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Kelkheim                                                        1938 - 4
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HK, Mittwoch, 24. August 1938, S. 4, Rubrik: Aus dem Main=Taunus=Kreis

Vorbemerkung (In Arbeit)

→ »»
           Kelkheims neuer Bürgermeister
            wird heute abend in sein Amt eingeführt.

   kf. Der Verwaltungsoberinspektor Willi G r a f [Graf] von der
städtischen Verwaltung in Frankfurt a. M. [am Main] ist auf Vorschlag
des Beauftragten der NSDAP und mit Genehmigung des Regierungspräsidenten
in Wiesbaden vom Landrat des Main=Taunus=Kreises zum hauptamtlichen
Bürgermeister der Stadt Kelkheim ernannt worden. Heute abend findet
im Kelkheimer Rathaus in einer Sitzung der Ratsherren in Anwesenheit
des Landrats des Main=Taunus=Kreises Dr. J a n k e [Janke] und dem [sic]
Beauftragten der NSDAP, Kreisleiter S ch e y e r [Scheyer][,] die
feierliche Amtseinführung statt.

                               *

   Der Verwaltungsoberinspektor Willi Graf ist am 28. Mai 1902 in Bad
Homburg v. d. H. [vor der Höhe] geboren. Am 1. Mai 1920 trat er in
die Dienste der Stadtverwaltung Frankfurt a. M. [am Main] und war dort
beschäftigt bei der Stadthauptkasse, beim Versicherungsamt, und
Wohlfahrtsamt.
   Bei der Machtübernahme im Jahre 1933 wurde er von der NSDAP als
Gauamtsleiter zur NSV. abkommandiert, bei der er heute noch das Amt
eines Hauptstellenleiters versieht. Pg. Graf ist seit 1928 Mitglied der
Bewegung und Oberscharführer der SS {*3} {*4}.
«« ←

Textvergleich(e): 3 (5.4.2017, 21.9.2017)

   {* }

   {* }

   {*3} "SS" als Runen

   {*4} Zum "Werdegang" des SS-Bürgermeisters seit 1938 siehe Datei
        "1934", dort: Fußnote zum NSDAP-Ortsgruppenleiter Leo Claas.
        Graf muß aber nicht nur im Zusammenhang mit Leo Claas gesehen
        werden, sondern auch im Zusammenhang mit dem NSDAP-Bürgermeister
        Jakob Rittgen und dem NSDAP-Ortsgruppenleiter Georg Seebold 5.
        (zu diesen siehe ebenfalls "1934").


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HK, Donnerstag, 25. August 1938 (Nr. 197), S. 4

→ »»
     Der Möbelstadt Kelkheim erster Bürgermeister

            Amtseinführung in feierlicher Ratsherrensitzung

            [Die beiden nachstehenden Fotos nebeneinander.]

