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Kelkheim                                                   Pinnbrett - 1
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                           Pinnbrett


Frankfurter Allgemeine, Zeitung für Deutschland, Samstag, 9.11.2019,
Abteilung: Rhein-Main Zeitung, S. 56

Die Nazis und die Franziskaner
Von höv. [Jan Schiefenhövel]



Sagt der Artikel eigentlich irgendetwas? Wenn ja, was?

   Journalismus kann ein Kreuz sein, ein Kreuz auf dem gebeugten Kreuz.
Vor allem dann, wenn man auf einem Acker herumzackern will, der im Über-
maß teils aus Sumpf, teils aus Fels und Unkraut besteht. Eine halb ver-
steckte, halb verdorrte Herbstzeitlose kann da schon ein Aufblühen be-
deuten.
    Da machte also scheinbar die Stadt Kelkheim eine Pressemitteilung
zu einer Schenkung, einer Vermachung von Unterlagen, die ihr - wenn die
Nachrichten dazu stimmen, die man immer mal wieder liest - ohnehin
gehören oder irgendwann gehört hätten. Das aber trifft, wie am Schluß
des Beitrags zu sehen, offenbar nur auf einen Teil zugedachter Unter-
lagen zu, darunter: Schriftstücke zur von der Gestapo im Februar 1939
angeordneten Klosterräumung, "Überholung" genannt. Ja, wirklich: "Über-
holung" des Klosters, so hieß die Gestapo das, jedenfalls steht es so in
den dem Verf. vorliegenden Gestapo-Unterlagen dazu (Quelle: Bericht nach
Berlin vom 22.2.1939). "Überholung" wie man einen Motor eben auf Vorder-
mann bringt, genau so war das sicherlich (vieldeutig) gemeint. Auch der
SS-Bürgermeister verwendet übrigens den Begriff, vgl. hierzu dessen un-
datierten Bericht (nach 26.2.1939) an die Gestapo (S. [4] von 4 der un-
paginierten Abschrift auf Spruchkammerebene, zu dieser Abschriftfassung
siehe nachfolgend).
   Ein Kreuz ist nun in der Tat, daß das, auf das sich der größte und
eigentliche Teil des Artikels inhaltlich bezieht, zunächst einmal nur
eine Abschrift ist. Sie war im vorigen November bei einer Gedenkveran-
staltung zum Pogrom am 9. November 1938 ("Reichskristallnacht") im Ple-
narsaal des Kelkheimer Rathauses an einer Pinnwand angeheftet (aber gra-
vierend unvollständig und mit Schwärzungen versehen, siehe später). Mit
Erlaubnis des Bürgermeisters machte dieser Verf. von den angehefteten
und an einer Wäscheleine aufgehängten Dokumenten Fotos, wobei dem frisch
gebackenen Smartphoner bei den angehefteten, soweit sie die Schließung
des Klosters betrafen, etwas sehr Elektrisierendes auffiel, das nun
durch Schiefenhövels Artikel noch getopt wird. Allerdings: Eine Vermu-
tung zu Teilen der seltsamen Geschichte schwante diesem Verf. schon
lange.
   Um was geht es? Es geht um die mittels Fotokopien an einer Stellwand
angepinnte und damit bekannt gewordene maschinenschriftliche Abschrift,
neben der parallel eine Abschrift textlich "gleichen" Inhalts, aber klar
unterschiedlich abschriftlicher Entstehung existiert, wobei diese auf
der Spruchkammerprozeßebene als Unterlage herangezogen worden war. Die
simple Frage kann da nur lauten: Wo am Ort des Originals ist denn das
Original abgeblieben, das jetzt offenbar - unvollständig allerdings -
ersetzt wurde? Direkt nach dem Krieg jedenfalls war es und waren mit ihm
zahlreiche andere Dokumente mutmaßlich noch da. Oder entstanden damals
schon Abschriften von Abschriften? Was aber, überdenkt man die Zeit kurz
nach Kriegsende, ziemlich unwahrscheinlich ist. Wie auch immer, die bei-
den genannten Überlieferungszweige der Eingabe des SS-Bürgermeisters an
die Gestapo sind jedenfalls mit "Abschrift" gekennzeichnet. Es existiert
übrigens noch eine Abschrift, sie beinhaltet aber nur etwa die zweite
Hälfte der Eingabe, und diese Teilabschrift wurde sogar von einem Vor-
sitzenden der Spruchkammer Main-Taunus beglaubigt, der darüber hinaus
andernorts auch die Quelle angab, doch konnte dem bisher noch nicht
nachgegangen werden. 
   Spätestens hier ist also Quellenforschung in vollem Umfang der not-
wendig zu bahnende Weg im Gestrüpp. Doch ganz abgesehen davon, läßt sich
stellvertretend auch von dem angehefteten Abschrifttorso unzweifelhaft
ableiten, daß schon das Original ein massives Authentizitätsproblem auf-
weist, denn die drei NSDAP-Ortsgruppenleiter kommen nicht selbst, etwa
in beigelegten Schriftstücken, zu Wort, ihre Einlassungen werden viel-
mehr vom SS-Bürgermeister zitiert, eher "referiert", das heißt, er gibt
in seiner Zusammenschau in abschriftlicher Form drei Berichte wieder,
für die zu Beginn der jeweilige Ortsgruppenleiter als Urheber ausgewie-
sen ist, ihre Wiedergabe dann geschieht (geschickt!) in der Ich-Form.
Wiederum hat man es also mit Abschriften zu tun - zumindest oder vorgeb-
lich, denn es darf hierbei, vorsichtig formuliert, die besondere partei-
liche und politische Situation zu bedenken bzw. zu berücksichtigen,
nicht übersehen werden.
   Unerfindlich ist, wieso diese letztgenannten überdeutlichen Zusammen-
hänge Schiefenhövel beim Textstudium nicht auffielen - denn natürlich
gehören Hinweise auf solcherlei Bedingungen zum guten journalistischen
Ton unabdingbar dazu. Merke: Mit Naivität und gutem Glauben kommt man
bei Darstellungen von Ereignissen der nationalsozialistischen Zeit auf
dem oben angesprochenen Acker keine zehn Zentimeter weit (korrigierte
Fassung 19.11.2019, archiviert; erneute sprachliche Nachbesserung
4.12.2019, Fortsetzung folgt).

















