Titelseite   Inhalt/Stichworte   Einführung   Neu
1931   1933   1934   1935   1936   1937   1938   1939   1940   1941   1942   1943   1944   1945   1945+
» » »   -1  -2  -3  -4  -5  -6
Themen   Fotos   Links   Abkürzungen   Gestaltungs- und Benutzungshinweise


Kelkheim                                                        1938 - 2
========================================================================


HK, Mittwoch, 20. April 1938, S. 8

Vorbemerkung (in Arbeit), Stichworte: Militaristisches, dilettantisches 
Geschichtsbild, Diskussion der Autorschaft (Authentizitätsproblem),
Spruchkammerakte des Pg. Pleines (zur Orthographie- und Formulierungs-
fähigkeit), Hinweis auf mögliche Hilfen, Überarbeiter (Ghostwriter-
Unterstützung?).

→ »»
Ein Gedenktag für unsere Heimat:

     Heute vor 90 Jahren fiel General von Gagern

     Ein Kämpfer für Deutschlands Größe — Die Beisetzung auf dem
                         Hornauer Friedhof

                   Von Martin Pleines, Kelkheim


               [Abbildung, zwischen Spalte 1 und 3]

     General von Gagern sinkt tödlich getroffen vom Pferd
(Nach zeitgenössischer Darstellung in der Frankfurter Paulskirche)


   Am 20. April, am Tage des Geburtstags des Führers, haben die
Bewohner des Kelkheimer Stadtteils Hornau {*1} auch Gelegenheit,
einen ihrer größten Söhne der Vergangenheit {*2} zum 90.
Todestag zu ehren. General Friedrich Balduin Freiherr v o n
G a g e r n  [von Gagern], geb. [geboren] am 24. Oktober 1794 in
Weilburg, Sohn des Staatsmanns Hans Freiherr v. [von] Gagern in
Hornau, fiel am 20. April 1848 als Befehlshaber der hess.=badischen
[hessisch-badischen] Bundestruppen im Kampf um Deutschlands Freiheit
gegen den von Hecker, Struwe und Robert Blum {*3} organisierten
Aufstand, im Gefecht bei Kandern in Baden.
   General von Gagern, der einem wahren Volksadel entstammt, lebt in der
Geschichte weiter. Bei den Bewohnern Hornaus galt er als Liebling der
Gemeinde unter dem Namen Gagern=Fritz. Seine Grabstätte, eine Stelle
"Fritzens=Ruhe" und sonstige Erinnerungen wie ein über seine Hornauer
Heimat gedichtetes Lied, leben in der Chronik für Hornau weiter. 

   Als 18jähriger folgte er dem Zuge seines Herzens und machte mit dem
Regiment Reichsdragoner seinen ersten Feldzug als Gefreiter gegen
Rußland mit, wo er bei Pincks {*4}, dem Ziel seines Zuges, gerade noch
der Gefangenschaft entging.

   1813 bei der Wendung der deutschen Geschicke gegen Frankreich, hatte
er das Glück, unter Giuley {*5} mit dem Schwarzenbergischen Heer {*6}
die Schlachten von Kulm, Dresden und Leipzig mitzumachen.

   Für die Denk= und Gemütsart des Jünglings ist bezeichnend, daß ihm
unter den zahlreichen Erinnerungen jener ruhmvollen Kämpfe das
Andenken folgender einfachen Begebenheit das liebste und lebendigste
war: Nach einem schweren Marsch machten die Truppen spät abends und zwar
am Vorabend der großen Schlacht bei Leipzig Halt. Sofort wurde den
Soldaten der Befehl, Holz zu fällen und von Stämmen und Zweigen den
Offizieren Hütten zu bauen, gegeben. Da trat aber der junge v. [von]
Gagern, der erst einige Tage zuvor Offizier geworden [war], hervor
und gab zu bedenken, daß die Soldaten sehr erschöpft seien, und[,] um
dem bevorstehenden Kampf gewachsen zu sein[,] der noch übrigen
Nachtstunden zur Erholung bedürften. Diese Bemerkung konnte nicht
zurückgewiesen werden und die Offiziere schliefen um die Wachtfeuer
ohne Bedachung ein.

   Der Siegeszug durch die deutschen Gaue {*7} führte ihn auch über
Höchst und Mainz an seiner Hornauer Heimat vorbei. In der Schlacht
bei Waterloo wurde er mit seinem damals 16jährigen Bruder Heinrich {*8}
als Hauptmann schwer verwundet {*9}. Bei der Einnahme von Paris waren
beide wieder soweit hergestellt, wenn auch noch mit verbundenen
Wunden[,] um mit dem noch hinzugekommenen dritten Bruder Karl {*10}
an der Seite des Vaters den Einzug in Paris mitzuerleben {*11}.