Die Amtseinführung durch Handschlag.— Neben dem Landrat Kreisleiter Scheyer und Ortsgruppenleiter Seebold. Aufnahme: Bauer. {*1} [Unter ihrem Führer, nun der Führer Großdeutschlands, im Sitzungssaal des (alten) Rathauses, Hauptstraße 7: Willi Graf, Dr. Ernst Janke, Karl Scheyer, Georg Seebold 5. Blumenschmuck und Lorbeergewinde wohl von der Gärtnerei Peter Buchsbaum, Nach dem Busch 6, vielleicht aber auch von Hermann Engel, Herrnwaldsiedlung, der noch 1949 auf einer per Post verschickten Ansichtskarte mit der Adolf-Hitler-Straße drauf "Herzliche Grüße Hermann Engel + Frau" flötete. Beachte auch den NS-Doktorhut: den Winkel des Alten Kämpfers auf dem rechten Ärmel.] Der neue Bürgermeister Willi Graf. Aufnahme: Foto=Harz. {*2} [Kelkheim: Damals in Annoncen gefeiert als die jüngste Stadt Deutschlands.]
b. {*1} Die durch ihre Möbelindustrie weit über die Grenzen von Deutschland hinaus bekannte Stadt Kelkheim im Taunus, die erst vor wenigen Monaten nach den Eingemeindungen von Münster und Hornau zur Stadt erhoben wurde, hat jetzt ihren ersten hauptamtlichen Bürgermeister als Stadt erhalten, der in einer feierlichen Ratsherrensitzung im geschmückten Saal des Rathauses in sein Amt eingeführt wurde. Die feierliche Einführungssitzung wurde vom Ortsgruppenleiter und 1. Beigeordneten S e e b o l d [Seebold], der auch über ein Jahr die Geschicke der Stadt als stellvertretender Bürgermeister in vorbildlicher Weise leitete, mit Begrüßungsworten eröffnet. Der Ortsgruppenleiter betonte, daß es für Kelkheim eine historische Stunde sei, wenn erstmals ein hauptamtlicher Bürgermeister die Leitung der Stadt übernimmt {*3}. Die gesamte Einwohnerchaft setze das größte Vertrauen in den neuen Bürgermeister, da das Wohl und Wehe der ganzen Gemeinde in seiner Hand liege. Die Bürgerschaft hoffe, daß die Geschicke Kelkheims nach nationalsozialistischen Gesichtspunkten geleitet würden. Sodann verlas der Ortsgruppeneleiter die Ernennungsurkunde der Regierung {*4}. [Spalte 2] Landrat Dr. J a n k e [Janke] dankte zunächst dem Beigeordneten Seebold für seine tatkräftige und eifrige Führung der Geschäfte als stellvertretender Bürgermeister. Sodann hob er hervor, daß in Kelkheim noch erstklassige Aufgaben zu lösen seien. Der neue Bürgermeister müsse aus den drei zusammengeschlossenen Orten Kelkheim, Münster und Hornau eine Stadt aufbauen, zu der alle Voraussetzungen gegeben sind. Er wies in erster Linie auf die Möbelindustrie hin, die als Rückgrat der Gemeinde besonders gehegt und gepflegt werden müsse. Ferner komme die Landwirtschaft und [die] übrige Industrie hinzu. Er erwähnte weiter, daß das große Gelände, das ein umfangreiches Siedlungsprogramm gewährleiste, [vorhanden sei], zumal die herrliche Lage Kelkheims und das gesunde Klima das Wohnen hier zur Freude machen {*5}. Schließlich spiele der mustergültige Obstbau auch eine nicht zu unterschätzende [Rolle als] Einnahmequelle, die noch erweitert werden könne. Eine der größten Aufgaben der Nächstzeit aber sei es auch, die Menschen, die früher drei selbständige Gemeinden bildeten, zusammen zu führen. Mit dem Wunsch ersp[r]ießlicher Arbeit übergab der Landrat dem neuen Bürgermeister sein verantwortungsvolles Amt. [Spalte 3] Die Glückwünsche der Kreisleitung überbrachte Kreisleiter S ch e y e r [Scheyer], der den neuernannten Bürgermeister schon aus der Kampfzeit her kennt, er hob hervor, daß dem neuen Stadtoberhaupt ein schönes Aufgabengebiet