könnte die Einführung dieses Typs datiert werden.
Denn die erste Notenseite der bereits früher beschriebenen Violini I-
Stimme mit der Jahresangabe 1965 links oben weist keine Plattennummer
auf. Demgegenüber hat die gleiche Stimme mit der Jahresangabe 1967 die
Plattennummer "16603", und zwar diejenige Fassung im Kleinformat, also
dem Anfang 2015 vorgefundenen "Harmoniesatzformat" {*1}. Damit liegt die
Vermutung nahe, daß die Nummer "16603" 1967 eingeführt worden sei, wobei
diese Annahme vielleicht auch die großformatige Fassung betreffen könn-
te. Jedenfalls wäre eine solche späte Umnumerierung eine sehr überra-
schende Sachlage, denn das würde ja vielleicht bedeuten, daß bis dato
für den Harmoniesatz womöglich "mehr oder minder originale" RMV-Stimmen
im Verleih waren. Was nicht unmöglich ist, man erinnere sich nur an die
schon früher beschriebene Piccolo I-Stimme, die noch 1983 im Leihmateri-
al vorgefunden wurde.

   {*1} Nebenbei: Die auf 1965 datierte Violini I-Stimme war 2006 ver-
   wendet worden, die auf 1967 datierte 1983 und 2015 (zu den Jahresan-
   gaben siehe frühere Ausführungen).
   Die folgende Beobachtung zeigt, wie sehr in der Ausgabenforschung
   auf Kleinigkeiten zu achten ist: Der Copyright-Hinweis der 1965er
   Violini I-Stimme hat DASSELBE Layout wie derjenige der 1967er Stim-
   me, ABER er ist im Verhältnis zum übrigen Inhalt kleiner abgedruckt.
   Was das, vor allem chronologisch, mit Blick auf das gesamte vorlie-
   gende Material bedeutet, ist noch nicht untersucht worden.

Stimmen, Ausleihe Anfang 2015: Einige musikalische Details

   Die Praxis zeigt, beschäftigt man sich etwas genauer mit dem Noten-
text eines komplexen Werks, für dessen Darbietung ein umfangreicher Satz
an Auflagestimmen nötig ist, so fördert scheinbar jede Durchsicht von
"neuem" Stimmenmaterial irgendeinen entweder musikalisch oder editorisch
bedeutungsvollen Sachverhalt zu Tage - sehr oft gleich mehrere; selbst
dann, wenn man "das" Material eigentlich oder vermeintlich gut genug -
in welcher (Neu-)Ausgabe auch immer - zu kennen glaubt. Das gilt ganz
besonders bei einem Werk mit einer derart verwickelten Editionsgeschich-
te, wie sie Le Sacre du Printemps sowohl in seinen Partiturausgaben als
auch in seinen Stimmenmaterialien bislang durchlaufen hat - in dem "bis-
lang" steckt die Frage drin, ob es hier je einen allseits anerkannten
Abschluß geben wird, geben kann.
   Dementsprechend brachte auch die Prüfung des Satzes SET74 wieder neue
Details, von denen im Folgenden ein paar editorisch aufschlußreiche an-
gesprochen seien; dabei werden gelegentliche Blicke auf die "Bernstein-
Materialien" über gängiges Variantenaufspüren hinaus auch von der einen
oder anderen erstaunlichen Merkwürdigkeit zu erzählen wissen.
   Violoncelli: Dem Schlußakkord grifflich zu entsprechen, so wie es der
Komponist wollte (offenbar perkussionsorientiert), damit hat die Praxis
so ihre Probleme. Der Handschrift von 1913 entsprechend ist beispiels-
weise in der aktuellen Boosey & Hawkes-Partitur für das "Problem-gis"
"Descendez le 'la' un [/] demiton plus bas" und für den ganzen Akkord
"non arpeggiato" vorgeschrieben, das aber geht so nicht, jedenfalls
nicht auf eine einfache Art und Weise (vgl. die Besprechung des Sachver-
halts an anderer Stelle). Ein an erfahrene Cellisten gerichtetes Nach-
fragen erbrachte bislang als Lösungsvorschlag nur die Antwort: Ausfüh-
rung divisi. Und genau in diese Richtung tendieren die im Material SET74
vorgefundenen, aus der Praxis resultierenden Lösungsspuren, wenn auch
leider wegen vorgenommener Ausradierungen davon nicht alles komplett
einzusammeln war. Zunächst zum in den Cellistimmen im Takt 3 der Ziffer
201 vorgegebenen Hinweis, er lautet analog zur in der Partitur abge-
druckten französischen Version: "muta A in G#". Die andere Anweisung
aber, "non arpeggiato", fehlt, wie das bezüglich Partiturinhalten gar
nicht so selten der Fall ist. Nun war überraschenderweise im Heft Pult
1 der Violinen I, und zwar jeweils in beiden Systemen (Ausführung: a2),
über den Tremoli (versehen mit der abgekürzten Ausführungsanweisung "sul
pont", Partitur: "sul ponticello") mit Bleistift eine Fermate einge-
zeichnet, und eine solche Einzeichnung befand sich offenbar auch in der
einen oder anderen Cello-Stimme, allerdings waren, da ausradiert, nur
noch Reste davon zu erkennen. Immerhin, ein Anhalten war also gewünscht,
das aber nicht unbedingt auf den zeitlich kritischen Vorgang des Herab-
stimmens bezogen gewesen sein muß. Demgegenüber eindeutig scheint jedoch
im Heft Cello I in Ziffer 201 Takt 4 ein ausradiertes, handschriftliches
"div" Auskunft zu geben. Denn damit war sicherlich gemeint, den Schluß-
akkord der Celli gemäß der oben angesprochenen, weit verbreiteten Praxis
der Stimmaufteilung auszuführen. Was nachdenklich stimmt, das ist das
ausradierte "div". Wurde bei einer Aufführung doch heruntergestimmt?
   In den "Bernstein-Stimmen" beispielweise begegnet man ebenfalls der
Divisi-Ausführungsweise, wobei die Strawinskysche Vorstellung ausdrück-
lich durchgestrichen ist. So ist das jedenfalls im Heft Cello I des jün-
geren der beiden hochgeladenen Streichersätze zu sehen, dort steht in
gedruckter Schablonenschrift zwar "lower the A string to G#", doch ist
die Anweisung durchgestrichen, wobei stattdessen handschriftlich Verbin-
dungsklammern eingezeichnet wurden vor D/d (numeriert als "2") und A/gis
(numeriert als "1"). Die Ausführungsvorschrift "non arpeggiato" ist in
den "Bernstein-Stimmen", im Gegensatz zum Satz SET74, vorhanden, doch
gilt hier zu beachten: Dies betrifft andere, nämlich ausgewechselte Sei-
ten, ausgewechselt u.a. wegen den Remetrisierungen der Danse Sacrale
(Näheres Auskünfte zu den "Bernstein-Stimmenmaterialien" in Planung).
   Contrabassi: Der erste Takt der Ziffer 184 fehlt und mit ihm auch
die Ziffernnummer. In den Stimmen des Satzes SET74 ist der Takt hand-
schriftlich ad hoc nachgetragen worden, aber nicht in jeder Stimme ganz
richtig (so z.B. ohne Vorzeichen, in bloß skizzierter Form also). Die-
ser Takt fehlt nun schon seit der RMV-Zeit, und natürlich fehlte er ur-
sprünglich auch in den "Bernstein-Stimmensätzen". Ein übrig gebliebenes
Zeichen dafür bietet das Heft I des älteren Stimmensatzes: Am oberen
Rand der überklebten (!) Seite [19] ist in etwa der Rest einer hand-
schriftlichen korrigierenden Ergänzung auszumachen (beachte: anders
als in den Stimmen Violine I, II und Viola gibt es im älteren "Bern-
stein-Streichersatz" in den Heften der Celli und Kontrabässe keinen
"Anhang" als abschließenden Teil, in dem fast die ganze Danse Sacrale
des Boosey & Hawkes-Drucks erhalten geblieben ist, man könnte auch
sagen, in den die post-1929er Danse Sacrale abgelegt worden war, wie
das zum Beispiel in den genannten hohen Streicherstimmen der Fall ist.
Es kann also in den Violoncelli und Kontrabässen die 1929er Fassung
der Danse Sacrale nicht nachvollzogen werden, in Gänze jedenfalls nicht,
weil in ihnen die Rückkorrektur der 1921er Fassung mit Hilfe von Einge-
klebungen schablonenschriftlicher Art erfolgt ist, in beiden "Bernstein-
Sätzen" übrigens auf nahezu identische Weise).
   Timpani I und II: In beiden Stimmheften (Heft 39 und 40) geht dem
Notentext auf Seite [1] eine im Wortlaut gleichlautende französische
Aufstellungs- und Spielanleitung voraus, die im Heft 40 (Timpani II)
mit dem folgenden Hinweis überschrieben ist: 

   Distribution et indications
   techniques de JEAN MOREL

   In Heft 39 (Timpani I) ist bei der Zusammenstückelung des (neuen)
Boosey & Hawkes-Titelkopfs (siehe hierzu weiter oben) der Hinweis und
somit auch die Nennung des Autors verloren gegangen. Der originale
Titelkopf der Timpani I-Stimme jedenfalls ist vollständig, das zeigt
die Internet-Wiedergabe des "Bernstein-Materials" (Link siehe späteres
Kapitel).
   Angefügt sei noch, daß der Anleitung eine Aufstellungsgraphik für die
beiden Paukisten - 1r timbalier, 2e timbalier - beigegeben ist, sie
fehlt weder im "Bernstein-Material" noch in den Boosey & Hawkes-Stimmen
(siehe Abbildung).

          2 Abbildungen Stimmenmaterial SET74 Timpani II

   Es fällt auf, daß der Text Morels mit dem in den losen RMV-Ergän-
zungsblättern der frühen 1920er Jahre abgedruckten handschriftlichen
Text hier und da eine enge sprachliche Beziehung aufweist. Allein schon
die Anfänge sind exakt gleich: "En prévision des circonstances spéciales
à chaque orchestre, [...]". Morels Text ist allerdings ausführlicher und
dementsprechend länger. Ob aber nun der handschriftliche RMV-Text eine
Verkürzung oder Morels Text eine Erweiterung ist, ist bis jetzt noch
nicht geklärt. Es bestehen aber Überlegungen dahingehend, daß der Text
in den Stimmen der neuere ist. Doch fand er seltsamerweise nicht Eingang
in die bis 1966 existierende Boosey & Hawkes-Partiturausgabe, gewählt
hatte man hierfür vielmehr den ehemaligen handschriftlichen RMV-Text.
   Demgegenüber ist in der Partiturneuausgabe von 1967 eine sehr stark
verkürzte Neufassung wiedergegeben; die Gründe für die Kürzung dürften
in den enormen technischen Fortschritten zu suchen sein, die die Pauken
erfuhren. Auch wenn eine Bewertung heute nur noch historische Bedeutung
haben mag, darf trotzdem die Tatsache nicht unausgesprochen bleiben, daß
Morels Abfassung nie in einer Partitur abgedruckt worden war, sie also
sozusagen am Dirigat vorbei existierte - und das gilt bis heute (zum
Vergleich der Texte in den RMV-Einlageblättern und frühen Boosey & Haw-
kes-Partituren siehe frühere Kapitel).
   Wer war Morel? Jean bzw. Jean-Paul Morel (1903-1975) war ein fran-
zösischer Dirigent und Perkussionst, der 1939 in die USA emigrierte.
Er lehrte am Brooklyn College und an der Juilliard School of Music,
außerdem leitete er als Gastdirigent Aufführungen an der Metropolitan
Opera. Seinen Nachlaß besitzt die New York Public Library for the Per-
forming Arts Music Division; der Umfang ist offenbar nicht unerheblich,
denn die "collection of scores includes 50 boxes primarily consisting
of published music annotated by Morel, also some correspondence and per-
formance notes. Several scores are inscribed by the composers to Morel"
(Quellen: https://www.nypl.org/sites/default/files/archivalcollections/
pdf/musjpb95-1.pdf, zu den Lebensdaten siehe Bibliothèque Nationale
http://data.bnf.fr/13897696/jean_morel, beide Seiten eingesehen 13.7.
2014).
   Morel arbeitete in Paris mit Strawinsky zusammen, so ist seine Mit-
arbeit als Perkussionist bei folgenden beiden Aufnahmen nachgewiesen:
Histoire du soldat (Suite), 6./7.5.1932; Ragtime for 11 Instruments,
13.7.1934, beide Aufnahmen unter Strawinskys Leitung, eingespielt in
Paris im Studio Albert. Ebenfalls unter Strawinskys Leitung wurde, wie-
derum in Paris, aber im Théâtre des Champs-Elysées, am 7.-10.5.1929
Le Sacre du Printemps aufgenommen. Ob nun in dem, wie es auf den Etiket-
ten der Columbia-Originalausgabe heißt, "Orchestre Symphonique" (in dem
Mitglieder aus dem Orchestre des Concerts Straram mitwirkten) Morel da-
bei war, ist nicht bekannt, aber er war Mitglied des Orchestre Straram,
und so liegt die Vermutung natürlich nahe, daß er an der Aufnahme teil-
genommen hatte, zumal wenn man bedenkt, daß 1929 die Sacre-Partitur
einer Revision unterzogen worden war, die selbstverständlich auch das
Stimmenmaterial erfaßte. Man rufe sich hierbei in Erinnerung, worauf
schon öfters hingewiesen wurde, daß nämlich das Boosey & Hawkes-Material
auf RMV-Material zurückgeht und zwar, wie hier oft verdeutlicht, unter
Berücksichtigung der letzten RMV-Partitur von 1929 (Weiteres, insbeson-
dere im Zusammenhang mit den "Bernstein-Materialien", siehe später,
Internet-Quelle zum Orchestre des Concerts Straram: http://www.straram.
fr/index.htm, eingesehen 15.7.2015).
   Dazu sei im Zusammenhang mit Partituren bezüglich Notentextunter-
schieden noch der folgende wichtige Kritikpunkt vermerkt: Es sollte im-
mer der Grundsatz herrschen, Dirigierpartituren als die ausschließliche
Quelle für das gesamte gedruckte (= veröffentlichte) Musikgeschehen
eines Werkes anzusehen und sie derart auch auszustatten. So muß dort
selbstverständlich alles GEDRUCKT oder sonstwie "verlagsverläßlich"
verzeichnet sein, was in ausgezogenen Auflagestimmen erscheint. Das
bedeutet, es darf auf keinen Fall angehen, unterschiedliche Auffüh-
rungsquellen anzulegen, schon gar nicht auf die Art und Weise, daß
Auflagestimmen einbezogen sind, denn so führen im praktischen Normal-
fall Inhalte neben Partiturstudium und Dirigat ein Sonderdasein, man
könnte das auch eine obskure Parallelexistenz nennen (zu einem weiteren
Beispiel siehe weiter unten den Hinweis). Im Prinzip gilt die angespro-
chene Forderung auch für Klavierauszüge, nicht umsonst sind hierbei
Begriffe wie Auszug oder Reduction im Gebrauch, auch Piano Score läßt
sich so verstehen {*1}.

   {*1} "Im Prinzip": Aber allein schon beim Sacre weisen die Parti-
   turen und die Klavierauszüge in etlichen Details musikalisch er-
   hebliche Unterschiede auf. So macht es durchaus Sinn, bei den Kla-
   vierauszügen den Status "Fassung" in einer weiter gefaßten Bedeu-
   zu sehen, also nicht nur in der Bedeutung einer bloßen "Übertragung
   fürs Klavier".

   Editorisches: Wer ein anschauliches Objekt sucht, der Aussage nach-
gehen zu wollen, es habe beim Erstellen des Stimmenmaterials zwei Ferti-
gungsprozesse gegeben (siehe frühere Ausführungen), dem seien die beiden
Paukenstimmen anempfohlen. Hinzuzufügen ist dem, daß das Phänomen "ge-
trennter Anfertigung" sich nicht nur an den im Rahmen der "Bernstein-
Online-Dokumente" wiedergegebenen RMV-Ausgaben nachvollziehen läßt -
trotz der erheblichen Ausbesserungen und Überklebungen, sondern erkunden
läßt sich das sogar noch sehr gut an den beiden aktuellen Boosey & Haw-
kes-Stimmen, obwohl auch diese zahlreiche Korrekturen hinter sich haben
(dem originalen RMV-Text sind sie aber trotzallem näher als die "Bern-
stein-Stimmen"; beachte: hier scheint eine widersprüchliche Formulierung
der Filterung auf Logik entgangen zu sein, es ist aber so wie geschrie-
ben, siehe nachfolgend und weiter unten eine kurze Anmerkung dazu).
   Ausgehend vom grundlegenden Druckbild, das durchaus erkenn- bzw. be-
stimmbar ist, sieht es so aus, als scheine der Druck der aktuellen Boo-
sey & Hawkes-Timpani I-Stimme keinen Bruch aufzuweisen bzw. als habe man
einen in einem zusammenhängenden Fertigungsgang entstandenen Druck vor
sich, das heißt auch, man könnte davon sprechen, er stamme vermutlich
von ein und demselben Stecher bzw. (auf Texte bezogen:) Setzer.
   Anders liegen die Dinge bei der Pendantstimme, der zweiten Pauke: Ab
dem zweiten Teil des Werks (Ziffer 79) ändern sich hier und da (je nach
Seite) ganz bestimmte Details des Stichbilds. Dies fällt zunächst nicht
auf, aber bei genauem Hinsehen bemerkt man es immer deutlicher: Manche
Schriftzüge haben andere Lettern (siehe z.B.: Le 2º timbalier prend la
petite timbale), auch sind die Seitenzahlen und - zumindest teilweise -
deren Sitz anders. Verhältnismäßig markante Unterschiede zeigen auch die
zweistelligen Ziffern. Sie stehen bei der Timpani I-Stimme in ihren ova-
len Umrandungen links, bei der Timpani II-Stimme dagegen eher in der
Mitte.
   Daß im Fertigungsprozeß irgendwelche Wechsel stattgefunden haben müs-
sen, davon scheinen im Grunde auch die RMV-Plattennummern zu künden. Bei
der Timpani I-Stimme lauten sie (Referenz: "Bernstein-Material", lästi-
gerweise gelegentlich durch Überklebungen verdeckt) bis mindestens Seite
9: R.M.V-198 (die "9" tiefer gesetzt), ab spätestens Seite 12 dagegen
R-M-V-198 (die "9" auf einer Ebene). Bei der Timpani II-Stimme ist das
etwas anders: Zunächst ist bis Seite 6 R.M.V-198 vergeben (die "9" tie-
fer gesetzt), dann ab Seite 7 ("SECONDE PARTIE" des Sacre) R-M-V-198
(die "9" auf einer Ebene; zur RMV-Plattennummer mit der tiefer gesetzten
"9" siehe auch weiter oben).
   Leider war dieser Befund erst spät entdeckt worden und so fehlt hier
der Vergleich mit den beiden Timpani-Stimmen des damals (2015) vorlie-
genden Boosey & Hawkes-Materialsatzes. Es ist natürlich klar: Bei der
nächsten Gelegenheit steht in dieser Sache eine genaue Prüfung ins Haus.
   Wie zu sehen, Vieles ist ungeklärt, Widersprüche findet man zahl-
reich. Hierfür kann als ein weiteres Beispiel die Seite 10 der Timpani-
Stimmen dienen. Leider ist es auch hier wieder so, daß diese Sachlage
bei der Durchsicht des 2015 vorliegenden Boosey & Hawkes-Satzes nicht
auffiel, sondern erst bei einer späteren Beschäftigung mit den beiden
"Bernstein-Timpani-Heften".
   Und bevor die Sprache auf diese kommt, sollte hier schon gesagt
sein, daß dort in der Timpani I-Stimme die RMV-Plattennummer der Seite
10 nicht eingesehen werden kann, weil der Anfang der Danse Sacrale über-
klebt wurde und mit ihr die Plattennummer. In der Timpani II-Stimme hin-
gegen ist der Anfang der Danse Sacrale nicht überklebt, sondern nur aus-
geixt, und somit ist die Plattennummer lesbar, sie lautet: R-M-V-198
(die "9" auf gleicher Ebene, siehe hierzu oben den Überblick). Trotz des
Mankos der fehlenden Nummer zeigt aber ein Vergleich der beiden Seiten 
schon beim ersten Blick, daß sie ganz klar von unterschiedlichen Platten
stammen, daß also höchstwahrscheinlich auch die Schriftzüge der Platten-
nummern unterschiedlich sein werden.
   Nun zu einem schillernden Detail. Dem ersten Anschein nach scheint
dieses Details wie selbstverständlich zur Grundfertigungsstufe der Plat-
ten zu gehören und somit als ein Indiz für den grundsätzlichen Unter-
schied der Seiten dienen zu können (die originalen Schriftbilder der
folgenden Zitate wie auch der beiden nachfolgenden bestehen allesamt
aus Lettern der gleichen Sorte):

   Heft TIMPANI I, Seite 10, über Ziffer 138:

    [durchstrichen, Vorschlagsnote] = Timp. Picc. ad lib jouée
   par le Tamb de basque

   Heft TIMPANI II, Seite 10, über Ziffer 138:

    [durchstrichen, Vorschlagsnote] = Timp· Picc· ad lib jouée
   (par le Tamb. basque [sic])

   Sicherlich mag es so gewesen sein, daß die beiden Hinweisfassungen
schon bei der Haupterstellung der Platten von den jeweiligen Setzern
eingefügt worden waren, doch auch eine andere Abfolge ist denkbar, daß
nämlich die Hinweise eine nachträgliche Hinzufügung von nur EINER Hand
sind, mit leichten Varianten eben. Denn in der Tat existieren auch Ein-
zelheiten, die gleich sind (oder gleich zu sein scheinen). Hierbei wird
die Möglichkeit, sie stammten von nur EINER Hand, schon konkreter, ja,
es entsteht sogar der Eindruck derart, daß eine MITwirkung vorliegt bzw.
daß die Arbeit des jeweiligen Hauptsetzers von einer anderen Hand voll-
endet oder überarbeitet worden ist.

   TIMPANI I und II, Seite 10, Ausführungen von offenbar nur einer Hand
   (beachte den verrutschten, mißplazierten Punkt nach "Timp"):

   Ziffer 134: Timp· Picc.

   Ziffer 139: Timp· I
  
   Wie die Plattenummern der Seiten 10 und 11 des Timpani I-Stimme lau-
ten, ist nicht bekannt, aber es würde nicht verwundern, wenn es die Ver-
sion R.M.V-198 ist ("9" tiefgestellt), R-M-V-198 ("9" auf einer Ebene)
wäre hingegen schon überaus erstaunlich. Jedenfalls könnte folgender
Sachverhalt vorliegen, was für die damaligen drucktechnischen Verhält-
nisse überhaupt nicht abenteuerlich klingt, insofern nämlich, als daß
vielleicht, wie schon angemerkt, die beiden Seiten 10 - jede von einem
anderen Stecher hergestellt - in einem zweiten Gang überarbeitet wurden
- ein Vorgang ähnlich einer Endredaktion. Doch sind selbstverständlich
auch andere Arbeits(teilungs)modelle denkbar. Im Übrigen ging es hier
vor allem nur darum, zunächst einmal auf Erstellungs- bzw. Druckunter-
schiede aufmerksam zu machen.

   Hinweis: Oben wurde die Angelegenheit der obskuren Parallelexistenz
   von Einzelheiten in Partitur und Stimmenmaterial angesprochen. Ein
   weiteres Beispiel ist die in den beiden RMV-Timpani-Stimmen abge-
   druckte (oben zitierte) Anweisung bei Ziffer 138. In den Partituren
   (inklusive Manuskript) ist für Pikkolo-Pauke und Tamburin je ein
   System vorhanden, beide Instrumente spielen unsisono die Nachschlä-
   ge; die Anweisung aber ist nicht beigegeben und somit ist auch von
   der ad-lib-Möglichkeit nur in den beiden Stimmheften die Rede.

   Zwei Kleinstdetailbeobachtungen noch am Rande: Beide RMV-Timpani-
Stimmen haben auf der ersten Notenseite keine Instrumentenbezeichnung,
sie taucht erst auf Seite 2 auf, wobei bei der Timpani II-Stimme die
"II" aus der nachträglichen Verdopplung der "I" entstand. Dies ist
deutlich zu sehen. In den Boosey & Hawkes-Stimmen wurde auf der ersten
Notenseite die Instrumentenbezeichnung ergänzt, und was im Detail sehr
interessant sein mag, in der Timpani II-Stimme wurde dabei wie im RMV-
Fall ebenfalls durch nachträgliche Verdopplung aus der "I eine "II".
Hierbei beachte man: Römische Ziffern werden keinesfalls immer auf diese
Weise gebildet, eher scheinen eigenständige Typen der Normalfall zu
sein.
   Interessant ist auch auf den Seiten [1] das scheinbar deutsche "Ü"
in "SI♮AIGÜ" (Recherchethemen: Eine regionale Schreibweise? Produk-
tionsland des für den RMV angefertigten Stichs?!).
   Beachte: Natürlich ist das ein Einsammeln von Kleinstdetails. Ob
diese unwichtig sind, wird man sehen; vielleicht tragen sie aber irgend-
wann einmal, wie das ab und zu geschieht, im Rahmen einer weiter aus-
greifenden Untersuchung bei der Anfertigung eines Gesamtbildes als Mo-
saiksteine etwas bei.

                       Abbildung "SI♮AIGÜ"

   Tam-Tam: Eine erstaunliche Tatsache ist in der Praxis die Vielfalt
der Lösungen, denen man im perkussionistischen Bereich begegnet. Kaum
eine Aufführung oder Aufnahme gibt es wohl, bei der nicht irgendeine
Variante zu hören wäre. Doch die Wahrnehmung setzt entsprechend gute
akustische Verhältnisse, ein geschultes, aufmerksames Gehör sowie
ausreichende Partiturkenntnisse voraus. Es gilt zudem als sicher, daß
so manch eine ausgeführte - vielleicht "eigenmächtige" - Handhabung je
nach Akustik und Situation noch nicht einmal zu hören ist (hier bieten
Bühnenaufführungen eine gewisse Chance, "Partiturabweichungen" viel-
leicht zu sehen).
   So war z.B. in die Tam-Tam-Stimme (Heft 42) eine ganz und gar überra-
schende Kopie eingeklebt worden. Sie umfaßte den Teil Ziffer 171 bis 189
Takt 1 aus der Baßtrommel-Stimme, wobei aus den Einzeichnungen hervor-
geht, daß der Tam-Tam-Spieler von Ziffer 186 bis vor Ziffer 189 die
sechs Schläge der Baßtrommel auszuführen hatte, offenbar mit der Baß-
trommel zusammen. Eine solche "Praxisvariante" ist natürlich zu hören.
Man sollte darauf achten, ob das eine öfter angewendete Praxis ist.
Bisher jedenfalls ist Derartiges noch nicht aufgefallen, allein schon
deswegen, weil das so ungewöhnlich und unerwartet ist. Doch ohne Logik
ist die Ergänzung nicht, denn es wird das von Tam-Tam und Großer Trommel
von Ziffer 180 an ausgeführte Schlag- und Nachschlagspiel hier quasi
"unisonisiert", was zu einer erheblichen, tönenden Verstärkung der mar-
kierenden, akzentuierenden Baßtrommelschläge führt.

Bernstein-Material - aktuelles Leihmaterial: zur Verwandtschaftsfrage

   Wenn im Rahmen dieser Editionsuntersuchung von Leihstimmenmaterial
das "Bernstein-Stimmenmaterial" angesprochen und in einem Atemzug damit
auf das "normale" (= aktuelle) Boosey & Hawkes-Stimmenmaterial Bezug
genommen wird, so ist ausgesprochen hilfreich, die Art des Verhältnis-
ses mitzubedenken: Beide Materialien gehören zum Stammbaum des spä-
testens 1929 korrigiert vorliegenden RMV-Originaldrucks; der Harmonie-
satz des "Bernstein-Materials" ist sogar allem Anschein nach (= vom
grundlegenden Druckbild her geurteilt) originales RMV-Material. Und hier
in den "Bernstein-Stimmen" ist sicherlich auch - in welcher Form auch
immer - das Ur-Boosey & Hawkes-Material zu vermuten, wenn nicht sogar
der ältere Streichersatz zusammen mit dem RMV-Harmoniesatz einst (= im
frischen Zustand, vor den zahllosen Änderungen) ein Exemplar der Erst-
lings-"Ausgabe" war. Zumindest dürfte aber zu dieser oder einer "Erst-
(ver)fassung" editorisch eine unmittelbare Nähe bestanden haben. Klar
ist zudem - von der frühesten Boosey & Hawkes-Ebene aus gesehen-, daß
selbstverständlich zwischen den beiden genannten greifbaren Materialbe-
reichen - dem Bernsteinschen und dem aktuellen - auch eine enge Ver-
wandtschaft besteht, allerdings bewirkt deren KORREKTURSTAND (im Fall
der "Bernstein-Materialien" wäre KORREKTURVERFASSUNG vielleicht ein
treffenderer Ausdruck) gleichzeitig eine überdeutliche Kluft. Man könn-
te es auch so formulieren: Die Materialien geben unterschiedliche
Fassungsvorstellungen wieder. Was heißt das?
   Die aktuelle 1967er Fassung der Stimmen beruht auf der spätestens
1929 vorliegenden Druckfassung, in die alle bis 1967 angefallenen Kor-
rekturen eingebracht wurden (angeblich eingebracht sein sollen), wobei
die Hauptmasse der Korrekturenansammlung auf 1947 zu datieren ist. Des-
halb spricht Boosey & Hawkes gern und oft von "revised 1947". Das aber
ist eine zu verkürzte Angabe (Weiteres siehe früheres Kapitel).
   Die "Bernstein-Stimmen" beruhen, wie gesagt, ebenfalls auf der spä-
testens 1929 existierenden RMV-Materialfassung. Auch sie erfuhren be-
trächtliche Korrekturen, darunter aber auch sehr spezielle. In der Danse
Sacrale vor allem führte das zu einer nach dem 1921er Partiturdruck aus-
geführten Rekorrektur (Remetrisierung). Die Idee, die hinter dieser Re-
korrektur steckt, ist, die 1921er Partiturfassung - bzw. eine Nachbil-
dung der 1921er Fassung wie die Bernsteinsche "Rekonstruktion" - als
Originalfassung anzusehen, eine weitverbreitete Vorstellung, die aber
im einen wie im andern Fall ganz und gar nicht zutrifft, denn wenn schon
der Begriff "Originalfassung" bemüht wird, dann wäre damit ja wohl eher
die Uraufführungsfassung zu bezeichnen (Ausführungen, insbesondere zur
die Uraufführung rekonstruierenden Aufführung von 2013 unter François-
Xavier Roth, in Planung).
   Außerdem muß bedacht werden, daß das aufbereitete "Bernstein-Materi-
al" in vielerlei Hinsicht und in großem Umfang Korrekturen der sich all-
mählich entwickelnden "1967er Korrekturstufe" enthält. Wir haben es
hierbei also mit einer besonderen Mischfassung zu tun, für die eine
kurze Kennzeichnung so gut wie nicht vergeben werden kann. Grotesk, doch
eher richtig als falsch, wäre eine Etikettierung wie: 1921er/1967er Fas-
sung. Hinsichtlich dieser datierenden Kennzeichnung bedenke man, daß in
den Stimmen des "Bernstein-Materials" immerhin die Bestempelung Januar
1982 auftaucht (und man behalte nebenbei auch im Auge, daß in den hohen
Streichern des älteren Streichersatzes der Bernstein-Online-Dokumenta-
tion die der Partitur von 1929 entsprechende Fassung der Danse Sacrale
nach dazwischengeklebten Seiten als Quasi-Anhang weitgehend erhalten ge-
blieben ist, dieser also mit der heutigen aktuellen Boosey & Hawkes-Fas-
sung dem Prinzip nach übereinstimmt).

Materialsatz-Lieferungen 2017, zwei Hefte des Erstdrucks von 1967

   2017 und 2018 wurden drei Materialsätze angeliefert: SET55, SET74 und
SET80. Da SET55 (Lieferung März 2017) den Anforderungen nicht genügte
(Einschätzung: zu verbraucht), wurde der bereits 2015 verwendete SET74
als Ersatz angefordert (Lieferung Juni 2017). SET55 bzw. SET74 galten
für eine vollständige Sacre-Aufführung, anders SET80 (Lieferung Juni
2018), er diente nur einer Aufführung der Fagott-Einleitung. Leider
konnten die drei Möglichkeiten der Einsichtnahme nicht ausreichend wahr-
genommen werden. Denn wegen der Einzeichnungen ist im Allgemeinen der
beste Modus die Recherche nach dem Gebrauch, doch da bleibt terminlich
oft nicht genügend Zeit. Also wird die nächste Lieferung abgewartet, auf
die man, da Le Sacre du Printemps ein Standardstückrenner geworden ist,
nicht zu lange wird warten müssen.
   SET55 war in folgender Stärke angeliefert worden, Steicher (hell-
blaue Einbände, Ausnahme siehe nachfolgend): 8, 7, 6, 5 und 4. Das ist
gegenüber SET74 je Stimme ein Heft weniger. Anzahl der Harmoniehefte
(wie im Allgemeinen gewohnt): 43 Hefte (hellgrüne Einbände, Ausnahme
siehe nachfolgend).
   Die Ausnahmen, die dieser Satz enthielt, waren, in grauen Einbänden
steckend: 1) ein Heft Violino II, mit Bleistift handschriftlich als
(Pult) 7 gekennzeichnet und 2) das Heft Tromba III. Beide Stimmen hatten
- wie bei Stimmen gewohnt - auf der letzten Notenseite keine Druckdatie-
rung, dafür aber auf der Rückseite dieser Seite die Igor Stravinsky-
Annonce "No. 40 [-] 7.65" (zu ihr siehe andernorts). Das ist zweifellos
eine editorische Überraschung, denn das kann eigentlich nur bedeuten,
zwei Hefte angetroffen zu haben, die für den Verkauf bestimmt waren,
also auf einen "Handelsstimmensatz" hindeuten. Denn für welchen anderen
Verwendungszweck sollte die Annonce sonst gedacht gewesen sein? Zudem
bleibt nach aller Erfahrung mit Leihmaterialien angesichts dieser Sach-
lage eigentlich nur der Schluß übrig, es handele sich bei den beiden
Heften um Erstdruckstimmhefte der 1967er Fassung.
   Das Innere der beiden Hefte weicht nicht von den schon beschriebenen
Sachverhalten ab, doch das Deckblatt ist deutlich anders: Es trägt keine
den Inhalt anzeigende Etikettierung, sondern weist eine vollständige
Bedruckung auf! Sie ist zweiteilig: oben der Titelbereich und unten die
Verlagsangabe. Zu beachten ist dabei, daß die Titelbedruckung des Deck-
blatts dieser neuen Hefte mit der der ersten Notenseite identisch ist,
und diese ist nichts als eine Auswechslung (zu diesem Phänomen siehe
andernorts), beachte ferner: somit ist auch schon auf dem Deckblatt
"1967" angegeben, was bei den etikettierten Heften nicht der Fall war
(Beschreibung siehe andernorts).
   Die nachfolgende Wiedergabe der Bedruckung ist zusammengestaucht,
gibt aber nachempfindend die Struktur in etwa wieder.

         1967            THE RITE OF SPRING
                          (Le Sacre du Printemps)
                             Ballet for Orchestra

         Violino II                              I. STRAVINSKY
         [bzw.
         Tromba III]

                           BOOSEY & HAWKES

   Zum Heft Violino II: Das Deckblatt trug außer dem Stempel SET55 noch
den Stempel SET46, der aber mit schwarzem Filzstift ausgestrichen wurde.
Immerhin zeigt der Stempel SET46 an, daß das Heft ursprünglich einem
(wahrscheinlich aufgelösten) Satz SET46 angehörte, es handelt sich hier-
bei also offensichtlich um ein Auffüllungsheft (beide Bestempelungen in
rot, aber unterschiedlicher Art).
   Ein in der Aufmachung nahezu gleiches Heft enthielt auch der Satz
SET74. Die einzige Abweichung bestand darin, daß die Annonce nicht vor-
handen war. Wahrscheinlich liegt hier ein etwas jüngerer Druck vor. Ur-
sprünglich gehörte das Heft zum zum SET20, die lila Bestempelung (SET
[/] 20) war ausgestrichen ("20" war nur noch vage erahnbar). Dieser
Stempel deutet auf englischen Ursprung hin. Außer dem roten Stempel
SET74 trug das Deckblatt noch den Stempel BOOSEY/BOTE & HAWKES/BOCK,
Leihbibliothek · Hire Library, den auch die erste Notenseite aufwies.
Dies alles deutet darauf hin, die Stimme kam wohl nicht von Bonn nach
Berlin, sondern von London.
   Interessant ist noch zu erwähnen, daß zwar das Stimmheft Violino II
eine Umnumerierung erfuhr, nicht aber das Heft Tromba III. Und das be-
deutet, daß es offenbar eine Reserve an Erstlingsdrucken geben muß.
Stempel SET55 ebenfalls in rot. Abgesehen von Leerstellen zeigte das
Bild der Bestempelung SET55 von der Art her nirgends Abweichungen.
   Die Maße der frühen Hefte, ca. 31 x 23,6 cm, sind gegenüber den jün-
geren hellblauen und hellgrünen Heften nicht unterschiedlich.

Zur Chronologie der ersten Boosey & Hawkes-Sacre-Partituren

                           =================
                           DERZEIT IN ARBEIT
                           =================

   In den vorherigen Kapiteln sind schon sehr viele Details der alten
prä-1967er Partituren mitgeteilt worden. Es sollte damit jeweils ein
Vergleich mit der neuen 1967er Edition, insbesondere in der Gestalt der
Dirigierpartitur [2012], ermöglicht werden. Denn der ständig parate
Bezug zu den Nachbarfakten und natürlich auch zum Grundgerüst der Ent-
wicklung ist in einer verwirrend detaillastigen editorischen Forschung
unerläßlich, ganz abgesehen davon, daß ein solcher Bezug beim Lesen und
Studieren Zeitersparnis bringt: Denn das ständige Sichorientieren, Auf-
suchen und Nachschlagen vereinfacht sich durch Wiederholungen um eini-
ges, so die hoffentlich richtige Idee (repetitio mater artium omnium).
    Was nun anschließend folgt, kann ganz gut damit umschrieben werden,
es werde nachgesehen, was bezüglich der alten Boosey & Hawkes-Sacre-
Partituren an äußerlichen Einzelheiten noch fehlt. Das aber wird natür-
lich auch nicht ohne Rekapitulieren, Einsammeln von bereits Gesagtem ab-
zuwickeln sein. Was fehlt denn zum Beispiel? Es fehlen zunächst und vor
allem Untersuchungen zur Chronologie der Frühzeit, der unmittelbaren
Nachkriegszeit also.
   Doch diese Nachforschungen werden sich wegen der begrenzten Quellen-
lage - so stehen z.B. keine Primärquellen (= Verlagsunterlagen) zur Ver-
fügung - schwierig gestalten, was heißt, der Weg wird mit Hilfe von
Sekundärquellen zu beschreiten sein, und dies bedeutet gleichzeitig, daß
damit Umwege und unvermeidliche Nebenklärungen in Kauf genommen werden
müssen; doch wenn man editorischem Arbeiten wegen seiner Grundsätzlich-
keit wirklich wohlwollend gegenübersteht, dürfte das alles keine unüber-
windlichen Probleme bereiten. Allerdings darf andererseits nicht zu viel
erwartet werden: Es wird leider durchaus "Ergebnisse" geben, die kaum
über das Stadium "vage" oder "ungefähr" hinauskommen, dennoch: erste
tastende Schritte müssen so oder so unternommen werden, wobei in dieser
Situation beispielsweise Annoncen zunächst zu den wichtigsten Quellen
zählen, chronologische Fragen überhaupt angehen zu können. Im Übrigen
ist dieses Sondieren keineswegs überflüssig, denn selbst im Fall, daß
interne Verlagsinformationen vorlägen, müßte die Überprüfung durch tat-
sächliche (= veröffentlichte) Ankündigungs- und Mitteilungsmaterialien,
wie Zeitschriften oder, im günstigeren Fall, für den Handel gedachte
Verlagslisten, trotzallem stattfinden. Man mache sich in diesem Punkt
keine Bequemlichkeitstraumgespinste vor. Theorie ist die eine Seite, das
tatsächliche Leben die andere.
   Bei der chronologischen Recherche gilt ein besonderes Interesse den
Taschenpartituren alten Typs, allein schon deshalb, weil es für die
Annahme einige bedeutsame Indizien gibt, daß im nach dem Zweiten Welt-
krieg neuen und führenden Verlagshaus für Strawinsky-Werke, Boosey &
Hawkes, im Fall des Sacre die Dirigierpartitur nicht die zuerst heraus-
gegebene Partitur war, sondern die Taschenpartitur (hierzu siehe u.a.
oben das Kapitel "Zur alten Seite [2]: Vertiefung des Stoffs und etwas
Mystik").
   Zum Erstdruck der Taschenpartitur: Man behalte während der folgenden
Ausführungen immer im Sinn, daß derzeit noch in keiner Form beweiskräf-
tige Unterlagen gefunden wurden, die die These stärkten, die auf der
letzten Notenseite (S. 139) mit dem Druckvermerk "[...].448" (= April
1948) versehene Erstausgabe der Taschenpartitur sei noch im Jahr 1948
erschienen, und auch in keiner Form, welche von den beiden schon er-
wähnten (Haupt-)Varianten der ersten Taschenpartitur denn nun die zu-
erst veröffentlichte sei (zur frühen Boosey & Hawkes-Taschenpartitur
siehe später spezifische Ausführungen).
   Jedenfalls, daß noch 1948 eine Taschenpartitur erschienen ist, ist
durchaus möglich, etwa für das im Notenhandel überaus wichtige Herbst-
bzw. Weihnachtsgeschäft. Demgegenüber ist aber auch nicht wegzudisku-
tieren, daß in den Erfassungsdetails einer deutschen Universitätsbibli-
othek, bei der sowohl die handschriftliche Inventarisierungsnummer wie
auch die schließliche Archivnummer das Jahr 1950 numerisch beinhalten,
auf der einstigen alten (= zeitgenössischen) Karteikarte (zur vermutlich
ältesten der bisher eingesehenen frühen Taschenpartituren) maschinen-
schriftlich "[1949]" angegeben ist; leider ist die Herkunft dieser
(sicherlich nicht nachträglich ergänzten!) Datierung unbekannt. Geht sie
auf irgendeine schriftliche Quelle (Ankündigungsannonce, Verlagsliste,
-mitteilung usw.), auf eine/die resultierende Bestellung und/oder auf
den Eingang zurück? Möglich ist auch, daß beim Archivierungsvorgang die
(heute) nicht mehr entzifferbare Datierung der auf dem hinteren Einband-
deckblatt abgedruckten Verlagsanzeige No. 520 eine Rolle spielte (siehe
dazu später ein spezielles Kapitel). Das alles sind editorisch minuti-
öse und spannende Fragen.

Nachkriegszeit: Suche nach frühen öffentlichen Zeichen

a) Dirigierpartitur in frühen Anzeigen

   "Tempo", die Boosey & Hawkes-Hauszeitschrift (1939 erstmals erschie-
nen), hilft bei der Recherche nach einer verläßlichen Feinjustierung der
Erscheinungsdatierung(en) der in der Nachkriegszeit verlegten ersten
Sacre-Partiturausgaben nur bedingt weiter. Es fehlen in den Nachrichten
dienliche Hinweise und das Vorkommen von Annoncen ist zu spärlich.
Selbst das Strawinsky-Heft vom Sommer 1948 (New Series, Nr. 8) hilft
nicht weiter, es enthält, obwohl eine komplette Chester-Liste als Annon-
ce abgedruckt ist (S. [31]), keine Liste der inzwischen bei Boosey &
Hawkes erhältlichen Werke. Auch gibt es in dem Heft zwar einen Artikel
"Note on the new 'Petrouchka'" (von Henry Boys, S. 15-18), doch von
einer (neuen) Sacre-Partitur ist bis dato nirgends auch nur das gering-
ste Anzeichen auszumachen {*1}.

   {*1} Nebenbei: Das Heft ist für die Geschichte der Strawinsky-Disko-
   graphie sehr von Interesse, es enthält nämlich nach Whites 1947
   erschienener, schon recht weitgehender Aufnahmenauflistung (zu White
   siehe unten) eine weitere derartige Liste, und zwar für die Zeit in
   einer methodisch ausgesprochen fortgeschrittenen, richtungsweisenden
   Art (Fassungen, Jahresdatierungen): Francis F. Clough/Geoffrey J.
   Cuming, Igor Strawinsky on Records, S. 29/30 (Clough und Cuming sind
   die Autoren der mit drei Ergänzungsbänden erschienenen The World's
   Encyclopedia of Recorded Music, Einzelheiten siehe an anderem Ort).

   Aber auf der Suche (in Zeitschriften) nach frühen Spuren, die sich
im Selbstverständnis des Verlags Boosey & Hawkes auf die sicherlich
gewichtigste Nachkriegsveröffentlichung beziehen - auch wenn es quasi
nur eine Wiederauflage ist - wird man im Tempo-Heft 12, Sommer 1949
(Richard Strauss Number) auf Seite [36] dann doch wenigstens etwas fün-
dig: In einer Anzeige "FULL SCORES Of Contemporary Works for the SYM-
PHONIC ORCHESTRA" werden acht Werke Strawinskys angeführt (weitere Kom-
ponisten sind u.a. Bela Bartók, Alexandr Borodin, Benjamin Britten,
Bohuslav Martinù, Sergej Prokofjew). Das ist schon eine beeindruckende
Strawinsky-Dirigierpartiturenrevue, die da Aug' und Ohr zum Kauf animie-
ren soll. Für dokumentarische Zwecke wird sogar noch interessanter, wenn
man sie um die Plattennummern erweitert und ihre ursprünglich alphabeti-
sche Anordung dann nach diesem hinzugefügten Element neu sortiert, zur
Wiedergabe siehe nachfolgend (beachte: Plattennummereigenschaften, wie
das Präfix B. & H. vor der Zahl oder ein Binnenpunkt wie im Fall der
16.603 der Sacre-Leihstimmen, Revision 1948 (siehe weiter unten), wur-
den nicht mit aufgenommen; zu den Preisen: 37/6 = 37 shillings and 6
pence, 50/- = 2 pounds and 10 shillings). Man übersehe im Übrigen nicht,
mit dieser Anzeige ist man schon mitten im Jahr 1949 (doch sollte wegen
der nur vierteljährlichen Erscheinungsweise des Tempo-Magazins für Da-
tierungszwecke eine mögliche "Vordatierung" (= eine mögliche Vorverle-
gung der Datierung) mitgedacht werden, d.h., es sollte für das Ankündi-
gungsvorhaben die verstrichene Zeit ab Erscheinen des Frühjahrhefts,
etwa April/Mai, nicht außer Acht geraten).
   
   Apollon Musagète      (revised 1947 version)  25/-  16213
   Petrouchka            (revised 1947 version)  50/-  16236
   Orpheus                                       25/-  16285
   Symphonie de Psaumes  (revised 1948 version)  31/-  16328
   Pulcinella Suite     [(revised 1949 version)] 18/6  16332
   Le Sacre du Printemps (revised 1947 version)  37/6  16333
   Oedipus Rex           (revised 1948 version)  50/-  16497
   Mass                                          15/6  16501

   Boosey & Hawkes entfaltete in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg
eine außergewöhnlich umtriebige Verlagstätgkeit, ein gut Teil davon ent-
stand durch die Übernahme der umfangreichen Sortimente des Russischen
Musikverlags sowie des einst von diesem vertretenen Gutheil-Verlags.
Stetig am Wachsen war auch der Bestand an verfügbaren Strawinsky-Noten
und die Aufstellung oben gibt nur einen Ausschnitt der (wieder-)veröf-
fentlichten oder zur Veröffentlichung in Vorbereitung befindlichen Werke
wieder, außerdem scheint den hektischen Zeitdruck wiederzuspiegeln, daß
bei der Pulcinella-Suite der Zusatz "revised 1949 version" fehlt (hier
ergänzt), denn es kann gut sein, daß die Partitur im Sommer 1949 noch
gar nicht fertig war. Dieser Verdacht des (trickreich geschäftsorien-
tierten) Vorausannoncierens wird nachfolgend noch als ein aufschluß-
reiches Thema anzusprechen sein.
   Wie an den Revisionsdatierungen zu sehen, enthält die Anzeige sechs
"alte" Werke (sie kommen vom RMV), währenddessen Orpheus und Mass schon
originäre Boosey & Hawkes-Produkte sind. Und was selbst durch diese Aus-
wahlliste schon angedeutet ist: Es besteht zwischen der Revisionsdatie-
rung und der Plattennummernvergabe nicht unbedingt eine zeitliche Paral-
lität. Das bedeutet, es darf nicht übersehen werden, daß die Platten-
nummer keine Fertigstellungsnummer ist, sondern oft oder sogar in der
Regel das genaue Gegenteil, eine Vergabe-, Arbeits- oder Anfertigungs-
nummer (job number), und hierbei besteht ein weitverbreiteter Usus, sie,
die ZUKÜNFTIGE PLATTENnummer, in Handschriften, Revisionspartituren oder
sonstige Nachweismedien einzutragen, und zwar im Allgemeinen wohl dann,
wenn die Erstellung der jeweiligen Noten tatsächlich ins Auge gefaßt
wird oder eben tatsächlich begonnen wurde, eine Referenzbenummerung
also, denn auch so könnte diese Numerierung näher bezeichnet werden.
Gute Beispiele für derlei Handhabung geben die Handschriften der Kla-
vierfassung und der Orchesterpartitur des Sacre ab: Die Klavierfassung
trägt die mit Bleistift ausgeführte Numerierung "R.M.V. 196." und die
Orchesterpartitur in blau, vage zu sehen: "R M V 197", was später in rot
überstempelt wurde mit "MANUSKRIPT [/] R.M.V.     ", wobei im Freiraum
nach R.M.V. handschriftlich, ebenfalls in rot, "197" ergänzt wurde.
   Möglich ist natürlich auch, daß die Fertigung nach der Nummernvergabe
einen Aufschub erfährt, ein extremes Beispiel dafür könnte der Fall des
angeblich 1949 revidierten Capriccio sein; die Aufstellung oben zeigt
nämlich, daß dessen Plattennummer 16212 eigentlich nicht der zeitlichen
Ebene von 1949 zuzuordnen wäre, sondern der des Apollon Musagète (beach-
te: hier kündet sich editorisch ganz zaghaft, oder wenn man darum weiß,
ganz massiv ein äußerst diffiziles Problem an, hierzu siehe weiter un-
ten). Passend zur obigen Aufstellung müßte ein Eintrag des Capriccio
also rein theoretisch wie folgt lauten (Ladenpreis unbekannt; Weiteres
siehe im Kapitel zur Annonce No. 582):

   Capriccio             (revised 1949 version)        16212

   Ganz anders ist die Bedeutung des Druckvermerks auf der letzten
Notenseite aufzufassen, er hat deutlich etwas mit der Erstellung selbst
zu tun und hängt mit der schließlichen Anfertigung der letzten Seite
zusammen, doch mit der tatsächlichen Veröffentlichung hat auch diese
weitere Möglichkeit einer Datierung nichts zu tun, für sich genommmen
jedenfalls nicht (zum Druckvermerk siehe das gesonderte Kapitel, in
Vorbereitung).   
   Die oben genannte Verlagsanzeige vom Sommer 1949 enthält fünf oder
sechs revidierte Partituren, doch, wie schon angedeutet und wie ein
kurzer Blick auf die Aufstellungen unten auch zeigt, gäbe es neben die-
sen bereits (angeblich) fertiggestellten Partiturausgaben aus dem RMV-
Katalog noch weitere in Frage kommende, vielleicht gerade in Arbeit oder
im Abschluß befindliche. Immerhin ist aber in der Anzeige Le Sacre du
Printemps dabei, doch hat diese Partitur eine Plattennummer, die der
Höhe nach gleichfalls nicht so recht zur angegebenen Jahreszahl der Re-
vision, 1947, paßt. "1948" dagegen fiele nicht auf, wäre "einleuchten-
der".
   Vielleicht spiegelt aber die Jahresangabe 1947 eine Nähe zu Strawin-
skys Anfertigung der erneuten Korrekturarbeit wieder. Der Druckvermerk
April 1948 jedenfalls spräche dem nicht entgegen, ebenso nicht der auf
etlichen Leihstimmen angetroffene Hinweis, 1948 habe eine Revision
stattgefunden. Ob aber diese Stimmendatierung überhaupt etwas mit der
"neuen" Partiturkorrektur zu tun haben könnte, ist derzeit nicht mehr
als die Annahme einer reinen Möglichkeit (siehe oben die Ausführungen
zu Leihstimmen).
   Wirklich überraschend ist jedoch etwas ganz anderes: die Kennzeich-
nung "revised 1947 version" an sich. Sie nämlich kommt in der alten
Dirigierpartiturausgabenlinie erst in der mit dem Hinweis "Reprinted
with corrections 1965" und dem Druckvermerk vom August 1965 gekennzeich-
neten Ausgabe vor, und zwar da auf dem Deckblatt und auf der Titelseite
(S. [1]), in der Verkürzung "Revised 1947" auch auf deren erster Noten-
seite (S. 3). Dieser Ergänzung folgt ähnlich die (alte) Taschenpartitur
im Druck vom Oktober 1965, aber nur mit dem verkürzten Hinweis auf Seite
3. Beide Ausgaben führen außerdem zum erstenmal, dem scheinbar entspre-
chend, die Jahresangabe "1947" im Copyright-Hinweis (S. 1): "Copyright
assigned 1947 to Boosey & Hawkes Inc. {...]" (Weiteres dazu in früheren
Kapiteln).
   Eine ungefähr ein Dreivierteljahr ältere Annonce, erschienen Oktober
1948 in der Zeitschrift The Musical Times (S. 320), liefert aufschluß-
reiche Ergänzungen zu dem skizzierten Bild, insbesondere wenn man wieder
die Plattennummern hinzufügt und danach sortiert, wie nachfolgend bei
den fünf in dieser Annonce angeführten Werken aus dem Bühnen- und Or-
chesterbereich geschehen:

   Perséphone, Vocal Score                       17/6  16302
   Mavra, Vocal Score                            17/6  16304
   Chant du Rossignol, Full Score                17/6  16312
   Piano Concerto[, Piano Duet Version]          10/-  16329
   Le Sacre du Printemps, Full Score             30/-  16333

   Soweit bislang herausgefunden, ist das in einer Zeitschrift die erste
Boosey & Hawkes-Anzeige, die Wiederveröffentlichungen von im Russischen
Musikverlag erschienenen Werken Strawinskys enthält. Überschrieben ist
die Ankündigung wie folgt:

   EDITION RUSSE DE MUSIQUE [/] EDITION A. GUTHEIL
   The following reprints from these important catalogues are now
   available.
   All prices are subject to an increase of 25%

   Neben zwölf Werken Strawinskys sind noch Werke von Anton Arensky,
Mili Balakirew, Sergej Prokofiew, Sergej Rachmaninow und Alexandr
Skrjabin angeführt. Der Gutheil-Verlag war, wie schon gesagt, vom RMV
mitvertreten worden, von Strawinsky ist bei ihm jedoch wohl nur ein
einziges Werk erschienen, und zwar 1938 im RMV-Ableger Koussevitzky/
Gutheil: Chanson Russe aus Mavra (Transcription pour violon et piano,
Violinstimme in Zusammenarbeit mit Samuel Dushkin). 
   Die Sacre-Position betreffend fällt auf, daß (im Oktober 1948) der
Hinweis auf die Revision fehlt, außerdem waren wohl trotz des "now
available" noch nicht alle angekündigten Werke fertiggestellt, denn in
diese Richtung deutet der anscheinend vorsorgliche Hinweis "Alle Preise
vorbehaltlich einer Erhöhung von 25%". Und wie man sieht, lautet denn
auch z.B. der Preis für die Sacre-Partitur hier noch 30/-, doch dann
fast ein Jahr später 37/6 (siehe oben).
   Die angegebenen Preise zeigen, daß die Dirigierpartituren damals
nicht überteuert angeboten wurden. Die "37 shillings and 6 pence" für
die Sacre-Partitur sind eigentlich sehr preiswert, denn Biographien
und musikwissenschaftliche Bücher können durchaus 30 Schillinge errei-
chen. Eric Walter Whites berühmtes Buch Stravinsky - A Critical Sur-
vey zum Beispiel, erschienen 1947 und im Tempo-Heft Autumn 1947 (New
Series, Nr. 5, S. 23-24) von G. S. (= Anthony Gishford) besprochen,
kostete mit seinen (bloß) 192 Seiten immerhin schon 15/- Schillinge.
Man vergleiche damit den oben für die Sacre-Dirigierpartitur mitge-
teilten Deutsche Mark-Wirtschaftswunderpreis zur Zeit um 1980.
   Die weiteren in der Annonce vom Oktober 1948 genannten Werke Stra-
winskys gehören in den Bereich Kammermusik (Titelformulierungen und
-schreibweisen nach der Anzeige; die Folge in der Annonce ist systema-
tisch: Lieder, Klavier, Seiteninstrumente, Orchester, Klavierauszug,
doch hier wurde wieder nach hinzugefügten Plattennummern sortiert): 

   Three movements from Petrouchka                5/-  16301
   Serenade in A                                  4/-  16303
   Deux Poésies, after Balmont's Poetry           3/6  16305
   Trois Poésies de la lyrique japonaise          3/-  16308
   Trois Petites Chansons, Voice and Piano        2/6  16317
   Suite Italienne, Cello and Piano
   (ed. Piatigorsky)                              8/-  16350
   Duo Concertant, Violin and Piano               6/-  16373

   Das überhaupt erste im Verlag Boosey & Hawkes erschienene Werk Stra-
winskys der "neueren Zeit" {*1} ist ein Eigengewächs, zumindest gab es
von ihm zuvor keine RMV-Veröffentlichung, gemeint ist das Concerto en
Ré für Streicher. Das dem Concerto nachfolgende Werk ist Orpheus (siehe
oben die Tempo-Annonce vom Sommer 1949). Die Ankündigungsanzeige der
Dirigierpartitur des Concerto befindet sich im Tempo-Heft Winter 1947-
1948 (New Series, Nr. 6, S. [29]). Der Verlegerstolz ist nicht zu über-
sehen:

                        BOOSEY AND HAWKES
                   announce the publication of
                        IGOR STRAWINSKY'S
                          Concerto in D
                       for String Orchestra
                              [...]

   {*1} Gemeint ist die Zeit ab Kriegsende bzw. nach dem Ankauf des
   RMV im Jahr 1947.

   Die bisherige Liste der frühen Partiturausgaben, bezogen auf ihre
Plattennummern, wäre demnach um das Concerto zu ergänzen, wobei nachfol-
gend die Leihstimmen und der Klavierauszug des Sacre gleich mit ange-
führt werden (beachte: die Plattennummer des revidierten Klavierauszugs
von 1968 wurde verständlicher- und unverständlicherweise nicht geändert,
siehe dazu an anderem Ort unter Klavierauszüge, in Vorbereitung):

   Concerto en ré {*1}    Dirigierpartitur       15/6  16125
   Sacre, Leihstimmen     Revision 1948                16603
   Sacre, Klavierauszug   unrevidiert, 1952            17271 {*2}

   {*1} In den "klassischen" Notenausgaben Concerto en Ré pour Orchestre
   à Cordes betitelt, in der oben angegebenen Ankündigung der Dirigier-
   partitur ("Full Score") dagegen: Concerto in D for String Orchestra,
   in der Ankündigung der Miniature Score: Concerto in D for Strings
   (Tempo, Spring 1948, New Series, Nr. 7, S. [24], Preis: 3/9, Weiteres
   siehe später)

   {*2} Beachte, daß die Plattennummern der Sacre-Leihstimmen und des
   Klavierauszugs von 1952 unter den bis jetzt angeführten die höchsten
   sind und daß eben die Nummer der Leihstimmen höher ist als diejenige
   der in der Annonce vom Sommer 1949 angezeigten Mass-Partitur.

   Eine einigermaßen genaue Angabe dazu, wann denn nun die von Boosey
& Hawkes gedruckte (alte) Dirigierpartitur des Sacre erschienen sein
mag, ist mit den bisher vorliegendenden Mitteln nicht zu erreichen. Die
Nachforschungen sind aber keineswegs einzustellen, auch wenn nun ein
Zwischenstand formuliert werden muß, der besagt, daß der Tendenz nach
zunächst der Sommer 1949 als Erscheinungszeitraum vermutet wird. Genau
dies bestärken auch Beobachtungen, die sich aus Whites Buch Stravinsky -
A Critical Survey (siehe oben) gewinnen lassen. Hierbei geht es nur am
Rande um die 1947 erschienene und schon, wie bereits mitgeteilt, im
gleichen Jahr besprochene englische Originalfassung dieses grundlegen-
den Strawinsky-Buchs, sondern vielmehr um dessen deutsche Übersetzung,
die leider kein Veröffentlichungsjahr aufweist, aber nach den Erfassun-
gen der Staatsbibliothek München und der Deutschen Nationalbibliothek
offenbar 1950 erschien.
   Das Vorwort der Erstausgabe ist auf Dezember 1946 datiert. Somit wun-
dert nicht, daß Boosey & Hawkes im Buch nirgends auftaucht. In der Werk-
liste wird als jüngster Eintrag die 1945 (White 1947: 1946) veröffent-
lichte Elegy for Viola Solo angeführt. Auf den Russischen Musikverlag
(genannt als "Edition Russe de Musique, Paris") entfallen bei der Auf-
listung der Verlage 24 Verweise, genauso viele sind es auch in der deut-
schen Fassung von [1950], es müßten aber in beiden Fällen 25 sein, denn
es fehlt ein Verweis auf die (im Werkverzeichnis durchaus angeführten)
Balmont-Lieder.
   Die deutsche Version des Buchs ist nicht nur eine von dem Kompo-
nisten Gottfried von Einem {*1} erarbeitete Übersetzung, sie ist gleich-
zeitig eine Aktualisierung. Das Vorwort Whites stammt vom März 1949,
das jüngste besprochene Werk ist die am 17. Oktober 1948 uraufgeführte
Messe, außerdem wird kurz erwähnt, daß The Rake's Progress 1948 begonnen
wurde.

   {*1} Es ist erstaunlich wie schnell von Einem, 1945 27jährig, bis
   dato mit dem Nationalsozialismus vielfältig verbandelt, durch die
   Beschäftigung mit dem Emigranten Strawinsky die Chance nutzte, den
   Anschein eines (weiteren?) Persilscheins zu erwerben. Es empfiehlt
   sich, seine Übersetzung sprachlich nach "Überbleibseln alter Art"
   eingehend zu prüfen. Merkwürdig mutet in diesem Zusammenhang zum
   Beispiel an, daß als Titelübersetzung für The Rake's Progress "Fort-
   schreitender Verfall" angeboten wird.

   Die "Edition Russe de Musique, Paris" heißt jetzt in der Übersetzung
im Werkverzeichnis "Russischer Musikverlag, Paris" und unter diesem
Stichwort sind wieder die von 1947 her bekannten 24 Werkverweise ver-
sammelt. Korrigiert und geändert wurde hingegen die Zahl der Verweise
unter Boosey & Hawkes: sie lautet 28, das sind die 24 RMV-Verweise von
1947, dazu der vergessene Verweis auf die "Two Poems of Balmont" sowie
die Verweise auf die drei letzten neuen Werke: "Concerto in D", "Or-
pheus" und "Messe". In der Übersetzung wird nur eine einzige der nach
1945 entstandenen Revisionen genannt, das ist die des Balletts Petrouch-
ka, sowohl im Text (S. 216) als auch im Werkverzeichnis (S. 228), wobei
verwundert darauf hingewiesen wird, daß die Bearbeitung eine "revidierte
Fassung von 1947" genannt würde, die Partitur aber mit "Hollywood, 14.
Oktober 1946" abgezeichnet sei. Diese Abzeichnung kann man der Druckpar-
titur entnehmen, die White gekannt hat, denn er bespricht Einzelheiten
der Neufassung, und es sei ergänzt: Er geht als Pianist und eifriger
Partiturenleser immer auf Notendetails ein und zeigt auch Druckfehler
auf. Insofern hätte er sicherlich auch andere "revidierte" Fassungen
eingesehen und in der aktualisierten Fassung seines Buchs genannt, wenn
die (tatsächliche) Verfügbarkeit wirklich schon bei der Abfassung der
Übersetzung bestanden hätte {*1}. Somit ist die Lage wohl so zu verste-
hen, daß der Annonce in der Tempo vom Sommer 1949 in etwa Neuigkeits-
charakter beizumessen ist.

   {*1} Das ist eine etwas gewagte Annahme, aber als Abarbeitungsthese
   mag sie so formuliert bestehen bleiben.
 
    Eine Präzisierung in der Datierung bringt leider auch nicht das, was
Leonard Bernstein auf das Titelblatt seiner ersten Boosey & Hawkes-Leih-
partitur schrieb: "Given to me in 1950 (or a year or two earlier?)".
Danach wäre zwar für das Veröffentlichungsjahr als jüngste Grenze 1950
anzunehmen, doch steckt ja in der Äußerung gleichzeitig auch ein mutmaß-
licher Veröffentlichungszeitraum: 1948 bis 1950 (zu den im Internet ein-
sehbaren Bernstein-Leihpartituren siehe später eine kurzgefaßte Be-
schreibung und Einführung).

b) Taschenpartitur in frühen Anzeigen
     
   Anders als bei der alten Boosey & Hawkes-Dirigierpartitur ist bezüg-
lich der frühen Studienausgabe (Hawkes Pocket Score) die Auskundschaf-
tung einer zur Veröffentlichungsdatierung führenden Spur mit den gege-
benen Mitteln bislang noch nicht einmal über erste Ansätze hinausgekom-
men. Man meint sich in einem Schattenreich zu bewegen. Ja, selbst die
Numerierung der Miniaturpartitur, No. 638, hilft nicht viel weiter.
   Jedenfalls, irgendwie links liegen lassen kann man aber den frühen
Pocket Score-Veröffentlichungszweig auf keinen Fall. Denn für die Sacre-
Forschung sind die Ausgaben der alten Taschenpartiturausgabe und die da-
rin vorgenommene Korrekturentwicklung von nicht untergeordneter Bedeu-
tung (siehe dazu Ausführungen an anderen Orten), und deshalb soll hier,
wie schon zuvor für die große Druckpartitur, auch für die kleine Parti-
tur eine grobe Skizze der Situation in der direkten Nachkriegszeit ange-
boten werden.

   Einschub: Frühe Hawkes Pocket Scores, Serie 1 f., 500er Serie

   Die Reihe "HAWKES POCKET SCORES" wurde 1939 gegründet, offenbar mit
   der Herausgabe klassischer Werke. Dennoch beginnt die Zählung im wohl
   später eingeführten Sektor "Modern Works" in der Tat mit der Nummer 1
   (die ersten Nummern galten Werken Edward Elgars), das ganze Format
   erreichte gegen Ende 1947 die Nummernhöhe 294, wobei allerdings zu
   diesem Zeitpunkt nicht alle Nummern vergeben waren. Offenbar genau
   in diesem Jahr 1947 wurde auch die für Strawinskysche Werke wichtige
   600er/700er Serie aus der Taufe geboben; die erste Nummer, 600, ent-
   hält das von Ernest Bloch 1945 komponierte Streichquartett Nr. 2.
   Wahrhaft obskur ist der 500er Nummernkreis, wenn er überhaupt ein
   "Nummernkreis" ist. So gab es z.B. eine frühe, rätselhafte, seltsame 
   Boosey & Hawkes-Übernahmeveröffentlichung der Partitur der Feuervo-
   gel-Suite von 1919, Nachdruck der Chester-Originalausgabe von 1920.
   Format: Taschenpartitur (Hawkes Pocket Scores), New York (?), ohne
   Jahr, die Plattennummer ist auffällig niedrig: "B. & H. No. 573".
   Wann genau der Nachdruck erschien, ist unklar. Naheliegende Möglich-
   keiten: 1. Anfang der 1930er Jahre (Firmenzusammenschluß zu Boosey &
   Hawkes: 1930, die 500er Nummern als "Pilotausgaben"?), 2. 1939 oder
   danach (Veröffentlichungsbeginn der Hawkes Pocket Scores: 1939). Im
   Vergleich zur heutigen Schott-Ausgabe ist diese Partitur korrekturbe-
   dürftig. Zur Veröffentlichungsdatierung (Stand 17.7.2019): Es ist
   eine ebenfalls in der Reihe Hawkes Pocket Scores erschienene Partitur
   "Petroushka" [sic] aufgetaucht, sie ist nicht minder obskur, hat die
   Reihennummer "No. 574" und die dazu analoge Plattennummer "B. & H.
   No. 574". Die in der Sache auskunftstüchtige Annonce auf der hinteren
   Einbandseite, sie weist keine Nummer, keine Datierung und auch keine
   Ortezeile auf, trägt die Betitelung "HAWKES POCKET SCORES" [/]
   "MODERN WORKS", sie beginnt bei Nummer "1" und reicht (nur anfangs
   lückenlos) bis "61", außerdem enthält diese Aufstellung "500er" Num-
   mern: 7 Bühnenwerke, sie enden mit zwei Strawinsky-Werken: 573 ist
   die "Fire Bird Suite", 574 die "Petroushka"-Taschenpartitur. Und
   diese liegt glücklicherweise in vollständigem Zustand vor und enthält
   überraschender- oder nicht überraschenderweise die Fassung von 1911.
   Eine Information dazu ist allerdings nicht vorhanden, war sicherlich
   auch nicht nötig, weil es offenbar die 1947er Fassung bei der Heraus-
   gabe der Partitur 574 noch nicht gab. Die erste Taschenpartitur der
   1911er Fassung erschien bei Boosey & Hawkes nach der 1947er Partitur
   erst im Jahr 2008, doch stand dem Leihverkehr lange zuvor schon eine
   direkt vom RMV-Druck abstammende Dirigierpartitur zur Verfügung, ein
   solches Exemplar von spätestens 1988, versehen mit dem Boosey & Haw-
   kes-Hire Library-Stempel, liegt diesem Verf. vor (zur No. 639: Pé-
   trouchka, Fassung Revised 1947, siehe hier weiter unten).
   Fazit zu No. 573 und No. 574: Diese beiden Partituren dürften sicher-
   lich nicht vor 1939 erschienen sein. Andrerseits: In den 1945 und
   1949 erschienenen Ausgaben des Boosey & Hawkes-Gesamtkatalogs (Be-
   schreibung siehe weiter unten den Exkurs) sind keine 500er Bestell-
   nummern aufgeführt. Nebenbei ist zu beachten: Auf dem Deckblatt, der
   Titelseite, der ersten Notenseite und der Annonce der Petroushka-Aus-
   gabe 574 ist "Stravinsky" mit "v" geschrieben, zudem weist diese
   Taschenpartitur gegenüber der erwähnten RMV/B & H-Leihpartitur eine
   eigene Seitenzählung auf (eine ausführliche editorische Beschreibung
   dieser Petroushka-Partitur wird bei Gelegenheit angeboten; Weiteres
   zu den Nummernkreisen der Taschenpartituren und auch zur 600er Folge
   siehe die nachfolgenden Ausführungen).

  Die Wichtigkeit, die das Verlagshaus Boosey & Hawkes schon sehr früh
ihrer Taschenpartiturreihe beimaß, geht beispielhaft aus der Anzeige
hervor, mit der das erste bei Boosey & Hawkes erschienene Werk Strawin-
skys als Taschen(buch)ausgabe angekündigt wird, das "Concerto in D for
Strings" (Spring 1948, New Series, Nr. 7, S. [24], zur Veröffentlichung
der großen Partitur siehe oben). Diese ihre Anzeige "MINIATURE SCORES"
zieht gleich zu Beginn alle Schalmeyen- und Clarini-Verlegerregister: 

   "The Hawkes edition of Pocket Scores, which was started in 1939,
   with the issue of the most important classical works, has now
   reached comprehensive proportions in respect both of classical
   and contemporary music. To the latter category, recent additons
   are:"

   und es folgen Strawinskys neues Concerto sowie zwei Werke Béla Bar-
tóks (in dieser Reihenfolge), dann ingesamt zehn Werke dreier russischer
Komponisten (Anatolij Ljadow, Alexandr Skrjabin und Sergej Tanejew), die
mit dem folgenden Hinweis, wiederum programmatisch, eingeleitet werden:

   "The following works of famous nineteenth century Russian
   composers, for a long time unobtainable, are also announced."

   Im nächsten Jahr ertönt dann bezüglich der "HAWKES POCKET SCORES" das
nächste Anzeigen-Sforzando (Tempo, Second Bartók Number, Winter 1949-
1950, New Series, Nr. 14, S. [49]) mit dem Titel "Recent Additions" und
einem Hinweis, dem folgendes Selbstbewußtsein zu entnehmen ist:

   "Over four hundred classical and modern compositions are
   included in the HAWKES POCKET SCORE [sic] SERIES [...]"

   Zwölf Partituren sind in dieser Annonce angeführt, darunter Strawin-
sky mit "Apollon Musagète" (Nr. 611, 5/-; zur Full Score siehe oben:
Tempo, Sommer 1949). Diese Anzeige erschien in der Tempo mindestens noch
zweimal, und vielleicht nicht ganz zufälligerweise läßt sich gerade an
ihr manches verdeutlichen.
   Schon im Boosey & Hawkes Music Catalogue von 1944 (siehe unten den
Exkurs) fällt bei den "HAWKES POCKET SCORES" die Unterteilung in "Clas-
sical Works" and "Modern Works" auf und darüber hinaus, daß zwei Num-
mernkreise existieren: 100er und 200er Nummern für die "Classical
Works", ein- und zweistellige für "Modern Works". Ganzseitige Anonncen
in The Musical Times des Jahres 1946 "RECENT ISSUES and in the Press"
passen in diesen Rahmen. Strawinsky-Werke sind in den Auflistungen
natürlich noch nicht mit dabei.
   In der genannten Anzeige mit dem vereinzelten Apollon Musagète hat
man demgegenüber auf eine Unterteilung verzichtet, doch ist ein weite-
rer Nummernkreis angegeben: 600er Nummern für Werke von Komponisten wie
Bartók, Prokofjew, Richard Strauss und eben Strawinskys Apollon Musa-
gète. Anhand dieser und anderer Annoncen wird man außerdem gewahr, daß
die Nummernvergabe offenbar nicht immer streng chronologisch, also nicht
regelmäßig aufsteigend erfolgt, sondern, zumindest gelegentlich, ganz
offensichtlich unregelmäßig.

   Exkurs: Boosey & Hawkes-Gesamtverzeichnis der Nachkriegszeit

   Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlichte Boosey &
   Hawkes einen Generalkatalog in zwei Ausgaben (1945 und 1949):

   1) Ernest Roth (Zusammenstellung), Boosey and Hawkes Music Catalogue,
   Incorporating the Publications of Boosey & Co., Ltd. · Hawkes &
   Son (London) Ltd. · J. R. Lafleur & Son, Ltd. · Universal Edition
   (London) Ltd. · Rudall Carte & Co., Ltd. · Winthrop Rogers Edition,
   1944
   London [und weitere Orte] 1945 (Boosey & Hawkes, 2 Bände), Volume
   One: S. [1]-326 [328], Volume Two: S. 329-459 [460]
   Beilage für Band 1, in einer auf die Innenseite des hinteren Einbands
   eingeklebten Tasche: New Publications 1945 (kein Druckvermerk, aber
   wahrscheinlich Anfang 1946 gedruckt), 6 S.; Existenz einer Beilage
   für Band 2 ungewiß, doch auch hier ist eine auf der Inneneite des
   hinteren Einbands eingeklebte Tasche vorhanden.

   Zur Titelwiedergabe: Auf den Titelseiten der beiden Bände ist zwi-
   schen dem Firmenblock und der Jahreszahl 1944 (gesetzt 1 · 9 · 4 · 4)
   VOLUME ONE bzw. VOLUME TWO eingeschoben. Die zahlreichen Kapitel-
   titelseiten des systematisch angelegten Katalogs weisen stetig
   (eigentlich gebetsmühlenartig) auf Leistung und Jahr wie folgt
   hin: COMPLETE [/] CATALOGUE [/] 1944 (siehe hierzu auch die zweite
   Auflage).

   Information für Sammler: Band 1 wurde mit einem an einem Faden ange-
   bundenen Lesezeichen mit Preisaufschlüsselungen ausgeliefert.

   Hinweis: Beide Bände und die Beilage weisen noch keine Erwähnung
   eines Werks Strawinskys auf.

   2) Ernest Roth (Zusammenstellung), Boosey and Hawkes Music Catalogue,
   Incorporating the Publications of [Firmenklock wie oben], Second
   Edition, Complete Catalogue 1947 [/1948, bestehend aus] Complete
   Catalogue 1944 (im Inhaltsverzeichnis: Part I, im Text auch: Volume
   I), Complete Catalogue 1944 [/] Revised 1948 Edition (= Part II,
   auch: Volume II)
   London [und weitere Orte] 1949 (Boosey & Hawkes), 449 [457] S., zwi-
   schen S. [6] und S. [7] Einschub: New Publications 1945-6-7, XIX S.
   Beilage (wie oben): New Publications 1948 (Druckvermerk: März 1949),
   8 S.

   Information für Sammler: Das vorliegende Exemplar weist im Teil II
   nach S. [352] bis vor S. 369 Fehldrucke auf. Manche Seiten sind dop-
   pelt, dafür fehlen andere. Vermutlich stimmen die fehlenden Seiten
   bis auf eine neue (zweite) Fußnote mit denjenigen von 1944 überein.
   Strawinsky-Werke sind von dem Mängeldruck nicht betroffen.

   Hinweise: Zusammenfassung der beiden 1944er Bände zu einem Band.
   Unklare redaktionelle Angaben, vor allem auch zur Datierung; die
   bibliographische Darstellung hier ist ein Ordnungsversuch. Der Band
   weist, wie auch die vorherige Ausgabe von 1945, durchgängig Preisan-
   gaben auf.
   Complete Catalogue 1944 (Part I, auch: Volume I): Erweitert und gele-
   gentlich auch korrigert.
   Einschub "New Publications 1945-6-7": Enthält nur ein einziges Werk
   Strawinskys (S. VII), das "Concerto in D, for String Orchestra", an-
   gemerkt wird dazu: "Recorded on H.M.V. C 3733-4. (J. Barbirolli)."
   Beachte: Diese Aufnahme mit The Hallé Orchestra unter John Barbirolli
   (zwei 78er Platten, 30 cm, HMV C 3733/3734) wurde am 10. März 1948
   aufgenommen.
   Nach Teil I ein weiterer Einschub, S. [327] bis [332]: Enthält eine
   Auflistung von in den Verlagen Édition Russe de Musique und Édition
   Gutheil erschienenen Werken. Die Einleitung lautet: "These two cata-
   logues have been incorporated in the Boosey & Hawkes General Cata-
   logue. They contain the principal works of Serge Prokofieff, Serge
   Rachmaninoff and Igor Strawinsky" (der letztere auf S. [331]/[332]).
   Zu diesem Ankauf heißt es bereits in der Vorbemerkung zum Band (S.
   [3]), offenbar auf die Angabe auf der Titelseite, "Complete Catalogue
   1947", bezogen (aber das Veröffentlichungsjahr war nicht 1947 = Jahr
   des Ankaufs, sondern 1949, doch es könnte sich "this volume" auf die
   erste Edition von 1945 beziehen, dies machte dann Sinn):

      "Since the publication of this volume, the catalogues of Édition
      Russe de Musique (S. et N. Koussewitsky [sic]) and Édition Gutheil
      have been acquired and are contained in separate lists."

   Die Strawinsky-Auflistung nach Teil I enthält 52 Einträge, systema-
   tisch angeordnet (Verdopplungen bei Full Scores und Pocket Scores).
   Überraschend ist in der Rubrik "VIOLIN and PIANO" der Eintrag "Suite
   Italienne (Revised Version)"; möglicherweise ist damit gegenüber
   der (nicht ausdrücklich genannten) "Kochanski-Fassung" die "Dushkin-
   Fassung" gemeint, ansonsten enthält die Aufstellung keinerlei Hin-
   weise auf eine Revision, anders in der Beilage (siehe unten). Am
   Schluß des "russischen Einschubs" stehen folgende Hinweise:
   
      "All prices are subject to a temporary increase of 25 per cent.
         For details of instrumentation and duration see catalogue
      EDITION RUSSE DE MUSIQUE : EDITION A. GUTHIEL [sic], Symphonic
                                   music" 
   
   Zur Beilage "New Publications 1948" (Druck März 1949): Sie enthält
   zwar Strawinsky-Werke, doch nur kaum die Hälfte der nach Teil I auf
   den Seiten [331]/[332] unter Édition Russe de Musique angegebenen
   Einträge. Dafür ist in der Beilage die in der Tat mit dem Copyright
   1948 erschienene Bearbeitung "Russian Maiden's Song" (Preis 2/6) an-
   geführt, in der RMV-Liste allerdings fehlt die Chanson Russe (und es
   fehlen da auch die anderen Mavra-Ausklinkungen bzw. -Bearbeitungen).
   Revisionen sind ausgewiesen, aber nicht in allen Fällen (mehr zu
   diesen Katalogen, insbesondere zum mutmaßlichen Vorausannoncieren von
   Übernahmen Strawinskyischer RMV-Werke, an anderen Orten).

   Ein ungemein prägnantes Beispiel für die Unregelmäßigkeit in der Ab-
folge der Taschenpartiturausgaben bietet die Kantate Saint Nicolas, op.
42, von Benjamin Britten (Uraufführung im Juli 1948). Sämtliche Noten
(Partitur, Klavierauszug, Chorparitur und Taschenpartitur) werden in The
Musical Times, September 1949 (S. 334) als neu angezeigt. Die "Miniature
Score" hat da keine Nummer, aber in der gerade erwähnten Tempo-Annonce
(Second Bartók Number, Winter 1949-1950, New Series, Nr. 14) die Nummer
63. Doch Nummern darunter wie insbesondere darüber existieren beispiels-
weise schon im genannten Music Catalogue von 1944 und in den 1946er
Annoncen. Außerdem stößt man auf die folgende Merkwürdigkeit: Im Music
Catalogue von 1944 ist die No. 63 wie folgt vergeben: "Hans Pfitzner :
String Quartet, C# Minor, op. 36"!? Ein in diesen Zusammenhang gehören-
des Beispiel ist auch, daß in der angesprochenen Tempo-Annonce vom Win-
ter 1949-950 (Heft Nr. 14) unter den "Recent Additions" neben Brittens
Saint Nicolas  auch ein Werk Prokofjews angeführt ist, es hat die Nummer
24; das würde immerhin insofern passen, als im Music Catalogue diese
Nummer nicht besetzt ist. Wie zu sehen, muß also bei der Suche nach Da-
tierungsmöglichkeiten auch in Bezug auf die Partiturnumerierung Um- und
Vorsicht walten.
   Damit, mit diesen wenigen Beispielen, ist die Chronologieproblematik,
soweit die Taschenpartituren betroffen sind, zumindest angesprochen, dem
Sachverhalt insgesamt kann hier nicht nachgegangen werden. Grundsätzlich
darf hierbei eines nie vergessen werden, daß nämlich die Veröffentli-
chung einer Dirigierpartitur und deren Miniaturausgabe zeitlich sehr
unterschiedlich ausfallen kann, unter Umständen auch in der eigentlich
unlogisch umgekehrten Reihenfolge: Die Verkleinerung zuerst. Das gerade
dürfte ja das Problem im Fall der frühen Boosey & Hawkes-Ausgabe des
Sacre sein, jedenfalls geht die Vermutung in diese überraschende Rich-
tung.

Anzeige No. 582: Hilfreich, aber kapriziös

                                ================
                                In Überarbeitung
                                ================

   Eine sicherlich informative Liste mit Taschenpartituren, darin aber
auch eine problembeladene Strawinsky-Aufstellung enthaltend, bietet die
umfangreiche Anzeige "HAWKES POCKET SCORES", die in den 1950er Jahren
auf der letzten Umschlagseite von Taschenpartituren aufgedruckt wurde;
bei einem Strawinsky-Werk vermutlich zum ersten Mal auf der Taschenpar-
titur des "Orpheus" (Ballet in three scenes / Ballet en trois tableaux),
und zwar auf der Ausgabe mit dem Druckvermerk "4·50 L.& B." (= April
1950). Die Rede ist von der Annonce "No. 582", sie trägt die Datierung
"6.50" (= Juni 1950) {*1}.
   Ein weiteres Beispiel für den Abdruck ist die drei Jahre später ge-
druckte Ausgabe der Taschenpartitur des "Concerto en Ré pour Orchestra à
Cordes {/] (Edition Revisée)" mit dem Druckvermerk "7·53 L.& B."; die
Erstveröffentlichung dieser Taschenpartitur erschien ohne Druckvermerk
Anfang 1948 und, da zunächst das unrevidierte Werk enthaltend, natürlich
auch ohne den Hinweis "Edition Revisée". Auf ihr ist abgedruckt die HAW-
KES POCKET SERIES-Anzeige LB 291/43, allerdings mit aktualisierter Orte-
zeile, jedoch ohne die Identifikationskennzeichnung (siehe andernorts).
Der Druck des "Concerto en Ré" trägt das Copyright-Jahr 1947 (siehe wei-
ter oben, Weiteres zur Taschenpartitur siehe unten).