   Bald nach Beendigung des Krieges widmete sich [Friedrich] von Gagern
der militärischen Laufbahn. Auch Wissenschaft und Dichtung waren
Wegbegleiter seines Lebens. Aus vielen von seinen Dichtun=

[Spalte 2]

gen spricht eine besondere Lebensauffassung und zwar folgende:

   Wenn alle auch schon mutlos zagen,
   dem Besten selbst die Hoffnung schwand,
   dann sollst Du noch mit fester Hand
   des Rechtes fliegend Banner tragen.
   [                                                  ]
   Und will das Glück dann um die Stirn des Schlechten,
   schmachvollen Sieges dürre Kränze flechten,
   auch ohne Lorbeerkranz ist der ein Held,
   der für die gute Sache steht und fällt.

   Als von Gagern 1847 von einer 3jährigen Expedition nach Java und
Holländisch=Indien zurückkehrte und zu einem längeren Erholungsurlaub
bei seinen Eltern in Hornau weilte, nahmen die politischen Ereignisse
in ganz Deutschland einen bedrohlichen Charakter an.
   Nach der Ueberzeugung der bewährtesten Kenner der Landesverhältnisse,
daß die ganze Kraft eines erfahrenen und zugleich in politischen
Dingen freiblickenden militärischen Führers erforderlich schien, wandte
ganz Deutschland seinen Blick auf den in Hornau weilenden General von
Gagern. Er folgte dem Ruf der badischen Regierung und übernahm das ihm
anvertraute Amt.
   An der Spitze seiner Truppen versuchte von Gagern am 20. April 1848,
nachdem eine Waffenentscheidung unaufhaltsam erschien, noch einmal den
Führer der Aufständigen[,] Dr. Hecker[,] zur Niederlegung der Waffen zu
bewegen. Als diese Aufforderung ergebnislos verlief, gab General von
Gagern den Befehl loszuschlagen. Die ersten Schüsse der Aufständigen
trafen den General und er stürzte zu Tod getroffen vom Pferd. Der Tod
des Generals gab zugleich das Signal zum Ansturm. Die Truppen
durchbrachen die Reihen der Feinde. Der Anführer Hecker riß aus über den
Rhein, um sich durch die Flucht nach Amerika zu retten. In kurzer Zeit
war die Ruhe im Lande wieder hergestellt.
   Der tote General von Gagern wurde im Schloß in Darmstadt aufgebahrt
und am 1. Mai unter hohen militärischen Ehren auf dem heimatlichen
Bergfriedhof in Hornau zur letzten Ruhe bestattet.
   Hier hat die Liebe und der Stolz der Eltern und Geschwister des
Generals ihm ein Denkmal gesetzt. Auf einem Granitsockel ruht ein
quadratischer Würfel, als Träger von Schwert und Eichenzweig über
Kreuz gelegt, beides überragt von einem hohen antiken Helm. Auf der
Vorder=

[Spalte 3]

seite des Würfels stehen Namen, Geburts= und Todestag und die Orte
der hauptsächlichen militärischen Erinnerungen gleich Marksteinen seines
Lebens. Auf der südlichen Seite des Würfels finden wir den Spruch in
griechischer Schrift, den der General seinem Bruder Heinrich widmete,
als dieser ihm die Nachricht zur Uebernahme der badischen Armee brachte:
"Freund, ja mein ist das Los, ich freue mich dessen." Auf der
entgegengesetzten Seite finden wir den Spruch, den General von Gagern
seinem Bruder Max nach schweren Erlebnissen in sein Gedenkbuch
eingetragen hat: "Auf, sei stark, da die Sterblichen sind von Gottes
Geschlechte."
   Eine Sphynx blickt unter dem Kamm des Helms vom Grab des Generals
hinüber zum nahen Staufen, wo einst die Gebrüder von Gagern den Bund
der Widmung für die Größe des Vaterlandes geschlossen haben; sie
scheint zu fragen nach dem Sinn der Freude des Bruders über das
gefallene Los und nach dem Preis seines dahingegebenen Lebens.
   "Doch was der Brüder Eintracht sich versprach, das klingt noch
immer in der Seele nach und wie die Inschrift in den Stein gegraben,
besteht das Wort, das wir zum Bund uns gaben."
   Das war von Bruder zu Bruder gesprochen. Aber des Vaters so voll
berechtigte Mahnung, die er in den nachstehenden Worten an seine
Trauerklage knüpfte, galten der Nation und ihren Lenkern für alle
Zeiten: "Möge denn der Geist meines dahingeschiedenen Sohnes über euch
schweben, der keinen heißeren Wunsch hatte, als Stärke, Einheit und
Wohlfahrt seines weiteren Vaterlandes." {*12}