zugefallen sei und daß er es seinem Können zutraue, daß er die Stadt in ihrer Entwicklung noch weiter emporführe. Am Schluß seiner Ansprache bat der Kreisleiter die Ratsherren, daß sie wie seither stets treue Ratgeber und Helfer sein mögen. Bürgermeister Willi Graf dankte mit herzlichen Worten für das Vertrauen, das man ihm mit seiner Wahl bewiesen [habe]. Er versprach, sich dieses Vertrauens würdig zu erweisen und seine ganze Kraft und Person dem Wohl der Stadt zu widmen. Er werde die Stadt auch weiterhin in nationalsozialistischem Sinne ausrichten und erbat dazu die Mitarbeit der gesamten Gemeinde zum Wohl und Nutzen aller. Nach der Verlesung des Protokolls schloß Landrat Dr. J a n k e [Janke] die denkwürdige Sitzung mit dem Treuegelöbnis zum Führer, worauf die Anwesenden die Nationalhymnen {*6} sangen. H. B. [Bauer] {*1} «« ← Textvergleich(e): 3 (4.4.2017, 21.9.2017) {*1} Heinrich Bauer jun. (Näheres siehe andernorts) Zum Foto: Die Reproduktion gibt die im Höchster Kreisblatt erschienene Abbildung vollständig wieder, das heißt, daß der "Führer und Reichskanzler des deutschen Volkes" wie eine Ne- bensache - nämlich ohne Kopf - abgebildet ist, war damals sicherlich eine Seltenheit. Eigentlich müßte diese Wiedergabe als ein Affront sondergleichen aufgefaßt worden sein. Man kann sich Szenen vorstellen, ein Hantieren mit viel Krampf, Stammeln und dem vielfach wiederholten Hinweis auf ein höchstbedauer- liches Versehen. Bilderausstattung der beiden Sitzungssäle Anläßlich der NS-Stadtgründung waren Inventarverzeichnisse ange- fertigt worden, so auch für jeden der beiden Sitzungssäle - also für den großen wie für den kleinen -, wobei für Wertangaben zwei Rubriken vorbereitet waren: "Anschaffungswert" und "jetziger Wert", doch wurden unter "Anschaffungswert" keine Angaben einge- tragen. Die Ausschitte unten zeigen die Angaben zu den Bildern, beachte: das sind Zitate. Aus: Inventarverzeichnis kleiner Sitzungssaal U.a. 7 Stühle, 1 Aschenbecher Jetziger Wert 1 Bild des Führers 5.- RM 1 Bild von Generalfeldmarschall Göring 3.- [Februar 1938 zum Generalfeldmarschall befördert] 2 Bilder von Kelkheim und 1 Bild "Schiff Kelkheim" 9.- [MS = Motorschiff, Ansichtskarte wird hier bei Gelegenheit in der Abteilung "Fotos" wiederge- geben.] Aus: Inventarverzeichnis großer Sitzungssaal U.a. 15 Stühle, 9 Hocker, 6 Aschenbecher 1 Bild von Kelkheim 300.- RM {*a} 1 Bild des Führers 30.- [Offenbar im Goldrahmen, siehe Foto] 1 Bild des Generalfeldmarschalls Hindenburg 30.- {*a} Fiedler-Holzhalle entlarvt eine Fälschung ================ In Überarbeitung ================ {*2} Foto Harz in Höchst {*3} {*4} Gemeint ist die "Landesregierung" in der Person des Regie- rungspräsidenten "von Pfeffer", so zeichnet er jedenfalls in dieser Zeit; ob "von Pfeffer" immer so seltsam zeichnete, ist nicht bekannt, denn eigentlich heißt er Friedrich (Fritz) Pfeffer von Salomon (zur Biographie dieses "gepfefferten" Nationalsozialisten siehe Wikipedia). {*5} {*6} Deutschlandlied, Horst-Wessel-Lied =======================+======================= Der Handschlag - ein Exkurs (In Vorbereitung) → »» Der Regierungspräsident {*1} Wiesbaden, den ...4. März...... 193 8. I 2 Nr.294. Luisenstraße 13. [...] [...] An Dringend ! den Herrn Landrat, Frankfurt a.M.