   {*1} Wie zu sehen, besteht im Fall des Orpheus-Drucks von 1950 zwi-
   schen der Datierung des Drucks und derjenigen der Annonce ein Wider-
   spruch, der derzeit nicht aufgelöst werden kann, aber - da solches
   auf diesem Gebiet nicht die einzige Eintrübung ist - nicht in Verges-
   senheit geraten wird.
   Gleichermaßen gilt zu beachten, Kennzeichnungen von Annoncen können
   ohnehin irreführend sein. So ist zum Beispiel auf der Taschenpartitur
   des Oktetts, Revised 1952 version (Plattennummer B. & H. 17231), Aus-
   gabe mit dem Druckvermerk "10·55 L & B", die scheinbar gleiche Annon-
   ce aufgedruckt (gleiche Nummer, gleiche Datierung!), sie weist aber
   Abweichungen auf, so die Wegretuschierung von vier Ausgaben bei Béla
   Bartók, außerdem die Veränderung der Zeile mit den Boosey & Hawkes-
   Verlagsorten, alles andere erfuhr keine Änderung, so auch nicht die
   nachfolgend wiedergegebene Strawinsky-Auflistung. Ja, selbst die
   ganze Gestaltung der Annonce blieb unangetastet mit einer Ausnahme:
   Nummer und Datierung befinden sich nicht mehr unten außerhalb der
   "Kordelumrandung", sondern innerhalb.
   Nebenbei: Ein Paradebeispiel für unscheinbare Variantenvorkommen ist
   die bis mindestens noch in den 1960er Jahren verwendete Annonce "No.
   520" mit der Datierung "1.49" (zu ihr siehe weiter unten).

   Abgedruckt sind auf der genannten Annonce No. 582 dreispaltig rund
130 Taschenpartituren, nach Komponisten alphabetisch geordnet, von Béla
Bartók bis Ralph Vaughan Williams. Alphabetisch geordnet sind auch die
Werke, dies aber wurde unten in der Wiedergabe der größten, der Stra-
winsky-Abteilung, aufgehoben, indem nämlich die Partiturnummern ergänzt
und die 18 Werke nach ihnen aufsteigend sortiert wurden. Dadurch läßt
sich die Unregelmäßikeit in der Folge der Partiturnummernvergabe besser
deutlich machen (soweit bekannt, wurden auch die damaligen Einzelhan-
delspreise hinzugefügt, sie stammen aus unterschiedlichen Quellen; Zu
sätze sind auch die Fassungsangaben in fetter Kursivschrift, siehe hier-
zu die Ausführungen).

   HAWKES POCKET SCORES
   
   A selection of outstanding modern works [/] from this famous
   library of classical and contemporary Miniature Scores.

   [...]

   IGOR STRAWINSKY

   Capriccio for Piano and Orchestra    [Revised 1949 version] 610
   Apollon Musagète                     (Revised 1947)         611  5/-
   Concerto in D for String Orchestra  [(Edition Revisée)]     626  3/9
   Octet for Wind Instruments           [Revised 1952 version] 630
   Four Studies for Orchestra                                  631
   Pulcinella Suite                     (Revised 1949)         632  6/3
   Chant du Rossignol                                          633  7/6
   Three Pieces for String Quartet                             634
   Symphony of Psalms                                          637
   The Rite of Spring                   (Revised 1947)         638 11/3
   Pétrouchka                           (Revised 1947)         639
   Orpheus                                                     640  7/6
   Oedipus Rex                          (Revised 1948)         651 11/3
   Perséphone                           (Revised 1947)         652
   Mass for Chorus and Wind instr. {*1}                        655
   Divertimento                         (Revised 1949)         665
   Symphonies for Wind Instruments {*2} [Revised 1947 version] 672
   Piano Concerto {*3}                                         724

   [...]

   {*1} Abkürzung so in der Annonce (instr. = instruments)

   {*2} Symphonies of [sic] Wind Instruments (B.& H. 17144, © 1952,
        Quelle z.B. Taschenpartitur 11·56), ursprünglicher Titel (Diri-
        gierpartitur, RMV): Symphonies d'Instruments à Vent
        Das in der Revue (1920) abgedruckte "Fragment" und die Titel-
        seite des Klavierauszugs von Arthur Lourié (1926) tragen den
        langen Titel: Symphonies pour Instruments [Lourié: d'Instru-
        ments] à Vent à la Mémoire de Claude Achille Debussy

   {*3} Concerto for Piano and Wind Instruments, "Revised 1950" bzw.
        "Revised Version" (B.& H. 18766, © 1960, Quelle z.B Taschen-
        partitur 5·62), urspünglicher Titel (Dirigierpartitur, RMV):
        Concerto pour Piano suivi d'Orchestre d'Harmonie

                          =========
                          IN Arbeit
                          =========

   Diese Annonce von Mitte 1950 ist in der Tat alles andere als sich
selbst erklärend. Das fängt schon mit dem nicht selbstverständlichen
Umstand an, daß, so weit möglich, Titelfassungen der um sich greifen-
den Englisch-Einheitsmasche unterworfen wurden. Das nächste Problem
entsteht dadurch, daß die Strawinsky-Liste bis mindestens Oktober 1955
ohne Änderung verwendet wurde (so auf der oben genannten Oktett-Aus-
gabe). Denn, um mit der niedrigsten Taschenbuchnummer zu beginnen, seit
1952 hätte beispielsweise der Capriccio-Eintrag den Zusatz "Revised
1949" oder "Revised 1949 version" aufweisen müssen (Copyright dieser
korrigierten Fassung: 1952, siehe auch weiter unten) und Ähnliches
trifft auch zu auf das "Concerto en Ré pour Orchestre á Cordes" (hier
in der Annonce "Concerto in D for String Orchestra"), denn spätestens
bei der diese Anzeige tragenden Miniaturausgabe von 1953 ist auf der
Titelseite der Hinweis "(Edition Revisée)" eingefügt, aber davon ist
in der Annonce nichts zu sehen, noch nicht einmal auf englisch (beach-
te: die revidierte Ausgabe des "Concerto en Ré" hat keine eigene Datie-
rung, sie trägt die urspünglichen Angaben, Entstehungsjahr: 1946, Copy-
right: 1947, zwischendurch bis zur Revision gab es Dirigierpartituraus-
gaben mit eingelegten oder angefügten Blättern!).
   Weitere Beispiele für unvollständige Angaben dieser Art sind die Po-
sitionen "Octet [for Wind Instruments]" und "Symphonies for Wind Instru-
ments". Daß bei einem Stand vom Juni 1950, in Kürze, das heißt ab 1952,
korrigierte Fassungen vorliegen werden (Oktett: "Revised 1952 version",
Symphonies: "Revised 1947 version", beide Copyright 1952), kann natür-
lich für 1950, wie beim Capriccio, nicht angekreidet werden, aber, wie
gesagt, spätestens 1955 schon, doch führen diese Fälle zu der Frage, ob
mit den anscheinend unvollständigen Angaben 1950 vielleicht gar die Ori-
ginalfassungen, also bloße Nachdrucke der RMV-Ausgaben gemeint sein
könnten. Der dubiose Fall der zunächst als "Fehldruck" vorliegenden Four
Studies for Orchestra sei hier noch nicht einmal miteinbezogen, das war
ein Verlegerkunststück besonderer Art, denn ähnlich der 1929er Ausgabe
des Sacre, wurden auch hier Fehler und und Unklarheiten unverbessert
nachgedruckt. Auch sollte bei der Einschätzung der Liste mitbedacht wer-
den, daß das "Verfahren" der (noch nicht ganz vollständigen) Vorausan-
noncierung genutzt worden sein könnte (zu einem vermutlich eklatanten
Fall siehe weiter unten unter "Anzeige No. 453"). Auch beachte man im
Fall des "Concerto for Piano and Wind Instruments" angesichts der Revi-
sionsdatierung, "Revised 1950" bzw. "Revised Version", die doch sehr
hohe Plattennummer: B.& H. 18766 (siehe oben), der allerdings zumindest
das © 1960 nicht widerspricht (ausführliche Darstellung zu diesem Con-
certo siehe andernorts).
   Was die Beurteilung der Reihenfolge der Numerierung der Taschenpar-
tituren angeht, so bietet gleich die erste Position, das Capriccio,
wieder ein markantes Beispiel für die freie Vergabe der Numerierungen,
jedenfalls kann das, von außen betrachtet, nicht anders als so gedeutet
werden.
   Denn wo müßte das Capriccio als "(revised 1949 version)" eigentlich
eingeordnet sein, wenn die Nummernvergabe chronologisch erfolgt wäre?
Doch bestimmt nicht vor der im Tempo-Heft vom Frühjahr 1948 (New Series,
Nr. 7, S. [24]) als neu angezeigten Miniaturpartitur des "Concerto in D"
(B. & H. 16125) und auch nicht vor der des "Orpheus", angezeigt drei
Monate später (New Series, Nr. 8, S. [2]), obwohl diese Ausgabe zu die-
sem Zeitpunkt gegenüber dem Capriccio schon eine höhere Heftnummer (No.
640 gegenüber 610) und als Partitur auch eine höhere Plattennummer hat
(B. & H. 16285 gegen über 16212). Hier wiederholen sich also Fragestel-
lungen wie: Gab es vom Capriccio zunächst einen unrevidierten Boosey &
Hawkes-Nachdruck? Oder auch: Bestand (ZUNÄCHST) nur eine frühe (Voraus-)
Planung?
   Somit muß noch einmal auf die Plattennummern hingewiesen werden. Das
vorgeblich 1949 revidierte Capriccio hat die eminent frühe Plattennum-
mer B. & H. 16212 und läge somit mit dem ebenfalls vom RMV herrührenden
Werk Apollon Musagète auf der gleichen zeitlichen (Nachdruck-)Erstel-
lungsebene: B. & H. 16213; dieser Ausgabe aber ist z.B. auf der hier
besprochenen Reklameseite vom Juni 1950 völlig zu Recht der Hinweis
"Revised 1947" beigegeben oder siehe dementsprechend auch das "(revised
1947 version)" in der nachfolgend angeführten Anzeige oder vergleiche
damit weiterhin die anfangs besprochene Anzeige von Dirigierpartituren
im Tempo-Heft 12, Sommer 1949 (Richard Strauss Number, S. [36]) (zu Auf-
listungen von Plattennummern siehe auch weiter oben). Die seltsame An-
gabe zur Capriccio-Taschenpartitur auf der Anzeige 582 von 1950 stiftet
also einige Verwirrung, zum einen wegen der frühen Heftnummer, zum an-
dern aber auch durch das Auslassen des Revisionshinweises.
   Insgesamt kann man somit angesichts dieser Anzeige derzeit nur stau-
nen: Es paßt einiges ganz und gar nicht zusammen. Und darüer hinaus: Es
muß hier offensichtlich noch gehörig Editionsforschung betrieben werden.
   Auch eine weitere Anzeige macht die Unregelmäßigkeiten in der Num-
mernvergabe deutlich (The Musical Times, Oktober 1949, S. 375). Es ist
ebenfalls eine Annonce mit "HAWKES POCKET SCORES" und zwar mit der Kenn-
zeichnung als "New Publications". Unter Strawinsky ist da Folgendes an-
gegeben:

   611 Apollon Musagète   (revised 1947 version)
   632 Pulcinella Suite   (revised 1949 version)
   633 Chant du Rossignol
   651 Oedipius Rex       (revised 1948 version)

   Man sieht, daß 1949 die Taschenpartiturausgabe des Apollon Musagéte
dabei ist, gekennzeichnet als "(revised 1947 version)" und mit der nie-
drigsten Partiturnumerierung aller angeführten. Zunächst scheint in dem
angezeigten Sachverhalt wegen der im Allgemeinen nachhinkend veröffent-
lichten Miniaturausgaben keine Auffälligkeit zu liegen. Und daß die Aus-
gabe, wie die Anzeige behauptet, auch wirklich eine Neuveröffentlichung
des Jahres 1949 sei, wird quasi in der Tempo durch eine Annnonce eben-
falls mit "recent additions" bestätigt (Winter 1949-1950, New Series,
Nr. 14, Second Bartók Number, S. [49], siehe oben). Tatsächlich erschien
auch die Full Score in diesem Jahr (siehe oben die Annonce in dieser
Zeitschrift, Heft vom Sommer 1949, New Series, Nr. 12, S. [36]; beide
Partituren tragen übrigens das Copyright-Jahr 1949).
   Für sich genommen, könnte demnach die obige kurze Aufstellung durch-
aus eine chronologische Ausgabenreihung vermuten lassen, wobei eben die
Drucklegung aller dieser Miniature Scores als "New Publications" ins
Jahr 1949 fiele. Doch der Idee von einer chronologischen Ordnung hinter
allem stehen sofort die schon oben angemeldeten Einsprüche entgegen: Die
Taschenausgabe des "Concerto in D" als No. 626 wurde schon in der Tempo
im Heft Spring 1948 (New Series, Nr. 7, S. [24]) unter "recent additi-
ons" angezeigt und die des "Orpheus" als No. 640 nur ein Heft später
(Sommer 1948, Strawinsky Number, New Series, Nr. 8, S. [2]), hier übri-
gens zusammen mit der Full Score und zudem als Strawinskys "LATEST WORK"
angekündigt (zu beiden Annoncen siehe auch weiter oben). Die Ausgabe
dieser beiden Taschenpartituren erfolgte also offenkundig nicht 1949,
und auch zur Numerierung der Pulcinella Suite mit dem Zusatz "revised
1949 version" als No. 632  passen beide Numerierungen im Sinne einer
Abfolge nicht. Doch ist bei dieser Edition in der Tat nicht ausgeschlos-
sen, daß sich die Nummer auf eine ursprünglich geplante oder sogar er-
folgte Wiederveröffentlichung der RMV-Fassung bezieht. Chronologisie-
rungsprobleme kommen also, unter welchen neuen Gesichtspunkten man an
die Sache auch herangeht, immer wieder zu Tage und gerade bei Werken mit
Fassungsdatierungen - ob "auffällig" oder nicht - ist dies mitzubeden-
ken.
   Es ist sicher deutlich geworden, wie vage Auskünfte über die Druck-
entwicklung der Nachkriegszeit ausfallen. Doch ab etwa 1950 ändert sich
für einen gewappneten Nutzer das etwas, weil auf der Grundlage eines ge-
nügend geprüften Plattennummernkalenders, verläßlichere (Jahres-)Datie-
rungen möglich sind. Veröffentlichungsdatierungen aber, mit äußeren Mit-
teln erstellt, bleiben immer eine Angelegenheit, in der die Schätzung
eine (zu große) Rolle spielen muß.
   Zur Plattennummernliste (Nummernkalender) noch eine Bemerkung: Die
Erstellung einer chronologischen Plattennumernaufstellung für die Nach-
kriegszeit ist auch deshalb so schwierig, weil es vorkommt, daß unter
Umständen ein und dieselbe Plattennummer sowohl für die (voreilige)
Ausgabe einer unrevidierten wie auch für die schließlich revidierte Fas-
sung verwendet wurde. Dieses Faktum durchkreuzt etliche Datierungsver-
suche oder macht sie unendlich schwer. Das griffige Beispiel des Sacre-
Klavierauszugs wurde schon genannt. Der Klavierauszug des Concerto pour
Piano suivi d'Orchestre d'Harmonie (oft fälschlich "Konzert für Klavier
und Bläser" genannt) ist ein weiteres Beispiel; in diesem Fall ist sogar
die früheste Wiederveröffentlichung nur durch Zufall bekannt geworden
(siehe andernorts).
   Und genau mit dieser Situation ist immer zur rechnen, vor allem wenn
zwischen der relativ frühen Nummernhöhe und der schließlichen Veröffent-
lichung einer revidierten Fassung eine Zeit von zwei oder drei Jahren
vergangen ist (siehe hierzu die Plattennummernangaben in den obigen Aus-
führungen). Zu achten ist also akribisch genau auf das Phänomen der sehr
frühen (vielleicht vorschnellen, verfrühten) Wiederveröffentlichung oder
auch auf eine zunächst bloß anberaumte Planung dazu, dementsprechend
wird auch in den Arbeiten hier über frühes von Boosey & Hawkes verlegtes
Strawinsky-Material ständig darauf hingewiesen. Ürigens helfen uralte
Bibliotheksbestände und -katalogisierungen bei dieser Thematik öfters
als man denkt weiter, aber dem Zufall ist bei der Erforschung trotzallem
sehr viel überlassen (zu diesem Thema siehe auch an anderen Orten).

582er Nachfolgerinnen N0. [sic] 782, No. 787

   Daß von der Annonce No. 582 auch eine Variante auftauchte, ist oben
angesprochen worden, angetroffen wurde sie auf "Apollon Musagète", Druck
9·55 L & B, und auf dem ebenfalls oben angeführten Druck 10·55 L & B
des "Octet". Es gibt aber auch völlig eigenständige Nachfolgerinnen, so
N0. 782 und No. 787. Beide tragen die Datierung 1.56.
   Bei ihnen springen zwei Gestaltungsmerkmale sofort ins Auge: Der Ti-
tel "HAWKES POCKET SCORES" ist kursiv gesetzt und "Hawkes Pocket Scores"
geschrieben. Dementsprechend angepaßt ist auch der früher durchgängig
groß geschriebenen Adreßblock "Boosey & Hawkes [/] Limited".
   Und wer in diesen Dingen einen suchenden Blick nach Nebensächlichem
pflegt, bemerkt bei der No. 582 und ihrer Variante auch sofort die neue
Gestaltung der Umrandung, sie läßt das Bild einer verdrehten, gezwirbel-
ten Kordel entstehen. Auch die No. 787 hat diese Kordelumrandung, die
N0. 782 hingegen hat sie nicht. Deren Umrandung kann man als eine drei-
linige Einrahmung ansehen, wobei die mittlere Linie fett azsgeführt ist,
so daß man eine Art erhabener Reliefwirkung zu sehen meint.

                         =========
                         In Arbeit
                         =========

Erstausgabe der alten Boosey & Hawkes-Sacre-Taschenpartitur, Typ A und B

   Nach diesen suchenden Ausführungen zu Datierungen, zur Chronologie
von Numerierungen der Nachkriegszeit zurück zur alten Boosey & Hawkes-
Edition der Sacre-Taschenpartitur. Hier läßt sich mit den derzeit zur
Verfügung stehenden Mitteln nur sagen, daß hinsichtlich der Ersterschei-
nungsdatierung eine mehrfach einsichtig begründbare Vermutung auf Ende
1948 hinausläuft. 1949 ist zwar auch als Vermutung möglich, doch scheint
diese Jahresangabe eher auf einen Nachdruck zuzutreffen (vielleicht sind
es sogar drei Nachdrucke), außerdem weisen ja, wie gezeigt wurde, Vermu-
tungen in die Richtung, daß offenbar 1949 auch das Veröffentlichungsjahr
der Dirigierpartitur ist.
   Was gerade eben in der Klammer kaum merklich angetippt wurde, ist,
daß aus der Frühzeit mehrere Taschenpartituren vorliegen (privat oder in
Bibliotheken), und zwar sind es derzeit neun Exemplare, die sich fast
alle mehr oder minder unterscheiden, darüber hinaus aber auch zwei klar
getrennte Gruppen bilden, wobei jede dieser Gruppen bzw. die eine oder
andere Druckauflage daraus für die Einstufung "Erstausgabe" in Frage
käme, doch läßt sich mit Hilfe einiger unscheinbarer oder ungewohnter
äußerer Details der Versuch starten, eine Rangfolge hinzubekommen, und
um solche Details geht es im Folgenden insbesondere {*1}.

   {*1} Hierbei wird die vermeintlich ältere Gruppe mit A bezeichnet und
   die vermeintlich jüngere mit B. Die nächste Altersunterscheidung wird
   mit A1 und A2 bzw. B1 und B2 gekennzeichnet, so daß der möglicher-
   weise älteste Druck A1 und der höchstwahrscheinlich jüngste B2 wäre.
   Es muß aber sofort hinzugefügt werden, auszuschließen ist nicht, daß
   A1 und A2 vielleicht doch identische Drucke sind, wie das auf der an-
   deren Seite ebenso bei B1 und B2 der Fall sein könnte. Aufgrund der
   lückenhaften und schwierigen Quellenlage ist diese Unsicherheit gege-
   ben, doch gehen die Nachforschungen auf diesem Gebiet - wenn auch
   langsam, so aber doch unvermindert - weiter.
    
   Zunächst sei darauf hingewiesen, daß vier der Exemplare Bibliotheks-
beständen angehören, drei gehören in die A-Gruppe, eines in die B-Grup-
pe, wobei bei einer Partitur, die mutmaßlich als zum Typ A1 (der ver-
mutlich ältesten Druckstufe) einzureihen ist, der originale Einband fast
vollständig erhalten geblieben ist, während bei der vierten, der viel-
leicht jüngsten, der zum mutmaßlichen B2-Typ gehörenden Partitur, der
ursprüngliche Verlagseinband komplett gegen einen Bibliothekseinband
ausgetauscht worden war (ein besonders schwerwiegendes Manko, mit dem
man es in Bibliotheken überaus häufig zu tun hat). Doch selbst bei der
angesprochenen, fast vollständigen Partitur A1, die zum Schutz des Ver-
lagseinbands noch zusätzlich in einem Bibliothekseinband steckt, trüben
gerade zwei Mängel doch empfindlich das Erscheinungsbild: Es fehlt der
(bedruckte) Rücken, aber editorisch viel gravierender: es ist die auf
das hintere Einbandblatt aufgedruckte Datierung der Annonce nicht (mehr)
eindeutig identifizierbar. Wie hiervon eine abgeleitete Vermutung ab-
hängt, wird gleich zu sehen sein.
   Vier Partituren in Privatbesitz, drei davon gehören dem A2-, eine
dem B1-Typ an, weisen im Gegensatz zu dreien der genannten Bibliotheks-
exemplare keine relevanten Einbußen auf. Zwei Exemplare des Typs A2 sind
ohne jede Einbuße vollständig, das dritte des Typs A2 ist ein nahezu
komplettes Dokument, die Mängel sind editorisch ohne Belang. Es stammt
aus dem Nachlaß des Komponisten und Dirigenten Bernd Scholz (1911-1969,
siehe Wikipedia, eingesehen Dezember 2015), die Titelseite trägt die
handgeschriebene Signatur: "BerndScholz [/] 1951." Die vierte Partitur,
die zum Typ B1 gehörige, ist ein ohne jede Einbuße vollständig erhalten
gebliebenes Exemplar (Signatur auf der Titelseite: "Eisenhut.") {*1}.

   {*1} Zwei der einsehbaren Taschenpartituren des Typs A2 waren wie die
   genannte Scholz-Partitur in Dirigentenbesitz: Zum einen das Exemplar
   im Ferdinand Leitner-Nachlaß, es ist vollkommen intakt auf uns gekom-
   men, und zum andern ein unvollständiges Exemplar, das einst Hilmar
   Schatz gehörte, bei diesem Exemplar fehlen der Rücken und zwei Noten-
   textblätter, auch ist das hintere Einbandblatt durch Abgriff, Abrieb
   sehr stark in Mitleidenschaft gezogen, doch blieb trotz schweren
   Tesafilmschäden eine wichtige Information, die Datierung der Annonce
   HAWKES POCKET SCORES, gerade noch so erahn- bzw. entzifferbar. Ein
   weiteres, vielleicht auch dem Typ A2 zuzurechnendes Exemplar besitzt
   das Internationale Musikinstitut Darmstadt, es hat einen Bibliotheks-
   einband mit aufgeklebtem vorderen Einbandblatt, Rücken und hinteres
   Einbandblatt fehlen leider; dem Typ A jedoch gehört die Partitur ohne
   jeden Zweifel an (zu den Leitner-, Schatz- und IMD-Exemplaren siehe
   die entsprechenden, gesonderten Kapitel).

   Tabelle Taschenpartitur 1948: Typ, Bestand, Zustand

   Abkürzungen

   A1/2?       = Typ A, weitergehende, sichere Bestimmung nicht möglich.
   B1/2?       = Typ B, weitergehende, sichere Bestimmung nicht möglich.
   HPS         = HAWKES POCKET SCORES
   IMD         = Internationales Musikinstitut Darmstadt
   Öff. Bibl.  = Öffentliche Bibliothek

   Partituren Schatz, Scholz, Exemplar IV, Exemplar V und Eisenhut
   in Privatbesitz.

   Typ A - Einbandseite 4 bedruckt (Annonce No. 520: HPS)
   
   A1?     Öff. Bibl.   Datierung der Anzeige beschädigt, Druckbild-
                        rest augenscheinlich zu Typ A2 verschieden.

   A1/2?   IMD          Einbandseite 4 fehlt.

   A2      Leitner      vollständig
   A2      Schatz       unvollständig, Annoncen-Datierung lesbar.
   A2      Scholz       vollständig
   A2      Exemplar IV  vollständig
   A2      Exemplar V   vollständig

   Typ B - Einbandseite 4 unbedruckt (= keine Annonce!)

   B1      Eisenhut     vollständig

   B1/2?   Öff. Bibl.   unvollständig, Einband fehlt.

   Zunächst zu den absoluten Gemeinsamkeiten: Die Titelseiten aller
Exemplare sind identisch und identisch sind auch deren Rückseiten (Seite
[2] = "Orchestre"-Seite). Diese Aussagen beziehen nicht nur den Druck-
satz mit ein, sondern auch dessen Größe, also den ganzen Seitenspiegel
(warum dies betont werden muß, wird nachfolgend deutlich). Was die Seite
[2] angeht, so sei hier daran erinnert, daß die Boosey & Hawkes-Diri-
gierpartituren alten (= ursprünglichen) Typs und deren Nachfolgedrucke
sowie die den frühen Taschenpartiturtypen A und B im Rahmen der alten
Partiturlinie nachfolgenden Taschenpartiturausgaben gegenüber A1, A2, B1
und B2 den Text in einem anderen Drucksatz haben (hier mit [2]-Druck2 =
dauerhafte "Regel"  bzw. [2]-Druck1 = frühe "Ausnahme" gekennzeichnet);
dieser Unterschied ist eine merkwürdige, Überlegungen antreibende Sach-
lage (Weiteres zum Sachverhalt siehe das frühere, gesonderte Kapitel
"Zur alten Seite [2]: Vertiefung des Stoffs und etwas Mystik").
   Zur Formatgröße: Von den fünf Taschenpartituren in Privatbesitz, alle
unbeschnitten, unterscheiden sich drei in der Größe kaum merklich, die
anderen beiden schon etwas deutlicher. So lauten die Maße der Partituren
des Typs A2 in Privatbesitz Schatz und Scholz, sie sind eindeutig unbe-
schnitten: ca. 17,8 x 25,3 cm bzw. ca. 17,6 x 25,4 cm. Unbeschnitten ist
auch das Leitnersche Typ A2-Exemplar, es ist in der Höhe die kürzeste
der unbeschnitten vorliegenden Partituren: ca. 17,8 x 25,1 cm. Die im
Rahmen der Millimeterunterschiede "größte" Breite weist die B1-Partitur
auf (ebenfalls klar unangetastetes Format, Besitzvermerk auf der Titel-
seite: "Eisenhut."): ca. 18,0 x 25,4 cm. Das Exemplar A1 (in einer
öffentlichen Bibliothek befindlich) ist demgegenüber augenscheinlich
leicht beschnitten, Maße ca. 17,5 x 25,0 cm, und diesem Maß entspricht
auch das ebenfalls beschnittene Exemplar des IMD: 17,5 x 24,9 cm {*1}.
Ganz erheblich scheint dagegen vom Buchbinder die Partitur des mutmaß-
lichen Typs B2 zurechtgestutzt worden zu sein, doch war sie höchstwahr-
scheinlich bereits im Originalzustand etwas kleiner als die Partitur B1
("Eisenhut") und als die unbeschnittenen Partituten der Typs A, ihre
Maße im vorliegenden Zustand: ca. 17,3 x 23,9 cm.
   Wie im Übrigen aus diesem Vergleich der bis jetzt vorliegende Maße
unbeschnittener Partituren hervorgeht, ist das Exemplar B1 das "größte".
Es hebt sich etwas ab, und im weiteren Verlauf wird sich zeigen, daß das
bei der mutmaßlichen B-Linie auch auf anderem Gebiet so sein wird (zu
den Exemplaren des Typs A und B bzw. zu A2 und B1 siehe nachfolgende
Kapitel, zu einer Auflistung von Maßen, einer detaillierten Tabelle,
siehe später).

   {*1} Die Messung beschnittener, also in Bibliothekseinbänden stecken-
   der Partituren ist problembehaftet; eines der Hilfsmittel, nach dem
   hier verfahren wird, ist: Breite = unterer oder oberer Schnitt in der
   Mitte (Ergebnis eventuell plus etwa 1 oder 1,5 mm für den Einband),
   Höhe = Fläche innen oder/und außen. Manchmal müssen ausgewogene, ab-
   geschätzte Mittelwerte gefunden werden und dies gilt auch bei stark
   ge- bzw. verbrauchten unbeschnittenen Exemplaren (Beispiel: Schatz-
   Partitur).

   Zu weiteren Gemeinsamkeiten und mehr oder minder deutlichen Verschie-
denheiten: Ganz abgesehen von wie auch immer vorhandenen Größenunter-
schieden (vor allem in der Höhe), ist der Spiegel der Notentextseiten
bei den neun Partituren exakt gleich groß. Unter Spiegel wird hier der
Raum verstanden, der in der Vertikalen von der obersten Information
(Text oder Musik) bis zur Plattennummer inklusive reicht und in der
Breite von Außenrand zu Außenrand der Bedruckung, also von der Instru-
mentenspezifizierung bis zum letzten Taktsstrich. Beachte: Bei den Ver-
gleichen wurde aus gutem Grund (siehe nachfolgend) die Paginierung nicht
mit einbezogen. Zwei Seiten bedürfen zudem im Hinblick auf Anlage und
Notentextspiegel einer besonderen Beschreibung: die erste und die letzte
Notenseite (S. 3 und S. 139, siehe später).

Typ-A, Typ-B: Paginierung, Seitenzahlenastrologie Kurs I

   Das vielleicht unscheinbarste, aber nachdem erkannt, gleichwohl cha-
rakteristischste Mittel für Unterscheidungsarbeiten steckt in der Art
der Seitenzählung. So pendelt in den auch in diesem Detail gleichen Par-
tituren A1 und A2 der Abstand zwischen der Zählung und dem eigentlichen
Notentext im Durchschnitt um einen Wert von etwa 1,5 cm, es kommen aber
erstaunlicherweise auch Abstände bis etwa 2,5 cm vor und, noch frappie-
render, z.B. auf den Seiten 15, 41, 96, 132 und 133, das genaue Gegen-
teil dazu: hier ist der Abstand erheblich enger bis zu nur noch minimal.
   Grundsätzlich andere Verhältnisse herrschen in den Partituren B: Der
Abstand schwankt hier in der Regel nur um einen Wert von etwa 0,5 cm
oder noch weniger, das heißt, der Abstand ist in diesem Druck überwie-
gend erheblich kleiner, wobei allerdings auf den Seiten 15 und 133 der
geringe Abstand in den oben genannten neun Partituren (Typen A1 bis B2)
gleich ist. Doch nicht nur der Abstand ist hier gleich, gleich ist auch
die Gestalt der beiden Zahlen und sogar ihr Sitz. Was liegt hier vor?
   Das Merkmal Abstand ist sicherlich als erster Anhaltspunkt für die
Wahrnehmung der Unterschiede von Wichtigkeit, aber es kommt noch mehr
hinzu. Die Paginierung der Taschenpartituren B ist nämlich bis auf Seite
41 {*1} die der RMV-Ausgabe von 1929 und diese wiederum ist bis Seite
98 mit derjenigen der 1921er Partitur identisch. Von Seite 99 bis 138
nur dann, wenn kein ganzer Seitenneustich vorliegt. Vollständige Neu-
stiche sind die Seiten: 99-102, 112-114, 122-125, 130, 134-138, über-
nommene Seiten sind: 103-111, 115-121, 126-129, 131-132. Die Seiten 133
und 139 sind Sonderfälle, sie sind Teilneustiche, das heißt, der Noten-
text erfuhr nur Auswechslungen, hierbei erhielt 133 eine Neupaginierung,
139 nicht. Von den 137 Notenseiten wurden also 120 übernommen, 15 Seiten
sind Neustiche, zwei Seiten sind Teilneustiche (Seite [1] ist die Titel-
seite, Seite [2] des RMV-Originals ist unbedruckt, in der Boosey & Haw-
kes-Ausgabe ist sie die "Orchestre"-Seite, beide Seiten sind unpagi-
niert, Notentext befindet sich also nur auf den Seiten 3 bis 139; eine
Tabelle zu Übernahmen, Neustiche und Paginierung findet man in einem
späteren Kapitel).

   {*1} Die Flötenausbesserung auf den Seiten 41 und 42 (Ziffern 52/5
   bis Ziffer 53/11 inklusive) gehört zu den beiden prägnantesten Kor-
   rekturen der "revised 1947 version", und sie fällt auch ins Auge.
   Allerdings war die Korrektur Z 53/7 und 8 zunächst fehlerbehaftet,
   was erst mit der Korrektur um 1950 behoben wurde (die andere sehr
   auffallende 1947er Korrektur ist das Hörnerneuarrangement auf Seite
   48, Ziffer 58/6 ff.; Beschreibungen zu beiden Korrekturen siehe an
   anderen Orten).

   Deutlich wird bei einer derartigen Überprüfung der Paginierung auch,
wie sehr - nämlich beinahe vollständig (!) - in den Partituren des Typs
A (A1 und A2) eine Zahlenauswechslung vorgenommen worden war. Warum
machte man das? Auf diese Frage gibt es derzeit keine Antwort. Unerklär-
lich ist auch, daß die Neupaginierung in den Partituren A1 und A2 häufig
von schlechter, improvisiert wirkender Druckqualität ist. Geändert wurde
im Übrigen bei der Neuvergabe nicht immer nach dem gleichen Muster, denn
es konnten verändert werden die Zahl ingesamt, einzelne Ziffern und der
Sitz. Die häufigste Variante war die Änderung der Zahl als Ganzes zusam-
men mit dem Sitz. Allerdings gibt es merkwürdige Ausnahmen, so die Sei-
te 15, denn hier erfuhr die "15" bei der allgemeinen Neupaginierung kei-
nerlei Änderung; ihre Gestalt und auch ihr Sitz von 1929 (bzw. 1921)
blieben unangetastet, und in der Tat, die "15" vermittelt sichtlich die
RMV-Herkunft. Sie ist also eine Übernahme und sehr erstaunlich ist auch
der folgende Fall, die "132". Auch sie ist eine alte "RMV-Zahl", sie
wurde in der A-Partitur nur etwas höher gesetzt. Anders in den Partitu-
ren der "B-Linie", hier behielt sie - natürlich, so ist man geneigt zu
sagen, denn die Seite ist ja eine Übernahme - bis zur 1966 erfolgten Ab-
setzung der alten Boosey & Hawkes-Taschenpartitur ihren originalen RMV-
Sitz.
   Kurios ist in den A-Partituren auch die Seitenzahl 96 mit ihrem neuem
Sitz, neu ist auch die "9", die "6" aber hat die alte Gestalt, man könn-
te meinen, sie sei übernommen worden. Das Bild einer seltsamen Entwick-
lung erster Sorte gibt die "133" ab. Sie ist in den Boosey & Hawkes-
Taschenpartituren, ob A- oder B-Typ, die "RMV-Zahl" von 1929. 1929 aber
ist sie zwar neu, doch sie ist zudem, wie das bei etlichen der neuen
1929er Zahlen der Fall ist, der ursprünglichen "RMV-Zahl" von 1921 zum
Verwechseln ähnlich, und dies gilt zu allem Überfluß auch für ihren
Sitz. Nun ist die Seite von 1929 aber in der Tat kein kompletter Neu-
stich, sondern nur ein Teilneustich, dennoch wurde bei der Plattener-
stellung die Seitenzahl ausgetauscht, wahrscheinlich deswegen, weil die
Notentextauswechslung den rechte Teil der Seite betraf. Die Boosey &
Hawkes-Übernahme folgte nun nicht ganz dem zu erwartenden Muster: Die
Zahl hat nämlich in der A- und der B-Partitur den GLEICHEN (gegenüber
1921 etwas höheren) Sitz. Es liegt hier also, und das ist zunächst nicht
überraschend, wie bei der "15" eine direkte Übernahme vor, wenn es auch
diesmal nur eine Übernahme aus der 1929er Partitur ist, nicht aber eine
aus der 1921er UND der 1929er Partitur. Sicherlich fragt man sich ange-
sichts dieser Fälle mit Blick auch auf die A-Partituren mit ihren in der
Regel veränderten Zahlen und Abständen: Wieso bei "15" und "133" in den
A-Partituren die direkten Übernahmen?
   Darüber hinaus gibt es gerade bei der "133" auch ganz besonders Rät-
selhaftes zu berichten. Denn in den Taschenpartituren der B-Linie ist
spätestens von der Ausgabe vom Mai 1963 an (so der gegenwärtige Nach-
weisstand) der Sitz der Zahl nach 1929 erneut geändert worden, und zwar
wurde der Abstand zum Notensystem verringert, auf einen leicht geringe-
ren als er 1921 vorliegt (dieser engere Abstand zum Notensystem ist kaum
wahrnehmnbar, und so kann sich bei Vergleichen auf den ersten Blick hin
leicht ein Versehen einschleichen). Zweifelsohne sind das die Seiten-
zahlenentwicklung betreffend eigenartige Befunde und es gibt noch wei-
tere {*1}, doch steht, wie schon angedeutet, eine genaue Untersuchung
der in den A-Partituren verwendeten, behelfsmäßig, improvisiert, "archa-
isch" wirkenden Paginierung, auch mit Blick auf mögliche Ursachen da-
für, noch aus.

   {*1} Auch wird von 1948 an die zweite "3" der Zahl 133 späterhin von
   Auflage zu Auflage undeutlicher, sie verkleckst zunehmend und ähnelt
   schließlich einer "9".

   Weiterhin wurde auf der ersten Notenseite (S. 3) des Drucks B der
gesamte, unter den Notensystemen stehende, in den drei Druckformaten
(Dirigierpartitur, Taschenpartitur A und B) identische Textblock (Copy-
right-Angaben, Plattennummer, Printed in England usw.) dichter an den
Notentext herangerückt. Auf der letzten Notenseite (S. 139) blieb, ab-
gesehen von der Auswechslung und Verrückung der Seitenzahl, alles un-
verändert, und das bedeutet, auch der Sitz des auf einer Ebene mit der
Plattennummer liegende Druckvermerk, H.P. B735. 448, der in den drei
Partiturformaten gleich ist, wurde nicht verändert. Daß der Druckver-
merk identisch ist, gilt zu beachten und ist im Fall der Partitur B,
die ja mit Blick auf die Partitur A offenkundig einer ANDEREN Druck-
auflage angehört, mehr als erstaunlich.
   Wichtig ist auch, im Zusammenhang mit der Paginierung eine merkwür-
dige Angelegenheit anzusprechen. So ist zwar richtig, daß im B-Druck-
stammbaum, abgesehen von einigen wenigen seltsamen Fällen, bis 1966,
also bis zur Absetzung der alten Partitur, die "innere Gestalt" der
1929er Paginierung, das heißt, das Typen-Design der Zahlen, man könnte
das Typen-Design auch Druckbild nennen, im Großen und Ganzen beibe-
halten wurde. Aber gerade hinsichtlich des Druckbilds tauchen doch
einige eigenartige Erscheinungen auf und es gibt auch regelrecht
"markant dubiose" Fälle.
   Zunächst ein Überblick zu den "markant dubiosen" Fällen: Sie befinden
sich insbesondere auf den 40er Seiten und betroffen sind dort die "Vie-
rer" der Seitenzahlen, man beachte aber: nur wenige von ihnen. Dazu ge-
hören (nach den bis jetzt vorliegenden Unterlagen) die Seiten 40 und 48
der Taschenpartitur vom November 1951 ("44" ist ein unklarer Fall), die
Seiten 44 (aber nur die erste "4") und 49 der Taschenpartitur vom Mai
1963 (sehr unsicherer Fall: Seite 48), andeutungsweise die Seiten 42 und
43 der Taschenpartitur vom März 1964 (zu "andeutungsweise" siehe nach-
folgend unter der Beschreibung der auffälligen "4") sowie die Seiten 40,
42, 44, 46, 47, 48 und (sicherlich auch) 49 der Partitur vom Oktober
1965.
   Bei der Taschenpartitur vom August 1966 hingegen, der letzten Parti-
turausgabe dieser Editionslinie, ist eigenartigerweise nur eine Zahl,
die "42", betroffen. Gering scheint (nach gegenwärtigem Stand der Ver-
fügbarkeit zu urteilen) auch das Vorkommen in den Partituren von 1948
bis 1960 zu sein: Die Partituren von April 1948 und Januar 1953 weisen
auf den 40er Seiten keine derartigen auffälligen Ausprägungen auf; im
Druck von November 1951 aber lassen sich immerhin zwei klare Fälle ein-
sammeln, dagegen ist im Druck vom April 1956 ein Vorkommen kaum oder
höchstens andeutungsweise auszumachen, zu nennen wären da in etwa die
Seiten 40, 42 und 44; in der Partitur vom November 1960 schließlich hat
nur die "4" der Zahl 40 das auffällige Druckbild, allerdings ist just
diese "4" geringfügig verdruckt. (Beachte: Bei derlei Einschätzungsver-
suchen sind je nach Druckschärfe und Auffassungsgraden Einordnungschwan-
kungen möglich und nicht ungewöhnlich.)
   Wie sieht nun das auffällige "Design" oder "Druckbild" aus? Hier muß
sogleich gesagt werden, daß eine anschauliche Beschreibung nicht so
leicht zu bewerkstelligen erscheint, und dies, obwohl das Aussehen präg-
nant ist und die Erkennung, zumindest des graphisch typischen Erschei-
nungbildes, kein Problem darstellt. Formulieren läßt sich in etwa die
folgende Skizzierung: Die übliche, gängige "4" der 40er Seitenzahlen hat
einen senkrechten Strich, der vom Fuß bis zur Spitze der "4" DURCHGEHEND
verläuft, wobei er sich oben beim Zusammentreffen mit dem von links kom-
menden schrägen Aufwärtsstrich - dieser hat eine mehr oder weniger deut-
liche Endgabelung - vereinigt.
   Anders die auffällige Variante: Sie hat einen VERKÜRZTEN senkrechten
Strich, in etwa halber Höhe mit einer von links nach rechts aufsteigen-
den keilförmigen Abschrägung endend, wobei zwischen dieser Abschrägung
und dem von links kommenden schrägen Aufwärtsstrich ein Leerraum ent-
steht und dieser Leerraum bewirkt, daß der linke Aufwärtstrich und die
keilförmige Abschrägung des verkürzten Senkrechtstrichs eine DEUTLICHE
Parallelität bilden. Das typischste Modell gibt die "44" des Drucks vom
Oktober 1965 ab (siehe die Abbildungen). Ein Sonderfall ist der Typus
auf den Seiten 42 und 43 der Taschenpartitur vom März 1964, hier ist der
Aufwärtsstrich nur gering verkürzt, deshalb wurde dieser Fall oben in
der Aufzählung mit "andeutungsweise" eingeschränkt.

                 Abbildungen "markant dubioser Vierer"

   Diese seltsamen Fälle geben einer Editions- und Auflagenforschung
zweifellos Rätsel auf, denn die "Vierer" dieser Seitenzahlen sind zwar
nicht ausgewechselt worden, haben aber dennoch den "Vierern" der je-
weils nicht genannten, also den anderen 40er Seitenzahlen gegenüber
ein meist klar erkennbar unterschiedliches Druckbild. Wie kann das
sein? Was liegt hier vor? Kann es auch andersherum gesehen werden? Daß
nämlich die anderen "Vierer" die Auffälligkeiten seien. Eigentlich
nicht. Denn diese auffällige graphische Form mancher "Vierer" der 40er
Seitenzahlen, wie sie in den genannten Partituren vorkommt, bildet
zahlenmäßig eindeutig die Minderheit. Andrerseits ist diese augen-
scheinlich auffällige Form der "4" anderswo durchaus gängig, sowohl
bei Ziffernumerierungen als auch bei anderen Seitenzahlen (z.B. bei
den Seitenzahlziffern 114 oder 144, nicht aber z.B. bei der Seitenzahl
94). Wie auch immer, erklärlich ist das derzeit nicht und die Frage
bleibt bestehen: Wie kommt es zu den auffälligen Ziffernvarianten?
   Und wenn nun schon kein trifftiger Grund für einen vermeintlich nöti-
gen Ziffernaustausch - welcher Art auch immer - zu entdecken ist, läßt
sich zu allem Überfluß nach den bisher vorliegenden Materialien leider
auch der Zeitpunkt der "Veränderung" nicht festmachen, denn von den Ta-
schenpartiturdrucken von 1948 bis 1962 sind derzeit nur einige greifbar.
Auffällig wurde der Sachverhalt bei den folgenden drei Auflagen der
alten Studienpartitur mit den Druckdatierungen 5·63, 3·64 und 10·65; und
bei diesen wiederum fällt insbesondere im Druck vom Oktober 1965 die
Häufung und die Deutlichkeit auf. Hierauf wird nachfolgend noch einmal
einzugehen sein. Jedenfalls wäre anhand der Drucke H.P. B735. 448 (=
April 1948), 1·53, 4·56, 11·60 und dem letzten Druck dieser Editions-
linie, 8·66, das Phänomen sicherlich nicht entdeckt worden. 
   Übrigens, selbst in den im Internet wiedergegebenen frühen Bernstein-
Leihpartituren kommen in den 40er Seitenzahlen die auffälligen "Vierer" 
nicht vor, und diese Dirigierpartituren haben, auf diesen erstaunlichen
Sachverhalt muß immer wieder hingewiesen werden, genau den Druckvermerk,
den auch die in diesem editorischen Überblick genannten - mittlerweile
insgesamt neun (!) - ganz frühen Studienpartiturexemplare aufweisen,
nämlich H.P. B735. 448.
   Zur Seitenzahl "42" noch eine Ergänzung, die zur Dämpfung des an
Okkultismus heranreichenden Erscheinungbilds nicht gerade beiträgt: Ab-
gesehen von den Taschenpartituren des A-Typs mit ihrer eigenen Art der
Paginierung, haben offenbar alle Partituren von 1921 bis 1966, und so
natürlich auch - leicht überprüfbar - die drei frühen, im Internet auf-
rufbaren "Bernstein-Leihdirigierpartituren", eine "42", die auf der ge-
dachten Grundlinie zwischen der "4" und der "2" einen Punkt aufweist.
Das heißt doch wohl ohne Zweifel: Alle diese Seiten müssen von der glei-
chen Druckquelle, Druckvorlage oder Urvorlage herstammen. Wieso dann
aber in einigen Taschenpartiturausgaben, z.B. in den drei letzten (1963,
1964 und 1966) die "4" eine AUGENSCHEINLICH andere graphischen Gestalt
hat, d.h., zu den auffälligen "Vierern" gehört, wie sie oben beschrieben
sind, läßt die Verblüffung ins fast Unermeßliche ansteigen (zur Sachlage
der 40er Seiten in den "Bernstein-Partituren" und in anderen vorliegen-
den Dirigierpartiturexemplaren siehe weiter unten).
   Mit den genannten Fällen ist der Reigen der Zahlenwunderlichkeiten
aber keineswegs vollständig erfaßt. Ein weiteres Beispiel gibt in den
Taschenpartituren die Seitenzahl 57 ab. Zunächst, in den RMV-Drucken
von 1921 und 1929, hat sie nichts Auffälliges an sich, sie ist eine
kleine Zahl mit nicht präzise zu nennenden Konturen, darin unterscheidet
sie sich, allein schon dem verkleinerten Buchformat geschuldet, von
anderen Zahlen dieser beiden Ausgaben eigentlich nicht. 1948 aber, im
A-Partiturtyp der Boosey & Hawkes-Wiederveröffentlichung, ändert sich
ihre Gestalt nicht unerheblich. Zwar ist nun zum einen nicht nur der
Abstand zum obersten Notensystem beträchtlich gewachsen (hierzu siehe
oben) und zum andern die Zahl selbst größer geworden, es hat gleichzei-
tig auch die Unschärfe der Konturen zugenommen, es liegt nun ein Grad
an Mangelhaftigkeit derart vor, daß die Zahl ein kaum anders als "un-
sauber" zu nennendes Äußeres aufweist, wobei der Eindruck, den der un-
präzise oder vage Druck vermittelt, höchstwahrscheinlich nicht täuscht,
es handele sich um eine andere Typengattung. Im Übrigen stellt sich
genau dieser Eindruck des Typenaustauschs auch bei anderen Zahlen ein,
doch ganz abgesehen davon, ist die Paginierung der A-Partitur über weite
Strecken ohnehin von ähnlich schechter oder sogar noch schlechterer
Druckqualität (so auch unter den 50er Zahlen).
   In den B-Partituren und ihren Nachfolgedrucken sind die Konturen der
"57" gegenüber 1921 und 1929 zunächst klarer, so 1948, 1951 und 1953,
doch ist die Zahl, dem beträchtlich größeren Format der Boosey & Hawkes-
Ausgabe entsprechend, auch etwas größer. Dann aber verwischen sich laut
Unterlagen - die zweite Hälfte der 1950er Jahre ist derzeit (2019) noch
nicht verläßlich genug repräsentiert - spätestens in den Drucken Novem-
ber 1960 und Mai 1962 die Konturen wieder, so daß schließlich im März
1964 das "Bild" der "57" nun auch hier und zwar erheblich eingetrübt
ist, es besteht eine "verwaschene Unvollständigkeit". Um so auffälliger
die Erscheinung in den beiden letzten Ausgaben der alten Taschenpartitur
(Oktober 1965, August 1966), man traut seinen Augen kaum: Nun ist die
Zahl annähernd doppelt so groß - während an der Größe des Notentextspie-
gels nichts geändert wurde - und außerdem sind nun auch die Konturen
deutlich bis scharf gezeichnet. Überraschend ist dabei: Die Zifferntypen
sind offenbar die alten und auch am Sitz hat sich augenscheinlich nichts
verändert. Es ist der gleiche Sitz wie beispielsweise derjenige in den
frühen "Bernstein-Dirigierpartituren", dort hat die "57" die angemessene
Größe und außerdem ebenfalls deutliche, klare Konturen {*1}.

   {*1} In den oben genannten (also im Original vorliegenden, eingese-
   henen) Taschenpartiturdrucken zeigen sich praktisch überall bei den
   Seitenziffern ähnlich gelagerte Druckprobleme bzw. -erscheinungen,
   die Zahl "57" wurde nur als ein prägnantes Muster herausgegriffen,
   so sind z.B. im Exemplar vom Oktober 1965 die "49" und "85" undeut-
   lich gedruckt, das heißt, auf den ersten Blick scheinen bei diesen
   Ziffern eventuell ebenfalls Unsicherheiten hinsichtlich der "Druck-
   vorlagenkonstanz" aufzukommen, aber eine eingehende Prüfung ergibt
   schließlich dann doch, daß tatsächlich nur beeinträchtigte Bedruckung
   und nicht irgendwelche möglichen Druckvarianten oder gar Auswechs-
   lungen vorliegen - mit womöglich noch nicht erkannten Folgen auch im
   Notentext.

   Welche Schlüsse bezüglich des Notentexts soll man nun aus diesen und
ähnlichen Beobachtungen bei Sachlagen relevanterer Art ableiten. Auf je-
den Fall diesen: Wer sich für die Korrekturen- und Änderungenentwicklung
interessiert, kommt um eine Textüberprüfung jeder einzelnen Ausgabe,
System für System, Note für Note, Zeichen für Zeichen kaum herum. Anson-
sten wird - zumindest eine editorische, chronologische - Aussage unwei-
gerlich unsicherheitsbehaftet sein.


                  Abbildungen in Vorbereitung


Kurs II: alte Dirigierpartitur, von der Astrologie zur Astronomie

   Die bisherige Darstellung der Beobachtungen, Seitenzahlen betreffend,
konzentrierte sich im Wesentlichen auf Taschenpartituren der alten Edi-
tionslinie, allein ihrer offenkundig günstigeren Verfügbarkeit wegen.
Doch sind auch Aussagen zu den Dirigierpartituren möglich: Zum einen
stehen ja im Internet für jedermann als Anschauungsobjekte die drei
"Bernstein-Leihpartituren" zur Verfügung (zu den Links und zu editorisch
allgemeinen Beschreibungen siehe späteres Kapitel, Details finden sich
aber auch in etlichen anderen Kapiteln) und zum andern kann für diese
Arbeit glücklicherweise auf drei sogenannte Handelsexemplare der über-
aus seltenen ersten Boosey & Hawkes-Partiturlinie zurückgegriffen wer-
den. Im Einzelnen sind das die "Victor Feldbrill-Partitur", sie gehört
der Stufe der Erstausgabe an, sie liegt im Original vor (siehe speziel-
les Kapitel). Zwei weitere Quellen bilden Exemplare der letzten Fassung
dieser Editionslinie, das ist die Auflage "Reprinted with corrections
1965" (editorische Einzelheiten siehe die Kapitel zur 1965er Partitur-
auflage und zur Dirigierpartitur aus dem einstigen Besitz des Dirigen-
ten Ferdinand Leitner).
   Welche Verhältnisse bezüglich der Seitenzahlen liegen nun dort vor?
Zunächst zu den "Bernstein-Leihpartituren": Alle 40er Seitenzahlen außer
der "41" bestehen aus "Vierern", deren linker Schrägstrich aus einem
fetten, nach oben gerichteten Keil oder anders formuliert, einem trich-
terförmigen Etwas besteht, dessen oberes Ende kaum merklich eingedellt
oder vielleicht auch gegabelt zu sein scheint (zur Andersartigkeit der
"41" siehe oben). Beachte bei dieser Aussage: Eine ganz exakte Gleich-
mäßigkeit der in Frage kommenden bzw. fraglichen Vierertypen liegt -
augenscheinlich zumindest - nicht vor, deutlich ist aber auch, daß das
graphische Bild dieser Typen mit jenen oben beschriebenen Sonderfällen
zwar irgendwie verwandt zu scheint, aber auch nur irgendwie, am wei-
testen entfernt jedenfalls ist die "Verwandtstschaft" ganz besonders im
Fall der "44", wie er im Taschenpartiturdruck vom Oktober 1965 vorgefun
den wurde und dort die bislang typischste Ausprägung des "auffälligen
Druckbildes" verkörpert. Was den Typen in den Bernstein-Dirigierparti-
turen vor allem fehlt, ist die überdeutliche Verkürzung des senkrechten
Strichs und außerdem die markante, besonders augenfällige Parallelität
zwischen diesem und der linken "Dachhälfte" der "4". Doch sollte auf der
Seite der "Bernstein-Partituren" bei aller Vagheit vielleicht doch die
"43" erwähnt werden, denn bei ihrer "4" ist durchaus eine gewisse Nähe
zum Typus der "auffälligen Vier" wahrzunehmen. Eine Analogie allerdings
der Ziffer 43 wiederum in den bisher eingesehenen Taschenpartituren des
alten Drucks zu finden fällt schwer, allenfalls sehr vage bei den Sei-
tenzahlen 42 und 43 der Ausgabe vom März 1964, doch kann auch bei ihnen
allenfalls nur von einer Nähe zum Typus der "auffalligen Vier" die Rede
sein. Erstaunlicherweise enthält nun die Taschenpartiturausgabe vom Ok-
tober 1965 ganz im Gegensatz zu ihrer sonstigen Häufung bei den 40er
Seitenziffern an "auffälligen Vierern" auf Seite 43 dieses Druckbild in
dieser Art und mit dieser Konturenschärfe gerade NICHT (zur "43" siehe
auch später das Kapitel zu technischen Druckmängeln).
   Nun zu den Handelsexemplaren der Dirigierpartitur: Das Feldbrill-
Exemplar ist nach seiner gesamten äußeren wie inneren Erscheinung, das
heißt, nach seinem editorischen Drucksachverhalt wie auch seinem Noten-
text als zum Erstausgabedruck gehörig anzusehen, zumindest ist es mit
der Erstauflage eng verwandt (siehe hierzu die speziellen Kapitel). Hier
zeigt abgesehen von der "43" keine der 40er Seitennummern eine griffig
formulierbare Ähnlichkeit zur "auffälligen" Vierer-Form. Aber auch die-
ser "4" in der "43" kann man allenfalls nur eine vage Verwandtschaft mit
dem "Idealmodell" der "auffälligen Vier" zugestehen.
   Bleibt noch der Hinweis auf die Auflage der Partitur "Reprinted with
corrections 1965" (darunter das "Leitner-Exemplar"): Hier können über-
haupt keine Brücken zu den "auffälligen Vierern" geschlagen werden. Und
das ist natürlich insofern höchst bemerkensert, als gerade die zeitlich
parallele Taschenpartiturausgabe (Druck: Oktober 1965, Dirigierpartitur:
August 1965) bislang die Partitur mit den bei weitem meisten typischen
"Vierern" bei den 40er Seitenzahlen ist und mit der "44" die bislang
typischste Ausprägung ohnehin aufweist.
   Wie auch immer, die Frage, auf die sich das Dargestellte jetzt unter
anderem zuspitzt, lautet, wieso besteht hier in dieser Angelegenheit der
Drucksonderfälle der 40er Seitenzahlen zwischen den genannten Taschen-
partituren und Dirigierpartituren früher Art nur eine vage, das heißt,
eine wenn auch nur geringe, so doch wenigstens eine gewisse Beziehung,
jedoch zwischen den beiden nahezu gleichaltrigen Ausgaben Dirigierparti-
tur vom August 1965 und ihrem angeblichen Abkömmling Taschenpartitur vom
Oktober 1965 so gut wie überhaupt keine Übereinstimmung? Editorisch be-
trachtet, ist das ein mehr als wunderliches Phänomen.
   Wie sich aus den vorangegangenen Ausführungen ableiten läßt, gab es
in der ersten (= alten) Partituredition, und diese Aussage gilt für bei-
de Partiturformate, Dirigierpartitur und Taschenpartitur, zwei graphi-
schen Vierer-Formen: Einerseits eine "Vier" mit langem Senkrechtstrich
und einer Schräge in "Trichterform" sowie andrerseits eine "Vier" mit
kurzem abgeschrägten Senkrechtstrich, der mit dem Schrägestrich eine
Parallele bildet. Typische, plastische Modelle für die "Trichterform"
geben z.B. die Studierziffern 54, 94 und 114 ab, für die zweite Form,
sie enthält solche "Vierer", die bei den 40er Seitenzahlen als auffällig
bezeichnet wurden, stehen z.B. neben der bereits erwähnten Seitenzahl
"44" die Studierziffern 44 und 64 sowie zu Beginn der Danse sacrale 142,
143 usw. Und natürlich kommen neben diesen Modelltypen auch zahlreiche
Gestalt- oder Deutlichkeitsvarianten vor.
   So interessant alle diese Befunde sein mögen, zur Lösung des Problems
tragen sie leider derzeit noch nichts bei, wieso denn die "Vierer" der
40er Seitenzählung so unterschiedlich ausfallen (konnten). Immerhin
hängt mit diesem Thema auch die Frage zusammen, ob die gängige Vorstel-
lung haltbar ist, in jedem Fall sei die Taschenpartitur lediglich eine
Verkleinerung der Dirigierpartitur. Daß an der Richtigkeit dieser Vor-
stellung zumindest im Fall dieser Editionslinie Zweifel bestehen, kann
man hier in diversen Darstellungen nachzulesen. Gerade im Fall der Ta-
schenpartitur vom Oktober 1965 wird aber doch unübersehbar, daß Diri-
gierpartitur und Taschenpartitur bzw. deren Druckvorlagen vielleicht
doch irgendwie, und wenn auch nur zeit-, fall-, partien- oder chargen-
weise, getrennte Einheiten darstellen. Somit wäre das hier aufgedeckte
Phänomen nur eine weitere Bestätigung dieser schon sehr weit gediehenen
Tatsachenvermutung und im Endeffekt laufen die zusammengetragenen Be-
obachtungen auf ein nahezu geisterhaftes Ergebnis hinaus, es wird das
Vorhandensein DIVERSER im Hintergrund geführter Matrixpartituren ange-
spochen, siehe dazu u.a. die Aufstellung "Boosey & Hawkes-Sacre-Parti-
turen der Frühzeit im Vergleich" mit dem Kernteil "Tatsächliche Existen-
zen und vermutete Existenzen").

Typ A und B, Druck 1951: Papierqualität, Notenxtext, Seite [2]

   Bei der Beschäftigung mit der Druckqualität der Taschenpartituren
fällt desweiteren auf, daß bei den Partituren A1 und A2 die Papierbe-
schaffenheit der 70 Blätter eher als grob oder rauh zu bezeichnen ist,
offenbar stand nur eine solche einfache Qualität zur Verfügung. Jeden-
falls ist der Eindruck direkter Nachkriegsware nicht zu übersehen. Ganz
im Gegensatz dazu die Papierqualität der Blätter der Taschenpartitur Typ
B: Sie ist glatt, "fein" und kann in dieser Hinsicht nach heutigen Maß-
stäben als "handelskonform" eingestuft werden. Das gilt auch für den,
soweit wie bis jetzt bekannt, nächstnachfolgenden Druck der Taschenpar-
titur mit dem Druckvermerk 11·51 (= November 1951), während der nächste
vollständig vorliegende Druck von 1953 (1·53) wieder rauhes Papier auf-
weist. Auf einen Nebenaspekt sollte nicht vergessen werden hinzuweisen:
Bei der vorläufig einzigen vollständig vorliegenden Typ B1-Partitur von
1948 wirkt sich das feinere Papier merklich auf die Tiefe aus, die Par-
titur ist auffällig flacher ("dünner"), kompakter.
   Der Notentext der bislang eingesehenen Exemplare der frühen Partitur-
typen A1 bis B2 scheint gleich zu sein, jedenfalls ist noch kein Unter-
schied aufgefallen. Daß aber der Übergang zur oben genannten Ausgabe vom
November 1951 starke Verändungen mit sich brachte, kann endlich am vor-
liegenden Objekt nachvollzogen werden. Denn diese Ausgabe steht zwecks
Überprüfung einstiger Rechercheaufzeichnungen von um 1982 nach einer
Suche von mehr als drei Jahrzehnten seit Oktober 2018 nun endlich zur
Verfügung. Die Notentextüberprüfung wird gelegentlich vorgenommen, je-
denfalls besagen aber die damaligen Unterlagen, die Korrekturen der
Errata-Liste von etwa 1950 seien eingearbeitet (hierzu siehe auch Aus-
führungen an anderen Orten). Außerdem sollte, soweit die Seite [2] die-
ses 1951er Drucks betroffen ist, hier in einem Atemzug darauf hingewie-
sen werden, daß sie, wie auch bei den nachfolgenden Ausgaben bis 1966
zu sehen, mit derjenigen der (damals gültigen) Dirigierpartitur druck-
identisch ist (Weiteres zur Entwicklung der Titelseite, "Orchester"-
Seite usw. siehe in vorangegangenen Ausführungen).

Typ A2-Partitur im Ferdinand Leitner-Nachlaß

   Zum A2-Partiturtypus gehört auch das Exemplar, das im Ferdinand Leit-
ner-Nachlaß überliefert ist (Leitner: 1912-1996, Dirigent, siehe Riemann
Musiklexikon, 2012). Der Erhaltenheitsgrad dieses Dokuments kann als
hervorragend bezeichnet werden. Einband (Deckblätter vorne, hinten und
Rücken), Titelseite, "Orchestre"-Seite, erste und letzte Notenseite, Pa-
ginierungsart (die "archaische"), Annonce No. 520 (Datierung 1.49), das
alles stimmt mit der vorliegenden A2-Partitur ("Scholz-A2-Taschenparti-
tur") überein. Und beide wiederum stimmen insoweit auch mit der Taschen-
partitur A1 überein, sofern man beachtet, daß bei dieser der Rücken
fehlt und man außerdem das bei ihr bestehende Problem der Datierung der
Annonce No. 520 unberücksichtigt läßt. In einem Detail unterscheidet
sich allerdings das "Leitner-Exemplar" von der "Scholz-A2-Partitur", und
zwar in der Höhe, denn das Leitnersche Exemplar ist um eine Kleinigkeit,
0,3 cm, kürzer, doch diese Kleinigkeit ist nicht vernachlässigbar (Maße:
ca. 17,8 x 25,1 cm). Dieser Unterschied geht deutlich über die üblichen
Vorlagen- und dementsprechenden Meßschwankungen hinaus und so stellen
sich die Fragen, inwieweit hier bloß herstellerische Schnittvarianten
vorliegen, oder vielleicht doch Auflagenchargen, und auch ob, falls mit
Fertigungschargen gerechnet werden muß, der Inhalt betroffen sein könn-
te; leider ist dazu derzeit noch keine nähere, geschweige denn eine ab-
schließende Aussage möglich. Ein Hinweis hierzu: Der Notentext wurde
nicht eingehend, das heißt systematisch, überprüft. Doch es wurde,
stellvertretend für den A2-Taschenpartiturtyp, das Leitnersche Exemplar
für einen doch recht umfangreichen Notentextvergleich herangezogen, für
den etliche Partituren von 1921 bis 1967 eingesetzt worden waren; dabei
fiel nichts Ungewöhnliches auf, insbesondere nichts derart, der diesbe-
zügliche stellvertretende Einsatz der "Leitner-Partitur" wäre besser
unterblieben. Mit anderen Worten, es wird derzeit davon ausgegangen,
daß hier ein mit den vorliegenden ganz frühen Taschenpartituren (Aus-
gabentyp A und B) übereinstimmender Notentext vorliegt.
   Nebenbei: Auch die Überprüfung der Maße und Abstände der Bedruckungen
auf Einband, Titelseite usw. erbrachte keinerlei Unterschiede. Ebenso
weist die Papiersorte der Inhaltsseiten die bisher vom Partiturtyp A her
gewohnte einfache, fast primitive Qualität auf, wobei sich in der Regel
bei dem "Leitner-Exemplar" das Papier sogar noch etwas rauher anfühlt.
Insgesamt ein Erscheinungsbild, das stark an Nachkriegsware erinnert.
Dem ist aber entgegenzuhalten, daß für die Taschenpartituren der B-Linie
schon von Beginn an deutlich besseres, nämlich glattes Papier verwendet
wurde. Ebensolches glattes Papier hatten übrigens auch die bislang ein-
gesehenen RMV-Taschenpartituren. Dennoch, trotz dieses eigentlich posi-
tiven Details, sollte nicht vergessen werden, daß die ansonsten ziem-
lich primitive Druckqualität der Taschenpartituren bis 1966 immer wieder
einen Anlaß bildet für nicht vernachlässigbare ernste Kritik (siehe dazu
auch Anmerkungen andernorts).

Typ A2-Partitur aus dem Hilmar Schatz-Nachlaß

   Aus dem Nachlaß des Dirigenten und Musikredakteurs am Südwestfunk
(SWF, heute SWR) Baden-Baden Hilmar Schatz (1926-2008, Quelle: SWR)
stammt eine weitere, allerdings unvollständig überlieferte Taschenpar-
titur des Typs A2 (sie, der Torso, ist in Privatbesitz). Als Besonder-
heit fallen bei diesem Exemplar Notentextkorrekturen und sonstige Ein-
tragungen auf und auf diese soll - wie das hier Usus ist - (zumindest
in Auswahl) näher eingegangen werden. Die Unvollständigkeit betrifft
insbesondere den Notentext, denn es fehlen zwei Blätter, die Seiten
111/112 und 113/114, was bedeutet, daß ausgerechnet der Beginn der
Danse Sacrale nicht vorhanden ist. Und somit kann auch nicht festge-
stellt werden, ob Einzeichnungen existierten, die die problematische
Stellung der Anfangsfermate betrafen. Wie auch immer: Was für ein be-
fremdlicher Befund ist das, eine Sacre-Partitur ohne den Beginn der
Danse Sacrale!
   Einzelheiten zum auch sonst wenig erfreulichen - aber nun mal so vor-
liegenden - äußeren Erhaltenheitsgrad (siehe dazu auch frühere Bemerkun-
gen): Der Einband ist lose, der Rücken fehlt. Zusammengehalten wurde die
Partitur einst durch einen breiten Tesafilmersatzrücken, von dem erheb-
liche Kleberrückstandsstreifen die verbliebenen Zeugen sind. Und das be-
deutet auch, daß von der Tesa-Verbräunung die auf dem hinteren Einband
abgedruckte Annoncendatierung fast überdeckt wird. Doch läßt sich, wie
durch ein Wunder, die Datierung "1. 49" dennoch einwandfrei nachvollzie-
hen. Alle Seiten weisen eine sehr starke Vergilbung auf, was bei dem
einfachen Nachkriegspapier nicht verwundert, auch haben sich einige Sei-
ten aus der Bindung gelöst. Zudem erlitt die Bedruckung des hinteren
Einbandblatts einen so starken Abrieb, daß ein nicht unerheblicher Teil
der Anzeige No. 520 (HAWKES POCKET SCORES) unlesbar geworden ist (zur
allgemeinen Beschreibung der äußeren Details der Ausgaben von 1948 siehe
andernorts).
   Daß die Partitur viel benutzt wurde, ist überdeutlich, wobei gerade
der starke Abrieb, wie er vor allem durch verschwitzte Hände entsteht,
die Aufassung nahelegt, diese Taschenpartitur sei nicht nur zum Studie-
ren, sondern auch zum Dirigieren (von Proben zum Beispiel) benutzt wor-
den.
   Wie Hans Rosbaud oder Ernest Bour, beide einst ebenfalls am SWF tä-
tig, so war auch Hilmar Schatz das, was man einen typischen Rundfunk-
dirigenten nennen könnte. Allerdings hatte er nicht wie die beiden erst-
genannten eine ständige Orchesterchefposition inne, er unter- und über-
nahm stattdessen vor allem Einzelaktivitäten, inbesondere, darin Rosbaud
sehr ähnlich, in der Sparte Neue Musik. Schatz war zudem nicht nur mu-
sikpraktisch, sondern neben musik- auch allgemeinjournalistisch tätig.
Zentrum der musikalischen Arbeit der drei genannten Dirgigenten war, wie
geagt, der Südwestfunk Baden-Baden; und von dort aus wirkend, gehören
sie zu der von Legenden durchwebten Epoche, als der Rundfunk in Deutsch-
land in den Jahren von etwa 1946 bis 1975 seine schöpferischsten Zeiten
erlebte.
   Die zahlreichen Einträge in die Taschenpartitur machen im Übrigen
sehr anschaulich klar, daß der Dirigent Hilmar Schatz Notentext ganz
offensichtlich nicht nur dirigierte, sondern wirklich studierte und
prüfte, zumindest vermittelt die vorliegenden Sacre-Partitur - und
zwar bezogen auch auf kleinste Notentexteinzelheiten - diesen überaus
positiven Eindruck. Von Show-Dirigententum ist diese Haltung meilenweit
entfernt.
   Bevor mit dem Beschreiben begonnen wird, ist zunächst zu klären, ob
die Eintragungen überhaupt von Schatz stammen können. Dem Verfasser die-
ser Darstellung ist die Handschrift Schatz' nicht bekannt. Doch auf dem
vorderen Einband ist oben die Signatur "HSchatz" zu sehen. Geschrieben
wurde sie mit blauer Tinte. Charkteristisch ist hierbei das der soge-
nannten deutschen Handschrift (Sütterlin-Schrift) entlehnte "z". Genau
dieses "z" kommt im Notentext u.a. in "pizz" oft vor. Die Eintragungen
im Notentext zeugen zudem von hohem Sachverstand und spiegeln eine be-
wunderungswürdige Musikalität wieder. Sicher ist also zumindest, an der
Einstufung der Eintragungen als qualitativ auf "Dirigentenebene" befind-
lich zu zweifeln, macht keinen Sinn. Zudem stammt die Partitur von einem
musikwissenschaftlich ausgebildeten, also fachkundigen Antiquar, der
seit langem in Baden-Württemberg, dem Wirkungskreis des SWR (vormals SWF
und SDR), ansässig ist. Dieser Antiquar teilte in seinem Angebot (E-Mail
vom 26.7.2016) mit: "[...] hier handelt es sich um ein Exemplar aus dem
Besitz des deutschen Dirigenten Hilmar Schatz [...], mit dessen zahlr.
[zahlreichen] aufführungspraktischen Annotationen sowie Signatur auf dem
Umschlag". Zu berücksichtigen ist auch, daß sich über die Suchfunktionen
von Internet-Antiquariatsportalen bezüglich des Schatzschen Nachlaß-
materials bei diesem Antiquar ein gewisser Vertautheitsgrad annehmen
läßt, da in dessen Angeboten weitere Hinweise wie "aus dem Besitz Hilmar
Schatz" auftauchen (Abfrage September 2016).
   Die Einzeichnungen bestehen aus mehreren Arten: Eintragungen mit
Bleistift (offenbar unterschiedlicher Stärken, Härtegraden und Zeiten),
Blaustift, Rotstift (dieser selten) und hell- bis mittelblauem Kuli
(offenbar auch hierbei unterschiedliche Eintragungszeiten). Kritisch
divergierende Handschriftunterschiede bestehen nicht, im Gegenteil, so-
weit entziffer- und überhaupt vergleichbar, sind die Gemeinsamkeiten
deutlich. Gelegentlich überschreiben Kuli-Eintragungen solche per Blei-
stift, und daraus ist vorsichtig zu schließen (es gibt hier und da Un-
sicherheiten), daß höchstwahrscheinlich der bei weitem größte Teil der
Kuli-Eintragungen der jüngere oder jüngste ist.
   Auf die Frage nach der Datierung der Eintragungen ist vermutlich nur
eine solche Antwort möglich, die sich von den blauen Kuli-Notaten her-
leitet, und zwar könnte hierbei z.B. Ziffer 161 Takt 1 weiterhelfen:
Wann nämlich in der Druckpartitur in den Celli auf der Zählzeit Drei
vor dem "a" der Triole das hierbei fehlende # gesetzt worden ist. Aller-
dings mehr als eine Annahme ist nicht zu erwarten:
   Der Aufgang der Tuba I lautet: f - gis - ais. Die dreigeteilten Celli
folgen diesem Aufgang in Triolen, die mittlere Stimme zunächst colla
parte, doch statt "ais" steht in der Partitur von 1948 dann "a". Schatz
moniert die Stelle, per Bleistift zum einen das "ais" der Tuba I mit
"# ?" und zum andern unter dem ganzen Orchesterakkord mit einer nicht
entzifferbaren Eintragung. Die Tuba-Verwunderung wurde später mit blauem
Kuli das "#" ausgestrichen, die Bleistifteintragung trotzdem mit "a ?"
überschrieben und genauso überschrieben (mit blauem Kuli) wurde auch die
Bleistifteintragung unter dem Orchesterakkord, und zwar mit einem betont
großen Kuli-Fragezeichen. Für Schatz ist also die ganze Stelle dubios.
Was er nicht wissen konnte, ist, daß schon im Manuskript von 1913 in den
Celli "ais" steht. Noch "schlimmer": Daß das "c" der oberen Celli-Stim-
me, so jedenfalls in Schatzens 1948er Taschenpartitur, schon im Manu-
skript wie das "a" ein "#", also ein "cis" ist. Doch da die Trompete III
auch ein "c" hat (in allen Partituren übrigens), konnte natürlich dem
zweifelnden Schatz das "c" in den Celli nicht als sonderlich verquer
auffallen. Daher dort keine Eintragung. Auffallenals als vermeintlich
wirklich verquer konnte ihm eigentlich nur die Diskrepanz des "ais" der
Tuba zum "a" der Celli. Denn man mache sich frei von der Vorstellung, in
komplexen Akkordzusammenstellungen Strawinskys gleich welcher Art könne
man einen eventuell falschen Ton ohne weiteres dingfest machen. Aber es
können selbstverständlich durchaus, wie hier vorhanden, Richtungen bzw.
Gegenbewegungen Anhaltspunkte für eine Orientierung bieten. Aber unsi-
chere Planken sind auch das.
   Da in den Celli sowohl das "a" wie auch das "c" in den Partituren
seit den 1950er Jahren zu "ais" und "cis" korrigiert sind, kann man aus
den von Schatz eingezeichneten Fragezeichen und dem Fehlen der Korrektur
des "c" (mit eigentlich nur wenig Vorbehalt) schließen, daß seine Anmer-
kungen sehr früh und ohne weiteres Wissen um (gedruckte) Korrekturen er-
folgten, und auch das sollte zu denken geben: Hätte eine korrigierte
Partitur als Vorlage gedient, dann hätte seine Taschenpartitur eigent-
lich erheblich mehr Korrekturen enthalten müssen als sie in ihr jetzt
vorhanden sind. Aus diesem Grund scheidet auch ein Wissen um die sie-
benseitige Korrekturliste von um 1950 aus, denn in ihr sind für "a" und
"c" die Korrekturen angegeben - und darüber hinaus noch für viele wei-
tere Fehler auf der hier zur Debatte stehenden Seite 119 der Partitur.
Somit ergibt sich der Eindruck, daß Schatz seine Korrekturen eintrug,
als korrigierte Partituren, ob im Dirigier- oder Taschenpartiturformat,
noch nicht allgegenwärtig verfügbar und bekannt waren. Und da noch eini-
ge ähnliche Korrekturen in der Schatzschen Partitur vorhanden sind, wird
man vermuten können, daß die Hauptmenge der Korrekturen und Eintragun-
gen, selbst derjenigen mit blauem Kuli, sehr früh erfolgt sein muß, sa-
gen wir: um 1950 herum.
   Hätte der Klavierauszug als Vorlage gedient haben können? Wohl eben-
so wenig, denn auch er hat "ais", und ein eventuelles "a", noch dazu in
einer prägnanten Aufwärtsbewegung, wie in der Partitur von Tuben und
Hörnern dargestellt, ist auch dort nicht ableitbar.
   Wäre im Übrigen der Klavierauszug zu Rate gezogen worden, wäre viel-
leicht ein weiteres Fragezeichen ganz anderer Art fällig gewesen, aller-
dings wohl eher im Klavierauszug: In den Partituren (auch im Manuskript
von 1913) sind nämlich in Ziffer 161 Takt 2 die letzten beiden Noten des
chromatischen Abgangs der Posaunen ein "fis", in den beiden Klavieraus-
zügen hingegegen lauten die letzten beiden Noten des Abgangs "f". Und
das ist auch so im Klaviermanuskript. Ein erstaunlicher "Fehler", weil
durch ihn die Chromatik der Abwärtsbewegung nicht eingehalten wird, die
in den Parallelfällen sehr wohl beachtet wurde. Und das sei nicht ver-
gessen zu erwähnen: Diese Aussage gilt nicht nur für den originalen Kla-
vierauszugdruck des RMV (= Boosey & Hawkes von 1952), sondern auch für
dessen revidierte Fassung von 1968. Frappiernderweise ist auch noch in
beiden Fällen das erste "f" betont mit einem Auflösungszeichen versehen
(klanglich eckt ein "f" übrigens genauso an wie ein "fis").
   Le sacre enthält eine ganze Reihe "behandlungsbürftiger" Stellen und
Passagen, um einmal eine distanzierte Auffassungsmöglichkeit vorsichtig
zu formulieren. Hierbei zeigt sich, etliche der Einzeichnungen Schatz'
kommen einer solchen Einschätzung durchaus entgegen: Er markiert auf-
fällig häufig "p"-Stellen und fügt, wo er kann, weitere "p"-Anweisungen
ein. Auch versieht er gelegentlich Staccati-Passagen mit Legato-Bögen,
z.B. in Ziffer 22 die Trompeten- und Posaunenabgänge, die Achtel der
Oboen I und II sowie die Achtelkette des Englisch-Horns. Gerade solche
Holzbläserberuhigungen sind einsichtig, um scheußliche "Gemecker-Klänge"
zu vermeiden. Auch erhalten gelegentlich Streicher Bindebögen, manchmal
allerdings sind hierbei die Einzeichnungen nur fragmentarisch ausge-
führt, sozusagen beispielhaft angedeutet (z.B. in Ziffer 77). Eine einer
Klangmechanik Leben einhauchende, überraschende Maßnahme ist die Her-
vorhebung von Mittelstimmen, was durchaus der von der Schumannschen Kla-
vierkomposition her bekannten Behandlung der Mittelstimmen ähnelt; eine
solche mit Hilfe von Dynamik erreichte auflockernde Färbung erhält von
Schatz die Celli- und Baß-Klangfläche Ziffer 10 (vertikale Eintragung
mit blauem Kuli "p - mf - p", zusätzlich unterstützt durch "sul"-Fest-
setzungen einer Ausführung auf einer bestimmten Saite, das sind Anwei-
sungen, die in keiner veröffentlichten schriftlichen oder gedruckten
Quelle vorkommen).
   Es folgt nun eine Auswahl an Einträgen und Korrekturen. Dabei sollen
vor allem die Beispiele der Korrekturen zeigen, wie aufmerksam das Stu-
dium der Partitur vorgenommen wurde. Eine bewundernswerte Auffassungsga-
be zeigt sich da. Sicherlich ist es nahezu ein Unding, angesichts des
damaligen Zustands der Partitur des Sacre alle Fehler aufzuspüren, und
man bedenke auch, selbst der Komponist war ja jahrzehntelang mit der
Fehlersuche beschäftigt. So sind denn unzählige Fehler stehen geblieben
bzw. nicht korrigiert, zwei charakteristische, allerdings verhältnis-
mäßig unauffällige seien genannt: In Ziffer 53 die fehlenden Vorzeichen
in den Piccolo-Flöten, im Rahmen der ab Ziffer 174 vielmals wiederholten
Ostinato-Figur in Ziffer 176 Takt 3 in den Bässen das einsame tiefe
"es", hier gehört kein "b", sondern ein Auflösungszeichen hin.
   Zunächst noch zu einigen textlichen Besonderheiten: Auf der Beset-
zungsseite (S. [2]) wurde zu "Guero (rape)" das italienische Wort für
Ratsche "raganella" hinzugesetzt (mit blauem Kuli). Auch nach Curt
Sachs (Real-Lexikon der Musikinstrumente, 1913, reprographischer Nach-
druck 1979) ist "raganella" eine Ratsche, und nach diesem Lexikon ist
eine Ratsche in der einfachsten Form eine gezahnte Rolle, auf der die
Spitze eines Stäbchens (eine "Zunge") lastet. Wird nun die Rolle schnell
gedreht, ergibt sich ein schnarrendes, knatterndes, knarrendes Geräusch.
Ein Guero hingegen ist in seiner Urform ein hohles Stück Holz (ursprüng-
lich wohl eine Gurke) mit Rillen, auf dem mit einem kantigen Holzstäb-
chen hin und hergeschabt werden kann. Der wesentliche Unterschied zwi-
schen diesen beiden Geräuschinstrumenten: Auf dem Guero ist eine präzise
Rhythmik sehr einfach möglich, mit einer Ratsche hingegen nur bedingt,
auch ist eine Ratsche verhältnismäßig umständlich in Gang zu setzen.
   Seltame Eindeutschungen der Szenentitel gibt es in Konzertprogrammen,
auf Schallplattenhüllen usw. zuhauf. Doch auch Schatz ist vor erstaunli-
chen Übersetzungen nicht gefeit: Aus "DANSES DES ADOLESCENTES" wird
"Tanz der Jüngl. [Jünglinge]", aus "CERCLES MYSTERIEUX DES ADOLESCENTES"
dementsprechend "Mystischer Kreis der Jünglinge" und aus "JEU DU RAPT"
überraschend "Das Spiel der Mädgenentführung", wobei hierzu unter dem
ersten System, die Eins betreffend, mit blauem Kuli "Wie ein Schrei" ge-
schrieben steht (Ziffer 37). Auf Seite 56 (vor Z 64) findet man in der
Stimme der Tenortuba (wiederum blauer Kuli): "le Tube", richtiger wäre
"le Tuba", und bei Ziffer 33 (mit blauem Kuli) und Ziffer 41 (mit Blei-
stift) heißt es auch "Tuba" (sich auf das Tube-System beziehend). Zum
Abschluß dieses Absatzes mit Texteintragungen noch die Frage: Wie kommt
Schatz auf die wunderliche Schreibweise "Mädgen"? Sie gehört doch wohl
ins 19. Jahrhundert? In der damaligen Zeit war sie hier und da in Ge-
brauch, aber um 1950?
   Zu Notentexteintragungen und -korrekturen im engeren Sinn (Auswahl,
zunächst zur Erleichterung in Textform, später als Tabelle):
   Ziffer 10 Takt 2, Klarinette I in A, letzte Triole, vor dem mittle-
ren (geschriebenen) "f" ergänzte Schatz ein Kreuz. Dieser Flüchtigkeits-
druckfehler blieb in den Partiturenausgaben lange unkorrigiert (siehe
dazu andernorts). Ziffer 18 ff., Streicher: Die Schatzschen - die Dyna-
mik betreffenden - Einzeichnungen dazu gehen mit der Druckfassung kon-
form (zur Diskussion der unterschiedlichsten Varianten siehe unter Auf-
nahmen). Ziffer 36 Takt 2, Piccolo-Flöten I und II: Das "f" das zweiten
Achtels wurde angesichts der Takte zuvor und danach mit einem Frage-
zeichen (Bleistift) und einem x (Kuli) kommentiert. Schatz hat recht:
Es muß ein "d" sein (auch im Manuskript von 1913 steht ein "d"). Der
kaum auffällige Fehler in den Piccoloflöten in Ziffer 53 Takt 7 (fehlen-
des ♭ vor "c" wurde nicht korrigiert (siehe hierzu oben und andern-
orts), dafür hat aber in Ziffer 55 Takt 4 die Klarinette II in B eine
Korrektur: Die dritte Note "gis" muß analog zu Vorherigem "ges" lauten
(so ist das auch schon im Manuskript von 1913), angemerkt wurde die
Stelle von Schatz per Bleistift mit Fragezeichen und "♭". Ziffer 62
Takt 3, Horn III, letzte Note: Hier setzte Schatz ein Fragezeichen hin-
zu (mit Bleistift). Er hat recht, denn wie im übernächsten Takt (siehe
Horn IV) muß auch in diesem Takt das "g" ein "e" sein, so jedenfalls
laut Manuskript von 1913 und revidierter Partitur von 1967.
   Mit ähnlichen Korrekturen, solchen, die sich mit Aufmerksamkeit aus
Zusammenhängen ergeben, geht es weiter: Ziffer 70 Takt 7, Trompete II in
C, die fünfte Note, "gis", korrigiert Schatz zu "fis" und in Ziffer 75
Takt 1 in den Violen das erste Achtel der zweiten Triole zu "es" (statt
"b") - derlei Eintragungen wirken, der oben angestellten Mutmaßung ge-
mäß, wie sehr frühe Korrekturen; nicht nur die Ausführung mit Bleistift
deutet dies an, auch das im zweiten Fall beigefügte Fragezeichen spricht
dafür. Hellblauer Buntstift kommt dagegen auf den Seiten 108 und 109 zum
Einsatz, so in Ziffer 136 Takt 1 in der Stimme der Piccolo-Klarinette in
Es, denn mit einem ♯ werden die beiden Achtel "f" zum (richtigen) "fis"
erhöht.
   Ein nachdenkenswerte Korrektur taucht in Ziffer 136 Takt 4 auf (wie-
der hellblauer Buntstift): Das dritte Achtel der Oboe II ist ein "gis",
doch das "g" hat kein Vorzeichen, weil dasjenige des "g" auf der Eins
(der ersten Note also) auch hier gilt. Schatz deutet nun mit einem Pfeil
auf das zweite "g" und betont am oberen Rand mit "gis" offenbar, daß die
Note auch tatsächlich ein "gis" sei. Ein "gis" hat auch das Manuskript
von 1913, das heißt, es steht kein Auflösungszeichen. Demgegenüber hat
aber die revidierte Partitur von 1967 sehr wohl ein Auflösungszeichen,
der Ton ist nun wirklich ein "g", wie in den nachfolgenden Wendungen
auch. Vielleicht wollte aber Schatz mit dem geschriebenen "gis" auch nur
darauf hindeuten, daß da merkwürdigerweise ein "gis" steht, und eben ein
Auflösungszeichen fehlt. Auf das "cis" des Englischhorns I deutet übri-
gens ebenfalls ein Pfeil hin, so scheint es jedenfalls, diesmal mit
einem ♯ verbunden, doch diese Eintragung (auch in hellblauem Buntstift)
ist nicht recht deutbar. Die nächsten interessanten Eintragungen wären
dann wohl zu Beginn der Danse Sacrale zu erwarten gewesen, aber diese
Seiten fehlen.
   Auf den Seiten 116 bis 122 häufen sich die Korrekturen, es sind auch
gleichzeitig die letzten. Die Fehler sind teils massiver Art: Vorzei-
chenvertauschungen, falsche Schlüssel. Ausgeführt wurden die Berichti-
gungen hier im Wesentlichen mit hellblauem Kuli, und aus dieser Korrek-
turengruppe stammt auch die oben mit dem Ziel ihrer Datierung diskutier-
te Schatzsche Anmahnung einer (vermeintlichen) Unklarheit: Ziffer 161
Takt 1. Spektakuläres ist allerdings auch in dieser Gruppe nicht darun-
ter, alle Fehler sind weder im Manuskript von 1913 noch in der Revision
von 1967 vorhanden (zur Besonderheit der Schatzschen Fermate in Ziffer
167 Takt 1 siehe die Bemerkung im Anschluß an die Tabelle).