       Ein zeitgenössischer Bericht über die Ueberführung
                der Leiche aus dem Jahre 1848:

   Das "Frankfurter Journal" {*13} schreibt unter dem 2. Mai 1848
folgendes:

   Heute Vormittag früh 9 Uhr wurde die Leiche des Generals von Gagern
vom Darmstädter Hof aus, wo sie seit gestern beigesetzt gewesen [? auf-
gebahrt war], nach H o r n a u [Hornau] dem Familiengut des Verewigten
abgeführt, der Fünfziger=Ausschuß der Bundes=Militärkommission {*14},
Mitglieder der hiesigen Behörden, die Quartier=Schutzwachen mit ihren
Fahnen, 50 Ordner des Zuges usw. schlossen sich der Leichenbegleitung
an. Zur militärischen Eskorte war die gesamte Stadtwehr, worunter 2
Batterien mit 8 Kanonen und das Linienmilitär ausgerückt {*15}. Auf der
Chaussee nach Höchst

[Spalte 4]


                           [Abbildung]

                   Der Grabstein des Generals
                   auf dem Hornauer Friedhof.
                          2 Aufnahmen: H. K.=Bildarchiv.


angekommen, wurde der Leichenwagen von der Bürgerkavallerie in
Empfang genommen und bis nach Hornau geleitet. Es war ein Leichenzug,
wie ihn Frankfurt seit langem nicht gesehen [hatte], imposant und
ergreifend zugleich und ganz würdig des Mannes, in welchem Deutschland
einen seiner edelsten Söhne betrauert.
   "Didaskalia" {*16} schreibt unter dem 3. Mai 1848 folgendes:

   Friedrich Balduin Freiherr von Gagern.
   (Nach Hornau geleitet am 1. Mai 1848.)

   Ins stille Schattenreich wies früh dein Pfad,
   Doch morgenhell im Frühling glänzt die That,
   Und Frankfurt feiert heut, bei Lenzesweh'n
   In Aller Herzen F r i e d r i ch ' s [Friedrich's] Aufersteh'n.

   Sieh, her von deinem Stern auf unsern Zug!
   Zollt dir das Vaterland nicht Preis genug? —
   Du, von Verrat umlauert, treu und mild,
   Bleibst uns ein Stern, ein leuchtend Heldenbild.

   Auch ich hatt' einst gekannt dich, der zur Huth
   Der Trefflichste, voll Edelsinn und Muth;
   Versöhnlich Herz, dich machte F r i e d e  r e i ch [Friede
   reich] {*17},
   Ein G a g e r n [Gagern] du, und Wenige dir gleich!

                                        G. v. M.
«« ←

Textvergleich(e): 4 (20.7.2014, 11.8.2014, 3.4.2017, 7.2.2018)


          ==============================================


HK, Samstag, 28. Mai 1938, S. 7

→ »»
         Grenzsteine als Denkmäler vergangener
                          Jahrhunderte

             Geschichtliches aus dem Stadtgebiet Kelkheim

                     von Martin Pleines, Kelkheim.


   Mancher Heimatbewohner stößt bei seinen sonntäglichen Spaziergängen
durch Feld und Wald auf Grenzsteine mit für ihn geheimnisvollen
Bezeichnungen. Der Heimatforscher Rich. [Richard] Zorn in Hofheim hat in
seinem umfassenden Werk über die Grenzsteine des Rhein=Main=gebiets {*1}
dieses Sondergebiet der geschichtlichen Forschung eingehend behandelt
und bis auf wenige Zweifelsfragen geklärt und erläutert. Mit seiner
Erlaubnis veröffentlichen wir heute einige Abbildungen aus seinem Werk
aus der Gemarkung der jetzigen Stadt Kelkheim {*2}, die uns mancherlei
Aufschluß über die Besitzverhältnisse in vergangenen Jahrhunderten
geben.
   Wie bekannt, schenkte im Jahre 874 eine edle Dame namens Roudelint
mit Zustimmung König Ludwigs {*3}, die beiden Orte Kelkheim und Hornau
dem Bartolomäusstift in Frankfurt, das sie auf dem Dinghof {*4} in
Hornau zu einer Vogtei [Druckfehler: Vogteil] zusammenfaßte. Ein
Original dieser Urkunde befindet sich im Reichsarchiv in München.
   Nach einem Gerichtsbuch aus dem Jahre 1445 waren die G r e n z e n
[Grenzen] folgende: "Der Bezirk der Vogtei Hornau und Kelkheim ging an
uff der Beidenauer Furt, von der Fu[r]t hinauf bis uff die Au, von der
Au bis uff den Gräberwald, von dem Gräbe[r]wald der Hege nach biß [sic]
uff der Straße, die von Hofheim nach Königstein gehet, von der Straße
bis uff den Pfad[,] der von Hornau nach Altenhain gehet, von dem Pfad
bis uff den Dicknet und [die] Schauberwiese, von dem Dicknet bis uff
den Knädchen, vom Knädchen