-Höchst. Betr. Besetzung der Bürgermeisterstelle der Stadt Kelkheim. ------------ Wie ich mit meiner Verfügung vom 25. Februar 1938 - I 2 Nr.484 - mitgeteilt habe {*2}, ist der Gemeinde Kelkheim das Recht verliehen worden, vom 1. April 1938 ab die Bezeichnung Stadt zu führen. Damit liegt nach § 41 DGO. {*3} die Berufung des Bürger- meisters der Gemeinde Kelkheim mir ob. Da die Frist zur Bewer- bung um die Bürgermeisterstelle auf Grund der im RMBliV.Sp. 212 t/212 u {*4} erfolgten Stellenausschreibung abgelaufen ist, ersu- che ich dafür Sorge zu tragen, dass die Bewerbungsgesuche unver- züglich dem Beauftragten der NSDAP. für den Main-Taunuskreis {*5} zugefertigt werden und dass dieser mir alsbald seine Vorschläge über die Besetzung dieser Stelle nach zuvoriger Beratung mit den Gemeinderäten durch Jhre Hand vorlegt {*6}. Nach den Weisungen des Stellvertreters des Führers sind drei Vorschläge zu machen {*7}. Diese Vorschläge sind mir dann unter Beifügung sämtlicher ein- gegangener Bewerbungsgesuche und einer beglaubigten Abschrift der Niederschrift über die Beratung mit den Gemeinderäten sowie mit Ihrer Stellungnahme alsbald vorzulegen {*8}. Wenn irgend möglich, muss die Stelle bis zum 1. April 1938 besetzt werden. Anzugeben bleibt noch, ob die Stelle nunmehr frei ist, was Voraussetzung für die Neubesetzung ist. Notfalls müsste sie [Seite 2 = Rückseite] sie dadurch frei gemacht werden, dass in Bad Soden auf die Zurücknahme der Berufung des Bürgermeisters Rittgen verzichtet wird {*9}. J.A. gez.von Baerensprung. {*10} [Adler-Hakenkreuzstempel, rund, Fraktur, dunkelblau:] Regierung des Reg.-Bez. Wiesbaden + Kanzlei + [Stempel, Fraktur, dunkelblau:] Beglaubigt: [gez., Tinte, blau] [Unleserlich] {*11} [Stempel, Fraktur, dunkelblau:] Regierungs= [handschriftlich, wie oben:] Ang. [Angestellte(r)] «« ← Quelle: HHStAW 425,3941 Textvergleich(e): 4 (17.10.2018, 28.10.2018) {*1} Formblatt, DIN A4, Schreiben: maschinenschriftlich, zweiseitig, diverse Stempel und Abzeichnungen. Nachzeichnung: Gedrucktes kursiv, Wiedergabe der Stuktur am Original eng angelehnt, Haupttext zeichengetreu, allerdings ein- gefügte Fußnotenkennzeichnung, Vertikal- und Zeilenabstände aus Platzspargründen nach freiem Ermessen bzw. nicht berücksichtigt. Lage der Abzeichnungsstempelei: Hakenkreuzstempel in der Mitte, die beiden anderen rechts daneben. Eingangsstempel: Kreisausschuss, Frankfurt/M.-Höchst, 5.3.1938 {*2} Weitere Fußnoten in Abeit -----&----- HK, Mittwoch, 25. Mai 1938, S. 3 → »» Die Amtszeit Landrat Dr. Jankes um ein Jahr verlängert Glückwünsche der Kreisbeamten und =angestellten. Die Reichsregierung hat auf Antrag des Reichsministers des Innern und des Preuß. [Preußischen] Ministerpräsidenten {*1} die Amtszeit des Landrats Dr. Janke um 1 Jahr bis zum 31. Mai 1939 verlängert. Da dieser im Mai das 65. Lebensjahr vollendet, wäre er am 1. Juni ds. Js. [des Jahres] in den Ruhestand getreten. Die Ausnahmebestimmung des Deutschen Beamtengesetzes ist hier zum ersten Mal auf einen Landrat angewendet worden. [Spalte 1] Im ganzen Main=Taunus=Kreis und auch in der alten Stadt Höchst {*2} wird diese Nachricht freudig begrüßt werden, hat es Landrat Dr. Janke doch durch sein soziales Verständnis und seine stete Hilfsbereitschaft verstanden[,] sich die Wertschätzung und Zuneigung weitester Bevölkerungskreise zu erwerben. Wie schon kürzlich berichtet {*3], ist der Main=Taunus=Kreis unter seiner Führung in erfreulicher Weise aufgeblüht, so daß er heute zu den finanziell kräftigsten Kreisen des Regierungsbezirks zählt. Aus seinem Leben seien kurz einige Daten festgehalten: Landrat