   Korrekturen auf den Seiten 116 bis 122

   Erg. = Ergänzung
   
   Ziffer/Takt  Instrument      Stelle      Korrektur

   152/2        Flöte in G                  Erg. vor "e": ♭ {1}
   154/2 + 4    Violinen II,2               Erg. vor "h": ♭
   155/3        Violinen II,1   3. Akkord   Erg. vor "f": ♮
   156/2        Violen,1        1. Akkord   Erg. vor "e", "f": ♭, ♯
   156/2        Violinen II,2   1. Note     Erg. vor "h": ♭
   156/2        Violinen II,1   1. Akkord   ♯ und ♭ getauscht
   157/1        Streicher                   Verdeutlichung "ff", gilt
                                            für alle
   157/1 + 2    Trompete I in C             Erg. vor "f" und "f": ♯
   158/1        Violen                      Violinschlüssel durch Brat-
                                            schenschlüssel ersetzt
   159          Violen 1,2  vor Taktstrich  Violinschlüssel eingefügt
   161          Tuba I/Celli                siehe im Text Diskussion
   165/1        Violen                      Bratschenschlüssel durch
                                            Violinschlüssel ersetzt
   165/3        Celli                       Erg. vor "h": ♯
   166/3        Violen          3. Akkord   Erg. vor "d": ♯

   {*1} Zunächst mit einem Fragezeichen markiert (Bleistift), dann mit
   einem ♭ durch teilweises Überschreiben konkretisiert (Kuli).

   Zu einer Besonderheit: Seite 122 weist in Ziffer 167 Takt 1 nach dem
Akkordschlag eine Fermateneinfügung Schatz' auf (mit helblauem Kuli),
die in keiner Quelle eingezeichnet ist. Das ist eine Einfügung, über
drei Systeme eingetragen, die eine Folgerung möglich macht und den Ver-
lust der Seiten mit dem Beginn der Danse Sacrale wenigstens etwas abmil-
dert. Man kann nämlich vermuten, daß Schatz, wenn er schon hier bei der
Analogwiederholung des Beginns der Danse Sacrale eine Fermate NACH dem
ersten Akkordschlag einzeichnte, er dann doch wohl gerade diejenige zu
Beginn der Danse sacrale da gelassen hatte, wo sie steht, nämlich nicht
wie im Manuskirpt von 1913 und in der RMV-Partitur von 1921 VOR dem
ersten Akkordschlag, sondern wie in den Partituren von 1929, 1948 und
1967: DANACH.
   Eine kuriose "Korrektur" enthält der Takt 3 der Ziffer 157. In der
unteren Violenstimme haben sich zwei Druckfehlerpunkte verirrt, die
sonst in keiner der alten Ausgaben vorkommen, Schatz strich sie mit Kuli
aus - pedantisch? Eines zeigt diese hellblaue Austragung aber doch: Sie
gibt mehr noch als die regulären Korrekturen über den Grad des Detail-
interesses Auskunft, das dieser Dirigent der Partitur entgegenbrachte -
und auch: entgegenbringen mußte.
    Die Rundfunkwelt des Hilmar Schatz' wäre eine Studie wert. Es war
eine Welt, die eine merkwürdige Aura exklusiver radiophoner Bedeutsam-
keit ausstrahlte. Gelebt wurde sie von ihm zusammen mit seiner Frau
Ingeborg (ebenfalls am Südwestfunk tätig, als Musikredakteurin), der
private Teil davon in einer, von den Beiden erbauten eigenwilligen, kan-
tig-verwinkelten, abstrakt-futuristischen Villa. Schwer zu fassen ist
diese damalige Rundfunkaura, doch da war sie auf jeden Fall, diese selt-
same technomnipotente Geistigkeit. Sich zurückerinnernd und länger da-
rüber nachgedacht: Sie, anders als das Buch ein Etwas von ephemerem
Charakter, wirkte nach innen wie nach außen dennoch und geradezu oder
gerade deswegen wie eine Geistlichkeit. Leider ist eine Beschäftigung
damit, bezogen auf den Fall Schatz, sehr erschwert, weil der Nachlaß
des Dirigenten nicht zusammen blieb. Kaum mehr als die umfangreiche Kor-
respondenz - nicht wegen Schatz, sondern wegen anderer - ist vielleicht
als Kompendium irgendwo archviert worden (eine Auktion damit diesebezüg-
lich gab es jedenfalls). Doch das Andere (Noten, Literatur, Schallplat-
ten usw.) ist offenbar in Antiquariatskanäle geflossen.
   Um das noch hinzufügen: Immerhin, eine Nähe zum Nationalsozialismus
dürfte bei der Aufbereitung der Angelegenheit Schatz wohl kaum ein Aus-
einandersetzungsthema werden; ein Thema aber ist es bei den anderen frü-
hen SWF-Klassiktopstars des so eigenen radio-ätherischen Geistesleben
der Nach-Weltkriegszeit: Gotthold Ephraim Lessing (1903-1975), Hans Ros-
baud (1895-1962), Heinrich Strobel (1898-1970) und Ernest Bour (1913-
2001). Schon so manche veröffentlichten Forschungergebnisse gibt es da-
zu. Doch wer sich gar selbst mit diesen Personen befassen will, merkt
sehr bald, wie man sich dabei nach und nach nahezu ins Uferlose gehen-
de, zermürbendende Formulierunsgsprobleme einhandelt. So bei einem der
typischsten aller Rundfunkmusiker dieser Zeit, Rosbaud, wenn man näm-
lich weiß, daß er z.B. am Reichssender Frankfurt mindestens ein Werk
eines nazistischen Komponisten nicht nur uraufgeführt, sondern auch auf
Schallplatte eingespielt, ihm also erhebliche Zeit und Mühe gewidmet hat
(Aufnahme der Reichsrundfunkgesellschaft, Plattensatz in Privatbesitz).

Typ A-Partitur im Internationalen Musikinstitut Darmstadt (IMD)

   In der umfang- und historisch hilfreichen Strawinsky-Notensammlung
des Internationalen Musikinstituts Darmstadt (IMD) {*1} befinden sich
zwei Sacre-Ausgaben (Stand: Juni 2016), beide sind Taschenpartituren.
Sie gehören dem Bereich Erstausgaben an, zum einen ist es die 1948er
Sacre-Ausgabe von Boosey & Hawkes und zum andern die 1945 vom Verlag
Associated Music Publishers, Inc., New York, herausgegebene Danse
Sacrale-Bearbeitung von 1943. Beide haben einen Bibliotheksschutzein-
band. Rücken und hinteres Einbandblatt fehlen jeweils. Der vordere Ein-
bandteil ist ausgeschnitten und aufgeklebt, wobei im Fall der Boosey &
Hawkes-Sacre-Partitur die Bestellnummer "No. 638" zwar hart beschnitten,
aber doch noch eindeutig lesbar ist.

   {*1} Die Sammlung ist im Großen und Ganzen noch zu Lebzeiten des Kom-
   ponisten entstanden ("zeitgenössischer Altbestand"). Sie enthält für
   die Strawinsky-Editionsgeschichte wichtige Ausgaben, vor allem der
   Nachkriegszeit, erschienen in Verlagen wie Chester, Schott und Boosey
   & Hawkes. Doch auch Ausgaben des Russischen Musikverlags sind darun-
   ter.

   Eingegangen wird hier in diesem Kapitel nur auf die Boosey & Hawkes-
Partitur, zur Partitur der gesondert veröffentlichten Danse Sacrale
siehe andernorts. 
   Dadurch daß beim Binden der Taschenpartitur des Gesamtwerks der hin-
tere Einbandteil entfernt wurde, läßt sich nun nicht mehr bestimmen, ob
die Ausgabe dem Typ A1 oder dem Typ A2 angehört. Ansonsten ist sie in
ihrem vorliegenden Zustand mit Blick auf die editorischen Details in
jedem Punkt identisch mit den Exemplaren, die beispielsweise aus den
Nachlässen Leitner und Scholz stammen (beide sind Typ-A2-Partituren),
ein Druck des Typs A ist das IMD-Exemplar aber auf jeden Fall.
   Bestimmen lassen sich leider auch nicht die originalen Maße, da die
Partitur (auch hier wieder der weitverbreiteten Buchbindermanier gemäß)
zusätzlich noch beschnitten wurde (Maße: ca. 17,5 x 24,9 cm; zur Proble-
matik der Messung beschnittener Partituren siehe andernorts).
   Die Signatur dieser Partitur ([...] 2503/51) und insbesondere der Be-
sitzerstempel zeigen ohne Zweifel, daß die Anschaffungszeit des Exemp-
lars in etwa mit der Veröffentlichungszeit zusammenfällt, mit anderen
Worten, daß also der Erwerb der Frühzeit des IMD zuzuordnen ist, der
Zeit, als dieses noch Kranichsteiner Musikinstitut hieß und in der
Lagerhaustraße 9 untergebracht war (hierzu siehe unter Rundfunkaufnah-
men Abteilung Hessischer Rundfunk die Ausführungen zur bis 1985 reichen-
den Entwicklung des IMD, siehe auch unten die Abbildung des Stempels auf
der Titelseite).
   Die Partitur ist oft benutzt worden, darauf lassen Eintragungen und
der angriffene Zustand unmißverständlich schließen. Um so mehr wundert
bei einer solchen musikgeschichtsträchtigen Vergangenheit, daß von den
Nutzern nicht ein einziger der offenkundigen Druckfehler (etwa per Fra-
gezeichen) angezeigt - oder eben gleich berichtigt wurde; ein Beispiel
hierfür wären die fehlenden Vorzeichen im System der Piccoloflöten
Ziffer 53 Takte 7 und 8 (das ist in der Tat eine der markanten Fehler-
stellen, bei denen man deshalb auch in Bibliotheks- oder alten Leihmate-
rialexemplaren Berichtigungen, Anstreichungen und dergleichen gelegent-
lich vorfindet; zu Notaten und handschriftlichen Korrekturen siehe u.a.
die Hinweise zu den "Bernstein-Exemplaren", ganz besonders aber auch die
Detailauflistung zu Hilmar Schatz' Eintragungen).
   Abgesehen von der besonderen Fassung der Danse Sacrale von 1943 be-
sitzt das IMD also keine einem neueren Korrektur- oder Fassungsstand
entsprechende Partitur des vollständigen Sacre, zu erwarten wären in
diesem Sinn etwa die Dirigierpartitur von 1965 oder eine Ausgabe des
1967er Neudrucks. Und daß zudem der Bestand offenbar nie anders war,
bestärkt auch ein verhältnismäßig frühes Notenverzeichnis {*1}.

   {*1] Sehr wahrscheinlich das erste und einzige repräsentative über-
   haupt: IMD, Katalog der Abteilung Noten, Darmstadt 1966, 293 S. (Vor-
   wort, datiert auf den 1.1.1966, von Ernst Thomas, Direktor des IMD;
   letztes Veröffentlichungsjahr eines Strawinsky-Werkes: 1963). Dazu
   gab es auch Nachträge; in ihnen wird deutlich, daß in dieser Zeit bei
   der Notenbeschaffung das Interesse an Strawinskyschen Neuveröffent-
   lichungen noch nicht ganz abgerissen war, siehe den Nachtrag von
   1968: 3 Spätwerke, veröffentlicht 1967 und 1968, oder den Nachtrag
   1974/75: 2 Frühwerke, posthume Veröffentlichungen von 1974.

   Die Eintragungen in der Boosey & Hawkes-Partitur betreffen überwie-
gend die Szenenbetitelung, und zwar ging es offenbar um die Übersetzung
nicht der russischen, sondern der französischen Titelgebungen. Eine der
"Hände" schrieb in reiner Süterlin-Schrift, eine andere bediente sich
gelegentlich einer Mischung aus Süterlin- und lateinischer Schrift. Von
Wolfgang Steinecke, dem Gründer des IMD, stammen höchstwahrscheinlich
keine dieser Notate, dies wurde vor Ort anhand einer sehr frühen Quelle
und eines Briefes von 1952 überprüft. In beiden Quellen lag lateinische
Schrift vor, und in beiden Fällen waren die Schriftbilder zudem sehr
deutlich und charakteristisch anders; auch beinhaltete, wie sonst damals
weitverbreitet, die Schrift von 1952 keine Süterlin-Einsprengsel oder
-Überreste - auf den ersten Blick jedenfalls, all dem sollte allerdings,
auch unter Einbeziehung der Zeit 1933 bis 1945, noch einmal nachgegangen
werden.
   Interessant sind einige Übersetzungen schon. So wurde übersetzt (Hand
mit reiner Süterlin-Schrift:) "JEU DU RAPT" als "Entführungsspiele",
"CERCLES MYSTERIEUX DES ADOLESCENTES" als "Geheimnisvolle Rundtänze der
jungen Mädchen" und (Mischschrift-Hand:) "JEU DES CITES RIVALES" als
"Spiel der zwei feindseligen Stämme" (Accents bei Kleinschrift: mystéri-
eux, cités; zur Sachlage seltsame Übersetzungsvarianten betreffend siehe
andernorts).
   Nach dem Tod Steineckes (1961) kam im IMD in den 1960er Jahre ein
Ausrichtungsumbruch. Das so Erstaunliche daran ist nun, daß offenbar von
diesem Wechsel herstammend, sogar auf dem Gebiet der Notenbeschaffung
der Einfluß "höherer Fügungen" seismographisch wahrgenommen werden kann;
das Fehlen einer aktualisierten Sacre-Partitur jedenfalls ließe sich so
problemlos deuten. Zudem fehlt aber auch ein Klavierauszug, also sowohl
der der Originalfassung, wiederveröffentlicht von Boosey & Hawkes 1952,
wie auch der der revidierten Fassung von 1968. Also fehlen, um es noch
einmal zu betonen, von der revidierten Fassung des Sacre gleich beide
Hauptnotenmaterialien, die Partitur und der Klavierauszug (gedruckt wur-
den die Taschenpartitur und der Auszug 1968).  
   Ein eigenartiger Zufall? Eher läßt sich das ohne viel Federlesen mit
nichts anderem als mit Theodor Wiesengrund Adorno zusammenbringen. Denn
seine Musikauffassung und -ideologie, die man im Übrigen, bezogen auf
einige Gebiete, kaum anders als haarsträubend bezeichnen kann, kam Mitte
der 1960er Jahren urplötzlich wie ein Gewitterwolkenbruch über das IMD,
und erwirkte, daß Strawinskys Musik auf lange Zeit hin in Kursen und
Konzerten nicht mehr vorkam, es war gerade so, als hätte sie nie exi-
stiert. Aus heutiger Sicht wirklich ein Phänomen. Anmaßung, halsstarrige
Einkapselung oder mangelnde musikalische Auffassungsfähigkeit seitens
des Frankfurter Philosophie- und Soziologie-Professors, das sind Stich-
worte, die hierbei als Ausgangspunkte einer Diskussion dienlich sein
könnten.
   Die revidierte Sacre-Partitur und die beiden Fassungen des Klavier-
auszugs des Sacre werden sicherlich über kurz oder lang auf dem Wege von
Nachlässen ins IMD kommen. Der alte Klavierauszug ist allerdings selten,
ein früher Druck des revidierten überraschenderweise nicht minder. Ein
älterer Taschenpartiturdruck der revidierten Partitur hingegen ist nicht
selten. Doch ganz abgesehen davon sind die beiden revidierten Noten ja
auch in neueren Ausgaben käuflich erhältlich.

Einband-Annonce No. 520, "1. V" versus 1.49

   Zahlreiche Taschenpartiturausgaben weisen die mit "1.49" datierte
Annonce "No. 520" auf, entweder zunächst - das ist der Normalfall -
abgedruckt hinten auf dem Umschlag oder - ziemlich regelmäßig bis in
die Mitte der 1950er Jahre hinein reichend - dem Notentext als Zusatz-
seite angefügt, hin und wieder kommt sie dort sogar noch bis Mitte der
1960er vor (z.B. auf "Symphonies of Wind Instruments", Revised 1947
version, Druck "7·66. E."). Betitelt ist die Anzeige mit:

   HAWKES POCKET SCORES

   A comprehensive library of Miniature Scores containing the
   best-known classical [/] works, as well as a representative
   selection of outstanding modern compositions.

   Die Anzeige besteht aus zwei Abteilungen, in der ersten, die oberen
Zweitdrittel der Annonce ausmachend und überschrieben mit "CLASSICAL
EDITIONS", sind Werke von 17 Komponisten aufgelistet (von "J. S. BACH"
bis "WEBER"), in der zweiten, im unteren Drittel angesiedelt, betitelt
mit "MODERN EDITIONS", sind dagegen nur Komponistennamen angeführt (35
insgesamt, von "BÉLA BARTÓK" bis "ARNOLD VAN WYK"). Außerdem ist da noch
in der Mitte eine kleine Abteilung mit "BOUND VOLUMES" eingebaut, 7 Kom-
ponisten: "[J. S.] Bach" bis "Tschaikowsky" (sic, deutsche Schreibwei-
se), Werke: Bach mit "Brandenburg Concerti", die andern mit "Sympho-
nies".
   Die eigentliche Annonce war, soweit bis jetzt vorgefundenen, immer
gleich, nicht immer gleich war hingegen die Zeile mit den Verlagsstand-
orten, sie wurde Standortänderungen unter Umständen von Zeit zu Zeit und
von Druck zu Druck angepaßt, dies ist offenkundig sehr unterschiedlich
geschehen, so daß immer wieder mit Verschleppungen, ja sogar mit im
Grunde verwirrenden Wiederverwendungen zu rechnen ist. Ingesamt gesehen,
darf also nicht der Irrtum begangen werden, von der Datierung "1.49"
eine direkte Ausgabendatierung herleiten zu wollen (weiter oben wurde
bereits im Zusammenhang mit der Annonce No. 582, datiert auf den Juni
1950, das Thema einer möglichen Irreführung angesprochen). Weil nun mit
einer scheinbaren zeitlichen Beliebigkeit behaftet, sind Annoncen des
Verlags Boosey & Hawkes für Datierungen aber keineswegs nutzlos. Voraus-
setzung für ihre Berücksichtigung ist allerdings, daß man die jeweilige
Zeile mit den Verlagsorten, das heißt, die Ortezusammenstellung, ebenso
wie die dominante, weil in der Regel aktuelle(re), Version auf der
Titelseite, im chronologischen Zusammenhang zu sehen vermag - sie
also vorsichtig einzuschätzen lernt. Man erkennt dabei aber auch sehr
schnell, daß selbst Ortsangaben auf der Titelseite in ihrer jeweiligen
Spezifikation (Zusammensetzung) als ein Chronologie stiftendes Mittel
für sich genommen auch nicht verläßlich genug sind. Es müssen noch ande-
re Datierungselemente wie Druckvermerke auf der letzten Notenseite, An-
gaben im Copyright-Block auf der ersten Notenseite, musikalische Versi-
onsdatierungen, graphische Darstellungen auf den Titelseiten, die Noten-
texte selbst und anderes mehr mit in die Erarbeitung einer Druck- und
Ausgabendatierung einbezogen werden.
   Besonders kniffelige, aber editorisch zweifellos aufschlußreiche und
sicherlich auch gewichtige Fälle stellen die oben mit A1, A2 und B be-
zeichneten frühen Nachkriegstaschenausgaben dar. Zunächst zum in einer
öffentlichen Bibliothek verwahrten Exemplar der A1-Partitur: Das hintere
Einbandblatt ist erhalten geblieben und mit diesem, außen aufgedruckt,
die Annonce No. 520. Allerdings ist deren Datierung nur sehr schemenhaft
nachzuempfinden. Was zunächst wie ein "L" aussehen mag, ist sicherlich
eine 1 mit Punkt ("1."). Doch was dem dann folgt, ist unleserlich bzw.
läßt nicht an eine "4" oder gar an "49" denken, vielmehr scheint es sich
bei dem kryptischen Aufdruck merkwürdigerweise eher um den Rest eines
großen "V" zu handeln. Sollte das vielleicht die römische Zahl "V" sein?
Wenn ja, was sollte sie besagen? Jedenfalls könnte hier ein chronologi-
sches Rätsel entstehen, dessen Lösung vermutlich so bald nicht möglich
sein wird.
   Vielleicht sollte man sich an dieser Stelle zunächst einem anderen
Datierungsmittel zuwenden, der Zeile der Verlagsorte, und dabei fällt
auf, daß sowohl in derjenigen der Annonce als auch in derjenigen auf der
Titelseite - beide unterscheiden sich - das Ende 1949 zaghaft auftau-
chende "Bonn" fehlt; doch dies deutet darauf hin, daß in beiden Fällen
offenbar eine frühe Zeilenversion vorliegt. Auszuschließen ist aller-
dings auch eine allzu frühe zeitliche Eingruppierung der beiden Zeilen,
gemeint ist zwischen 1945 (Ende des Zweiten Weltkriegs) und vor 1948,
also etwa 1947. Denn dem wiederum widerspricht allein schon die Nennung
der vielen russischen bzw. sowjetischen Komponisten in der Abteilung
"MODERN EDITIONS", unter denen sich im Übrigen auch "IGOR STRAWINSKY"
(mit "W") befindet.
   Die "V" als Zahl ergäbe Sinn, wenn der Datierungsvermerk ursprünglich
"I. VIII" gelautet hätte. Doch von einem Ziffernteil "III" ist nichts zu
sehen, ja, das angebliche Zeichen "V" schließt sogar mit dem Schmuckrand
der Anzeige ab. Für diesen letztgenannten Umstand ließe sich aber immer-
hin ein Argument einbringen, daß nämlich beim Druck die Ziffer "III" ab-
geschnitten worden wäre. Es gibt aber dennoch einen weiteren Einspruch:
Wie nämlich ein Blick auf die angesprochene Komponistenliste lehrt, wäre
die Datierung "Januar 1948" alles in allem eine reichlich frühe Fixie-
rung, wobei jedoch auf der anderen Seite die Verlagspraxis zeigt, daß
Vorausanzeigen in welcher Form auch immer zwar nicht gerade üblich wa-
ren, aber in dieser Zeit durchaus vorkamen (siehe hierzu gesonderte Aus-
führungen an anderem Ort).
   Wie Überprüfungen zeigen, bestand bei Boosey & Hawkes eine offenbar
strikte Praxis, Identifikationen einer Annonce, also deren Nummer und
Datierung, nicht abzuänderen, anders Inhalte, sie konnten Änderungen
erfahren. Somit bestehen ernste Zweifel daran, bei der Annonce No. 520
habe es einen Wechsel in der Datierung gegeben. Es kann also durchaus
sein, daß die angetroffene Unlesbarkeit der Datierung auf A1 eine bloße
Zufälligkeit darstellt. Andrerseits, extreme Sachverhalte gibt es in der
Tat auch: Eine Annonce z.B. mit der Datierung 1.66 und Inhalten neu-
erer Zeit hat sage und schreibe die Angabe "No. 16". Abgedruckt ist
diese Annonce auf einer Taschenpartitur des Bühnenstücks Perséphone (No.
652), wobei dort allein zwanzig Werke Strawinskys angeführt sind, dar-
unter Abraham and Isaac, Introitus "T. S. Eliot in memoriam" und die
Variations: Aldous Huxley in memoriam, alle drei weisen das Copyright-
Jahr 1965 auf. Demnach kann bei einer solchen Anzeige theoretisch alles
Mögliche geschehen sein: Auswechslung der Nummer, Neudatierung, Inhalts-
änderung. Vielleicht ist es aber auch nur die 16. Annonce im Januar
1966 oder die 16. eines neueren Zeitbereichs und somit eine völlig
eigenständige, brandneue Anzeige.
   Käme also angesichts der Unklarheiten, Ungereimtheiten und Wider-
sprüche auch die mutaßliche ungefähre Erscheinungsdatierung "Ende 1948"
ins Wanken? Wohl nicht, doch sollte auf keinen Fall versäumt werden, zu
Druckvermerken, Annoncen und Ortsangaben einige Auskünfte anzubieten
(siehe dazu ein späteres Kapitel). Auch muß, um es zu wiederholen, immer
einkalkuliert werden, daß die Ableitung, die sich an die beschriebene
mystische Datierung der Annonce auf Partitur A1 anschloß, möglicherweise
einen Druck-, vielleicht aber auch nur einen Überlieferungsfehler als
"Grundlage" hat. Auf jeden Fall geht die Suche nach Exemplaren der frü-
hen Taschenpartituren der Druckebene "[...] 448" weiter, und dabei soll-
te auch die Ausschau nicht unterbleiben nach einer Partitur, die womög-
lich NICHT die Annonce No. 520 aufweist, sondern eine frühere. Denn der
vermutete Erscheinungstermin "Ende 1948" hat als datierende Zielvorgabe
viel für sich.
   Deshalb muß hier noch einmal der Blick auf die Zeilen mit den Zusam-
menstellungen der Verlagsorte gelenkt werden - obwohl erst später im
Fortgang der Partiturbetrachtungen diese Datierungshilfe genauer unter
die Lupe genommen wird. Denn mit dem dort angebotenen Versuch einer Auf-
stellung zur Chronologie läßt sich nämlich die Zeile auf der Titelseite
und die der Annonce zeitlich etwas konkreter zu fassen. Danach fiele die
Zeile der Titelseite mit sieben Orten ins Jahr 1948, hingegen die länge-
re der Annonce (in ihr sind zusätzlich noch Chicago und Buenos Aires
genannt) ins Jahr 1949. So erzeugt also immerhin die Zeile auf der An-
nonce zur klar lesbaren Angabe "1.49" auf der Taschenpartitur A2 keinen
Widerspruch; und man muß auch zugestehen, daß die beiden Zeilen zusammen
gesehen eine Datierung "Ende 1948" angesichts schwankender Druckusancen
grenzwertig gerade noch zuließen.
   Die Annonce "No. 520" hat aber eine Vorläuferin, und diese galt
offensichtlich 1948 noch als aktuell. Jedenfalls ist überraschend, daß
die vermutlich erste Taschenpartiturausgabe des Concerto en Ré pour
Orchestre à Cordes (Copyright 1947, Ankündigungsanzeige: Tempo, Früh-
jahr 1948) und die der revidierten Fassung des Petrouchka (Copyright
1948, frühester Nachweis: Besprechung der Revision in Tempo, Sommer
1948, Strawinsky Number) diese Annonce (auf dem hinteren Einband außen)
noch aufweisen, denn sie ist nicht auf dem neuesten Angebotsstand. Wie
dem auch sei, von ihrer Verwendung noch Mitte 1948 läßt sich ableiten,
es hat offenbar noch keine aktuellere gegeben, und so fehlen unter den
Hinweisen auf moderne Komponisten einige, die durch die 1947 erfolg-
te Übernahme des Russischen Musikverlags später ergänzt wurden, so auch
Strawinsky. Als die in Kürze vorliegende aktuellere Annonce ist dann
somit die "No. 520" anzunehmen.
   Beschreibung im Einzelnen: 

                           ---------
                           In Arbeit
                           ---------

Frühe Anzeige LB 291/43: die Vorläuferin

                           ---------
                           In Arbeit
                           ---------

Frühe Bernstein-Partituren, reichlich Editionsmystik

   Die Internet-Präsentation der New York Philharmonic veröffentlichte
im Rahmen ihrer Archiv-Abteilung Sacre-Leihmaterial, das offensichtlich
für von Leonard Bernstein geleitete Aufführungen verwendet worden war.
Es handelt sich um drei Dirigierpartituren, einen vollständigen Leihma-
terialsatz (Streicher und Harmonie) sowie einen weiteren Streichersatz
(Datierungen zur Erstellung und Veröffentlichung der Scans siehe unten,
Links abgefragt zuletzt November 2015).
   Zunächst zu den Partituren: Sieht man von den Einbänden ab, scheint
ein erster Blick auf die Druckseiten zu sagen, daß wohl alle drei Parti-
turen dem gleichen Druck angehören. Mit anderen Worten, dem Titelblatt
(Titelseite S. [1], "Orchester"-Seite S. [2]) und den Notentextseiten
3 bis 139 müßten eigentlich jeweils die gleichen Matrizen zugrunde ge-
legen haben. Wie auch immer, hinsichtlich der Notenseiten diente auf
jeden Fall zunächst einmal als Urvorlage der 1929er Partiturdruck des
Russischen Musikverlags (RMV), wobei allerdings die Seiten mit diversen,
sehr unterschiedlichen Aufbereitungen versehen sind. So wurden z.B. auf
der ersten Notenseite (S. 3) die Copyright- und Druckinformationen aus-
gewechselt, auch ist auf allen Notenseiten die RMV-Plattennummer R.M.V.
197 durch B. & H. 16333 ersetzt und auf der letzten Seite (S. 139) der
Druckvermerk H.P. B735. 448 ergänzt worden. Weiterhin erfuhr der Noten-
text Verlagskorrekturen unterschiedlichster Art und außerdem weist jede
der drei Partituren zahllose handschriftliche Korrekturen und eine Viel-
zahl von jeweils "aktuellen", teils farbigen Aufführungseinträgen auf.
   Ein Kuriosum am Rande: Trotz der Editionsänderungen blieb Strawinskys
spätestens 1929 eingeführter, berühmt-naiver Diebstahlverhinderungshin-
weis auf der ersten Notenseite, "Edited by F.H.Schneider", erhalten, er
blieb dies sogar bis 1966, also bis zur Absetzung dieser seit 1921 be-
stehenden Partiturausführung.
   Alle drei Leihpartituren erhielten einen speziellen Gebrauchseinband,
und hierfür wurde der originale Boosey & Hawkes-Verlagseinband, beste-
hend aus dem weiter oben beschriebenen mittelstarken Karton, vollständig
entfernt (weitere Einzelheiten dazu siehe unten). Die Links zur digita-
len Stelle des New York Philharmonic-Archivs lauten (Partitur-Links auf-
gefunden November 2015, Stand aller Links: Juni 2018):

Dirigierpartitur 1948, 1, mit "ERRATA LIST" (7 S.) und Stimmenmaterial
(New York Philharmonic Leon Levy Digital Archives, Nr. 2341, abfragbare
interne Datierungen: Scans 19.1.2010, online Dezember 2012).

Dirigierpartitur 1948, 2
(New York Philharmonic Leon Levy Digital Archives, Nr. 2342, abfragbare
interne Datierungen: Scans 31.12.2009, online Dezember 2012).

Dirigierpartitur 1948, 3
(New York Philharmonic Leon Levy Digital Archives, Nr. 3623, abfragbare
interne Datierungen: Scans 13.5.2012, online Dezember 2012).

Fagott I, Beispiel aus dem Stimmenmaterial (RMV-Original, so auch im
einstigen (= frühen) Boosey & Hawkes-Ausleihmaterial)

Klavierauszug 1968, Druck 10/78 (Revidierte Fassung)
(New York Philharmonic Leon Levy Digital Archives, Nr. 2343), editori-
sche Einordnung siehe unter Klavierauszüge (in Vorbereitung).

   Oben wurde nicht ausgeschlossen, daß der Inhalt der drei Partituren
gedruckte Differenzen enthalten könne, und in der Tat, schon einige we-
nige gezielte Stichproben zeigen, daß mit Sicherheit eine der Partitu-
ren, die Partitur Nr. 2341, die wohl älteste, einem anderen Druck ange-
hören muß, denn sie weist im Notentext überraschenderweise GEDRUCKTE
Korrekturen auf, die die beiden anderen wenn überhaupt, dann nur hand-
schriftlich haben. Und somit stellen sich Fragen wie von selbst ein,
wobei sich dabei auch sehr schnell Editionsrätselraten auftut - mit dem
Ausblick, bezüglich der Aufschlüsselung der gegebenen Notentexte ein
enormes Arbeitspensum angehen zu müssen. In dieser Darstellung jedoch
soll es im Wesentlichen (zunächst) bei nur wenigen genaueren Blicken
in die Notentexte bleiben, denn hier geht es thematisch in erster Linie
nur um äußere editionstechnische Details, und so muß eben eine ausführ-
liche Untersuchung, ein Notentextvergleich, der sicherlich sehr viel
mühselige Arbeit bereiten würde, in den Bereich der vielleicht ewigen
Vertagung einsortiert werden. Zunächst zu allgemeinen Details und einer
Einführung in Datierungsprobleme:
   Die Dirigierpartitur Nr. 2341 hat einen dunkelgrünen Leineneinband,
als Maße werden auf der Internetseite angegeben: 9 x 12" (= 22,86 x
30,48 cm). Die Partiturseiten sind sehr stark und dilettantisch (teil-
weise die Seitenzahlen in Mitleidenschaft ziehend bzw. sogar eliminie-
rend) beschnitten. Der Einband offenbart erhebliche Abnutzung, der Par-
titurrücken ist sogar deutlich verschlissen, insgesamt läßt das auf
häufigen und wenig achtsamen Gebrauch schließen. In Goldschrift steht
auf dem Deckel: IGOR STRAWINSKY [/] LE SACRE DU PRINTEMPS, außerem unten
rechts: LEONARD BERNSTEIN.
   Von Bernstein stammen zwei längere handschriftliche Notizen, die
erste steht auf der ersten Notenseite (S. 3): "Given to me in 1950 [/]
(or a year or two earlier?) [/] by Serge Alexandrovitch [Koussevitzky]
(including orchestral parts). [/] LB", die zweite befindet sich auf
Seite 112 vor dem Beginn der Danse Sacrale: "Re-barring [/] by Nicolas
[/] Slonimsky [/] (c.1924) [/] LB". Zu diesem letztgenannten Hinweis
gibt die Internet-Seite Folgendes wieder: "Re-barred for Koussevitzky by
Nicholas Slonimsky c.1924." Ob für die Konkretisierung "for Koussevitz-
ky" ein Faktengrund, etwa ein gesonderter Nachweis, vorlag, geht aus
der Web-Seite nicht hervor, vielleicht ist sie aber auch nur eine - wenn
auch zweifellos naheliegende - Ableitung aus der Notiz auf Seite 3.
   Die zweite Notiz besagt im Grunde, daß die langschwingende originale
Metrisierung rekonstruiert wurde, die noch in der RMV-Partitur von 1921
vorhanden ist. Was aber die Spezifizierung "by Nicolas [/] Slonimsky [/]
(c.1924)" bedeuten soll, läßt sich derzeit nicht erschließen. In der
Partitur ist jedenfalls die Remetrisierung feinsäuberlich und farbig
ausgeführt. Daß zwischen der "kurzen" und "langen" Metrisierung klang-
lich erhebliche Unterschiede herauszuholen sind, kann kaum bestritten
werden, es geht u.a. um Ruhe, Geschmeidigkeit und Nonchalance kontra
Hektik, Zackigkeit, Kleinlichkeit, eben, wenn man so will, irdische
Zeitbedingtheit. Sehr überraschend ist auf Seite 139 die in der Inter-
net-Wiedergabe leicht übersehbare Notiz "Guero [/] Rasp"; begleitet
wird dieser Eintrag, von dem nicht klar ist, von wem er stammt, von
einer punktierten Achtelpause mit nachfolgender 128tel-Note, die zudem
noch trotz ihrer huschenden Kürze crescendiert ausgeführt werden soll,
offensichtlich ein "musikalisch-malerischer" Eintrag (zum Guero und zu
"optisch-graphischen" Einzeichnungen siehe Ausführungen an anderen
Orten).
   Die Dirigierpartitur Nr. 2342 - für sie lauten die angegebenen Maße:
11 x 14,75" (= 27,94 x 37,47 cm) - hat einen gelben Kartoneinband; die
Seiten sind, wenn überhaupt, dann nur sehr wenig beschnitten. Sie ist
die größte der drei Partituren und im Gegensatz zu den beiden anderen
wirkt sie nicht wie eine Luxuspartitur, sondern mit ihrem maschinen-
schriftlich ausfüllten Etikett wie eine typische, auf die Praxis ausge-
richtete Leihpartitur. Zur Größe sei noch ergänzt, daß sich sicherlich
alle auf der Web-Seite angegebenen Maße auf die Außenkanten der Einbände
beziehen, doch kann man aus dem größeren Format der Partitur Nr. 2342,
rund 5 cm in der Breite, 7 cm in der Höhe, getrost davon ausgehen, daß
auch der Seitenspiegel dieser Partitur, der Notendruck also, um einiges
größer ist als bei den anderen beiden Leihpartituren.
   Als Werktitel ist auf dem Etikett wie bei den beiden anderen Partitu-
ren nur die französische Originalversion angegegeben: "LE SACRE DU PRIN-
TEMPS", das ist also eine Abweichung von der Titelseite, auf der "The
Rite of Spring" als kleingedruckter Nebentitel mit angegeben ist, eben-
falls abweichend ist hier auf dem Deckel dieser Partitur "STRAVINSKY"
mit "v" geschrieben, der Vorname fehlt. Wie schon angedeutet, weist das
Etikett die Partitur unmißverständlich als Leihmaterial aus, aufgedruckt
ist "BOOSEY and HAWKES [/] Rental Library", zudem ist ausgefüllt, daß
sie zum Set "A" des  Materials "31" gehört. Auch der Verleihstandort ist
mittels eines Spempels angegeben:

   Return To [/] BOOSEY & HAWKES [/] Rental Library [/] P. O. BOX 418
   [/] Lynbrook, L. I., N. Y.

   Einen ähnlichen Stempel weist die Titelseite auf, wobei ein Inter-
punktionsfehler vielleicht eine Hilfe sein könnte, wenn irgendwann ein-
mal die zweifellos schwierigen Datierungsprobleme angegangen werden
(Weiteres siehe später):

   RETURN TO [/] BOOSEY & HAWKES [/] HIRE LIBRARY [/] P. O. BOX 418
   [/] LYNBROOK, L. I, N. Y.

   Auf dem Etikett ist mit rotem Kuli "BERNSTEIN." vermerkt. Das schrieb
dieselbe Hand, von der auf dem Vorsatzblatt der Partitur Nr. 3623 der
Hinweis "BERNSTEIN SET." stammt, geschrieben ebenfalls mit rotem Kuli.
Auch dies ist wiederum eine Zeichen dafür, daß die drei Partituren in
der Tat nicht nur mit Bernstein verbunden sind, sondern vielmehr auch
zeitlich auf allerdings nur schwierig ergründbare Weise zeitlich zu-
sammengehören (später mehr dazu).
   Wie die zuvor beschriebene Partitur so sieht auch diese Partitur sehr
geschunden aus, auch sie hat ohne Zweifel starken Gebrauch hinter sich.
Wie Stichproben zeigen, sind zahlreiche Fehler per Hand korrigiert wor-
den. Das wirkt sehr improvisiert, von Systematik wie bei der Partitur
Nr. 3623 (siehe unten) kann hier nicht im Entferntesten gesprochen wer-
den.
   Auch in dieser Partitur weist die Danse Sacrale eine Remetrisierung
auf, sie ist aber mit freier Hand, eher skizzenhaft eingetragen; auf den
ersten Blick hin scheint sie von der Partitur Nr. 2341 hergeleitet zu
sein. Ein Guero-Nachtrag ist nicht vorhanden.
   Zur Datierung: Es fehlen derzeit die Mittel, an Hand des Vorhanden-
seins eigentlich verhältnismäßig typischer, "starker" Details, wie Eti-
kett und Stempel, eine wenigstens annähernde Erstellungsdatierung der
Partitur hinzubekommen. Eine Abfrage über Google "Boosey & Hawkes Lyn-
brook" ergab zwar anscheinend relevante Treffer, dazu zählen vor allem
Copyright-Datierungen, aber die zeitliche Spannweite ist zu groß, sie
bewegt sich zwischen 1938 bis 1960. Nach 1960 verschwinden "Boosey &
Hawkes Lynbrook-Nachweise" schlagartig (Stand: März 2015). Unter den
in Katologen und ähnlichen Publikationen abgedruckten Boosey & Haw-
kes-Adressenangaben scheint ein Bezug auf "Lynbrook" eine absolute
Seltenheit zu sein. So findet man keine Erwähnung unter den Adressen in
dem umfangreichen, zweibändigen Boosey & Hawkes-Musikkatolog von 1944
(mit Nachtrag 1945), ebenso nicht in dessen mit Nachträgen bis 1949
reichenden Nachfolger von 1945, und auch nicht in der Filialen und
Standorte anführenden Adressenliste, die 1950 in der Frühjahr-Ausgabe
der hauseigenen Zeitschrift Tempo abgedruckt ist (Nr. 15, S. 40),
übrigens darüber hinaus auch nicht in den teilweise sehr ausführlichen
Adressenlisten in den von oder mit Hilfe von Boosey & Hawkes veröffent-
lichten Strawinsky-Werkverzeichnissen: 1957 (später mit beigelegtem
Nachtrag 1961), 1971, 1982 (Boosey & Hawkes, England), 1982 (Caesar,
USA), 1997 und 2002. Allerdings weist die 1956 erschienene amerikanische
Erstausgabe des Canticum Sacrum auf der Titelseite die Verlagsangabe
"BOOSEY & HAWKES, LYNBROOK, NEW YORK" auf; doch steht im Copyright-Block
auf der ersten Notenseite: [...] New York York" [sic], außerdem ist da
noch der Hinweis "Printed in U.S.A" angegeben. Somit ist also auf der
vorliegenden Basis der Unterlagen kein griffiges Fazit möglich, für was
denn "Boosey & Hawkes, Lynbrook" denn eigentlich steht, doch bildet sich
in etwa der Eindruck, als habe Boosey & Hawkes in Lynbrook zwar keinen
offiziellen Verlagsstandort unterhalten, wohl aber Produktions- und Ver-
waltungsabteilungen wie Auslieferungslager, Druckerei, Personalverwal-
tung und dergleichen (dieses Produktionsbild von "Boosey & Hawkes, Lyn-
brook" wird nachfolgend noch von Bedeutung sein).
   Zur dritten Partitur: Einen dem Einband der Partitur Nr. 2341 sehr
ähnlichen, ebenfalls dunkelgrünen Einband hat die Partitur Nr. 3623, die
wiederum in Gold, folgende Aufschrift schmückt: I. STRAWINSKY [/] LE
[/] SACRE DU [/] PRINTEMPS, außerdem, diesmal nicht Bernstein, sondern
BOOSEY & HAWKES nennend. Die Lettern auf den beiden Einbänden sind die
gleichen, somit besteht trotz der kleinen Unterschiede eigentlich kein
Zweifel, daß der Goldaufdruck vom gleichen Einbinder stammt. Die Maßan-
gaben auf der Web-Seite lauten für diese Partitur: 9 x 12" (= 22,86 x
30,48 cm), die Inhaltsseiten (S. [1] bis 139) sind wenig beschnitten,
wenn überhaupt. 
   Auf der ersten Notenseite (S.[3]) steht der folgende rot eingerahmte
handschriftliche Hinweis:

   "ERRATA CORRECTED JULY 1959 AND SCORE BOUND (J. Z)"

   In der Tat sind die Fehlerverbesserungen der siebenseitigen Errata-
Liste minutiös genau in blau ausgeführt, rot wurde eingesetzt, wenn sich
Unklarheiten oder Fragen auftaten. Dem allem entsprechen Fortschritts-
striche und Anmerkungen auf der Errata-Liste, und dort heißt es z.B. bei
einer Unklarheit: "ask L.B." [Leonard Bernstein]. Beachte: Es gibt nicht
die Spur eines Zweifels, daß exakt diese Errata-Liste, die auf der Web-
Seite der "Bernstein-Partitur" Nr. 2341 zugeordnet ist, für die Korrek-
tur der Partitur Nr. 3623 als Vorlage diente.
   Die Remetrisierung in der Danse Sacrale wurde wie bei der Partitur
Nr. 2342 mit freier Hand ausgeführt, also skizzenhaft übertragen, als
Vorlage diente sicherlich auch hier die Partitur Nr. 2341. Wiederum ist
kein Hinweis auf einen Guero-Einsatz vorhanden.

Bernstein-Partituren: Massive Datierungsprobleme

   Editionsforschung hat es naturgemäß oft mit Rätselraten zu tun, aber
was auf der Grundlage der vorangegangenen Ausführungen an spukhafter
Verworrenheit zu Tage kommt, versetzt einen doch in beinah überbordende
Verwunderung. Einige Aspekte fehlen sogar noch, doch bevor sie angespro-
chen werden, sei zunächst eine zusammenfassende zweiteilige Kardinalfra-
ge gestellt:
   Wie ist denn möglich, daß ausweislich der bisher vorgefundenen Unter-
lagen

   1) 1947 eine korrigierte Fassung der Dirigierpartitur erstellt wird,
      die, 1948 gedruckt, auf zweierlei Weise existiert: a) mit einer
      siebenseitigen Liste erneut entdeckter Errata ausgestattet, also
      in wieder verbesserungsbedürftiger Form, b) in einer diese Errata
      gedruckt eingearbeiteten, also erneut (wie "zweifach" oder "dop-
      pelt") korrigierten Form, die dann aber offenbar in Vergessenheit
      geriet, wobei überdies

   2) 1959 im Zuge eines anscheinend ernstzunehmenden Korrekturvorgangs
      mit Hilfe der siebenseitigen Errata-Liste handschriftlich ein
      1948er Exemplar (der nicht "zweifach" korrigierten Sorte) komplett
      "aktualisiert" wurde, wo doch schon seit (angeblich) 1948 eine
      Partitur mit diesen Korrekturen, und zwar ausgeführt in GEDRUCKTER
      Form, vorliegt?

   Es muß hier an das zum Thema "Bernstein-Partituren" bereits Gesagte
erinnert werden: Abgesehen von den gedruckt ausgeführten Korrekturen in
der Partitur Nr. 2341 weisen die drei Partituren überraschenderweise
Druckgleichheiten auf, zumindest ganz sicher gilt das für ihr editorisch
ÄUSSERES Erscheinungsbild auf den Seiten [1] bis 3 und 139 (Titelseite,
"Orchestre"-Seite, erste und letzte Notenseite). Doch damit stößt eine
Aussage zum editorischen Erscheinungsbild, zur äußeren Gestaltung
eigentlich schon an eine Grenze, weil die originalen Einbände durch
spezielle ersetzt worden sind. Nun können aber in diesem Punkt nach
allem Ermessen vergleichsfähige "Handelsexemplare" weiterhelfen. Dazu
liegen vor erstens einige wenige Unterlagen zu einem um 1982 eingese-
henen Exemplar und zweitens seit Dezember 2016 eine vollständige Parti-
tur aus dem Besitz des kanadischen Dirigenten Victor Feldbrill. Und von
diesen beiden sogenannten Handelsexemplaren, Partituren also, die nach
allem Ermessen für den Ladenverkauf hergestellt worden waren, handelt
das nächste Kapitel.

                            =========
                            IN ARBEIT
                            =========

Dirigierpartitur mit Druckvermerk April 1948, "Handelsexemplar"

   Bevor nun aber die Aufmerksamkeit gelenkt wird auf die beiden oben
erwähnten, augenscheinlich 1948 gedruckten Handelsexemplare der alten
Boosey & Hawkes-Dirigierpartiturausgabe, eine Vorbemerkung:
   Im Folgenden kommen Sichtweisen auf, die die bisherige Aufassung, den
in Boosey & Hawkes-Ausgaben auf der letzten Notenseite anzutreffenden
"Druckvermerk" als das Druckdatum, oder genauer: als das vorweggenommene
Enddatum des Druckvorgangs anzusehen, in Zweifel ziehen und gleichzeitig
darüber hinaus diese Auffassung sogar als vielleicht nicht ganz sachge-
recht erscheinen lassen. Besser wäre nämlich wahrscheinlich - zumindest
in einer Reihe von Fällen - Begriffe wie "Korrekturabschlußdatierung"
oder "Stichabschlußvermerk" in Erwägung zu ziehen. Denn daß im Grunde 
zum Beispiel (übrigens nicht nur im Notendruck) zwischen Stich oder Satz
und schließlichem Druck zu unterscheiden ist, ist ja eigentlich eine be-
kannte Tatsache. Demgegenüber ist in aber dieser Angelegenheit weitver-
breitet, gerade im Notendruck, eine erstaunliche Unschärfe im Spiel, und
dies selbst auf Verlegerseite. Doch spätestens in Grenzfällen wird dann
aber deutlich, daß differenziert werden sollte. In diesem Sinne wird man
also im Einzelfall zu prüfen haben, wann eine Entscheidung für welche
Auffassung, für welchen Apsekt zu treffen wäre. So wird man beispiels-
weise bei dem sehr prägnanten Fall, bei der wohl an die 20 Auflagen mit
einer "Druckdatierung" ausgestatteten Boosey & Hawkes-Sacre-Taschenpar-
titur eher von DRUCKvermerken sprechen wollen. Von einen Vermerk also,
der das Vorhaben "Druck" einer Ausgabe bzw. genauer: deren Bereitstel-
lung zum Druck im Grunde auf den Monat genau bestimmen läßt - wann der
Druckvorgang dann aber wirklich durchgezogen wurde, ist natürlich eine
andere Frage (siehe dazu auch andernorts).
   Das eine der beiden Handelsexemplare der Boosey & Hawkes-Partitur von
1948, die nun in den Blickwinkel gerückt werden sollen, wurde in der
Zeit um 1982 eingesehen und damals als ein Exemplar eingestuft, das zwar
der ersten Nachkriegskorrektur von 1947 unterzogen worden war, dem aber
angesichts der nachfolgenden Korrekturentwicklung zahllose Korrekturen
fehlten. Und was im Übrigen damals überhaupt nur rudimentär oder gerade
so in vagen Umrissen bekannt war, das war die heute nun real vorliegende
Tatsache, daß die oben erwähnte, unter den ins Internet gestellten
"Bernstein-Materialien" befindliche Errata-Liste wirklich existierte und
eine solche Liste gar als Beilage auch tatsächlich verwendet wurde (sie-
he dazu nachfolgend, zur vorliegenden Liste siehe später eine gesonderte
Darstellung) und das heißt ja außerdem, daß von Boosey & Hawkes ein ver-
gleichbarer Weg beschritten worden war, wie ihn der Russische Musikver-
lag in den 1920er Jahren gewählt hatte (auch hierzu siehe andernorts).
   Die erhalten gebliebenen Unterlagen der um 1982 eingesehenen Parti-
tur zeigen gegenüber dem vorliegenden vollständigen Exemplar keinerlei
Abweichungen. Dennoch ist man gut beraten, die beiden Exemplare nicht
umstandslos in eins zu setzen, selbst wenn sich dies, nach den äußeren
editorischen Merkmalen geurteilt, klar empfehlen könnte, vielmehr soll-
te, bezogen auf die Notentexte, einige Vorsicht walten, und man beachte:
genau auf diese grundsätzliche (vielleicht nur theoretisch nötige) Un-
terscheidung wird in den folgenden Ausführungen - bei allem entstehenden
Umstand - peinlichst genau geachtet.
   Da, wie angedeutet, der Standort des um 1982 eingesehenen Exemplars
der - übrigens in deutschen öffentlichen Musikbibliotheken offenbar
nicht vorhandenen - Partitur von 1948 derzeit leider unbekannt ist, muß
an Unterlagen mit Wenigem Vorlieb genommen werden, von damals liegt Fol-
gendes vor: beide Einbanddeckblätter, Titelseite (S. [1]), Inhaltsseite
(S. [2]), erste Notenseite (S. 3) und die untere Hälfte der letzten No-
tenseite (S. 139). Somit kann die damalige Einschätzung fürs Erste nur
insofern bestätigt werden, als der in der Errata-Liste enthaltene Kor-
rekturhinweis

      "Page  139  Tuba I  Bar 1  The first note is G (not A)."

in dieser damaligen Handelspartitur in der Tat NICHT ausgeführt ist. Es
ist da für die beiden Tuben eine Oktave eingetragen (A - a), eine kleine
Septime (A - g) hingegen in der doppelt korrigierten "Bernstein-Parti-
tur" Nr. 2341 (ebenso in der heutigen Partitur, vgl. auch die gleich-
lautenden Parallelstellen). Für die Seite 139 ist dies in der Errata-
Liste die einzige Korrekturangabe, wobei die Liste im übrigen erst mit
Fehlern auf Seite 6 beginnt, und somit sind derzeit aufgrund des Fehlens
des damaligen Exemplars keine weiteren Überprüfungen möglich. Trotzdem
wird aber gewagt, den Kenntnisstand von 1982 als tragfähig anzusehen und
davon auszugehen, daß das damals eingesehene Handelsexemplar die zweite
Korrektur höchstwahrscheinlich nicht erfuhr, und daher dieser Druck mit
den beiden "Bernstein-Partituren" Nr. 2342 und Nr. 3623 zumindest eng
verwandt sein dürfte, soweit jedenfalls die Inhaltsseiten [1] bis 139
betroffen sind; allerdings: so weit zu gehen, die naheliegende Schluß-
folgerung zu ziehen und von Druckgleichheit zu sprechen, das sollte, wie
oben ausgeführt, derzeit tunlichst unterbleiben. Unbedenklich gestaltet
sich hingegen die Einschätzung des vorliegenden vollständigen Handels-
exemplars. Dessen Druck der Seiten [1] bis 139 stimmt mit dem der beiden
genannten in Druckform noch unvollständig korrigierten "Bernstein-Parti-
turen" überein. Während demgegenüber das "Bernstein-Exemplar" Nr. 2341
eindeutig einem Druck angehört, dessen Notentext anhand der Errata-Liste
einer weiteren kompletten Verlagskorrektur unterzogen worden war, anson-
sten aber "editorisch gesehen", damit sind bestimmte äußere Druck- und
Herausgabesachverhalte gemeint (siehe nachfolgend), kurisoserweise mit
den anderen vier Partituren unterschiedslos auf einer Ausgabenstufe
steht - oder zu stehen scheint.
   Da die vier hier zur Debatte stehenden Partituren, die drei "Bern-
stein-Partituren", das vollständige Handelsexemplar, aber auch das nur
als Torso zur Verfügung stehende fünfte Exemplar auf den Seiten [1],
[2], 3 und 139 in den ÄUSSEREN editorischen Details identisch sind, soll
zunächst auf diese Gleichheiten eingegangen werden; das Meiste davon ist
eine Wiederholung bereits eingehend dargestellter Einzelheiten. Zusam-
menhängend mit diesem Überblick wird auch eine Beschreibung und Erörte-
rung der beiden Einbandblätter der beiden Handelsexemplare geliefert,
wobei dem hinteren Blatt mit der Anzeige No. 453 ein eigenes Kapitel ge-
widmet ist; hingewiesen werden soll auch auf eine gesonderte Darstel-
lung, die das aus dem Besitz des Dirigenten Victor Feldbrill herrührende
vollständige Exemplar zum Thema hat, und natürlich findet man auch zu
dessen 7seitiger Korrekturbeilage Ausführungen vor (zur Klärung sei noch
einmal betont: bei der Besprechung der Originaleinbände nehmen die drei
"Bernstein-Exemplare", da deren Einbände gegen spezielle Einbände ausge-
tauscht worden waren, nur eine stumme Statistenrolle ein).
   Im Vordergrund steht bei der Beschäftigung mit dem Handelsexemplar
von nominell 1948 unter anderem das Thema der tatsächlichen Datierung;
ein notwendiges, aber schwieriges Unterfangen, wobei versucht wird, im
Rahmen der sich dabei auftuenden editionskundlichen Probleme und Wider-
sprüche, die unvermeidlicherweise angesprochen werden müssen, keine Spur
gesundbeterischer Philologenalchemie entstehen zu lassen.
   Das herausragende Datierungsmittel, der Stich- oder Druckvermerk auf
der letzten Notenseite (S. 139), "H.P. B735. 448", ist bei den vier ein-
sehbaren Dirigierpartituren, dem um 1982 vorgelegenen Exemplar und den
bisher eingesehenen frühen Taschenpartituren der Typen A und B iden-
tisch; diese Aussage bezieht das Schriftbild wie auch den Sitz der Kenn-
zeichnung mit ein. Daß das bereits nicht handschriftlich, sondern per
Druck korrigierte "Bernstein-Exemplar" Nr. 2341 ebenfalls diesen Vermerk
hat, mag erstaunen, doch muß das kein Druckfehler sein - im Gegenteil,
Korrekturstandsangaben in Ausleihauflagestimmen ("Révision 1948", "Re-
vised 1948") lassen sich damit durchaus in Verbindung bringen (später
mehr darüber, siehe außerdem das Kapitel über Ausleihmaterialien).
   Auch die für Datierungsbestimmungen nächstwichtige Seite, die erste
Notenseite (S. 3), zeigt in den frühen, hier zur Debatte stehenden Par-
tituren, insbesondere die Copyright- und Druckhinweise betreffend, kei-
nerlei Abweichungen - zumindest keine gravierenden, denn in einem win-
zigen Detail unterscheiden sich die Dirigierpartituren von den frühen
Taschenpartituren überraschenderweise dann doch: Den Accent grave in
"PREMIÈRE PARTIE" nämlich haben die Taschenpartituren von 1948/1949, ob
Typ A oder B, NICHT, doch ist er in dem ihnen wahrscheinlich direkt
nachfolgenden Druck vom November 1951 (11·51 L.& B.) vorhanden und so
ist es auch im Druck Januar 1953 (Druck: 1·53 L.& B.; beachte: Gestalt
und Sitz des Accent-Zeichens stimmen in den beiden Formaten exakt über-
ein!).
   Bedeutend ist auch die Bestimmung der Art der Paginierung (siehe oben
die besonderen Ausführungen dazu): Die vier einsehbaren Dirigierpartitu-
ren weisen die mutmaßlich korrigierte Paginierung auf, die auch in der
Taschenpartitur Typ B vorliegt. Beachte: Da dies eine streng gefaßte
Aussage ist, muß darauf hingewiesen werden, daß die seltsamen Typenun-
terschiede auf den 40er Seiten, wie sie in späteren (!) Taschenpartitu-
ren überraschender Weise vorgefunden wurden, hier bei diesen frühen
Partituren nicht vorhanden sind (siehe auch hierzu Ausführungen weiter
oben).
   Deutliche Unterschiede gibt es allerdings auf der "Orchestre"-Seite
(S. [2]). Genauer gesagt, hier sind drucktechnisch andere Wege beschrit-
ten worden, und zwar insofern, als der Inhalt bei allen diesen frühen
Partituren zwar gleich ist, wenn auch nicht ganz zeichengetreu gleich,
darüber hinaus aber überraschenderweise in zwei unterschiedlichen Druck-
satzformen vorliegt: auf der einen Seite die fünf frühen Dirigierparti-
turen, auf der anderen die ebenso frühen Taschenpartituren. Und hier ist
zu ergänzen, daß der Drucksatz der Dirigierpartitur dann auch in späte-
ren Taschenpartiturausgaben wiedergegeben ist (wobei auch hier wieder
eine vorsichtige Aussage gewählt werden sollte: spätestens ist das so im
Druck November 1951, ebenso im Druck Januar 1953 und, soweit bis jetzt
zu sehen, wohl durchgängig so bis zum 1966 erschienenen letzten Druck
dieser Editionslinie, siehe dazu weiter oben; zum Vergleich der beiden
Drucklegungen siehe insbesondere die detaillierten Ausführungen zur
Seite [2] der alten Partituren andernorts).
   Wenn sich jetzt den Titelseiten - und soweit verfügbar - auch den
Deckblättern (dem Einband also) die Aufmerksamkeit zuwendet, so zeigt
sich, daß nach den vorliegenden Dokumenten bezüglich dieser beiden Ele-
mente bei den frühen Dirigierpartituren auf der einen Seite und den
frühen Taschenpartituren auf der anderen Seite von Druck- oder Layout-
Gemeinsamkeiten endgültig keine Rede mehr sein kann.
   Vor den Ausführungen dazu muß aber darauf hingewiesen werden, daß zur
Sacre-Taschenausgabe, "No. 638" der HAWKES POCKET SCORES, in früheren
Beschreibungen und Erörterungen schon etliche gestalterische und edito-
rische Einzelheiten genannt sind, so daß sich der Blick nun etwas mehr
auf die Dirigierpartituren richtet, was aber nicht heißt, daß darin eine
Abwertung der Bedeutung der Taschenpartituren versteckt ist, denn es
besteht kein Zweifel, daß beispielsweise die gegebene besondere Noten-
textsachlage in der alten Taschenpartituredition (einst öffentliches,
aber doch klammheimliches Medium der Korrekturdurchführung) und deren
(scheinbare) Eigenentwicklung nicht aus dem historischen Blickwinkel
geraten dürfen.
   Die Aufschriften auf dem vorderem Deckblatt und auf der Titelseite
(S. [1]) der Dirigierpartituren sind in einer durchaus ungewöhnlichen
Schmuckschrift gesetzt, auf dem Deckblatt alles in Kleinschrift, auf
der Titelseite die Angaben zu Autor, Untertitel und Notenart kursiv.
Alles ist passend, selbst für die kursive Variante ist als Modell die
gerade Mastertype verwendet worden, nur eben kursiv. Im krassen Gegen-
satz dazu wurde für die Gestaltung des Deckblatts und Titelseite der
Taschenpartituren eine sehr nüchterne, gänzlich serifenlose Antiqua
gewählt {*1}.

   {*1} Auch auf dem hinteren Deckblatt besteht zwischen Dirigier- und
   Taschenpartitur der beschriebene Schriftenunterschied und zwar be-
   trifft dies die Annoncen No. 453 (Dirigierpartitur) und No. 520
   (Taschenpartitur), zu ihnen siehe die Extrakapitel andernorts.
   Ergänzt sei, daß auf der Anzeige No. 520 nur ein Teil der Beschrif-
   tung in der genannten Schmuckschrift gesetzt ist, und zwar in
   größeren Typen: Komponistenname, Boosey & Hawkes-Adresse usw.; für
   die Teile Werkliste, Ortezeile und Annoncenkennzeichnung wurde
   eine kleine Schrift gewählt, es mußte dies um der Lesbarkeit willen
   eine andere Art sein, aber zur Schmuckschrift paßt sie dennoch.

   Ein anderer wichtiger Unterschied zwischen Dirigier- und Taschenpar-
titur fällt bei einem ersten Blick vielleicht nicht so auf: Das Deck-
blatt der großen Partitur ist französisch gehalten (detaillierte Be-
sprechung später), doch auf der Titelseite vernachlässigte man diese
weise Tugend, sie ist zweisprachig gestaltet: französisch, englisch.
Hierbei ist "Le Sacre du Printemps" in vergrößertem Fettdruck hervorge-
hoben, "The Rite of Spring" steht verkleinert nach, und so ist im Prin-
zip auch beim Untertitel und der Notenformatangabe verfahren worden:
die französische Fassung ist im Vordergund, das heißt, sie steht voran,
z.B.:

                      Partition · Full Score

   Dagegen ist die Titelgebung der Taschenpartitur nicht nur auf dem
Deckblatt, sondern auch auf der Titelseite "nur" in der Originalfassung,
also auf französisch wiedergegeben. "Strawinsky" wurde im Übrigen in
allen Fallen mit "w" gesetzt, ob Dirigier- oder Taschenpartitur, ob
Titelseite oder Einbandbseiten.
   Somit hinterläßt die Taschenpartiturtitelseite mit ihrer rein fran-
zösischen Titelgebung fürs erste den Eindruck einer älteren Drucklegung,
doch soll bei der Beurteilung der offenkundig verwickelten Sachlage hier
nicht zu sehr vorgegriffen werden. Eines aber muß hier doch schon einge-
fügt werden, damit die Begrenzung der Suche rechtzeitig deutlich wird,
es wird sich der Versuch, zumindest der spätestmöglichen Erscheinungs-
datierung auf die Spur zu kommen, so geheimnisvoll nicht gestalten:
   Sehr wichtig ist nämlich auf der Titelseite der druckkorrigierten
"Bernsteinschen Partitur" Nr. 2341 der Erwerbungshinweis des Dirigenten.
Er ist oben zitiert und besagt, daß der Dirigent die Partitur von Kous-
sewitzky 1950 oder vielleicht ein oder zwei Jahre davor erhalten habe.
1950 kann dieser Hinweis nicht geschrieben worden sein, das darf man
doch wohl u.a. auch von der Unsicherheit beim Datieren ableiten. Zu weit
ginge nun aber sicherlich ebenso, an der augenscheinlich aus der Erinne-
rung heraus angegebenen Zeitspanne 1948 bis 1950 überstrenge Zweifel
anzumelden. Es sprechen vielmehr etliche Details FÜR deren Triftigkeit -
und bislang keine dagegen. Es ist sogar so: Bernsteins Angabe trägt bei
den Datierungsbemühungen ganz wesentlich zur zeitlichen Richtungssuche
bei, ja darüber hinaus entsteht durch sie sogar eine gewisse Grundsi-
cherheit.
   Denn klar ist doch: Wenn schon die korrigierte Partitur spätestens
1950 greifbar gewesen sein sollte, dann dürften Datierungversuche zur
unkorrigierten "Fassung" nicht partout einen späteren Termin herbeizau-
bern wollen, es sei denn, es träte zu Tage, daß in dem ganzen Erschei-
nungsprozedere eine Irrationalität steckt (was natürlich nicht auszu-
schließen ist). Zunächst aber wird mit der Beschreibung und Einordnung
äußerer Elememte unverdrossen fortgefahren, und das geht am besten, wenn
zunächst bezüglich der Dirigierpartitur ein abgerundetes Bild besteht:
   Es wurde darauf hingewiesen, daß die gedruckte Beschriftung der Ti-
telseite (S. [1]) und der beiden Einbanddeckblätter des Handelsexemplar
für die geraden Schriftzüge einerseits und für die kursiven andererseits
zwar unterschiedliche Drucktypen, aber eben doch jeweils der gleichen
Art, der gleichen Graphik verwendet worden waren. Und nach bisherigen
Kenntnisstand scheint dieses Letternmodell eine eher seltene, wenn nicht
sogar ausgefallene Type zu sein. Interessant ist dabei nun ganz beson-
ders, daß auf dem Deckblatt alle Schriftzüge aus durchgehender Klein-
schrift bestehen, wobei derlei verbreiteter Auffassung nach bei Buch-
titeln, Titelseiten und ähnlichen Gestaltungsmöglichkeiten eigentlich
eher mit einer etwa um fünf oder zehn Jahre jüngeren Zeit verbunden wer-
den. Hier liegt in der Tat ein Moment der Irritation vor.
   Doch, wie gesagt, Bernsteins Datierungsversuch und, wie nachfolgend
ausgeführt, weitere Indizien legen dagegen sehr nahe, hinsichtlich des
Partiturdrucks oder der Layout-Erstellung des vorliegenden Einbands von
einer derart späten Datierungseinschätzung Abstand zu nehmen. Übrigens
wird für die Datierung des frühen Boosey & Hawkes-Klavierauszugs, er
entstand 1952, genau diese Diskussion ebenfalls sehr fruchtbar sein (ge-
sonderte Ausführungen siehe andernots).
   Die vereinfachte (collagierte = zusammengestauchte) Abschrift des
Deckblatts des Handelsexemplars lautet (siehe auch die Abbildung):

                         igor strawinsky

                             le sacre
                           du printemps

                             partition

            édition russe de musique · boosey & hawkes

   Nicht zu übersehen ist dabei, daß die Gestaltung des Deckblatts von
den Partituren des Russischen Musikverlags abgeleitet ist. Das kursive,
also betonte, "partition" zum Beispiel ist deutlich eine Übernahme,
auf dem Original heißt es "PARTITION D'ORCHESTRE" (siehe die Abbildun-
gen). Zudem ist die noch sehr enge Bezogenheit auf den RMV nicht nur
durch die Anführung des Verlagsnamens auf dem Deckblatt deutlich ge-
macht, sondern ganz besonders auch durch die ausführliche Nennung auf
der Titelseite und dem hinteren Einbandblatt, dazu noch mit dem Verweis
auf die einstigen Inhaber, "(S. et N. Koussewitzky)", versehen. Ein
Rückbezug kann kaum betonter sein. Man beachte dabei das die Referenz
besonders verdeutlichende Indiz: Gemeint ist nicht wie in "Strawinsky"
das "w" statt "v", sondern das erstaunliche französische "et".
   Außerdem kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als solle die
Vorstellung der Installation einer Reihe, vielleicht sogar eines Filial-
verlags vermittelt werden. Jedenfalls würde für den letzteren Fall der
Hinweis "Printed by arrangement, Boosey & Hawkes, Inc., New York,
U.S.A." im Copyright-Block auf der ersten Notenseite (S. 3) gut dazu
passen (beachte: dieser Hinweis unterliegt später, wie der ganze Copy-
right-Block auch, entscheidenden Änderungen, siehe die Ausführungen an
anderem Ort).
   In den alten Sacre-Taschenpartituren kommt eine solche (prononcierte)
Erwähnung des RMV auf dem Deckblatt und der Titelseite erstaunlicher-
weise nicht vor, der einzige Bezug ist der nüchterne Copyright-Nachweis,
"Copyright 1921 by Édition Russe de Musique (Russischer Musikverlag) for
all countries.", er bildet übrigens im oben genannten Copyright-Block
auf der ersten Notenseite die erste Zeile und diese Seite ist bei allen
frühen Partituren, ob Dirigier- oder Taschenformat, identisch (bis auf
eine Kleinigkeit: PREMIERE - PREMIÈRE, siehe oben). Der Vollständigkeit
noch ein Wort zur Annonce No. 520 auf dem hinteren Deckblatt: Hier ist
selbstverständlich kein Hinweis auf den RMV abgedruckt, er hätte bei
einer solchen ausgeweiteten Auflistung von Hawkes Pocket Scores nur um-
ständlich eingebaut werden können (Strawinsky ist in der Auflistung
ohne nicht genannt).
   Angesichts dieser ins Auge springenden Angaben zur früheren Inhaber-
firma der Sacre-Partitur möchte man nun vielleicht dazu neigen, im Rah-
men der zur Debatte stehenden Veröffentlichungschronologie nicht die
Taschenpartitur, sondern die Dirigierpartitur, und wenn auch nur der
Tendenz nach, als das frühere Produkt einzustufen, doch, wie schon oben
vorgewarnt, auch das wäre voreilig, denn dem kommt das Bestimmungsele-
ment Verlagsorte sehr in die Quere und wie gleich anzudeuten versucht
wird, haben diese Ortsangaben bzw. deren Zusammenstellungen eine nicht
zu unterschätzende Gewichtigkeit.
   Wie gerade gesagt und schon des öfteren angesprochen, kann die Zeile
mit den Verlagsorten {*1} bei Datierungsarbeiten sehr hilfreich sein.
Denn aus wirtschaftlichen Interessen heraus unterliegt sie einem gewis-
sen Aktualitätsdruck. Doch gehört einige Erfahrung dazu, ihre Datie-
rungshilfestellung richtig, das heißt vor allem auch, vorsichtig zu
deuten, und diese Deutung ist immer nur in der Zusammenschau mit ande-
ren Datierungselementen vorzunehmen. Denn die Zusammenstellung der Orte-
angaben und deren Einsatz (Verwendung) folgen aller Aktualitätsanstre-
bung zum Trotz keinen allzu strengen Verfahrensregeln. Auch kommen feh-
lerhafte, unvollständige Anpassungen, bloß scheinbar grundsätzliche
Änderungen, aber auch unangepaßte Weiter- und Wiederverwendungen vor.
Mit anderen Worten: Die Auswertung bedarf gehöriger sachlicher Kenntnis-
se und auch Flexibilität - und vor allen eines darf man nicht zu bemän-
teln versuchen: Verschätzungen sind einzukalkulieren, das aber sollte
bei diesem Hilfsmittel niemanden überraschen.

   {*1} Die Zeile mit den Ortsangaben kommt auch "gesplittet" vor und
   zwar in dem Sinn, daß z.B. zunächst Boosey & Hawkes mit London als
   Logo zentriert an den Anfang gesetzt ist, dem folgen dann in der
   nachfolgenden Zeile bzw. nach der Zeile mit "Ltd." ("Limited" oder
   ähnlich) die weiteren Orte. In dieser Erörterung werden solche Vari-
   anten je nach Informationswichtigkeit gesondert oder nicht gesondert
   vermerkt; auch wird hier oft der Einfachheit halber mit Begriffen
   wie "Ortsangaben", "Ortsangabenzeile" oder "Ortezeile" gearbeitet
   und es ist unter Umständen die Wiedergabe, also die Zitierweise,
   vereinfacht (also keine Unterscheidung in gerade, kursiv, ohne oder
   mit Mittelpunkt usw. vermerkt), doch eingehalten wird immer die
   grundlegende Anordnung, das heißt: die Reihenfolge der Orte.
   Es sei noch vermerkt, daß der übliche Bibliotheksbegriff für eine
   in einem Buch angegebene Anzahl von Ortsangaben unter dem Begriff
   "Verlagsorte" erfaßt wird. Hier wird in Anlehnung an "Zeile der Ver-
   lagesorte" der Kürze wegen sehr oft "Ortezeile" verwendet.

   Eine Vorausbemerkung: Angesichts des bisher Gesagten ist natürlich
die Zusammenstellung und Entwicklung der Ortsangaben in der direkten
Nachkriegszeit von besonderem Interesse, das heißt aber nicht, daß
dieses Element für die Datierung späterer Drucke von geringerer Bedeu-
tung wäre, ganz im Gegenteil, auch bei der Datierung von Drucken spä-
terer Jahrzehnte ist es ein unersetzliches Datierungsmittel. Somit ist
also das eigentliche Ziel für das Einsammln von Ortezusammenstellungen,
einen Überblick zum chronologischen Ablauf zu erreichen, wobei zu hof-
fen ist, daß die mühsam zusammengesuchten Unterlagen (Noten, Kataloge,
Annoncen usw.) wirklich zu einem Umriß der Abfolge beitragen, der ge-
nügend aussagekräftig ist, das heißt, als zeitliches Vergleichsinstru-
ment tragfähige Aussagen liefert - und nicht zu liefern scheint.
   Im schon zuvor erwähnten Boosey & Hawkes Music Catalogue 1944 (2 Bän-
de, 1945 erstellt, aufgrund der Nachkriegslage vermutlich erst im Jahr
1946 erschienen, siehe unten) sieht die Stelle mit den Verlagsorten wie
nachfolgend wiedergegeben aus, wobei in den beiden Bänden zusätzlich die
Adressen ausführlich mit abgedruckt sind:

                       B O O S E Y  &  H A W K E S
             LONDON · NEW YORK · SYDNEY · TORONTO · CAPE TOWN

      Wie zu sehen, "fehlt" das später so übliche Paris. Man kann sich
aber leicht vorstellen, warum es fehlt. Es ist zwar derzeit nichts be-
kannt über die sicherlich schwierige Situation während der Okkupation,
Juni 1940 bis August 1944, doch war es wahrscheinlich so, daß in dieser
Zeit, ganz abgesehen von den Belieferungsschwierigkeiten, eine Vertre-
tung aus dem feindlichen Ausland eher unerwünscht war oder zumindest
unter strenger, rigider Aufsicht stand - denn an Umsätzen und Devisen
war der nationalsozialistische Besatzerstaat ja eigentlich nicht un-
interessiert - so daß eine Filialangabe kaum oder keinen Sinn machte.
   Ein Nachtrag für Band 1, das Jahr 1945 umfassend, offensichtlich 1946
erstellt und wohl auch in diesem Jahr gedruckt, liegt dem zur Verfügung
stehenden Band 1 der obigen Ausgabe bei, und zwar in einer mit eingebun-
denen Beilagentasche. Ergänzt wurde nun in dem Ortenachweis die Nieder-
lassung Paris. Die Ortezusammenstellung im Nachtrag lautet also:

                       B O O S E Y  &  H A W K E S
       LONDON · NEW YORK · SYDNEY · TORONTO · CAPE TOWN · PARIS

   Diese Ortezusammenstellung mit Paris ist das Grundmuster für die
Jahre 1946 und 1947. Im nächsten Jahr (1948) kommt Los Angeles hin-
zu, überwiegend an dritter Stelle; ein Ortsangabenprototyp, mit dem
zahlreiche Notenausgaben (Partituren), Anzeigen und Werkübersichten aus-
gestattet sind, so auch die Titelseite (S. [1]) der frühen Sacre-Ta-
schenpartituren (sowohl Typ A wie auch B):

 LONDON · NEW YORK · LOS ANGELES · SYDNEY · CAPE TOWN · TORONTO · PARIS

   1949 treten Chicago und Buenos Aires hinzu, wobei Chicago auch ent-
fallen kann, wie übrigens auch Los Angeles. Eine Rolle spielen hierbei
wohl Platzgründe. Ende 1949 kommt es zu einer für Datierungsarbeiten an
Nachkriegsdrucken sehr wichtigen Ergänzung: Bonn, die gerade erst im
Aufbau begriffene deutsche Vertretung wird hinzugefügt. Zunächst steht
Bonn in der Liste der Ortsnamen an letzter Stelle, doch schon Anfang der
1950er Jahre wird der deutschen Niederlassung in der Ortshierarchie oft
die dritte Stelle eingeräumt: London, New York, Bonn usw.

   Identifikationstabelle: Ortsangaben, ab der Nachkriegszeit, in
                           Taschen-, Studien- und Dirigierpartituren

   a) Ortsangaben in der direkten Nachkriegszeit

   erg. = ergänzt

   Grundstruktur 1945/1946: London, New York, Sydney, Toronto, Capetown
                            (oder: Cape Town)

   1945/1946 ohne Paris
        1947 erg. Paris
        1948 erg. Los Angeles, Paris
        1949 erg. Chicago, Los Angeles, Paris, Buenos Aires
   Ende 1949 erg. Chicago, Los Angeles, Paris, Buenos Aires, Bonn
        1950 Bonn eingereiht (sehr oft an dritter Stelle) {*1}

   {*1} Beachte: Die Reihenfolge der Ortsangaben ist nicht fix, sie kann
        nach "London" durchaus wechseln, insbesondere ab 1949.

   b) Beispielsammlung: Sacre-Taschenpartitur, The Masterpiece Library-
      Sacre-Studienpartitur von 1997

   Abkürzungen, Zeichen

   +           =  Gedruckt nach dem hier angegebenen Jahr
   /n          =  Druck im angegebenen Jahr oder eher kurz danach (hier:
                  um 1988)
   /n+         =  Druck im angegebenen Jahr oder eher etwa zwei oder
                  drei danach (hier: um 1990) 
   (4/87)      =  Annonce mit der Datierung 4/87 (siehe spezielle Auf-
                  listung des Annoncen-Abdrucks)
   ±           =  circa (ca.)
   E4/H P S    =  Hawkes Pocket Scores-Anzeige auf dem Umschlag und zwar
                  auf der letzten Einbandseite (Einbandseite 4)
   E4/IS       =  Anzeige "Igor Stravinsky" (bei Boosey & Hawkes ver-
                  legte Werke) auf der Einbandseite 4
   TS          =  Titelseite (Ortsangaben auf der Titelseite)
   [140]/H P S =  Anzeige auf der Rückseite der letzten Notenseite (be-
                  trifft nur Drucke der ersten Boosey & Hawkes-Edition-
                  Linie)

   Beachte: Das originale Design-Bild, gestaltet mit Mittelpunkten, Kur-
            siv-Lettern usw., wurde in dieser Aufstellung der Übersicht-
            lichkeit wegen nicht übernommen.