                          [2 Abbildungen]

          Grenzstein Oberliederbacher Mark und Gundelhard,
          Rückseite Hessen Darmstadt

          Grenzstein Oberliederbacher Mark und Gundelhard,
          Rückseite Chur-Mainz und Münster


bis uff die Rosenhecken, wo zu linker Hand ein Hegestock stehet, von dem
Hegestock fort bis uff die Straße, die von Hofheim nach Soden gehet[,]
von der genannten Straße fort bis uff den Hühner=Birnbaum, vom
Hühner=Birnbaum bis uff die Pflege, die Weingärten genannt, von der
Pflege bis uff die Schmähe und weiße Erde, von der weißen Erde fort bis
uff die Mainzerlandstraße, wo sich zur rechte ein Bildstock befindet,
von dem Bildstock hinab bis uff die Bach, von der Bach fort bis uff den
Münsterer Pfingsteborn, vom Pfingsteborn fort bis uff die Ecke vom
Junkerswald, von dem Junkerswald der Hege nach bis uff den Gimbacher
Weg, von dem Gimbacher Weg bis uff den Galgenweg, von dem Galgenweg bis
uff die Liederbacher Waldmark, der Reißig genannt, von dem Reißig fort
der Hege nach bis uff die Sulzbacher Waldmark und die Braubach, von der
Braubach über die Wiesen bis uff die Ecke des Heinerberg, allda sich zur
rechten Hand der Rotenberg befindet, dann fort der Hege nach bis uff die
Ecke des genann=

[Spalte 2]


                          [2 Abbildungen]

          Grenzstein Oberliederbacher Mark und Stift
          Bartholomäus, Frankfurt[, Vorder- und Rückseite]

          Grenzstein der Oberliederbacher und Sulzbacher
          Mark[, Vorder- und Rückseite]


ten Wald und die Braubachwiesen, von der Ecke fort bis uff die
Beidenauer Furt, da der Bezirk angefangen hat."     
   Es ist interessant, daß man die Grenze des obengenannten Bezirks
heute noch durch ihre alten Grenzsteine verfolgen kann. Als älteste
Grenzsteine dürften die in der Kelkheimer Waldgemarkung "Dicknet"
befindlichen 5 grauen Sandsteine in der Größe 26x21x40 Ctm. [Zentimeter]
gelten mit den Buchstaben SBF (Stift Bartholomäus Frankfurt) und
darunter eine Glocke als Zeichen des Stifts. Die Rückseite enthält die
Buchstaben OLM (Oberliederbacher Mark).

[Spalte 3]

Diese Granzsteine hatten Geltung von 874 bis 1590 und dürften ein Alter
von über 1000 Jahren haben.
   An der Waldgrenze von Hornau und dem Sulzbacher Wald befinden sich
Steine mit der Bezeichnung OLM und auf der Rückseite[ ]SBM (Sulzbacher
Mark[)]. Weiter finden wir in der Gemarkung Kelkheim—Münster noch
Grenzsteine mit den Zeichen OLM und GH (Oberliederbacher Mark[)] und auf
der Rückseite HD (Hessen=Darmstadt) oder Gundelhard {*5}, CM und MSR
(Chur=Mainz und Münster). An der Gemarkungsgrenze Münster—Niederhofheim
stehen Steine, die das Kurmainzer Rad und das Wappen des Freiherrn von
Kniestett tragen oder das Wappen dessen Nachfolgers von Bettendorf sowie
des Grafen von Coudenhofe.


                          [Abbildung]

             Grenzstein "Franziskus von Cronberg"
              zwischen Münster und Niederhofheim
                            9 Zeichnungen: R. Zorn.


   Ferner finden sich in Münster Steine des ehem. [ehemaligen] Fronhofs
mit der Bezeichnung F V C, einer Krone und der Jahreszahl 1591. Sie
weisen auf Franziskus von Cronberg hin, der zum sogenannten
"Kronenstamm" gehörte — im Gegensatz zu einer Seitenlinie, dem
sogenannten "Flügelstamm". Einer dieser Steine ist in der Nordseite der
Münsterer Schule eingemauert {*6}.
«« ←

Textvergleich(e): 2 (8.4.2017, 7.2.2018)





[1938_2]

Online: 18.4.2017, Version: 1.00, 18.4.2017

Nach oben

Bearbeitungen und Kommentare (c) Diethelm Paulussen (siehe Titelseite)