Dr. Ernst Janke ist in der alten Nettelbeckstadt Kolberg a. d. [an der] Ostsee geboren, studierte die Rechtswissenschaften in Heidelberg, Berlin und Greifswald, war als Gerichtsreferendar und Gerichtsassessor in seiner Heimat Pommern tätig und trat dann zur Kommunalverwaltung über. Er war zuerst von 1904-1911 Bürgermeister der Stadt Treptow a. d. {an der] Rega (Pommern), von 1911 bis 1919 Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister der alten Stadt Höchst a. M. [am Main], bis er von der französischen Besatzungsbehörde ausgewiesen wurde {*4]. Dann war er 4 Jahre als [Spalte 2] als Referent im Reichsministerium des Innern tätig und trat dann auf seinen Wunsch wegen der politischen Verhältnisse aus {*5}. Er vertrat während dieser Zeit Rechtsanwälte. Am 1. April 1933 wurde er vom Preuß. [Preußischen] Ministerpräsidenten {*6} zuerst zum kommissarischen Landrat und dann endgültig zum Landrat des Main=Taunus=Kreises berufen. Dieses Amt hat er also jetzt 5 Jahre zum Wohl des Kreises verwaltet. * Heute vormittag {*7} versammelte sich die gesamte Belegschaft der Kreisverwaltung und Assessor Dr. S i e w e r t [Siewert] {*8} gab mit den Glückwünschen der Belegschaft der Freude Ausdruck, daß sie nun ein weiteres Jahr unter [der] Führung Dr. Jankes an den Aufgaben des Kreises mitarbeiten können. Auch in den Ansprachen des Obmanns der Beamten, Inspektor B o h l e [Bohle] {*9}[,] und des Obmanns der Angestellten[,] J u n g [Jung] {*10}[,] sowie des Medizinalrats Dr. S t a m m [Stamm] {*11} als Leiter des Staatl. [Staatlichen] Gesundheitsamts kam die Freude über diese Entscheidung der Regierung in herzlicher Weise zum Ausdruck. «« ← Textvergleiche(e): 4 (9.6.2017, 13.6.2017, 14.9.2017, 19.5.2018) {*1} Fußnoten in Arbeit -----&----- → »» Der Oberbürgermeister {*1} Frankfurt a.M., d. 27. Mai 1938 {*2} P e r s o n a l a m t Bethmannstrasse 3,I. [Personalamt] IV S/R. Betr.: Verwaltungsoberinspektor G r a f . [Graf.] Vorg.: Ihr Schreiben vom 19·5·1938 - Tgb.A. Nr. 551 -. Auf Ihr Schreiben vom 19.5.1938 teile ich Ihnen mit, dass ich die Personalakten des Verwaltungsoberinspektors G r a f [Graf] bei der Staatspolizeileitstelle Karlsruhe, wohin sie inzwischen von dem Reichsführer - SS abgegeben worden sind, angefordert habe. Ich werde Ihnen die Akten sofort nach Eingang zusenden. In Vertretung {*3} An den [gez. (Kürzel, unbekannt)] Landrat des Main-Taunus-Kreises Frankfurt a.M. - Höchst Kreishaus, Bolongarostrasse 101. «« ← Quelle: HHStAW 425,3941 Textvergleich(e): 5 (15.5.2018, 18.5.2018, 19.5.2018, 11.7.2018) {*1} Maschinenschriftliches Schreiben, DIN A5, Antiqua. Abschrift: Nachzeichnend, außer: Zeilenabstände nur nachempfindbar, im Fließtext freier Zeilenbruch. Eingangsstempel: Kreisausschuss, Frankfurt/M.-Höchst, 30. Mai 1938 {*2} "27." mit Violettstift eingetragen. {*3} Grauer Stempel, Fraktur. -----&----- → »» Der Oberbürgermeister {*1} Frankfurt a.M., den 13 Juli 1938 {*2} P e r s o n a l a m t Bethmannstr. 3, I. [Personalamt] IV/Si/B Betr.: Personalakten des V.O.I. Willi GRAF. Auf Ihr Schreiben vom 21· 6·1938 an den Herrn Reichsführer der SS. und Chef der Deutschen Polizei. Der Reichsführer der SS. und Chef der Deutschen Polizei, Berlin, hat mir mitgeteilt, dass er die Staatspolizeistelle München angewiesen habe, die Personalakten des V.O.I. GRAF umgehend der Stadtverwaltung zurückzusenden. Unter Beziehung auf Ihr obenbezeichnetes Schreiben und Ihr an mich gerichtetes Schreiben vom 6. 