[PS. Meiner schnellen amfmerksamen Informationsseele wie immer mein
herzliches Dankeschön; auf den Wink hin erfolgte der Kauf der
Samstag-FAZ am Kiosk an der Bockenheimer Warte dann auch eilig-
sten Fußes, 9.11.2019.] 

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Beim Herum-Googeln stieß dieser Verf. am 19.11.2019 gegen 1 Uhr nachts
auf die folgende Dokumentation. Die Zusammenstellung soll von März
(Teil 1) bzw. April (Teil 2) 2019 stammen. Teil 1 und 2 wurden technisch
als PDF-Dateien am 12.11.2019 ab 7 Uhr 57 erstellt, Teil 2 am 13.11.2019
abgeschlossen. Hier fürs erste der postwendende Sofort-Link. Eine genaue
Durchsicht erfolgt in den nächsten Wochen. Vorrangig wird allerdings an
dem obigen, am 9.11.2019 begonenen Text weitergearbeitet. Es gibt noch
manches zu sagen und, wie die erste Durchsicht dieser Dokumentation
zeigt, zu Recht.

Kelkheim in der NS-Zeit
1) Dokumentation der Ausstellung - Kelkheim im Dritten Reich - 1933-
1945, veranstaltet 1983 von Dietrich Kleipa.
2) Die Zeit des Nationalsozialismus in Kelkheim - Im Spiegel des
Höchster Kreisblatts - 1933-1941, beruht überwiegend auf der von
Dietrich Kleipa zusammengetragenen Sammlung. 
Beide Teile wurden von Monika Öchsner "erarbeitet" bzw. zusammenge-
stellt. 
Hier entsteht bei Verweisen ein quellenkritisches Problem, das
andernorts diskutiert wird. Wahrscheinlich wird mit einer Kurzform
wie "siehe Kleipa Ausstellung 1983, Kelkheim Internet-Fassung November
2019" und "siehe Kleipa HK-Sammlung, Kelkheim Internet-Ausgabe November
2019" dem Dilemma ausgewichen.

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[Stand der Arbeit am Höchster Kreisblatt für diese Dokumentation:
Bislang wurden 1864 ganzseitige PDF-Dateien (darunter gegentlich
auch Ausschnitte, Vergrößerungen) und mehr als 200 weitere Detail-
oder ganzseitige Papierkopien erstellt, Angabe zum Umriß der
Quellenarbeit in Vorbereitung, 21.11.2019.]

[pinnbrett]

Online: 10.11.2019, Version: 1.14, 4.12.2019

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Bearbeitungen und Kommentare (c) Diethelm Paulussen (siehe Titelseite)