   Druck   Stelle     Ortezusammenstellung (original ohne Zeilenumbruch)

   1948    TS         London, New York, Los Angeles, Sydney, Cape Town,
                      Toronto, Paris

           E4/H P S   London, New York, Chicago, Los Angeles, Toronto,
                      Buenos Aires, Capetown, Sydney, Paris

   1951    TS         London, New York, Toronto, Sydney, Capetown,
                      Paris, Bonn

          [140]/H P S Wie 1948:
                      London, New York, Chicago, Los Angeles, Toronto,
                      Buenos Aires, Capetown, Sydney, Paris

           E4/H P S   London, New York, Toronto, Sydney, Capetown,
                      Buenos Aires, Paris, Bonn

   1953    TS         Wie 1951:
                      London, New York, Toronto, Sydney, Capetown,
                      Paris, Bonn

          [140]/H P S London, New York, Toronto, Sydney, Capetown,
                      Buenos Aires, Paris, Bonn

           E4/H P S   Wie 1951:
                      London, New York, Toronto, Sydney, Capetown,
                      Buenos Aires, Paris, Bonn

   1956    TS         London, Paris, Bonn, Capetown, Sydney, Toronto,
                      Buenos Aires, New York

          [140]/H P S London, Paris, Bonn, Capetown, Sydney, Toronto,
                      New York

           E4/H P S   Paris, Bonn, Capetown, Sydney, Toronto, Buenos
                      Aires, New York ("London" ist in der vorangesetz-
                      ten Boosey & Hawkes-Adresse vorhanden, demnach
                      sind die Orteangaben praktisch analog zu denjeni-
                      gen auf der Titelseite)
 
   1960    TS         London, Paris, Bonn, Johannesburg, Sydney,
                      Toronto, Buenos Aires, New York

   1962    TS         London, Paris, Bonn, Johannesburg, Sydney,
                      Toronto, New York {*1}

   1963    TS         dito

   1964    TS         dito

   1965    TS         dito

   1966    TS         dito

           E4/H P S   dito (aber: "London" ist in der Logo-Adresse vor-
                      handen, Fortsetzung der Ortszeile: Paris ff. wie
                      zuvor)

   1968    TS         wie 1966 (bzw. 1962) {*1}

   1987/n  TS         dito {*1} {*2]
   (4/87)

   1987/n+ TS         London, New York, Bonn, Gothenburg, Sydney,
   (4/87)             Tokyo, Toronto

   1990+   TS         London, New York, Bonn, Sydney, Tokyo,
                      Toronto {*3}
 
   1997    TS         London, New York, Berlin, Sydney {*4}

   {*1} Von spätestens 1962 bis 1987/n (4/87) immer die gleiche Orte-
        zusammenstellung.

   {*2} Zu den Drucken 1987/n, 1987/n+ und 1990+ siehe spätere Aus-
        führungen mit detaillierten Tabellen.

   {*3} Die Existenz eines solchen Taschenpartiturdrucks ist eine von
        einer Leihdirigierpartitur abgeleitete Mutmaßung, er müßte zwi-
        schen 1990/91 und 1997 erschienen sein (siehe spätere Ausfüh-
        rungen).

   {*4} The Masterworks Library-Sacre-Partitur von 1997; diese Zusam-
        menstellung nur in der ersten und mutmaßlich zweiten Auflage
        (2000); spätere Auflagen (Drucke) ohne Ortezeile, sie enthalten
        nur noch das Boosey & Hawkes-Logo samt der Firmenbezeichnung
        Boosey & Hawkes Music Publishers Ltd und dazu die Web-Adresse
        www.boosey.com (zur Serie "The Masterworks Library" siehe ge-
        sondertes Kapitel).

   c) Beispielsammlung: Dirigierpartitur (Handelsexemplar)

   Zu Abkürzungen usw. siehe oben

   1948   TS          London, New York, Sydney, Toronto, Cape Town,
                      Paris, Buenos Aires {*1}

          E4/IS       dito {*2}

   1965   TS          London, Paris, Bonn, Johannesburg, Sydney,
                      Toronto, New York {*3} {*4}

   1967   TS          dito {*5}

   1988±  TS          dito

   1992±  TS          London, New York, Bonn, Sydney, Tokyo
 
   {*1} Zeile zum Beispiel der drei im Internet einsehbaren "Bernstein-
        Partituren" und auch der "Feldbrill-Partitur" (diese ist ein
        Handelsexemplar mit der originalen 7seitigen Korrekturliste als
        Beilage, siehe unter Feldbrill).

   {*2} So auf der Einbandseite 4 der "Feldbrill-Partitur" (siehe Fuß-
        note 1).

   {*3} Partitur "Reprinted with corrections 1965"

   {*4} Ortezusammenstellung bis Ende der 1980er Jahre identisch mit
        derjeingen der Taschenpartituren von spätestens 1963 bis eben-
        falls Ende der 1980er Jahre.

   {*5} New edition 1967

   Nach der Darstellung der Grundlagen können nun zwei entscheidende
Problembündel angegangen werden.
   Das erste betrifft die Annonce No. 520 auf dem hinteren Einbanddeckel
der Taschenpartituren Typ A1 und A2, und zwar in der Fassung dieser Zeit
(es gibt auch leicht veränderte Abdrucke, siehe andernorts; an Parti-
turen des Typs B ist bislang nur ein Exemplar ohne Annonce und ein
Bibliotheksexemplar ohne originalen Einband bekannt). Die Datierung auf
A1 ist ungewiß (siehe die bereits geführte Diskussion), die Datierung
auf A2 lautet: 1.49. Beide Annoncen sind inhaltlich deckungsgleich, sie
haben die folgende Ortsangabenzeile (auf der Partitur ohne Zeilenbruch):

   London · New York · Chicago · Los Angeles · Toronto · Buenos Aires ·
   Capetown · Sydney · Paris

   Die Anzeige No. 520 mit der Datierung 1.49 wurde ohne jede Änderung
häufig verwendet, sogar, obwohl "Bonn" in der Orteliste nicht vorkommt,
noch NACH der Eröffnung der Bonner Niederlassung, so z.B. in der Ta-
schenausgabe der Nouvelle 1949 Version des Strawinskyschen Divertimento
auf Seite [102], das ist die Verso-Seite des dem Notentext folgenden,
eingefügten Reklameblatts. Der Partiturdruck trägt das Copyright-Jahr
1950 für die "Revised version", der Druckvermerk des eingesehenen Exemp-
lars, das vermutlich der Erstauflage angehört, lautet: 7·51.
   Im Januar 1949 existierte diese Anzeige also schon, und es gibt Anlaß
zu vermuten, daß sie etwas älter ist (siehe die Diskussion weiter oben).
Dies würde, falls die Ortsangabenzeile schon vorher existierte, in der
oben dargestellten Beschreibung und Auflistung den Posten "1949" vorda-
tieren, vielleicht zu einem Posten "Ende 1948/1949". In diesem Fall hät-
te also eine Annonce eine Umdatierung erfahren. Das wäre nichts Unmög-
liches, denn zum einen ist diese Anzeige der Art nach schon erheblich
älter (die bislang älteste vorgefundene Datierung stammt mutmaßlich von
1943) und in dieser Zeitspanne bis etwa 1949 erfuhr sie etliche Reper-
toireänderungen. Selbstverständlich hatten demgemäß frühere Fassungen
auch frühere Ortsangabenzeilen (zur Diskussion siehe frühere Ausfüh-
rung).
   Gegen eine Datierung der Titelseite der frühen Taschenpartituren ins
Jahr 1948 sprichts nichts, auf jeden Fall nicht die oben wiedergegebene
Ortezeile. Das Layout von Titelseiten wird im Übrigen häufig unverändert
beibehalten oder nur minimal geändert.
   An dieser Stelle sei das Beispiel eines Werks eingefügt, dessen Par-
titurdruckentwicklung in manchen Punkten an den Sacre-Fall erinnert. Es
ist allerdings diesmal ein "originäres" Boosey & Hawkes-Werk, ein Werk,
das in diesem Verlag erstveröffentlicht wurde: Concerto en ré pour Or-
chestre à Cordes (Taschenpartiturausgabe, No. 626). Wahrscheinlich läßt
sich gerade an diesem Werk die Datierungsunterstützung der Ortsangaben
grifflich kurz und bündig verdeutlichen.
   Vorausgeschickt werden muß zunächst, daß die Dirigierpartiturerstaus-
gabe des mit dem Copyright 1947 versehenen Werks (Erstdruck: Februar
1948, Ausgabe mit 32 Seiten) wie im Sacre-Fall - hier aber überraschen-
derweise (siehe andernorts) - noch Gestaltungselemente aufweist, die
nach Frankreich deuten (u.a. "Partition" auf der Titelseite, Dauerangabe
auf französisch und englisch). Die Ortezeile entspricht dem zeitlich in-
sofern, als sie nicht ins Jahr des Copyrights (1947) gehört, sondern ins
Jahr des Stich- bzw. Druckvermerks (1948). Auch hier hat die Titelseite
der frühen Taschenpartituren eine andere (neuere) Gestaltung. Der mut-
maßlich erste Druck weist keinen Druckvermerk auf, wurde aber im Früh-
jahr (spätestens Mitte) 1948, erstellt, wohl kaum später, auf jeden Fall
sind Chicago, Los Angeles, Buenos Aires oder gar Bonn noch nicht ergänzt
worden (zu dieser Diskussion siehe frühere Ausführung). Anders bei der
revidierten Ausgabe (Copyright wie die beiden frühen Ausgaben, Druckver-
merk aber 7·53, nun 34 [sic] Seiten), die Ortezeile enthält jetzt
"Bonn", außerdem ist auf der Titelseite das ursprünglich dem Titel nach-
gesetzte "(1946)" durch "(Edition Revisée)" ersetzt worden, am übrigen
Design wurde aber sonst nichts verändert (allerdings: aus dem ursprüng-
lich richtigen "À CORDES" wurde ein "Á CORDES"). 
   Nach diesem Beispiel einer Veröffentlichungsentwicklung wieder zurück
zu der der frühen Sacre-Taschenpartitur. Hier unterstützt die ins Jahr
1948 datierbare Ortezeile die Annahme, daß der ERSTDRUCK der Verkleine-
rung des Dirigierpartiturnotentexts, schon im Jahr 1948 erschien. In dem
Jahr also, auf das auch der Stich- und Druckvermerk hindeutet. Als Erst-
druck wäre hierbei die Taschenpartitur A1 gemeint. A2 hingegen kann,
wenn keine Vordatierung oder falsche Datierung der Annonce im Spiel ist,
eigentlich nicht vor Januar 1949 erschienen sein, wobei die Annonce
schon eine neuere Ortezeile auswiese, die Titelseite hingegen noch die-
jenige von 1948.
   Das zweite Problembündel umfaßt die Titelseite der fünf bisher ein-
gesehenen frühen Dirigierpartituren (das sind die drei "Bernstein-Par-
tituren" und zwei sogenannte Handelsexemplare dieser 1948er Edition),
außerdem gehört dazu die Annonce auf den glücklicherweise erhalten ge-
bliebenen hinteren Einbanddeckeln der Handelsexemplare (No. 453, sie
hat keine Datierung). Sowohl auf den Titelseiten (die bei den fünf Diri-
gierpartituren bis in alle Einzelheiten identisch sind) als auch auf
der Annonce ist die nachfolgend wiedergegebene Ortezeile abgedruckt
(ohne Zeilenbruch, in der Annonce kursiv):

   London · New York · Sydney · Toronto · Cape Town · Paris · Buenos
   Aires

   Was fällt hier auf? Es fällt auf, daß Bonn (noch) nicht genannt ist,
außerdem fehlen Chicago und Los Angeles; diese beiden sind, das läßt
sich begründbar mutmaßen, wohl aus Platzgründen entfallen. Wie dem auch
sei, somit käme nach den oben beschriebenen Datierungsmerkmalen das Jahr
1949 in Betracht. Auch Ende 1948 wäre möglich, aber nach den gegenwärtig
vorliegenden Dokumenten geurteilt, ist für diese Datierungsvariante die
genannte Zusammenstellung der Orte eher untypisch. Auch spricht die
weitgehend zweisprachige Anlage der Titelgebung auf der Titelseite eher
dafür, daß diese Seite der hier in der Prüfung befindlichen Dirigierpar-
tituren gegenüber derjenigen der frühen Taschenpartituren eine spätere
Textgestaltung aufweist. Danach wäre die Dirigierpartitur, eine überra-
schende Lesart, nach der Taschenpartitur (erst)erschienen bzw. für den
Druck fertiggestellt worden.
   Wie gesagt, in dieser Datierungsangelegenheit muß sehr sachte vorge-
gangen werden. Daß das nicht vorsichtig genug sein kann, wird nachfol-
gend bei den Besprechungen der "Weisman-Taschenpartitur" und der Anzeige
No. 453 deutlich.

"Weisman-Taschenpartitur": 1965 oder 1956?

   Nachdem nun sehr viel über die Ortezusammenstellung und ihre Bedeu-
tung für die Datierung, aber auch über die Unsicherheiten dabei, gesagt
wurde, nun ein kurzer Blick auf eine Taschenpartitur, die von etwa
November 2017 bis Mitte Januar 2018 auf den buchantiquarischen Portalen
Abebooks und ZVAB zu einem extrem hohen Preis angeboten worden wurde.
   Gleich vorweg: Bei der Suche nach einer identifikatorischen Einrei-
hung dürfte vor allem die Vermutung, es läge ein Zahlendreher vor, es
müßte 1956 statt 1965 heißen, eine gewichtige Rolle spielen. Allerdings:
Die Datierung für die Partitur, "1965", ist auf jeden Fall falsch.
   Bei dem Anbieter handelte es sich um das englische Nobelantiquariat
Peter Harrington, London, "Vereinigtes Königreich" wird nicht vergessen
betont anzugeben und dazu auch, daß es ein "ABA member" sei (Abebooks-
Kundenbewertung nebenbei: 5 Sterne).
   Außer auf Abebooks und ZVAB war das Angebot auch auf der eigenen Web-
Seite erschienen. Es wird nachfolgend, abgesehen vom hier nur auszugs-
weise wiedergegebenen Anfangsteil, komplett zitiert (als Kopiervorlage
diente die deutsche Abebooks-Darstellung, Ergänzungen bzw. Kommentare
dieses Verf. in []):

   The Rite of Spring. Pictures from pagan Russia in two parts.
   STRAVINSKY, Igor [sic, "v"]. 
   Verlag: London: Boosey & Hawkes, 1965 (1965)
   Gebraucht[.] Signiert[.]
   Preis: EUR 1.450,27
   Versand: EUR 11,26 (Von Vereinigtes Königreich nach Deutschland)

   "Beschreibung: London: Boosey & Hawkes, 1965, 1965.
   Octavo. Original brown [?] wrappers, title to spine
   and front wrapper in green [no advertisement on rear
   wrapper?]. Wrappers a little toned, a little loss to
   lower tip of rear wrapper.
   An excellent copy. Inscribed by the composer on the
   title page 'To Harold Weisman, with my best wishes,
   Igor Stravinsky L.A. 1968'.
   The Rite of Spring premiered at the Théâtre des Champs-
   Elysées on 29 May 1913 with stage designs and costumes
   by Nicholas Roerich. Notoriously, this ballet 'created
   a sensation at its production in Paris by its deliberate
   primitiveness and uncouthness of rhythm and orchestral
   colour'. The full orchestral score was first published
   in 1921, following the publication of the four-hand piano
   arrang[e]ment in 1913.
   The introductory page [p. [2]] is comprised of French and
   English parallel texts whilst the printed heading to the
   score [page 1] is in French and Russian [no, Russian first].
   This edition is the reissue [no, is a reissue] of Boosey
   and Hawke's [sic] 1948 edition, number 638 of the
   Hawke's [sic] Pocket Scores series by Boosey & Hawkes.
   Grove's Dictionary of Music and Musicians vol. 5, p. 168 [??]".

   Die Angaben zur Datierung, "1965 (1965)" und "1965, 1965", ließen im
Zusammenhang mit Strawinskys Datierung der Widmung auf 1968 aufhorchen,
allerdings nicht so sehr wegen der zu diesem Zeitpunkt wohl wahrschein-
lich schon existierenden neuen revidierten Fassung von 1967 (Ausgabe
der Taschenpartitur: 1968).
   "1965", das war es. Da aber für die Editionsforschung die mit der
korrigierten Dirigierpartitur von 1965 (= Edition "Reprinted with
corrections 1965") zeitlich korrespondierende Taschenpartitur vom Okto-
ber 1965 hier vorliegt (Aufstellung dazu siehe andernorts), war das
Interesse an einer Anfrage gedämpft, zumal der Anzeige keine Abbildungen
beigegeben waren. Als Erklärung diente die an sich naheliegende Vorstel-
lung, der Komponist habe eben 1968 eine Taschenpartitur des (fast) neu-
esten Stands verschenkt (der letzte Druck der prä-1967er Editionsära
erschien 1966).
   Doch wie aus heiterem Himmel wurde dann Mitte Januar 2018 das Inter-
net-Angebot mit Abbildungen des Frontblatts und der Titelseite ergänzt
- und die Überraschung war groß, denn nun war nach Lage der Dinge die
Datierung "1965" äußerst zweifelhaft geworden: Weder das Deckblatt noch
die Titelseite befinden sich auf der Layout-Stufe von 1965. Dies zeigen
nicht nur das "W" in STRAWINSKY und der Sitz der Bandnummer "No. 638"
an, sondern vor allem auf der Titelseite die Ortezeile der Niederlas-
sungen (im Original ohne Zeilenbruch, zur Chronologie von Ortsangaben
siehe andernorts):

   LONDON · PARIS · BONN · CAPETOWN · SYDNEY · TORONTO · BUENOS AIRES ·
   NEW YORK

   Es zeigte sich: Die gesamte Titelseite stimmt mit der hier vorliegen-
den Seite von 1956 überein, so daß die Frage wie von selbst aufkommt,
daß wohl in dem Angebot ein Zahlendreher im Spiel sein muß: 1965 statt
1956. Und außerdem liegt auch zusätzlich noch die Ausgabe vom Oktober
1965 vor und deren Deckblatt und Titelseite haben mit den nachgeliefer-
ten Abbildungen nichts zu tun. Auch sei der Vollständigkeit halber noch
erwähnt, daß die Ausgabe "4·56 L & B" auf dem hinteren Einbandblatt eine
Annonce aufweist (siehe Tabelle andernorts), in Harringtons Beschreibung
aber in Bezug auf die grüne Bedruckung für den "rear wrapper" eine Anga-
be eigenartigerweise nicht vorhanden ist.
   Eine Anfrage bei Harrington erübrigte sich dann aber sowieso bald,
weil das Angebot um den 20. Januar 2018 herum gelöscht worden war, somit
also sicherlich ein Verkauf vorlag (es sei erwähnt, daß erfahrungsgemäß
nachträgliche Auskunftsersuche bei Antiquariaten wenig erfolgverspre-
chend sind, ja, daß Anfragen an sich schon ein Einlassen auf strapazie-
rende Unterfangen bedeuten).
   Was liegt also eigentlich vor: Ein Verkauf einer Taschenpartitur,
deren Verkaufswert bei etwa 10 Euro anzusiedeln ist, dazu eine Widmung
mit einer Wertansetzung von rund 1400 und irgendetwas Euro, wobei übri-
gens nach der (allerdings qualitativ zu geringen) Abbildung eine ganz
korrekte Wiedergabe wahrscheinlich wie folgt lautet sollte: "To Harold
Weisman with my best wishes, IgorStrawinsky [/] L.A. [/] 1968" (Vor- und
Nachname zusammengezogen). Beachte: Strawinsky mit "w" oder "v"? Das "W"
in "Weisman" gleicht dem "w" in "Strawinsky" sehr auffällig. Auch
scheint für ein kleines "v" der Buchstabe allzugroß geraten zu sein,
falls er aber doch ein "v" ist, möchte man fast einen Ausgleich für das
"W" in "STRAWINSKY" vermuten wollen, eine ingesamt schillernde Persön-
lichkeitsnote also, die eine Unterschrift nun mal, welcher Art auch
immer, unbestreitbar liefert. 
   Im Übrigen ist sicherlich auszuschließen, daß der Komponist im Musik-
text Einzeichnungen oder Korrekturen notiert hatte, ein solches Faktum
wäre in der Annonce mit Sicherheit genannt worden und hätte sich auch
unweigerlich in einem noch stolzeren Preis ausgewirkt.
   Eine Frage bleibt aber trotzallem: Wieso verschenkt ein Komponist
einen so veralteten Druck? Souvenirgehabe, Marotte? Ja sicher, Stra-
winsky signierte ohne Unterlaß. Mehr noch: Er, der Bühnenkünstler, lebte
in der Dunstglocke geschichtlicher Größe, man sehe sich den Schriftzug
dieser Widmung von 1968 an: Der Abstrich des "y" reicht über das gesamte
untere Drittel der Seite, der Schwung führt sogar über den Rand hinaus,
man sieht und hört drei Jahre vor seinem Tod immer noch Zirkus- und
Jahrmarktelemente, die auf der Bühne Aufmerksamkeit auf sich ziehen
sollen (so in Stücken für die Balletts Russes, nicht z.B in der Ge-
schichte vom Soldaten).
   Nachtrag zur Kernbeschreibung Harringtons: Sie ist komplett - MIT den
Schreibfehlern - wiedergegeben auf viaLibri, Motto der Seite: Die größte
Suchmaschine der Welt für alte, seltene und vergriffene Bücher, https://
www.vialibri.net/years/items/36265782/1965-stravinsky-igor-the-rite-of-
spring-pictures-from; das beigegebene Foto des Deckblatts mit dem einge-
bauten Ausschnitt der Widmung aus der Titelseite hat Thumbnail-Format
und ist somit unbrauchbar, als Datierung der Übernhame wird 14.2.2018
angegeben, Quelle entdeckt am 28.6.2019).

              =====================================
              Abbildungen: Titelseite 1956, Widmung
              =====================================

Anzeige No. 453

   Die Anzeige "No. 453" ist auf der vierten Einbandseite der Sacre-Han-
delspartitur von 1948 abgdruckt - und sie ist in einer Notenausgabe des
Hauses Boosey & Hawkes die erste ganzseitige Strawinsky-Anzeige, einen
Datierungsvermerk hat sie nicht. Zudem ist sie die Vorgängerin der spä-
teren, überaus häufig anzutreffenden Anzeige No. 40 (neue Numerierungs-
serie), diese hat eine Datierung: "7.65".
   56 Ausgaben werden auf der No. 453 angezeigt: 54 unterschiedliche,
zwei doppelte ("Trois piéces pour quatuor à cordes" und "Octuor pour
instruments à vent" stehen sowohl unter "Musique de Chambre" als auch
unter "Partitions de poche"). Nach "Igor Strawinsky" (mit "w") folgen
die Werke in zwei Kolumnen, die Angaben (Titel, Besetzungsinformationen
usw.) sind nahezu vollständig auf französisch wiedergegeben. Ausnahmen
bilden nur einige wenige lateinische und russische Titel sowie Gattungs-
titel (z.B. Ave Maria, Credo, Pater Noster, Mavra, Oedipus Rex, Orpeus,
Capriccio, Divertimento). Die Einteilung ist systematisch, wobei auch
die Gruppentitel, und zwar ohne Ausnahme, auf französisch wiedergegeben
sind. Zum aufgelisteten Repertoire beachte man: Diese Annonce, die sach-
lich unausgesprochen quasi zweigeteilt ist, stellt keine vollständige
Liste der im Russischen Musikverlag erschienenen (und 1947 von Boosey &
Hawkes übernommenen) Werke dar. Im Mittelpunkt des einen Teils steht das
Klavier, es sind da angeführt: "Reine" Klavierwerke (Auszüge, Ausschnit-
te, vierhändige Ausgaben inbegriffen), desweiteren Werke für Klavier und
Orchester, Gesang mit Klavier (aber auch für Chor a cappella) und außer-
dem einige Werke für Kammermusikbesetzungen (darunter Duos mit Klavier).
Der zweite Teil umfaßt in der Abteilung  "Partitions de poche" die
stattliche Anzahl von 17 Taschenpartituren.
   Gänzlich unberücksichtigt geblieben sind Dirigierpartituren "großer"
Werke (Bühne, Orchester). Eine Auffälligkeit ist das zweifellos, doch
ein Umstand erstaunt viel mehr, er fällt vielleicht nicht sofort auf,
doch beim zweiten Blick wohl schon: Es fehlt jeglicher Hinweis auf Re-
visionen und das ist etwas, das auf jeden Fall nicht aus dem Blickwin-
kel geraten darf. Denn läßt diese Aufstellung eine Datierung zu?
   Von den drei "hauseigenen" Boosey & Hawkes-Werken der Jahre 1947 bis
1949, Concerto en ré pour orchestre à cordes, Orpheus und Mass, fehlt
die am 17. Oktober 1948 uraufgeführte Messe. Ihre Notenausgaben tragen
das Copyright-Jahr 1948: Klavierauszug (von Leopold Spinner, Platten-
nummer: B. & H. 16463), Stimmen (Plattenummer: B. & H. 16464), Partitur
(Plattennummer: B. &. H. 16501). Im Boosey & Hawkes Music Catalogue
1947/1948 (siehe später) taucht das Werk, in der Tat dem Copyright-Jahr
entsprechend, das heißt, chronologisch passend, im Nachtrag für das Jahr
1948 auf, angegeben sind - mit den jeweiligen Preisen - die Dirigier-
und die Miniaturpartitur sowie der Klavierauszug. Der Nachtrag ist auf
den März 1949 datiert, und man kann sicherlich davon ausgehen, daß auch
die veröffentlichung des Bläserstimmenmaterials bis spätestens Herbst
erfolgt sein muß, denn in der Zeitschrift The Musical Times vom Dezember
1949 wird auf eine Radioausstrahlung Bezug genommen (S. 440, Rubrik:
Round about Radio). Erinnert sei auch an das oben erwähnte Buch Whites
Stravinsky - A Critical Survey, und zwar daran, daß in dessen deutscher
Übersetzung, deren Vorwort auf März 1949 datiert ist, die Messe bespro-
chen wird.
   Das Concerto en ré pour orchestre à cordes ist im von 1945 bis 1947
reichenden Neuheitenteil des Music Catalogue 1947/1948 verzeichnet, als
"Concerto in D, for String Orchestra (1946)", sowohl unter Dirigier- als
auch unter Taschenpartituren. Dazu paßt zeitlich die Ankündigungsanzeige
der Dirigierpartitur des Concerto im Tempo-Heft Winter 1947-1948 (New
Series, Nr. 6, S. [29]). Und auch bei der Taschenpartitur, die in dieser
Zeitschrift im Frühjahr 1948 unter "recent additions" angezeigt wird
(Tempo, Spring 1948, New Series, Nr. 7, S. [24]), könnte die Angabe im
Katalog als tatsächliche Lieferbarkeitsangabe zu Recht bestehen, trotz-
dem ist naürlich auch möglich, daß es sich - rein theoretisch - um eine
Vorausanzeige handeln kann, ein Phänomen, das hier des öfteren angespro-
chen wird.
   Vom Orpheus ist in der Annonce No. 453 die Taschenpartitur und unter
"Partitions pour piano" der Klavierauszug angeführt. Und tatsächlich
findet sich dazu zeitnah im Tempo-Heft Sommer 1948 (New Series, Nr. 8,
Strawinsky Number, S. [2]) mit Preisen die Ankündigungsanzeige mit der
Dirigier- und der Taschenpartitur, selbst die Stimmen werden erwähnt
("Score and Parts on Hire"); und der Blickfanghinweis lautet (nicht
ohne vernehmbaren Anspruch und Aktualitätstolz): "STRAWINSKY'S LATEST
WORK:-".
   Zwischenstand: Nach diesen Befunden liegt für den Werkinhalt der
Annonce No. 453 nahe, 1948 als Jahresdatierung anzunehmen, wobei die
Ortezusammenstellung, deren Bildung nach der obigen Übersicht eigent-
lich in den Anfang 1949 fällt, eher dafür spricht, daß die abgedruckte
Annonce eine aktualisierte Wiederverwendung darstellt. Später werden
gerade für die Annahme "Wiederverwendung" starke Indizien angeführt,
doch soll zunächst noch anhand von Annoncennumerierungen, abgedruckt
in zwei damals zeitgenössischen Notenausgaben, die chronologische Ein-
ordnung der Zählung "453" geprüft werden. Bei einem solchen Vorgehen
ist allerdings Voraussetzung, genügend sicher sein zu können, Erstaus-
gaben zur Hand zu haben, wozu zeitnahe Bibliothekserfassungen mit ge-
sicherten Jahresdatierungen eine begründungskräftige Hilfestellung
leisten dürften. So handelt es sich diesbezüglich bei den beiden nach-
folgend angeführten Ausgaben um Eingangs- bzw. Erfassungsdatierungen,
vergeben im Jahr 1950.

   Darius Milhaud, Suite for Violin and Orchestra, Reduction for Violin
   and Piano
   © 1947, B. & H. 16215, Druckvermerk: HP. B794. 8. 48. (= August 1948)
   Titelseiten der Stimmen (Violine, Klavier), Ortsangaben: Stufe 1948
   Annoncen No. 448 und No. 511, beide ohne Druckvermerk, Ortsangaben:
   Stufe 1948

   Bela Bartók, Viola Concerto (Posthumous Work), Reduction for Viola
   and Piano
   © 1949, B. & H. 16854, Druckvermerk: 11·49 (= November 1949)
   Titelseite, Ortsangaben: Ende 1949 (erwartungsgemäß mit Bonn)
   Annoncen No. 444 und No. 445, beide ohne Druckvermerk, Ortsangaben:
   Stufe 1948
   Annonce No. 535, Druckvermerk: 8.49 (= August 1949), Ortsangaben:
   Stufe 1948

   Im Fall "Milhaud" gibt es zwischen dem Druckjahr der Noten und allen
Ortsangaben keine Differenzen, bei "Bartók" gehören alle Annoncen ins
Jahr 1948, daher liegt es nahe, sie in einem Druck von 1949, wie in
diesem Fall gegeben, als unangepaßte Wiederverwendungen anzusehen. Man
beachte auch, daß die Annonce No. 453 des hier besprochenen Handelsexem-
plares der Sacre-Dirigierpartitur zwischen den Annoncen No. 448 und No.
511 liegt, diese beiden also das mutmaßliche Gestehungsjahr der Annonce
No. 453, 1948, bekräftigen.
   Zur Annonce No. 520 der frühen Sacre-Taschenpartituren (siehe frühere
Erörterungen): Die Annonce No. 535 der Bartók-Edition liegt numerisch
zwar dicht bei der No. 520 (genau genommen, dürfte sie etwas jünger
sein), hat aber anders als die No. 520 nicht die Ortezusammenstellung
von Anfang 1949, sondern die des Jahres 1948, wozu nun allerdings der
Druckvermerk vom August 1949 gar nicht paßt. Dies ist einer der wider-
sprüchlichen Fälle. Wiederverwendung? Neudatierung? Ausreißer? Wie auch
immer, Widersprüche dieser Art sollten, nur um aus zusammengetragenen
Daten entstandene Theorien rein zu halten, nicht vertuscht werden.
   Es wurde nun eine Diskussionsebene erreicht, von der aus die Annonce
No. 453 in einem neuen Licht gesehen werden kann. Fazitartig formuliert
heißt das: Sie macht nicht den Eindruck, eine übliche Anzeige zu sein,
jedenfalls hat sie nicht die Züge einer "gängigen Handels- oder Ver-
kaufsanzeige". So sind die meisten der angeführten Werke nicht in den
Neuheitenlisten von 1947 und 1948 des Boosey & Hawkes Music Catalogue
1947/1948 genannt (zu diesen Listen siehe Angaben zuvor und Beschrei-
bungen nachfolgend). Es besteht somit der Verdacht, daß die Annonce noch
eine sehr große Nähe zum Russischen Musikverlag wiederspiegelt, zeit-
lich wie sachlich. Wenn es sich nicht gar um eine Abschrift einer RMV-
Vorlage handelt. So ist, wie schon erwähnt, die Auflistung der Tendenz
nach fast ganz in französischer Sprache abgefaßt, ohne orthographische
Ungeschicklichkeiten übrigens, sogar die Accents (aigu, grave und cir-
conflexe) sind nicht nur vorhanden, sie stimmen auch noch (das ist weit
entfernt von der schon angesprochenen Mißkorrektur in der revidierten
Fassung des Concerto en Ré von "À CORDES"" zu "Á CORDES"). Und natürlich
weckt diese Aufstellung Zweifel an ihrer Aktualität ganz besonders durch
die Tatsache, daß keinerlei Hinweise auf Revisionen angegeben sind. Und
das führt unmittelbar zu der merkwürdigen Angabe in der Rubrik "Piano à
quatre mains": "Le Sacre du Printemps". Denn der Klavierauszug als
"eigene" Boosey & Hawkes-Veröffentlichung kam erst 1952 heraus, übri-
gens als unrevidierter Notentext (mehr dazu siehe früher und an anderen
Orten).
    Erstaunlich ist auch die schiere Menge an Notenausgaben, die die
Liste enthält; es sind 54, darunter, wie erwähnt, allein 17 "Partitions
de poche". Und wie auch bereits gesagt, nur einen kleinen Teil davon
weisen die Neuheitenlisten 1947 und 1948 zur 1949 erschienenen zweiten
Edition des Nachkriegskatalogs auf. Somit verstärkt sich alles in allem
die Auffassung, daß in einer so kurzen Zeit - 1947 die Erwerbung, 1948
der mutmaßliche Druck der Annonce No. 453 - eine solche Menge an eigenen
Strawinsky-Ausgaben wohl nicht bereitzustellen war, zumal die Gesamt-
zahl noch größer ist, wenn man das besagte Generalverzeichnis in die
Addition miteinbezieht (dazu nachfolgend Weiteres). Verwunderlich wäre
also nicht, wenn die Liste ursprünglich in der Tat so etwas wie eine
vom Russischen Musikverlag erstellte Werkliste gewesen wäre. Man könnte
sogar auf den verwegenen Gedanken kommen, daß ursprünglich die beiden
nach 1945 neuen Werke, Concerto en Ré und Orpheus, noch irgendwie im
Rahmen eines Bezugs zum RMV geplant, wenn nicht sogar entstanden waren,
das heißt, es muß die Nennung der beiden Werke in der Annonce noch nicht
einmal eine Aktualisierung des neuen Verlags gewesen sein. Doch ganz
abgesehen davon, eine deutliche "RMV-Prägung" der Annonce ist wirklich
nicht zu übersehen, und hierzu trägt natürlich auch die (eigentlich miß-
verständliche) doppelte Verlagsangabe bei, in der dem Teil "Édition
Russe de Musique [/] (S. et N. Koussewitzky)" sogar noch betont der
Vortritt eingeräumt wurde.
   Überlegungen zielen demnach in die Richtung, der Auflistung selbst
eine Datierung 1946 oder Anfang 1947 beizumessen; anders ausgedrückt:
bezogen auf die bekanntermaßen im Russischen Musikverlag veröffentlich-
ten Werke Strawinskys, wäre hinsichtlich der Eingrenzung der Entste-
hungsdatierung die sehr kurze Zeitspanne zwischen der direkten prä-
Boosey & Hawkes-Zeit und dem Beginn der Boosey & Hawkes-Ära anzunehmen.
Die Annonce dagegen ist der Numerierung nach sicherlich ein Produkt von
1948, auch wenn sie mit der vorgefundenen Ortezusammenstellung (schein-
bar) ins Jahr 1949 gehört. Das heißt auch: Es ist anzunehmen, daß die
Anzeige auch mit einer Ortezusammenstellung von 1947 existieren müßte,
doch darüber ist derzeit nichts bekannt.

Music Catalogue 1947/1948: Eingeschobene Strawinsky-Liste

   Abgesehen von dem einen oder anderen Aspekt des Inhalts, wirkt die
Auflistung der Annonce No. 453 so, als sei sie den Darstellungen im
Boosey & Hawkes Music Catalogue von 1947/1948 vorausgegangen. Diese
mögliche Sichtweise soll nun besprochen werden. Ganz besonders inter-
essant ist dabei die Strawinsky-Liste, die im Rahmen des annoncenarti-
gen Teils EDITION RUSSE DE MUSIQUE · EDITION GUTHEIL auf S. [331] und
[332] abgedruckt ist. Diese nimmt, soweit bis jetzt bekannt, wahrschein-
lich den Rang ein, nach der Annonce No. 453 die zweite von Boosey & Haw-
kes veröffentlichte Liste Strawinskyscher Werke zu sein (zum Boosey &
Hawkes Music Catalogue von 1947/1948 siehe weiter oben die bibliographi-
sche Erfassung, "Exkurs" genannt).
   Es sind 52 Notenausgaben angeführt, davon ein großer Teil, ähnlich
wie in der Annonce des  Handelsexemplars, für und mit Klavier (solo,
zwei Klaviere, Duos, Stimme und Klavier, Auszüge), desweiteren 6 Auszüge
mit Singstimmen, 14 Taschenpartituren, aber sage und schreibe auch, ganz
anders als in der Annonce No. 453, 16 Dirigierpartituren. Die Rubrik-
überschriften sind englisch gefaßt, die Werktitel teils französisch,
teils englisch. Außerdem wurden allen Einträgen Preise hinzugefügt, doch
ist der schon oben zitierte Hinweis  "All prices are subject to a
temporary increase 25 per cent." (leicht abgewandelt) auch hier vor-
handen und dies läßt vermuten, daß es mit der Lieferbarkeit wohl doch
noch nicht so weit sei. Jedenfalls soll "Sacre du Printemps" auch hier
30/0 kosten, doch wie oben schon erwähnt, es wurden schließlich 37/6.
   Wie bereits bei der Annonce angemerkt, so ist auch von den Ausgaben
der Liste der Seiten [331] und [332] nur ein Teil in den im Katalog von
1949 wiedergegebenen Neuheitenlisten von 1947 und 1948 enthalten. Ein
Mißverhältnis, das bei den Dirigierpartituren besonders krass ist: 16
Ausgaben auf der (wohl "theoretischen") Strawinsky-Liste stehen 6 als
"effektive" Neuheiten angezeigte Partituren gegenüber. Bei den Taschen-
partituren sieht das Verhältnis günstiger aus: 14 zu 10. Aber dieses
Notenformat hängt natürlich entscheidend vom (wie auch immer geartete-
ten) Vorhandensein der jeweiligen Dirigierpartitur ab. Ob also hier in
den Auflistungen die Wirklichkeit der Verfügbarkeit abgebildet ist,
steht auf einem ganz anderen Blatt, wie das schon zuvor geäußert und
noch zu erörtern ist.
   Zunächst stellt sich also genau wie bei der Annonce No. 453 auch bei
der nahezu zweiseitigen Aufstellung die Frage nach der Datierung, und
hierbei sei zunächst daran erinnert, die Aufstellung folgt ja in der
Second Edition des Hauptkatalogs, des (vorgeblich) wiederaufgelegten
Music Catalogue 1944, dem Teil I (von einst und jetzt).
   Doch bevor die Darstellung nun fortfährt, ist dringend anzuraten,
sich zuerst mit der weiter oben angeführten ausführlichen Literaturan-
gabe zum Hauptkatalog von 1944 und seiner zweiten Ausgabe von 1947/1948
vertraut zu machen.
   In der Second Edition begegnet man mehrfach der Ortezusammensetzung,
die Anfang 1949 eingeführt wurde (siehe oben den Überblick). Im einzel-
nen ist das so auf der Haupttitelseite (S. [1], das ist die Seite, die
die (mißverständliche) Angabe "COMPLETE [/] CATALOGUE [/] 1· 9 · 4 · 7"
aufweist), ebenso auf den Titelseiten zu Kapiteln wie Full Scores (S.
[7], Hawkes Pocket Scores (S. [17]), Symphonic Music (S. [25]), Orche-
stral Music (S. [49]). Alle diese Abteilungen (des Teils I) tragen den
Hinweis "COMPLETE [/] CATALOGE [/] 1 · 9 · 4 · 4". Doch wie schon ge-
äußert, ist "1944" nicht ganz zutreffend, denn dieser Teil enthält Er-
gänzungen. Teil II mit dem Hinweis auf den Titelseiten "COMPLETE [/]
CATALOGE [/] 1 · 9 · 4 · 4" [/] REVISED 1948 EDITION" hat die neuen
Ortsangaben von Anfang 1949 ebenfalls. Keine Ortsangaben enthält dagegen
die auf März 1949 datierte Beilage "BOOSEY & HAWKES [/] MUSIC CATALOGUE
[/] PART ONE [-] NEW PUBLICATIONS 1948".
   Wie aus dem diesem kurzgefaßten Überblick über die Teile des Bandes
zudem hervorgeht - und ein Blick auf die bereits in einer Zwischennote
gelieferte Literaturangabe vermittelt dieses Bild auch -, besteht die
anze zweite Ausgabe des Music Catalogue aus so etwas wie einem Sammel-
surium von Teilen unterschiedlicher Gestehungs(ur)zustände. Deutlich
wird aber auch: Die letzten Bearbeitungarbeiten des Katalogs fallen ins
Jahr 1948, ins Jahr der schließlichen (Neu-)Erstellung also. Indizien
dafür existieren reichlich. So ist auf den Eintrag der Plattenaufnahme
des Concerto en Ré unter Barbirolli in den Nachträgen 1945-1947 schon
hingewiesen worden; die Einspielung stammt vom März 1948. Und nicht nur
wie der Teil II als revidiert gekennzeichnet ist, so müßte im Grunde
auch auch Teil I so getauft sein, denn neben hinzugefügten Noten- und
Literaturausgaben sind in der Abteilung Symphonic Music auch Schall-
platteneinspielungen ergänzt worden (u.a. auf dem Kleinetikett Boosey &
Hawkes erschienene!). Schließlich wurden in mehreren Abteilungen des
Teils I Preisaufschlüsselungen, mit dem Hinweis "Revised January 1st,
1948" versehen, also auf den neusten Stand gebracht.
   Der Teil II ist in der Tat reichlicher und offenkundiger revidiert
worden, kenntlich gemacht ist das schon durch den Untertitel "REVISED
1948 EDITION", mit jener etwas ungewöhnlichen und unentschiedenen For-
mulierung also, wie sie etliche Strawinsky-Ausgaben tragen (werden). Zur
Berechtigung der Datierung seien nur zwei - unscheinbare - Details her-
ausgegriffen: Zum Einen die korrigierte Preistabelle in der Abteilung
Vocal Music ist gekennzeichnet mit "Revised January, 1948" (S. 349,
diesmal also nicht 1.1.1948), zum Andern die Annonce mit dem bei Boosey
& Hawkes erschienenen Buch des bekannten Sängerstars der Zeit Lotte
Lehmann, "My Many Lives" (S. 385), das Veröffentlichungsjahr ist:
1948.
   Trotz oder gerade wegen des Herkunftswirrwarrs und der chronologi-
schen Uneinheitlichkeit läßt sich nun hinsichtlich der zwischen Teil
I und II eingebauten Ausgabenübersicht doch einiges zu deren Datierung
einerseits und auch zum Verfügbarkeitsgrad der vom Russischen Musikver-
lag herrührenden Ausgaben Strawinskyscher Werke andrerseits mutmaßen.
   Zunächst muß gesehen werden, daß die unpagninerten, aber stillschwei-
gend mitgezählten sechs Seiten der "RMV-Gutheil-Liste" (S. [327] bis S.
[332]) nicht dem ausdrücklich als 1948 revidiert gekennzeichneten Teil
II folgen, sondern dem Teil I. Man könnte auch sagen, sie gehen dem Teil
II voraus. Jedenfalls stehen sie einschubartig zwischen zwei chronololo-
gisch abgrenzbaren "Blöcken": Den New Publications 1945-6-7 (= Neuhei-
tenliste 1947) und dem Complete Catalogue 1944 (mit Revisionen und den
auf den 1. Januar 1948 datierten Preislisten) auf der einen Seite sowie
dem 1948 revidierten Complete Catalogue 1944 und der (im vorliegenden
Exemplar des auf März 1949 datierten Gesamtkatalogs vorhandenen) Beilage
New Publications 1948 auf der anderen Seite. Demnach geht man sicherlich
nicht fehl, den "Einschub" zeitlich als einen Anschluß an den mit "COM-
PLETE CATALOGUE 1947" bezeichneten Teil I anzusehen. Hier erinnere man
sich daran, daß diese Betitelung auf der HAUPTtitelseite (S. [1]) des
Katalogs steht. Im Sinne einer solchen mutmaßlich verlegerischen Sicht
wären also die sechs Seiten chronologisch als auf der Schwelle von 1947
zu 1948 stehend einzuordnen, denkbar ist natürlich auch die Angabe eines
Datierungszeitraums für das ganze Katalogwerk, nämlich 1947-1948, was
zweifellos eine anschaulichere Aussage darstellt, wobei man "1948" aber
eher mit Anfang oder Mitte 1948 übersetzen sollte.
   Zum Inhalt der Strawinsky-Auflistung: Die mutmaßlich "verlegerische"
Chronologie geht gut mit den aus der Auflistung ableitbaren Beobachtun-
gen zusammen. Zunächst ist die Auffassung zu wiederholen, daß diese Auf-
stellung wie eine Weiterentwicklung der Annonce No. 453 wirkt. So ist
die sprachliche Abfassung der Werktitel nun ein Gemisch aus Französisch
und Englisch, wobei die Rubriktitel der ebenfalls systematisch angeleg-
ten Darstellung durchweg englisch sind; demgegenüber war die Annonce
ganz auf französisch abgefaßt. Weiterhin enthält auch diese Liste, abge-
sehen von dem mysteriösen Eintrag "Suite italienne (Revised Version)",
genau wie ihre vermutliche Vorgängerin keinerlei Hinweise auf Revisio-
nen. Dieses Fehlen ist ein wichtiges Recherchedetail. Denn in der Bei-
lage mit den 1948er Neuheiten sieht das ganz anders aus: Hier sind Fas-
sungskennzeichnungen genannt, ein paar Mal "Revised 1947 Version", ein-
mal "Revised 1948 Version". Das Concerto en Ré, Orpheus und die Messe
sind in beiden Listen angegeben.
   Doch ist sehr wichtig sehen, daß nur ein kleiner Teil der in der
zweiseitigen Auflistung genannten Ausgaben 1948 unter den Neuheiten auf-
tauchen. So wird immer mehr die Vermutung bestärkt, daß es sich bei den
beiden umfänglichen Auflistungen (Annonce No. 453, "Zwischenliste" des
Music Catalogue 1947/1948) womöglich wohl nur um Vorausankündigungen
handeln dürfte. Denn eigentlich konnte diese Menge an Ausgaben um das
Jahr 1948 herum als handelsfertige Boosey & Hawkes-Erzeugnisse nicht
vorgelegen haben. Aber auch der Neuheitenliste von 1948 (Druck: März
1949) sollte man bezüglich der Verfügbarkeit nicht vorbehaltlos trauen.
Die Angaben dort sind zwar sehr detailliert, so sind nicht nur wie in
der Music Catalogue-Auflistung Preise angegeben, sondern auch weitere
Details wie z.B. eine Angebotsauffächerung in Dirigierpartitur, Taschen-
ausgabe und Klavierauszug, doch stutzig macht allein schon der Preis der
Sacre-Drigierpartitur: Er liegt immer noch bei 30/0. Noch erstaunlicher
ist aber: Hier gibt es den Hinweis "(Revised 1947 Version)", doch in den
Partituren (Dirigier- und Taschenpartitur) taucht eine solche Kenntlich-
machung nicht vor 1965 auf (Dirigierpartitur: 8.65, Taschenpartitur:
10·65). War hierbei die Geschäftsseite schneller bei der Hand als die
mit der Drucklegung der Partitur oder deren Veröffentlichung befaßte
Stelle?
   Damit ist bei der dokumentarischen Beurteilung der von Boosey & Haw-
kes in den Jahren 1947 und 1948 geleisteten Arbeit bezüglich der vom RMV
übernommenen Werke Strawinskys eine entscheidende Stufe erreicht. Man
muß sich fragen, ob in der frühen Übergangszeit Boosey & Hawkes beim
Verkauf nicht doch auf vorliegende RMV-Drucke zurückgriff. Dabei ist,
wie bei Schott- und Chester-Ausgaben derlei nachgewiesen, an Überklebun-
gen oder "Umstempelungen" zu denken, ebenso an behelfsmäßige Einband-
drucke und ähnliches. Wenn es das gab, dann dürfte für die Strawinsky-
Dokumentation auf diesem Gebiet eine schwierige Aufgabe erwachsen. Denn
von traditionellen, zeitgenössisch angesammelten Bibliotheksbeständen
dürfte kaum Hilfe zu erwarten sein; Anhaltspunkte könnten wohl nur aus
privaten Sammlungen, etwa über Ankäufe, Nachlässe und dergleichen, kom-
men. Wahrscheinlich wird aber auch hier der archivarische Freund Zufall
eine große Rolle spielen müssen.
   Wenn über mögliche Rückgriffe auf RMV-Material die Rede ist und
derlei Überlegungen als zu fantastisch vorkommen, dann sollten zwei Tat-
sachen nicht aus dem Auge verloren werden: 1) Im Stimmenmaterial exi-
stieren bis heute Plattennummern mit einem typisch französischen Bin-
nenpunkt, z.B. B.H. 16.603. Auch sind frühe "Boosey & Hawkes-Stimmen"
mit dem Hinweis versehen, sie seien in Frankreich gedruckt worden (hier-
zu siehe an anderem Ort). 2) Der Sacre-Klavierauszug erschien als "regu-
läres" Boosey & Hawkes-Erzeugnis erst 1952. Das widerspricht zwar der
Annonce No. 453, in deren Auflistung der Klavierauszug genannt ist, doch
ist gerade diese Anzeige als Übergangserzeugnis einzustufen (siehe die
bereits geführte Diskussion). Dementsprechend ist denn auch der Klavier-
auszug in der zweiten Auflage des Boosey & Hawkes Music Catalogue ebenso
wie in der 1948er Neuheitenbeilage (Druck: März 1949) nicht genannt. Das
Bühnenwerk Le Sacre du Printemps ohne Klavierauszug!? Das läßt sich doch
wohl nur so deuten: Es bestand kein Bedarf. Warum? Hier fallen nur zwei
Denkvarianten ein: Entweder war die konzertante Aufführung zur Leitidee
erkoren worden oder aber es existierte tatsächlich ein vom Russischen
Musikverlag übernommener Lagerbestand.

Dr. Ernest Roth, Boosey & Hawkes Music Catalogue, Vorausauflistung

   Angesichts des uneinheitlichen und scheinbar unklaren Formats der
zweiten Auflage des Boosey & Hawkes Music Catalogue stellt sich die
Frage nach der Verläßlichkeit dieser Quelle, wobei sachgegeben die
erste Ausgabe - die allerdings keinen Strawinsky-Eintrag enthält - in
die Beurteilung mit einbezogen werden sollte. Alle drei Bände, den Band
1 und 2 der ersten Ausgabe sowie den Gesamtband der zweiten Ausgabe,
erstellte laut des jeweiligen Impressums Dr. Ernest [eigentlich: Ernst]
Roth (1896-1971). Die erste Ausgabe erschien 1945, die zweite 1949
(diese höchstwahrscheinlich zusammen mit dem auf März 1949 datierten
Neuheitennachtrag New Publications 1948).
   Roth, in Prag geboren, lebte und studierte in Wien die Fächer Recht
(in dieser Disziplin schrieb er seine Doktorarbeit) und Musikwissen-
schaft (u.a. bei dem bedeutenden Musikforscher Guido Adler). Nach dem
nationalsozialistischen "Anschluß" Österreichs im März 1938 und der
damit verbundenen Entwicklung des Deutschen Reichs zum Großdeutschen
Reich flüchtete Roth noch im gleichen Jahr nach London und begann bei
Boosey & Hawkes seine Musiklektoren- und Herausgeberlaufbahn, die ihm
1963 sogar den Chefsessel einbrachte (Weiteres siehe The New Grove
Dictionary of Music and Musicians, Second Edition, 2001, Band 21; eben-
so Wikipedia: englische und deutsche Fassung, eingesehen 25.5.2015).
   Es liegt die Vermutung nahe, von Roth stamme die Einführung, zu-
mindest aber der intensive Ausbau der einst in Boosey & Hawkes-Noten-
veröffentlichungen anzutreffenden detaillierten Druck- bzw. Ausgaben-
kennzeichnung. Jedenfalls war das eine Verlegeranstrengung, die nicht
anders als offenlegend und äußerst hilfreich bezeichnet werden kann,
wenn sich auch, das zeigt die heutige Beschäftigung damit, in der Pra-
xis trotz allem guten Willen und aller wohlmeinenden Akribie reichlich
Unaufmerksamkeit und mangelnde Regelmäßigkeit einschlichen. Mitte der
1960er Jahre begann dann diese editorische Leistung einzubrechen, was
vielleicht mit Roths Rückzug aus der aktiven Editionsarbeit zusammenzu-
hängt. Roth förderte neuere "traditionelle" Musikströmungen sehr, hier-
bei insbesondere die Arbeit Strawinskys, mit dem er allem Anschein nach
eine vertrauensvolle Verlagstätigkeit pflegte. Eine einflußreiche Akti-
vität erfolgte übrigens ebenfalls unter Roth: Die Neuherausgabe des
Sacre im Jahr 1967. Und diese Ausgabe stellt im Endeffekt die Fassung
letzter Hand dar, man kann das drehen, die Sache sehen und beurteilen,
wie man will, und es gibt viel zu prüfen und zu beurteilen, zumal für
die letzte Plattenaufnahme unter der Leitung des Komponisten, 1960 ein-
gespielt, die Danse Sacrale von 1943 gewählt worden war. Roth starb am
17. Juli 1971, er überlebte Strawinsky somit nur drei Monate. Ein Nach-
ruf Roths auf den Komponisten blieb unbeendet liegen, wurde aber von
seiner Frau Kate H. Roth aufbereitet, so daß die Arbeit posthum doch
noch veröffentlicht werden konnte (In Remembrance of Igor Stravinsky,
Tempo, New Series, Heft 97, [Sommer] 1971, S. [4]-6; Tempo: Boosey &
Hawkes-Hauszeitschrift, siehe frühere Ausführungen).
   Die Herausgabe des Music Catalogue ist, gar noch für die Zeit (wie
gesagt: direkte Nachkriegszeit!), eine erstaunliche, herausragende ver-
legerische Fleißleistung, wobei diese Bewertung auch für die zweite Aus-
gabe gilt - trotz ihrer zusammengestückelten Form und chronologischen
Unübersichtlichkeit. Sie war praktisch so etwa das, was es beispiels-
weise heute in der EDV allerorten gibt und eigentlich einen Widerspruch
in sich selbst verkörpert: eine Veröffentlichung in Arbeit. Zwar redu-
ziert sich so im Fall einer Aktualisierung die verlegerische Mühe, doch
drohen dabei Struktur und Ordnung unterzugehen. Gleichwie, der Verlag
war sich der Leistung durchaus bewußt, das zeigt schon die Gestaltung
des Einbands der drei Bände: Die auf Deckel und Rücken mehrfach wieder-
holten Notensysteme sind goldfarben gedruckt, sie strahlten in der
düsternen Zeit und strahlen selbst heute noch.
   Da Roths besondere Aufmerksamkeit Strawinskys Werken und Wirken
galt, sind auf diese Weise auch leicht die (mutmaßlichen) Absichtskund-
machungen und Vorausankündigungen nachzuvollziehen. Doch muß dabei glei-
chermaßen davon ausgegangen werden, daß die Neuheitenlisten für die
Jahre 1947 und 1948 höchstwahrscheinlich den tatsächlichen oder kurz-
fristig erreichbaren Stand der Lieferbarkeit wiedergeben, wobei mut-
maßlich nahezu alle dort genannten Wiederveröffentlichungen "eigenstän-
dige" Boosey & Hawkes-Drucke sein dürften. Die als Revisionen gekenn-
zeichneten sind es natürlich ohnehin. Daß hierbei im Fall der Sacre-
Dirigierpartitur noch der alte Preis genannt ist, paßt zu den schon im
Zusammenhang mit Annoncen geäußerten Vermutung, dies scheine ein mög-
licher Hinweis auf eine Veröffentlichungsverzögerung zu sein {*1}. Um
es zu wiederholen: Gegen eine verspätete (tatsächliche) Herausgabe der
großen Partitur und deren Datierung auf Anfang 1949 spräche derzeit
grundsätzlich nichts, die Ortezusammenstellung in den drei "Bernstein-
partituren" und in der "Handelspartitur" jedenfalls nicht.

   {*1} Ein ähnlicher Problemfall ist z.B. auch das Oktett. Es ist in
   der 1948er Neuheitenliste unter Taschenpartituren angeführt, aber
   ohne einen Hinweis auf eine Revision. Als eine solche kam sie mit
   der Kennzeichnung "Revised 1952 version" erst rund fünf Jahre später
   in den Handel (Weiteres siehe frühere Ausführungen).

Anzeige No. 692, Sacre in Boosey & Hawkes-Strawinsky-Katalogen

                          ==========
                          In Planung
                          ==========

Deae ex Machina: Unbekannte frühe Nachkriegs-Dirigierpartituren

   Es muß eine Boosey & Hawkes-Urdirigierpartitur des Sacre und eine
zeitlich gleichaltrige Ableitung davon gegeben haben, zumindest als
Druckvorlagen oder sogar als bloße Verlagseigenerzeugnisse, darüber
kann es einen Zweifel nicht wirklich geben; ob sie allerdings je das
Stadium der regulären Handelsware erreichten, das ist dann doch mehr
als fraglich.
   Der tragfähigste Nachweis für allein schon die bloße Existenz der
Ableitung ist die Variante der frühen Taschenpartitur mit der singu-
laren, behelfsmäßig wirkenden Art der Seitenzählung (nach der Beschrei-
bung hier: Typ A1 bzw. A2). Denn wo sonst sollte diese Verkleinerung,
die miniature score, herkommen?
   Eine andere Frage berührt die spezifischen, die tatsächlichen Druck-
bzw. Veröffentlichungsdatierungen der bislang angetroffenen frühen Diri-
gier- und Taschenpartituren. Zu ihrer Beantwortung wurden auf der Grund-
lage des verfügbaren Quellenmaterials eine Reihe von Einzelheiten, von
möglichen Mitteln erörtert, dabei zeigte sich das überraschende Kurio-
sum, daß der Stich- bzw. Druckvermerk auf der letzten Notenseite, weil
in allen eingesehenen frühen Partituren gleich, als Datierungsspezifikum
nicht entscheidend weiterhilft. Es liefert nur einen Teilaspekt, wie
auch andere Details nur Teilergebnisse bringen, so die rein französische
Titelgebung auf der Titelseite (S. [1]), die Tatsache einer Urform der
Orchestre"-Seite (S. [2]), die behelfsmäßig wirkende, "archaische" Form
der Seitenzählung oder die Erwähnung in gedruckten Sekundärquellen (An-
noncen, Zeitschriften, Musikkataloge). Fazit: Alle diese Beurteilungs-
mittel müssen zusammengesehen werden, denn zum Gesamtbild können sie in
der Tat leider nur ihren jeweiligen mosaiksteinartigen Beitrag leisten.
Dabei scheinen noch bei Datierungsversuchen die für sich genommen gün-
stigste Wirkung die Angaben der Verlagsniederlassungen zu liefern.
   Somit liegt folgende Aussage recht gut vertretbar vor: Es deuten die
Anzeichen darauf hin, daß die vorliegenden drei "Bernstein-Partituren"
und die sogenannte Handelspartitur Anfang 1949 bzw. frühestens gegen
Ende 1948 erschienen sein dürften, während die Veröffentlichung der
Taschenpartitur mit der "archaischen" Seitenzählung und den ins Jahr
1948 weisenden Ortsangaben diesen augenscheinlich vorausgegangen sein
muß.
   Und damit wird natürlich die Annahme einer Boosey & Hawkes-Urdiri-
gierpartitur (welcher Art auch immer) umso mehr gestärkt. Für ihre Exi-
stenz spricht im übrigen noch eine wichtige Verlagsfunktion: Die Verwah-
rung und Bereithaltung einer Nachweis- und Kontrollpartitur für Korrek-
tureinträge und deren Entwicklung, die damit gleichzeitig als Vorlage
für die diversen Taschenpartiturdrucke zu dienen hatte. Und hierbei muß
es, wie die Taschenpartiturentwicklung zeigt, anfangs eine editorische
Entscheidung gegeben haben. Das zeigt die Änderung der Art der Paginie-
rung bei gleichzeitiger Erhaltung (Weiterverwendung) der ursprünglichen
Gestalt der RMV-Seitenzählung, und somit sprechen Beobachtungen für eine
an Gewißheit grenzende Vermutung, daß im Zeitbereich der ersten Boosey &
Hawkes-Partitur im Anschluß an eine erste Stufe sogar von der Existenz
eines Nachweis- und Vorlagenexemplars auszugehen ist (siehe später den
Versuch einer chronologischen Aufstellung hierzu).

1965er Dirigierpartitur: Reprinted with corrections 1965

   Die Laufbahn der 1965er Dirigierpartitur geriet absonderlich kurz.
Damit man nun aber darüber nicht zu sehr in Verwunderung gerät, ist es
zweckmäßig, wenigstens in Stichworten, die Entwicklung auf 1965 hin und
etwas darüber hinaus zu schildern, dann wird auch leichter klar, warum
diese augenscheinliche Übergangspartitur alsbald wieder zurückgezogen
wurde (Beachte: Etliches dieser kurzen Einführung findet man schon in
früheren Kapiteln, siehe ganz besonders: "New edition 1967 - Re-engraved
edition 1967").
   1921 entstand der erste veröffentlichte Druck der Sacre-Dirigierpar-
titur, er war eine Überarbeitung des wahrscheinlich schon im Urauffüh-
rungsjahr 1913 begonnenen, aber zunächst unveröffentlicht gebliebenen
Erstdrucks. Ebenfalls 1913 war auch der Klavierauszug entstanden, er
allerdings schaffte es auf Anhieb in die Veröffentlichung. Wann genau,
das heißt, wann nachgewiesenermaßen die 1921er Dirigierpartitur tat-
sächlich erhältlich war, ist noch nicht recherchiert, nach einer RMV-
internen Aufstellung (Païchadze-Liste) Anfang 1922 (Erscheinung der
Verkleinerung als Taschenpartitur: Juni 1922).
   45 Jahre lang, oder wenn man von 1913 an zählt: 53 Jahre lang, bil-
dete dieser Partiturstich des Russischen Musikverlags (RMV) im wesent-
lichen die Grundlage für die kommenden Ausgaben und Korrekturstufen.
Allerdings waren schon 1929 zahlreiche und erhebliche Korrekturen ein-
geflossen, so sind zum Beispiel im Schlußteil (Schlußsatz), in der Danse
Sacrale (Ziffer 142 ff.), nicht nur Umarbeiten vorgenommen, sondern so-
gar Seiten gegen Neustiche ausgewechselt worden.
   1947 kam es zu einem weiteren größeren Einbau von Korrekturen (ver-
spätet, erledigt nach Errata von 1923) und 1965 entstand dann schließ-
lich - immer noch auf der Grundlage der 1929er Neufassung des 1921er
RMV-Drucks - die letzte Korrekturstufe dieser Drucklinie. Die letzte
Ausgabe überhaupt des alten RMV-Stichs (wenn man das so bezeichnen will)
erschien im nächsten Jahr (1966) und zwar nur als Taschenpartitur; ak-
tuell war ihr Notentext jedoch nur etwa ein Jahr lang, sie erschien aber
definitiv im Handel und gehörte, wie eine Titelseite mit dem entspre-
chenden Stempel bezeugt, auch Leihmaterial an.
   Obwohl der Dirigierpartitur von 1965 nur ein sehr kurzes Leben von
rund zwei Jahren vergönnt war, gab es sie nicht nur in typischer Leih-
partituraufmachung, sondern, da man ja bei der Korrekturanfertigung
nicht eine Übergangslösung im Sinn hatte, auch als regelrechte Handels-
ausgabe. Wie hoch hierbei die Auflage war, ist nicht bekannt, doch ist
diese Partitur, obwohl ein Druck jüngerer Zeit, ein äußerst selten
anzutreffendes bibliophiles Stück. In Bibliotheken ist sie so gut wie
nicht existent. Exemplare des zeitlich auf einer Ebene liegenden Ta-
schenpartiturdrucks mit dem Stich- bzw. Druckvermerk 10·65 (= Oktober
1965) sind hingegen nicht so selten (unterliegen aber beispielsweise
in öffentlichen Stadtbibliotheken und ähnlichen nicht wissenschafts-
orientierten Institutionen weitverbreitet Ausmusterungsprozessen). Be-
achte: In der Taschenpartitur dieser Zeitstufe (1965) ist der Hinweis
"Reprinted with corrections 1965" nicht vorhanden. Eine noch viel
größere Rarität als die 1965er Dirigierpartitur ist natürlich die oben
erwähnte, noch kurz vor der Absetzung (1967) des alten Druckbilds er-
schiene "einjährige" Taschenpartitur von 1966.
   Einzelheiten der äußeren Form der Partiturfassung von 1965 sind um
des Vergleichs willen schon in vorangegangene Ausführungen eingeflos-
sen, deshalb können die nun folgenden Ausführungen etwas kürzer ausfal-
len.
   Zunächst zur Dirigierpartitur (zur fast zeitgleichen Taschenpartitur
später): Hinsichtlich der äußeren Details unterschied sich eine vorge-
fundene Leihpartitur von der für den Handel bestimmten Partitur nur
durch einen speziellen Einband, wobei das vordere Deckblatt eine einfa-
che, eher behelfsmäßige, gestempelte (oder gedruckte?) Betitelungspartie
aufwies: "STRAVINSKY [/] THE RITE [/] OF SPRING". Im unteren Drittel des
Deckblatts war der bekannte ovale Firmenstempel aufgestempelt worden,
mit der Beschriftung im äußeren Rand: "* BOOSEY & HAWKES * [/] MUSIC
PUBLISHERS LTD., im Innenraum: 295, REGENT STREET [/] HIRE LIBRARY [/]
LONDON W1R 8JH". Die Partitur war eine Schenkung, daher ist "HIRE
LIBRARY" durchgestrichen und "With compliments", versehen mit einem
Unterschrifts- bzw. Abzeichnungskürzel, in das Stempeloval eingetragen
worden. Dies muß, von Begleitumständen abgeleitet, Anfang der 1980er
Jahre geschehen sein. Dieser Annahme steht der Postal Code (ZIP Code)
"W1R 8JH" nicht entgegen, er war Januar 1980 eingeführt worden (abge-
löst wurde er im Juli 2000, Details zu Postcodes siehe frühere Kapitel).
Ableiten kann man aber aus der Datierung nicht unbedingt, diese 1980
längst überholte Partitur sei so spät noch im Leihverkehr eingesetzt
worden.
   Die nachfolgende Abbildung zeigt Bedruckung des vorderen Einbanddeck-
blatts des Handelsexemplars (collagiert):


The Rite of Spring / Le Sacre du Printemps
Boosey & Hawkes, Dirigierpartitur, "revised
1947 version", laut Titelseite: "Reprinted
with corrections 1965", Handelsexemplar,
Deckblattbeschriftung (collagiert)

   Für das Deckblatt und die Titelseite der 1965er Handelspartitur blieb
die einst für das ursprüngliche Handelsexemplar gewählte Gestaltung er-
halten, das gilt auch für die charakteristische Schmuckschrift. Dieses
Layout hat auch der Klavierauszug und zwar sowohl der Erstdruck von 1952
wie auch die revidierte Ausgabe von 1968. Bei der Partiturneuausgabe von
1967 hingegen wurde u.a. das Schriftbild geändert, doch die farbliche
Wahl, rote Typen auf khaki/grauem Karton, blieb bestehen.
   Einige äußere Einzelheiten sind bei der Dirigierpartitur von 1965
"radikal" neu:
   So wurde, wie schon erwähnt, in dieser Partitur der Hinweis einge-
führt, es handele sich um eine im Jahr 1947 revidierte Fassung. Diese
Information war zum ersten Mal in der Boosey & Hawkes-Verlagsneuheiten-
liste von 1948 aufgetaucht, dann auch in dieser Zeit und um 1950 in
Annoncen (Partituren, Zeitschriften), aber nie auf oder in einer Sacre-
Partitur (Taschenpartituren eingeschlossen). In den in einem Kapitel
zuvor genannten sechs selbständig veröffentlichten Boosey & Hawkes-Werk-
verzeichnissen allerdings wird die Revision genannt, also auch in der
ersten Ausgabe von 1957 (die 1961 eine Addenda-Einlage erhielt) und erst
1971 von einer Neuausgabe abgelöst wurde. Doch welcher Dirigent oder
Plattenproduzent wird sich im Normalfall für derartige Sekundärquellen
interessiert haben. Den Partituren jedenfalls war die Information bis
1965 nicht zu entnehmen. 
   Auf der Titelseite und dem Deckblatt der 1965er Dirigierpartitur lau-
tet der Hinweis "revised 1947 version", auf der ersten Notenseite unter
Igor Stravinsky "Revised 1947". Die beiden noch vor der 1967er Neuedi-
tion erschienenen Taschenpartiturdrucke von 1965 und 1966 haben auf
Titelseite und Deckblatt den Hinweis nicht, sondern nur die verkürzte
Version auf der ersten Notenseite. Diese verkürzte Fassung auf der
ersten Notenseite bleibt ab 1967 in allen käuflichen Partituren bestehen
(Dirigier- und Taschenpartituren, ebenso in der Masterworks Library-Aus-
gabe von 1997). Außerdem befindet sie sich auch auf der Titelseite der
Erstausgabenlinie der 1967er Dirigierpartitur und auf der der Master-
works Library-Partitur, nie hingegen auf den Titelseiten und Deckblät-
tern der Taschenpartituren. Zu speziell hergerichteten Leihpartituren
siehe frühere Ausführungen. Die Langversion "revised 1947 version"
tauchte in Partituren der Neuedition, also ab 1967, nie auf.
   Der Hinweis "Reprinted with Corrections 1965" existiert nur in der
1965er Dirigierpartitur, und zwar ausschließlich auf der Titelseite, dem
revised 1947 version nachfolgend. In keiner anderen Sacre-Partitur ist
je ein solcher Korrekturen ansprechender Hinweis angetroffen worden.
Zwar gab es für Leihpartituren der Anfertigungsstufe vor 1965 seit Ende
der 1940er oder Anfang der 1950er Jahre Errata-Seiten (siehe frühere
Ausführungen und die Abteilung "Bernstein-Partituren"), aber irgendeinen
ausdrücklichen Partiturhinweis auf Verbesserungswürdiges oder Fehler,
nämlich durch den Hinweis auf "Verbesserungen" ("corrections"), gab es
ausweislich der vorliegenden Unterlagen nie (zu schwammigen Begriffen
wie "revision" oder "new edition" siehe früheres Kapitel). Ob im Übrigen
die einstige Errata-Zusammenstellung in jedem einzelnen Fall beigelegen
hat, ist, wie zwei der "Bernstein-Partituren" zu zeigen scheinen, noch
die Frage.
   Im Anschluß an die Korrekturstufe von 1965, angesprochen sind damit
die Ausgaben der neuen Partitur von 1967, lauten die Fassungshinweise,
abgesehen von "Revised 1947", nur "New edition 1967" oder "Re-engraved
edition 1967" (siehe frühere Ausführungen).
   Mit Blick auf die im Sacre-Bereich fast nicht existente Verwendung
des Begriffs "corrections" sollte noch ergänzt werden, daß in dem 1982
von Clifford Caesar herausgegebenen Werkverzeichnis Igor Stravinsky,
A COMPLETE CATALOGUE (San Francisco Press, 66 S.) im Sacre-Eintrag mit
"rev. 1947; newly engraved and corrected edition 1967" tatsächlich kon-
kret auf eine "Berichtigung" hingewiesen wird. Allerdings kann man diese
Arbeit keine direkte Veröffentlichung des Hauses Boosey & Hawkes nennen,
doch wird immerhin in der ebenfalls 1982 bei Boosey & Hawkes erschiene-
nen Werkliste "STRAVINSKY CENTENARY 1982, A catalogue and complete work
list" (16 S.) auf Seite [15] dem Caesarschen Katalog bekundet: "prepared
by Clifford Caesar in collaboration with Boosey & Hawkes".

Partitur "Reprinted with corrections 1965": Leitner-Exemplar

   Im Leitner-Nachlaß (siehe auch frühere Ausführungen) ist ein Exemplar
der überaus raren Dirigierpartitur "Reprinted with corrections 1965"
überliefert. Sie hat einen speziellen Buchbinder-Leineneinband in Grün,
der hintere Teil des originalen Boosey & Hawkes-Einbands aus dünner Um-
schlagpappe fehlt (und somit fehlt verarbeitungsgängig auch der Rücken),
ansonsten ist der Erhaltenheitsgrad sehr gut. Die betreffenden bisheri-
gen äußeren Beschreibungseinzelheiten gelten bei diesem Exemplar ebenso.
   Zum Notentext: Der Korrekturenstand der Partitur wurde stichproben-
artig überprüft. Hierbei diente als Hauptmeßlatte unter anderem die
unten wiedergegebene Auswahlliste aus der wahrscheinlich ab um 1950
Leihdirigierpartituren beigelegten siebenseitigen Errata-Aufstellung
(zu dieser Errata-Beilage siehe unten). Die Vergleichspartituren wa-
ren (reiseabhängige Auswahl): RMV-Taschenpartituren 1921, 1929 (ver-
teten durch deren mutmaßliche 2. Auflage), Boosey & Hawkes-Taschenpar-
tituren Typ A2 ("Leitner-Exemplar") und Typ B, Boosey & Hawkes-Taschen-
partitur vom Oktober 1965. Das heißt, es weiß der, der diese Sacre-Aus-
führungen aufmerksam liest, daß bei der Einsichtnahme eine zwar reise-
bedingt "mobile", aber doch Beobachtungsrisiken gegen Null minimierende
Materialgrundlage zur Verfügung stand.
   Auf dieser Grundlage brachte die Überprüfung das Ergebnis, daß davon
auszugehen ist, die genannte Korrekturaufstellung sei vollständig einge-
arbeitet. Und weiter, daß diese Dirigierpartitur vom August 1965 mutmaß-
lich auch den Stand der Taschenpartitur vom Oktober 1965 aufweist, wobei
daran erinnert werden muß, daß bei der Taschenbuchformatlinie der Kor-
rekturprozeß kumulativ, quasi verselbständigt erfolgte (jedenfalls dem
dem äußeren Anschein nach). Außerdem gibt es in der Tat mehr als nur An-
zeichen dafür, schon spätestens die (vorliegende) Taschenpartiturausgabe
vom Mai 1963 habe diesen Korrekturstand, zumindest jedenfalls soweit das
wirklich Wesentliche betroffen ist. Und in diesem Sinn wird bei fort-
schreitender Editionsforschung die Korrekturstandsdatierung höchstwahr-
scheinlich noch weiter zurückversetzt werden können (aber siehe hierzu
unten).
   Es wird also wohl so sein, daß eine im Hintergrund geführte Vorlagen-
und Sicherungsdirigierpartitur für die neue Dirigierpartiturveröffent-
lichung die Vorlage bildete. Und so gesehen, beginnt auch der ansonsten
seltsam klingende Hinweis "Reprinted with corrections 1965" verständlich
zu werden. Seltsam deshalb, weil man eigentlich nicht weiß, auf was sich
denn "Reprinted" bezieht: auf eine "stille", im Hintergrund geführte Be-
zugspartitur, die es ja allein schon für die Taschenpartiturauflagen ge-
geben haben muß, nun versehen mit (mutmaßlich) NEUEN Korrekturen (siehe
unten), oder aber auf die letzte veröffentlichte Dirigerpartiturausgabe
von 1948, JETZT auf den aktuellen Stand gebracht, ein Reprint also einer
im Grunde veralteten Vorlage "with corrections 1965", und auf diese zu-
letzt genannte, aber sicherlich nicht zutreffende Variante hin könnte
auch die Druckinformation auf der letzten Notenseite (S. 139) gedeutet
werden, die ganz ungewöhnlicherweise eine Doppeldatierung trägt, zum
einen April 1948, zum anderen aber auch August 1965, wobei der Datierung
August 1965 noch ein "E." folgt, was nach bisheriger Kenntnis eine Neu-
edition anzeigt (zur Veröffentlichungslinie der Taschenpartitur, zu
Druckdatierungen und sonstigen datierenden Partiturdetails siehe Ausfüh-
rungen an anderen Orten).
   Festzuhalten ist aber die entscheidende Tatsache, daß die Korrektur-
bilder mit Ausnahme eines Sonderfalls (siehe unten) übereinstimmen mit
denen der beiden genannten prä-1967er Taschenpartiturausgaben, was so-
wohl für die Korrekturen von 1947 (Druck 1948) als auch für die der ge-
nannten Errata-Liste gilt. Und das bedeutet erstens, die Partitur "Re-
printed with corrections 1965" gehört der Haupteditionslinie an, die,
wie hier vielfach zusammengetragen wurde, eindeutig existierte, und
das heißt somit auch zweitens, die zweite Korrekturstufe betreffend,
diese Partitur hat nichts mit der "doppeltkorrigierten" "Bernstein-Par-
titur" Nr. 2341 zu tun, die eben genau in diesem Punkt, zweite Korrek-
tur, von der Hauptveröffentlichungslinie abweicht (Erörterung der
"Bernstein-Partitur" an anderem Ort).
   Im Folgenden sollen noch einige spezielle Aspekte behandelt werden.
Zunächst zum Bereich Identifikation der Editionslinie: Hierfür ist ganz
besonders die Überprüfung der Art der Paginierung unerläßlich. Das Re-
sultat im vorliegenden Fall ist, daß die Paginierung der 1965er Diri-
gierpartitur sie in diesem Punkt als eine Vertreterin der Nachfolge der
1929er RMV-Partitur und der Taschenpartitur Typ-B ausweist (und nicht
als eine Vertreterin des Sonderfalls, wie im Taschenpartiturtyp A ver-
körpert), genauer formuliert heißt das, sie hat inklusive der seit 1948
bestehenden Veränderung der Seitenzahl 41 (siehe nachfolgend) die glei-
che Paginierung wie die Taschenpartitur Typ-B. Doch dies allein ist noch
kein Zeichen dafür, daß sie, die Dirigierpartitur "Reprinted with cor-
rections 1965", der DruckLINIE des Handelsexemplars von 1948/1949 und
der Taschenpartitur Typ-B bzw. einer ihnen zuzurechnenden, kontinuier-
lich korrigierten Vorlagenpartitur angehören muß. Zur Bestimmung der
Zugehörigkeit gehört mehr, nämlich der Vergleich der Graphiken der seit
etwa 1950 eingefügten Korrekturen, einfaches griffiges Beispiel: Picco-
lo-Flöte, Ziffer 53 Takte 7 und 8 (siehe andernorts). Zur festgestellten
Übereinstimmung der Seitenzahlen ist noch anzumerken, daß die Graphiken
der 40er Seitenzahlen mit denjenigen der RMV-Taschenpartituren von
1921 und 1929 (Sonderfall "41" ausgenommen) sowie mit denjenigen der
Boosey & Hawkes-Taschenpartitur Typ B ("41" inklusive) identisch sind
(zu seltsamen "4er"-Druckbildern siehe frühere Ausführungen und nach-
folgend).
   Die angesprochene Besonderheit der Seitenzählung der Editionslinie,
der auch die Partitur "Reprinted with corrections 1965" angehört, ist
ein wichtiges, wenn auch unscheinbares Detail. Es handelt sich, wie an-
gedeutet, um die Seitenzahl "41" und diese ist in der 1965er Dirigier-
partitur nicht die "RMV-Zahl" von 1921 oder 1929, sondern diejenige der
Boosey & Hawkes-Taschenpartitur B von 1948 und somit auch aller Boosey
& Hawkes-Ausgaben von 1948 bis 1966 mit Ausnahme der Taschenpartituren
des A-Typs, deren Paginierung einen Sonderstatus einnimmt, obwohl der
Notentext dieser Partiturstufe sich nicht von dem der gleichaltrigen
B-Stufe unterscheidet.
   Veranschaulichen läßt sich die Graphik des Unterscheidungsmerkmals
"41" auf einfache Weise: Die "RMV-Zahl" hat klare Konturen, die "4" ist
oben offen; die "Boosey & Hawkes-Variante" hingegen ist eine etwas un-
präzise, "verschwommene" Zahl mit einer oben geschlossenen "4", außer-
dem hat die "41" der B-Linie einen klar anderen Sitz: In den Boosey &
Hawkes-Drucken vor 1967 (Typ-A-Taschenpartituren ausgenommen) weist das
letzte Marcato-Zeichen des obersten Systems (Piccolo-Flöten) deutlich
unterhalb des Querstrichs der "4" auf den Fuß ihres "Standbeins", in den
RMV-Drucken hingegen weist es genau auf den Querstrich. Ganz anders in
den A-Partituren: Hier hat die "41" zum Notentext einen verhältnismäßig
weiten Abstand. Der Grund für die in den Boosey & Hawkes-Ausgaben er-
kennbare vertikale Verschiebung der "41" war die Hinzufügung des Systems
der beiden Piccolo-Flöten. Allerdings kommt bei den Taschenpartituren
des A-Typs noch eine allgemeine Erweiterung des Abstands - eingefügt bei
nahezu allen Seitenzahlen - hinzu (zur Paginierung der A-Taschenpartitu-
ren siehe frühere Ausführung).
   Überhaupt ist das Flötenumarrangement auf den Seiten 41 und 42 (Zif-
fer 53) der vielleicht typischste Fall, um Einiges über die Ausgaben-
entwicklung ab 1948 anschaulich zu machen, siehe hierzu vor allem auch
die Darstellung in der ausgedehnten Aufnahmen- und Variantendiskussion.
Schon dort wurde betont, daß die in den Partituren 1921 und 1929 wieder-
gegebene ursprüngliche Druckfassung - abgeleitet von der offensichtlich
unter Zeitdruck entstandenen, manchmal sogar skizzenhaften Niederschrift
des Manuskripts - nicht wirklich einsichtig ist. Faßt man die Flöten-
stelle positiv auf, was eine vernünftige Herangehensweise zu sein ver-
spricht, dann könnte man die Stelle dahingehend verstehen, der Komponist
habe eine kammermusikalische Vorstellung im Sinn gehabt, also in etwa
eine dynamische Stufensteigerung von verhalten (Ziffer 53/1 bis 5: drei
große Flöten, eine verdoppelnd) zu ziemlich schrill, "exaltiert", aber
immer noch etwas luftig, aufgelockert (Ziffer 53/6 bis 11: zwei Piccolo-
Flöten). Allerdings - und das paßt nicht so recht zum positiven, zum von
der Flötensetzung abgeleiteten Verständnisversuch -, das alles in großer
Lautstärke. Und so macht dann scheinbar, da das ganze Orchester hier
ohnehin sehr laut ist, die 1947er Korrektur (seit etwa Anfang 1923 be-
reits auf hier schon mehrfach erwähnten Errata-Blättern existierend)
"Nägel mit Köpfen": Aus der ganzen Passage Ziffer 53 wurde eine durch-
gehend gleichklingende Flötengruppe mit ständiger Prominenz zweier
(schriller) Piccolo-Flöten.
   In der Dirigierpartitur vom August 1965 ist die gesamte Flötenpassage
der Ziffer 53 auf dem neuesten Stand. Das war sie in veröffentlichten
Partituren aber schon früher, so z.B. spätestens in der Taschenpartitur
vom Mai 1963 (auch die Nachfolgerinnen vom März 1964, Oktober 1965 und
August 1966 enthalten sie natürlich), und zwar in identischer Gaphik,
zum einen betrifft das die 1947er Korrektur (Neuordnung der Flöten), zum
anderen in Ziffer 53 Takte 7 und 8 im System der Piccolo-Flöten die Ein-
arbeitung dreier damals vergessener Details. Das sind in Ziffer 53/7 die
Viertelpause auf der Eins, das ♭ vor dem "c" und im nächsten Takt das
Auflösungszeichen vor dem "c". In den ganz frühen Partituren, zu denen
die Taschenpartituren des A- und B-Typs zählen, aber auch die "Bern-
stein-Partituren" Nr. 2342 und Nr. 3623, fehlen diese drei Details noch.
Und um es noch einmal zu betonen, die Graphiken sind in dem vom RMV
übernommenen Notentext deutlich als Neuheiten, "Fremdheiten" zu erken-
nen, doch sind sie dennoch in allen den genannten frühen Partituren
bildidentische Korrekturen (übereinstimmende Graphiken), und genau durch
diese ihre graphische Art unterscheiden sie sich aber auch von den Ver-
besserungen in der "Bernstein-Partitur" Nr. 2341.
   Es muß noch auf ein weiteres interessantes Detail aufmerksam gemacht
werden: In der Korrektur 1947 sind zahlreiche Ausbesserungen wie Hinwei-
se, Besetzungsbestimmungen, Pultzuordungen und dergleichen oft hand-
schriftlich oder schablonenähnlich gedruckt ausgeführt worden. So auch
diejenigen die Flötenkorrektur Ziffer 53 betreffend. Bis auf eine dieser
Ausbesserungen blieben sie in der neuen Dirigierpartitur erhalten, diese
eine Ausnahme aber ist schon spätestens in der Taschenpartitur vom Mai
1963 nicht mehr vorhanden: Es handelt sich um die Pultzuordung (1 2) der
beiden Piccolo-Flöten (Seite 42, vor Ziffer 53/6), sie ist GEDRUCKT, in
den frühen Partituren hingegen war sie handschriftlich ausgeführt. Si-
cherlich sind solche Kleinstkorrekturen ohne Bedeutung, doch auch sie
machen auf die immer wieder angesprochene - vom Veröffentlichungsender-
gebnis aus gesehen - eigene Korrekturentwicklung der Taschenpartituren
aufmerksam. Dazu ein weiteres Beispiel:
   Da die Ziffer 53 in der Dirigierpartitur von 1965 vollständig ausge-
führt vorliegt - wie andere Korrekturen auch -, könnte man voreilig dem
Gedanken verfallen, daß, wie meist üblich im Schlepptau erscheinend,
auch diesmal (obwohl so nicht ausgewiesen) die Taschenpartitur vom Okto-
ber 1965 eine Verkleinerung der großen Partitur "with corrections 1965"
sei. Doch hier ist, wie bei den Themen Verkleinerung oder Eigenentwick-
lung der Taschenpartitur bisher gezeigt wurde, Vorsicht angesagt, und
genau das lehrt auch eine unscheinbare notentextliche Kleinigkeit:

   Page 8    Clar. I         Bar l         Last note but one is F♯.