7.1938 gebe ich Ihnen hiervon mit dem Bemerken Kenntnis, dass ich die Staatspolizeistelle München auch von hier aus noch um alsbaldige Uebersendung der Personalakten gebeten habe. Sobald die Akten hier eingegangen sind, werden sie Ihnen übersandt werden. Im Auftrag. {*3} An [gez. Weingärtner(?)] den Herrn Landrat des Main=Taunus=Kreises Frankfurt a.M.= Höchst Kreishaus, Bolongarostr.101 «« ← Quelle: HHStAW 425,3941 Textvergleich(e): 5 (9.5.2018, 14.5.2018, 19.5.2018, 11.7.2018) {*1} Maschinenschriftliches Schreiben, DIN A5, Antiqua. Abschrift: Nachzeichnend, außer: aus Platzgründen Adreß- und Datumblock etwas nach links verschoben, Zeilenabstände nur nachempfindbar, im Fließtext freier Zeilenbruch. Eingangsstempel: Kreisausschuss, Frankfurt/M.-Höchst, 15. Juli 1938 {*2} "13" mit Violettstift eingetragen. {*3} Grauer Stempel, Fraktur. -----&----- Va Banque SS In einem zweiseitigen Schreiben {*1} vom 10. August 1938 teilt der Wiesbadener Regierungspräsident, von Pfeffer, dem Landrat des Main- Taunus-Kreises in Frankfurt a. M.-Höchst, Janke, Inhalte und Formalien mit, die die Ernennung des Willi Graf zum hauptamtlichen Bürgermeister von Kelkheim betreffen {*2}. So enthält das Schreiben auch einen Ent- wurf der Einstellungsurkunde. Sie ist vom Beauftragten Ersten Beigeord- neten (Georg Seebold 5.) und von einem der beiden Stadträte zu unter- zeichnen {*3}. Zum Verständnis des "a.D." (außer Dienst) in dem unten wiedergegebe- nen Entwurf: Graf mußte, um die Anstellung zu bekommen, beim Frankfurter Oberbürgermeister ein weiteres (!?) Jahr Beurlaubung beantragen oder aber seine Entlassung einreichen. Die Entscheidung wurde schließlich von von Pfeffer ultimativ gefordert, binnen 48 Stunden. Es kam zur Entlas- sung. Auf das offenbar zögerliche, unschlüssige Verhalten des Graf sowie den nicht unkomplizierten und bislang auch noch nicht ganz durchschau- baren Vorgang der Ernennung kann hier nicht detailliert eingegangen wer- den {*4}. Naja, besonders freundlich ist der Ton des Regierungspräsiden- ten von Pfeffer nicht gerade und dies wird sich in der Folgezeit deutli- cher zeigen. Von Pfeffer hatte scheinbar seine Wahrnehmungen gemacht; im Übrigen hatte auch ein von ihm angeordnetes Vorstellungsgespräch statt- gefunden (nach dem Verhaltensmuster sicherlich: "Obernazi befindet über Aufstiegsnazi"). Jedenfalls wirkt der Hinweis auf den besonderen Schutz des Führers in der verschraubt doppelbödigen Nazidiktatursprache eher wie ein prophylaktisch erhobener Zeigefinger (mit dabei: Eigenschutzhin- tergedanken). Die folgende Abschrift des Entwurfs ist zeichengetreu wiedergegeben (lediglich "Beauftragter Erster Beigeordneter" mußte etwas nach rechts versetzt werden). Der Entwurf des Regierungspräsidenten wird eingeleitet mit "Der Urkunde empfehle ich folgenden Wortlaut zu geben:" → »» " Ernennungsurkunde. Auf Grund der Verfügung des Regierungspräsidenten vom 10.August 1938 - I 2 Nr. 1965 III - wird der Verwaltungs- Oberinspektor a.D.Willi Graf in Frankfurt a.M. hiermit unter Berufung in das Beamtenverhältnis für die Zeit vom ......... bis ....... zum hauptamtlichen Bürgermeister der Stadt Kelk- heim ernannt. Diese Urkunde wird in der Erwartung vollzogen, daß der Ernannte getreu seinem Diensteide seine Amtspflichten gewissenhaft erfüllt und das Vertrauen rechtfertigt, das ihm durch die Ernennung bewiesen wird. Zugleich darf er des be- sonderen Schutzes des Führers und Reichskanzlers sicher sein. Kelkheim, den . . . . . . . Der Bürgermeister J. V. J. V. {*5} . . . . . . . . . . Beauftragter Erster Beigeordneter Stadtrat. " «« ← Quelle: HHStAW 425,3941 Textvergleich(e): 6 (18.6.2018, 12.7.2018, 23.8.2018) {*1} 1 Blatt, DIN A4 {*2} Eingangsstempel: Kreisausschuss, Frankfurt/M.-Höchst, 13.8.1938 {*3} Es nicht klar, wen von Pfeffer zu den "beiden Stadträten" zähl- te. Bis zum 31.3.1938 gab es 3 Beigeordnete und 8 Gemeinderäte. Nach der am 1. April erfolgten nationalsozialistischen Stadt- gründung ergibt sich aus der Quellenlage zur Besetzung kein ein- heitlicher, also kein ganz klarer Sachverhalt (so der derzeitige Stand der Nachforschungen, siehe dazu andernorts). Anscheinend ist aber die folgende Angabe zur Zusammensetzung die richtige: 3 Beigeordnete (je einer aus Kelkheim, Hornau und Münster) und 12 Ratsherren (6 für Kelkheim, je 3 für Hornau und Münster). Da Seebold der Beauftragte Erste Beigeordneter war, könnten mit "Stadträte" die anderen beiden Beigeordneten gemeint sein; für diesen Fall spräche eine gewisse Logik. Im HK vom 18. Juni 1938, S. 4, sind als Beigeordnete außer dem NSDAP-Ortsgruppenleiter Seebold Möbelfabrikant Alois Bender (Hornau) und Maurermeister Peter Herr [6.] (Münster) genannt. Herr 6. war NSDAP-Mitglied, Bender bis 1937 nicht, allerdings ist das Profil Benders ingesamt noch nicht erforscht, auch ist noch nicht klar, ob hier nicht eine Verwechslung vorliegt, denn der Hornauer Alois Bender ist kaufmännischer Angestellter, aber kein Möbelfabrikant; Erörterung siehe andernorts). {*4} Kurze Hintergrundinformation zum "Leben und Werk" des Graf 1938/ 1939: Die Laufzeit des Amts erstreckte sich (damals) über 12 Jahre, beginnend mit dem Tag der (feierlich begangenen) Ernen- nung. Das erste Jahr galt als Probezeit, mit anderen Worten: Der SS-Bürgermeister Graf in Kelkheim hat im ersten Jahr zu "liefern", sonst sitzt er auf der Straße oder muß von irgendwem aufgefangen werden. Graf besteht aber. Janke-Nachfolger Dr. Franz Brunnträger, vormals NSDAP-Kreisleiter des Main-Taunus- Kreises, dann kommissarischer Landrat in St. Goarshausen, NSDAP- Kreisleiter ebenda, danach in der "Landesregierung" Wiesbaden tätig, bestätigt dem Regierungspräsidenten auf dessen Anfrage, Graf habe gute Arbeit geleistet. {*5} In Schreibmaschinenschriftsätzen der damaligen Zeit wird sehr oft "J" anstelle von "I" verwendet. =======================+======================= FV (Frankfurter Ausgabe), Samstag, 27. August 1938, S. 8, Abteilung: Rhein~Main~Gebiet → »» Kelkheims erster Bürgermeister {*1} Kelkheim (Taunus), 26. August Die durch ihre Möbelindustrie bekannte Stadt Kelkheim im Taunus, die erst vor wenigen Monaten nach den Eingemeindungen von Münster und Hornau zur Stadt erhoben wurde, hat jetzt ihren ersten hauptamtlichen Bürgermeister als Stadt erhalten. Der neue Bürgermeister Willi G r a f [Graf] war Verwaltungsoberinspektor bei der Stadtverwaltung in Frankfurt und wurde auf Vorschlag des Beauftragten der NSDAP. mit Genehmigung des Regierungspräsidenten zum Bürgermeister der Stadt Kelkheim ernannt. «« ← Textvergleiche(e): 4 (18.10.2017, 19.5.2018) {*1} Der Titel ist extrem mißverständlich. Graf war der erste Bürgermeister des zur Stadt erhobenen Kelkheims. [1938_4]

Online: 18.4.2017, Version: 1.30, 27.1.2019

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Bearbeitungen und Kommentare (c) Diethelm Paulussen (siehe Titelseite)