   Dies ist eine Zeile aus der siebenseitigen Errata-Auflistung, die
frühen Boosey & Hawkes-Dirigierpartituren, vornehmlich Leihpartituren,
ab etwa 1950 oder vielleicht auch schon ein oder zwei Jahre früher bei-
gelegt worden war (siehe frühere Ausführungen und die Auswahlliste aus
der Errata-Aufstellung weiter unten). Die Korrektur, um die es hier
geht, betrifft eine Achteltriole auf "f", wobei vor dem ersten und drit-
ten Achtel "f" ein Auflösungszeichen steht. Es ist klar: Vor dem zwei-
ten "f" fehlt ein ♯. Ein Lapsus also - der schon im 1913er Manuskript
existiert und über die RMV-Partituren von 1921 und 1929 in die frühen
Boosey & Hawkes-Ausgaben mithineingeschleppt wurde {*1}. Und eben die-
sen Lapsus haben - wie so viele andere mitgeschleppte Fehler und Feh-
lerchen - auch die frühen Taschenpartituren der Typen A und B. Wahr-
scheinlich spätestens für die 1951er Taschenpartiturausgabe wurde dann
der Lapsus, der übrigens NICHT in der sehr umfangreichen RMV-Errata-
Liste der 1920er Jahre angeführt ist (!), verbessert, dies jedoch feh-
lerhaft, wie die noch letzten Taschenpartituren dieser Ausgabe vom Mai
1963, März 1964, Oktober 1965 und August 1966 bezeugen (siehe Ausführun-
gen dazu andernorts). In der Dirigierpartitur "with corrections 1965"
allerdings ist die Stelle ordentlich korrigiert, wobei, das sei ange-
merkt, die "alten" Vorzeichen, wie in den nach korrigierten Taschenpar-
tituren vorhanden, beibehalten wurden: Auflösungszeichen, ♯, Auflö-
sungszeichen {*2}. Neu sind u.a. die nun ordentlich gestaltete Note "f"
nach dem "♯" (somit "fis") und die Ausbesserung der Notenlinie.
   Dieser Befund des Korrektur- und Druckunterschieds hat Konsequenzen:
Es steht nämlich nun nichts Geringeres zur Debatte als die Frage, ob die
Taschenpartitur vom Oktober eine Verkleinerung der Dirigierpartitur vom
August des Jahres ist oder nicht. Und da kann, wie durch die Darstellung
der Sachlage deutlich wird, die erste Antwort nur lauten: Wenn ja, dann
uneingeschränkt auf keinen Fall, weil zumindest für die Seite 8 eine
andere Vorlage gedient haben muß. Außerdem erinnere man sich hier in
diesem Zusammenhang u.a. an die Erörterung der auffälligen 40er Seiten-
zahlen, vorgefunden in den Taschenpartituren vom Mai 1963, März 1964 und
Oktober 1965. Derlei im Blick, stellen sich die nächsten Fragen ein:
Wie wurde damals kopiert, wie wurde nachgedruckt? Gab es für jede Seite
Vorlagen? Gar diverse? Wie auch immer, aus der Ecke der Strawinsky-
Editionsforschung dürften zukünftig kaum Klagen über Mangel an Arbeit
kommen.

   {*1} In den "Bernstein-Partituren" Nr. 2342 und Nr. 3623 ist die
   Stelle handschriftlich korrigert. In Nr. 2342 mit Bleistift, in Nr.
   3623 mit Blaustift (im Rahmen der Einarbeitung der siebenseitigen
   Errata-Liste durch einen unbekannten Kopisten, zur Liste und zum
   Korrekturvorgang siehe andernorts).

   {*2} In den Taschenpartituren mit der ersten, der verunglückten Kor-
   rektur umfassen die Änderungen: Vorschlag (ersetzte den alten), ♯
   (wurde eingefügt), Bindebogen (ersetzte den alten), Achtel "f" fehlt,
   verzogene Notenlinien"ausbesserung", Auflösungszeichen (ersetzte das
   alte), Note "f" (von Hand eingetragen, ersetzte die alte Note).

Partitur "Reprinted with corrections 1965": Unbekannter Herkunft

   Nach der 1965er Leitner-Partitur konnte von dieser so überaus selte-
nen Ausgabe ein weiteres Exemplar eingesehen werden. Es liegt in einer
Stadtbibliothek vor und ist wahrscheinlich eine Schenkung, vielleicht
stammt es aber wie im Fall Leitner auch aus einem Nachlaß, wenn ja, so
wird vielleicht, von Einträgen her zu urteilen, der einstige Besitzer
ebenfalls ein Dirigent gewesen sein. Die bibliothekarische Bestandsauf-
nahme erfolgte, diesen Eindruck hinterläßt jedenfalls die ursprünglichen
Inventarisierungsnummer, wahrscheinlich 1971. Die Partitur erhielt einen
Bibliothekseinband (laut Stempel wohl 2006), hierbei wurde das Vorder-
deckblatt aufgeklebt, Rücken und hinterer Deckel sind nicht mehr vorhan-
den. Bei der Bindearbeit wurde die Partitur "hart" beschnitten, es gab
Verluste. Betroffen sind Seitenzahlen, Ziffern, Plattennummern und sogar
hier und da Teile des Notentextes. Die Maße des beschnittenen Exemplares
lauten: ca. 25,6 x 34,2 cm (zur Messung von beschnittenen Noten in
Bibliothekseinbänden siehe andernorts).
   Die Partitur enthielt vier handschriftliche Korrekturen, von denen
zwei nicht ohne eine gewisse Aussagekraft sind. Zunächst zu den zwei
Korrekturen einfacher Art: Sie betreffen Druckfehler, die in allen pre-
1967er Boosey & Hawkes-Partituren vorhanden sind, die aber auch die sie-
benseitige, umfangreiche Errata-Aufstellung von etwa 1950 nicht enthält.
Wie gesagt, im 1967er Neustich wurden diese Fehler korrigiert.
   In Ziffer 27 Takt 4 und 5 muß in der Solohornstimme das "b" auf der
Eins ein "as" sein (klingend "des", passend zu den Violinen I). Neben-
bei: Das Ms von 1913 enthält den Fehler nicht, doch die Partitur von
1921 hat das "b" dann.
   In Ziffer 176 Takt 3 ist in den Kontrabässen auf der Drei-und-Zeit
das "b" vor dem tiefen "e" in ein Auflösungszeichen abzuändern. Dieser
Fehler ist ebenfalls nicht im 1913er Ms vorhanden, doch ihn hat, wie im
zuvor angeführten Fall, auch die 1921er Partitur schon (beide Seiten, 18
und 128, gehören in der 1929er Partitur zu den Übernahmen, zu Seiten-
übernahmen und -neustichen siehe andernorts).
   Es folgen nun zwei Ausbesserungen, die vom handschriftlichen Schrift-
zug her wie typische Dirgenteneinträge wirken. So ist gemäß der 1967er
Edition schon 1965 bei Ziffer 58 Takt 6 die Vorschrift "Ritenuto pesante
a tempo" gestrichen. Sie ergänzte der mutmaßliche Dirigent (Einzelheiten
dazu siehe unter Aufnahmenvarianten andernorts).
   Ziffer 101 Takt 5, Trompeten und Hörner: Der mutmaßliche Dirigent
versetzte die Fermaten auf das vierte Viertel. Im Endeffekt ist das
eigentlich keine Veränderung. Interessant ist aber: Es ist typisch für
den intensiven Taktmaß-Rhythmiker Strawinsky, bezogen auf den Auftakt
des Horns II, das Viertel nicht mit einer Fermate zu versehen, sondern
es nach der Fermate schon bzw. wieder als Orientierungszählzeit zu
empfinden. 1967 ist diese Sachlage nicht verändert worden. Und so ist
sie auch im Ms von 1913 notiert.

                           =================
                           Fortsetzung folgt
                           =================

Musikalische Identifikaton der frühen Boosey & Hawkes-Partituren, die
7seitige Errata-Liste

   Bei der Beschreibung der frühen Boosey & Hawkes-Partituren standen,
abgesehen von den Ausführungen zuvor, im Großen und Ganzen Rahmendaten
im Mittelpunkt, es ging, wenn man so will, vor allem um die äußere edi-
torische Gestalt oder Ausfertigung, und in einem Atemzug mit dieser
Bemühung wurden auch Hinweise auf eventuelle Unterscheidungsmöglichkei-
ten geliefert. Auf den "Inhalt", den Musiktext, fiel dabei nur hier und
da, meist kursorisch oder vorauswissend der Blick. Doch gerade auch in
diesem zentralen Bereich etwas mehr an Unterscheidungskriterien zu ver-
mitteln, beispielsweise anhand einer Varianten- oder Errata-Aufstellung,
das wird nun im Folgenden versucht.
   Das praktischste Instrument dafür, das heißt für die Überprüfung und
schließliche Einteilung der frühen Boosey & Hawkes-Partituren nach musi-
kalischen Kriterien, ist die im Internet im Rahmen des "Bernstein-Mate-
rials" verfügbare siebenseitige maschinenschriftliche, in englischer
Sprache abgefaßte Korrekturliste. Sie ist dort der Partitur Nr. 2341 zu-
geordnet, der Partitur, auf deren Titelseite Bernstein notierte: "Given
to me in 1950 (or a year or two earlier?)" (zur Datierung siehe frühe-
res und nachfolgendes Kapitel). Doch zu dieser Partitur können diese Er-
rata-Seiten editorisch eigentlich nicht gehört haben, denn sie enthält
die aufgelisteten Korrekturen bereits und zwar in gedruckter (das ist:
in gesetzter) Form. Editorisch gesehen, wäre die Errata-Aufstellung
vielmehr den anderen beiden ins Internet geladenen Partituren, Nr. 2342
und Nr. 3623, zuzuordnen, denn diese beiden haben den gleichen Druck-
zustand von 1947. Ergänzt sei hier, daß darüber hinaus beide auch zahl-
reiche (eigentlich zahllose) handschriftliche Korrekturen aufweisen, die
Partitur Nr. 3623 allerdings auch solche, die anhand der dem Bernstein-
Konvolut beigegebenen Errata-Liste vorgenommen worden waren; diese über-
raschende Tatsache belegen Eintragungen des Korrektors in der Aufstel-
lung. Somit darf davon ausgegangen werden, daß die Errata-Liste eigent-
lich zur Partitur Nr. 3623 gehört (hat).
   Die Verwirrung rund um die Zuordnung der Errata-Liste zur Partitur
Nr. 2341 nimmt noch zu, sobald man bemerkt, daß die Liste nicht nur bei-
gelegt, sondern mit eingebunden ist und zwar per Fadenbindung, also zur
Partitur quasi einen festen Anhang bildet. Doch zu sehen sind auch ur-
sprüngliche Klammerlöcher, was bedeutet: Augenscheinlich war die Liste
ursprünglich lose, eine selbständige Einheit sozusagen, gedacht als
allgemein verwendbare Beilage. Und genau so war bis zum Auftauchen des
"Bernstein-Materials" auch das bisherige Verständnis von ihrer Funktion
gewesen.
   Die Errata-Liste stand sicherlich spätestens um 1950 zur Verfügung.
Das ist eine Datierung, die nicht direkt von der Bernsteinschen Notiz
abgeleitet ist, sondern eher den Korrekturstand der im November 1951
gedruckten Taschenpartitur berücksichtigt (später mehr dazu). Auffällig
ist auch, daß diese siebenseitige Liste nur "musikalische" Korrekturen
enthält, damit ist gemeint, sie besteht aus nur den Notentext im engeren
Sinn betreffende Verbesserungen; deren Anzahl dürfte sich nach geschätz-
ter Einkalkulierung der zahlreichen Vielfachkorrekturen pro Eintrag auf
wohl mindestens 250 Verbesserungen belaufen. Das ist eine beträchtliche
Menge, im Durchschnitt pro Seite immerhin zwei (Notentext-)Fehler, und
das noch nach zwei Korrekturgängen: der RMV-Korrektur von 1929 und der
1947 nachgeholten Einarbeitung der langen RMV-Korrekturliste von Anfang
1923.
   Die Errata-Liste des "Bernstein-Materials" - sie ist undatiert - hat
nachstehende Überschrift, und hierbei beachte man das "W" in STRAWINSKY
sowie die herausgehobene Stellung des originalen Titels. Schon allein
diese beiden Kleinigkeiten lassen eine frühe Erstellung ahnen.

                          IGOR STRAWINSKY
             LE SACRE DU PRINTEMPS (The Rite of Spring)
                            ERRATA LIST

   Wer hat die Auflistung erstellt und geschrieben? Das ist keine un-
wichtige Frage, wenn sie auch im Endeffekt für die Korrektur an sich
keine entscheidende Bedeutung hat, wie sich aus der Beschäftigung damit
ergibt. Bis auf eine paar kleine Versehen sind die angezeigten Korrektu-
ren (um es so zu formulieren:) korrekt (doch beachte: die gesamte Kor-
rekturenmasse wurde nicht überprüft, es wurde eine genügend große Stich-
probe als ausreichend erachtet; Versehen hatte übrigens im Wesentlichen
schon der die Partitur Nr. 3623 Korrigierende entdeckt).
   Strawinsky wird die Liste verfaßt haben. Wer denn sonst? Robert Craft
etwa? Oder ein Lektor des Verlegers Boosey & Hawkes? Das ist eigentlich
nicht vorstellbar. Doch Craft könnte natürlich zumindest mitgeholfen ha-
ben auf die eine oder andere Art und Weise, denn um diese Zeit war er
gerade dabei, bei den im fremden Land befindlichen Strawinskys als Hilfe
für alles Erdenkliche Fuß zu fassen. Und auf den Komponisten weist wohl
doch auch die Marotte hin - sie läßt Unsicherheit ahnen und wirkt zu-
gleich reichlich schulmeisterlich - festen Begriffen für Notenerwerte in
Klammern die Erklärung nachfolgen zu lassen: crotchet (quarter note),
quaver (eighth note), semi-quaver (sixteenth note) und demisemiquaver
(32nd note). Wie auch immer, für den Komponisten als Verfasser spricht
eigentlich alles, allein schon, wenn man sich seinen immer wieder frap-
pierenden Sprachmischmasch (wie gleich zu sehen sein wird) vergegenwär-
tigt. Doch im Großen und Ganzen ist die Auflistung treffend formuliert,
die Knappheit des Englisch überzeugt, allerdings erfordert die formel-
hafte Notwendigkeit auch keine allzu großen sprachlichen Klimmzüge.
Einige wenige Details aber zeigen dennoch charakteristische "Kanten",
Unbeholfenheiten an.
   Zunächst fällt auf, daß das zahlreich vorhandene "clef" immer als
"cleff" geschrieben ist (Cleff, Bass Cleff bzw. cleff, treble cleff),
"clef" kommt nie vor. Es ist schwer vorstellbar, daß Craft oder ein An-
gestellter eines englischen Musikverlags einen solchen Fachbegriff
falsch schreibt. Eine weitere Auffälligkeit ist der hier und da erstaun-
liche, sprachlich so unlogische Plural; man vergleiche hierzu unten in
der kurzen Aufstellung die als Beispiele angegegebenen Einträge für die
Seiten 14 und 52 der Partitur: "The first and second notes are" und "on
the third and fourth beats". Wenn ein Muttersprachler derartig formu-
lierte, wäre das mehr als verwunderlich. Gefordert ist hier vielmehr die
Einzahlform "note" und "beat" - mit so etwas wächst man ja ganz natür-
lich auf. Vergleiche in diesem Zusammenhang auch den ähnlich gelagerten
Eintrag für die Seite 42: "Add crotchet (quarter note) rests [sic] on
the first beat"; es ist hier aber nur eine einzige Pause zu ergänzen,
denn die beiden Piccolo-Flöten spielen unisono, Ausführung "a 2" {*1}.

   {*1} So in der 1967er Partitur für Ziffer 53, in der alten Boosey &
   Hawkes-Partitur mit nur der 1947er Korrektur: "à.2" [sic] hand-
   schriftlich; später (wann?) kommt beim Seitenwechsel bei Ziffer 53
   Takt 6 "a.2." gedruckt hinzu (Taschenpartituren Mai 1963 bis August
   1966). In der "Bernstein-Partitur" Nr. 2341 ist diese Hinzufügung
   nicht vorhanden, kein Wunder, denn in der Liste von "um 1950" ist sie
   nicht angeführt.

   Aufschlußreich ist auch die Verwendung und die graphische Exaktheit
der musikalischen Zeichen ♯, ♭ und ♮. Da sie ein etwas größeres Let-
ternformat haben als die üblichen Typen der verwendeten Schreibmaschine,
könnte man sich den Einsatz von Stempeln oder Schablonen durchaus vor-
stellen. Doch die erstaunlich gleichmäßige Form und Stellung - nur das
# zeigt hier und da, allerdings geringe, Schwankungen {*1} - läßt eher
an Typen denken, die vielleicht nicht angelötet, sondern schuhartig auf-
zustecken waren. Besonders die Raffinesse des Aufsteckens würde gut
zum Tüftler Strawinsky passen, der ja gern technisch herumprobierte, man
denke nur an die Verwendung von "Krallen" als zur Notenblattherstellung
eingesetzte Aufzeichnungsutensilien oder an seine experimentelle Be-
schäftigung mit dem elektrischen Rollenklavier - vom "mechanischen
Hauch" vieler seiner Werke und Klänge ganz zu schweigen.

   {*} Die (kaum merklichen) Ungleichheiten könnten auch auf eine abge-
   nutzte Walze zurückzuführen sein, aber ebenso auf ungelenkes hämmern-
   des Tippen.

Errata-Liste "um 1950": Von wann aber wirklich?

   Zum Fehlen einer Datierung: Es wird hier als Datierung der Errata-
Liste im Allgemeinen die Schäzung "um 1950" oder auch "1950/51" ange-
boten. Vielleicht sollte aber besser zwischen Erstellung und Einarbei-
tung der Errata-Liste sowie ihrer schließlichen Veröffentlichung in der
korrigierten Partitur unterschieden werden. Die gedruckte Einarbeitung,
so wie sie in der Taschenpartitur vorliegt (Korrektur Y II, siehe unten
die Aufstellung) dürfte spätestens 1949 oder 1950, die Veröffentlichung
spätestens 1951 erfolgt sein; die Liste selbst kann aber durchaus schon
1948 oder sogar schon davor vorgelegen haben. Man beachte hierbei, daß
das Jahr 1948 ja auch im Zusammenhang mit Leihstimmen als Revisions-
angabe auftaucht (siehe früheres Kapitel). Zudem ist nachdenkenswert,
daß in der "Bernstein-Partitur" Nr. 2341, der, wie beschrieben, auf der
New York Philharmonic Archiv-Internet-Seite die Errata-Liste zugeordnet
wird, diese Korrekturen bereits gedruckt ausgeführt sind (Korrektur Y I,
siehe unten die Aufstellung). Und das bringt nun, wenn man länger dar-
über nachdenkt, den Gesichtspunkt in die Überlegungen, daß die sieben-
seitige Auflistung einst vielleicht doch zu dieser Partitur gehört hatte
(was oben angezweifelt wurde), daß sie aber nicht im üblichen Sinne eine
beigelegte Korrekturhilfe oder -anweisung gewesen war (wo wäre da der
Sinn?), sondern daß sie vielmehr (aus welchem Grund auch immer noch
beiliegend) die Vorlage für die eingearbeiteten Korrekturen abgegeben
hatte. So gesehen, ergäbe auch Folgendes einen gut nachvollziehbaren Zu-
sammenhang: In der Liste fehlt nämlich unter den Einträgen für die Seite
118 eine Kleinigkeit und zwar der Hinweis, daß in der Partitur vor der
Oboenkennzeichnung "3.4." die "2." fehlt (siehe unten die Aufstellung).
Und so fiel denn auch dem Korrektor der "Bernstein-Partitur" Nr. 3623
diese Auslassung nicht auf, und nun ist hierbei die Tatsache weiterfüh-
rend, daß dieser Fehler auch in der Partitur Nr. 2341 nicht korrigiert
ist (er existiert übrigens schon in der 1921er RMV-Partitur). Das heißt,
diese Auslassung scheint - von der Art und Menge der Korrekturen ganz
abgesehen - ein weiteres aussagekräftiges Indiz dafür zu sein, daß genau
diese Errata-Liste (oder ein anderes Exemplar davon) schon für die Kor-
rektur der Partitur Nr. 2341 verwendet worden sein könnte. Im Endeffekt
hieße das vielleicht auch, daß die Einarbeitung in diese Partitur wohl
schon einige Zeit vor 1950 stattfand, und daß man der Bernsteinschen va-
gen Erinnerung vielleicht doch etwas mehr Gewicht beimessen müßte (als
es oben geschah), er habe die Partitur Nr. 2341 zwischen 1948 und 1950
von Koussewitzky erhalten, dem Besitzer des RMV bis 1947. Wobei nun nur
zu bemerken bleibt: Hier beginnt in der Tat die Sachlage chronologisch
lebendig, vielleicht sogar etwas stürmisch zu werden (siehe auch an
anderen Orten Äußerungen und Darlegungen zur unklaren, unerforschten,
vielleicht unerforschbaren Situation vor, bei und nach der Übernahme des
RMV im Jahr 1947).

Dirigierpartitur 1948 Victor Feldbrill, 7seitige Errata-Beilage

   In einem kanadischen Antiquariat tauchte 2016 eine weitere 1948er
Dirigierpartitur auf; sie liegt mittlerweile vor und hat ebenfalls die
7seitige Errata-Liste als Beilage, und zwar handelt es sich - wie man
nun sehen kann - bei dieser Liste nicht um eine Xerokopie oder einen
Druck, sondern um einen per Hektographieverfahren hergestellten Abzug
der oben beschriebenen maschinenschriftlichen Korrekturaufstellung.
   Die Partitur kann, da sie noch den originalen Umschlag besitzt, ein-
deutig als ein Handelsexemplar klassifiziert werden. Auf dem Deckblatt
hat der ehemalige Besitzer handschriftlich mit blauem Kuli seinen Namen
vermerkt: "Victor Feldbrill" (*1924, kanadischer Geiger und Dirigent).
Irgendwelche Korrekturen oder sonstigen handschriftlichen Eintragungen
enthält die Partitur nicht. Für ein Dirigentenexemplar ist das eine
merkwürdige Sachlage. Aber noch merkwürdiger ist, daß keine Korrekturen
aus der Errata-Liste übernommen wurden. Denn es handelt sich bei dieser
Partitur nicht um einen korrigierten Druck, etwa nach Art der oben be-
schriebenen "Bernstein-Partitur" Nr. 2341, die sich nämlich, obwohl sie
zunächst insgesamt den Eindruck einer normalen 1948er Ausgabe erweckt,
bei näherem Hinsehen als ein bereits korrigierter Druck entpuppt. Doch
welch einen Zweck sollte die dieser "Bernstein-Partitur" beigelegte Kor-
rekturaufstellung erfüllen? Doch ist natürlich gut möglich, wenn nicht
sogar wahrscheinlich, daß sie ursprünglich einer anderen Partitur bei-
lag. Hier bei dem "Feldbrill-Exemplar" hingegen ist die Liste eine ohne
Frage logische und notwendige Ergänzung. Zu Feldbrill sei noch angefügt,
daß er laut Internet-Angaben mit dem Sacre vertraut gewesen sein muß.
   Die Dirigierpartitur aus dem Besitz Feldbrills ist somit eine klassi-
sche Handelspartitur von 1948, sie besitzt das hier in verschiedenen
Kapiteln beschriebene typische 1948er Äußere; deshalb kann die nachfol-
gende Beschreibung stichwortartig knapp ausfallen.
   Die Partitur ist unbeschnitten, Maße (sind immer als Circa-Angaben zu
verstehen): 27,3 x 37,4 cm. Die Farbe des Einbands: typisch hellgrau-
grünlich-khakifarben, siehe hiezu gesondertes Kapitel und auch zu Deck-
blatt, erster und letzter Notenseite, zum Druckvermerk H.P. B735.448 so-
wie zur Annonce Igor Strawinsky siehe jeweils gesonderte Kapitel. Keine
Bedruckung auf dem Rücken. Das Deckblatt trägt, mit Bleistift geschrie-
ben, den Verkaufspreis: "37/6" (37 shillings and six pence). Dies führt
zur Annahme, die Partitur sei kurz nach 1950 (von Feldbrill) in England
erworben worden. Es liegt ihr - ein Glücksfall - die bereits im Zusam-
menhang mit den "Bernstein-Partituren" ausführlich beschriebene Korrek-
turliste bei. Maße 20,5 x 33,1 cm (das ist im Vergleich zu DIN A4 ein
typisch englisch-amerikanisches Übermaß), links oben sind die vier
Blätter per Klammer zusammengeheftet. Und was bei Fotos oder Scans nicht
sichtbar ist, die Blätter haben Wasserzeichen. Blatt 1 und 2: "PRACTICAL
[/] DUPLICATOR", Blatt 3 und 4: "STRATHESK" {*1}.

   {*1} PRACTICAL DUPLICATOR: Weiterführende Einzelheiten zu diesem
   Wasserzeichen waren nicht zu ermitteln. Ein "Practical Duplicator"
   ist eigentlich ein praktischer Vervielfältiger, etwa für den Haus-
   gebrauch.
   STRATHESK: In Penicuik, The Papermaking Town, im thrath (= Tal) des
   Esk gelegen, gab es fast 300 Jahre lang Papiermühlen. Ein dort zur
   hier fraglichen Zeit ansässiger Papierhersteller war James Brown.
   Sein Wasserzeichen, für das die Jahresangabe 1952 vorgefunden wurde,
   war STRATHESK (Quellen, für STRATHESK: https://www.freyerweb.at/
   feyerabend/WZ%20nach%20Firmen%208_07.pdf, Stand: August 2007; für
   Penicuik: http://www.penicuikpapermaking.org/eskm.html, The Paper-
   making Town; beide Links eingesehen am 16.11.2018).
   Wieso für THRATHESK lediglich "1952" angegeben ist, ist nicht klar.
   Doch würde diese Angabe immerhin in etwa zur mutmaßlichen Datierung
   der Errata-Liste "um 1950" passen.

                             =======
                             Prüfen:
                             =======

Betrifft Ausgabe 1965: Gab es auch als Leih-Partitur (siehe im
Ordner meine Unterlagen)

Frühe Boosey & Hawkes-Editionslinie: Partiturenvergleich, Vorlagenfrage

   Die nun folgende Anleitung zum Partiturenvergleich auf musikalischer
Ebene war in einem frühen Textstadium dieser Arbeit ein etwas gewagter
Schritt, denn sie beruhte damals nicht nur auf vorliegendem Material,
sondern auch auf Kenntnissen, die, wie schon oft geäußert wurde, aus der
Zeit um 1982 stammen. Zudem waren lange Zeit von der Dirigierpartitur
"Handelsexemplar 1948" und der Taschenpartitur vom November 1951 nur ge-
ringe Bruchteile an Unterlagen vorhanden, mittlerweile sieht die Sache
anders aus: Es liegen jetzt vollständige Exemplare der betreffenden Par-
tituren vor, eine stete Überprüfung dieser Partituren und somit auch des
sie betreffenden Forschungsstands von damals ist nun nicht mehr nur be-
helfsmäßig bzw. bruchstückhaft möglich {*1}.
   Allerdings: Die Urdirigierpartitur 1 (siehe die Aufstellung unten)
ist ohnehin derzeit nur eine Ableitung, wenn auch eine naheliegende, ja,
zwingende sogar (siehe frühere Ausführungen). Sowieso sind in dieser
Übersicht über die für die Nachdruckprozesse sicherlich vorhandenen
Arbeits- bzw. Quellpartituren spekulative Überlegungen nicht zu ver-
meiden, doch entspringen sie nicht irgendwelchen Phantasien, ihnen
liegen vielmehr Tatsachenbefunde zugrunde.

   {*1} Ein äußerst seltenes Stück ist die Dirigierpartitur "Reprinted
   with corrections 1965", die letzte Dirigierpartiturausgabe vor dem
   Neusatz von 1967, sie konnte im Oktober 2015 eingesehen werden (Leit-
   ner-Exemplar, siehe gesondertes Kapitel) und liegt mittlerweile sogar
   - als Fotokopie eines anderen Exemplars - stets greifbar vor (siehe
   ebenfalls andernorts).

   Der Notentext der alten Boosey & Hawkes-Partitur, der prä-1967er Par-
titur, zerfällt in vier Hauptzustände:
   1) Zunächst ist da der Text der Korrekturstufe 1947. Er liegt in den
Partituren vor, die in der nachfolgenden Aufstellung unter 1a bis 1c
eingeordnet sind. Diesen Zustand beendete die auf spätestens um 1950 zu
datierende siebenseitige Korrekturliste, wobei zu schon bestehenden Un-
klarheiten neue hinzukommen.
   2) Die Korrekturen der Liste liegen in der "Bernstein-Partitur" Nr.
2341 vor (siehe in der Aufstellung 1d), und zwar in GEDRUCKTER Form,
also schon in einer Partitur, die das gleiche Druck- oder Stichdatum
(April 1948) und soweit laut Unterlagen ersichtlich oder abschätzbar
auch die gleichen äußeren Kennzeichen besitzt wie sie die in der Auf-
stellung zuvorgenannte Partitur (1c) aufweist, mit anderen Worten,
somit könnte diese bereits durch zwei Korrekturgänge aufgebesserte
Partitur auch schon 1948 oder Anfang 1949 vorgelegen haben (siehe frü-
here Kapitel).
   3) Die "1950er" Korrekturen sind in graphisch anderer Form auch in
derjenigen Taschenpartiturausgabe vorhanden, die 1951 im Anschluß an die
Taschenpartiturtypen A und B erschien, wobei nun von diesem Zeitpunkt
an bis 1964 dieses Medium der Veröffentlichung neuer Korrekturen dient.
Das bedeutet, es muß im Hintergrund, sozusagen als Arbeits- und Druck-
vorlage, eine Dirigierpartitur oder irgendein vergleichbares Reprodukti-
onsmaterial existiert haben (Aufstellung 1e). Und zusammenzufassen ist
bereits Angesprochenes, das Überraschende davon, noch einmal so: Da die
neuen ("1950er") Korrekturen der mit der Erstellungsdatierung "1948"
ausgestatteten "Bernstein-Partitur" Nr. 2341 (siehe Aufstellung 1d) und
diejenigen der Taschenpartituren (Aufstellung 1e) nicht die gleiche Gra-
phik aufweisen, liegen hier ganz offensichtlich unterschiedliche Korrek-
tur- und Druckvorgänge vor, und das bedeutet: Ein Nebeneinander von
Korrekturzuständen, nämlich der Korrekturzustand der Dirigierpartitur 3
auf der einen Seite neben dem der Dirigierpartitur 4 bzw. 5 auf der an-
deren (siehe unten die Aufstellung).
   4) Der vierte Korrekturzustand hat einen kumulativen Charakter: Aus
der nahezu ständigen Aktualisierung der Verbesserungen entstand nach
und nach die 1965er Dirigierpartitur, von der angenommen wurde, sie
brächte den Korrekturabbschluß. Bei dieser Partitur bestätigte die Über-
prüfung mittels einer relevant genügend großen Stichprobe, daß sie edi-
tionstechnisch in der Tat nicht auf der Basis der "Bernstein-Partitur"
Nr. 2341 entstanden sein kann, sondern eben zur Linie der Dirigierpar-
titur 2 und deren Fortentwicklung, der Dirigierpartitur 4, gehört (sie-
he Aufstellung 1c bzw. 1e).
   Als Mittel für den Vergleich mit der "Bernstein-Partitur" Nr. 2341
dienten insbesondere die Taschenpartituren vom Mai 1963 bis Oktober
1965 (5·63 bzw. 10·65). Es wurden allerdings bei weitem nicht alle Kor-
rekturen der Errata-Liste überprüft, doch ist die (sich sicherlich ab
und zu erweiternde) Stichprobe groß genug, Aussagen Bestand zu verleihen
(zur genauen Aufstellung der beteiligten Partituren siehe andernorts).
   Zur unten wiedergegebenen Korrekturaufstellung sei angemerkt: Sie ist
eine kleine, aber praktikable Auswahl aus dem siebenseitigen Errata-Ver-
zeichnis. Immerhin soll sie als ein erstes Instrument leicht zu nutzen
sein, angetroffene Partituren der ersten Boosey & Hawkes-Generation
auf die Schnelle auch auf musikalische Weise sicher identifizieren zu
können.

   Boosey & Hawkes-Sacre-Partituren der Frühzeit im Vergleich
   Liste, Hinweise und Hilfestellungen, Vermutungen

   I.  Frühe Boosey & Hawkes-Sacre-Partituren (Seite [2] bis 139):

       Auflistung der Zustände ab der Notentextkorrektur von 1947:
       1947/1948? = 1. Korrekturstufe, 2. Korrekturstufe um 1950
       (= Y I), nachfolgende Zustände (= Y I, Y II, Y IIa).

       Einzelheiten zu den beiden nachweisbaren Drucksätzen der Or-
       chestre-Seite (Seite [2]), [2]-Druck1 und [2]-Druck2, siehe
       Kapitel "Zur alten Seite [2]: Vertiefung des Stoffs und etwas
       Mystik".

   Abkürzungen:

   [2]-Druck0 = Druckfassung der Orchestre-Seite (Seite [2]) unbekannt
   [2]-Druck1 = Singulare Druckfassung der Orchestre-Seite (Seite [2])
                in den Taschenpartituren Druck 1948 Typ A und B
   [2]-Druck2 = Druckfassung der Orchestre-Seite (Seite [2]) in der
                Dirigierpartitur ab 1948 bzw. in der Taschenpartitur
                ab spätestens 1951
   Y I        = Notentext: Korrekturfassung mit eingearbeiteter Errata-
                Liste von um 1950
   Y II       = Notentext: In der Taschenpartitur nach spätestens 1951
                stetig weitergeführter Korrekturstand
   Y IIa      = Notentext der Dirigierpartitur von 1965: letzter Korrek-
                turstand vor 1967

   Tatsächliche Existenzen und vermutete Existenzen

   1a) Urdirigierpartitur: Orchestre-Seite (S. [2]) entweder nicht exi-
       stent oder [2]-Druck0 oder (vermutlich) [2]-Druck1, 1929er Pagi-
       nierung

       Rückschluß-Nachweisquelle: Taschenpartitur 1948 Typ B, beachte:
       enthält Orchestre-Seite [2]-Druck1

   1b) Dirigierpartitur 1: Orchesterseite (S. [2]) [2]-Druck1, auffäl-
       lig andere, behelfsmäßg, improvisiert wirkende Paginierung

       Rückschluß-Nachweisquelle: Taschenpartitur 1948 Typ A, beachte:
       enthält Orchestre-Seite [2]-Druck1

   1c) Dirigierpartitur 2: Orchesterseite (S. [2]) [2]-Druck2, 1929er
       Paginierung

       Nachweisquellen: Handelspartitur 1948, "Bernstein-Partituren"
       1948 Nr. 2342 und Nr. 3623, Handelspartitur 1948 und Leihdiri-
       gierpartitur bis 1964 (jeweils mit Errata-Beilage)

   1d) Dirigierpartitur 3: wie Dirigierpartitur 2, Korrektur Y I

       Nachweisquelle: "Bernstein-Partitur" 1948(?) Nr. 2341

   1e) Dirigierpartitur 4: wie Dirigierpartitur 2, Korrekturstände Y II
       Arbeits-, Referenzpartitur ("körperlich" möglicherweise mit
       Dirigierpartitur 2 identisch)

       Nachweisquellen: Taschenpartituren November 1951 bis Oktober 1966
       (beachte zur Ausgabe von 1966: auch diese letzte, nur sehr kurz-
       zeitig aktuelle Ausgabe der Taschenpartitur, gedruckt nur etwa
       ein Jahr vor der Erstellung des neuen Partiturstichs, gehört noch
       zur alten Taschenpartitureditionslinie).

   1f) Dirigierpartitur 5: wie Dirigierpartitur 2, Korrekturstand Y IIa

       Abschluß des Korrekturzustands Dirigierpartitur 4 (letzte Korrek-
       turstufe).

       Nachweisquelle: Dirigierpartitur 1965 ("Reprinted with correc-
       tions 1965")

   II. Errata-Liste um 1950: daraus einige Einträge

   Page 6    Clar. I & II    Bars l0 & ll  The notes are always B - G
                                           (not D - B), as in previous
                                           bars.
   Page 7    Clar. I & II    Bar l         As above, the notes are
                                           always B - G.
   Page 8    Clar. I         Bar l         Last note but one is F♯.
   Page 14   Fl. in Sol      Bar l         The first and second notes
                                           are C and D♭ (not C♭ and
                                           D).
   Page 42   Fl. picc.       Bar 2         Add crotchet (quarter note)
                                           rests on the first beat, and
                                           ♭ to the C.
   Page 42   Fl. picc.       Bar 3         Add  to the first note (C).
   Page 52   Tr.boni I & II  Bar l         Add ♭'s to the B's on the
                                           third and fourth beats.
   Page 88   Viol. I (Group I) Bar l       Last note but one, delete
                                           ♯ before E.
   Page 88   Celli           Bar 2         Add treble cleff at the
                                           beginning of the bar.
   Page 89   Clar. II        Bar l         Third note, add ♯ to E.
   Page 118  Viole           Bar l         Alto cleffs on both staves
                                           (not treble).
   Page 118  Viole           Bar 4         Add treble cleffs to both
                                           staves [before the bar].
   Page 118  Corno V         Bar 4         First note, add ♭ to B.
   Page 118  Cor. VIII       Bar 4         Add bass cleff before the
                                           bar.
   Page 118  Oboi I, II, III Bar 5         The note in this bar should
                                           be divided into two demisemi-
                                           quavers (32nd notes), as in
                                           the cor. ingl.
                                           Notat des Korrektors:
                                           "look over whole section [/]
                                           ask L.B. [Leonard Bernstein]"
   Page ll9  Cor.  V         Bar 2         Add ♭ to B.
   Page l39  Tuba  I         Bar l         The first note is G (not A).

   III. Beobachtungshilfen für den Vergleich mit der "Bernstein-Parti-
        tur" Nr. 2341

   Seite 6:   Unterschiedliche Halslänge der Achtelnoten, unterschied-
              lich auch die Schräge der Balken; Sitz und Kurvung der
              Bindebögen sind auffallend verschieden.

   Seite 7:   wie Seite 6

   Seite 8:   Unterschiedliche Art der Zeichen ♯ und ♮; in den Taschen-
              partituren fehlt das "f" (!) und vor dem ♮ ist die Aus-
              besserung der oberen Notenlinie wie ein Glissando-Aufzug
              schräg ausgefallen (mißgestaltete "Korrektur").

   Seite 14:  Der Rücken des ♭ vor "d" ist in der Partitur Nr. 2341
              deutlich länger als in den genannten Taschenpartituren.

   Seite 42:  Die unterschiedliche Graphik der Zeichen Viertelpause,♭
              und ♮ ist deutlich zu erkennen.
              Beachte: Die Pultkennzeichnung 1 und 2 (eine 1947er Kor-
              rektur!) ist in der Partitur Nr. 2341 noch handschrift-
              lich, in den Taschenpartituren hingegen gedruckt ausge-
              führt; die deutlichen (gedruckten) Ausbesserungen "gr" in
              "Fl.gr." und "picc" in "Fl.picc" sind in der Partitur Nr.
              2341 und in den genannten Taschenpartituren gleich, sie
              sind 1947er Korrekturen. Nebenbei: Auch das nachträglich
              hinzugefügte Dynamikzeichen "fff" gehört zur 1947er Kor-
              rektur und ist somit ebenfalls in der Partitur Nr. 2341
              und in den Taschenpartituren gleich, wenn auch unter-
              schiedlich zu den anderen "fff".

   Seite 52:  Die andersartige Gestalt der beiden neuen ♭-Vorzeichen
              ist auch hier sehr deutlich zu erkennen. Diese Stelle eig-
              net sich ebenfalls für Identifikationsübungen. Das zweite
              ♭ ist im Übrigen eine typische Partitursicherheits-
              vorzeichnung, denn nötig ist es nicht unbedingt (und in
              einem Klavierwerk beispeilsweise wäre es ganz sicher nicht
              erforderlich).
              Deutlich wird auch, wie der Komponist, bei diesem sehr um-
              fangreich besetzten Sacre-Orchester der spätromantischen
              Aufzeichnungstradition folgend, bei Instrumentengruppen
              vertikalen Partiturplatz zu sparen sucht: Wo er kann, faßt
              er in einem System Stimmen zusammen. Das schafft auch
              einen Überblickvorteil. Doch im Fall der Flötenpartie der
              Ziffer 53 ging es im Manuskript dann doch schief.
              Es gibt im übrigen zahlreiche Stellen einer solchen Ver-
              dopplung der Vorzeichenvergabe, auch auf Seite 52.

   Seite 88:  In der Partitur Nr. 2341 ist das ♯ zwar entfernt, doch
              wurde dabei die Hilfslinie des "e" verkürzt, in den
              Taschenpartituren hat die Hilfslinie eine normale Länge.

   Seite 88:  Sehr unterschiedliche Violinschlüssel.

   Seite 89:  Unterschiedlicher Sitz des ♯.

   Seite 118: Unterschiedliche Bratschenschlüssel.

   Seite 118: Unterschiedliche Violinschlüssel.

   Seite 118: Unterschiedliches ♭.

   Seite 118: Unterschiedliche Baßschlüssel.

   Seite 118: In der Partitur Nr. 2341 fehlt vor der Oboenkennzeichnung
              "3.4." die "2.", in den hier als Referenz herangezogenen
              Taschenpartituren ist die "2." ergänzt. Beachte: Diese
              Auslassung ist in der Errata-Liste nicht vermerkt, und
              infolgedessen ist sie auch in der "Bernstein-Partitur" Nr.
              3623 nicht korrigiert.  
              In der Partitur Nr. 2341 ist die Korrektur für die Oboen I
              bis IV ausgeführt (also nicht nur, weil unlogisch, bis
              III), in den Taschenpartituren hingegen sind nur die
              Stimmen der Oboen II bis IV korrigiert. Die Notenköpfe
              der Korrekturen in der Partitur Nr. 2341 haben eine deut-
              lich handgemalte Gestalt, diejenige in den Taschenparti-
              turen dagegen könnten Drucktypen sein.
              Die ledigliche Korrektur der Oboen II bis IV ist auch der
              Zustand in der 1967er Partitur. Ob mit Recht oder nicht
              die Oboe I unabgeändert blieb, ist wegen der Paralleli-
              tät(en) in anderen Stimmen kaum zu entscheiden.
              Für welche Lösung mag sich auf des Korrektors Hinweis hin
              Bernstein entschieden haben? Korrigiert sind jedenfalls
              in der "Bernstein-Partitur" Nr. 3623 alle vier Oboen-
              stimmen (in der blauen Farbe des Korrektors, eingekreist
              in rot, was offenbar die Problemfallmarkierung war; Datie-
              rung der Einarbeitung der Errata-Liste, angegeben in der
              Partitur: "July 1959".

   Seite 119: ♭ berührt in der Partitur Nr. 2341 die Balken, in
              den Taschenpartituren dagegen nicht.

   Seite 139: In der Partitur Nr. 2341 ist eine Nachzeichnung der
              obersten Notenlinie deutlich zu erkennen, dagegen wurde
              der Abschnitt des Notenhalses zwischen "A" und "g" nicht
              nachgezeichnet. Anders in den Taschenpartituren November
              1951, August 1958, Mai 1963 bis Oktober 1965 und in der
              Dirigierpartitur "Reprinted with corrections 1965": Eine
              Nachzeichnung der Notenlinie ist nicht zu bemerken, aber
              der Halsabschnitt wurde nachgezeichnet. Außerdem ist in
              den letztgenannten Partituren das neue "g" nahezu recht-
              eckig ausgefallen, hingegen in der Partitur Nr. 2341 rund
              bzw. oval.

RMV-Taschenpartitur 1921, Adorno-Exemplar

   Daß Theodor Wiesengrund Adorno mit seiner zumindest nach Außen hin
vertretenen, vielleicht erst spät virulent gewordenen, dann aber wieder
etwas abklingenden Allergie gegen Strawinsky auch in der Dokumentation
Strawinskyischer Werke irgendwann eimal eine (wenn auch vielleicht nur
eine kleine, sogar positive) Rolle spielen könnte, dürfte einem in etwa
in die Schönberg-Adorno-kontra-Strawinsky-Angriffslust Eingeweihten noch
nicht einmal in einem Albtraum als bloßes Gespinst erschienen sein. Aber
es ist keine Fata Morgana, es wird eine Realität sein.
   In der Zeit von etwa 1924 bis etwa 1933 hatte die Frankfurter Volks-
bücherei (heute Stadtbücherei) eine erstaunliche Anzahl an Ausgaben
Strawinskyscher Werke angesammelt. Aber nicht nur Strawinsky, neue oder
neuere Musik überhaupt hatte es der Bücherei angetan, der Volksbiblio-
thek in der Stadt der Reichen, umgeben und durchsetzt von Geringverdie-
nern und auch viel Armut. Das ist die eine der Seiten der Stadtsituati-
on, eine andere ist: In welch einer Stadt der Welt noch dürfte es damals
und auf lange Zeit hin eine solche öffentliche Notensammung neuer Musik,
insbesondere Strawinskyscher Werke, gegeben haben? In der Tat war das
Frankfurt der Zeit im Neue-Musik-Bereich ein Zentrum, und als einer der
besonderen Namen unter den Aktiven muß hier zunächst Hermann Scherchen
genannt werden, dann aber ebenso Strawinsky selbst und natürlich auch
das Frankfurter Eigengewächs Th. W. Adorno.
   Seit langem besteht mehr als nur eine Vermutung, daß Adorno in der
Volksbücherei ein- und ausging und mit ihm sicherlich auch sein Umkreis,
und daß heißt, man wird eine gewisse bis starke Beeinflussung annehmen
können, und das wird sich wohl auch auf die Notenbeschaffung mittels Be-
stellwünschen ausgewirkt haben.
   Das Hauptkennzeichen der damals erworbenen Noten ist in der Regel der
Volksbüchereistempel {*1}, daneben weisen sie meist auch das per Bei-
stift notierte Anschaffungs- oder Katalogisierungsjahr auf. Leider de-
zimierte sich im Lauf der Zeit, insbesondere seit den späten 1970er Jah-
ren durch Verlust fortschreitend, der ehrwürdige Altbestand an Strawin-
sky-Noten und erst eine Rettungsaktion im Jahr 2007 war schließlich in-
sofern so etwas wie erfolgreich, als der buchstäblich kümmerliche, aber
immer noch bewahrungswürdige Rest von neun Noten, darunter der RMV-
Petruschka-Klavierauszug, als Dauerleihgabe in die Obhut der Musikab-
teilung der Frankfurter Universitätsbibliothek übergeben werden konnte.

   {*1} STÄDT. VOLKSBÜCHEREIEN FRANKFURT A. M. + Musikalien + (siehe
   dazu auch einen früheren Hinweis)

                           Abbildung

   Erstaunlich ist, wie sehr die im Adorno-Nachlaß überlieferten Stra-
winsky-Noten zur einstigen Volksbüchereisammlung passen. Das Findbuch
nämlich, daß 2015 im Archiv des Instituts für Sozialforschung freund-
licherweise eingesehen werden konnte, führt in diesem Sinn eine ganze
Reihe von Werken an, wobei schon allein Datierungsgesichtspunkte wie
die Verlags- und Copyright-Angaben oder Adornos handschriftliche Da-
tierungen auf Titelseiten unübersehbar den frappierenden und ergänzenden
Zusmmenhang mit der (einstigen) Volksbüchereisammlung ahnen lassen. So-
mit wäre also wünschenswert, wenn über das Sich-Kümmern um Neue Musik im
Frankfurt dieser Zeit und den besonderen Gesichtspunkt der öffentlich
durchgeführten Anschaffung Strawinskyscher Noten im Zusammenhang mit dem
überlieferten Bestand im Adorno-Nachlaß irgendwann einmal Genaueres zu
Tage käme {*1}.

   {*1} Zu Adornos Strawinsky-Theorie-und-Praxis-Verhältnis: Wer weiß 
   schon, daß die angehende Musikphilosophieweltpersönlichkeit am
   28.1.1934 ein Exemplar der Trois Pièces Faciles pour Piano à Quatre
   Mains (Main Gauche Facile), bestehend aus Marche, Valse und Polka,
   mit seinem Namenszug versah, und daß diese vor allem für Kinder und
   Anfänger bestimmte Noten, offenbar, wie im Findbuch mit Fragezeichen
   angedeutet, für seine Gretel gedacht waren, wohlgemerkt: Noten für
   "quatre mains", "main gauche facile".
 
   RMV-Noten Strawinskyscher Werke sind heute extrem selten, in öffent-
lichen Institutionen ganz und gar. So auch die Sacre-Taschenpartitur von
1921. Und wenn dann einmal einer der äußerst raren Standorte bekannt
wird, fehlt auch noch mit zu erwartender Regelmäßigkeit der Einband,
stattdessen trifft man auf fremde Einbände, Bibliothekseinbände. Im
Adorno-Nachlaß jedoch befindet sich die Erstausgabe der Taschenpartitur
von 1921 MIT dem Originaleinband; signiert ist dieses Exemplar von Ador-
no in Sütterlin-Schrift auf der Titelseite mit seinem vollen Namen
("Theodor Wiesengrund-Adorno.") und mit der Datierung unter Adorno:
"1925." Der Einband besteht aus einem braunen, einfachen, verschleiß-
anfälligen Dünnstkarton, wobei die Rückenpartie des Adorno-Exemplars
einen mitgenommenen Eindruck macht, das heißt, daß der ganze Einband
am Rücken mit Tesa-Film-Streifen zusammengehalten wird.
   Das schlichte, aber hübsche RMV-Design samt den Schmucklettern ist
so, wie unten die Abbildung des Klavierauszugdeckels das wiedergibt,
allerdings ist die Beschriftung etwas anders, sie stimmt genau mit dem
Deckblattaufdruck der Dirigierpartitur (ebenfalls Copyright 1921) über-
ein, der wiederum für die 1929er Ausgabe unverändert übernommen wurde
(siehe dazu unten die Schwarz-Weiß-Kopie des Deckblatts der Dirigier-
partitur von 1921).
   Abgesehen von dem der Plattennummer R.M.V. 197 hinzugefügten hoch-
gestellten "b", ist die Taschenpartitur von der großen Ausgabe nur eine
unveränderte Verkleinerung, das gilt auch für die Titelseite (siehe un-
ten die Abbildung der Seite aus der 1929er Dirigierpartitur) und ebenso
für die erste und letzte Notenseite. Unbedruckt sind: Rückseite des
Titelblatts (S. [2]), Rückseite der letzten Notenseite (S. [140]),
Rücken und hinteres Abdeckbklatt (innen wie außen). Den Pseudo-Hinweis
"Edited by F.H.Schneider", ein äußeres Sofortkennzeichen der 1929er
Taschenpartitur, dort abgedruckt auf der ersten Notenseite über "Igor
Strawinsky.", hat dieses Adornosche Exemplar selbstverständlich nicht,
weder gedruckt noch als Stempel (hierzu siehe unten).
   Alles in allem erübrigt sich somit jede weitere Beschreibung mit Aus-
nahme der Bemerkung, daß hier wie auch in den beiden 1929er Auflagen nur
die erste Notenseite (S. 3) die Plattennummer aufweist (das wird später
in den Boosey & Hawkes-Nachdrucken der 1929er Ausgabe anders sein; zu
weiteren Hinweisen siehe unten, siehe auch andernorts Ausführungen zur
1929er Ausgabe und ihrer mutmaßlich zweiten Auflage, und natürlich sei
auch hingwiesen auf Ausführungen, die die Dirigierpartituren betreffen).
   Interessant ist auch, daß in Adornos Partitur, obwohl von ihm auf
1925 datiert, weder die dreiseitige Errata-Auflistung noch die zwei-
seitige Einlage mit Besetzungs- und Dirigieranweisungsangaben, beide von
Anfang 1923 stammend, vorhanden sind, auch gibt es keinerlei Anzeichen,
daß irgendetwas je beilag. Eine Beilage hatte jedenfalls von vier bis-
lang eingesehenen 1921er Taschenpartituren nur eine und zwar nur die
dreiseitige Errata-Liste (zur Beschreibung der vollständigen RMV-Beilage
siehe früheres Kapitel). Von einem weiteren, von einem Antiquariat ange-
botenen Exemplar, bei dem nicht bekannt ist, um welche Fassung es sich
handelt, ging aus der beigefügten Beschreibung nur hervor, daß eine
dreiseitige Errata-Aufstellung beiliege. Seit wann genau die 1921er
Taschenpartituren eine Beilage erhielten, und ob komplett oder durchweg
nur den Errata-Teil, ist nicht bekannt, vage zu vermuten ist, gegen 1923
und zwar, wie die nachfolgende Beschreibung annehmen läßt, nur den Erra-
ta-Teil.
   Die in der 1921er Taschenpartitur angetroffene dreiseitige Errata-
Beilage stimmt vom Inhalt und der Größe des Druckspiegels her mit der-
jenigen für Dirigierpartituren überein; sie ist ein Doppelblatt, für den
Taschenpartiturzweck dreimal gefaltet (Größe ungefaltet: 54 x 34 cm,
nach der Faltung für die Taschenpartitur: 13,5 x 17 cm, eine gegenüber
den Partiturseiten also ca. 3,7 cm geringere Höhe). Da dieses vorlie-
gende Partiturexemplar einen Bibliothekseinband hat, für den der origi-
nale entfernt wurde, sind alle Spuren getilgt, wo und wie die Errata-
Liste beigelegt worden war. Im jetzigen Zustand der Partitur steckt sie
in einer Tasche, die innen auf das hintere Einbandblatt aufgeklebt ist.
Da sie eine Preisangabe trägt (2,47), ist anzunehmen, daß sie (diese
Tasche jedenfalls) vom Einbinder stammt.
   Adorno, Pianist, benutzte offenbar auch den Klavierauszug, möglicher-
weise den der Volksbücherei, der die Bibliotheksdatierung 1926 trägt und
in einer Kopie privat vorliegt, das Original ist verschollen (der ur-
sprüngliche Einband war übrigens durch einen Bibliothekseinband der mar-
morierten blauen Art ersetzt worden, von der in der Bibliothek noch heu-
te zahllose Noten künden). An Notizen enthält die Taschenpartitur Ador-
nos zwei, die eine auf Seite 33 oben bezieht sich mit der Seitenangabe
46 auf etwas, was wohl als "Auszug" entziffert werden kann (Christoph
Gödde, Adorno-Schriften-Herausgeber, ist gleicher Meinung), doch die
Seitenangabe legt im Auszug keine Bedeutung nahe, ja, sie läßt noch
nicht einmal einen wie auch immer gearteten musikalischen Zusammenhang
erkennen (Wiedergabe der Notiz: "Thema [oder "Schema"] S. 46, Auszug".

RMV-Taschenpartitur 1921, Exemplar "Van Baerlestraat 57"

   Ein merk- und möglicherweise denkwürdiges Exemplar der 1921er RMV-
Taschenpartitur kam von einem Hamburger Notenantiquariat, das auf An-
frage zur Provenienz leider keinen Hinweis liefern konnte.
   Die Partitur steckt in einem dunkelroten Kunstoffeinband, das Origi-
nal wurde hierfür entfernt, beschnitten ist die Partitur aber nicht
(Buchblockmaße ca. 14,8 x 21,2 cm), kein Zierschnitt (anders die 1929er
Threlfall-Partitur, siehe unten). Der Deckel trägt in "Goldprägung"
STRAWINKSY (beachte: "W", nicht "V") und LE SACRE DU PRINTEMPS. Der
Seitenkorpus ist von der Titelseite (S. [1]) bis zur letzten Seite
(S. 139) vollständig. Das Papier hat eine angenehme Glätte und Steif-
heit, der Notendruck ist trotz der erheblichen Verkleinerung im Großen
und Ganzen deutlich, also lesbar (die Partituren von 1929 und ca. 1934,
siehe unten, besitzen diese Art von Eigenschaften ähnlich).
   Zwischen Nachsatzblatt und hinterem Einbandteil liegt die andernorts
bibliographisch beschriebene dreiseitige Errata-Liste von ca. 1923 - wie
in einer weiteren 1921er Taschenpartitur vorgefunden - zusammengefaltet
bei. Soweit zu sehen, wurden alle oder der größte Teil der Errata in den
Notentext eingetragen, meist mit Bleistift, auf drei Seiten mit schwar-
zer Tinte (einige Einzelheiten siehe später).
   Der ursprüngliche Besitzer dürfte ein Holländer gewesen sein, mögli-
cherweise ein Dirigent, der offenbar über französische Sprachkenntnisse
verfügte.
   Auf der Titelseite hat dieser mutmaßliche Dirigent oben links mit
Bleistift anscheinend einen Besuchstermin notiert:
 
   Klav. uittr.
   Dinsdagmiddag
   3uur. v.Baerlestr. 57.
 
   Das heißt aufgelöst:
 
   Klavier uittreksel [= Klavierauszug]
   Dienstag(nach)mittag
   3 Uhr, Van Baerlestraat 57 [sicherlich Amsterdam, schräg
   gegenüber dem Concertgebouw gelegen]

   Wenn einem die naheliegende Vorstellung eines Besuchstermins vor-
schwebt, so ließe sich in etwa damit fortfahren, daß eben ein Sacre-
Klavierauszug mitgebracht werden soll - und doch wohl auch die Taschen-
partitur. Ein Musiknachmittag? Vielleicht bei Kaffee und Kuchen ein
Schallplattenkonzert? Seit 1929/1930 wären hierfür an Sacre-Alben drei
- die ersten Einspielungen überhaupt - auf dem Markt verfügbar gewesen,
nämlich die Aufnahmen unter den Dirigenten Pierre Monteux, Igor Strawin-
sky und Leopold Stokowski (siehe andernorts).
   Zur Datierung der Partitur, oder genauer gesagt, ihres Notentexts:
Da der 1921er Taschenpartiur die Errata-Liste von ca. 1923 beiliegt, ist
damit der Stand des zur Verfügung stehenden Notentexts definiert. Wann
aber genau die zahlreichen Korrekturen eingetragen wurden, ist derzeit
ganz und gar nicht zu bestimmen. Doch kann immerhin sachlich zutreffend
gesagt werden, daß ab etwa 1930 die Partitur als Druck eigentlich nicht
mehr als aktuell angesehen werden kann (zur verzwickten Ausgabenge-
schichte, daß nämlich in der 1929er Partitur die Errata-Liste nicht be-
rücksichtigt und somit in diesem Korrekturbereich der Stand von 1921
bzw. ca. 1923 nicht verlassen worden war, siehe die Ausführungen an an-
deren Orten).
   Die Frage steht nun im Raum, wer denn im Amsterdamer Haus Van Baerle-
straat 57 in den 1920er oder, wenn man die Zeit etwas dehnt, in den
1930er Jahren mit Sacre-Noten etwas anfangen konnte. Hierzu sind aber
noch nicht einmal erste Schritte auf dem Weg zu einem Beantwortungsver-
such möglich, weil man dazu die entsprechenden Adreßbücher benötigt, und
das heißt unumgänglich: Vertagung. Möglich sind aber geringfügige Ein-
blicke in die Wohnsituation dennoch und zwar mit Hilfe des Internets.
   In dem Haus wohnte von (spätestens) 1936 bis Februar 1941 der Han-
delsvertreter Joseph Arjé Lissauer (1892-1945) mit seiner zweiten Ehe-
frau Catharina Lissauer-Dormits (1893-1945). Sie hatten 1936 in Arnheim
geheiratet. Lissauer starb am 27. Januar 1945 im Konzentrationslager
Bergen-Belsen, seine Frau am 23. April 1945 in Tröbitz. Sie kam offen-
bar in dem letzten von Bergen-Belsen abgehenden, mit "Häftlingen" voll-
gestopften Zug, dem "verloren gegangenen Todeszug", um.
   Ob der in Nord-Amsterdam geborene Lissauer schon mit seiner ersten
Ehefrau, Sara Poons, in diesem Haus wohnte, ist in den aufrufbaren
Quellen nicht angegeben (nur Heirat: 1914, Scheidung: 1926), und es fin-
det sich auch kein Hinweis darauf, wo er sich zwischen 1926 und 1936
aufhielt.
   Wem das typisch holländische Großstadt-Backsteinanwesen, dreieinhalb-
stöckig mit weißem repräsentativem Eingang, einst gehörte, ist ebenfalls
nicht bekannt, ausgewiesen ist es seit einiger Zeit als "Joods Monu-
ment". Weitere jüdische Bewohner waren aber in der Zeit der Besetzung
bzw. Deportationen dort wohl nicht ansässig, denn sonst wären (im Inter-
net) sicherlich Einzelheiten dazu angegeben.
   Eine der Wohnungen, im zweiten Stock, nicht allzu groß (70 qm, viel-
leicht aber geteilt), wurde im April 2018 von einem Immobilienmakler an-
gepriesen. Fotos zeigen eine helle, möblierte, aber doch freiflächige
Wohnung mit zwei großen Fenstern und noblen Einzelheiten, zweifellos
eine erlesene Edelwohnung an erlesenem Ort: mit Blick auf das Concert-
gebouw. Man kann sich durchaus die damalige Exklusivität plastisch aus-
malen und auch, daß solch eine Wohnung ein (weißer) Flügel geschmückt
haben mag.
   Soweit ein Exkurs in die Welt dokumentarischer Phantasie. Zu den
"harten" Fakten des Notenteils: Es sind zwei Handschriften auszumachen.
Eine Haupthand, sie trug die Errata nach, eine (sehr späte?) Nebenhand,
von ihr stammen kaum mehr als zwei Bleistifteintragungen, so z.B. Neben-
sächlichkeiten wie "Ende des I. Teiles" (S. 71).
   Auch auf die zahlreichen Errata-Nachtragungen mit Bleistift braucht
hier nicht eingegangen werden. Sie vestehen sich, von der Errata-Liste
aus gesehen, alle wie von selbst. Doch die Tinte-Eintragungen auf den
Seiten 46, 48 und 49 lassen zumindest eine vielleicht weiterführende
Erörterung des Schreibers zu. Hierbei geht es um die Timpanistellen Zif-
fer 57 f., 58/6 f. und 59/4 f. sowie um die Hörnerstelle Z 58/6 f. Diese
Stellen erfuhren keine Korrekturen, Verdeutlichungen und dergleichen,
sondern Umarbeitungen.

                            =========
                            In Arbeit
                            =========

RMV-Taschenpartitur 1929 1. und 2. Auflage: Einleitung/Überblick

   Die RMV-Taschenbuchausgabe der 1929er Partituredition liegt in zwei
Versionen vor (Stand: April 2018), in der ersten Auflage von 1929 und
in einer weiteren - mutmaßlich zweiten - Auflage von ca. 1934. Beide
Ausgaben sind sehr selten und lange Zeit, bis sage und schreibe 2015,
war unbefangen davon ausgegangen worden, es existiere nur eine einzige
1929er Ausgabe, die frühe, wobei diese nun sogar (seit 2016) in Form
eines aus dem Nachlaß des englischen Musikforschers Robert Threlfall
(1918-2014) stammenden, notenkundlich wertvollen Exemplars zur Verfügung
steht (siehe nachfolgend das gesonderte Kapitel).
   Aber nicht nur Exemplare der 1929er Taschenbuchausgabe sind extrem
selten, selbst einigermaßen greifbare öffentliche Standorte waren bis
vor kurzem unbekannt. Kurios ist nun, daß als erstes Exemplar der 1929er
Fassung ganz unerwartet eines der mutmaßlich zweiten Auflage auftauchte
(Oktober 2015), hier mußte dann auch die betreffende Bibliothek darauf
aufmerksam gemacht werden, daß es sich nicht um die "Erstausgabe" bzw.
"Erstfassung" von 1921 handele. Schließlich, ein Jahr später (September
2016) folgte dann die dringliche Ergänzung dazu - endlich und glückli-
cherweise, nach langem Warten und Suchen: das 1929er Exemplar Threl-
falls.
   Doch ganz unverhofft, und nicht minder überraschend, kann jetzt sogar
auf zwei Exemplare der vermutlich zweiten Auflage von ca. 1934 zurückge-
griffen werden. Bei dem "neuen Fund" - angetroffen in einer Musikhoch-
schulbibliothek - sind Deckblatt und Titelseite erhalten geblieben, bei
dem zweiten, dem oben genannten "Erstlingsfund", fehlt dagegen der Ein-
band komplett, doch ist auch hier wenigstens die für die Druckidentifi-
kation so wichtige Titelseite (S. [1]) vorhanden; die Notenseiten 3 bis
139 liegen bei beiden Exemplaren vollständig vor. Beachte: Daß es sich
bei diesen Exemplaren um eine nachfolgende (anscheinend zweite) Auflage
handelt, ist eine Ableitung; die Grundlage dafür bildet die für diese
Druckstufe charakteristische Bedruckung des Deckblatts, der Titelseite
(S. [1]) und der ersten Notenseite (S. 3). Der Standort des Exemplars
ohne Einband ist der Bernd Alois Zimmermann-Nachlaß (siehe späteres
Kapitel).

RMV-Taschenpartitur 1929 1. Auflage: Threlfall-Exemplar

                           ==============
                           In Bearbeitung
                           ==============

a) RMV-Taschenpartitur 1929: Mängeldruck, unvollständiges Mängelexemplar

   Die vom Russischen Musikverlag (RMV) herausgegebene Taschenpartitur
der Sacre-Fassung von 1929 liegt, wie oben schon gesagt, in einer beson-
deren Form vor: Sie stammt aus dem Nachlaß des englischen Musikforschers
und Bibliographen (Delius, Rachmaninoff) Robert Threlfall (1918-2014).
   Was hat es mit diesem Exemplar der RMV-Sacre-Taschenpartitur, das
zahlreiche Einzeichnungen und Berichtigungen Threlfalls aufweist, so
auf sich?
   Formal gehört das Exemplar der (wie andernorts dargestellt) teils
sehr umgearbeiteten Fassung von 1929 an und zwar offensichtlich dem
ersten Druck der von der Dirigierpartitur abgeleiteten Taschenpartitur-
ausgabe (Verkleinerung). Doch der Druck (bzw. die Ausgabe) ist ein Män-
geldruck, nicht nur das, er ist sogar, um eine seltsam erscheinende Be-
griffsbildung zu wählen, ein "unvollständiger Mängeldruck". Zu diesen
Begriffen siehe nachfolgend den geschilderten Sachverhalt (und beachte
hierbei: dieser problematische Mängelsachverhalt gilt nicht nur für
diesen ersten Druck, sondern auch und eigentlich noch viel mehr für den
gegen 1934 erschienenen mutmaßlichen zweiten und wohl letzten RMV-Druck
der 1929er Taschenpartitur).
   Um nun eine Grundlage für die Berechtigung des Vorwurfs der Mängel-
ausgabe zu erhalten, müssen zunächst einige bereits früher dargestellte
Details der Fassung von 1921 rekapituliert werden:
   Der Taschenpartiturerstausgabe von 1921 (Copyright), sie erschien
1922, wurde kurze Zeit später eine dreiseitige Errata-Liste mit der Sei-
tenzählung 1 bis 3 beigelegt und außerdem wohl auch die dazu gehörige
zweiseitige Ergänzungsliste, beinhaltend Besetzungsangaben, Spiel- und
Dirigieranweisungen (eigene Seitenzählung: 1 und 2). Beide Einlagener-
gänzungen sind großformatig; sie waren, entstanden wahrscheinlich Anfang
1923, konzipiert für die RMV-Dirigierpartitur (Leihpartitur) von 1921
und mußten erstaunlicherweise der Partitur von 1929 erneut beigelegt
werden (siehe auch weiter unten).
   Für die Taschenpartitur wurde eine Faltung vorgenommenen, die ein
Format ergab, das um etliches kleiner ist als dasjenige der Taschenpar-
titur(en). So nun, zusammengefaltet, wurde die Beilage offenbar hinten
nach dem letzten Notentextblatt eingelegt, es ist aber auch ein - mög-
licherweise nicht authentischer - Fall einer innen auf den hinteren Ein-
band eingeklebten Tasche bekannt.
   Bei der Neuausgabe nun von 1929 übernahm man seltsamerweise die In-
halte der beiden Einlagen nicht in den bearbeiteten Nachdruck der Diri-
gierpartitur, stattdessen legte man diese, wie gesagt, wieder nur bei.
Das heißt konkret u.a., daß die zahlreichen Errata der oben genannten
Liste in der neuen Fassung NICHT eingearbeitet sind! Und das sind sie
natürlich auch nicht in der Taschenpartitur, und erstaunlicherweise
ebenso nicht in deren Nachdruckauflage von ca. 1934. Doch ob allerdings
die Taschenpartitur dieser neuen (Mängel-)Fasssung nach Art der 1921er
Fassung je die eigentlich notwendigen Beilagen wirklich enthielt, ist
derzeit noch nicht nachgewiesen (für die Taschenpartitur von 1921 bis-
lang ohnehin nur die Errata-Liste, für die Dirigierpartitur von 1929
jedoch beide und zwar zusammen!).
   Threlfalls Exemplar, dessen Originaleinband durch einen Bibliotheks-
einband ersetzt wurde, liegt keine Beilage bei, ihm lag wahrscheinlich
auch nie eine bei, zumindest nicht als die Partitur in Threlfalls Besitz
gelangte. Das zeigen nachvollziehbar seine Einzeichnungen bzw. auch das
Fehlen entsprechender Notate (dazu später mehr). Irgendwelche Spuren
einer Ausbuchtung oder Abdrücke, die durch eine einstige Beilage hervor-
gerufen sein könnten bzw. müßten, sind weder am Titelblatt noch am letz-
ten Notenblatt auszumachen.
   In einem deutschen Musikantiquariat war Ende 2017 ein weiteres 1929er
Exemplar des ersten Drucks, diesmal den Originaleinband aufweisend, auf-
getaucht (zu einem leider unerschwinglich hohen Preis). Es liegen davon
die Titelseite und die letzte Notenseite vor. Auch dieses Exemplar hat
keine Beilage und aus der - soweit das möglich ist - sehr gründlichen
Überprüfung der Abbildungen der beiden Seiten, ist auch hier kein Ab-
druck wahrzunehmen, den eine relativ dicke Beilage eigentlich irgendwie
bewirkt haben müßte. Ob im Übrigen darüber hinaus z.B. zwischen dem
letzten Notenblatt und dem hinteren Einbandteil am Rücken eventuell eine
Erweiterung bzw. Einbuchtung festzustellen ist, was ja ebenso gut auf
eine ursprünglich vorhandene vielfach gefaltete Beilage hindeuten könn-
te, auch dazu kann leider keine Aussage gemacht werden.
   Alles in allem ist der Stand der Überlegungen zum Nachweis von Beila-
gen in der 1929er Taschenpartitur der, daß es wahrscheinlich Exemplare
gegeben hat, die zunächst ohne Einlage ausgeliefert worden sind, wie das
ähnlich bei der 1921er Taschenpartitur geschah, und das hieße eben auch,
daß Einlagen vielleicht erst später ausgelieferte Exemplare der ersten
Auflage der 1929er Fassung erhalten haben. Somit steht der Verdacht im
Raum, es wären Exemplare der ersten Auflage der 1929er Taschenpartitur
auf den Markt gekommen, denen nicht nur die Eigenschaft "Mängeldruck"
anzuheften ist, sondern vielmehr auch die verstärkte Aussage "Mängel-
exemplar, und das auch noch unvollständig"; wenn man so will, böte sich
hierfür "unvollständiges Mängelexemplar" als zweifellos schrullige,
widersprüchliche, mißverständliche, aber treffende Kurzform an.
   Wie gesagt, diese Bewertung dürfte auch für die mutmaßlich zweite
Auflage der 1929er Taschenpartitur gelten, da allerdings dann noch um
einige Grade schärfer gewichtet. Denn spätestens hier sollten Begriffe
wie Kundentäuschung und Handelsbetrug mit in die Diskussion einbezogen
werden (siehe dazu weiter unten).
   Diesem kurzen Überblick über die frühe Korrekturgeschichte der Par-
titur sei, an bereits erfolgte Ausführungen erinnernd, noch angefügt:
Erst in den Boosey & Hawkes-Druck von 1948 wurden die Einlagen eingear-
beitet, das heißt, die 1929er RMV-Druckvorlagen des Notentexts, die
Seiten 3 bis 139, wurden bei dieser Neuausgabe wiederverwendet. Die
neue Dirigierpartitur erhielt kurz darauf erneut eine Errata-Liste, auch
sie ist großformatig, umfaßt aber diesmal sieben Seiten. In der Taschen-
partitur hingegen tauchen diese erneuten Korrekturen schon als Einarbei-
tungen auf (beachte: dies ist nur eine grobe Zusammenfassung eines Sach-
verhalts, der komplizierter und sogar rätselhaft ist, siehe hierzu frü-
here Ausführungen).

b) Zum Threlfall-Exemplar - zur Beschäftigung damit

   Zunächst weitere bibliographische Details: Der nicht widerstandsfähi-
ge papierne Originaleinband des RMV wurde gegen einen soliden Biblio-
thekseinband ersetzt; editorisch vorteilhafter wäre natürlich gewesen,
wenn die Bindearbeiten wenigstens das ursprüngliche Deckblatt miteinbe-
zogen hätten (1921 waren Rücken und die Einbandseiten 2, 3 und 4 unbe-
druckt, hier höchstwahrscheinlich auch).
   Der jetzige Einband gehört zur Gruppe der typischen englischen three-
quarter bindings, allerdings nicht aus Leder (Rücken und Ecken) und
Pappe (für die großen Flächen), sondern ganz aus rotem "cloth" (eine
Art Halbleinen). Rückenpartie: normales helles rot (grobes Leinen),
Flächen: weinrot (feines Leinen, vielleicht auch ein Ersatzstoff); die
Ecken sind nicht gesondert gearbeitet. Der Rücken ist, wie höchstwahr-
scheinlich beim Originaldruck auch, unbeschriftet, auf dem Deckel steht
in Goldschrift: STRAWINSKY (beachte: wie z.B. auf der Titelseite "W",
nicht "V").
   Beschnitten wurde die Partitur nicht, so daß zu sehen ist, daß der
ursprüngliche Schnitt eine rot gesprenkelte Zeichnung trägt (Sprenkel-
schnitt), und zwar auf allen drei Seiten (Seitenmaße, in der Breite
variierend, zwischen ca. 14,5 bis 14,8 x 21,0 cm).
   Die Art der Bedruckungstafel auf der Titelseite dieser ersten Auflage
der 1929er Taschenpartitur entspricht weitgehend der Tafel der Dirigier-
partitur (siehe weiter unten deren Abbildung). Die Abweichungen aber
sind charakteristisch. Zunächst zum oberen Textteil, er ist von der Zei-
le "IGOR STRAWINSKY" an bis zur Zeile "FONDÉE PAR S. ET N. KOUSSEWITZKY"
gleich, allerdings ist die Zeile "TOUS DROITS D'EXÉCUTION RÉSERVÉS" un-
ter die Zeile "PROPRIÉTÉ DE L'ÉDITEUR POUR TOUS PAYS" verlegt worden.
Sie steht hier also dem RMV-Logo (Gusli-Spieler) nicht mehr voran.
   Der nachfolgende Adreßblock jedoch ist gänzlich anders gefaßt. Der
Grund dafür waren in Paris und London Wechsel der Verlagsvertretungen
bzw. Auslieferungslager (Sortimenter). So steht z.B. anstelle der Anga-
be "MUSIQUE RUSSE, PARIS, 3 RUE DE MOSCOU" die Angabe "PARIS [/] 22, RUE
D'ANJOU, 22 {*1} [/] S. A. [Société anonyme = Aktiengesellschaft] DES
GRANDES ÉDITIONS MUSICALES". Ersatzlos gestrichen wurde die Zeile "[...]
THE RUSSIAN MUSIC AGENCY, LONDRES W.I, [...]" {*2}. Stattdessen weist
die Titelseite dieser Taschenpartitur einen Rundstempel der Firma "BOO-
SEY & HAWKES LTD." auf mit dem Hinweis "SOLE AGENTS". Man sieht hier, es
künden sich die ersten Anzeichen einer erheblichen (Besitz-)Änderung an.
Im (absichtlich groß gehaltenen) Innenraum des Stempels ist übrigens mit
Bleistift schon der (offenbar vorgeschriebene) Ladenpreis eingetragen:
8/- (8 shillings).

   {*1} Die wiederholte "22" wirkt seltsam, sie könnte ein Fehler sein,
        denn die eigentliche Adresse gemäß einer Anzeige vom Dezember
        1930 lautet: 22, rue d'Anjou, Paris-8e. Ein bloßer Setzfehler
        allerdings dürfte die Straßenangabe mit der verdoppelten "22"
        nicht sein, da diese Version auch in anderen Notenausgaben des
        Russischen Musikverlags auftaucht.

   {*2} Ortsangaben:

        Dirigierpartitur

        a) Deckblatt 1921 (= Taschenpartitur 1921), 1929 (Taschen-
           partitur 1929 unbekannt):

             BERLIN, LEIPZIG, LONDRES, MOSCOU, NEW-YORK, PARIS.

        b) Titelseite 1921 (= Taschenpartitur 1921), 1929,
           nach Zeile "FONDÉE PAR S. ET N. KOUSSEWITZKY":

             BERLIN   MOSCOU   LEIPZIG   NEW-YORK [/]
        POUR LA FRANCE ET SES COLONIES: MUSIQUE RUSSE, PARIS,
        3 RUE DE MOSCOU {*a} [/]
        POUR L'ANGLETERRE ET SES COLONIES: THE RUSSIAN MUSIC
        AGENCY,LONDRES W.I, 34 PERCY STREET [*a}

        Taschenpartitur 1929 1. Auflage

        c) Titelseite,
           nach Zeile "FONDÉE PAR S. ET N. KOUSSEWITZKY":

             BERLIN, MOSCOU, LEIPZIG, NEW YORK, LONDRES, [/]
                                 PARIS
                          22, RUE D'ANJOU, 22
                 S. A. DES GRANDES ÉDITIONS MUSICALES

        {*a} Auslieferungslageradresse in Paris bzw. London. Original
             ohne Zeilenbruch, zur Schriftgestaltung siehe weiter unten
             die Abbildung der Titelseite der 1929er Dirigierpartitur.

   RMV-Taschenpartituren, Hinweis auf schnelle Identifikationshilfen:
1. Die Urheberstrohmannangabe "Edited by F.H.Schneider", auf der ersten
Notenseite (= Seite 3) über "Igor Strawinsky." aufgedruckt - nicht wie
in der Dirigierpartitur (Leihpartitur) aufgestempelt - und 2. die Strei-
chung des Quero-Orchesterschlußschlageinsatzes sind zwei dienliche Über-
prüfungsmöglichkeiten, ob eine Taschenpartitur der 1929er und nicht der
1921er Fassung vorliegt. Für einen solchen Unterscheidungstest gibt es
aber noch eine Blitzmöglichkeit, eine exklusive sozusagen, und zwar auch
auf Seite 3: In der 1929er Partitur und deren zweiter Auflage hat das
hochgestellte "b" der Plattennummer R.M.V. 197b eine andere Form. Eines
der Kennzeichen dieses "b" ist, daß es oben einen Haken bzw. überstehen-
den Abschlußstrich nur nach links aufweist, während das "b" von 1921 von
einem derartigen, aber nach beiden Seiten hin überstehenden, Abschluß-
strich beendet, quasi "gedeckelt" wird.
   Ein weiteres deutliches Kennzeichen des "b" bietet der "Bauch". Im
1921er Druck hat er den Charakter eines - kaum merklich verundeteten -
Rechtecks, in den Drucken von 1929 und ca. 1934 ist er prägnant rund-
lich, "bauchig".
   Doch da nun aber die beiden Auflagen der 1929er Taschenpartitur das
gleiche "b" aufweisen, dürfte sich für den ganz schnellen allumfassenden
Blick zwecks Identifikation wohl am ehesten nur die Adressenangabe em-
pfehlen: Rue de Moscou (1921, Erstdruck), Rue d'Anjou (1929, Zweitdruck,
bearbeitet) und Martin-Luther-Straße (ca. 1934, Notentext: unveränderter
Nachdruck des Zweitdrucks, zu diesem bzw. zur letztgenannten Straßenan-
gabe siehe das nachfolgende Kapitel).
   Die oben angesprochenen Notate und Berichtigungen Threlfalls sind
nicht nur zahlreich und vielfältig, sie entstanden zudem in unterschied-
lichen zeitlichen Stufen. Dazu soll hier eine kurze Beschreibung folgen,
die dann im Übrigen zur Bekräftigung der wichtigen Vermutung führt, die
Partitur sei höchstwahrscheinlich ohne Beilage(n) in die Hände Threl-
falls gekommen, wenn nicht sogar ohne Beilage(n) ausgeliefert worden.
   Der ersten Schritt, den Threlfall unternahm, war, anhand der in der
Partitur angegebenen Instrumentenbezeichnungen und -hinweisen akribisch
genau eine Besetzungsübersicht zusammenzutragen und diese (in schwarzer
Tinte) hochkonzentriert, ohne jeden Verschreiber, fein säuberlich auf
die Leerseite (= Titelseite verso = S. [2]) einzutragen. Die Nieder-
schrift ist in einer Schönschrift ausgeführt, die aus einem Druck- und
Schreibschriftgemisch besteht. Diese Besetzungszusammenstellung geschah
völlig selbständig, irgendein wie auch immer gearteter Einfluß von der
ca. 1923 entstandenen kopistenschriftlichen RMV-Beilage (siehe andern-
orts) ist nicht auszumachen. Und es hat ganz sicher auch die 1948er
Boosey & Hawkes-Drucksatzfassung nicht als Vorbild gedient, was wohl
ohnehin zeitlich auszuschließen ist, denn der Vergleich der in der Par-
titur vorhandenen Handschriftstufen macht deutlich, daß die Abfassung
der Besetzungsliste doch sehr früh und sicherlich noch in den 1930er
Jahren entstanden ist, allerdings kaum sehr viel vor 1934, denn die frü-
heste anzunehmende Altersgrenze für diese Handschrift Threlfalls, die im
Übrigen charakteristisch die Züge eines jungen Menschen höherer Bildung
ausstrahlt, dürfte nach Befragen bibliothekarisch tätiger Fachkräfte auf
vielleicht 16 Jahre anzusetzen sein.
   Bei der Übertragung der oft abgekürzten Bezeichnungen samt etwaiger
Auflösungen hielt sich Threlfall streng an die Vorlage, das heißt auch,
daß seine Liste natürlich italienisch abgefaßt ist mit den Ausnahmen,
die schon Strawinsky verwendete, z.B. französische Begriffe wie Tambour
de Basque (Ziffer 129, 138), Une rape Guero (Ziffer 70) {*1}.

   {*1} Die beiden zuvor genannten Auflistugen (RMV von wohl Anfang
   1923, Boosey & Hawkes von 1948) sind auf französisch abgefaßt. Sie
   unterscheiden sich in vielen Formulierungen, doch diente sicherlich
   der jüngeren die frühere als Modell oder Anhaltspunkt. Und um das
   hinzufügen: Die 1967er Auflistung ist eine Neufassung, auch mit ihr
   hat die Threlfallsche Zusammenstellung nichts zu tun (zu den Verlags-
   abfassungen siehe andernorts).

   Eine Eintragungsstufe, diesmal in blauer Tinte (hier als blaue Tinte
I eingestuft) springt ebenfalls sofort ins Auge; sie ist gekennzeichnet
durch eine deutlich gealterte, flüssige, leicht ausgeschriebene Hand-
schrift (auch diese wieder eine Mischung aus Druck- und Schreibschrift).
Als Vorlage diente eindeutig der RMV-Klavierauszug. Eingetragen wurden
die Datierungen "1912-1931" (S. 3 = 1. Notenseite), "Clarent 1913" (S.
139 = letzte Noteseite), vor allem aber Titel- und Anweisungsergänzun-
gen, italienische, russische und französische. Und es wurden unter die
oben erwähnte Besetzungsliste die damals nur im RMV-Klavierauszug wie-
dergegebenen Uraufführungsdaten wortwörtlich nachgetragen und zwar die
französische Version, der in der Vorlage die russische folgt (siehe dort
S. [6]; beachte: der erst mit S. 9 [sic] beginnende - um die Vorspann-
seiten verkürzte - Nachdruck von Boosey & Hawkes, 1952 erschienen, weist
diese Angaben nicht auf, auch in den Boosey & Hawkes-Partituren der
ersten Editionslinie ist nichts dergleichen abgedruckt und die Angaben
später, in der Taschenpartitur ab Anfang der 1980er Jahre aufkommend
- auf englisch! -, sind völlig anderer Art).
   Sehr oft gingen diesen Eintragungen in blauer Tinte I Bleistiftein-
tragungen voraus (der oben erwähnten längeren Uraufführungseintragung
aber z.B. nicht!), die vor der Überschreibung manchmal ganz, manchmal
nur halbwegs ausradiert wurden; gänzlich unberührt stehengeblieben sind
in der Regel nur gewisse Teile wie "(cf. PF score)", z.B. vor der Er-
gänzung der russisch[!]-französischen szenischen Anweisung bei Ziffer
12/10 (also vor Ziffer 13), die im Übrigen in keiner Partitur vorhanden
ist, jedoch sehr wohl im revidierten Klavierauszug von 1968, dort aller-
dings auf englisch[!]-französisch. Eine andere charakteristische Über-
schreibung einer Bleistifteintragung ist die Übertragung des russischen
Werktitels aus den (russischen) Uraufführungsdaten des RMV-Klavieraus-
zugs auf die Titelseite der Taschenpartitur und zwar wie folgt in ecki-
gen Klammern:

                       LE SACRE DU PRINTEMPS
                          [ВЕСНА СВЯЩЕННА]

   Hier sollte der schon früher geäußerte Hinweis wiederholt werden, daß
der russische Werktitel nur im RMV-Klavierauszug abgedruckt ist; vorhan-
den ist er weder in den Partituren des RMV noch in denen des Boosey &
Hawkes-Verlags (auch nicht in den Boosey & Hawkes-Editionen des Aus-
zugs).
   Mit der blauen Tinte I wurden aber nicht nur aus dem RMV-Auszug über-
tragene Beistifteintragungen überschrieben, sondern auch andere Blei-
stifteintragungen. Und diese Tatsache führt zum nächsten Themenkreis.
   Denn mit dem Blick auf die Bleistifteintragungen beginnt nach einiger
Zeit das Rätselraten rund um deren zeitliche Einordnung. Gab es auch an-
dere frühe? Wenn ja, welcher Art sind sie? Fanden irgendwelche Eintra-
gungen nach der beschriebenen Stufe der blauen Tinte I statt? Eines
steht fest: Obwohl offenbar/augenscheinlich mit gleicher oder sehr ähn-
licher Handschrift geschrieben, gibt es auf jeden Fall Bleistiftein-
zeichnungen, die mit Sicherheit nicht vor 1982 eingetragen worden sein
können. Und hiervon ausgehend, kommt man dann nach kritischer, abwägen-
der Untersuchung schließlich doch zu einer weiteren ausreichend tragfä-
higen Annahme: Es existieren offenbar zumindest drei Bleistiftstufen,
zwei frühe, zu der die mit der blauen Tinte I überschriebenen Eintragun-
gen gehören, und die eben genannte späte, der, wie schon gesagt, die
nicht vor 1982 entstandenen Eintragungen zuzurechnen sind. Es gibt dar-
über hinaus aber auch eine große Anzahl ausradierter Beistifteintragun-
gen, etliche davon ganz "selbständiger" Natur, das heißt, das sind sol-
che, die keine Überschreibungen - welcher Art auch immer - erfuhren; zu
entziffern ist davon kaum etwas. Und es gibt außerdem auch Bleistiftein-
tragungen, die, wie gerade angedeutet, nicht mit Tinte, sondern mit
blauem Kuli überschrieben wurden.
   Die andere Art der deutlich als früh einzustufenden Bleistifteintra-
gungen ist jene, die nicht aus dem Vergleich mit dem Auszug herrührt;
sie dürfte, wie sich zeigen wird, als Information für Vorstellungen von
der Erscheinungsweise der RMV-Taschenpartituren von einigem Interesse
sein, nämlich: inwieweit diese dem Handel mit oder ohne Beilagen gelie-
fert wurden. Und außerdem hängen von eingesammelten Hinweisen solcher
Art vielleicht auch weiterführende Aussagen zur Veröffentlichungssorg-
falt des RMV nicht nur bei Taschenpartituren ab, sondern vielleicht so-
gar zur Veröffentlichungssorgfalt bei Dirigierpartituren (Leihpartitu-
ren). Grund genug also, daß eine kurze Darstellung relevanter Beobach-
tungen zur zweiten Art früher Bleistifteintragungen in Threlfalls Parti-
tur nicht fehlen sollte.
   Der RMV-Klavierauszug war also die eine Quelle der frühen Beistift-
eintragungen, überraschenderweise war die RMV-Partitur von 1921 die an-
dere. Allerdings ist nicht möglich, herauszufinden, ob die Taschen- oder
die Dirigierpartitur für den Vergleich als Vorlage diente. Doch etwas
Anderes scheint der Fall gewesen sein, nämlich: daß der Auszug und die
1921er Partitur gleichzeitig benutzt wurden. Ein Vertun dürfte für diese
Vermutung ein treffliches Indiz liefern: Am Schluß der Partitur steht
die Bleistifteintragung, später mit der blauen Tinte I überschrieben:
"Clarens 1913". Diese Abschlußdatierung aber befindet sich nur im Aus-
zug, doch Threlfall gab zunächst die andere Quelle früher Bleistiftein-
zeichnungen an, die Partitur: "[Ist edn]" (= first edition).
   Daß die Partitur von 1921 benutzt wurde, steht außer Frage, denn da-
für gibt es etliche eindeutige Bezüge bzw. Verweise, so z.B. (mit fran-
zösischer Färbung): "Edited by F.H.Schneider" wurde eingekringelt und
mit dem Zusatz versehen "not in Ier edn".
   Und was lehrt der schnelle Blick auf die letzte Notenseite (S. 139)?
Der Guero wurde eingezeichnet! Zunächst mit Bleistift, dann überschrie-
ben mit der blauen Tinte I. Quellenangabe: "(Ier edn)" (alle Hochstellun-
gen mit hier nicht darstellbarem Unterpunkt). Ob allerdings das mit der
blauen Tinte I vor die Systeme gesetzte "Guero" ebenfalls eine Über-
schreibung ist, läßt sich nicht feststellen (beide Stellen, die Noten-
eintragung und die Bezeichnung "Guero", stehen in eckigen Klammern, ge-
schrieben mit einem schwarzen Kuli). Eine andere charakteristische Über-
tragung mit gewohnter Quellenangabe der 1921er Partitur ist die Anwei-
sung Ziffer 128/1 (zuerst Bleistift, danach Überschreibung mit blauer
Tinte I): "Avec la baguette de bois.-Touchez légèrement au bord,de façon
à produire un Sib environ." (Partitur: bois.-Touchez) Diese Vorschrift
kommt in den gedruckten Partituren nur in der 1921er Ausgabe vor, das
Orignalmanuskript aber hat ihn ebenso, wenn auch nicht ganz zeichen-
gleich).
   Threlfall verglich die 1921er Druckfassung, die "First edition", mit
seiner Partitur Seite für Seite, offenbar sehr genau, wie die Einkringe-
lungen der Seitenzahlen neu gesetzter Seiten zeigen. Threlfalls Kenn-
zeichnung dafür lautet: "re-engd" (= re-engraved), so auf S. 99, Beginn
der ersten Gruppe (EVOCATION DES ANCÉTRES) und auf S. 112, Beginn der
2. Gruppe (DANSE SACRALE), jeweils mit Bleistift.
   Spannend war nun, seine Ergebnisse mit den weiter unten angegebenen
zu vergleichen. Wenn man die dortige Verfeinerung auf Teilneustiche (S.
133 und 139) ausnimmt, stimmen Threlfalls Ergebnisse bis auf die Kenn-
zeichnung der Seiten 126 (bei Threlfall mit Fragezeichen) und 127 über-
ein, wobei zu diesen beiden zuletzt genannten abweichenden Einschätzun-
gen, derzeit nichts gesagt werden kann, das heißt, es muß schlicht und
einfach abgewartet werden, denn mit den jetzigen zur Verfügung stehenden
Mitteln kann Threlfalls Zuweisung weder nachvollzogen noch angezweifelt
werden.

   Kennzeichnung von Neustichseiten in der Threlfall-Partitur:

   Evocation des Ancêtres: 99, 100, 101, 102, Danse Sacrale: 112, 113
   114, 122, 123, 124, 125, 126 ?, 127, 130, 133, 134, 135, 136, 137,
   138, 139

   Ohne Zweifel lag also Threlfall die Partitur von 1921 vor, die Frage
aber, ob in Form der Dirigier- oder der Taschenausgabe läßt sich, wie
schon gesagt, nicht beantworten. Eines jedoch ist ebenfalls unzweifel-
haft, die Gesamtheit der Korrekturen und sonstigen Eintragungen in
seiner 1929er Partitur zeigt, daß weder das vorliegende 1929er Exemplar
noch die 1921er Ausgabe die RMV-Errata-Beilage beinhalteten, und auch
sonst wird deutlich, daß Threlfall offenbar nie eine Kenntnis von den
RMV-Beilagen hatte, was bei einem bibliographisch rührigen, quellenori-
entierten Forscher dieser Wissensstufe etwas heißen will. Es finden sich
also immer wieder Bestätigungen der Auffassung, die Listen von ca. 1923
seien als Beilagen eine extrem seltene Angelegenheit (gewesen).
   Die RMV-Beilagen sind in der Tat zu bedeutend und zu überraschend, so
daß nicht vorstellbar ist, daß man sie im Fall ihrer Kenntnisnahme sang-
und klanglos unbeachtet lassen könnte. Doch gibt es Eintragungen, darun-
ter auch frühe mit Bleistift, deren Ursprung noch zu klären, zu disku-
tieren ist, denn aus diesem Bereich können durchaus Unklarheiten und
Zweifel aufkommen. Dabei wird sich allerdings auch zeigen, daß beim Vor-
gang dieser Eintragungen, Threlfall offenkundig Unaufmerksamkeiten, das
heißt, Korrekturauslassungen unterliefen, die im übrigen nur noch deut-
licher machen, daß die RMV-Errata-Liste nicht vorgelegen haben kann.
Auch erfährt man, wenn nachfolgend in diesen Themenkreis eingestiegen
wird, gleich zu Beginn, wie sehr Threlfall an einer Quellenkenntlich-
machung interessiert ist.
   Der untere Rand der ersten Notenseite (S. 3) der Threlfallschen Par-
titur weist einige Spuren von Ausradierungen auf. Leserlich ist davon
nichts, erahnbar auch so gut wie nichts. Die jetzige Beschriftung lau-
tet:

   Mit Bleistift, über "Copyright 1921 by Russischer [...]":

   "(publ. 1922)"

   Mit Bleistift, unter "Édition Russe de Musique Berlin [...]":

   "This printed score is the second (1929) edition."

   Darunter, mit blauer Tinte II (zu dieser siehe nachfolgend):

   "Corrected score, Boosey & Hawkes 1948. [weiter mit Bleistift:]
   (incorporating 'red ink score' altly [/] cf. S.S.C. I, 405)" [Hoch-
   stellung mit hier nicht darstellbarem Unterpunkt]

   Diese Eintragungen verschaffen von zwei Quellenangaben das jeweils
früheste Veröffentlichungsjahr. Zunächst zu "Corrected score, Boosey &
Hawkes 1948.": Das ist ein Originaleintrag, was bedeutet, es geht die-
ser Eintragung keine Bleistiftfassung und auch keine Radierung voraus.
   "1948" offenbart den Kundigen! Denn in der frühen Zeit weisen die
Sacre-Partituren außer in der Angabe "Coypyrigt 1921 by [...]" keine
weitere offensichtliche Editionsdatierung auf. Man muß schon das auf
der letzten Notenseite angegebene Datierungssigel "H.P. B735 448" zu
lesen verstehen, um vom Druckjahr her auf eine derartige Kennzeichnung
der Partitur zu kommen. Auch liegt nahe, anzunehmen, daß Threlfall die
Partitur in dieser Zeit erwarb. Jedenfalls hatte das Antiquariat, von
dem die 1929er Partitur stammt, zur gleichen Zeit auch die 1948er Aus-
gabe der Taschenpartitur im Angebot. Höchstwahrscheinlich war das Threl-
falls Exemplar. Leider konnte man damals überhaupt nicht ahnen, daß es
wichtig sein könnte, diese 1948er Boosey & Hawkes-Partitur gleich mit
zu bestellen.
   Threlfall trug in seine 1929er Partitur aus der 1948er Partitur zahl-
lose Korrekturen in blauer Tinte (blaue Tinte II) nach; diese gehören zu
den Korrekturen, die vom RMV schon in die 1929er Ausgabe hätten einge-
fügt werden müssen, also der Errata-Liste von ca. 1923 entstammen. Als
Beispiele seien hier zunächst nur die großen Stellen genannt und zwar in
Kurzform: Flötenergänzung Ziffer 53, Perkussionumarbeitung Ziffer 57 f.
und Hörnerumarbeitung Ziffer 58/6 f.
   Die zweite sichere Jahreszahl kann aus der Angabe "cf. S.S.C. I, 405"
abgeleitet werden: Stravinsky, Selected Correspondence, Volume 1, Seite
405. Dieses Werk, herausgegeben von Robert Craft erschien 1982 im Verlag
Alfred A. Knopf; die Seiten 398 bis 406 umfassen den Appendix D: Le
Sacre du Printemps: A Chronology of the Revisions. Von diesem damals
(und in vielen Details auch heute noch) wichtigen Beitrag hat Threlfall
sicherlich seine Datierungsinformationen "publ. [published] 1922" (für
die 1921er Partitur) und "second (1929) edition" (für die hier be-
schriebene Partitur) abgeleitet. Irgendwelche Anzeichen, daß Threlfall
ab um 1982 erschienene Arbeiten Louis Cyrs eingesehen haben könnte, gibt
es nicht (Aufstellung zu Cyr siehe andernorts).
   Threlfall entdeckte bei seinen frühen Durchsichten auch Fehler bzw.
Unstimmigkeiten, für die er in den verwendeten Vergleichsvorlagen keine
Anregung vorfand. Er gewann diese Details durch genaues Lesen der Parti-
tur, durch Beobachtung eben, wobei die Eintragungen durchaus verschiede-
nen "Korrekturstufen" angehören können. Einige Beispiele, früherer und
späterer Art, mögen dieses Aufspüren von Ungenauigkeiten verdeutlichen.
   Im Takt Ziffer 7/6 ist in den Stimmen Englischhorn und Fagott 1
"dim." gefordert, was aber keinen Sinn ergibt. Richtig ist "sim" und
dementsprechend verbesserte Threlfall im Englischhorn das "d" auf der
Bleistiftstufe zu "s". Die zweite Stelle ist nicht korrigert. In den
RMV-Errata sind diese beiden Druckfehler nicht gelistet und in der
der 1948er Partitur auch nicht korrigert. Korrigert sind sie aber 1967.
   Vor Ziffer 14/5 müßte vor dem Celli-Einsätz "arco" angezeigt sein.
Threlfall ergänzt diesen logischen, aber fehlenden Hinweis schon auf der
frühen Bleistiftstufe und setzt diese in den RMV-Errata angegebene Kor-
rektur nach der 1948er Partitur mit blauer Tinte II nochmals hinzu.
   Eine wirklich aus der Reihe tanzende Bleistiftkorrektur hängt mit
der schon genannten, in den RMV-Errata angeführten Veränderung der Zif-
fer 58/6 f. zusammen. Dieser Abänderung nach der 1948er Partitur (in
blauer Tinte II) geht (selbstverständlich) keine Bleistiftkorrektur vor-
aus, doch Threlfall schrieb über die Stelle mit Bleistift die Dynamik-
Anweisung "fp aufgehende Haarnadel (= crescendo) ff" und bei Ziffer
58/8 dementsprechend "sim -", radierte aber seine Ergänzung wieder aus,
wahrscheinlich tat er dies, als er die ganze Hörnerstelle ausbesserte,
denn die 1948er Partitur hat diese Dynamik-Einzeichnung nicht. Sie
kommt erst 1967 und zwar in der im Grunde gleichlautenden Form: "sffp
aufgehende Haarnadel ff". Die Frage lautet nun: Woher hat Threlfall zur
Zeit der frühen Bleistiftstufe diese an sich spätere, klanglich bedeu-
tende Dynamikvorstellung her? Hat er sie in einer (authentischen) Auf-
führung gehört (Schallplatte, Konzert, Stimmenmaterialeinsicht)? Die
1948er Fassung jedenfalls (bis 1967 gültig) ist dynamisch eigentlich
indifferent notiert. Die beiden Fagotte haben "ff", die Tuba 2 "f" vor-
gezeichnet, die Hörner haben überhaupt keine Lautstärkeangabe.
   Threlfall hat bei seiner minutiösen Korrektur dieser Stelle die
Staccato-Punkte auf den Achtelnoten beibehalten bzw. dort, wo er Achtel
hinzufügte, die Punkte ebenfalls beigefügt. Was aber sollen die Punkte
eigentlich bedeuten? Zu denken ist an ein "Abreißen" des Klangs, dies
aber bekommt erst durch die 1967er Dynamik Sinn (= ansteigende Lautstär-
ke zum "ff" hin). In den RMV-Errata übrigens, wo die Korrekturen nicht
beschrieben, sondern als Notenbeispiele ausgeführt sind, stehen weder
Punkte noch irgendwelche Dynamikanweisungen!
   Ähnlich wie bei der markanten Hörnerstelle die Quelle der ausradier-
ten Dynamikanweisung ungewiß ist, so stellt sich auch die Frage nach der
nach der Quelle bei der nicht minder bedeutenden Korrektureinzeichnung
in Takt Ziffer 186/1 beginnend: In Streichersytemen steht vor Takt Zif-
fer 186/2 eine durch die fünf Systeme geführte Klammer, mit der An-
merkung versehen: "arco sempre al fine". Klammer und Hinweis,
beide mit Bleistift geschrieben, wurden ausradiert, desweiteren sind
in Ziffer 186/2 alle "pizz." mit schwarzem Kuli durchgestrichen und
die nachfolgenden "arco" in Ziffer 189/2 ebenfalls mit schwarzen Kuli
zu "[arco semp.]" erweitert. Somit ist die von den RMV-Errata herrüh-
rende Korrektur der 1948er Partitur dem Endergebnis nach nachgezeich-
net, doch dürften die schwarzen Kulikorrekturen aus späterer Zeit stam-
men. Wie auch immer, auch hier stellt sich die Frage, welche Quelle der
ursprünglichen Threlfallschen Bleistiftkorrektur als Anlaß diente.
   In Ziffer 84/4 steht 1921 und 1929 in der Melodielinie der Trompete
II in C ein "g". Aber in den Wiederholungen des Motivs, ob im 5/4- oder
6/4-Takt, steht ein "f". Im RMV-Klavierauszug und Boosey & Hawkes-Nach-
druck ergibt sich dazu kein Unterschied (Partitur-Mauskript steht im
5/4- Takt ein "g" im 6/4-Takt ein "f"). Erst in der Partitur von 1965
und in der revidierten Ausgabe des Auszugs (1968) steht "f" steht "g"
(das auch das Partitur-Manuskript hat). Auch Threlfall bemerkte diesen
sicherlich nicht unstrittigen Fall schon auf der frühen Bleistiftstufe,
wie seine Ankreuzung und das Hinzufügung eines "(F)" zeigen. Später,
wahrscheinlich anhand des 1965er Drucks oder revidierten Fassung, fügte
er noch mit einem blauen Kuli die Note "f" ein.
   Dieselbe Stelle offenbart ein weiteres Detail. In den RMV-Partituren
fehlt in der Figur der Trompete I in C vom 4. zum 5. Achtel der Binde-
bogen. Er wurde 1948 den RMV-Errata gemäß nachgetragen. Ob Threlfall
schon auf der Bleistiftstufe diesen Fehler entdeckte, kann nicht er-
schlossen werden, doch hat er jedenfalls den Bogen in seiner Partitur
mit dem oben erwähnten blauen Kuli ergänzt (im Partitur-Manuskript ist
der Bogen vorhanden).
   Auf der Stufe der "1948er Korrektur" (blaue Tinte II) verbesserte
Threlfall in Ziffer 90/1 die nicht ganz folgerichtige Tempoangabe
"L'istesso tempo." mit "Tempo I", obwohl in die Boosey & Hawkes-Partitur
von 1948 dieser Fehler der RMV-Partituren, den auch der alte (= unrevi-
dierte prä1967er) Klavierauszug aufweist, weitergeschleppt worden war
(beachte: es zeigt ja eigentlich u.a. schon die Metronomangabe, Viertel
= 48, das Versehen an, dieses unterlief im Übrigen bereits Strawinsky
bei der Abfassung seines Manuskripts). In den revidierten Ausgaben der
beiden Materialien ist mit "Tempo I" die Logik hergestellt.
   Bei der Überprüfung der Korrekturen der "1948er" Eintragungsstufe mit
vergleichendem Blick auf die RMV-Errata-Liste stößt man sehr schnell auf
Überraschungen. Mehr als das, es tauchen sogar Widersprüche zur bisher
entwickelten Auffassung auf. Hierzu folgendes Beispiel: Gegen Ende der
Ziffer 56 schrieb Threlfall mit blauer Tinte II über des System der Pik-
kolo-Flöte "Fl picc. 2 = Fl.gr. 3". Dieser Instrumenten- und Stimmen-
wechsel der Pikkoloflöte 2 zur großen Flöte 3 ist weder in den Errata
aufgelistet noch 1948 in der Partitur ergänzt. Er taucht erst 1967 auf
und zwar in folgender Form: "Fl.picc.2 muta in Fl.gr.3". Hier könnte
sich die Vermutung einstellen, Threlfalls Fassung käme von daher und sei
eben eine Anpassung per Gleichheitszeichen. Dem ist entgegenzuhalten,
daß die Gleichheitszeichendarstellung nicht nur weit verbreitet ist,
sondern auch in der RMV-Partitur verwendet wird. Tückisch genug ist nun:
Auch in der Errata-Liste wird der Gleichheitszeichenstil verwendet. Der
hier beschriebene Fall allerdings ist, wie gesagt, dort nicht verzeich-
net. Threlfall wird, wie auch bei etlichen anderen Einzelheiten, nach
eigener Beobachtung die Korrektur erschlossen haben. Daß ihn die 1967er
Partitur angeregt haben könnte, ist auszuschließen, weil die Stufe der
blauen Tinte II doch zu markante Konturen hat. Boosey & Hawkes behielt
übrigens bei der Übertragung der Wechsel in die 1948er Partitur den
Gleichheitszeichenstil der RMV-Errata nicht bei, sondern übersetzte die
Hinweise in ein italienisch-englisches Sprachgemisch, z.B. vor Ziffer
48: 3oCl.to bass Cl.2o, und daß diese Fassung dann dem Threlfallschen
Nachtrag "Cl 3 = Bs.Cl 2." als Quelle diente, daraus dürften sich doch
wohl so schnell keine Zweifel entwickeln lassen.
   Weitere Beispiele für auf der "1948er Stufe" selbst abgeleiteter
Wechselhinweise, für Wechsel also, die weder in den RMV-Errata noch in
der 1948er Partitur stehen, vor Ziffer 59: "Fl.gr. 3 = Fl. picc. 2.",
vor Ziffer 111: C'Fag 2 = Fag 4. Beide sind erst 1967 eingezeichnet,
und zwar richtig, das heißt, nicht wie bei Threlfall über dem System,
sondern unter dem entsprechenden System (und in der "muta in"-Form,
siehe oben).
   Es hört sich seltsam an, aber beim Komponieren sollte man Vorsicht
walten lassen: Wer frühe Skizzen oder Fassungen entsorgt, könnte es be-
reuen. Besonders dann, wenn feine oder feinste Ton-, Klang- oder Rhyth-
musunterschiede mit im "Spiel" sind.
   So unausgegoren oder "unerkannt" erste Ideen auch sein mögen, in ih-
nen steckt oft mehr drin, als man meint. Im Fall Sacre sieht die Sache
so aus: Frühe Skizzen behielt Strawinsky, die Partiturhandschrift ver-
kaufte er. Doch das Manuskript enthält Vieles, daß ein Leben lang der
abwägenden Prüfung wert gewesen wäre. Ein leicht nachvollziehbares Bei-
spiel hierfür ist die Blechbläserpartie in der Glorification de l'élue"
(Ziffer 104 bis einschließlich Ziffer 120). Sie enthält Klangfärbungen
und -abschattierungen, wie man sie ähnlich bei einer einfallsreichenen
Blechbläserarbeit einer Jazz-Bigband "frühen Stils" (Duke Ellington,
Fletcher Henderson, Bennie Moten u.a.) bewundern kann. Leider gibt aber
der RMV-Stich nicht alles wieder, noch schlimmer: seit der RMV-Errata-
Liste und ihrer Berücksichtigung in der 1948er Boosey & Hawkes-Ausgabe
sind bis auf einige wenige Überbleibsel alle Schattierungen zu (Un-)Gun-
sten eines platten Ouvert-Einheits-Fortissimo gestrichen. Besonders em-
pfindlich trifft der Klangverlust die achtstimmige Hörnergruppe. Wobei
anzumerken ist, daß schon in der Handschrift ein Mangel an Konsequenz,
an Logik auffällt, doch in der Übertragung schließlich, im Notenstich
also, wird die gesamte Hörnerpartie sogar zu einem Rätselraten. Genau
dieses Unklare fiel auch Threlfall auf, als er im Verlauf seiner Einar-
beitung der 1948er Korrekturstufe nahezu alle Hinweise und Zeichen der
Klangbeeinflussung zu streichen hatte. Zunächst allerdings versuchte er
in seiner Taschenpartitur eine auf die Motivik bezogene Klängelogik her-
auszufinden, gab dann aber auf und paßte sich schließlich der eingeebne-
ten 1948er Druckfassung an, die der nachfolgend zitierten RMV-Korrektur-
vorschrift entsprach (wobei ohnehin schon vor Ziffer 104 bei Hörnern und
Trompeten, wo nötig, die Anweisung "senza sord." als zu ergänzen ange-
geben ist):

    "De |104| à |121| tous les cuivres restent donc ouverts et toutes
    les indications de 'sord.', 'ouvert', 'bonché' [richtig: bouché]
    sont à supprimer."

    Beachte: Nicht genannt sind hier die in den RMV-Druck nur zum Teil
    übernommenen Anweisungen "cuivrez!", "Sans cuivrer" (RMV: "Sous
    cuivrez.") (?), "bouché-cuivré" und hornspezifischen Zeichen + (=
    gestopft, bouché) und o (= offen, ouvert), die im 1948er Druck alle-
    samt nur noch in spärlichen Resten vorhanden sind (siehe die zusam-
    menhangslosen "o"-Zeichen).
    Zu diskutieren wäre natürlich zunächst, was in etwa sich der Kompo-
    nist unter "cuivrer" = verkupfern und "cuivré" = kupfern (eigentlich
    kupferfarben, kupferfarbig) vorgestellt haben mag. Blechbäser (im
    Jazz) beschreiben gewisse Klanggebungen gern mit "silbrig" oder
    "silbern", womit eine ganz bestimmte helle Eintönung verbunden wird.
    Bei "kupfern" hingegen kommt einem eher ein typisch "dunkel tönen-
    der" Beiklang in den Sinn, wobei die Betonung auf "tönend" liegt.
    Im Wörterbuch zur Musik von Uwe Plasger (München u.a.O. 1995, Saur)
    wird für cuivrer "Blechblasinstrumente stark anblasen; schmettern"
    angegeben; ob aber diese Ausführungen hier in jedem Fall gemeint
    sein könnten, ist noch die Frage. In Ziffer 117 paßt das erste
    "bouché-cuivré" als "zunächst gestopft, dann geschmettert" tatsäch-
    lich exakt zur Motivik, der nachfolgende Fall hingegen macht es so
    gut wie unmöglich, sich einen solchen Zusammenhang auch nur auszu-
    denken. Wie gesagt, Unklarheiten gibt es genügend.  

   Um allerdings etlichen Effekten möglicher Klangschattierungen nicht
die Wirkung zu nehmen, hätte mehr als in gegebener Weise auf "ff" ver-
zichtet werden müssen. Das wäre der Preis gewesen. Strawinsky aber woll-
te offenbar in der "Glorification" den Vortrag zu häufig in ff bzw. so-
gar fff (auf daß die Fenster rausfliegen).
   Threlfall übertrug aus der 1948er Partitur nicht alle aus den RMV-
Errata stammenden Korrekturen. Zu den Gründen kann nichts Plausibles
gesagt werden, vielleicht hat er sie schlicht und einfach übersehen.
Es ist aber nun so, daß diese Auslassungen sehr entscheidend zu dem
Schluß beitragen, Threlfall habe die Errata-Liste nie gesehen, denn
einige der fehlenden Verbesserungen sind in den Errata in Notenschrift
angezeigt, diese eigentlich unübersehbaren Details allesamt dort über-
sehen zu haben, wäre keine einleuchtende Annahme. Zu ihnen gehören:
   Ziffer 53/4: Der erste Akkord der Trompeten 1, 2, 3 in C muß g-b-des
lauten und nicht f-b-des. Ziffer 65/5 vierte Zählzeit, Pikkoloflöte: Die
Triole muß lauten h-b-a und nicht b-b-a. Ziffer 70/7: Der erste Zwei-
klang der Violinen 1 muß g-d heißen und nicht a-d, desgleichen in Ziffer
70/8 der vierte Zweiklang nicht a-d, sondern as-d.
   Eigenartig ist auch die Auslassung der folgenden überdeutlichen Kor-
rektur in Ziffer 90: Es wurden 1948 der Errata-Liste gemäß in den zwei-
ten Celli die Phrasierungsbögen, wie in den zweiten Bässen bereits ein-
gezeichnet, nachgetragen.
   Wirklich ganz unscheinbare Korrekturen gibt es natürlich auch, und
diese kann man in der Tat leicht übersehen, wenn man die RMV-Errata
nicht als Leitvorgabe zur Verfügung hat. So ist zwei Takte vor Ziffer 48
unter das System der beiden großen Flöten ein "p" hinzuzufügen. In der
1948er Partitur ist die etwas andere Gestalt des nachgetragenen "p" (mit
einer Lupe) klar erkennbar. Das "p", von Threlfall nicht ergänzt, ergibt
sich im Übigen für die trillernden Flöten nicht unbedingt aus dem Zusam-
menklang mit der ebenfalls trillernden Flöte in G von selbst.
   Von selbst versteht sich hingegen die Verlängerung der Oktavierungs-
strichellinie über die Takte Ziffer 70/5 und 6 hinaus bis zum Zeichen
vor Ziffer 71. Auch diese Errata- bzw. 1948er Korrektur ist von Threl-
fall nicht übernommen worden.
   Kuli-Eintragungen kommen in blau und schwarz vor. Datierungserfolge
aber sind bei dieser Art verschwindend gering. Dazu ein paar Beispiele:
   In Ziffer 40/8 haben die Sechzehntel-Aufgänge der beiden ersten Vio-
linenstimmen keinen Hinweis zur Ausführung, aber analog zu den Aufgängen
der Violen, die zuvor keine vom arco-Spiel abweichende Anweisungen ha-
ben, ist sicherlich arco zur ergänzen. Das sah Threlfall offensichtlich
auch so und ergänzte auf einer frühen Korrekturstufe per Beistift vor
den Violinen arco. In der 1948er Partitur ist dagegen arco noch nicht
eingezeichnet (denn in den RMV-Errata fehlt es auch), doch 1965 ist es
dann nachgetragen. Threlfall überschrieb seine Bleistifteintragung mit
schwarzem Kuli, doch wann? Man kann nur mutmaßen, nicht vor 1965, aber
natürlich ist das eine sehr vage Aussage.

                       ==================
                       Weiteres in Arbeit
                       ================== 

   Es sollen nun noch ein paar Korrekturen der ersten Stufen, überwie-
gend derjenigen mit Bleistift, angefügt werden, die im Regelfall durch-
aus den Eindruck nahelegen, daß der Vergleich am Klavier, also beim
Durchspielen des Auszugs erfolgte.

   Frühe Notate (Korrekturen) in der Threlfall-Partitur (1929 1. Auf-
   lage), Auswahl

   Einige Abkürzungen

   8-Parallelen = Oktavparallelen
   I            = Prima, Primo
   II           = Seconda, Secondo
   B            = Bleistift
   Einkreis.    = Einkreisung (Einkringelung)
   Instr.       = Instrument
   Korr.        = Korrektur
   rH           = rechte Hand
   Vorz.        = Vorzeichen
   X            = Kreuz (Ankreuzung mit Bleistift)

   Ziffer/     1921+1929/    RMV-KlA/           Notate Threlfalls
   Instr.      Korr. usw.    KlA 1968

     3/1       a,c           h,c                B: Einkreis., X
   Fagott 1    Korr. 1967:
               siehe KlA

    12/4       f             as                 B: Einkreis., X
   Fagott 1    1967: dito    1968:              vielleicht mit B: as
                             f                  mit Kuli(!): as (!)

    21/11      es,fis        e,fis              B: "? E♮" ein-
   Violinen 2  1967: dito    1968: dito [sic]   gekreist

    21/12 -    Zum Tempo     Tempoangabe:       Tempoangabe:
    22/1       keine Angabe  allargando         B, blaue Tinte I:
               1967: dito    a tempo            [allargando
                             1968 nur:          a tempo]
                             a tempo

   103/1       f,es,e,f      dis,cis,cisis,dis  B: Einkreis., X
   Picc-Trp D  klingend:                        Kuli, Noten:
               g,f,fis,g                        d,c,c,d
               Korr. 1967:                      gemeint ist
               cis,h,c,cis                      natürlich:
               klingend:                        siehe KlA
               siehe KlA

   113/4       b,c,b,        b,c,b,as,ges,as    B: X, Einkreis., X,
   Picc-Trp D  as,ges,as                        am Rand, ausradiert:
               Korr. 1948:                      "(written in C)" [!},
               as,b,as                          Noten [?], unbestimmbar.
               ges,fes,ges                      Kuli, wahrscheinlich:
               1967: dito                       as,[♭]h,as,ges,fes,ges 
               Klingend:                        klingend:        
               siehe KlA                        siehe KlA

   132/4       h             cis                B: X
   Baß-Trp Es  klingend:                        Vorz. "♭"
   2. Note     d
               Korr. 1967:
               Vorz. "♭"
               klingend:
               siehe KlA

   140/3 + 4   d             II, rH             B: X
   Baß-Klar 2  = Pa-Ms       c                  Korr.-Versuch
               klingend:     = KlA-Ms           mit Vorz. "♭":
               c             "falsch"?          keine Umgestaltung
               = KlA-Ms      Korr. 1968:        keine 8-Parallelen
               "falsch"?     Umgestaltung       des {*2}
               Korr. 1967:   8-Parallelen
               Umgestaltung  ces
               8-Parallelen  "richtig"?
               des
               klingend:
               siehe KlA
               "richtig"?

   140/4       e             des                B: X
   Baß-Klar 1  klingend:                        Vorz. "♭"
               d
               Korr. 1967:
               es
               klingend:
               siehe KlA

   141/2       d             ces                B: X
   Baß-Klar 1  klingend:                        Vorz. "♭"
               c
               Korr. 1967:
               des
               klingend:
               siehe KlA

   167/5       C-Schlüssel   Baßschlüssel       Blaue Tinte II
   Tuba 1      falsch        167 ff.: cis       "1948":
               1967:                            Baßschlüssel
               168/5 - 170/3
               C-Schlüssel
               also immer
               noch falsch

   174/1       Tempoangabe:  Tempoangabe:       Tempoangabe:
               ♩ = 126       Sostenuto e         B, blaue Tinte I:
               1929: Seite   maestoso.          [Sostenuto e
               neugestochen  ♩ = 116             maestoso]
               1948, 1967:   1968 nur:          blaue Tinte II "1948":
               ♪ = ♩ = 126   ♪ = ♩ = 126         ♪ = ♩ = 126
 
   201/4       g             gis                B: ?(♯)
   Picc-Pke    Korr. 1967                       Kuli?: Vorz. "♯"
               gis

   {*1} Großes Kreuz, gilt für zwei Systeme: Baß-Klarinette I Ziffer
        140/3 und 4 und Baß-Klarinette II (siehe Ziffer 140/4).

   {*2} Die Stelle der Klarinetten Ziffer 140/3 und 4 wird Musikwissen-
        schaftler vermutlich auf ewig beschäftigen, aber nur solche
        überhaupt, die keine bloßen Theoretiker sind, sondern solche,
        die gute Ohren haben. Aber gerade die letztgenannten wissen, was
        es heißt, vor Beton zu stehen.
        Strawinsky gehört zu den wenigen Komponisten, deren Musik man,
        ist man geübt, meistens auf Anhieb erkennt. Dabei spielt eigent-
        lich keine Rolle, welcher Strawinsky welcher Zeit. Bei Stan
        Getz, Lester Young, Duke Ellington und anderen ist das genauso.
        Beim späten Mozart sind es diese Spharenklänge, Klänge nicht
        von dieser Welt, die einen verwundern lassen. Strawinsky kann
        das auch. Die Stelle der Klarinetten Ziffer 140/3 und 4 ist da-
        für ein Beispiel. Aber nur in der alten Fassung, wie sie im Par-
        titur-Manuskript notiert ist und im Druck der Partitur und des
        Klavierauszugs lange existierte. Auf der revidierten Stufe ist
        daraus ein entblößter, diesseitiger Oktavparallelenklang gewor-
        den, der nach nichts mehr klingt, er ist klanglich ein Nichts.
        Gerade auch der Haltepunkt in der Mitte, macht deutlich, welche
        Funktion er sinnstiftend in der ersten Fassung hat. In der revi-
        dierten Fassung ist er nicht mehr ein wirklicher Ruhepunkt. Es
        geht nur einfach weiter in der Abfolgemechanik, im Automatismus.
        Aber die revidierte Fassung ist die Fassung letzter Hand, so
        wird gestritten werden.
        Threlfall empfand wohl die alte Fassung auch als nicht ganz ge-
        heuer, seine Lösung war, aus dem "d" der Baß-Karinette II ein
        "des" werden zu lassen. Das ist zwar nicht mehr der schillernde
        Strawinsky, dafür jedoch der schillernde Threlfall. Aber immer-
        hin: daß ein Schillern zum Wesen der Stelle gehört, sah bzw.
        hörte auch er.
        Übrigens: Eines darf bei einer Diskussion nicht aus den Ohren
        geraten, Strawinsky hat seinen Sacre am Klavier komponiert und
        er hat ihn oft am Klavier gespielt. Aber vielleicht spielte er
        ihn anders als geschrieben? Außerdem: Wie oder was hörte der
        späte Strawinsky? Gab es Einflüsterer, wenn ja, welche? Zu be-
        denken ist auch, daß die Stelle eine sehr präzise, exquisite (!)
        und leise Ausführung verlangt. Und: Es liegt ein weiter Inter-
        vallabstand vor. Schließlich: In Strawinskys Musik zwischen
        "richtig" und "falsch" zu unterscheiden, kann ein schwieriges
        bis unmögliches Bestreben sein und werden.

        Zum besseren Verständnis folgt nun die oben abgekürzte Darstel-
        lung noch einmal in Langfassung:

        a) Trillerartiger Wechsel im Abstand kleine Septime/kleine None

        Klavierauszug: Manuskript und RMV-Druck
        Ziffer 140/3, rH: des/ces (II, I) - c/des (II, I) {*a}
        danach (140/4, rH): Triller des/ces (I)
                                    c/des (II)

         {*a} Beachte: Im RMV-KlA steht vor dem ersten "c" der aus-
              drückliche Hinweis "(♮)".

        Dirigierpartitur: Manuskript und RMV-Druck
        Klarinetten (Baß-Klarinette 2 in B/Klarinette 1 in B)
        Ziffer 140/3: es/des - d/es
        klingend: 
        siehe RMV-Klavierauszug
        danach (140/4): Triller es/des (Klarinette 2)
                                d/es (Baß-Klarinette 2)
                                klingend: 
                                siehe RMV-Klavierauszug

        b) Trillerartiger Wechsel im Oktavabstand

        B & H-Klavierauszug 1968
        Ziffer 140/3, rH: ces/ces (II, I) - des/des (II, I)
        danach (140/4, rH): Triller des/ces (I)
                                    des/ces (II)

        B & H-Dirigierpartitur 1967
        Klarinetten (Baß-Klarinette 2 in B/Klarinette 1 in B)
        Ziffer 140/3: des/des - es/es
        klingend:
        siehe Klavierauszug
        danach (140/4): Triller es/des (Klarinette 2)
                                es/des (Baß-Klarinette 2)
                                klingend: 
                                siehe RMV-Klavierauszug

        c) Threlfalls Experiment: kleine Septime/große None

        Klarinetten (Baß-Klarinette 2 in B/Klarinette 1 in B)
        Ziffer 140/3: es/des -  des/es
        danach (140/4): Triller es/des (Klarinette 2)
                                des/es (Baß-Klarinette 2)

        Klarinette 1: Fehlender Haltebogen von der 2. zur 3. Note
        von Threlfall ergänzt (mit Bleistift).

   Threlfall hat auch etwas Seltenes zu bieten. In Ziffer 190/1 schrieb
er mit Bleistift, also offenbar in der Zeit der ersten Eintragungen,
über die ersten Violinen "am Frosch". Das ist zwar nachvollziehbar, aber
in keiner Partitur wo auch immer zu finden, das französische Pendant,
"au talon", auch nicht; übrigens "Flatterzunge" aber sehr wohl (siehe
u.a. Ziffer 10/4, in der revidierten Partitur von 1967: "Flttz.").
    Und da gerade deutsche Ausdrücke angesprochen werden, eine Abschwei=
fung. Genau wie im Partiturmanuskript so auch in der ersten Partitur-
druckfassung steht bei Ziffer 28/7 eine weitere Seltenheit: das deutsche
Wort "Pult". Den Triller auf "as" der Violinen I (Ziffer 28/8) sollen
nur die Pulte 5, 6, 7 und 8 ausführen. Später (Ziffer 29/2) steht dann
wieder "Tutti". Im revidierten Druck von 1967 ist "Pult" nicht mehr
vorhanden.
   Soweit ein kleiner Überblick über die überreiche Fülle an Notaten
Threlfalls. Es war eine Untersuchung, die zwei wichtige Ergebnisse
brachte. Erstens: Nie war irgendein Hinweis dafür auszumachen, daß
der sehr an der Sache interessierte Threlfall auf Korrekturlisten ge-
stoßen war, weder auf die RMV-Korrekturliste von ca. 1923 noch auf die
Boosey & Hawkes-Liste von etwa 1950. Zur Erinnerung: Die RMV-Korrektur-
liste war für die Dirigierpartitur wie auch die Taschenpartitur als Bei-
lage gedacht, doch scheint dies, insbesondere im Fall der Miniaturpar-
titur, anscheinend eher selten geschehen zu sein. Die Liste von 1950
wurde nur der Dirigierpartitur beigelegt; wie lange das gemacht wurde,
ist nicht bekannt (es liegt jedenfalls eine Partitur mit Liste vor).
Die Taschenpartitur der ersten Hawkes Pocket Series-Edition benötigte
ab sicherlich spätestens 1951 die Liste nicht (mehr), sie war immer
auf einem aktuellen Korrekturenstand {*1}. Das heißt: Es muß also eine
Dirigierpartiturvorlage gegegeben haben, die als Korrektursammelbecken
diente. Ein seltsames, eher schon wunderliches, mehr noch: ein unerklär-
liches Verfahren (siehe dazu andernorts weitere Erörterungen oder Bemer-
kungen).

   {*1} Nach der Erstauflage (bzw. den Erstdrucken) mit der Datierung
   April 1948 liegen von den nachfolgenden Auflagen als früheste Exemp-
   lare in vollständiger Verfassung die Drucke von November 1951 und
   Januar 1953 vor (Einzelheiten siehe die Auflistungen andernorts).

   Das zweite Ergebnis ist die Kenntnisnahme der Threlfallschen Korrek-
turfreude. Dieser Musikdokumentar dürfte der erste gewesen sein, der,
abgesehen von Strawinsky und seinem Kreis, an der Sacre-Partitur eine
größere Korrekturarbeit geleistet hat, mehr noch, sie geschah dem Prin-
zip nach sogar systematisch, ganz aus sich heraus und ganz für sich.
Threlfall sah plötzlich, hier gibt es Unterschiede, bewußte Änderungen,
aber auch Ungereimtheiten und mutmaßliche Fehler.

RMV-Taschenpartitur 1929 2. Auflage: Identifikation, Zimmermann-Exemplar
 
   Wie oben im Überblick gesagt, fehlt dem im Zimmermann-Nachlaß vorlie-
genden Exemplar der zweiten Auflage der 1929er RMV-Taschenpartitur der
Einband. Daß aber einer existiert haben muß, darauf lassen Spuren am
Rücken schließen, zum einen vor allem der etwas rötliche Kleber und zum
anderen lose längere Fäden. Auch liegt, da der Kleberbelag vielfach ge-
brochen ist, praktisch jede Lage mal mehr oder minder blank. Die Ein-
bandfarbe muß - wie nach RMV-Art zu erwarten - braun gewesen sein, die-
sen Eindruck jedenfalls vermitteln winzige, kaum wahrnehmbare Restspu-
ren. Die Papierqualität der Titelseite entspricht derjenigen der Noten-
textseiten, übrigens auch derjenigen der Inhaltsseiten der 1921er Aus-
gabe: Es ist eine einfache, glatte Papiersorte, typisch für Druckseiten,
kein dickeres Deckblattpapier, wie dies alles auch am Adornoschen Exemp-
lar der 1921er Ausgabe deutlich wird. Es ist klar, so, ohne Umschlag,
kann die Partitur nie im Handel erschienen sein. Dies bestätigt auch das
zweite vorliegende Exemplar dieser Auflage, dem, einem Hochschulbestand
angehörend, ein Bibliotiothekseinband verpaßt wurde, wobei das Deckblatt
in ausgeschnittener Form aufgeklebt wurde. Dieser neue Einband ist lami-
niert. Die Farbe des Deckblatts war, obwohl jetzt durch den Laminie-
rungskleber deutlich ins Rötliche verfarbt, braun. Der Inhaltskorpus ist
offensichtlich beschnitten (Maße: ca. 14,2 x 20,1 cm).
   Demgegenüber betragen die Maße des augenscheinlich unbeschittenen
Zimmermann-Exemplars rund 14,6 x 21,1 cm. Damit hat die Nachfolgeauflage
der 1921er Partitur eine merklich größere Höhe als zwei vorliegende, mit
einem Bibliothekseinband versehene 1921er Exemplare, die übrigens über-
haupt nicht beschnitten wirken und das wohl auch nicht sind (Maße: ca.
14,5 x 20,7 cm). Die Inhaltseiten von [1] (= Titelseite) bis [140]
(Rückseite der letzten Noteseite) beider Exemplare sind gleich, so daß
im Folgenden die sie betreffenden Aussagen beide Exemplare betrfft.
   Die Rückseite der Titelseite und die der letzten Notenseite (S. [2]
und [140]) sind unbedruckt. Es fehlt also auf Seite [2] bei allen RMV-
Sacre-Partituren eine Bedruckung der Art nach, wie sie dann in den
1948er Boosey & Hawkes-Drucken mit der Überschrift "Orchestre" einge-
führt worden war, allerdings gab es für die Dirigierpartituren von 1921
und 1929 zum Einlegen zwei etwa Anfang 1923 entstandene großformatige
Seiten mit Besetzungsangaben und Aufführungsanweisungen (zu denen, wie
schon erwähnt, noch drei - ebenfalls großformatige - Errata-Seiten ge-
hörten, und genau von diesen zumindest ist nachgewiesen, daß sie auch
in Taschenpartituren beigelegt waren, Beschreibungen siehe andernorts).
   Beide Exemplare dieser mutmaßlich zweiten Auflage der 1929er
Taschenpartitur haben keine Beilage, auch eine (Kontur-)Spur einer ein-
stigen Beilage war nicht zu entdecken, ebenso nicht die Ausführung einer
der in der umfangreichen Errata-Aufstellung angegebenen Verbesserungen.
Beachte allerdings: Es wurde keine systematische Durchsicht angestrebt,
denn es stellte sich im Verlauf der Recherche klar die Aufassung ein,
daß es neben einigen anderen Überprüfungen ausreicht, die Partituren in
die vergleichende Durchsicht der weitreichenden Detailliste einzubezie-
hen, auf der in der Abteilung der Aufnahmenvarianten die dortige Dar-
stellung von Abweichungen und Besonderheiten beruht. Mit anderen Worten,
es ergab sich das Bild, es müsse sich um den Notentext der 1929er Fas-
sung vor der 1947er Boosey & Hawkes-Korrektur handeln. Die Art der Pa-
ginierung (Gestalt der Ziffern) stimmt im Übrigen, abgesehen von Seite
41, mit derjenigen der Boosey & Hawkes-Linie des Handelsexemplars der
Dirigierpartitur und der Taschenpartiturausgabe B überein (zur Paginie-
rung und zur Seitenzahl 41 siehe frühere Ausführungen).
   Derzeit liegt nur ein einziges Exemplar der ersten Ausgabe der 1929er
Taschenpartitur vor. Hierbei muß allerdings angemerkt werden, daß die
zeitliche Einordnung auf Rückschlüssen beruht, wenn auch auf driftigen
(dieses Exemplar, ihm fehlt der Originalumschlag, ist in Eigenbesitz,
siehe gesondertes Kapitel zu "Threlfall-Partitur"). Zwei weiteres zu-
gänglichen Exemplare der 1929er Fassung gehören, wie schon gesagt, der
mutmaßlich zweiten Auflage an, bei einem ist immerhin das Deckblatt
vorhanden, und da nach bisheriger Kenntnis Rücken und Einbandseite 4 der
RMV-Taschenpartituren unbedruckt waren, wäre demnach dieses Exemplar
vollständig (siehe weiter unten). Von der 1921er Ausgabe, der Erstaus-
gabe also, liegen drei Exemplare vor, leider alle ohne Deckblatt.
   Somit hat die nachfolgende weitere editorische Beschreibung, sie
geschieht anhand dessen, was vorhanden ist, zwar ihre Grenzen, doch
dürfte mittels des Vergleichs der Exemplare miteinander, vor allem auch
mit denjenigen der 1921er Originalausgabe, ein recht guter Eindruck
erreicht werden. Gegenstand der Beschreibung sind vor allem das vor-
handen Deckblatt, die Titelseite, die erste Notenseite und die Bestim-
mung der übernommenen und neugestochenen Seiten (hierbei wird die Bil-
dung einer Tabelle versucht).
   Dem Vernehmen nach sollen die Titelseiten der 1921er und 1929er Ta-
schenpartiturausgaben exakt übereinstimmen. Sie seien lediglich Verklei-
nerungen derjenigen der Dirigierpartitur (zu diesen siehe unten die Ab-
bildungen). Die Tatsache der Verkleinerung ist ohne Einschränkung rich-
tig, sofern die 1921er Partitur gemeint ist, aber bei den beiden Aufla-
gen der 1929er Fassung stimmt die genannte Auffassung nicht. Die Titel-
seiten weisen deutliche Unterschiede auf, und zwar vor allem im Adreß-
bereich, so daß angesichts dieser Details (vorläufig) davon ausgegangen
wird, daß es sich bei dem hier in diesem Kapitel vorgestellten Druck
tatsächlich um den Nachdruck die 1929er Ausgabe handelt, der in der von
Louis Cyr verfaßten und vorliegenden unveröffentlichten Übersichtsta-
belle von 1978 mit um 1934 erschienen datiert ist.
   Der GRAPHISCHEN Gestaltungsart nach entspricht - nach den beiden vor-
liegenden Exemplare zu urteilen - die Titelseite dieser mutmaßlich
1934er Ausgabe derjenigen der früheren Titelseiten, das gilt für die ge-
samte Anlage wie auch für die Schmuckschrift {*1}.

   {*1} Die Beschreibung, die nun angeboten wird, kann anhand der unten
   wiedergegebenen Titelseite der Dirigierpartitur von 1929 nachvollzo-
   gen werden (beachte: die Titelseiten der Dirigierpartituren von 1921
   und 1929 sind identisch).

   So stimmen neben der Übernahme des Schmuckrahmens die ersten sechs
Zeilen, also die Zeilen von IGOR STRAWINSKY bis PARTITION D'ORCHESTRE,
und deren relative Abstände zueinander exakt mit dem früheren Layout
überein. Danach folgt nun allerdings beim mutmaßlichen 1934er Nachdruck
zunächst das RMV-Logo (Gusli-Spieler) und erst dann kommen die beiden
Rechtszeilen, diese sind textlich unverändert, jedoch neugesetzt und
zwar bis auf ein paar Ausnahmen in den früheren Lettern: "PROPRIÉTÉ ..."
[/] "TOUS DROITS ...". Die nächste Abteilung der Anlage, "ÉDITION ...",
wurde, abgesehen von einer Ausnahme, unverändert übernommen: KOUSSE-
VITZKY ist jetzt statt mit "W" mit "V" geschrieben. Den editorisch
zweifellos informativen Abschluß bildet die Ortsangabenabteilung, sie
ist komplett neu, aber im Großen und Ganzen ebenfalls in den Lettern
gesetzt, die schon in den Dirigierpartituren für diese Abteilung ver-
wendet worden waren:

                 BERLIN-SCHÖNEBERG, MARTIN-LUTHER-STR. 44
            LEIPZIG · PARIS · LONDRES · NEWYORK · BUENOS AIRES.

   Es lohnt sich auf zwei Letterbesonderheiten einzugehen. Während das
"O" in der Abteilung "ÉDITION ..." auf allen bekannten Sacre-Partitur-
titelseiten des RMV eine kreisrunde Form hat, wurde es in den Rechts-
bzw. Ortsangabenabteilungen abgeändert: Es war dort zunächst oval, hier
bei der untersuchten Taschenpartitur aber ist es kreisrund. Außerdem hat
sich im Rechtshinweis "... PAYS" das "Y" unmerklich verändert: Die frü-
here Form weist einen geraden "Stil" auf, die neue einen nach links ab-
geschwungenen (man beachte im Übrigen: die auf Deckblättern und Titel-
seiten der RMV-Sacre-Partituren benutzten Schriftarten sind trotz aller
Unterschiede miteinander verwandt, gesonderte Ausführungen zu Gestaltung
und Schrift in Vorbereitung).
   Eine seltene Besonderheit weisen die Titelseite (S. [1]) unter der
Standortzeile und die letzte Notenseite (S. 139) auf der unteren Rand-
partie auf, nämlich den folgenden Stempel in schwarz:

                          Imprimé en Allemagne

   Der Stempel besteht aus einer einfachen Druckschrift, die nach bis-
heriger Kenntnis noch in keinem alten Sacre-Material aufgetaucht ist.
Die Schrift kann als serifenlose Linear-Antiqua bezeichnet werden (vgl.
Wikipedia, Druck- und Stempelschriften). Derartige, auf Länder bezogene
Stempel sind nicht selten, im Sacre-Bereich aber ist bisher nur noch der
folgende angetroffen worden: "IMPRIMÉ EN FRANCE", er befindet sich auf
den alten RMV-Harmoniestimmen des im Internet zugänglichen "Bernstein-
Leihmaterials" (siehe hierzu frühere Ausführungen). Die Schriftart aber
dieses auf Frankreich verweisenden Stempels unterscheidet sich doch sehr
von der nüchternen Art des "Imprimé en Allemagne"-Stempels, andererseits
ist ihre erstaunliche Verwandtschaft zu Schriftarten auf den Titelseiten
der ja aus Leipzig stammenden RMV-Partituren nicht zu übersehen, während
die schmucklose Schrift des "Imprimé en Allemagne"-Stempels bislang in
anderen RMV-Materialien noch nicht aufgefallen ist.
   Zur Herkunft der Bestempelung "Imprimé en Allemagne" kann derzeit
noch nichts Genaueres ausgesagt werden, doch zwei Vermutungsrichtungen
sollen wenigstens genannt sein.
   Möglichkeit A: Die Partitur könnte aus der französischen RMV-Nieder-
lassung stammen, vielleicht von dort ausgeliefert worden sein. Der Her-
steller (Drucker und Binder) war allerdings die weithin bekannte und
vielbeschäftigte Notendruckerei Röder, Leipzig, wo alle RMV-Sacre-Mate-
rialien ihren Ursprung haben. Die deutsche Auslieferung hatte seit ge-
raumer Zeit der Großverlag und Sortimenter (Großist) Breitkopf & Härtel
übernommen, die Nennung "LEIPZIG" in der Ortsangabenzeile auf der Titel-
seite deutet auf diese Rolle hin.
   Möglichkeit B: Es ist ein deutscher Stempel, eine deutsche Nachstem-
pelung. Unmöglich wäre das nicht. Es lassen sich durchaus verlegerische
Gründe ausdenken, die für eine solche französische Bestempelung sprechen
könnten.
   Alle bisher eingesehenen RMV-Taschenpartituren des Sacre haben die
gleiche Bindung, bestehend aus 4er Lagen (vier Doppelblätter = 16 Sei-
ten), nur die letzte Lage ist eine 3er Lage (3 Doppelblätter = 12 Sei-
ten). Boosey & Hawkes änderte bis zur Ausgabe 1966 inklusive an dieser
Lageneinteilung nichts.
   Auch auf der ersten Notenseite (S. 3) zeigen sich im Vergleich zu den
Dirigierpartituren von 1921 und 1929 sowie der 1921er Taschenpartitur
Änderungen. Doch mögen, wie zuvor verdeutlicht, den Änderungen auf der
Titelseite noch eine gewisse Auffälligkeit eigen sein - für einen Kun-
digen zumindest, so sind diejenigen auf der ersten Notenseite eher ver-
steckter Natur. Zunächst das Wichtigste vorweg: Der werkwesentliche Text
(Titelkopf, Notentext) blieb unverändert.
   Aber im Titelkopf geschah etwas, das an Komik heranreicht. Es spottet
schon fast jeglicher Beschreibung. Warum?
   Die vorliegenden Titelseiten der Leihdirigierpartituren der Fassungen
von 1921 und 1929 tragen halblinks über der Tempoangabe in sicherlich
beabsichtigter Nähe zum Hinweis "Droit d'exécution réservé." den grauen
(einst mutmaßlich schwarzen) Stempel: "Edited by F.H.Schneider" (siehe
unten die Abbildung aus der 1929er Partitur). Diese rätselhafte, ver-
wirrende Angabe, in etlichen RMV-Ausgaben Strawinskyscher Werke vorhan-
den, sollte dem Komponisten die Urheberrechte in Staaten zu wahren hel-
fen, wo dies auf einfache Art und Weise nicht funktionierte, z.B. in den
USA. Daraus wurde aber, wie gesagt wird, wenig, wenn nicht nichts. Nun,
in der Taschenpartitur von wahrscheinlich 1934, erhielt dieser besagte
Stempel, offenbar als Faksimile, einen neuen Sitz und zwar GEDRUCKT
rechts in der Zeile unter "Introduktion." direkt über "Igor Strawin-
sky.", so daß dem im besten Schaffensalter befindlichen Komponisten, dem
"Ur-Urheber", nach Art einer kompetenten Wichtigkeit ein weiterer Urhe-
ber, ein Bearbeiter, ein "Editor" namens Schneider (erhöht) vorange-
stellt ist. Und: die Angabe springt auch noch ins Auge, da ihr Schrift-
zug (einfache "Druck"schrift mit Serifen) im Vergleich zu allen verwen-
deten gesetzten Schriftzügen auf der Seite auffällig anders ist. Bedeu-
tung erreichte dieser kuriose Trickversuch insofern dann aber doch inso-
fern, als der "Editor" Schneider in Referenzschriften Eingang fand und
eine Zeit lang mitgeschleppt wurde. Auch taucht er öfters in bibliothe-
karischen Erfassungen auf, sogar noch in neueren.
   "Schneider" war übrigens nicht die einzige von Strawinsky erfundene
pseudorechtliche "Editor"-Vogelscheuche. Man sollte vielleicht daran
erinnern: Strawinskys Angst vor unberechtigter Nutzung seiner Werke und
sein Verhalten diesbezüglich ähneln den Patentschlachten, die Thomas A.
Edison für seine Erfindung der Tonaufzeichnung focht.
   Weitere Änderungen sind im unter dem Notentext befindlichen Copy-
right-Block vorgenommen worden. Die wichtigste ist, daß der 1921 und
1929 unter "Copyright 1921 by Russischer Musik-Verlag G.m.b.H., Berlin."
stehende Hinweis "Édition Russe de Musique Berlin, Moscou, St. Peters-
bourg." gestrichen wurde, außerdem wurde die Zeile "Copyright 1921 ..."
etwas tiefer gesetzt, so daß sie nun mit der Plattennummer R.M.V. 197b
und dem Hinweis "Propriété de l'Éditeur pour tous pays." in etwa auf
einer Ebene liegt. Satztechnisch sind alle verbliebenen Angaben des
Copyright-Blocks direkte Übernahmen, sie wurden also nicht neu ge-
setzt {*1}.

   {*1} Es ist ein interessanter Sachverhalt, daß Druck und Sitz des
   RMV-Rechtshinweises "Propriété de l'Éditeur pour tous pays." in der
   ersten Generation der Boosey & Hawkes-Partituren, also bis 1966, so-
   weit die B- und Handelsexemplarlinie betroffen ist, unangetastet
   bleiben. So auch als Drucksatz in den Partituren des A-Typs (hier
   weitet sich jedoch gemeinsam mit dem ganzen Copyright-Block der Ab-
   stand zu den Notensystemen erheblich, auch ist der Sitz des "Propri-
   été"-Hinweises etwas nach links verrückt worden; Ausführungen u.a.
   zum A-Partiturtyp siehe andernorts).

   Die Streichung der Zeile mit den Ortsangaben wundert nicht, denn zum
Russland unter Stalin hatte sich der Kontakt des Russischen Musikverlags
nach und nach verflüchtigt, vor allem aber stand zu Beginn des Dritten
Reichs die Verunglimpfung der Sowjetunion als Kerngebiet des aufs
Schärfste geächteten Bolschewismus noch zu sehr im Vordergrund. Dies
legte sich in der nationalsozialistischen "Friedenzeit" in manchen Krei-
sen gegen 1937 etwas. So konnte z.B. Strawinsky 1938 in Berlin für Tele-
funken Jeu de Cartes aufnehmen und Weiteres mit ihm war in Planung. Um
1934 aber war es noch geraten, bei Bezügen Richtung Osten Umsicht walten
zu lassen. Es hat also schon in mancherlei Hinsicht seinen Grund, daß
die russischen Filialstellen gestrichen wurden und eben auch auf der
Titelseite unter den in großen Lettern mitgeteilten Ortsangaben Moskau
nicht mehr mit dabei ist.
   An der Verwendung der Plattennummer R.M.V. 197b hat sich gegenüber
der Taschenpartitur von 1921 nichts geändert: Sie befindet sich nur auf
der ersten Notenseite. Doch ist das hochgestellte "b" augenscheinlich
eine neue Type, während die Nummer "R.M.V. 197" unter Beibehaltung des
Sitzes eindeutig übernommen wurde. Daß sowohl in der Taschenpartitur
von 1921 wie auch hier das "b" als eine - improvisiert wirkende - Hinzu-
fügung erscheint, ist keine Überraschung, denn darin zeigt sich der Er-
stellungsablauf, daß nämlich die Taschenpartituren von den jeweiligen
Dirigierpartituren bzw. deren Druckvorlagen abstammen.

Seitendrucke 1929: Übernahmen - Neustiche

   Welche Notentextseiten sind in der Partitur der 1929er Fassung neu
gestochen, welche sind Übernahmen, wo ist nur ein Teil neu? Die folgende
Übersicht, erstellt anhand der Taschenpartiturauflage von mutmaßlich um
1934, gibt darauf eine Antwort:
   
   Seite       Druck                 Seitenzahl  

     3 -  98   Übernahme von 1921    Übernahme
    99 - 102   1929: Neustich        anderer Sitz {*1}
   103 - 111   Übernahme von 1921    Übernahme
   112 - 114   1929: Neustich        anderer Sitz
   115 - 121   Übernahme von 1921    Übernahme
   122 - 125   1929: Neustich        anderer Sitz
   126 - 129   Übernahme von 1921    Übernahme
         130   1929: Neustich        anderer Sitz
   131 - 132   Übernahme von 1921    Übernahme 
         133   1929: Teilneustich    anderer Sitz
   134 - 138   1929: Neustich        anderer Sitz
         139   1929: Teilneustich    Übernahme

   {*1} Da die Zahlen (bzw. einzelne Ziffern davon) oft gleich oder
   zum Verwechseln ähnlich sind und außerdem die Druckschärfe viel-
   fach zu Wünschen übrig läßt, konzentrierte sich der Vergleich vor
   allem auf den im Allgemeinen leicht erkennbaren Unterschied des
   Sitzes.

   Hier bietet sich an, als Ergänzung eine Übersicht über das Paginie-
rungsverhältnis anzuschließen, das zwischen der genannten 1929er Ta-
schenpartitur und dem redigierten (= korrigierten) 1948er Nachdruck von
Boosey & Hawkes besteht, und zwar zu dessen Hauptdruckformat Typ B.
Diese Übersicht ist im Kern sehr kurz, weil die Paginierung des Nach-
drucks bis auf die Seitenzahl 41 unverändert geblieben ist (Näheres zu
Partiturdruck Typ B und Seitenzahl 41 siehe Ausführungen andernorts).

   Seitenzahl  Sachlage

     3 -  40   1929 = 1948
          41   1929 ≠ 1948: andere Graphik, anderer Sitz {*1}
    42 -  47   1929 = 1948
          48   1929 = 1948: großer Abstand zum Notentext {*2}
          49   1929 = 1948: großer Abstand zum Notentext {*2}
    50 -  70   1929 = 1948
          71   1929 = 1948: kein (!) Abstand zum Notentext {*3}
    72 - 139   1929 = 1948

    {*1} 1948: Wegen der Hinzufügung eines Systems für die beiden
    Piccolo-Flöten wurde die alte Seitenzahl durch eine neue ersetzt
    (1921 = 1929: offene "4", 1948: geschlossene "4", ausführliche
    Darstellung andernorts).

    {*2} Die Zahlen 48 und 49 haben zwar einen weiten Abstand zum
    Notentext ("48" einen sehr weiten), doch das ist schon 1921 so
    und wurde bis zur letzten Auflage des Nachdrucks von 1966 nicht
    verändert (auch nicht in der Dirigierpartitur "Reprinted with
    corrections 1965").

    {*3} In zahlreichen Fällen sind die Seitenzahlen innerhalb
    des Notentextspiegels angesiedelt, so auch hier, und das obwohl
    1948 noch ein Hinweis zwischen Notentext und "71" eingeschoben
    worden ist.

    Beachte: Um es zu wiederholen, derzeit liegt (nach dem gegenwärtigen
Kenntnisstand) von der Erstausgabe der 1929er RMV-Taschenpartitur noch
kein Exemplar vor. Aber die Suche nach ihr ist im Gange; es muß ja zudem
auch ein ohne großen Aufwand erreichbarer Standort sein. Immerhin konnte
aber schon die wahrscheinlich zweite Auflage eingesehen werden.
   Den wichtigsten Schritt in die neue Recherche-Richtung ermöglichte
mir 2006 der Dirigent Arturo Tamayo; er steuerte für den abenteuerlichen
Ritt durchs wilde Kurdistan der frühen Sacre-Druckmaterialien dankens-
werterweise eine auf Dirigierpartiturformat vergößerte Kopie der Erst-
ausgabe der Taschenpartitur von 1921 bei. Diese Unterstützung verschaff-
te, die Entwicklung des gedruckten Notentexts betreffend, eine Grund-
lage, denn die 1929er Fassung läßt sich mit Hilfe der 1921er Fassung und
der Erstausgabe des korrigierten 1948er Boosey & Hawkes-Nachdrucks in
etwa herleiten {*1}. Das verschaffte einen Schub und eröffnete zudem die
Chance, an editorischen Rahmendaten interessierte Detailarbeit auch auf
die Frühzeit ausdehnen zu können.

   {*1} Schon bei einem Partiturenvergleich 1921 kontra 1948 kommen die
   1929 erfolgten größeren Änderungen recht gut zu Tage. Eine wichtige
   Stufe überhaupt ist das Erkennen der Neustiche (siehe die obige
   Liste). Zwei größere Korrekturen allerdings befinden sich auf nicht
   neu gestochenen Seiten (auch Teilneustiche sind diese Seiten nicht):
   Ziffer 53 (Flötenergänzung), Ziffer 59 (Hörnerneuarrangement). Beide
   Korrekturen enthält die 1929er Partitur noch nicht, in der Errata-
   Liste von Anfang 1923 aber sind sie im Gegensatz zu den großen 1929er
   "Neustichkorrekturen" schon angeführt. Schwierigkeiten bei der Druck-
   zuordnung kommen eigentlich nur aus dem Bereich der Kleinkorrekturen.
   Dazu ein paar Beispiele:

   1) 1948 steht im System der Posaunen in Ziffer 142 "con sord.", 1921
   ist dieser Hinweis noch nicht angegeben, aber die Errata-Liste von
   1923 enthält dann die Korrekturangabe. Da nun der weitaus größte Teil
   der Korrekturen dieser Liste nicht in die 1929er Partitur aufgenommen
   worden war, wird man die schließlich Ausführung der Korrektur in Zif-
   fer 142 mit dem Druck 1948, der eigentlich als Korrekturstufe 1947 zu
   bezeichnen wäre, in Verbindung bringen. Die Korrektur stammt aber
   doch von 1929. Das zeigt der Schriftzug in Antiqua, in dem derselbe
   Hinweis 1921 für die Piccolo-Trompete und die drei Trompeten in C
   ausgeführt worden ist. Die Nagelprobe hierzu kommt in Ziffer 144 im
   System der Baßtrompete. Laut Errata-Liste von 1923 ist, da die Angabe
   in der Partitur von 1921 fehlt, "con sord." zu ergänzen. Doch erst
   1948 wurde "con sordino" hinzugefügt, und zwar in Kursivchrift. Dies
   ist eine typische Boosey & Hawkes-Korrektur von 1947 bzw. 1948. Hier
   gilt somit festzuhalten: Beide Korrekturen sind in der Errata-Liste
   angegeben. Da die betreffende Seite ein Neustich ist (S. 112, Beginn
   der Danse Sacrale), wurde eben die eine Korrektur 1929 schon miter-
   ledigt, warum dabei aber die andere nicht?

   2) Korrekturen handschriftlich oder dazwischengeklemmt gehören zu den
   Kennzeichen des 1948er Boosey & Hawkes-Drucks. Auch die Seite 125 ist
   ein 1929er Neustich. Laut Errata-Liste von 1923 soll nach Ziffer 174
   die Tempoangabe präzisiert werden ("Préciser [...]"): Achtel = Vier-
   tel = 126. Doch die Partitur von 1929 hat auch diese Korrektur nicht
   (nebenbei: der 1929er RMV-Druck enthält keine Handkorrekturen), 1948
   entschied man sich dann für ein Druck- und Handschriftgemisch. Im
   Posaunensystem soll laut Errata-Liste hätte 1929 vor dieser Ziffer
   174 ein Baßschlüssel ergänzt werden, das Boosey & Hawkes-Ergebnis von
   1947 bzw. 1948 ist ein dazwischengequetschter Schlüssel, für den so-
   gar noch die Taktlinie unterbrochen werden mußte (man beachte hier-
   bei: diese Stelle erfuhr, wie anderes auch, 1929 eine musikalische
   Umgestaltung).

   3) Im Takt vor Ziffer 173 (S. 125) steht mehrfach "senza sord.", in
   kursiv für alle Trompeten (Piccolo, C und Baß, siehe oben): dies also
   sind keine 1929er Korrekturen; doch auch die Posaunen haben die Vor-
   schrift "senza sord.", allerdings in Antiqua, wobei das sehr wohl
   eine RMV-Angabe von 1929 ist. Alle vier Korrekturangaben hat schon
   die Errata-Liste von 1923, doch darf in diesen Fällen nicht übersehen
   werden, daß 1921 ein etwas anderer Notentext vorlag.

   Man könnte von solchen Fällen, deren Zuordnung nicht so leicht fällt,
   eine Liste zusammenstellen, doch es mögen diese Beispiele genügen.

   Zum Schluß noch einmal den für die Fassungsidentifikation wichtigsten
Rat: Bei jeder RMV-Sacre-Partitur sollte der allererste Blick der Seite
139 gelten, ob der Guero eingezeichnet ist oder nicht. Das ist das
schnellste Mittel der Fassungsidentifikation. Hier, bei der mutmaßlich
von 1934 stammenden zweiten Auflage der 1929er Taschenpartitur, ist der
Quero natürlich nicht mehr vorhanden. Eine andere schnelle Möglichkeit
ist auch, einen Blick auf den in der alten Schriftart neu gesetzten rus-
sisch-französischen Titelkomplex der Danse Sacrale zu werfen (S. 112):
Dem Untertitel "L'élue." fehlt 1929 der Accent aigu ("L'elue."). Er
fehlt auch in der Boosey & Hawkes-Nachfolgeausgabe bis zu deren Abset-
zung (1966).
   Anfang 2014 wurde ein zweites Exemplar der voran beschriebenen Aus-
gabe der RMV-Taschenpartitur entdeckt. Unterschiede bestehen bei den
grundlegenden editorischen Einzelheiten nicht: Die neu entdeckte Parti-
tur hat das gleiche einfache, aber glatte Papier, denselben etwas un-
deutlichen Druck, auch weist sie die gleiche Bindungsart auf und selbst
der Stempel "Imprimé en Allemagne" auf den Seiten 3 und 139 sitzt an
etwa den gleichen Stellen (S. 3: unten Mitte, S. 138: unten rechts).
Dennoch gibt es ein paar Unterschiede. Zwar fehlt auch bei der neu ent-
deckten Partitur der originale Einband, doch hat sie einen laminierten
Bibliothekseinband in oranger Farbe, auf den immerhin die ursprügliche
RMV-Deckblattgraphik aufgeklebt ist. Davon läßt sich ableiten, daß der
Originaleinband, wie vom 1921er Adorno-Exemplar bekannt, aus dünner
brauner Pappe bestand. Die Graphik stimmt ab der Zeile "TABLEAUX ..."
bis auf den einen oder anderen Zeilenabstand mit der Anlage auf der
Titelseite überein. Der unterstrichen Autorenname und der Werktitel ent-
spricht den beiden Zeilen auf den Deckblättern der Dirigierpartituren
und des "Adornoschen Exemplars" (Näheres siehe die Ausführungen zu Lay-
out und Schriftenarten andernorts). Eigentlich macht dieses zweite Exem-
plar einen unbeschnittenen Eindruck, es dürfte aber, vor allem in der
Höhe, doch beschnitten sein. Die Außenmaße betragen in etwa: 14,5 x 20,2
cm. Somit ist das Exemplar im Zimmermannschen Nachlaß in den Höhe um
etwa einen Zentimeter größer.
   Als ein besonderes Detail ist auf der Titelseite befindlich ein
runder, violetter Stempel anzusehen, er ist aber leider nahezu ver-
blaßt, doch läßt er sich durch Vergleiche recht gut rekonstruieren, es
handelt sich um die von 1909 bis 1947 übliche Firmen- und Adressenan-
gabe. Die Beschriftung lautet

   im Zentrum:

   DURAND [/] & Cie [/] PARIS"

   im Außenrand:

   A. DURAND & FILS, Éditeurs [/]
   4, Place de la Madeleine

   Insoweit wird also mindestens klar, daß diese Partitur einen franzö-
sischen Geschäftshintergrund hat - wie immer der ausgesehen haben mag.
Jedenfalls ist das im 19. Jahrhundert gegründete Verlagshaus Durand auch
ein Sortimenter (Großist) und ein bekannter Musikalienladen (zum Druck
und Vertieb der Partitur siehe auch die Diskussion zuvor).

Boosey & Hawkes-Taschen-, Studienpartitur: 1948, 1965, 1967, 1997

   In Deutschland dürfte es kaum eine öffentliche Musikbibliothek geben,
die in ihrem Bestand nicht irgendeine Taschenpartitur des Sacre hat.
Hochschulen haben meist mehrere, sogar bis zur Dirigatseminarstärke kann
in den Regalen die Anzahl reichen. An Ausgaben sind es in aller Regel
Boosey & Hawkes-Drucke, wobei selbst bei streng werkbezogener Bereit-
stellung nur höchst selten (wenn überhaupt) deutlich divergierende
Drucke, Ausgaben oder Fassungen grundsätzlich und säuberlich voneinan-
der getrennt sind.
   Hinzu kommt noch, daß vorgegebene Signaturkreise, gelegentlich sogar
noch nach Größen "ordnend", häufig genug nicht gerade dazu beitragen,
eine kunterbunte Platzierung vermeiden zu helfen. So ist denn die Nut-
zung unter Umständen erheblichen Mißverständnissen ausgesetzt, zumal ja,
und zu allem Überfluß, die frühen Drucke der 1967er Ausgabe hinsicht-
lich der Fassung nur eine eher unscheinbare Kennzeichnung aufweisen,
gemeint ist der auf der ersten Notenseite in Kleindruck unter IGOR
STRAVINSKY und "Revised 1947" hinzugefügte Hinweis "New edition 1967"
(siehe hierzu frühere Ausführungen). Abträglich ist nicht minder, daß
das Erfassungspersonal ganz offenkundig nur in seltenen Fällen ausrei-
chende Kenntnisse über spezielle Datierungsmöglichkeiten besitzt bzw.
bei besonders diffizilen (einer Ableitung bedürfenden) Fällen über deren
Grenzen Bescheid weiß (man denke an Druckvermerke, Annoncenkennungen und
dergleichen), so daß eben auch begleitende bibliothekarische Erfassungen
zu oft nicht die Klarheit bringen, die nötig wäre.
   Zur Hochschulpraxis sei ein anschauliches Beispiel angefügt; es ist
abgeleitet von einer vorgefundenen Regalbrettansammlung, bestehend aus
einem guten Dutzend unterschiedlicher Partituren (nicht nur solchen von
Boosey & Hawkes): Man stelle sich ein Dirigatseminar vor, aller stillen
Erwartung gemäß mit Partituren der sogenannten neuen Edition arbeitend,
wobei aber doch auch Partituren alter und/oder "fremder" Drucke auf
einem Stand von vor 1967 mit in Gebrauch sind, eventuell sogar noch frü-
here oder im Extremfall sogar die so beruhigend erscheinende - wenn auch
sehr seltene - Dirigierpartitur "Full Score [/] revised 1947 version
[/] Reprinted with corrections 1965".
   Demnach dürfte es, ganz abgesehen von Bibliotheksbeständen und -situ-
ationen, wohl angebracht sein, auf diesem Gebiet der sich oft zu sehr
ähnelnden Taschenpartituren allein schon unter dem Gesichtspunkt Identi-
fikationshilfe, einen gewissen Überblick über bisher gewonnene Kennt-
nisse äußerer Details zu bieten, wobei gleichzeitig noch nicht oder nur
gestreift angesprochene editorische Detailsmerkmale miteinbezogen wer-
den sollen.
   Eines gleich vorweg, dieser Überblick gibt keine Auskunft zu musika-
lischen Problemen, also zu wichtigen Fragen wie: Welche Notentextunter-
schiede bestehen zwischen den frühen und späten Partituren oder was ist
an der "neuen Edition" (New edition 1967) eigentlich neu? Informationen
hierüber siehe die systematischen und speziellen Kapitel andernorts.
   Die Ausgaben oder Drucke der Boosey & Hawkes-Taschen- oder Studien-
partituren (= Nichtdirigierformate) lassen sich zu drei Hauptarten zu-
sammenfassen:

   1) Ausgaben 1948 bis 1966 (erste Boosey & Hawkes-Edition)
   2) Ausgaben 1967 bis 1996 (Neuedition im zunächst in etwa herkömm-
      lichen oder gewohnten Gewand, gegen Ende merklich abweichend)
   3) Ausgaben ab 1997 (in der Reihe "The Masterworks Library")

   Außerdem ließe sich nach bestimmten Gesichtspunkten auch noch die
Periode 1948 bis 1966 gliedern in 1a) 1948 (Frühzeit), 1b) 1951 bis 1964
(Zeit der Konsolidierung) und 1c) 1965-1966 (Endphase des eigentlich
spätestens seit 1921 bzw. als Revision seit 1929 bestehenden Noten-
drucks).
   Die Partituren der Frühzeit, ob Typ A oder B, unterscheiden sich in
den wesentlichen Details der äußeren Aufmachung nicht oder kaum. Gerech-
net werden zu den Trägern der äußeren Aufmachung: Einband (mit Rücken),
Titelseite (S. [1], Orchesterseite (S. [2]), erste Notenseite (S. 3),
letzte Notenseite (S. 139). Keine allzu große Rolle spielt die Platten-
numernvergabe auf jeder Notentextseite, anders die Seitenzahlgestaltung:
Ihr hat große Aufmerksamkeit zu gelten.
   Zu Abweichungen (bei Details wie Formatgröße, Paginierungweise, An-
noncenabdrucke usf.), soweit sie tatsächlich vorgefunden wurden oder
derzeit vielleicht nur angenommen werden (müssen), suche man Ausführun-
gen in systematischen Kapiteln auf (je nach Aspekt ist ein Mehrfachauf-
greifen eines Themas möglich; insbesondere zur Formatgröße und zu Druck-
vermerken siehe auch weiter unten).
   Eines ist hier allerdings erneut sehr betont hervorzuheben: Die er-
staunliche Unterschiedlichkeit der Paginierungsweise, wie sie zwischen
den Editionstypen A und B vorliegt, wobei in der Folgezeit der Editions-
geschichte die doch wohl eigenartige Platzierung der Zählung des Typs A
nicht fortgeführt worden ist, sondern die hergebrachte des Typs B. Und
dieser "Modus B", der eigentlich der Modus der 1921er bzw. 1929er RMV-
Ausgaben (sowie der jeweiligen RMV- und vor allem auch der alten Boosey
& Hawkes-Dirigierpartituren) ist, blieb dann bis zum Ende dieser Edi-
tionslinie im Jahr 1966 bestehen.
   Das unmittelbar wahrnehmbare editorische Element einer Taschenparti-
tur ist ihre Größe, ihr Format. Doch ist es unter dem Aspekt des Ver-
gleichs der zu einer Editionslinie gehörenden Drucke oder Ausgaben unter
Umständen auch das unauffälligste. Versucht man die Hauptmasse der Boo-
sey & Hawkes-Sacre-Taschenpartituren nach Maßen einzuordnen, so ergeben
sich - mit großzügigem Blick - zunächst nur zwei Gruppen: Ausgaben von
1948 bis 1966 und solche von 1968 bis 1996. Ab 1997 kommt dann mit der
Ausgabe in der Reihe "The Masterworks Library" ein nicht nur größeres,
sondern auch anderes Format in den Handel. Zunächst ein Überblick zum
frühesten Format:
   Da Bibliotheksexemplare sehr oft beschnitten vorliegen, können ins-
besondere für die frühen Ausgaben detaillierte Aussagen zu Unterschie-
den in der Formatgröße nur sehr lückenhaft getroffen werden, aber es
sieht so aus, als wären bei der ersten Taschenpartitureditionslinie
keine allzu großen Schwankungen vorgekommen. So liegen jedenfalls vier
im Wesentlichen intakte Exemplare der Partitur des A-Typs von 1948 vor
(von der mutmaßlich ersten Ausgabe also, drei davon in Privatbesitz)
und außerdem ein Exemplar der letzten Ausgabe von 1966 (ebenfalls in
Privatbesitz). Ihre Maße sind mehr oder minder kongruent zu nennen, je-
denfalls liegen die kaum merklichen Größenunterschiede durchaus im Be-
reich von Fertigungs-(und auch Meß-)toleranzen (1948: im Durchschnitt
ca. 17,8 x 25,3 cm, 1966: ebenfalls ca. 17,8 x 25,3 cm). Ein auch in
Privatbesitz befindliches - völlig intaktes - Exemplar des B-Typs hat
demgegenüber eine etwas größere Breite ca. 18,0 (x 25,4 cm), während
das Exemplar die geringste Höhe ca. 25,1 cm aufweist. Sollte es eine
Ausgabe mit den bisher vorgefundenen geringsten Abmessungen geben (ca.
17,7 x 25,1 cm) geben, würde dieses Format doch wahrscheinlich auffal-
len, selbst die kleinste Breite von ca. 17,7 cm ist, zumindest im di-
rekten Vergleich, schon durchaus "merklich" (zu vorgefundenen Diffe-
renzen bei Bibliotheksexemplaren siehe andernorts, zu neueren Ausgaben
und vor allen Dingen zu einer Tabelle mit diversen Messungen siehe
weiter unten; das pedantische "ca." muß stehen wegen der Beeinträchti-
gung durch den jeweiligen Erhaltenheitsgrads und auch wegen des gele-
gentlichen Mangels an präziser Rechtwinkligkeit).
   Eine seltsame Detailvariante im Bereich der ersten Editionslinie fiel
bei Exemplaren der 1960er Jahre auf, aufgekommen ist sie aber sicherlich
schon Anfang der 1950er Jahre, denn die Ausgaben November 1951, Januar
1953 und April 1956 (Druckvermerke "11·51 L.& B.", "1·53 L.& B." und
"4·56 L & B") haben sie schon. Das ist eine Variante, die vielleicht gar
keine Änderung ist, sondern eher eine Übernahme oder, vielleicht tref-
fender gefaßt, eine Weiterführung, denn die Taschenpartituren ab Anfang
der 1950er Jahre, eben schon diejenige vom November 1951, enthalten den
Text der Orchesterseite genau in dem Drucksatz aller bislang angetrof-
fenen Exemplare der "alten" Dirigierpartitur, also der Drucke von 1948
bis 1965.
   Und danach zu urteilen, sieht die Sachlage so aus, als wäre gerade
der Drucksatz in den frühen Taschenpartiturausgaben von 1948 (Typ A UND
B!), der Erstlingsdrucksatz also, bereits eine "Abänderung" oder Varian-
te gewesen, indem nämlich der dort abgedruckte, bis auf unbedeutende
Setzkleinigkeiten keine Abweichungen aufweisende Text in Wirklichkeit
nur ein vereinzelt vorgekommener Drucksatz ist, der jedenfalls in dieser
Form sonst nirgends vorgefunden wurde (Einzelheiten, vor allem zum Text-
vergleich, siehe andernorts).
   Der oliv-graue Pappeinband, von Zeit zu Zeit allerlei leicht unter-
schiedliche Tönungen von grünlich bis khakifarben erfahrend, blieb nicht
nur über den Fassungswechsel von 1967 hinaus, sondern bis in die zweite
Hälfte der 1980er Jahre erhalten, und es blieben sogar noch darüber hi-
naus erhalten auf dem dann rötlich mittelbraunen Einband das grün auf-
gedruckte Etikett mit der inversiven Betitelung wie auch die sonstige
grüne Bedruckung auf den Einbanddeckeln samt Rücken. Doch gerade bei
der Bedruckung an sich, der Beschriftung (Titelgebung, Verlagsangaben
usw.), gab es immer mal Änderungen, teils minimale, teils erhebliche.
   Zunächst war die Titelgebung auf Deckblatt, Rücken und Titelseite
französisch gehalten (Le Sacre du Printemps, mit französischem Unter-
titel auf der Titelseite, Strawinsky mit "w"). Wahrscheinlich schon An-
fang der 1950er Jahre erfuhr die äußere Titelgebung irgendeine anglisie-
rende Einfärbung. Man beachte hierbei, daß dies eine Aussage mit einiger
Unsicherheit ist, denn aus dem 1950er Jahrzehnt ist bislang erst zwei
brauchbare Partituren aufgetaucht.
   Spätestens November 1951 jedoch ist die zweisprachige Stufe erreicht:
Englisch-französisch (in dieser Reihenfolge!) ist nun die Wiedergabe
der Titelei auf Deckel und Titelseite, wobei der nur auf der Titelseite
abgedruckte Untertitel ebenfalls auf englisch und französisch wiederge-
geben ist. Natürlich hat dieser Druck den englischen Titel auch schon
auf dem Rücken (der bei dem nächst vorliegenden Druck vom April 1956
Exemplar leider fehlt), doch da auch das vollständig vorliegende Exem-
plar vom November 1960 (Druckvermerk "11·60 L & B") den "englischen"
Rücken aufweist, kann man insgesamt sicherlich von einem gewollten Ge-
staltungsumbruch sprechen, der da Anfang der 1950er Jahre über die Ta-
schenpartitur schwappte.
   Bis zum Ende der ersten Editionslinie im Jahr 1966 ändert sich an
diesem äußeren allgemeinen Bild der Bedruckung nichts mehr, außer daß
1965 das "W" in Strawinsky durch "V" ersetzt wurde. So übrigens auch
auf der ersten Notenseite, wobei man unter "Igor Stravinsky" noch den
Hinweis "Revised 1947" hinzugefügte. Diese letztgenannten Neuerungen
haben zweifellos ihre Ursache in der Aktualisierung der 1965er Dirigier-
partitur "Reprinted with corrections 1965" (zu dieser Partitur siehe
spezielle Kapitel).  
   Auch zur Bedruckung der letzten Einbandseite (hinteres Deckblatt
außen) kann wegen der derzeit noch lückenhaften Quellenlage nur eine
vorläufige Aussage angeboten werden. Die Datenlieferanten sind: 1. Ta-
schenpartituren von 1948 Typ A, ausgestattet mit der mit "HAWKES POCKET
SCORES" betitelten Annonce "No. 520", ihre Datierung lautet: "1.49" (bei
einem vorliegenden Exemplar ist der Datierungsvermerk unklar), 2. Ta-
schenpartitur von 1948 Typ B, weist keine Bedruckung auf, 3. Taschenpar-
ituren November 1951, Januar 1953, Annonce "HAWKES POCKET SCORES" No.
582, Datierung 6.50 (die 1949er Annonce No. 520 befindet sich hier auf
S. [140] = Rückseite der letzten Notenseite, sie ist 1953 undatiert;
auch im Druck vom April 1956 befindet sich auf der S. [140] diese Annon-
ce, allerdings diesmal mit der gewohnten Datierung 1.49), 4. je eine
Partitur von 1960, 1963 und 1964, sie sind definitiv ohne eine Be-
druckung (Annonce) erschienen, 5. zwei Exemplare der seltenen letzten
Ausgabe von 1966 mit der Annonce "No. 16", Datierung: "1/61"; diese An-
nonce ist nicht nur eine aktualisierte "HAWKES POCKET SCORES"-Fassung,
sie ist auch im Vergleich zu Fassungen der Frühzeit neu gestaltet (die
wichtige 1965er Ausgabe, die mit der oben genannten Dirigierpartituraus-
gabe von 1965 zeitlich korrespondiert liegt nur mit Bibliothekseinband
vor, für den das hintere Einbanddeckblatt entfernt wurde).
   Eine Kleinigkeit fällt sicherlich nicht sofort auf: Die Verlagsanga-
ben auf dem Deckblatt, "HAWKES POCKET SCORES" (oberer Rand) und "BOOSEY
& HAWKES" (unterer Rand), sind spätestens seit November 1951 bei glei-
chen Drucktypen einem Drucksatz gewichen, der zwischen den Worteinheiten
deutlich größere Abstände bildet, so daß die noch unter der Zeile "BOO- 
SEY & Hawkes" einst ganz links und leicht übersehbar situierte Bestell-
nummer "No. 638" nun in direkter Nachbarschaft zu "BOOSEY & HAWKES" an-
gesiedelt ist, obwohl offenbar der Sitz der Bestellnummer nicht oder nur
unwesentlich verändert wurde (diese Layout-Änderung findet sich im Übri-
gen - sowohl hinsichtlich der Schriftzüge wie der Bestellnummer - bei
dem nächst vorliegenden bzw. eingesehenen Exemplar der 1950er Jahre, der
Ausgabe vom April 1956, allerdings verschiebt sich hier der Sitz der Be-
stellnummer im Verhältnis zum "B" in "BOOSEY" wiederum leicht, ein Sach-
verhalt, der bei Antiquariatsangeboten die Einschätzung einer abgebilde-
ten Frontseite ermöglichen kann; zu den Druckunterschieden siehe die
Frontseiten beschreibende Identifikationstabelle).
   Im Zusammenhang mit dieser Änderung des Drucksatzes auf dem Deckblatt
wurde auch auf der Titelseite der breitere Satz von "HAWKES POCKET SCO-
RES" eingeführt, doch das springt da sicherlich weniger ins Auge. Was
hingegen auf der Titelseite wirkliche Änderungen sind, das sind die-
jenigen, die die Ortsangabenleiste im Laufe der Zeit erfuhr. So entfiel
gegenüber der Zeile der 1948er Ausgabe (siehe andernorts) Anfang der
1950er Jahre "LOS ANGELES", dafür wurden "BONN" und "BUENOS AIRES" er-
gänzt, so daß die Zeilen 1951, 1953 und 1956 wie folgt lauten (auf der
Titelseite von 1956 kein Zeilenbruch):

   1951

   LONDON · NEW YORK · TORONTO · SYDNEY · CAPETOWN · PARIS · BONN

   1953

   LONDON · NEW YORK · TORONTO · SYDNEY · CAPETOWN · PARIS · BONN

   1956

   LONDON · PARIS · BONN · CAPETOWN · SYDNEY · TORONTO · BUENOS
   AIRES · NEW YORK

   1960 ist die Zeile kursiv und mit Kleinbuchstaben gestaltet, außerdem
wurde "CAPETOWN" gegen "Johannesburg" ausgetauscht. Spätestens 1962 be-
steht die Zeile wieder durchgehend aus Großbuchstaben, entfallen ist nun
erneut "Buenos Aires". Dieser Stand bleibt nicht nur bis zum Ende dieser
Editionslinie bestehen (1966), sondern besteht darüber hinaus noch bis
Ende der 1980er Jahre in der 1967er Editionslinie, allerdings ändert
sich in den vorliegenden jüngeren Ausgaben dieser zweiten Editionslinie
kurz nach Einführung der Annonce "NO. 78 [-] 7/78" das Layout (= Wechsel
zum "schalenartigen Logo", in den nachfolgend wiedergegebenen Tabellen
siehe dazu die Partiturausgaben "1980/n (7/78)", "1981/n (7/78)" und
"1987/n+").
   Eine Kleinigkeit verdient im Zusammenhang mit der Ortezeile sicher-
lich auch Beachtung: 1960 steht noch unter BOOSEY & HAWKES zentriert
"Ltd.", ab spätestens 1962 hingegen "MUSIC PUBLISHERS LIMITED", und das
bleibt so bis zum "schalenartigen Logo", die Fassung ab da ist um den
Firmennamen erweitert zu "BOOSEY & HAWKES MUSIC PUBLISHERS LIMITED".
   Sehr zu beachten ist die 1965er Änderung des Copyright-Hinweises un-
ten links auf der ersten Notenseite; es ist ein Neusatz mit einer erheb-
lichen rechtlichen Änderung, indem nämlich nun "Printed by arrangement,
Boosey & Hawkes, Inc., New York, U.S.A." durch "Copyright assigned 1947
to Boosey & Hawkes Inc. for all countries." ersetzt wurde. Und im Zusam-
menhang damit beachte man auch die gleichzeitig erfolgte Einführung des
oben erwähnten Hinweises "Revised 1947", ebenfalls auf der ersten Noten-
seite (Ausführungen zu Korrekturständen siehe an andern Orten). Neben-
bei: Auch die Dirigierpartitur "Reprinted with corrections 1965" weist
diesen neuen Copyright-Hinweis auf, beide Hinweise sind druckgleich, wie
im Übrigen der gesamte Copyright- und Hinweis-Block, situiert unter dem
ersten Notensystem, in der 1965 Dirigierpartitur druckgleich ist mit
demjenigem in den Taschenpartituren von 1965 und 1966, wobei allerdings
der rechte Teil "Propriété de l'Éditeur pour tous pays." usw. nicht neu
gesetzt ist, sondern aus den alten Vorgängerdruckvorlagen übernommen
wurde. Neu gesetzt - wenn auch inhaltlich gleich - ist hingegen der ge-
samte Copyright-Block in der die alte Ausgabe ablösende "New edition
1967"; diese Form bleibt offenbar bis zur Einführung des neuen Formats
von 1997 bestehen (letzter eingesehener Druck der herkömmlichen Parti-
turlinie: "1987/n+", siehe später die Tabellen).
   Nebenbei erwähnt werden sollte vielleicht doch auch, daß auf der
ersten Notenseite (S. 3) im Kopf "PREMIERE" schon im Druck vom April
1956 ein Accent grave aufweist ("PREMIÈRE"), das in den Drucken von 1948
fehlt.
   Zu den auf der letzten Notenseite (S. 139) der ersten Editionslinie
erscheinenden und bislang vorliegenden Druckvermerken siehe unten die
tabellarische Auflistung, die zusammen mit dem Überblick über die Drucke
der 1967er Fassung, der zweiten Editionslinie also, angeboten wird.
   Und dieser angesprochene zweite Teil des Überblicks über die Änderun-
genentwicklung der Taschenpartituren in den Drucken bzw. Ausgaben der
1967er Edition kann im Übrigen auf der Grundlage des ersten Teils der
Zusammenfassung verhältnismäßig kurz gehalten werden, dabei vergesse man
nicht: weitere Einzelheiten findet man in der systematischen Daarstel-
lung.
   An der neuen Taschenpartiturausgabe - der Notentext ist auch hier
eine Verkleinerung des 1967er Neustichs der Dirigierpartitur - ist alles
neu, selbst wenn der Einband das zunächst nicht so überdeutlich signali-
siert, denn die äußere Gestaltung (Design, Schriftlettern, Bedruckungs-
art und farbliche Aufmachung) wurde im Wesentlichen beibehalten - zu-
nächst jedenfalls.
   Der neue Partiturdruck umfaßt nun 153 Notenseiten (1 bis 153), die-
sen gehen zwei unpaginierte Vorspannseiten voraus, wobei sich in allen
Formaten, also in den Dirigier-, Taschen- bzw. Studienpartiturausgaben,
die Anzahl der Vorwegseiten später vermehrt. Wie gesagt, der Notentext
ist ein Neustich, und das äußerlich Auffälligste an ihm ist sicherlich
die Abänderung der Szenen- und Teilebetitelung von russisch-französisch
zu englisch-französisch. Auch die Inhaltsangabe auf Seite [II] ist eng-
lisch-französisch abgefaßt, und so auch die Fußnote zur nur auf italie-
nisch (!) wiedergegebenen Besetzungsliste.
   Die Titelseite ist neugestaltet, allerdings unter Verwendung von
Übernahmen aus der Vorgängerpartitur von 1965 bzw. 1966 (z.B. das Lay-
out des Komponistenames und des englischen Titels). Der originale fran-
zösische Titel ist zwar beibehalten worden, doch wieder nur in kleine-
rem Druck. Der französische Untertitel dagegen ist ganz gestrichen. Un-
verändert übernommen wurde hingegen der gesamte Verlags- und Adressen-
block, also auch die Zeile der Ortsangaben. Auf Deckblatt und Rücken
sind sämtliche Textbedruckungsteile neugesetzt, die Anordnung bzw.
äußere Anlage wurde dabei jedoch, wie gesagt, nicht angetastet, d.h.
auch: der Rücken trägt die englischsprachige Fassung, wie das schon bei
der ersten Editionslinie in den 1950er Jahre eingeführt worden war.
   Das Format ist ab jetzt größer, schwankt aber teils erheblich. Die
erste Ausgabe der Taschenpartitur, 1968 gedruckt, hat die Maße ca. 19,0
x 27,3 cm (zuvor ca. 17,9 x 25,3 cm). Der Vergrößerung der Außenmaße
wurde auf dem Frontdeckel der Reihentitel HAWKES POCKET SCORES insofern
leicht angepaßt, als die Abstände der Wörter zueinander erneut und dies-
mal beträchtlich vergrößert wurden (so geschehen auch bei der Kopfzeile
auf der Titelseite, gleicher Drucksatz).
   Auf dem Einband hinten (Einbandseite 4) ist eine gänzlich andere Fas-
sung der Annonce "HAWKES POCKET SCORES" wiedergegeben, ihre Identifika-
tionsdaten sind "No. 16", Datierung: "1.66".
   Wie schon erwähnt, die einzige wirkliche, ausdrückliche - aber erklä-
rungsbedürftige - Kennzeichnung, daß es sich hier um eine neue Edition
handelt (zu Neustich oder Korrekturen fehlt jede Information), ist auf
der ersten Notenseite unter "IGOR STRAWINSKY und "Revised 1947" der
kleingedruckte Hinweis "New edition 1967". Das ist, daran sei erinnert,
in der Dirigierpartitur anders, sie hat schon in der Erstausgabe auch
auf der Titelseite den Hinweis darauf, daß es sich um eine Neuausgabe
handelt: "New Edition 1967". In der Taschenpartitur wird dies 1972
nachgeholt: Es taucht in der Ausgabe mit dem Druckvermerk "M.P. 4.72"
(siehe unten die Tabelle) auf der Titelseite der Ausdruck "Re-engraved
edition 1967" auf, zunächst in kursivem, in den 1980er Jahren dann wech-
selnd zu geradem Schriftsatz. Angemerkt sollte hier unbedingt wieder,
daß es nicht sicher ist, ob dieser ein Jahr nach Strawinskys Tod einge-
führte, viel zitierte Hinweis Authentizität beanspruchen darf. Eine mu-
sikalisch inhaltliche Bedeutung hat er wie "New Edition 1967" im Grunde
genauso wenig. 
   Der Druckvermerk der ersten Taschenpartiturausgabe dieser 1967er "New
Edition", angegeben unten auf der letzten Notenseite (S. 153), lautet
"M.P. 7. 68." (Leerschritte im Original enger, siehe nachfolgend).
   Da nun schon oft auf Druckvermerke Bezug genommen wurde und der In-
formationsgehalt dieser Angaben nicht zu unterschätzen ist, soll unten
eine Auflistung der bislang auf Seite 139 bzw. 153 der Taschenpartituren
vorgefundenen Druckhinweise versucht werden. Hierbei beachte man, daß
die Darstellung der Kürzel die Typenabstände und Leerschritte nur in un-
gefähr angenäherter Schreibweise wiedergeben kann. Inwieweit im Übrigen
ein solcher Vermerk sich auf welchen Produktionsaspekt oder -schritt be-
zieht, also auf das Druckvorhaben überhaupt, den unmittelbaren Druckauf-
trag, den Abschluß von Sticharbeiten oder den tatsächlichen Druckvor-
gang, ist noch ungeklärt. Ab Ende der 1970er Jahre wurde die Vergabe
dieser informativen Kennzeichnung leider eingestellt; für dokumenatari-
sche Arbeiten können dann zum Zweck der Editionsdatierung z.B. Annoncen-
angaben herangezogen werden, derlei Hilfsmittel aber sind ganz und gar
problematisch (mehr dazu im Zusammenhang mit einer Aufstellung später).

   Identifikationstabelle: Druck-, Druckervermerke in Taschenpartituren,
                           Hilfsdatierungen, Bestand (Zustand, Verfüg-
                           barkeit)

   Abkürzungen, vollständiger Wortlaut gesonderter Druckervermerke

   1980/n                         = im Jahr 1980 oder (kurz) danach
                                    (= um 1981)
   1981/n                         = im Jahr 1981 oder (kurz) danach
                                    (= um 1982)
   1983/n, 1987/n                 = im Jahr 1983 bzw. 1987 oder jeweils
                                    kurz danach (um 1984, um 1988)
   1987/n+                        = um 1990/1991
   1990+                          = zwischen 1990 und 1997
   B                              = Bibliotheksexemplar
   B'                             = Bibliotheksexemplar, nicht ganz
                                    vollständig (= originaler Einband
                                    vorhanden, aber Einbußen, z.B. mit
                                    Überklebungen für Signaturzwecke)
   B+                             = Bibliotheksexemplar, vollständig
                                    (= originaler Einband vorhanden)
   B-                             = Bibliotheksexemplar, unvollständig
                                    (= originaler Einband fehlt oder ist
                                    nur teilweise vorhanden, es fehlen
                                    typischerweise z.B. Rücken und hin-
                                    teres Einbandblatt, also Einband-
                                    seite 4 mit der eventuell aufge-
                                    druckten Anzeige)
   B-+                            = Bibliotheksexemplar, unvollständig
                                    (= Mängel etwa wie B-, private Er-
                                    gänzung durch Kopien, Fotos, Scans)
   BHMP                           = Boosey & Hawkes, Markham Press
                                    Präfix eines datierenden Druckver-
                                    merks, außer diesem datierenden
                                    Druckvermerk kein gesonderter
                                    Druckervermerk (zu Markham Press
                                    siehe unten).
   E                              = Eigenbesitz
   E'                             = Eigenbesitz, Exemplar mit vollstän-
                                    gem Einband, aber mit sonstigen
                                    kleinen Mängeln (siehe E'/E+)
   E+                             = Eigenbesitz, vollständig (= origina-
                                    ler Einband vorhanden)
   E+++                           = Eigenbesitz, mehrere Exemplare,
                                    vollständig (= mit originalen Ein-
                                    bänden), Druckebene 1948/1949 (zwei
                                    unterschiedliche Drucke!)
   E+/B-+                         = Vorliegend als Exemplar E+ und Zu-
                                    griff auf ein Exemplar B-+
   E'/E+                          = Druck: 8·66, vorliegend 2 Exemplare,
                                    das eine davon davon: E' = Mängel-
                                    druck mit etlichen sehr blassen,
                                    kaum leserlichen Seiten (siehe ge-
                                    sonderte Ausführungen dazu)
   Halstan & Co. Ltd.             = Printed and bound in England by
                                    Halstan & Co. Ltd., Amersham, Bucks.
   Jahr/n                         = angegebenes Jahr oder (kurz) danach
                                    (siehe oben)
   JJJJ                           = Jahr
   K                              = Kopie(n)
   K--                            = Von der betreffenden Partitur ist
                                    kaum etwas (in Kopie) vorhanden,
                                    allerdings auf jeden Fall die letzte
                                    Notenseite mit der Druckinformation
   L                              = vorgefunden als Leihmaterialpartitur
   L+                             = vorgefunden als Leihmaterialparti-
                                    tur, vollständig (= originaler Ein-
                                    band komplett vorhanden)
   L-                             = Leihmaterialpartitur nicht ganz
                                    vollständig (Einband z.B. ohne
                                    Rücken)
   L.& B., L & B                  = Lowe & Brydone
   Lowe & Brydone, London         = LOW & BRYDONE PRINTERS LTD., LONDON,
                                    ENGLAND (Druck 11·51)
                                    Lowe and Brydone (Printers) Limited,
                                    London (1953-1966, aber Druck B des
                                    Drucks 3·64 Variante wie nachfol-
                                    gend:)
                                    Printed by Lowe and Brydone (Prin-
                                    ters) Limited, London.
   Markham Press, Kingston        = Printed by The Markham Press of
                                    Kingston Ltd., Surrey, England.
   MM                             = Monat
   M.P.                           = Markham Press

   Beachte: Leerstellen und Zeichenabstände in Druckvermerken könnnen
   hier nur annähernd wiedergegeben werden - zudem hängt die Wiedergabe
   ganz entscheidend von der Umsetzung der jeweiligen Browser und unter
   Umständen sogar von deren Fassungen ab. So darf hier z.B. bei Druck-
   vermerken mit Mittelpunkt dieser in der Mehrheit der Fälle nicht nach
   rechts verrückt sein, sondern er sollte vielmehr in der Mitte stehen
   (so z.B. bei 11·51). Zwei Beispiele für Drucksatzsonderfälle: Gering-
   fügig ist der Mittelpunkt nach rechts verrückt im Vermerk 11·60,
   deutlich dagegen in der Angabe 5 ·63.
   Bibliotheksexemplare (Bereich "B"), Sicherungskopien: Einige in
   Bibliotheken vorgefundene Partituren stehen in Kopie dauerhaft zur
   Verfügung.

   Druckvermerk         Datierung          Druckervermerk       Bestand
                                       (Abgekürzte Wiedergabe) (Zustand)

   Druck 1948 ff.       MM JJJJ
   B. & H. 16333
   Seite 139
 
   H.P. B735. 448 {*1}   4 1948          Kein Druckervermerk      E+++
   11·51 L.& B.         11 1951        Lowe & Brydone, London     E+
    1·53 L.& B.          1 1953                  "                E+
    4·56 L & B           4 1956                  "            B-/L-+ K
    8·58 L & B           8 1958                  "                K--
   11·60 L & B          11 1960                  "                E+
   11·62 L & B          11 1962                  "                E+
    5 ·63 L & B          5 1963                  "                B' K
    3·64 L & B {*2}      3 1964                  "                B- K
    3·64 L & B           3 1964                  "             E+/B'
   10 · 65 L & B        10 1965                  "                B- K
    8·66 L & B           8 1966                  "             E'/E+

   Druck 1968 ff.
   B. & H. 19441
   Seite 153

   M.P. 7. 68.           7 1968        Markham Press, Kingston    B'
   M.P.12.69.           12 1969                  "                B'
   M.P. 2 71             2 1971                  "                B'
   M.P . 4.72            4 1972                  "                K--
   M.P. 7.73 {*3}        7 1973                  "                E+
   M.P. 7.73             7 1973                  "                E+
   BHMP 2/77             2 1977          Kein Druckervermerk      K--
   BHMP 7/78             7 1978 {*4}             "                E+

              -------------------------------------
              Ohne Druckvermerk - Annoncendatierung
              -------------------------------------

   Druck 1980 ff.
   Datierung der
    Anzeige auf
   Einbandseite 4      Hilfsdatierung

        7/78 {*5}          1980/n  {*6}  Kein Druckervermerk      E+
        7/78               1981/n  {*7}          "                E+
        5/83               1983/n  {*8}          "             B-/B+ K
        4/87               1987/n  {*9}          "                E+
        4/87               1987/n+ {*10}         "            B-+/E+
          ?                1990+   {*11}         ?

              -------------------------------------
              Ohne Druckvermerk - Internetdatierung
              -------------------------------------

   Druck 1997 ff. {*12}
   Datierungsmittel:
   Editionsmerkmale,
   Internet usw.     Veröffentlichungs-
                       hilfsdatierung

    1./28.2.1997         2 1997            Halstan & Co. Ltd.     E+
            2000           2000                  "                B-
        1.6.2004         6 2004                  "                L+
         12.2008        12 2008                  "             B+/E+/L+

     
   {*1} Dieser Druckvermerk kommt in unterschiedlichen Auflagen bzw.
        Ausgaben vor, so in den Taschenpartiturdrucktypen A und B, aber
        erstaunlicherweise auch in Dirigierpartituren (zu beiden Sach-
        verhalten siehe andernorts).

   {*2} Bisher wurden zwei unterschiedliche Drucke mit der Datierung
        "3·64 L & B" vorgefunden, sie weisen auf Seite 139 verschiedene
        Druckervermerke auf:
        1) Druck A: Liegt als Bibliotheksexemplar ohne Originaleinband
        vor; dieses trägt auf der Titelseite mit Bleistift die Eingangs-
        datierung (des Händlers) "6/64" und den Verkaufspereis: "13.20"
        [DM], außerdem die Erfassungsdatierung der Standortbibliothek
        (ein Rundfunkarchiv): "1964"; Druckervermerk A: "Lowe and
        Brydone (Printers) Limited, London".
        2) Druck B: Liegt vor als Eigen- und als Bibliotheksexemplar,
        beide mit Originaleinband, hat auf Einbandseite 4 keine Annonce;
        Druckervermerk B: "Printed by Lowe and Brydone (Printers)
        Limited, London."

   {*3} Dieser Druckvermerk tauchte bisher in zwei sehr unterschiedli-
        chen Auflagen auf: Druck A, Druck B (siehe spätere Ausführungen
        und Tabellen).

   {*4} Mit Annonce No. 16a (Datierung: 10/75).

   {*5} Beachte hier in dieser Auflistung unter "7/78" und nachfolgend
        unter der Anzeigendatierung "4/87": Gleiche Annoncen, aber
        unterschiedliche Drucke.

   {*6} Partitur mit den Seiten [I] (= Titelseite) bis [154] (= letzte
        Notenseite verso mit der 1965er Igor Strawinsy-Werke-Anzeige) in
        einer Aufmachung, wie sie der in der Tabelle zuvor angeführte
        Druck (= BHMP 7/78) auch hat, doch nun auf der ersten Notenseite
        (S. [1]) den Copyright-Hinweiskasten "IMPORTANT NOTICE" aufwei-
        send (den der Druck BHMP 7/78 noch nicht hat). Auf dem hinteren
        Einbandblatt der Partitur ist die Annonce "NO. 78 [-] 7/78"
        (7/78 = Juli 1978) aufgedruckt. Davon läßt sich im Zusammenhang
        mit anderen Details für die Partitur eine eingrenzende Druckda-
        tierung ableiten: (frühestens) 1980 oder (kurz) danach.
        Näheres zu dieser Hilfsdatierung: Sie basiert zum einen auf dem
        offenbar allerletzten Druckvermerk BHMP 7/78 (siehe die in der
        Tabelle zuvor gelistete Ausgabe), zum andern auf der Annonce
        "NO. 78 [-] 7/78" (= Juli 1978), die auf der Ausgabe abgedruckt
        ist; das sind immerhin erste ungefähre Hinweise für den frühe-
        sten Zeitpunkt. Besonders wichtig aber für die Datierungsein-
        schätzung ist der unter der Annonce in der Boosey & Hawkes-
        Adresse angegebene Postcode "W1R 8JH". Er wurde im Januar 1980
        eingeführt.
        Ungewiß ist, ob in genau dieser Zeit eine weitere Ausgabe mit,
        zumindest rein editorisch gesehen, gleichem Seiteninhalt ge-
        druckt worden war. Denn es ist nicht auszuschließen, daß für
        ein vorgefundenes, in Frage kommendes Bibliotheksexemplar ohne
        Originaleinband die Erfassungsangabe "erschienen 1978" NICHT
        von der "7/78-Annonce", sondern von einer anderen abgeleitet
        wurde.
        Man sieht an diesem Beispiel erneut, wie Unklarheiten entstehen,
        nur weil der originale Einband einem Bibliothekseinband hatte
        weichen müssen. Eine frühere Annonce als "NO. 78 [-] 7/78", aber
        immer noch ins Jahr 1978 fallend, wäre zum Beispiel "No. 80b [-]
        5/78" (5/78 = Mai 1978); zwar weist diese Anzeige nicht auf Ta-
        schenpartituren (Hawkes Pocket Scores) hin, sondern auf Klavier-
        musik, doch wäre das für eine etwaige Nutzung kein ernster Hin-
        derungsgrund gewesen, dafür gibt es ähnliche Beispiele (zu An-
        zeigen siehe später eine ausführliche Tabelle). 
        Beachte: Die als nächste in der Tabelle gelistete Ausgabe,
        "1981/n", ist ebenfalls ausgestattet mit der Annonce "NO. 78 [-]
        7/78", weist aber bereits ein anderes, nämlich das neue Layout
        der 1980er Jahre auf (siehe die nachfolgende Fußnote).

   {*7} Partitur mit dem neuem Layout der 1980er Jahre (u.a. "Schalen-
        logo", einsprachiges = englisches Etikett, oberhalb davon den
        Hinweis "HPS 638" anstelle von "HAWKES POCKET SCORES", sechs
        Vorspannseiten, "Re-engraved edition 1967" aufrecht = nicht
        mehr kursiv), aber noch mit khakifarbenem Einband (also nicht
        mit dem etwas rötlich-bräunlich getönten, wie etwas später,
        Ende der 1980er Jahre, eingeführt), gedruckt 1981 oder (kurz)
        danach.
        Die Kennung der Annonce auf dem hinteren Deckblatt lautet "NO.
        78 [-] 7/78" (= Juli 1978), und ebendort ist als Postcode in
        der Boosey & Hawkes-Adresse "W1R 8JH" angegeben, er wurde Januar
        1980 eingeführt (zu diesem Sachverhalt siehe auch die Fußnote
        zuvor).
        Beachte: Bei dieser Hilfsdatierung ist als jüngere Begrenzung
        die Existenz eines an sich gleichen, von einer Bibliothek 1985
        erfaßten Exemplars zu berücksichtigen, das aber mit der Annonce
        "No. 104 [-] 5/83" in den Handel kam (siehe nachfolgende Aus-
        gabe, zu Postcodes und ihrer Verwendung als Datierungshilfe
        siehe frühere Ausführungen, zu Annoncen und ihrem ebensolchen
        Einsatz siehe u.a. weiter unten).

   {*8} Also gedruckt mutmaßlich "um 1984". Wurde schon 1985 von einer
        Biblothek erfaßt (siehe Fußnote zuvor).

   {*9} Einband in rötlich-bräunlicher Farbtönung. Annonce: "NO. 121 [-]
        4/87", also gedruckt mutmaßlich "um 1988".

  {*10} Beachte: Gleiche Annonce, "NO. 121 [-] 4/87", wie auf dem zuvor
        angeführten Druck. Beide Drucke sind in ihrer Aufmachung und Be-
        druckung bis auf ein winziges Detail identisch, gehören also
        trotzallem zwei unterschiedlichen Auflagen an. Der Unterschied
        zeigt sich auf der Titelseite und zwar an der Abänderung der
        Ortezeile, die für den Kenner markanten Merkmale Paris und
        Johannesburg entfielen, ergänzt wurden Gothenburg und Tokyo,
        außerdem wurde die Reihenfolge etwas abgeändert (siehe geson-
        derte Tabelle). Die Ausgabe mit dieser Änderung dürfte um 1990
        (spätestens 1991) gedruckt worden sein. Sie wurde von einer
        Bibliothek 1991 erworben und/oder erfaßt.

  {*11} Vermuteter weiterer Druck zwischen 1990/1991 und 1997. Diese
        Vermutung leitet sich von einer Leihdirigierpartitur ab (siehe
        andernorts).

  {*12} Reihe "The Masterworks Library". Es sind bislang nur diese vier
        Ausgaben nachweisbar (Stand: Oktober 2018). Es gab vielleicht
        noch nach 2008 eine Auflage, deren einzige Abweichung in der
        Besonderheit der Papiersorte liegt (Einzelheiten zu dieser Edi-
        tionslinie mit Auflistung siehe gesondertes Kapitel).

   Wie gesagt, bis Ende der 1970er Jahre änderte sich am Gesamt-Layout
der 1968 erschienenen neuen Taschenpartitur kaum etwas allzu Auffälli-
ges. Selbst deren geringfügige Vergrößerung der Maße ist eben nur ge-
ringfügig. Davon war schon überblickhaft die Rede, siehe weiter oben.
Nun soll dazu nachfolgend eine Tabelle angeboten werden. Dem folgen dann
die Elemente, bei denen zum Teil, vor allem ab 1980, merkbare, mitunter
sogar deutliche Varianten zu verzeichnen sind: das hin und wieder uner-
läßliche Datierungshilfsmittel Annonce, dann (natürlich) der Einband mit
Deckblatt und Rücken sowie die Titelseite.
   Zunächst also eine Liste der Maße einer Reihe von Taschenpartituren,
die, obwohl beschnitten, für die Editonsgeschichte entweder wichtig sind
oder die, weil unbeschnitten, Werte an die Hand geben, die in etwa eine
Vorstellung von der Sachlage bzw. von den vor 1997 vorhandenen geringen
Unterschieden vermitteln.
    Den Maßangaben sollte im Grunde immer ein "ca." vorangesetzt sein,
selbst da, wo die Messung eindeutig schien. Wenn es fehlt, ist es hinzu-
zudenken. "Beschnitten" bedeutet, es liegt in der Regel ein Bibliotheks-
exemplar vor, auf jeden Fall aber ein Exemplar mit einem speziellen
Buchbindereinband; in solchen Fällen muß das aber nicht bedeuten, daß
der originale Einband entfernt worden war (zur Problematik von Mes-
sungen beschnittener Partituren siehe auch andernorts, zu den Jahresan-
gaben siehe oben die Tabelle der Druckvermerke und später die der Ein-
bände usw.).

   Identifikationstabelle: Maße (Abmessungen) von Taschen- und Studien-
                           partituren (Formate, Größenvergleich)

   Zeichen, Abkürzungen, Erläuterungen

   (7/78), (4/87)  = Partitur mit Annonce "NO. 78 [-] 7/78" bzw.
                     "NO. 121 [-] 4/87" 
   A, B            = Kennzeichnung von Ausgabetypen, Druckvarianten
   A1, A2, B1, B2  = Ausgabe/Druck 1948: mutmaßliche zeitliche Einord-
                     nungskennzeichnung der Ausgabetypen A und B
                     ("?" = sehr fraglich, weil der Einband fehlt oder
                     beschädigt ist, siehe dazu im Text die betreffenden
                     Ausführungen)
   IMD             = Internationales Musikinstitut Darmstadt
   Jahr            = Druckjahr
   Jahr/n          = angegebenes Jahr oder (wahrscheinlich kurz) danach
   Öff. Bibl.      = Öffentliche Bibliothek (Hochschule, Universität)

   Maße (Breite x Höhe) in cm (unvermeidlicherweise ca.-Angaben, siehe
   Ausführungen)

    Druck-  Typ    Zustand/       Maße
    jahr           Ort/Herkunft

   A) Taschenpartitur 1948 bis 1966:

    1948    A      beschnitten, Annonce beschädigt/Einband unvollständig

            A1?    Öff. Bibl.     17,5 x 25,0 (Datierung der Anzeige be-
                                              schädigt)
            A1/2?  IMD            17,5 x 24,9 (Einbandseite 4 fehlt und
                                              somit die Anzeige samt
                                              deren Datierung)

    1948    A      unbeschnitten, Annoncendatierung leserlich {*1}

            A2     Leitner        17,8 x 25,1
            A2     Schatz         17,8 x 25,3
            A2     Scholz         17,7 x 25,4
            A2     Exemplar IV    17,9 x 25,4
            A2     Exemplar V     17,8 x 25,3

    1948    B      unbeschnitten, Einbandseite 4 unbedruckt
                   (= keine Annonce!)

            B1     Eisenhut       18,0 x 25,4 {*2}

    1948    B      beschnitten, Einband fehlt

            B2?    Öff. Bibl.     17,3 x 23,9

    1951           unbeschnitten  17,6 x 25,4 {*3}
    1953           unbeschnitten  17,6 x 25,2
    1956           unbeschnitten  17,8 x 25,4
    1960           unbeschnitten  17,7 x 25,4
    1962           unbeschnitten  17,8 x 25,4
    1963           unbeschnitten  17,8 x 25,4
    1964    B      unbeschnitten  17,8 x 25,5 {*4}
    1966           unbeschnitten  17,9 x 25,3

                  ------------------------
                  Deutliche Größenänderung
                  ------------------------

   B) Taschen-, Studienpartitur ab 1968:

    1968           unbeschnitten  19,0 x 27,3
    1969           unbeschnitten  19,2 x 26,6
    1971           unbeschnitten  19,2 x 26,6
    1973    A      unbeschnitten  18,9 x 27,1 {*5}
    1973    B      unbeschnitten  19,0 x 27,3
    1977           unbeschnitten  19,3 x 27,6
    1978           unbeschnitten  19,0 x 27,3

   C) Taschen-, Studienpartitur Anfang 1980 bis vor 1997 {*6}:

    1980/n  (7/78) unbeschnitten  19,1 x 27,3 {*7}
    1981/n  (7/78) unbeschnitten  19,0 x 27,3 {*8}
    1983/n         unbeschnitten  19,1 x 27,4

                  -----------------------
                  Merkliche Verkleinerung
                  -----------------------

    1987/n  (4/87) unbeschnitten  18,7 x 26,4 (!)
    1987/n+ (4/87) unbeschnitten  19,0 x 26,6/26,8 (!) {*9}

                 -------------------------
                 Erhebliche Formatänderung
                 -------------------------

   D) Großformatige Studienpartitur ab 1997 {*10}:

    1997           unbeschnitten

                   Privatbesitz   23,0 x 30,5

    2000           beschnitten

                   Öff. Bibl.     22,5 x 29,9

    2004, 2008     unbeschnitten

                   Leihmaterial (2004, 2008),
                   Bibliothek und Privat-
                   besitz (2008)  23,0 x 30,5

   {*1} Die Partituren Schatz, Scholz und die Exemplare IV und V sind in
        Privatbesitz. Die Exemplare IV und V stammen aus englischen An-
        tiquariaten. Exemplar IV wurde mit Sicherheit einst in England
        verkauft. Dies zeigt das Frontdeckblatt, es weist unten im rech-
        ten Eck, mit Bleistift geschrieben, den damaligen Ladenpreis
        auf: "11/3" (11 shillings and 3 pence). Also läßt schon allein
        dieses Exemplar auf einen Ladenverkauf in England schließen. So-
        mit dürfte wohl auch die Deutung zutreffen, daß die so behelfs-
        mäßig wirkende Paginierung tatsächlich in England entstand und
        daß das auf der ersten Notenseite aufgedruckte "Printed in Eng-
        land" wörtlich genommen werden kann.

   {*2} Die Ausgabe mit der Herkunftsangabe "Eisenhut" ist in Privatbe-
        sitz, zuvor war sie offensichtlich in deutschen Händen. 2019
        ist in einem deutschen Antiquariat ein weiteres Exemplar des
        B1-Typs aufgetaucht.

   {*3} Zu unbeschnittenen Ausgaben 1951 bis 1987/n+, 1997 und 2008:
        vorhanden in Privatbesitz, in Bibliotheksbeständen (z.B. an
        Musikhochschulen), gelegentlich waren auch Leihmaterialexemplare
        greifbar: 1956, 2004 und 2008 (siehe auch andere Identifikati-
        onstabellen, z.B. diejenige zu Druckvermerken und Hilfsdatierun-
        gen).

   {*4} Druckvariante B, vorliegend als Eigenexemplar und vorgefunden
        als Bibliotheksexemplar im Zustand "B'" (siehe oben die Tabelle
        der Druckvermerke).

   {*5} Zu den Ausgaben 1973 A und B siehe weiter oben und spätere
        Auflistungen (Tabellen).

   {*6} Druckjahrangaben beziehen sich auf Sekundärhinweise wie Annon-
        cen-, Erfassungs- oder Ausleihdatierungen, im Fall der Edition
        von 1997 auf die Copyright-Angabe (zu den Hilfsmitteln siehe
        nachfolgend).

   {*7} Kein Druckvermerk, Annoncendatierung: 7/78, aber mit dem Januar
        1980 eingeführten Postcode "WIR 8JH", demnach sicherlich nicht
        vor 1980 gedruckt (Hilfsdatierung: "um 1981", siehe hierzu oben
        die Tabelle der Druckvermerke und spätere Tabellen).

   {*8} Wie Partitur 1980/n ohne Druckvermerk, Annoncendatierung: 7/78
        (Hilfsdatierung: "um 1982", siehe hierzu oben die Tabelle der
        Druckvermerke und spätere Tabellen).

   {*9} Die Ausgaben 1987/n und 1987/n+ weisen keinen Druckvermerk auf;
        Hilfsdatierung u.a. durch die Datierung der Annonce auf der Ein-
        bandseite 4. Die beiden Drucke unterscheiden sich nur durch mi-
        nimale Details (siehe obige Tabelle der Druckvermerke und weite-
        re Tabellen andernorts).
        Das vorliegende Exemplar der Ausgabe 1987/n+ ist in der Höhe
        schief geschnitten (am Rücken: 26,6 cm, am Längsschnitt: 26,8
        cm).

  {*10} Bislang sind vier deutlich unterscheidbare Drucke bekannt; sie
        werden hier in dieser Arbeit vor allem nach im Internet verbrei-
        teten Veröffentlichungsdatierungen gekenzeichnet: 1997, 2000,
        2004 und 2008 (siehe gesondertes Kapitel zur "The Masterworks
        Library"-Ausgabe).

Annoncen, Überblick

                              ================
                              In Überarbeitung
                              ================

   Das mehrfach angesprochene, gelegentlich eminent bedeutsame Element
"Annonce" darf als Datierungsmittel nicht ohne weiteres, das heißt,
nicht unüberlegt eingesetzt werden.
   Um zu sehen, um was es geht, sei zunächst unten auf eine Liste von
Taschenpartituren beigegebenen Anzeigen verwiesen, die sich in der Regel
auf der Rückseite des hinteren Einbanddeckels bzw. Einbandschlußblatts
(Einbandseite 4) befinden. Miteingebundene Annoncen tauchten als steter
Ausgabenbestandteil erst Ende der 1970er Jahre auf, vorher ist dies
scheinbar selten der Fall. In der Liste unten ist der jeweilige Platz in
der Partitur angegeben.
   Ein Manko beim Einsammeln von Daten zu Annoncen ist, daß die Verfüg-
barkeit an Ausgaben erheblich lückenbehaftet ist, so daß derzeit wohl
ein nur in etwa abgesicherter Überblick erreicht werden kann. Auch lie-
gen keineswegs von allen bislang eingesehenen Sacre-Ausgaben die Annon-
cen vor; hierfür ist einer der Gründe, daß für den Bibliotheksgebrauch
Einbände wegen spezieller Bibliothekseinbindungen sehr oft entfernt wer-
den, wobei dieses Schicksal ganz besonders den zweiten Einbandteil, das
Abschlußdeckblatt mit der Anzeige, ereilt.
   Ferner sollte der Darstellung noch eine verlegerische Selbstverständ-
lichkeit vorausgeschickt werden, daß nämlich die Verwendung einer Annon-
ce nicht auf ein bestimmtes (Strawinsky-)Werk beschränkt ist, sondern
daß zum Beispiel Annoncen wie die der Abteilung HAWKES POCKET SCORES auf
Taschenpartiturausgaben gleich welcher Komponisten oder Werke vorkommen
(können).
   Die Annonce HAWKES POCKET SCORES "No. 520 [-] 1.49" liegt auf Sacre-
Taschenpartituren des 1948er Drucks, das Datum betreffend (1.49 = Januar
1949), in indeutiger, unversehrter Form bislang nur auf zwei Exmplaren
vor, beide gehören zum Partiturtyp A2 (Einzelheiten und zur Datierung
siehe unten und andernorts). In beiden Fällen ist der Ort des Abdrucks
die Einbandseite 4. Sie kommt aber auch, wenn auch selten, mit eingebun-
den vor und zwar auf Seite [140] (= letzte Notenseite verso) - dies ist
mindestens 1951, 1953 und 1956 der Fall -, außerdem auch gesondert ein-
gebunden als Extrablatt, so im Divertimento Druck 7·51 (Weiteres hier-
zu unten in der Tabelle und andernorts). Man beachte auch, daß im Diver-
timento wie im Sacre-Druck vom November 1951 die Ortezeile und die Da-
tierung unverändert geblieben sind, in den Drucken 1953 und 1956 die
Ortezeile aber jeweils aktualisiert wurde, wobei 1953 die Datierung
nicht vorhanden ist, 1956 aber sehr wohl (Weiteres siehe Tabelle).
   Mindestens die Drucke aus den Jahren 1960, 1963 und 1964 weisen auf
der Rückseite des hinteren Einbandblatts keine Annonce auf. Daß solch
ein Platz nicht für eine Anzeige genutzt wurde, ist erstaunlich (von
1961 und 1962 ist bislang kein Exemplar aufgetaucht, das vorliegende
Exemplar von 1965 ist unvollständig, zu 1966 siehe nachfolgend).
   Bisher nur einmal liegt die Neufassung der Hawkes Pocket Score-Anzei-
ge "No. 16 [-] 1/61" auf einer Sacre-Taschenpartitur vor, und zwar auf
dem letzten, von 1966 stammenden Druck der alten Editionslinie. Etwas
besser ist die Nachweislage bei den ersten Drucken der 1967er Ausgabe
("New edition 1967"). Die Ausgaben 1968, 1969 und 1971 haben die gleiche
Annonce: "No. 16 [-] 1.66". Sie ist gegenüber der "No. 16" von 1961 eine
Neugestaltung und befindet sich zwar auch auf dem Druck von 1973, dort
aber - das ist nicht so leicht erkennbar - in etwas vergrößerter Form.
Charakteristisch für sie ist die im Vergleich zur Angabe "No. 16" tiefer
liegende Datierung "1.66".
   Ende der 1970er Jahre tauchte auf Seite [154] (= Rückseite der letz-
ten Notentextseite) die englischsprachig gehaltene Strawinsky-Annonce
"No. 40 [-] 7.65" auf. Diese Anzeige mit der Auflistung der bei Boosey
& Hawkes erhältlichen Werke wurde spätestens 1968 eingesetzt und zwar
auf der letzten Einbandseite sowohl der revidierten Dirigierpartitur als
auch des dazugehörigen Klavierauszugs und befand sich dort, soweit es
sich um die einstige Konfektionierung handelte, noch bis etwa Mitte der
1990er Jahre. Die Vorläuferin war die französischsprachige Anzeige "No.
453", sie befand sich - ohne eine Datierungsangabe - auf der letzten
Einbandseite der alten 1948er Dirigierpartituredition (siehe das ihr ge-
widmete, bereits abgehandelte Kapitel). Beachte: Es sind von der 1965er
Partitur "Reprinted with corrections 1965" bislang nur zwei Exemplare
ausfindig gemacht worden, wobei ausgerechnet beide einer Neueinbindung
unterzogen worden waren, für die das hintere Einbanddeckblatt entfernt
worden ist. Doch aufgrund der Versionsdatierung der Annonce "No. 40"
(Druckvermerk "7.65", siehe oben) ist eigentlich davon auszugehen, daß
die Dirigierpartitur von 1965 (Druckvermerk "8.65") bereits mit dieser
Annonce ausgestattet war.
   Ende der 1970er Jahre wurde, wie oben angesprochen, die Druckvermerk-
angabe für den Notendruck als solchem eingestellt, so daß eine Datierung
nur noch anhand sekundärer Ausstattungsmerkmale möglich ist. Eine der
Möglichkeiten sind eben die Datierungsvermerke auf Annoncen. Und wie
sich hierbei zeigt, machen von diesem Sachverhalt häufig Bibliotheks-
erfassungen dahingehend Gebrauch, daß eine derartige Angabe mit dem Aus-
gabendruck DIREKT und offenbar unbekümmert in Verbindung gebracht wird.
Das aber ist ein voreiliges Tun. Richtig ist zwar, daß der Druck der
jeweiligen Notenausgabe nicht vor der Datierung der Annonce erfolgt sein
kann, daß es aber andrerseits genausogut im Bereich der Möglichkeit
liegt, daß der Partiturdruck um einiges jünger ist und es sich also bei
der Annonce nur um eine Weiter- oder Wiederverwendung handelt. In der
unten wiedergegebenen Tabelle bezeichnen die Angaben 1980/n, 1981/n,
1983/n und 1987/n solche von Annoncen abgeleitete Datierungen, wobei
die Angaben verläßlich nur einen Schluß zulassen und zwar: Datierung
des Druckjahrs wie angegeben oder (wahrscheinlich kurz) danach. Es sei
noch darauf aufmerksam gemacht, daß das viel gebrauchte Hilfsmittel
"ca.", z.B. "ca. 1978" oder ähnlich, bei einer Annoncendatierung wie
"7/78"  nicht zu einer richtigen Angabe führt, wenn davon "ca. 1978"
abgeleitet wird, denn dann wäre ja in der ungefähren Datierungsannahme
für den Notendruck mindestens auch 1977 miteingeschlossen.
   Ein ganz besonderer und komplizierter Fall ist der in der untenste-
henden Tabelle angeführte Jahresvermerk in der Anzeige "No. 320 [-]
1.49". Denn die Datierung, den Druck bzw. die Veröffentlichung scheinbar
ins Jahr 1949 schiebend, erscheint in Exemplaren der Taschenpartitur,
denen in diesem Veröffentlichungsformat eigentlich die Klassifikation
"im Jahr 1948 veröffentlichte Erstausgabe" zukommt, doch wird in ihnen
einer Datierung "1949" in der Tat gleich mehrfach widersprochen, z.B.
vom ganz grundlegenden Element Copyright-Jahr (1948) und nicht minder
massiv auch vom Druckvermerkjahr der Partituren (ebenfalls 1948). Über-
dies erhalten diese beiden Datierungselemente von der erst 1965 bekannt
gegebenen Jahresdatierung der erneuten Korrekturarbeit Strawinskys an
der Partitur, 1947, sogar eher noch eine Bestärkung denn eine Bedeu-
tungsabschwächung. Um nun von dieser vielgesichtigen Sachlage eine Vor-
stellung zu bekommen, wird dringend empfohlen, sich den ganzen Komplex,
wie er in früheren Ausführungen dargestellt ist, anzusehen.

   Identifikationstabelle: Annoncen auf/in Taschen- und Studienparti-
                           turen

   Abkürzungen, Zeichen, Erläuterungen

   [-]    = Zeichen für Abstand, gelegentlich von ganz links bis ganz
            rechts reichend.
   [//]   = Absatz durch Abtrennung(slinie), Unterteilungslinie
   [140]  = Rückseite der letzten Notenseite der ersten Boosey &
            Hawkes-Taschenpartituredition, unpaginiert, zunächst
            unbedruckt 
   [154]  = Rückseite der letzten Notenseite der 1967er Editionslinie,
            unpaginiert, zunächst leer, ab Ende der 1970er Jahre bis
            vor 1997 mit der Annonce  "No. 40 [-] 7.65" bedruckt.
   [156]  = Unpaginierte Seite der 1997er Drucklinie: "Nachsatzblatt"
            mit einer Annonce auf der Rückseite
   1980/n = Gedruckt (bzw. veröffentlicht) 1980 oder (kurz) danach
   2004/p = Publiziert (erschienen, veröffentlicht) 2004
   2008/p = Publiziert (erschienen, veröffentlicht) 2008
   E4     = Einband hinten Rückseite (Einbandseite 4)
   H P S  = Anzeige: HAWKES POCKET SCORES
   ISW    = Igor Stravinsky (Boosey & Hawkes-Werkliste)
   MFP    = Anzeige: MUSIC FOR PIANO
   ML     = Anzeige: The Boosey & Hawkes Masterworks Library
   /n     = Gedruckt im angegebenen Jahr oder (kurz) danach
   OZ     = Ortezeile = Ortezusammenstellung
   /p     = publiziert (erschienen) im angegebenen Jahr 

   Jahr Typ Ort  Kürzel             Art    Äußere Merkmale

   Drucklinie Hawkes Pocket Scores 1948-1966:

   1948 A   E4   No. 520 [-]  1.49  H P S  Horizontale Zweiteilung:
                                           CLASSICAL EDITIONS [//]
                                           MODERN EDITIONS
                                           OZ: London· New York·
                                           Chicago [...] Paris {*1} {*2}
                                           Rautenumrandung {*3}

   1951    [140] No. 520 [-]  1.49  H P S  Wie E4 von 1948 {*2}

            E4   No. 582 [-]  6.50    "    Dreispaltige Aufteilung:
                                           Von Bartók bis Vaughan
                                           Williams
                                           Neue Gestaltung {*4} mit
                                           OZ: London · New York ·
                                           Toronto [...] Bonn [!]
                                           Kordelumrandung

   1953    [140] No. 520 undatiert  H P S  Wie 1948, aber ERNEUERTE
                                           OZ: London · New York ·
                                           Toronto [...] Bonn [!] {*2}
                                           Rautenumrandung

            E4   No. 582 [-]  6.50    "    Wie 1951

   1956    [140] No. 520 [-]  1.49    "    Wie 1948, aber ERNEUERTE
                                           OZ: London · Paris ·
                                           Bonn [!] [...] New York {*2}

            E4   N0. 782     [1.56]   "    Zweispaltige Aufteilung:
                                           Von Bartók bis Vaughan
                                           Williams 
                                           Adressen-Logo mit
                                           "London"   
                                           OZ: Paris · Bonn · Cape-
                                           town [...] Buenos Aires ·
                                           New York
                                           Dreiteilige (dreilinige)
                                           (Relief-)Umrandung {*5}

   1960          keine Annonce(n)!         Originaleinband

   1962            "      "                   "       "

   1963            "      "                   "       "

   1964 B          "      "                   "       "

   1966     E4   No. 16  [-]  1/61    "    3 Kolumnen: 18 Kompo-
                                           nisten, großzügige Flä-
                                           chengestaltung, Namen in
                                           Groß- und Fettdruck,
                                           Bach bis Wagner
                                           OZ: PARIS [...] NEW YORK
                                           Einlinige Umrandung

   Drucklinie Hawkes Pocket Scores 1968 bis vor 1997:

   1968     E4   No. 16  [-]  1.66  H P S  Layout-Neugestaltung
                                           3 Kolumnen: 23 Kompo-
                                           nisten, enger Druck,
                                           Namen nicht in Groß-,
                                           sondern nur in Fettdruck,
                                           Bach bis Tchaikovsky,
                                           Größte Breite: 15,1 cm,
                                           linker Randraum: breit,
                                           nur "BOOSEY & HAWKES",
                                           keine Ortezeile, keine
                                           Umrandung

   1969     E4   No. 16  [-]  1.66    "    Wie 1968

   1971     E4   No. 16  [-]  1.66    "    Wie 1968

   1973 A   E4   No. 16  [-]  1.66    "    Wie 1968, aber merkliche
                                           Vergrößerung, größte
                                           Breite: 16,4 cm,
                                           linker Randraum: schmal,
                                           "1.66" etwas tiefer ge-
                                           setzt {*6}

           --------------------------------------------
                      Etikett: Ovales "0"
           Einführung B & H-Werkliste "Igor Stravinsky"
           --------------------------------------------

   1973 B  [154] No. 40  [-]  7.65   ISW   "Igor Stravinsky"
                                           Boosey & Hawkes-Werk-
                                           liste

            E4   No. 16  [-]  1.66  H P S  Wie 1973 A, jedoch erheb-
                                           lich (!) verkleinerter
                                           Druck, dennoch größte
                                           Breite immer noch:
                                           15,0 cm, also nur minimal
                                           schmaler als 1968 bis
                                           1971; linker Randraum wieder
                                           breit {*7}

   1978    [154] No. 40  [-]  7.65   ISW   "Igor Stravinsky"
                                           Boosey & Hawkes-Werk-
                                           liste

            E4   No. 16a [-] 10/75  H P S  Gegenüber No. 16 (siehe
                                           oben) andere Auflistung:
                                           Barraud bis Williamson,
                                           nur "BOOSEY & HAWKES",
                                           keine Ortezeile
                                           Postcode W1A 1BR (galt
                                           bis Dezember 1979, ab
                                           Januar 1980: W1R 8JH)

       ----------------------------------------------------
       Seite [1]: Einführung des Kastens "IMPORTANT NOTICE"
       ----------------------------------------------------

   1978/n  [154] No. 40  [-]  7.65   ISW   "Igor Stravinsky"
                                           Boosey & Hawkes-Werkliste

            E4   ???     [-]  ?/78   ???   Keine spezifischen Details
                                           bekannt, vielleicht
                                           MFP mit Repertoire
                                           Martinů bis Zipoli {*8}

   1980/n  [154] No. 40  [-]  7.65   ISW   "Igor Stravinsky"
   (7/78)                                  Boosey & Hawkes-Werkliste

            E4   NO. 78  [-]  7/78  H P S  Gegenüber No. 16 und 16a
                                           andere Liste: Bartók bis
                                           Weinzweig
                                           Schalenartiges (!) Firmen-
                                           logo: BOOSEY & HAWKES,
                                           keine Ortezeile,
                                           Postcode W1R 8JH (einge-
                                           führt Januar 1980) {*9}

        ---------------------------------------------------------
               Etikett: nur englisch, wieder kreisrundes "O"
        Layout-Änderung: "Schalenlogo" überall, 6 Vorschaltseiten
        ---------------------------------------------------------

   1981/n  [154] No. 40  [-]  7.65   ISW   "Igor Stravinsky"
   (7/78)                                  Boosey & Hawkes-Werkliste

            E4   NO. 78  [-]  7/78  H P S  Wie 1980/n (gleiche Zusam-
                                           menstellung: Bartók bis
                                           Weinzweig
                                           Schalenartiges Firmenlogo:
                                           BOOSEY & HAWKES,
                                           keine Ortezeile,
                                           Postcode W1R 8JH) {*10}

   1983/n  [154] No. 40  [-]  7.65   ISW   "Igor Stravinsky"
                                           Boosey & Hawkes-Werkliste

            E4   No. 104 [-]  5/83  H P S  3 Kolumnen, Neugestaltung:
                                           Bartók bis Webern
                                           Schalenartiges Firmenlogo:
                                           BOOSEY & HAWKES,
                                           keine Ortezeile
                                           Am unteren Rand, mittig:
                                           2694 {*11}

              ----------------------------------------
              Einband: Rötlich-bräunliche Tönung {*12}
              ----------------------------------------

   1987/n  [154] No. 40  [-]  7.65   ISW   "Igor Stravinsky"
   (4/87)                                  Boosey & Hawkes-Werkliste

            E4   NO. 121 [-]  4/87    "    Abgeänderte Aufmachung
                                           3 Kolumnen, Neugestaltung:
                                           Aktualisierte Auflistung
                                           Bartók bis Webern, jetzt
                                           mit Ginastera
                                           Kein Boosey & Hawkes-Logo
                                           Am unteren Rand, mittig:
                                           2694 (zu dieser Nummer
                                           siehe 1983/n)

    1987/n+ E4   wie 1987/n                wie 1987/n {*13}
    (4/87)

    Drucklinie The Masterworks Library 1997 ff. (Studienpartitur) {*14}:

    1997/p [156] keine Annonce(n) !

            E4                             Einführungstext in
                                           The Masterworks Library

    2000/p [156] ohne Kennzeichnung  ML    "The Boosey & Hawkes
                                           Masterworks Library
                                           includes:"
                                           Bartók bis Stravinsky mit
                                           3 Strawinsky-Einträgen
            E4   unbekannt                 Bedruckung unbekannt
                                           (Bibliotheksexemplar,
                                           E4 fehlt).

    2004/p [156] ohne Kennzeichnung   "    wie 2000/p

            E4    "        "          "    "The Boosey & Hawkes
                                           Masterworks Library
                                           includes:"
                                           Bartók bis Stravinsky,
                                           erweitert, mit
                                           5 Strawinsky-Einträgen

    2008/p [156] Ad. 275                   "Igor Strawinsky: Selected
                                           Works"

            E4   ohne Kennzeichnung   "    "The Boosey & Hawkes
                                           Masterworks Library",
                                           Bartók bis Stravinsky wie
                                           2004/p, aktualisiert,
                                           5 Strawinsky-Einträge wie
                                           2004/p, aber Pétrouchka
                                           mit Zusatz "(1947 ver-
                                           sion)"

   {*1} Bislang nur nachgewiesen auf Taschenpartituren des Typs A
        und zwar in Form des vorläufig so bezeichneten Typs A2, Typ
        A1 existiert derzeit nur wegen einer unleserlichen mutmaß-
        lichen Datierungsvariante; nicht vorgefunden auf Typ B in
        Form des ebenfalls vorläufig so bezeichneten Typs B1, von
        dem zwei Exemplare bekannt sind, eines davon liegt in Pri-
        vatbesitz vor, beide veröffentlicht ohne jede Annonce
        (Existenz der Ausgabenvariante Typ B2 ist wie bei Typ A1 un-
        geklärt, siehe gesondertes Kapitel andernorts).
        Zum - vielleicht nur scheinbaren - Widerspruch zwischen den Da-
        tierungen "1948" (Druckvermerk) und "1949" (Annoncendatierung)
        siehe Einleitung zur Tabelle und andernorts.

   {*2} Beachte: Die Drucke 1951, 1953 und 1956 weisen auf der Seite
        [140] (= Rückseite der letzten Notenseite) die auf den Januar
        1949 datierte Annonce No. 520 auf; es ist die Anzeige, die auf
        der hinteren Einbandseite (E4) des frühen Drucktyps A2 der Ta-
        schenpartitur vorgefunden wurde.
        Die Wiedergabe von 1951 ist gänzlich unverändert, 1953 und 1956
        wurden jeweils die Ortezusammenstellungen abgeändert (aktuali-
        siert), 1953 fehlt außerdem die Datierung.
        Demnach liegen bei den Abdrucken 1953 und 1956 Beispiele dafür
        vor, daß Annoncen gleicher Numerierung und gleichen "musikali-
        schen" Inhalts sowie im Fall des 1956er Abdrucks sogar gleichen
        Datums doch nicht in allen Einzelheiten gleich sind. Gerade
        wegen der abgeänderten, angepaßten Ortezeilen erforderten sie
        eigentlich im Zusammenhang mit dem Druckdatum der Partitur eine
        eigene, eine spezifische, beschreibende Datierung, etwa so: No.
        520, 1.49 oder [1.49], Fassung Ortezeile xyz auf Sacre-Taschen-
        partitur Januar 1953. Denn bei mühseligen Datierungsversuchen
        könnte ein solcher definierender Hinweis eventuell von Nutzen
        sein.
        Die Taschenpartitur des Divertimento Druck Juli 1951 (siehe
        nachfolgend) hat übrigens ebenso wie der Sacre-Druck vom Novem-
        ber 1951 die völlig unveränderte Fassung 1.49, diesmal aber auf
        der Rückseite eines gesonderten Nachsatzblatts (S. [102]).

   {*3} Annoncen-Umrandungen: ein Überblick

                          =========
                          In Arbeit
                          =========

        Der folgende Überblick über Annonceneinrahmungen beansprucht
        keine Vollständigkeit. Er will nur einen Anhaltspunkt für die
        ungefähre Zeitspanne der Verwendung bieten. In den Sacre-Par-
        tituren und -Klavierauszügen wiesen Anzeigen nur in der ersten
        Editionslinie Einrahmungen auf, ab der 1967er Neuedition war
        dieses graphische Detail gestrichen.
        Weiterführende Einzelheiten zu den einzelnen Anzeigen (zum dar-
        gestellten Repertoire etwa) findet man in den jeweiligen spezi-
        ellen Kapiteln.

        Abkürzungen

        DiPa    = Dirigierpartitur
        EA      = Erstausgabe
        HPS     = Hawkes Pocket Scores
        H P S   = HAWKES POCKET SCORES (Annoncen-Titel)
        TaPa    = Taschenpartitur

        Zweilinige Rahmenumrandung
        (innen fein, außen fett, breiter Zwischenraum)

         - Frühe Verwendung Anfang/Mitte 1948:

           Concerto en Ré, HPS 626, ohne Druckvermerk (EA der TaPa)
           Anzeige H P S (ohne Kennzeichnung!): [LB 291/43]

           Pétrouchka, HPS 639, ohne Druckvermerk (EA der TaPa)
           Anzeige H P S: LB 291/43

         - Frühe Verwendung Ende 1948/Anfang 1949 (?):

           Le Sacre du Printemps, DiPa, April 1948 (Druck), EA
           Anzeige Igor Strawinsky: No. 453, ohne Datierung

        Rautenumrandung
        (fett)

         - Frühe Verwendung Ende 1948/Anfang 1949 (?):

           Le Sacre du Printemps, HPS 638, April 1948 (EA der TaPa)
           Anzeige H P S: No. 520 [-] 1.49

        Kordelumrandung
        (markant, ausgeprägt)

        - Frühe Verwendung

         u.a. No. 582 [-] 6.50, No. 787 [-] 1.56

        Zweilinige Rahmenumrandung
        (innen schmal, außen fett, enger Zwischenraum)
        u.a. No. 692 [-] 12.53

        Dreiteilige (dreilinige) (Relief-)Umrandung
        (schmall, fett, schmal)
        u.a. N0. 782 [-] 1.56

        Einlinige Umrandung
        (schmal)
        u.a. No. 16 [-] 1/61

   {*4} "No. 582 [-] 6.50" steht innerhalb der Kordelumrandung, in einem
        etwas älteren Druck hingegen (Divertimento, 7·51 L. & B.) befin-
        det sich die Kennung unter der Kordellinie. Außerdem ist da auch
        die Ortezeile etwas anders, sie lautet, wie bei dem jüngeren
        Druck zwar auch unter die Boosey & Hawkes-Adresse gesetzt, je-
        doch ohne "London" zu wiederholen:
               New York · Chicago · Los Angeles [...] Bonn [!]
        (zu dieser Ausgabe und deren Ortezeilen siehe auch andernorts).
        Hier liegt also, wie in der Fußnote zuvor angemerkt, wiederum
        ein Beispiel dafür vor, daß Annoncen gleichen Repertoireinhalts
        bei genauem Hinsehen unter Umständen doch nicht ganz gleich
        sind, daß also z.B. formale Anpassungen vorgenommen wurden, und
        dementsprechend muß gegenüber dem Einsatz von Annoncen bei Da-
        tierungsversuchen Vorsicht walten, ganz besonders zu beachten
        sind Art und Zusammenstellung der Ortezeile, nur so kann sie
        eine mögliche datierende Hilfestellung bieten.

   {*5} Vorliegende Exemplare dieses Drucks mit Mängeln: 1. E4 fehlt
        bzw. 2. Datierung der Annonce nicht ermittelbar, da die Seite
        rechts (samt Rücken) überklebt ist; die angegebene Datierung
        stammt von anderen Werkausgaben, wobei irgendwelche sonstigen
        Unterschiede bei den jeweiligen Abdrucken nicht auszumachen
        waren.

   {*6} Druckvermerk: M.P. 7.73, erhebliche Layout-Unterschiede zu Druck
        1973 B (Details siehe nachfolgend, aber vor allem auch weitere
        Tabellen mit Beschreibungen)

   {*7} Druckvermerk wie Ausgabe 1973 A: M.P. 7.73. Charakteristische
        Layout-Unterschiede, auf dem Frontdeckel: Verkleinerung der
        Breite des aufgedruckten Etiketts, dennoch Vergrößerung der
        Schrift, ovales "0" (zuvor kreisrund), Zeile 3 der Etikettauf-
        schrift deutlich überstehend; Seite [154]: Annonce mit der Auf-
        listung der bei Boosey & Hawkes verlegten Werke Strawinskys,
        betitelt "Igor Stravinsky" (siehe nachfolgend). Rückenbedruckung
        wieder von unten nach oben (auf 1973 A war gerade der Wechsel zu
        von oben nach unten eingeführt worden, Weiteres siehe spezielle
        Tabellen).
        Zur zweiten Annnoce: Wie die Tabelle zeigt, erhalten die Ta-
        schenpartituren der 1968 begonnenen Editionslinie ab 1973 zu-
        sätzlich zu der auf der Rückseite des hinteren Einbands aufge-
        druckten Annonce überraschenderweise noch eine weitere Anzeige,
        und zwar auf Seite [154] (= Rückseite der letzten Notentextsei-
        te). Das ist exakt diejenige Annonce, die von hinteren Einband-
        blättern her bekannt ist, z.B. bei Drucken der Handelsexemplare
        der revidierten Dirigierpartitur und des dazugehörigen Klavier-
        auszugs.
        Von dieser Strawinsky-Werke-Anzeige "No. 40 [-] 7.65" ist bisher
        keine Variante aufgetaucht (zur veränderten Fassung: Ad. 275
        siehe andernorts, obige Liste und nachfolgend).

   {*8} Ungeklärte, aber mögliche Ausgabe. Ein einsehbares Bibliotheks-
        exemplar der Taschenpartitur hat auf Seite 153 (= letzte Noten-
        seite) keinen Druckvermerk, und da bei dem Exemplar außerdem der
        originale Einband fehlt (er ist durch einen Bibliothekseinband
        ersetzt worden), ist hier weder eine Möglichkeit für eine direk-
        te Feststellung noch für eine indirekte Einschätzung der Druck-
        bzw. Erscheinungsdatierung gegeben.
        Nach den übrigen äußeren Layout-Elementen zu urteilen, ist der
        Druck entweder mit dem nachfolgend angeführten identisch oder
        tatsächlich ein eigenständiger Druck, der dann sicherlich noch
        vor dem Anfang der 1980er Jahre erfolgten Design-Umbruch er-
        schienen sein muß. Die Bibliothekserfassung gibt für dieses
        Exemplar als Erscheinungsjahr "1978" an; zu vermuten ist dem-
        nach, daß diese Angabe auf die einst vorhandene Einbandannon-
        ce zurückgeht. Möglich wäre die Reklameanzeige der nachfolgend
        angeführten Ausgabe oder eine solche, wie sie sich auf Seite
        [84] (= Rückseite der letzten Notentextseite) eines Anfang der
        1980er Jahre erschienenen Drucks des Sacre-Klavierauszugs be-
        findet; die Kennzeichnugsangaben dieser Annonce lauten "No. 80b
        [-] 5/78". Allerdings könnte die in dem Klavierauszug vorgefun-
        dene Annonce, soweit das äußere Layout betroffen ist, auch schon
        wieder eine aktualisierte Anpassung sein, sie hat nämlich schon
        das um 1980 eingeführte "schalenartige" Firmenlogo.

   {*9} Ohne Druckvermerk, Hilfsdatierung nach der Annonce (zur Methode
        und zu Problemen der Hilfsdatierung siehe andernorts). Diese
        Ausgabe gehört zur Layout-Linie mit dem ovalen "0" im Etikett-
        aufdruck (weitere Charakteristika-beschreibung dsiehe andern-
        orts).
        Beachte: Die Annonce besitzt bereits das "Schalenlogo", doch
        auf dem Frontdeckblatt und auf der Titelseite ist es noch
        nicht aufgedruckt.

  {*10} Ohne Druckvermerk, Hilfsdatierung nach der Annonce (zur Methode
        und zu Problemen der Hilfsdatierung siehe andernorts). Diese
        Ausgabe hat nun wie auf der Annonce auch auf Frontblatt und
        Titelseite das "Schalenlogo". Das aufgedruckte Etikett ist stark
        vergrößert, der französische Titel ist entfallen, das "O" ist
        jetzt wieder kreisrund. Die Zahl der Vorschaltseiten wurde von
        zwei auf sechs erhöht.

  {*11} Jahresangabe nach der Annoncen-Datierung (siehe dazu auch oben
        die Fußnoten ab Nr. 6, zur Methode und Problematik der Annoncen-
        Datierung siehe andernorts).
        Zur Bedeutung der Zahl 2694 ist derzeit noch nichts bekannt.

  {*12} Es scheint bereits um 1980 herum ein Druck erschienen zu sein,
        bei dem die Bedruckung der Einbandfrontseite zwar den Ausgaben
        der Zeitspanne 1973 bis 1980 zuzurechnen ist (u.a. Etikett mit
        ovalem "0"), der Einbandkarton aber der Art nach schon die röt-
        lich-bräunliche Tönung der Ausgaben um 1990 aufweist (beachte:
        den Anhaltspunkt für diese Vermutung bietet eine Ablichtung des
        Frontdeckels, weitere Unterlagen liegen nicht vor).

  {*13} Die Partitur 1987/n+ unterscheidet sich in ihrer äußeren Ge-
        staltung vom Druck 1987/n eigentlich nur dadurch, daß die seit
        Anfang der 1960er Jahren auf der Titelseite verwendete Zeile
        mit den Standorten verändert, aktualisiert wurde: Paris und
        Johannesburg entfielen, Gothenburg und Tokyo kamen hinzu (siehe
        hierzu weiter oben die Aufstellung zur Ortezeile und später u.a.
        die große Tabelle zum Frontdeckblatt mit den entsprechenden Fuß-
        noten).

  {*14} Bislang sind vier deutlich unterscheidbare Drucke bekannt (siehe
        gesondertes Kapitel)

   Anfang der 1980er Jahre erfährt die Taschenpartitur eine Neugestal-
tung, die bis zur 1997 in der Reihe The Masterworks Library veröffent-
lichten Studienpartitur beibehalten wird. Die augenfälligste Detailän-
derung kam erst gegen Ender der 1980er Jahre: Der Einband erhielt eine
rötliche-hellbraune Färbung, wobei allerdings die grüne Bedruckung bei-
behalten wurde. Doch das editorisch hervorstechendste Merkmal der Neu-
gestaltung betrifft Anfang der 1980er Jahre die Vorspannseiten. Gingen
dem Notentext bisher nur nur ein Blatt (zwei Seiten) voraus, so sind es
jetzt drei (sechs Seiten, davon zwei unbedruckte).
   Die Jahrzehnte lang auf Frontdeckel und Titelseite verwendete Zeile
HAWKES POCKET SCORES ist "HPS 638" gewichen und dementsprechend ist auch
auf dem Einband "No. 638" nicht mehr vorhanden. Neu ist das mystische,
schalenartig stilisierte BOOSEY & HAWKES-Logo (auf Einband und Titel-
seite), wobei die Orteangabenzeile (nur auf der Titelseite) die gleichen
Orte anführt wie diejenige in den Ausgaben zuvor. Der 1972 zum erstenmal
aufgetauchte Hinweis "Re-engraved edition 1967", einst kursiv, ist jetzt
gerade gesetzt. Die Anglisierung der Titelgebung wurde fortgesetzt, das
heißt, auf dem Einband steht nur noch der englische Titel. Erhalten ge-
blieben ist der französische Originaltitel allerdings auf der Titel-
seite, wenn auch in erheblich kleineren Lettern. In kleinem Schriftsatz
steht er jedoch auch noch auf der ersten Notenseite, die unverändert
übernommen wurde und diese Aussage beinhaltet, daß auch die auf der
ersten Notenseite unter dem Notentext angeordneten Copyright- und Rech-
tehinweise komplett unangetastet blieben. Die englisch-französische
Inhaltsangabe mit den Szenen- und Satztiteln, ab jetzt mit Seitenzahlen
versehen, ist auf zwei Seiten verteilt, neu sind Angaben zur Urauffüh-
rung, sie stehen zusammen mit der Besetzung auf einer eigenen Seite. Die
in der Ausgabe gegen Ende der 1970er Jahre eingeführte zweite Reklame-
seite ("Igor Stravinsky" = Verzeichnis der bei Boosey & Hawkes verlegten
Werke) wurde in der neuen Ausgabe beibehalten. Zur Reklameseite auf dem
hinteren Deckblatt siehe die Ausführungen oben (samt Tabelle).
   Von der 1997 in der Reihe "The Masterworks Library" erschienenen Stu-
dienpartitur "Full orchestral score" wurden bislang in Bibliotheken nur
zwei Drucke vorgefunden. Die eine ist offensichtlich die Erstausgabe,
die zweite eine Fassung, die spätestens 2010 erworben worden war, wobei
exakt diese zweite Ausgabe auch einem 2015 eingesehenem Leihmaterial
beilag, sie wies eine Benutzerdatierung auf: Dezember 2008. Irgendeine
Datierung oder eine für Datierungszwecke dienliche, einigermaßen tref-
fende Layout-Eigenschaft besitzt der letztgenannte Druck nicht.
   Beide Ausgaben unterscheiden sich sowieso in ihren Äußerlichkeiten
kaum. Auf der Titelseite der neueren Ausgabe ist die unter dem Anfang
der 1990er Jahre eingeführten neuen Boosey and Hawkes-Logo situierte
Ortezeile entfallen, stattdessen steht da wie in der oben besprochenen
neuesten Leihpartitur von spätestens 2012 "Boosey & Hawkes Music Publi-
shers Ltd" und dem folgt auch hier, der modernen Zeit angepaßt, die
Internet-Adresse "www.boosey.com". Die zweite Änderung betrifft die
Reklameseiten. Leider ist bei der eingesehenen mutmaßlichen Erstausgabe
das hintere Einbanddeckblatt entfernt worden (Bibliothekseinband), so
daß nur die andere Ausgabe vollständig erfaßt werden kann. Auf Seite 156
(Rückseite einer Leerseite) ist bei dieser letztgenanten Ausgabe die
undatierte "Ad. 275" abgedruckt, sie enthält ein Werkeverzeichnis "Igor
Stravinsky: Selected Works". Es umfaßt die im Verlag Boosey & Hawkes
erhältlichen Werke. Auf dem hinteren Deckblatt außen ist eine Bestands-
liste der Reihe "The Boosey & Hawkes Masterworks Library" wiedergegeben.
Diese Liste befindet sich, allerdings mit etwas anderem Layout, in etwas
kürzerer Form und ohne ISBN-, ISMN-Numerierungen sowie Barcodes auf der
Seite 156 der erwähnten vermutlichen Erstausgabe, deren hinterer Ein-
bandteil, wie gesagt, leider nicht in diesen Vergleich einbezogen werden
kann.
   Wichtig sind noch zwei Sachverhalte zu vermerken: 1) Bei der 1997er
Edition ist auf dem Frontdeckel wieder der französische Originaltitel
genannt, wenn auch nur kleingedruckt und an zweiter Stelle. 2) Die Aus-
gabe eignet sich nur für Studienzwecke. Auf dem Klavier- oder Dirigier-
pult ist sie wegen ihrer steifen Bindung unbrauchbar.
   Daß auf dem Frontdeckblatt der Vorname Srawinskys nicht genannt ist,
und man somit Vorbildern folgt, wie "BACH", "MOZART" oder "GOETHE", ist
eine Künstelei.
   Es folgen nun Hinweise zu einigen teils nahezu unscheinbaren Layout-
Details mit Kleinstabänderungen bzw. -abweichungen, und diese Hinweise
beziehen sich praktisch (und gewissermaßen im Versuchsstadium befind-
lich) auf alle Editionen, also auf die ganze Entwicklung, auch wenn die
eingesehene Anzahl an Partituren alles andere als umfassend genannt wer-
den kann, es klaffen vielmehr erhebliche Lücken, auf deren Schließung
ständig gehofft wird. Trotzallem müssen aber allgemeine Überblicke ge-
wagt werden.
   Für sich genommen, haben derartige nachgeordnete Aspekte (Details) in
der Regel, und das darf nicht übersehen werden, für um Jahresgenauigkeit
bemühte Arbeiten nur eine niederrangige Bedeutung, sie sind eher helfen-
der, beitragender Natur, wobei sie allein im Blickfeld allenfalls grobe
Zuordnungen zulassen, doch ist auf der andern Seite manchmal erstaun-
lich, wie weit man bei Datierungen auch mit ihnen kommen kann. Auf jeden
Fall aber sollte ein editorisches Gesamtbild einer Partitur nicht auf
sie verzichten:

   1) Zunächst muß hier die Rückenbeschriftung angeführt werden. Edito-
risch kann sie durchaus noch insofern als dienlich gelten, als mit ihr
eine zumindest ungefähre Einordnung der Layout-Abfolge tatsächlich mög-
licht ist. Ein erhebliches Hindernis dabei stellt allerdings der inge-
samt vorliegende oder anzutreffende schwache Erhaltenheitsgrad dar, das
heißt, unter - ob leicht zugänglichen oder mühselig aufzutreibenden -
Partituren trifft man immer wieder auf solche, denen der originale
Rücken fehlt. Die Gründe dafür sind das empfindliche, pappeartige Ein-
bandmaterial, der dementsprechende Verschleiß, die Entfernung durch
Bibliotkenseinbindungen oder das Verstärken duch Überkleben. Deshalb
müssen bei der folgenden Darstellung Vorlageinbußen in Kauf genommen
werden, von denen aber vielleicht, wie schon gesagt, von Zeit zu Zeit
die eine oder andere eliminiert werden kann. Zum Befund und zu einer
tabellarischen Übersicht:
   Zunächst verlief die Bedruckung, wie die eingesehenen Auflagen von
1948, 1960, 1963, 1964, 1966, 1968, 1969 und 1971 zeigen, von unten nach
oben, wobei als Blickrichtung diejenige nach links gegeben ist. In der
Auflage A vom Juli 1973 (Druckvermerk "M.P. 7.73") ist das jedoch (un-
versehens) umgekehrt, um dann aber sofort wieder in der Auflage B mit
dem gleichen Druckkürzel rückgängig gemacht zu werden. Dennoch: Späte-
stens seit 1978, Partitur mit dem Druckvermerk "BHMP 7/78", verläuft die
Bedruckung erneut, wie mit der Auflage 1973 A eingeschlagen, von oben
nach unten (Blickrichtung nach rechts), und so wird später auch weiter-
verfahren, wie zwei glücklicherweise vollständig erhalten gebliebene
Exemplare zeigen, die um 1981 (Annoncen-Datierung "7/78") bzw. um 1988
(Annoncen-Datierung "4/87") gedruckt wurden. Und diese Bedruckungsart
wurde so auch bei den seit 1997 in der Reihe "The Masterworks Library"
erschienenen Auflagen beibehalten.
   Leider ist, wie gesagt, ein weitergehender Vergleich derzeit nicht
möglich, weil mit vollständigem Einband nur Drucke derjenigen Jahre ver-
fügbar sind oder waren, die unten in der Tabelle verzeichnet sind. Fest-
stehen dürfte aber doch immerhin eine Schlußfolgerung, daß es nämlich
offenbar 1973 einen markanten Einschnitt gab, das heißt, zumindest von
1948 bis 1971 erfolgte die übliche, die traditionelle Bedruckung von
unten nach, die aber dann - wohl spätestens 1973 - geändert wurde. Nur
warum?

   Identifikationstabelle: Rückenbeschriftungen bei Taschen- und Stu-
                           dienpartiturausgaben

   Abkürzungen, Kennzeichnungen

   (7/78) = Datierung der Anncone auf der Einbandseite 4
   (4/87) = Datierung der Anncone auf der Einbandseite 4
   B & H  = Boosey & Hawkes
   /n     = Druck im angegebenen Jahr oder kurz danach (hier: um 1981,
            um 1982 und um 1988)
   /n+    = Druck sicherlich nicht im angegebenen Jahr, sondern zwei
            oder Jahre später (hier: um 1990)
   OU     = Beschriftung Blickrichtung nach rechts = von oben nach unten
   UO     = Beschriftung Blickrichtung nach links  = von unten nach oben
   RMV    = Russischer Musikverlag (Édition Russe de Musique)

   Längenmaßangabe < >   = Außenmaße der Bedruckung von < bis >
   Maßangabe in Klammern = Abstand zwischen (STRAWINSK)Y bzw. (STRAVIN-
                           SK)Y und L(E SACRE DU PRINTEMPS) bzw. T(HE
                           RITE OF SPRING)

   Wenn nicht anders angegeben, ist die Beschriftung zentriert.
   Beachte: Maßangaben können trotz des Strebens nach Genauigkeit nichts
   anderes als ca.-Angaben sein (Erklärung siehe andernorts).
   Einzelheiten zur Verfügbarkeit bzw. Nichtverfügbarkeit, zum Zustand
   von Partituren sowie zu Datierungen siehe Tabelle der Druckvermerke.

   Russischer Musikverlag (Édition Russe de Musique):   

   1921      Keine Beschriftung

   1929      Bei allen Drucken keine Beschriftung

   Boosey & Hawkes:

   1948      UO  No. 638  STRAWINSKY  ·  LE SACRE DU PRINTEMPS (*1}
                 <                 (1,5 cm)      16,6 cm     >

   1951      UO  No. 638  STRAWINSKY  ·  THE RITE OF SPRING {*2}
                 <                 (2,65 cm)     16,4 cm  >
                              (Neuer Drucksatz)

   1953      UO  No. 638  STRAWINSKY  ·  THE RITE OF SPRING {*2}
                 <                 (2,65 cm)     16,3 cm  >

   1956      UO  No. 638  STRAWINSKY  ?  THE RITE OF SPRING {*3}
                 <                 (2,65 cm)     16,3 cm  > ?

   1960      UO  No. 638  STRAWINSKY  ·  THE RITE OF SPRING {*2}
                 <                 (2,6 cm)      16,3 cm  >

   1962      UO  No. 638  STRAWINSKY  ·  THE RITE OF SPRING {*2}
                 <                 (2,6 cm)      16,2 cm  >

   1963      UO  No. 638  STRAWINSKY  ·  THE RITE OF SPRING {*4}
                 <                 (2,6 cm)      16,2 cm  >
                      (Drucksatz w.o., aber etwas fetter)

   1964 B    UO  No. 638  STRAWINSKY  ·  THE RITE OF SPRING {*4}
                 <                 (2,6 cm)      16,1 cm  >
                             (Drucksatz wie 1963)

   1966      UO  No. 638  STRAVINSKY  ·  THE RITE OF SPRING {*5}
                 <                 (2,7 cm)      15,8 cm  >
                              (Neuer Drucksatz)

   1968      UO  No. 638  STRAVINSKY  ·  THE RITE OF SPRING {*6}
                 <                 (2,7 cm)      16,0 cm  >
                 (Gegenüber 1966 kaum merkliche Verbreiterung
                                  der Zeile)

   1973 A    OU  No. 638  STRAVINSKY  ·  THE RITE OF SPRING
                 <                 (2,7 cm)      16,0 cm  >
                 (Gleicher Drucksatz wie 1968, aber von oben
                                  nach unten)

   1973 B    UO  No. 638  STRAVINSKY  -  THE RITE OF SPRING {*7}
                 <                 (6,3 cm)      16,0 cm  >
                 (Neuer Drucksatz, wieder von unten nach oben)

   1978      OU  No. 638  STRAVINSKY     THE RITE OF SPRING {*8}
                 <                 (6,3 cm)      16,0 cm  >
                     (Neuer Drucksatz, kein Abstandspunkt)

   1980/n    OU  No. 638  STRAVINSKY     THE RITE OF SPRING {*9}
   (7/78)        <                 (6,3 cm)      16,0 cm  >
                        (Wie zuvor, kein Abstandspunkt)

   1981/n    OU  HPS 638  IGOR STRAVINSKY   THE RITE OF SPRING {*10}
   (7/78)        <                    (1,7 cm)   13,4 cm     >
                 (Neuer Drucksatz, nur obere Rückenhälfte nutzend,
                     also nicht zentriert, kein Abstandspunkt)

   1983/n    OU  HPS 638  IGOR STRAVINSKY   THE RITE OF SPRING {*11}
   (5/83)        <                    (1,7 cm)   13,4 cm     >
                           (Rückenbedruckung wie oben)

   1987/n    OU  HPS 638  IGOR STRAVINSKY   THE RITE OF SPRING {*12}
   (4/87)        <                    (1,7 cm)   13,4 cm     >
                           (Rückenbedruckung wie oben)

   1987/n+   OU  HPS 638  IGOR STRAVINSKY   THE RITE OF SPRING {*13}
   (4/87)        <                    (1,7 cm)   13,4 cm     >
                           (Rückenbedruckung wie oben)

   1997 ff.  OU  STRAVINSKY  THE RITE OF SPRING · FULL ORCHESTRAL
                                                          SCORE {*14}
                 <      (0,3 cm)             (1,0 cm) 16,9 cm >


   {*1} Kein Unterschied bei den Ausgabetypen A oder B von 1948. Aller-
        dings weist bei einer Partitur in Privatbesitz des Typs A2 (wei-
        ter oben als Exemplar V bezeichnet) der Schriftzug eine Länge
        von 16,7 cm auf. Wie kann es im eigentlch automatisierten Druck-
        vorgang zu solchen, wenn auch minimalen, Unterschieden kommen?

   {*2} Zu den Ausgaben 1951, 1953, 1960 und 1962 (Drucke 11·51, 1·53,
        11·60 und 11·62):
        Dies sind nach 1948 die frühesten verfügbaren VOLLSTÄNDIGEN Aus-
        gaben. Der früheste bislang bekannte Druck nach 1948 dürfte der
        von 1951 sein (Druck 11·51), von ihm lag Jahrzehnte lang nur
        die Titelseite und die letzte Notenseite vor. Durch einen glück-
        lichen Zufall konnte im Oktober 2018 ein editorisch komplettes
        Exemplar erstanden werden. Obwohl zwischen 1948/1949 und 1951
        nach aller Erfahrung nur noch eine Ausgabe, eine von 1950, zu
        erwarten wäre, hindert diese Unsicherheit nicht daran, zu ver-
        muten, daß nach den Erstausgaben von 1948/1949 der 1951er Druck
        die direkt nachfolgende Ausgabe war und daß bei diesem Druck
        auf dem Rücken der Wechsel zur englischen Titelgebung "THE RITE

        OF SPRING" erfolgte, ja mehr noch, daß hier auch auf dem Front-
        deckel und der Titelseite die erste Stufe der Anglisierung spür-
        bar wird, nämlich durch die Einführung der englisch-französi-
        sche Titelgebung (zur Thematik siehe andernorts).

   {*3} Rücken liegt nur in Fotographie vor, gehört mit hoher Wahr-
        scheinlich zur Ausgabe von 1956 (siehe Kapitel "Weisman-
        Taschenpartitur").

   {*4} Druck 5·63 (Druck 3·64, Ausgabe B: identischer Rücken; zu "Aus-
        gabe B" siehe Tabelle der Druckvermerke).

   {*5} Ausgabe 1965 (10·65) ist nur ohne Rücken verfügbar; vermutlich
        weist aber Ausgabe 1966 (Druck 8·66) den gleichen Rücken wie
        Ausgabe 1965 auf.

   {*6} Revidierte Fassung 1967 ("New edition 1967"). Auflagen 1969 und
        1971 identische Rückenbeschriftung.

   {*7} Die Auflagen 1973 A und 1973 B haben auf Seite 153 den gleichen
        Druckvermerk: M.P. 7.73 (= Juli 1973). Titeltafel auf der Front-
        seite des Drucks 1973 B: Ovales "0" in "IG0R" und "0F" (Einzel-
        heiten siehe insbesondere das Kapitel zum Frontdeckblatt).

   {*8} Partitur mit Druckvermerk "BHMP 7/78" und drei Jahre zurücklie-
        gender Annonce: "No. 16a [-] 10/75".

   {*9} Partitur ohne Druckvermerk. Einbandseite 4: Annonce "NO. 78 [-]
        7/78", Adresse mit dem Januar 1980 eingeführten Postal Code "W1R
        8JH". Druck 1980 oder kurz danach (um 1981). Immer noch ovales
        "0" in der Titeltafel (im nachfolgend angeführten Druck wieder
        kreisförmig).

  {*10} Partitur ohne Druckvermerk. Einbandseite 4: Annonce "NO. 78 [-]
        7/78", Adresse mit dem Januar 1980 eingeführten Postal Code "W1R
        8JH". Rückenbedruckung im oberen Zweidrittel, bisher immer zen-
        triert. Druck 1981 oder kurz danach (um 1982). Titeltafel auf
        dem Frontdeckblatt: Französischer Titel entfallen, Buchstabe "O"
        wieder kreisförmig. Offenbar der erste Druck mit sechs Vor-
        schaltseiten, bisher zwei.

  {*11} Partitur ohne Druckvermerk. Einbandseite 4: Annonce "No. 104 [-]
        5/83", Adresse mit dem Januar 1980 eingeführten Postal Code "W1R
        8JH", hier und auf Annonce "NO. 121 [-] 4/87" (siehe nachfol-
        gend) "2694" unter dem Adreßblock. Druck 1983 oder kurz danach
        (um 1984).

  {*12} Partitur mit rötlich-bräunlichem Einband, Annonce "NO. 121 [-]
        4/87" auf der Einbandseite 4. Die Rückenbedruckung beginnt schon
        0,7 cm, also knapp unterhalb der oberen Buchkante (Abstand zu-
        vor: 1,9 cm). Der Grund für die Höherrückung dürfte in dem Um-
        stand zu suchen sein, daß die (vorliegende) Partitur um fast 1
        cm kürzer ist als die bisherigen Ausgaben (zu Maßangaben siehe
        gesonderte Tabelle). Druck um 1988.

  {*13} Partitur mit rötlich-bräunlichem Einband, Annonce "NO. 121 [-]
        4/87" auf der Einbandseite 4. Rückenbedruckung beginnt etwa 0,9
        cm unter dem oberen Rand (die vorliegende Partitur ist kürzer
        als gewohnt, zu Maßangaben siehe gesonderte Tabelle, siehe auch
        obige Anmerkung). Ortezeile auf der Titelseite gegenüber Druck
        "1987/n 4/87": Paris und Johannesburg sind entfallen, ergänzt
        wurden Gothenburg und Tokyo, auch wurde die Reihenfolge etwas
        verändert. Druck um 1990.

  {*14} Ausgabe der Reihe "The Masterworks Library". Es sind bislang
        vier deutlich unterscheidbare Drucke bekannt. Die Rückengestal-
        tung ist auf allen gleich. Die Beschriftung, weiß auf grünem
        Grund, besteht aus drei verschiedenen Stärken (fett, dünner,
        klein), Schriftarten wie auf dem Frontdeckblatt (dort auch fett,
        dünner, klein). Rückenbeschriftung in einer Zeile, nicht wie
        hier in der Tabelle (eine Behelfswiedergabe mit Zeilenvorschub).

   2) Man kann es nicht oft genug wiederholen: Nach dem vorliegenden
Unterlagenstand taucht der häufig benutzte, ganz augenscheinlich posthum
eingeführte Hinweis, "Re-engraved edition 1967", erst 1972 auf, und zwar
auf der Titelseite der Taschenpartitur - in kursivem Satz zunächst, was
entfernt den Anschein eines Zitats erwecken kann. Doch bei der gegen
1980 erfolgten Einführung der Neugestaltung der Taschenpartitur ("Scha-
lenlogo", sechs Vorausseiten usf.), zuerst noch im khakifarbenen, dann
seit Ende der 1980er Jahre im rötlich-bräunlichen Einband (hier gele-
gentlich auch "mittelbraune Ausgabe" genannt), wurde ein unauffälliger,
gerader Satz gewählt, der so auch in der 1997er Ausgabe und in jüngeren
Leihdirigierpartituren beibehalten wurde.
   3) Gegen 1979 taucht auf der ersten Notenseite der rechteckige In-
formationskasten mit dem Kopierverbotshinweis auf ("IMPORTANT NOTICE").
Er verdrängte die Seitenzahl "1". In den Dirigierpartituren ca. 1988
und ca. 1992 (3. bzw. 4. Auflage der "Erstausgabenlinie") sowie in
der 1997er Ausgabe ist er dagegen links vom Titel einmontiert, so daß
in diesen Ausgaben die Paginierung wieder vollständig ist. Die neueste
Dirigierpartiturausgabe (von [2012]) führt den Hinweis nicht (zu diesem
Hinweiskasten und seinem Erscheinen in unterschiedlichen Ausgaben oder
Auflagen siehe diverse Kapitel).
   4) In der "New edition 1967" ist der Rechtsblock auf der ersten No-
tenseite neu formuliert (siehe andernorts), rechts blieb nur "Printed in
England" stehen, doch im Zuge der erneuten Abänderung des Copyright-
Blocks Anfang der 1990er Jahre wurde 1997 in der Neuausgabe, herausgege-
ben in der Reihe "The Masterworks Library", selbst dieser Rest gestri-
chen. In der Masterworks Library-Ausgabe steht ein entsprechend umfor-
mulierter Druckhinweis nun auf Seite [II] (zur gänzlichen Umgestaltung
in der neuen Leihdirigierpartitur von [2012] siehe andernorts).

                           =========
                           IN ARBEIT
                           ========= 

Frontseite der Taschenpartituren: Entwicklung, Identifikation

   Es wurde schon mehrfach darauf hingewiesen, daß die Druckdatierung
einer von Boosey & Hawkes verlegten Sacre-Taschenpartitur nicht immer
nur für einen ganz bestimmten Druck, für eine ganz spezifische Auflage
steht. H.P. B735. 448 zum Beispiel (dieses Kürzel steht für April 1948)
kommt nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand (Januar 2017) in allein drei
verschiedenen Auflagen vor: Einerseits in zwei höchstwahrscheinlich
gleichzeitig oder nahezu gleichzeitig erschienenen Drucken, die durch
unterschiedliche Paginierungsweisen gekennzeichnet sind, andererseits
auch in einer Auflage, deren vierte Einbandseite unbedruckt ist, also
keine Annonce aufweist. Wobei im Übrigen vermutet wird, daß sogar noch
eine vierte unterschiedliche Auflage existiert. Und natürlich ganz zu
Schweigen vom Vorkommen genau dieses Kürzels in frühen Drucken der Diri-
gierpartitur. Hingewiesen sei hier außerdem noch auf das im Datierungs-
bereich existente Hauptproblem, die Unklarheit nämlich bezüglich der
Möglichkeit einer zeitlich merklichen Differenz zwischen dem jeweiligen
Notendruck und dem schließlichen, tatsächlichen "Auflagendruck" (Erstel-
lung des eigentlichen Erscheinungsbilds); so könnte nämlich im Fall der
genannten frühen Ausgaben das Jahr 1949 in irgendeiner Weise durchaus
eine Rolle spielen (siehe hierzu frühere Ausführungen).
   Im Bereich der Taschenpartituren ist als ein weiteres Beispiel man-
gelnder Exklusivität einer Druckdatierung das Kürzel M.P. 7.73 aufgefal-
len. Es ist bislang in zwei Auflagen nachgewiesen, die sich, man denke
an den "1948er Fall", ebenfalls deutlich voneinander unterscheiden,
äußerlich jedenfalls (siehe hierzu den einen oder anderen früheren Hin-
weis). Was nun aber beim "1948er Fall" des Taschenbuchformats nicht
geht, ist hier gut möglich: die Unterschiede schon am Frontcover festzu-
machen. Das heißt also, es empfiehlt sich spätestens hier der Schritt,
doch auch das Identifikationsmittel "Frontseite" (samt seiner Grenzen),
durch eine spezielle Tabelle, versehen mit einer Einführung, anschaulich
machen.
   Die Titelpartie, die außer in der ab 1997 erschienenen The Master-
works Library-Ausgabe in allen davor veröffentlichten Ausgaben als eine
grüne Titeltafel (nach Art eines Etiketts) aufgedruckt ist, enthält in
den ganz frühen Ausgaben neben "IGOR STRAWINSKY" (Strawinsky mit "W"
geschrieben) als Titelgebung nur das französische Original, dieses ist
zweizeilig zentriert angeordnet. Die Beschriftungen am oberen Rand "HAW-
KES POCKET SCORES" und am unteren Rand "BOOSEY & HAWKES" (mit der in der
nächsten Zeile links hinplazierten Bandnummer "No. 638") sind in einer
verhältnismäßig dicklichen, in der Anfangszeit nicht sehr scharf gesto-
chenen Antiqua-Schrift gesetzt. In der gleichen Antiqua, und dies wurde
für die zukünftige Gestaltung bis 1997 beibehalten, ist auch die Be-
schriftung der Titeltafel gesetzt.
   Für die 1950er Jahre liegt kein vollständiges Partiturexemplar vor,
allerdings eines von 1956, gedruckt im April, leider mit einem Bibli-
othekseinband, wobei aber immerhinh der Frontdeckel vorne aufgeklebt
wurde, wenn auch in verstümmelter Form: die untere Beschriftung wurde
abgeschnitten. Der Rest des Einbands fehlt (betroffen sind Rücken und
hinterer Deckel). Der Frontdeckeltorso läßt aber immerhin die Vermutung
aufkommen, daß nach 1948 (bzw. 1949) der nächste nach außen deutliche
Schritt schon Anfang der 1950er Jahre getan worden sei: die Einführung
des englischen Titels, dem der französische - in kleinerem Druck und in
Klammern gesetzt - und somit wie nachgeordnet wirkend - beigegeben ist.
   Größe und Beschriftung der Titeltafel blieben 25 Jahre lang im We-
sentlichen gleich. Anders aber jeweils die Sachlage bei den beiden Text-
beschriftungen am oberen und unteren Rand: Hier wurden nach und nach die
Abstände zwischen den Worten bzw. Worteinheiten vergrößert.
   1965 kommt der nächste bedeutsame Schritt: Es wird in "STRAWINSKY"
das "W" gegen "V" ausgewechselt. Weitere gravierende Veränderungen gab
es nicht.
   Im Rahmen der Neuausgabe der Partitur, der New Edition 1967, kommt
es zu Änderungen auf der Frontseite, doch sie fallen nur auf, wenn man
gezielt hinsieht.
   So wurde in der Titeltafel, deren Abmessungen unverändert blieb, die
Beschriftung geringfügig fetter, aber auch etwas gröber, wobei die neue
Linienstärke insgesamt eine Verbreiterung der Beschriftung mit sich
brachte, so daß das Neue an Zeile 3 im Vergleich zur Zeile 2 dann doch
auffällt: Sie ist nun etwas breiter als die zweite, wenn auch kaum merk-
lich. Für die Beschriftungen der oberen und unteren Randpartie wählte
man, wie 1966 auch schon, Typen mit etwas feinerer Gravur. Auch wurden
die Abstände zwischen den Worteinheiten erneut vergrößert. Erhalten
blieb diese grundsätzliche Gestaltung der Beschriftung (Strichstärke der
Buchstaben) am oberen und unteren Rand, abgesehen von zwei weiteren Ab-
standserweiterungen, bis gegen 1980.
   Doch es sind auch deutliche Änderungen zu verzeichnen: So zeigt die
A-Version der Partituren von 1973 (hierzu siehe nachfolgend) sogar eine
entscheidende Wendung, und zwar bei der Rückenbeschriftung, sie verläuft
nun von oben nach unten, und neu ist auch die Blickrichtung: nach rechts
(zur Rückenbeschriftung siehe nachfolgend und andernorts die spezielle
Tabelle samt Erläuterung).
   Im Partiturjahr 1973 des Sacre erlebt das Taschenbuchformat, wie
schon angedeutet, nun die Seltenheit, daß eine Druckdatierung, nämlich
M.P. 7.73, in zwei Partituren ungleicher Außengestaltung auftaucht, also
zwei unterschiedlichen Ausgaben angehört.
   Die Unterschiede zwischen den beiden Exemplaren sind zunächst kaum
auffälliger Natur, aber sie sind so charakteristisch und bei dem einen
der beiden Drucke für die nächsten Ausgaben so bestimmend, daß es nahe
liegt, diese Ausgabe als die jüngere, als die B-Version, anzusehen. 
   Das aufgedruckte grüne Etikett der "B-Version" hat nur leicht geän-
derte Maße (es ist schmaler, aber dafür höher), doch was bei einem ge-
zielten Vergleich dann doch ins Auge springt, ist das ovale "0" in "IG0R
und "0F". Bisher war immer ein kreisrundes "O" gesetzt worden, so wie es
auch in den Randbeschriftungen nach wie vor vorhanden ist.  In der Ti-
teltafel fällt allerdings noch eine zweite Änderung auf: Bedingt durch
den Neusatz hat nun die dritte Zeile eine deutlich größere Breite als
die zweite, was bedingt, daß der einst so vertraute, nach unten deutende
dreieckige "Beschriftungswinkel" nun vollends getilgt ist. Im Übrigen
sind bei den beiden Randbexchriftungen weiterhin die Typen mit etwas
feinerem Strich eingesetzt worden.  Erneut weiter geworden sind aller-
dings die Wortabstände.
   Eine kuriose Änderung weist darüber hinaus der Rücken dieser Auflage
auf: Die Beschriftung verläuft wieder von unten nach oben (Blickrichtung
wie einst nach links), während sie in der Partitur A-Version doch von
oben nach unten aufgedruckt ist, so wie das auch bei dem als nächstem
vorliegenden Druck, BHMP 7/78 (= Juli 1978) und bei den dann nachfolgen-
den Ausgaben dann doch wieder der Fall ist.
   Der erwähnte Druck von 1978 weist gegenüber dem Druck der B-Version
von 1973 keine Neuerung auf, außer der, daß auf dem Rücken zwar genau
die Beschriftung des Drucks 1973 B aufgedruckt ist, nur eben von oben
nach unten und außerdem noch mit dem folgenden kleinen Unterschied: Bei
der Druckfassung 1973 B war gegenüber den früheren Bedruckungen der Mit-
telpunkt einem kurzen Gedankenstrich gewichen - hier steht gar nichts.
   Die mit der Annonce 7/78 (= Juli 1978) ausgestattete, 1980 oder kurz
danach erschienene Ausgabe weist auf der Frontseite erhebliche Änderun-
gen auf, die bis zur Ablösung der "alten" hergebrachten Taschenpartitur-
gestaltung durch die neue - der in der Reihe The Masterworks Library er-
schienenen Ausgabe - bis auf eine Farbänderung (ab um 1987 Einband mit
bräunlicher Tönung) nicht mehr verändert wurde.
   Was ist nun neu auf der Fronteinbandseite? Geblieben ist (zunächst)
die seit langem gepflegte khakihafte Farbe des Einbands und auch die
grüne Bedruckung. Doch die obere Randbedruckung lautet nun "HPS 638"
und unten wurde der bisher schlichte lineare Firmenzug, "BOOSEY & HAW-
KES", zu einem Logo stilisiert, es erhielt eine perspektivisch schalen-
artige Gestalt. Auch die Titeltafel änderte sich: Sie hat nun ein er-
hebliches Ausmaß angenommen, trotz reduzierter Beschriftung: Gestrichen
wurde der französische Titel, der englische Titel blieb, das heißt: Das
Werk ist (außen zumindest) umgetauft. Der Originaltitel steht nun nur
noch auf der Titelseite und auf der ersten Notenseite (wie gehabt, in
beiden Fällen im Druck kleiner, auf der ersten Notenseite sogar winzig-
klein). Etwas fällt auch noch auf: Das "O" in "IGOR" und "OF" ist wieder
kreisrund.

   Beachte: Die untenstehende Übersicht kann die Erwerbung einer histo-
   rischen Boosey & Hawkes-Sacre-Taschenpartitur erleichtern helfen. Man
   denke dabei insbesondere an Angebotslisten. Denn häufig fügen Anti-
   quariate, Internet-Auktionäre usw. ihrem jeweiligen Angebot eine Ab-
   bildung bei und das ist in der Regel die Frontseite. Da aber erfah-
   rungsgemäß die weiteren beigefügten Angaben nicht immer eine wenig-
   stens annähernde Identifikation ermöglichen, ist mithilfe dieser
   Übersicht doch wohl eine Grundbasis an die Hand gegeben, in etwa
   eine ungefähre zeitliche Einordnung zu erreichen. Das wird insbeson-
   dere dann noch besser gelingen, wenn die den Angeboten beigegebenen
   Texte auf weitere Informationen sehr genau geprüft werden. Denn si-
   cherlich werden eine Vielzahl von Angaben, wie sie hier in den De-
   tailbeschreibungen vorkommen, das eine oder andere Mittel abgeben,
   sich von einem Angebot zunehmend zumindest annähernd ein Bild machen
   zu können. Je genauer dieses Bild allerdings sein soll, umso anstren-
   gender dürfte das Einsammeln und Vergleichen von Einzelheiten werden.
   In diesem Sinne sind wichtige ergänzende Hilfsmittel u.a. Seiten- und
   Jahreszahlen, Angaben zu Extraseiten, Größenabmessungen, Hinweise auf
   Begriffe wie New edition 1967, Re-engraved edition 1967. Zu allen
   diesen Kriterien sind hier in den Ausführungen chronologische Daten
   nachschlagbar.

   Identifikationstabelle: Gestaltung des Frontdeckblatts von Taschen-
                           und Studienpartituren 

   Abkürzungen, Zeichen, Erläuterungen

   ?          = Eingesehene Partitur ist ein nicht ganz vollständiges
                Bibliotheksexemplar (Mängel: unvollständiger Einband,
                fehlender Rücken, Überklebungen oder Ähnliches).
   BA-        = Buchstabenabstandsverringerung
   BA+        = Buchstabenabstandsvergrößerung
   B & H      = Beschriftung auf dem Frontblatt unten: BOOSEY & HAWKES
                Eine sich darauf beziehende wichtige Maßangabe steht
                z.B. in der ersten Zeile der dritten Kolumne und zwar an
                zweiter Stelle. Diese Maßangabe nennt den Abstand zwi-
                schen & und HAWKES (siehe auch unter H P S; beachte:
                Abstände und auch Messungen weisen immer wieder gering-
                fügige Schwankungen auf).
   BF         = Betonter, satter Fettdruck
   E4         = Einband letzte Seite
   F          = Fettdruck, "normal" erscheinender Fettdruck
   H P S      = Beschriftung auf dem Frontblatt oben: HAWKES POCKET
                SCORES
                Eine sich darauf beziehende wichtige Maßangabe steht
                z.B. in der ersten Zeile der dritten Kolumne und zwar
                an erster Stelle. Diese Maßangabe nennt den Abstand
                zwischen POCKET und SCORE (siehe auch unter B & H; be-
                achte: Abstände und auch Messungen weisen immer wieder
                geringfügige Schwankungen auf).
   HPS 638    = HPS + Bandnummer anstelle von HAWKES POCKET SCORES
   n          = nach (Einzelheiten siehe unten nach "u" und "v")
   /n         = Zum angegebenen Jahr oder kurz danach (= etwa ein Jahr
                danach)
   /n+        = Zum angegebenen Jahr oder vielleicht zwei Jahre später
   NS         = Neusatz
   N   T      = Rückenbeschriftung (Titelangaben) ohne Gedankenstrich
                als Abstandsausfüller: No. [...]     THE [...]
   N - T      = Rückenbeschriftung (Titelangaben) mit Gedankenstrich als
                Abstandsausfüller: No. [...]  -  THE [...]
   OU         = Rückenbschriftung: Blickrichtung nach rechts, von oben
                nach unten
   SD         = Scharf gestochner, fein wirkender Druck
   Sitz uv    = Sitz der Bandnummer (im Prinzip!) unverändert, kleine
                Abweichung möglich
   s.o.       = siehe oben
   UF         = Unbetonter, unauffälliger Fettdruck
   UO         = Rückenbschriftung: Blickrichtung nach links, von unten
                nach oben
   T          = Titel (Werktitel)
   u          = unter (Details siehe nachfolgend '"3" u "B"' usw.):
                  "3" u "B" = "3" der Zahl "638" unter dem Vertikal-
                      strich des "B" der Zeile BOOSEY & HAWKES
                  "6" u "B" = "6" der Zahl "638" unter dem Vertikal-
                      strich des "B" der Zeile BOOSEY & HAWKES
                 "63" u "B" = "63" der Zahl "638" mittig unter dem Ver-
                      tikalstrich des "B" der Zeile BOOSEY & HAWKES
                r"63" u "B" = "63" der Zahl "638" fast mittig unter dem
                      Vertikalstrich des "B" der Zeile BOOSEY & HAWKES,
                      fast mittig: etwas nach rechts versetzt (so bei
                      der Auflage 1966)
   v          = vor   (siehe nachfolgend '"3" v "B', '"8" v "B"' usw.):
                  "3" v "B" = "3" der Zahl "638" vor dem Vertikalstrich
                      des "B" der Zeile BOOSEY & HAWKES
                  "8" v "B" = "8" der Zahl "638" vor dem Vertikalstrich
                      des "B" der Zeile BOOSEY & HAWKES
                  1,3 v "B" = "No. 638" 1,3 cm (also mit großem Abstand)
                      vor dem "B" der Zeile "BOOSEY & HAWKES" (siehe
                      auch  oben '"3" u "B"' usw.)
   n          = nach  (siehe nachfolgend '"6" n "B'):
                  "6" n "B" = "6" der Zahl "638" nach dem Vertikal-
                      strich des "B" der Zeile BOOSEY & HAWKES
   WA         = Wortabstand (siehe WA+)
   WA+        = Wortabstandsvergrößerung (= Vergrößerung der Abstände
                zwischen den Wörtern, & = Wort)
   w.o.       = wie oben, wie zuvor
 
  Beachte: Maße in cm. Maßangaben sind immer Annäherungsmaße, denn
           druckbedingt haben Abmessungen in der Regel geringfügige
           Schwankungen, ja selbst Messungen variieren mitunter (aus
           verschiedensten und erstaunlichsten Gründen, z.B. wegen
           etwaiger Meßskalenabweichungen).

   Druckjahr  Titeltafel       H P S / B & H       No. 638   Rücken

                               H P S / B & H
                               Wortabstände:
                        [POCKE]T - S | & - H[AWKES]

                               H P S / B & H
                               Zeilenlängen

                                   B & H
                               Wortabstände:
                        [BOOSE]Y - & / & - H[AWKES]
                                 
                         ------------------------
                            Erste Editionslinie
                         Französische Titelgebung
                         ------------------------

   1948 A     10,7 x 4,9        F, 0,8 |  0,8     1,3 v "B"   UO    {*1}
              STRA W INSKY        12,6 /  8,0
              T frz.               WA B & H:
                                   0,8 /  0,8

   1948 B     10,7 x 4,9        F, 0,8 |  0,8        w.o.     UO    {*1}
              STRA W INSKY        12,6 /  8,0
              T frz.               WA B & H:
                                      w.o.

                      ---------------------------------
                      Englisch-französische Titelgebung
                      ---------------------------------

   1951       10,7 x 5,0        F, 1,3 |  1,3     "3" v "B"   UO  
              STRA W INSKY     BA- WA+ / BA+ WA+  Sitz uv
              T engl./(frz.)      12,6 / 11,2
              Zeile 2: 6,3         WA B & H:
              Zeile 3: 5,9         1,3 /  1,3

   1953           w.o.          F, 1,4 |  1,3     "3" u "B"   UO
                                   H P S: w.o.    Sitz uv
                                  12,6 / 11,2
                                   WA B & H:
                                   1,3 /  1,3

   1956           w.o.       UF/F, 1,4 |  1,3     "6" u "B"   ?     {*2}
                                   H P S: w.o.    Sitz uv
                                  12,6 / 11,4 !
                                   WA B & H:
                                   1,3 /  1,3

   1960           w.o.          F, 1,4 |  1,3     "6" u "B"   UO
                                  12,6 / 11,3     Sitz uv
                                   WA B & H:
                                   1,4 /  1,3

   1962           w.o.          F, 1,4 |  1,3     "6" u "B"   UO
                                  12,6 / 11,4     Sitz uv
                                   WA B & H:
                                   1,4 /  1,3

   1963           w.o.          F, 1,4 |  1,4         ?       UO
                                  12,7 /[11,3]
                                   WA B & H:
                                  [1,4]/  1,3

   1964 B         w.o.          F, 1,4 |  1,3      "6" n "B"  UO
                                  12,7 / 11,5
                                   WA B & H:
                                   1,4 /  1,3

                        -------------------------
                        STRAVINSKY: "V" statt "W"
                        -------------------------
 
   1965       10,8 x 5,1       BF, 1,2 |  1,3     "63" u "B"  ?
              STRA V INSKY        12,6 / 11,3     Sitz uv
              T engl./(frz.)       WA B & H:
              Zeile 2: 6,4         1,3 /  1,3
              Zeile 3: 6,0

   1966       10,7 x 5,1        F, 1,6 |  1,3    r"63" u "B"  UO    {*3}
                  w.o.          H P S: BA- WA+    Sitz uv
              Zeile 2: 6,3        12,6 / 11,4
              Zeile 3: 5,9         WA B & H:
                                   1,3 /  1,3

    -------------------------------------------------------------
                         Zweite Editionslinie
    H P S: Wortabstandserweiterung, etwas asymmetrisch: 2,2 - 2,5
                 Titelfeld: Zeile 3 etwas überstehend
    -------------------------------------------------------------

   1968       10,8 x 5,0       UF, 2,5 |  1,4     Neusatz     UO
                 w.o.              H P S: WA+     Sitz uv
              Neusatz:            13,6 / 11,4     ovales "0"
              Zeile 2: 6,4         WA B & H:      "8" v "B"
              Zeile 3: 6,5 !       1,3 /  1,4

   1969          w.o.                w.o.           w.o. ?    UO    {*4}

   1971          w.o.                w.o.           w.o. ?    UO    {*4}

   1973 A        w.o.                w.o.           w.o.      OU !  {*5}
                                                            kein NS

          -----------------------------------------------------
                   H P S: sehr asymmetrisch: 2,2 - 3,1
               "C" in SCORES über dem rechten Etikettrand
          Titelfeld: deutliche Schriftvergrößerung / ovales "0"
                      Zeile 3 erheblich überstehend
          -----------------------------------------------------

   1973 B     10,0 x 5,3       SD, 3,1 |  1,3     Neusatz     UO !  {*6}
              Neusatz              H P S: WA+     Sitz uv     NS
              ovales "0"          14,1 / 11,4     kreisför-  N - T !
              Zeile 2: 6,0         WA B & H:      miges "o"
              Zeile 3: 6,6 !       1,4 /  1,3 !   "8" v "B"

   1977       10,2 x 5,3       SD, 3,1 |  1,4     Neusatz     ?     {*7}
              ovales "0"          14,4 / 11,6     No 638 !
              Zeile 2: 6,2        H P S: BA+      kreisför-
              Zeile 3: 6,7        (= Leerzei-     miges "o"
                                  chendehnungen)  "8" v "B"
                                   WA B & H:
                                   1,4 /  1,4

   1978       wie 1973 B          wie 1973 B     wie 1973 B   OU !  {*8}
                                                           wie 1973 B
                                                             N   T !

        ----------------------------------------------------------
           Seite [1]: Einführung des Kastens "IMPORTANT NOTICE"
        (Zur Datierung beachte vor allem den Schluß der Fußnote 8)
        ----------------------------------------------------------

   1980/n     wie 1973 B          wie 1973 B     wie 1973 B   OU !  {*9}
   (7/78)                                                  wie 1973 B
                                                             N   T !

        ------------------------------------------------------------
           Frontdeckblatt: "HPS 638" statt "HAWKES POCKET SCORES"
        Titelfeld: Erhebliche Vergrößerung, wieder kreisförmiges "O"
         Titel nur auf englisch / "Schalenlogo" / 6 Vorschaltseiten
        ------------------------------------------------------------

   1981/n     13,4 x 6,1            HPS 638       entfallen   OU   {*10}
   (7/78)     Neusatz              B & H als                  NS
              kreisrundes "O"    "Schalenlogo"
              Titel nur engl.

   1983/n        w.o.                 w.o.           w.o.     w.o. {*11}

                 ---------------------------------------------
                 Einband mit leicht rötlich-bräunlicher Tönung 
                 ---------------------------------------------

   1987/n     13,3 x 6,2              w.o.           w.o.     w.o. {*12}
              sonst w.o.

   1987/n+    13,4 x 6,1              w.o.           w.o.     w.o. {*13}
              sonst w.o.

                        ------------------------------
                        Bislang unnachgewiesener Druck
                        ------------------------------

   1990+                                                           {*14}

                        -------------------------------
                        Formatvergrößerung, Bildeinband
                        -------------------------------

   1997       Farbige Einbandneugestaltung, Bild-Layout            [*15}

   {*1} "A" und "B" bezeichnen unterschiedliche Druckfassungen (Ausgabe-
        bzw. Drucktypen) mit gleichen Druckdatierungen; bislang bekannt
        sind solche für 1948, 1964 und 1973. 1987 (beide Ausgaben ohne
        Druckdatierungsvermerk) ist wegen der notwendigerweise von einer
        Annonce hergeleiteten Hilfsdatierung ein Sonderfall. Zu den bei-
        den Druckfassungen Typ A und B von 1948 (bzw. zu dem angegebenen
        oder vorgeblichen Druckjahr 1948) siehe andernorts, zu den ande-
        ren genannten "Schwesterausgaben" siehe nachfolgend.

   {*2} Mit dem Druckvermerk 4·56 L & B wurden bislang zwei Exemplare
        angetroffen. Das eine Exemplar (Taschenpartitur 4/1956 A) gehört
        einer Hochschulbibliothek, das zweite (Taschenpartitur 4/1956 B)
        war - als völlig unpassendes Mitschicksel - einem im Juni 2018
        zugeschickten 1967er (!) Leihmaterial beigefügt worden.
        Zu den Einbänden: Der Originaleinband des Exemplars 4/1956 A ist
        bis auf einen kümmerlichen Rest nahezu nicht existent (Einzel-
        heiten siehe unten), vom Einband der "Leihmaterialbeilage" dage-
        gen, der Partitur 4/1956 B, ist weit mehr vorhanden, doch wegen
        einer Klebebandverstärkung des Rückenbereichs "fehlt" auch hier
        nicht nur der Rücken, es ist darüber hinaus auch von der Ein-
        bandbedruckung des vorderen und hinteren Deckblatts in der Nähe
        des Rückens Text verdeckt.
        Nun kann man durchaus die starke Vermutung hegen, daß die Origi-
        naleinbände der beiden Partituren keine Unterschiede aufwiesen
        und somit die vorhandenen Informationen des Einbands der Parti-
        tur B auch für die Partitur A gelten dürften. Aber eine Beobach-
        tung birgt doch den Hauch eines Zweifels (siehe unten).
        Zu einem wichtigen Detail allerdings ist, da die betreffende
        Stelle uneinsehbar zugeklebt wurde, überhaupt keine Aussage
        möglich, es handelt sich hierbei um die sicherlich vorhandene
        Datierung der Annonce auf dem hinteren Einbandblatt der Partitur
        4/1956 B.

        Zum Problem der Unterscheidbarkeit von Drucken

        a) Zur Partitur 4/1956 A: Sie weist einen Bibliothekseinband
        auf, Einbandseite 4 und Rücken fehlen. Von der Frontseite wurde
        die obere Hälfte (Serientitel und Titeltafel) aufgeklebt, der
        untere Teil mit der BOOSEY & HAWKES-Firmenbeschriftung und der
        Taschenpartiturnummer fehlt. Es ist aber doch wohl davon auszu-
        gehen, daß die zweite Hälfte die Gestalt derjenigen der Ausgabe
        4/1956 B und der nachfolgend vorliegenden Drucke hat.

        b) Zur Partitur 4/1956 B: Zur Kurzbeschreibung des Äußeren siehe
        oben.
        Erstaunlich ist, daß die Beschriftung der HAWKES POCKET SCORES-
        Zeile auf der Frontseite fetter ausgefallen ist als bei der
        Ausgabe 4/1956 A. Jedenfalls hat eine Unterscheidung in "UF"
        (= unauffällig fett) und "F" (= fett) durchaus ihre Berechti-
        gung. Beachte: Zu derart minimalen Unterschieden, die bei an-
        sonsten unveränderten Einzelheiten die Überlegung an die Mög-
        lichkeit der Existenz von eventuell unterschiedlichen Druckauf-
        lagen aufkommen lassen, siehe die Ausführungen andernorts (The-
        ma: Unterscheidbarkeit und Ununterscheidbarkeit von Drucken bzw.
        Auflagen).

   {*3} Identifikation der Ausgaben 1965 und 1966 anhand von Deckblatt-
        ablichtungen (wie etwa bei Antiquariatsangeboten): In solchen
        Fällen fällt bei Vorliegen brauchbarer Ablichtungen BEIDER Deck-
        blätter die Bestimmung leicht, denn die Unterschiede der Wortab-
        stände in der Zeile HAWKES POCKET SCORES sind schon mit bloßem
        Auge gut zu erkennen. Liegt jedoch nur EINES der beiden Deck-
        blätter in Ablichtung vor, womöglich noch in erheblicher Ver-
        kleinerung, dann wird die Bestimmung ein schwieriges Unterfan-
        gen. So führt z.B. eine Senkrechte, von den Außenkannten der
        Etikette zur Oberzeile weisend, noch zu keinem einigermaßen
        hilfreichen Ergebnis. Zwar sind die Wortabstände der beiden
        Oberzeilen deutlich unterschiedlich, doch hat sich dadurch die
        Länge der Zeilen nicht verändert, was offensichtlich heißt, daß
        1966 die Unterschiede der Wortabstände IN den Wörtern ausgegli-
        chen wurden und für 1966 bedeutet dies also eine Verdichtung.
        Das vertikale Messen mit dem Fixum Etikettkante bringt somit
        zwar Unterschiede zu Tage, doch stellen sich gleichzeitig bei
        einer schon minimal "verwinkelten" Aufnahme (was oft der Fall
        ist) und bei nur einem Fixum zu große Meßungenauigkeiten ein.
        Eine brauchbare Lösung scheint die folgende zu sein (als Hilfs-
        mittel kann ein Lineal oder bei einem Graphikbearbeitungspro-
        gramm eine gestrichelte Hilfslinie dienen): Man bildet eine Ver-
        tikale an der linken Außenkannte des Etiketts, ausgehend unten
        von der rechten Begrenzung des unteren Bauchs des "B" in "BOOSEY
        & HAWKES". Diese Vertikale führt dann bei dem 1965er Deckblatt
        oben zur RECHTEN Begrenzung des "A" in "HAWKES". Bei der 1966er
        Fassung hingegen führt die Vertikale deutlich IN den Raum zwi-
        schen "A" und "W".

   {*4} Zu "N0. 638" bzw. "w.o. ?": Aufgrund eines bibliothekarisch
        "behandelten" Exemplars nur eingeschränkte Angabe möglich.

   {*5} Die Drucke 1973 A und B haben mit "M.P. 7.73" (= Juli 1973) die
        gleiche Druckdatierung. Sie unterscheiden sich aber in ihrer
        Einbandgestaltung (Frontseite, Einbandseite 4 und Rücken) um
        einiges (siehe auch die Einführung zur Tabelle). Außerdem hat
        1973 B auf Seite [154] (= letzte Notenseite verso) die Strawin-
        sky-Werke-Annonce "No. 40 [-] 7.65", Seite [154] des Drucks 1973
        A dagegen hat keine Bedruckung.

   {*6} Entgegen der Entwicklung greift die Ausgabe wieder die Beschrif-
        tung von unten nach oben auf. Ansonsten gleicht die Frontgestal-
        tung derjenigen des Drucks von 1978.
        In den 1970er Jahren treffen Identifikationsversuche zunehmend
        auf erhebliche Probleme, und falls, nur auf das Deckblatt ge-
        stützt (z.B. bei Antiquariatsangeboten), eine Einschätzung ge-
        troffen werden muß, kann die Aufgabe hier wie sonst scheitern.
        Somit dürfte jeder weitere Hinweis, und wenn er auch nur gering
        erscheint, von Nutzen sein. Für die 1970er Jahre bietet deshalb
        die folgende Übersicht als Nebenbei-Hilfe eine simple erste Mes-
        sung an: Man legt ein Lineal an den rechten Etikettrand an und
        prüfe die Flucht zur Serienüberschrift HAWKES POCKET SCORES. Im
        Fokus hierbei ist SCORES.
        Beispiele: Beim Druck M.P. 7.73 (mit Etikett: kreisrundes "O" in
        IGOR) geht die Flucht in SCORES am rechten Rand des "O" vorbei.
        Im Druck M.P. 7.73 (mit Etikett: ovales "0" in IG0R) zeigt die
        Flucht in SCORES ins dritte Drittel des "C".

        SCORES-Überprüfung

        Letzte Auflage der 1948er Edition:

        1966 (8.66 L & B)
             Flucht rechter Etikettrand - SCORES: zwischen "R" und "E"

        1967er Edition:

        1973 A (M.P. 7.73), "O" in IGOR kreisrund
             Flucht rechter Etikettrand - SCORES: nach "O"

        1973 B (M.P. 7.73), "0" in IG0R oval
             Flucht rechter Etikettrand - SCORES: "C" drittes Drittel

        1978 (BHMP 7/78),   "0" in IG0R oval
             Flucht rechter Etikettrand - SCORES: "C" erstes Drittel

        1980/n (E4 7/78),   "0" in IG0R oval
             Flucht rechter Etikettrand - SCORES: "C" erstes Drittel

   {*7} Druckvermerk BHMP 2/77. Aus diesem Druck liegen nur einige weni-
        ge Kopien vor (so sind z.B. zum Rücken und zur Einbandseite 4
        keine Angaben möglich). Zu "No 638": Durch den Wegfall des
        Punkts nach "No", ist dieser Teil der Seriennummer etwas nach
        rechts verschoben.
        Beachte: Zwischen 1973 und 1980 herrschte eine ausgeprägte Ge-
        staltungsunruhe, teilweise ein Hin und Her der Layout-Einzel-
        teile.

   {*8} Druckdatierung: BHMP 7/78 (= Juli 1978). Mit Annonce "No. 16a
        [-] 10/75" auf der Einbandseite 4. Der Typ der Rückenbeschrif-
        tung dieser Ausgabe ist der gleiche wie auf der Ausgabe 1973 B,
        allerdings verläuft die Bedruckung von oben nach unten, auch
        hat sie nicht den dort vorhandenen kurzen "Gedankenstrich" in
        der Mitte.

   {*9} Keine Druckdatierung. Auf der Einbandseite 4 ist die Annonce
        "NO. 78 [-] 7/78" aufgedruckt, die Adresse enthält den Januar
        1980 eingeführten Postcode W1R 8JH. Danach wurde die Datierungs-
        schätzung ausgerichtet: (frühestens) 1980 oder kurz danach (= um
        1981). Dies ist höchstwahrscheinlich der letzte Druck mit zwei
        Vorschaltseiten (= ein Blatt: S. [I] und [II]).

        "Annoncen-Datierung", zur Orientierung beachte man:

        In der Chronologie der Boosey & Hawkes-Sacre-Taschen- bzw. Stu-
        dienpartiturausgaben scheint dieser Druck der erste OHNE Druck-
        vermerk zu sein. Eine Auslassung, die leider bleiben wird. Als
        ein wichtiges Ersatzmittel für Datierungsversuche dienen von nun
        an die Annoncen-Datierungen, doch stellen sich dabei Probleme
        ein, denn sie gelten nur für die Anzeige, nicht aber für den
        Druck der Ausgabe (detaillierte Ausführungen andernorts).
        Zu den Problemen ein unmittelbares Beispiel: Es bietet hier
        diese Ausgabe, sie hat nämlich die gleiche Annonce (NO. 78 [-]
        7/78) wie die nachfolgend angeführte Ausgabe, die ansonsten ein
        komplett neues Layout erhielt.
        Einige Hinweise noch (Details andernorts): Die Annonce ist schon
        mit dem "Schalenlogo" ausgestattet, das auf Frontdeckblatt und
        Titelseite erst der nachfolgend angeführte Druck aufweist.
        Gegenüber dem zuvor gelisteten Druck BHMP 7/78 trägt die erste
        Notenseite nun den neu eingeführten Kopierschutzhinweiskasten
        "IMPORTANT NOTICE".
        Abgesehen von der Hinzufügung des Kastens und der Auslassung des
        Druckvermerks weisen die Inhaltsseiten dieses Druck (S. [I] bis
        [153] + Annoncen-Seite [154]) und die des Drucks BHMP 7/78
        offenbar keine weiteren Unterschiede auf.
        Beachte sehr genau: Wie im Fall der Drucke "1980/n (7/78)" und
        "1981/n (7/78)" zu sehen, wurde für unterschiedliche Ausgaben
        die gleiche Annonce verwendet. Genauso möglich ist nun, daß
        gegen 1978 bis 1980 auch andere Annoncen gewählt wurden. So
        fehlte z.B. bei einem eingesehenen Bibliotheksexemplar, dessen
        Erscheinungsjahr laut Erfassung auf 1978 datiert wurde, der Ein-
        band, so daß nicht sicher ist, ob der Druck, der ansonsten keine
        editorischen Unterschiede zu dem hier angeführten Druck "1980/n
        (7/78)" zeigte, auf der Einbandseite 4 ebenfalls die Annonce
        7/78 hatte, möglich wäre nämlich auch eine Annonce wie 5/78 (zur
        Annonce 7/78 siehe auch die nachfolgende Fußnote, zu "5/78"
        siehe andernorts).

  {*10} Keine Druckdatierung. Beachte: Markante, unübersehbare Gestal-
        tungsänderungen, doch ist auf der Einbandseite 4 wieder die
        Annonce "NO. 78 [-] 7/78" aufgedruckt (siehe oben). Da die da-
        rauf angegebene Adresse den Januar 1980 eingeführten Postcode
        W1R 8JH enthält und auch schon der Druck "1980/n (7/78)" diesen
        Code aufweist, wurde dieser Sachlage die folgende Datierungs-
        schätzung angepaßt: (frühestens) 1981 oder kurz danach (= um
        1982). Nach dem bisherigen Kenntnisstand ist diese Ausgabe die
        erste mit dem Layout-Wechsel und eben auch die erste mit sechs
        Vorschaltseiten (bisher zwei).

  {*11} Auflage mit dem farblich gewohnten, khaki-getönten Einband, An-
        nonce auf dem hinteren Deckel: "No. 104 [-] 5/83". "1983/n" be-
        deutet eine Druckdatierungsannäherung: 1983 oder kurz danach
        (etwa um 1984). Es gibt offenbar auch eine mutmaßlich um 1985/
        1986 gedruckte Auflage gleicher Aufmachung, deren Titelfeld aber
        eine Höhe von 6,2 cm hat.

  {*12} Auflage mit dem in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre einge-
        führten Einband mit rötlich-bräunlicher Tönung. Annonce auf dem
        hinteren Deckel außen: "NO. 121 [-] 4/87". "1987/n" bedeutet
        eine Druckdatierungsannäherung: 1987 oder kurz danach (etwa um
        1988). Die Ortezeile auf der Titelseite entspricht in ihrer
        Zusammenstellung der Fassung, die in der Taschenpartitur späte-
        stens seit 1963 (Druck 5·63) verwendet wurde: LONDON PARIS
        BONN JOHANNESBURG SYDNEY TORONTO NEW YORK (siehe demgegenüber
        die nachfolgend angegebene Partitur).

  {*13} Partitur mit exakt gleichem Layout wie unter "1987/n" angegeben,
        allerdings mit der Ortezeile auf der Titelseite: LONDON NEW YORK
        BONN GOTHENBURG SYDNEY TOKYO TORONTO (neugesetzt ist merkwürdi-
        gerweise auch die eigentlich unbetroffene Zeile zuvor: "BOOSEY &
        [...] LIMITED"). Hinsichtlich des Layout-Vergleichs beachte: Von
        den Ausgaben 1987/n (4/87) und 1987/n+ (4/87) liegen Exemplare
        in völlig intaktem Zustand vor, d.h. der Einband ist unversehrt,
        sie haben also auch den originalen Rücken und sie sind unbe-
        schnitten (Weiteres hierzu siehe andere Tabellen).
        Der Druck dieser Ausgabe dürfte auf 1990 oder 1991 zu datieren
        sein (jedenfalls lautete eine vorgefundene Eingangs- oder Erfas-
        sungsdatierung einer Bibliothek 1991, siehe hierzu frühere Aus-
        führungen).

  {*14} Angesichts des Befunds, der sich beim Besehen der Leihdirigier-
        partitur ca. 2000-2009 zusammentragen ließ (siehe das betref-
        fende Kapitel), ist davon auszugehen, daß es einen Anfang der
        1990er Jahre, auf jeden Fall noch vor 1997 erschienenen Taschen-
        partiturdruck gegeben haben muß, das wäre dann wohl der letzte
        der bis 1997 fast 50 Jahre währenden Boosey & Hawkes-Sacre-Ta-
        schenpartiturgeschichte gewesen (komplette 50 Jahre sind es,
        wenn man von "Revised 1947" ausgeht), denn 1997 wurde ja dann
        die Masterwork Library-Veröffentlichung herausgebracht. Die
        Ortezeile der Leihpartitur, die wie gesagt, mutmaßlich (als Ver-
        größerung) von einer Taschenpartitur-Vorlage abstammt, lautet:
        LONDON NEW NORK BONN SYDNEY TOKYO TORONTO. Zwecks zeitlicher
        Einordnung beachte man dabei, daß Boosey & Hawkes 1997, nach
        Berlin umzog, in dieser Ortezeile Bonn aber noch genannt ist.

  {*15} Grün-braune Einbandgestaltung. Frontseite mit farbiger Wieder-
        gabe des Gemäldes: André Dérain - La Danse, 1906. Es sind bis-
        lang vier deutlich unterscheidbare Auflagen bekannt, bei allen
        ist das Frontdeckblatt gleich. Beachte: Einbandbezogene Identi-
        fikation nur über das hintere Einbandblatt Außenseite möglich
        (Seite E4 = Einbandseite 4; siehe auch Identifikationstabelle:
        Annoncen und zu dieser Editionslinie "The Masterworks Library"
        vor allem das gesonderte Kapitel sowie ergänzend dazu weitere
        Tabellen andernorts). 

Identifikationsübungen: Deutung von Antiquariatsangeboten

   Editionsbeschreibungen können ein Selbstzweck sein, warum auch nicht?
Sie können aber auch der Editionsforschung dienen. Und in einem solchen
praktischen Fall werden sich Identifikationsarbeiten kaum vermeiden
lassen, die bei Antiquariatsangeboten oft genug anfallen. Hier sollen
einige Beispiele gesammelt werden.

   1) Die folgende Internet-Offerte eines Versandantiquariats guten Rufs
lag dem Verfasser vor, eine Abbildung war dem Angebot nicht beigefügt:

   The Rite of Spring. Pictures from Pagan Russia in two parts by Igor
   Strawinsky and Nicolas Roerich - Le Sacre de [sic] Printemps.
   Tableaux de la Russie Paienne en duex [sic] parties d'Igor Strawinsky
   et Nicolas Roerich. Hawkes Pocket Scores. No. 638.
   139 S., Boosey & Hawkes, London, New York, Toronto usw., Orig.-Kar-
   ton, leicht bestoßene Ecken, sonst in sehr guter Verfassung. 10 Euro
   + Versandkosten. 

   Was kann man aus dieser Beschreibung lernen? Einer Beschreibung, die
zwar dürftig ist, aber doch nicht so dürftig, dilettantisch und unin-
teressiert, wie man das in der Regel weit und breit antrifft.

   1. "Boosey & Hawkes", "Hawkes Pocket Scores" im Zusammenhang mit der
       Seitenangabe "139 S." bedeutet: Taschenpartitur, Ausgabe Boosey &
       Hawkes 1948 bis einschließlich 1966.

   2. "Strawinsky" wird mit "w" angegeben, bedeutet (vorausgesetzt, die
       Angabe ist quellengetreu): Die Begrenzung der in Frage kommenden
       Ausgaben mit "w" liegt bei 1964.

   3. Es wird Originalkarton und "in sehr guter Verfassung" angegeben.
      Die Angabe zur Verfassung erweckt Vertrauen und "No. 638" läßt
      darauf schließen, daß der Originaleinband in der Tat vorliegen
      sollte.

   4. Es wird eine Angabe zu den Verlags- bzw. Filialsitzen mitgeteilt,
      sie lautet (gemessen am üblichen mangelhaften Informationspegel,
      ist die Ausführlichkeit ungewöhnlich, beachte hierbei: die Rei-
      henfolge der genannten Orte kann natürlich Zufall sein): "London,
      New York, Toronto usw.". Nimmt man die Angabe mein Wort und hat
      man die Ausführungen in dieser Arbeit zu den Ortezeilen aufmerksam
      studiert, weiß oder vermutet man, daß dem Antiquariat ein Druck
      vom Anfang der 1950er Jahre vorliegt. Denn "Bonn" ist unter den
      hier genannten Orten (in dem mutmaßlich vorliegenden Anfang der
      Verlagsortezeile also) nicht dabei. Jedenfalls ist auf Sacre-Ti-
      telseiten "Bonn" auf Position 3 in den Unterlagen diess Verfassers
      bis jetzt erst für 1956 nachgewiesen.

    5. "10 Euro": Das Antiquariat ging offensichtlich von einer obsole-
       ten, ausgedienten Fassung aus.

   Fazit: Es wird sich also offenbar um eine Boosey & Hawkes-Taschenpar-
titur der frühen 1950er Jahre in vermutlich gutem Zustand handeln und
das zu einem sehr fairen Preis. Der Kauf konnte gewagt werden. Und in
der Tat, die gelieferte Partitur entsprach der Einschätzung, sie hat den
Druckvermerk 1·53 L. & B. und kommt demnach ganz dicht an die vermut-
lich erste Auflage der 1950er Jahre, 11·51, heran.

   2) Manche Deckblätter lassen sich leicht einordnen, inbesondere dann,
wenn große Zeitspannen zwischen ihnen liegen und sich dementsprechend
die Gestaltung erheblich verändert hatte. Auch bei Umbrüchen von einem
Design zum andern ist natürlich die Erkennung in der Regel sehr leicht.
Doch manchmal kommen nur kleine Änderungen vor, und hier können Identi-
fikationversuche unter Umständen erhebliche Schwiergkeiten bereiten.
Solch ein besonders kniffeliger Fall ist die Änderung, den das Deckblatt
der Taschenpartitur von 1966 erfuhr. Gemeint ist der Wechsel von der
Fassung von 1965 zu derjenigen von 1966. Eine Erläuterung dazu findet
man im Rahmen der Tabelle zur Gestaltung des Frontdeckblatts von Ta-
schen- und Studienpartituren.

Technische Druckmängel

   Dieses Kapitel soll als Sammelstelle für Druckmängel dienen. Unter
"Druckmängel" sind Fehler zu verstehen, die den Druckprozeß als solchen
betreffen. Gemeint sind damit also nicht Fehler, die den Notentext- oder
sonstige Textinhalte falsch oder fehlerhaft wiedergeben, denn das sind
Druckfehler, die unter den klassischen Begriff "Errata" fallen und im
ebenso klassischen Sinn durch Text- oder Notentextkorrekturen behoben
werden.
    Ein gravierender Nachteil ist, daß technische Herstellungsfehler
meist erst im Lauf der Zeit bemerkt werden. Und so kann dann unter Um-
ständen der mißliche Fall eintreten, daß eine bereits eingesehene und
später erneut zu überprüfende Partitur nicht mehr vorliegt. Auf solche
Fälle wird in der untenstehenden Sammlung bei Befunden jeweils hinge-
wiesen.
   Man unterschätze die Beobachtung und Registrierung solcher Mängel
nicht. Zwar sind mit den bis jetzt gesammelten Fällen noch keine "tie-
fer" gehenden Schlüsse möglich, doch vielleicht könnte dieses Mittel
bei Identifikationsarbeiten Chargen oder Druckfolgen betreffend als
Werkzeug irgendwann einmal Hilfestellungen bieten.
   Eine allgemeine Bemerkung noch zuvor: Die Druckqualität der vom RMV
herausgegebenen Sacre-Taschenpartituren kann nur als gerade noch gangbar
bezeichnet werden, jedenfalls vermitteln die bisher eingesehenen Exem-
plare einen im wesentlichen unbefriedigenden, also negativen Eindruck.
Dies ist schon andernorts angesprochen worden, doch das Thema ist so
wichtig, daß immer mal wieder darauf hingewiesen werden sollte. Und
ähnlich unbefriedenend sind auch die bei Boosey & Hawkes bis 1966 er-
schienenen Nachfolgedrucke, soweit jedenfalls bis jetzt angetroffen.
Das kann auch ins Extreme gehen. So ist beispielsweise ein vorliegendes
Exemplar der sehr seltenen letzten Auflage der alten Taschenpartitutur
von 1966 unzweifelhaft im puren Sinne der Bezeichnung ein Mängeldruck:
Bei ihr sind manche Notextseiten nur mit Mühe bzw. nur mit Hilfe anderer
Ausgaben lesbar (hierzu siehe an anderem Ort; auch achte man auf Ausfüh-
rungen an anderen Orten zur vorgefundenen enttäuschenden Druckqualität
in RMV- und Boosey & Hawkes-Ausgaben und auch zu Druckunterschieden bei
Seitenzahlen, wie der "57" oder den 40er Zahlen, dies alles gehört
selbstvetsändlich auch zu dem Thema "Druckmängel").
   1) Der typische Fall eines technischen Druckfehlers stellt in der
1921er RMV-Taschenpartitur im Takt 1 der Ziffer 2 eine nicht bedruckte
Stelle dar, ein "heller Klecks", der in der Stimme der Klarinette II
die Viertelpause unleserlich gemacht hat. In keiner anderen Partituraus-
gabe, ob RMV-Dirigierpartitur (1921, 1929) oder nachfolgende Taschenpar-
titur (RMV, Boosey & Hawkes), ist dieser Druckfehler vorhanden.
   2) Ebenfalls nur in der 1921er RMV-Taschenpartitur wurde der Fehler
angetroffen, der die Ziffer 185 betrifft. Hier ist der obere Rand des
Ziffernkästchens abgeschnitten. Zu vermerken ist, daß weder in diesem
wie im vorher genannten Fall in nachfolgenden Partituren eindeutige
Spuren zu erkennen sind, die auf eine spätere Korrektur hindeuten könn-
ten. Also dürften hier tatsächlich spezifische Kopier- oder Druckvor-
lagenfehler vorliegen.
   3) Es fallen immer wieder Korrekturen von nebensächlichen Kleinstde-
tails auf, die zeigen, wie die Handelsware Notentext scheinbar ständig
"unter Beobachtung steht", und derartige Änderungen, Abänderungen oder
Berichtigungen geschehen ja praktisch immer verdeckt. Eine nicht gerade
Verläßlichkeit erweckende Sachlage: Es stellen sich unter Umständen Ge-
dankenbilder wie Seltsamkeit, Unerklärbarkeit oder sogar Dilettantismus
ein. So ist auf Seite 11 der frühen Taschenpartiturausgaben (A- und B-
Typ) nach Ziffer 13 in der über der unteren Systemakkolade gesetzten
Tempoangabe "Tempo giusto" die Metronomangabe "50" von einem scheinba-
ren, mysteriösen Kastenrest umgeben, der spätestens 1963 getilgt ist,
aber an der "5" erkennt man die Retusche noch deutlich, die Zahl wurde
in Mitleidenschaft gezogen (exakt das gleiche Bild zeigt auch die Diri-
gierpartitur "Reprinted with corrections 1965"). Wenn also solche De-
tails Korrekturen erfahren - und auf diese wenig fachmännische Art und
Weise, dann stellt man sich die Fragen: Wann entstand die Korrektur und
welche Korrekturen wurden bei diesem Vorgang außerdem noch - und auf
welche Art und Weise - vorgenommen?
   Bemerkenswert ist nun, daß die Metronomangabe "50" erst im Zuge der
1947er Korrekturnachholung in die Partitur kam. In den RMV-Partituren
von 1921 und 1929 lautet die Angabe noch "[Halbe] = 56", das aber wurde
in den RMV-Errata von Anfang 1923 korrigiert zu "[Halbe] = 50 au lieu
de 56." (= 50 anstelle von 56). Man beachte: Die drei frühen "Bernstein-
Partituren" haben die Korrektur ebenfalls und zwar gedruckt, aber eben
die beiden frühen Taschenpartituren haben sie, wie gesagt, nicht. Also
kommt auch hier bei diesem Kleinstdetail wieder die verunklarend wirken-
de Tatsache der Existenz von unterschiedlichen Druckvorlagen zum Vor-
schein, und zwar betrifft das die frühen Taschen- wie auch die frühen
Dirigierpartiturausgaben (siehe zu all dem Ausführungen andernorts).
   4) Zum überflüssigen Punkt (Schmutzfleck) zwischen "4" und "2" der
Seitenzahl 42, der von 1921 an bis zur Ausgabe von 1966 reichend in
allen Partituren, die Taschenpartitur des A-Typs mit ihrer eigenen
Paginierung ausgenommen, existiert, siehe frühere Ausführungen.
   5) Zur Seitenzahl 43: In den Taschenpartituren März 1964 und Oktober
1965 fällt rechts neben der Zahl ein einem senkrechten Strich ähnelndes
Etwas auf, vielleicht der Abdruck des Randes der Zifferntype. Dieser
mutmaßliche Rest aber ist nicht immer da. Er ist z.B. im Druck Typ B
der frühesten Ausgabe der Taschenpartitur von 1948 nicht vorhanden (dem
Urtyp der nachfolgenden Taschenpartiturlinie) und er ist auch nicht vor-
handen in der Ausgabe vom Mai 1963 und ebenso nicht in der letzten Aus-
gabe dieser Edition vom August 1966.
   6) Einen mitteilenswerten Fall weist in Ziffer 53 auch der Takt 1
auf: In der Flöte in G hat sich vor dem letzten Viertel ein punktartiger
Schmutzfleck eingeschlichen. Er ist von 1921 bis 1966 in allen einge-
sehenen Partituren (ob Dirigier- oder Taschenpartitur) vorhanden. Somit
sollte beobachtet werden, ob es von dieser Seite auch eine Ausführung
ohne Schmutzfleck gibt. Jedenfalls, bevor nicht ein positiver Befund
vorliegt, dürften den Platten- und Vorlagenbereich betreffende Über-
legungen, keinen Sinn machen.
   7) Zwecks eventueller Vorlagenforschung sollte man in den prä-1967er
Partituren das ein Takt lange Cellosolo in Ziffer 90 (Takt 4) im Auge
behalten. Wenig ergiebig dürfte dabei der oberhalb des Balkens hervor-
lugende Hals des "b" vor dem hohen "h" sein. Diese - gerade noch wahr-
nehmbare - Stichungenauigkeit ist in allen vorliegenden Partituren von
1921 bis 1966 vorhanden. Interessanter ist aber sicherlich ein Fleck
links des "b", es könnte sich um die versehentlich durchgezogene Linie
des Bauchs handeln; wie auch immer, der Druckfehler existiert nur 1921
und 1929, ab 1948 ist er verschwunden. Entweder wurde hier retuschiert
oder es lag 1948 für diese Seite ein anderes (zweites) Druckklischee
vor. In diesem Zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, daß anfangs
der beiden untersten Baßsysteme 1948 in der Tat kleine Änderungen vorge-
nommen wurden, so ist nun im System des zweiten Solobasses das erste "h"
samt der irrtümlichen Überbindung gestrichen.
   8) Ein besonders mysteriöser Fall einer Druckunzulänglichkeit ist
der folgende: In allen Partituren enthalten die Ziffern 136 und 137 der
Violen- und Violinen I-Stimmen an drei Stellen die Vorschrift "sul
pont." (= sul ponticello), wobei in den Partituren 1921 bis 1966 die
beiden letzten Anweisungen in den Violinen I (Z 137/2 und 4) auf dem
Gebiet der Druckvorlagenerkundung (Druckplattenforschung) ein gewiß mehr
als seltsames Rätsel offenbaren (beachte: zur Zeit der Recherche lagen
von den RMV-Partituren von 1921 und 1929 nur Miniaturnachdrucke vor).
   In den Studienpartituren RMV 1929 und B & H 1948 (Typen A und B) so-
wie in der B & H-Dirigierpartitur von 1948 (siehe oben die Links zu drei
von Bernstein genutzten Exemplaren dieser Partitur) folgen in Z 137/2
und 4 nach den Vorschriften "sul pont." jeweils zwei Fortsetzungsstri-
che. Demgegenüber haben aber die vorliegenden vier letzten B & H-Stu-
dienpartiturdrucke Mai 1963 bis August 1966 nach dem ersten "sul pont."
in dieser Ziffer nur einen (!) Fortsetzungsstrich. Das ist in der 1921er
RMV-StPa genau umgekehrt: Zwei Striche nach dem ersten "sul pont.", ein
Strich nach dem zweiten "sul pont.", und überraschenderweise liegt diese
Sachlage auch in der Dirigierpartitur von 1965 ("Reprinted with correc-
tions 1965") vor (vgl. Tabelle). Hier bleibt nur sich zu wundern: Wieso
kommt es - es handelt sich um die Seite 109 - nach rund 45 Jahren zu
einer solchen Seitenverwandtschaft? Oder anders formuliert: Für die Her-
ausgabe der B & H-Sacre-Partitur bildete eindeutig die RMV-Partitur von
1929 die Vorlage, doch wieso taucht dann 1965 ein scheinbar direkter
Bezug zur 1921er RMV-Erstausgabe auf? (Zur Vervollständigung: Sitzände-
rungen weisen die Striche nirgends auf - jedenfalls nicht erkennbar.
Auch ist bei allen vorliegenden Druckpartituren vor 1967 in den Violen
in Z 137 nach dem zweiten "sul pont." nur ein einziger Fortsetzungs-
strich vorhanden, vgl. Tabelle.)

   Tabelle "sul pont.", Fortsetzungsstriche

                      Z 137 Takt 2 und 4        Z 137 Takt 2 und 4

   RMV 1921           Vni I      2  -  1        Ve         2  -  1

   RMV 1929           Vni I      2  -  2        Ve         2  -  1

   B & H 1948 usw.    Vni I      2  -  2        Ve         2  -  1

   B & H 1965         Vni I      2  -  1        Ve         2  -  1

   9) Auf Seite 129 der Boosey & Hawkes-Taschenpartituren des A- und B-
Typs von 1948 ist unten unter der Ziffer 179 die Plattenummer der RMV-
Dirigierpartitur, R.M.V. 197, abgedruckt. Sie deutet offenkundig auf
eine Abzugsvorlage hin und ist sicherlich der Retusche entgangen. Die
Seite hat im Übrigen außer der RMV-Nummer auch die gewohnte Boosey &
Hawkes-Plattennummer der Ausgabe, B. & H. 16333, und diese hat zudem
den unveränderten, gewohnten Sitz. Die drei "Bernstein-Dirigierparti-
turen" aus der Zeit und die Dirigierpartitur "Reprinted with corrections
1965" haben das RMV-Überbleibsel auch nicht (zu diesen Partituren siehe
jeweils andernorts).
   Hier sollte daran erinnert werden, daß die Seiten der RMV-Studien-
partituren, abgesehen von der ersten Notenseite (S. 3), keine Platten-
nummer aufweisen. Die Plattennummer der ersten Notenseite lautet:
R.M.V. 197b
   Man übersehe zudem nicht: Dieses Beispiel eines technischen Druck-
fehlers gehört als wichtiges Nachweisdetail nicht nur vielleicht, son-
dern unmittelbar in den an anderen Orten angesprochenen, bisher noch
weitgehend "mystischen" Bereich einer die Sacre-Notenmaterialien betref-
fenden Druckvorlagenerforschung.
   10) Ein überraschendes Druckversehen ist auch, daß auf der Seite 26
des Boosey & Hawkes-Taschenpartiturdrucks vom März 1964 die Plattennum-
mer fehlt. In den Drucken davor und danach, Mai 1963 und Oktober 1965,
und in allen anderen vorliegenden Partiturausgaben (Taschenpartituren,
"Bernstein-Dirigierpartituren", Dirigierpartitur 1965) fehlt sie nicht.
   11) Wie mehrfach angesprochen und unter Punkt 9 anschaulich zu sehen,
wird sich Druckvorlagenforschung ganz besonders mit Plattennummernabwei-
chungen zu befassen haben. Deshalb seien nachfolgend noch einige weitere
solcher Merkwürdigkeiten aufgelistet (geordnet nach Seitenzahlen):

    41: In der Taschenpartitur 1948 Typ A ist der Abstand der Nummer zum
        untersten System größer als in der Taschenpartitur des Typs B
        und dessen Nachfolgerdrucke (jedenfalls soweit eingesehen: 1963
        bis 1966). Den engeren (richtiger: engen) Abstand der "B-Ta-
        schenpartituren" haben im übrigen auch die drei "Bernstein-Par-
        tituren" und die Dirigierpartitur "Reprinted with corrections
        1965".
    62: Ebenso, wobei in der Dirigierpartitur von 1965 im Gegensatz zu
        allen anderen eingesehenen Partituren der Abteilungsstrich zwi-
        schen den beiden russisch-französischen Titelgruppen wegretu-
        schiert ist. Weitere Unterschiede fielen auf dieser Seite der
        1965er Dirigierpartitur bei einem ersten Blick nicht auf.
        Hinweis zu den Abständen: Beachte die unterschiedlichen Sachla-
        gen bei den Seiten 41 und 62 einerseits und den Seiten 132 und
        133 andrerseits (siehe unten).
   106: In allen eingesehenen Dirigier- und Taschenpartituren von 1948
        bis 1966 hat die Plattennummer nach "333" einen etwas mißpla-
        zierten Schlußpunkt (oder ist es nur Fleck?): "B. & H. 16333.".
   118: In den Taschenpartituren der Typen A und B ist der Teil der
        Nummer "333" unvollständig wiedergegeben, ansonsten ist die
        Plattennummer immer korrekt vorgefunden worden.
   129: Siehe Punkt 8
   131: In der Dirigierpartitur von 1965 fehlt die Plattennummer (siehe
        auch unter Punkt 9). Dies scheint bei dieser Seite ein Einzel-
        fall zu sein.
   132: In den Taschenpartituren der Typen A und B von 1948 ist der Ab-
        stand der Nummer zum untersten Notensystem  - anders als auf den
        Seiten 41 und 62 - in BEIDEN (!) Partiturtypen größer als in
        späteren Taschenpartituren (beurteilt jedenfalls nach den von
        1963 bis 1966 reichenden Drucken). Die "Bernstein-Partituren"
        haben den Abstand wie die frühen Taschenpartituren (A und B),
        doch die Dirigierpartitur von 1965 folgt diesmal nicht diesen
        drei Partituren, sondern weist den engen Abstand auf, wie er in
        den genannten späten Taschenpartituren besteht.
   133: Wie Seite 132.
        Ganz allgemein gilt noch zu bachten: Trotz der Abstandsunter-
        schiede unterlag der horizontale Platz der Nummer desungeach-
        tet keiner Änderung. Es fand also nur eine vertikale Verschie-
        bung statt.

   12) In den Boosey & Hawkes-Taschenpartituren taucht spätestens im
Druck Mai 1963 ein Druckfehler auf, der die Ziffer 18 (S. 14) betrifft:
Es ist links oben deutlich - klecksartig - die Umrandung verletzt.

   13) Seite 131 der frühen Taschenpartituren der Typen A und B und auch
ihr Doppelblatt-Pendant Seite 138 (das Doppelblatt gehört zu einem aus
vier Doppelblättern bestehenden Bindungsblock) enthalten etwa in der
Mitte, in der Gegend der Falz des Doppelblatts, ab dem 7. oberen System
abwärts den folgenden Vermerk abgedruckt (annähernde Wiedergabe, die
beiden Längstriche sind original ein längerer fettgedruckter Balken):

   |
   |
   9
   A

   Wenn der Vermerk auf der Seite 131 vollständig wiedergegeben ist, ist
auf der Seite nichts mehr davon zu sehen. Die Falz kann aber so liegen,
daß auf beiden Seite irgendwelche Teile zu sehen sind, manchmal mehr
oder minder blaß oder verstümmelt.
   Die gleiche Sachlage besteht auch in den drei im Internet zur Verfü-
gung stehenden "Bernstein-Dirigierpartituren" mit dem Unterschied, daß
der Vermerk schon beim 5. System beginnt.
   In den Taschenpartiturausgaben ist der Vermerk spätestens ab Mai 1963
nicht mehr vorhanden, aber auch die Dirigierpartitur von 1965 (Partitur
"Reprinted with corrections 1965") hat ihn nicht mehr.
    Die Bedeutung des Vermerks ist unklar. Immerhin wäre aber denkbar,
daß hier wiederum ein Hinweis darauf gegeben ist, daß angesichts der
Unterschiedlichkeit der Abdruckstelle bei den Taschen- und Dirigierpar-
tituren mit unterschiedlichen Druckvorlagen zu rechnen ist (siehe hier-
zu die Ausführungen andernorts).

                       ---------------------
                       Fortsetzung in Arbeit
                       ---------------------

Stichworte u.a (teilweise schon behandelt):

Errata-Liste (Bernstein), Seite 7

Originaleinband, "Partition", Annonce No. 453 (Igor Strawinsky)
Errata-Liste, handschriftliche Korrekturen, Verhältnis zur
Taschenpartitur, Korrekturproblematik, am Beispiel Seite 42

Leonard Bernstein, New York Philharmonic, Material im eigenen Archiv
oder Leihmaterial?
Kurze Erklärung des Bernstein-Materials, Handhabungsanleitung

Bedeutung dieser Partitur(en) für die Diskographie


Boosey & Hawkes: Revidierte Dirigierpartitur 1967, Erstaus-
gabe, Titelseite mit den Hinweisen: Revised 1947 [/] New
Edition 1967 und der Referenz auf den Russischen Musikverlag
(Édition Russe de Musique)
Die Sacre-Dirigierpartitur dient vor allem dem Leihverkehr,
erst nachgeordnet dem Verkauf.
Der Titelkopf von "IGOR STRAVINSKY" bis "Full Score" wurde
für die Titelseite der von diesem Erstdruck unmittelbar
abgeleiteten Leihpartitur "13 DEC 1999" unverändert wieder-
verwendet, ansonsten steht bei dieser "1999er" Ausgabe unten
auf der Titelseite nur noch die bloße Firmenangabe "BOOSEY &
HAWKES", der Rest der Aufschrift ist entfallen, d.h., die
Titelseite enthält keine Informationen darüber, daß es sich
um eine Neuedition bzw. einen Neustich handelt (siehe hierzu
die Ausführungen).



Boosey & Hawkes: Studienpartitur 1972 und 1977, Titelseite mit
dem Hinweis: Re-engraved edition 1967
Das Layout der Titelpartie bildete die Vorlage für die anson-
sten neugestaltete Titelseite der Taschenpartitur der 1980er
Jahre, deren weitere Vorspannseiten gänzlich neugestaltet
sind. Diesen ingesamt also neuen Vorspann wies auch eine 2009
angetroffene Leihdirigierpartitur der "hellblauen Serie" auf
(siehe Ausführungen).



Auch hier: Groß "Rite" und klein "Sacre"
Leihdirigierpartitur [2012], Seite 1 (erste Notenseite), Ausschnitt
(Mitte und rechter Rand): Titelkopf (mit Fassungshinweisen usw.)
Der gesamte Titelkopf ist ein unveränderter Nachdruck desjenigen der
Erstausgabe von 1967 (zu Besonderheiten, "Revised 1947" und "New edition
1967" siehe Ausführungen).
Der Accent grave auf "e" in "Première Partie" ist augenscheinlich eine handschriftliche Korrektur (so schon in der Erstausgabe 1967).


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Весна Священная: Weiteres in Vorbereitung

Themen (teilweise schon behandelt, Abhakliste): 

Erste Notenseite: Copyright-Block, Plattennummer, Printed in
England

Letzte Notenseite: Druckvermerke

B & H: Logo-Entwicklung

Drucke 1948-1966 (B & H): Deckblatt, Titelseite, Vorspann-
seiten, erste Notenseite, letzte Notenseite

B & H Erstausgabe der Dirigierpartitur, käufliche Ausgabe 

B & H Taschenpartitur 1948, zweiter Druck

B & H-Taschenpartitur: Annonce 5/83, gekauft 1988

Fassungen 1921, 1929: RMV-Partituren Layout, Druckletternvergleich

Klavierauszüge: RMV, B & H

Sonstiges: Einbände, Umschläge, Anzeigen

Szenentitel auf Platten: teilweise seltsame Zustände, Auswüchse

Diskographie: Abhörarbeiten in Auswahl

Überlegenswert ist, ob im einen oder anderen Fall eine Tabelle
oder Aufstellung folgen sollte, um Sachverhalte anschaulicher
zu machen.

========================================================================

Einbände, Titelseiten, Plattenetikette (Vorschau):

                   ===================================
                   Weitere Abbildungen in Vorbereitung
                   ===================================


Foto: Library of Congress, Washington, D.C. (Bearbeitung: DP)
Russischer Musikverlag (Édition Russe de Musique): Klavier-
auszug, mutmaßlicher Erstdruck 1913, Frontdeckel



Russischer Musikverlag (Édition Russe de Musique): Leihdirigier-
partitur 1921, Erstveröffentlichung des Partiturdrucks, Deckblatt
(Schwarzweißkopie)
Revidierte Fassung 1929: exakt gleiches Deckblatt
Stempel "E": Exemplar E? (Buchstabenzählung? Wenn ja, wohl ein
Hinweis auf einen vermutlich sehr kleinen Verleihbestand.)
Textstempel oben: Unverkäufliches Leih-Material [/] Eigentum des
Verlegers.
Textstempel Mitte: MATÉRIEL EN LOCATION SEULEMENT [/] PROPRIÉTÉ
DE L'ÉDITEUR



Russischer Musikverlag (Édition Russe de Musique): Leihdirigier-
partitur 1929, Neue Fassung 1929 (unvollständige "Revision" des 1921er Drucks), Titelseite
Originalfassung 1921: exakt gleiche Titelseite
Textstempel wie 1921 (siehe oben): Unverkäufliches Leih-Material [/]
Eigentum des Verlegers.
Beachte: Decklätter und Titelseiten der Drucke 1921 und 1929
weisen im oberen Teil zwar eine sehr ähnliche Gestaltung auf, doch
unterscheiden sich die Deckblätter von den Titelseiten durch andere
Drucklettern (Deckblatt 1921 = 1929 siehe oben).
Hinweis: Die zweite "9" der Jahreszahl "1929" wurde beim Kopieren
ungeschickter Weise abgeschnitten. Als Ersatz wurde per Bearbei-
tungsprogramm die erste "9" angefügt.



Le Sacre du Printemps, Igor Strawinsky, Orchestre Symphonique,
Columbia D 15.213, Seite 1, aus D 15.213/15.217, aufgenommen 1929
(in Paris), Erstausgabe dieser Einspielung, zweite Sacre-Aufnahme.
Erste Sacre-Aufnahme: Pierre Monteux (zum Etikett siehe Intro 7)
Dritte Sacre-Aufnahme: Leopold Stokowski (zum Etikett siehe unten)



Le Sacre du Printemps, Leopold Stokowski, Philadelphia Symphony
Orchestra, aufgenommen 1929/1930 (Victor, USA)
Electrola E.J. 627, Seite 4, aus E.J. 626/629, Schwarzetikett
(Nowawes-Adresse gültig bis 1932), deutsche Erstausgabe



Le Sacre du Printemps, Leopold Stokowski, Philadelphia Symphony
Orchestra, aufgenommen 1929/1930 (Victor, USA)
Electrola E.J. 626, Seite 1, aus E.J. 626/629, Rotetikett
(Nowawes-Adresse gültig bis 1932)





 








[sacre_01]

Online: 12.5.2013, Version: 7.38, Stand: 11.11.2019

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